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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"

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PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER. 



ALS ERGÄNZUNG 

DES 

PHILOLOGUS |S 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

ERNST von LEÜTSCH. 



DBITTER BAND. 



1871. 



GÖTTINGEN, 

VERLAG DER D I ETERIC HS C H EN BUCHHANDLUNG. 

1871. 



Nr. 1. Januar 1871. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



Vorwort. 

Die hindernisse , welche der erste Jahrgang des Philolo- 
gischen Anzeigers zu überwinden hatte, sind im Vorwort des 
zweiten bandes angedeutet: sie lagen lediglich in der person 
des herausgebers. Dass dem zweiten Jahrgang derartiges we- 
niger entgegengestanden, thut wohl die zeit des erscheinens 
dieses ersten heftes des dritten Jahrgangs kund, ein um- 
stand, der mich zu gar mannigfachem dank verpflichtet; darum 
hat es aber an Schwierigkeiten, freilich ganz andrer art, die je- 
dem bekannt sind, nicht gefehlt. Denn dass ein krieg, ist er 
für uns auch erhebend und- glücklich, die gedeihliche entwick- 
lung eines noch so jungen Unternehmens nicht fördern kann, 
bedarf keiner weitern ausführung : ich habe nach kräften jedes 
hemmniss zu beseitigen und zum guten zu wenden gestrebt. 
Wie wenig mir dies gelungen., 'sphe*icn vollkommen ein : denn 
auch der zweite band bietet noch nicht, was er bringen sollte, 
eine wo möglich vollständige Übersicht der philologischen litera- 
tur des jahrs 1870; es fehlen nicht bloss einzelne bücher und 
dissertationen, sondern es sind sogar einzelne zweige so gut wie 
gar nicht oder viel zu wenig berücksichtigt, ein übelstand, der 
nicht allein in den durch den krieg veranlassten Störungen seinen 
grund hat, sondern zum theil darin, dass wegen des geringen 
umfangs des ersten bandes in dem zweiten noch viel literatur 
vom j. 1869 berücksichtigt werden musste, und dass die corre- 
spondenz von mir auch wegen der dui*ch den krieg gewordenen 
sorge und aufregung nicht in der nöthigen weise durchgeführt 
Phil ol. Anz. in. 1 



2 1. Vorwort. Nr 1. 

werden konnte. Deshalb habe ich für gerathen gehalten, den für 
das zwölfte heft des bd. II in aussieht gestellten Jahresbericht vorerst 
noch zurückzuhalten , zumal da mir daraus eine neue arbeit be- 
deutenden umfangs erwachsen würde, die ich nicht wage grade 
jetzt auf mich zu nehmen: der bericht soll aber im laufe des 
j. 1871 erscheinen, sobald die chronik mir freie zeit lässt : als 
sie begonnen wurde, hoffte ich — uud wer wohl nicht? — auf 
baldiges ende des jetzt immer grössere dimensionen einnehmen- 
den kriegs: aber das was einmal begonnen, will ich eifrigst mir 
angelegen sein lassen, so gut als mir möglich zu einem für die 
philologie gedeihlichen ende zu führen. 

Und dies leitet mich auf die bitte , mit welcher ich dies 
vorwort schliesse. Begonnen ist das verzeichniss der phi- 
lologen, welche in dem beere der geeinigten deutschen 
nation gekämpft haben und jetzt noch kämpfen, ein verzeich- 
niss , dessen aufstellung viele ungewohnte arbeit mir bringt, 
mehr als ich ahndete: daher ersuche ich dringend alle fachge- 
nossen und freunde, mich freundlichst in den stand zu setzen, 
in der publizirung der Verzeichnisse fortfahren zu können, da 
sie die nothwendige grundlage für ein erst in friedenszeit aufzu- 
stellendes vollständiges abgeben. Fördere jeder das unternehmen 
in dem gedanken, dass einem theil derer, welche uns nicht nur 
vor den schrecken einer französischen invasion bewahrt, sondern 
auch Deutschlands einheit durch ihre ausdauer und ihr blut er- 
rungen haben, damit — freilich ja nur in geringem maasse — 
der schuldige dank dargebracht wird, vor allem aber dass wir 
damit denen, welche durch den Verlust theurer augehörigen 
so schwer geprüft sind, 'einen wenn auch schwachen trost be- 
reiten. Und so mögen hier noch die Worte aus Philol. Anzeig, 
bd. II, n. 9, p. 435 stehen, mit denen ich meine frühere auffor- 
derung geschlossen habe: 

„So grossartige erfolge dieser krieg auch gehabt hat, so segens- 
reich er auch in die weitere blüthe Deutsch lamls eingreifen uud 
eine so unerschöpfliche quelle zu wahrer freu de und zu gerech- 
tem stolze er auch sein wird — einen schmerz fühlt dabei die 
gegeuwart doch tiefer als irgend eiue andre zeit, den um die 
grosso des an unserer Jugend erlittenen Verlustes. Mag auch 
die zahl der opfer auf der seile des feindes numerisch die grö- 
ssere sein, was sind Turcos und Zuaven und Zephyre und die 



Nr. 1 . 2. Griechische grammatik. 3 

des Schreibens zum guten theil unkundigen französischen Offi- 
ziere gegen unsre gebildete und zum theil für die Wissenschaft 
zu den schönsten boffnungen berechtigende Jugend? unser ein- 
satz ist mit dem Frankreichs gar nicht zu vergleichen ! Dieser 
unserer jugend bereite man daher jede erlaubte ehre, feiere die 
überlebenden, traure vor allem um die todten und suche ihr 
gedächtniss in ehren zu erhalten. Das wollen wir hier; und so 
hielten es auch die alten: die Athener gruben die namen der 
in den kriegen für das Vaterland gefallenen in marmorne tafeln 
ein und stellten diese zur nacheiferung für die folgenden ge- 
schlecbter , zum ewigen dankbaren gedächtnisse öffentlich an 
geweihtem platze auf." 

Ernst von Leutsch, 
Göttingen, 1. januar 1871. 

2. Methodische grammatik der griechischen spräche von 
Rudolf Westphal. Erster theil. Formenlehre. Zweite ab- 
theilung. Jena 1871. XI u. 297 s. — 1 thlr. 

Diese zweite abtheilung der formenlehre behandelt das ver- 
bum. In dem kurzen voi wort bemerkt der verf. , dass er ein 
alphabetisches verzeichniss der sogenannten unregelmässigen verba 
habe ausschliessen müssen. An dessen stelle sei bei dem jetzi- 
gen stände der grammatik ein selbständiges , auch die regelmä- 
ssigen verba umfassendes verzeichniss der griechischen verbal- 
wurzeln zu setzen, im allgemeinen von derselben einrichtung 
wie Westergaard's Radices linrjuae Sanscritae. Ein solches ver- 
bal-lexikon habe aber nothwendig auf die wurzeln der verwand- 
ten sprachen riieksieht zu nehmen und könne deshalb kernen 
integrirenden bestandtheil der vorliegenden formenlehre bilden, 
in welcher die Sprachvergleichung für alles specieile grundsätz- 
lich ausgeschlossen sei. 

Die hier gegebene behandlung des verbums basirt auf 
dem im Vorwort zu der ersten abtheilnnj» ausgesprochenen satze, 
dass im griechischen wie im sanskrit ein fast durchgreifender 
gegensatz von zwei tempusklassen stattfinde , deren eine das 
präsens und imperfeetum , deren andere die gesammten übrigen 
tempora umfasse. Demgemäss bespricht der verf. nach einer 
Übersicht der verbalflexionen (§. 201 — 208) zuerst die flexionen 
und die stammbilduug des präsens und imperfectums (§. 210 — 

1* 



4 2. Griechische grammatik. Nr. 1. 

274), sodann die flexionen und die stammbilduug der übrigen tem- 
pora (§. 276 ff.). Man muss zugeben, dass es recht gut möglich 
ist , den gesammten gegenständ nach diesen beiden kategorien 
zu ordnen. Dennoch empfiehlt sich eine solche Ordnung nicht, 
und zwar zunächst aus rücksicht auf den lernenden, die doch 
der verf. nach vorr. zu abth. I, p. xvi keineswegs auschliessen 
will. Denn wenn anders der Unterricht dieser anordnung folgt, 
so muss der schüler nicht nur gleich von vorn herein die bin- 
devocallose flexion neben der bindevocalischen sich einprägen, 
sondern sich auch durch die ganze verwickelte lehre von der 
bildung des s. g. präsensstammes hindurcharbeiten , ehe er ein 
einziges verbum vollständig conjugiren lernt. Aber auch vom 
Standpunkte der Wissenschaft aus lässt sich ein einwurf erhe- 
ben. Es ist nämlich klar , dass die stammbildung des präsens 
jüugern Ursprungs ist, zum theil sich erst nach der periode der 
Sprachtrennung entwickelt hat, indem z. b. die präsensbildung 
auf Oxu) sich erst im lateinischen und griechischen findet; es 
wird also durch eine voraufstellung der stammbildung der prae- 
sentia und imperfecta die richtige einsieht in die historische ent- 
wicklung der spräche nicht gefördert. Auch practisch tritt die 
Schwierigkeit ein, dass bei der bildung des präsensstammes der 
Wurzelauslaut sich oft bis zur Unkenntlichkeit verändert (z. b. 
bei den verben auf -6öü> und -£w) und zum verständniss der 
eingetretenen Veränderung doch auf die wurzelform zurückge- 
gangen werden muss , wie sie sich in andern t^mporibus, na- 
mentlich im aor. II erhalten hat. 

Im einzelnen zeigt die auffassung und darstellung des vrf. 
vielfache eigenthümlicbkeiten. Darunter ist manches , was ge- 
wiss beifall finden wird, aber auch nicht weniges, wogegen mau 
Verwahrung wird einlegen müssen. Dahin gehört, dass das ff 
des aor. I und futurum als blosse Wurzelerweiterung aufgefasst 
und die von Bopp aufgestellte ansieht , dass darin die wurzel 
des hülfsverbums „sein" stecke, verworfen wird. Die gegen- 
grüude des vf. sind nicht stichhaltig. Gegen die Zusammen- 
setzung des aor. I mit dem augmentpräteritum (imperf.) von 
tl[A,l (wurzel as) wird p. 204 angeführt: 1) der formunterschied 
zwischen der endung des ersten aoristes und dem imperfectum 
von „sein" ist nicht bloss im griechischen, sondern auch in je- 
der der verwandten sprachen auffällig genug ; 2) die bedeutung- 



Nr. 1. 2. Griechische grammatik. 5 

wird durch diese hypothese gar nicht erklärt ; denn ihr zufolge 
ist der erste aorist nichts mehr und nichts weniger als ein zusammen- 
gesetztes imperfectum. Die frage, wie es nun komme, dass die- 
ses zusammengesetzte imperfectum i'Xe'Za eine von dem einfachen 
imperfectum ikiyov so verschiedene zeitbedeutung habe , bleibt 
bei dieser hypothese unberücksichtigt. Darauf ist zu erwiedern: 
1) der formunterschied läuft wesentlich darauf hinaus, dass das 
augment und der vocal der wurzel as in der Zusammensetzung 
verloren geht; ersteres rechtfertigt sich durch die erwägung, 
dass das schon dem hauptverbum angefügte augment nicht wie- 
derholt werden durfte, letzteres durch die analogie , welche 
der wegfall des wurzel vocals in mehreren formen des präsens 
im sanskrit und lateinischen bietet z. b. in der 3. pers. plur. 
eanti und sunt; 2) ein bedeutungsunterschied zwischen imperfect 
und aorist liegt allerdings im griechischen vor, allein wenn selbst 
ein so feiner beobachter des Sprachgebrauchs, wie R. W. Krü- 
ger, in vielen fällen bei Homer keinen erheblichen unterschied 
zwischen beiden Zeitformen wahrnehmen kann (Gram. II, §. 52, 
2, a. 1), so muss die thatsache, dass das sanskrit keinen bedeu- 
tungsunterschied zwischen aorist und imperfect kennt (Bopp 
vgl. gr. §. 517) zu der ansieht führen, dass ein solcher bei der 
ersten bildung der beiden tempora gar nicht von der spräche 
beabsichtigt ist , sondern erst allmählich sich entwickelt hat. 
Genügt doch auch der deutschen spräche eine und dieselbe form 
für aoristischen und imperfectischen gebrauch. Für die fu- 
turendungen , meint der vf. , sei die form - identität mit dem 
futurum von „sein" freilich augenscheinlich, aber damit sei noch 
keineswegs die genesis der übrigen futura aus einer Zusammen- 
setzung des verbalstammes mit dem futurum von sein erwie- 
sen, eben so wenig wie die augenscheinliche bewegung 
der sonne, der planeten und fixsterne um die erde sich als die 
wirkliche bewegung erwiesen habe. Hier vergisst der vf. 
nur die kleinigkeit, dass die wirkliche bewegung der sonne u. 
s.w. durch die schärfsten wissenschaftlichen argumente erwiesen 
ist, dass folglich auch er verpflichtet gewesen wäre jene augen- 
scheinlichkeit durch gleich scharfe wissenschaftliche argumente 
zu entkräften. Was bedeutet denn aber nach dem vf. jenes 
„ wurzelerweiternde" o? Dasselbe, was die reduplication, näm- 
lich „intensivität" d. h. entweder gar nichts oder alles, was 



6 2. Griechische gramraatik. Nr. 1. 

man ans einem so allgemeinen begriffe herausklauben kann. 
In Zusammenhang mit der eben dargelegten meinung des vf« 
steht, dass er auch in dem plusquamperfectum act. eine Zusam- 
mensetzung mit dem imperfect von «fyn nicht anerkennt (p. 279), 
obgleich doch hier die analogie des lateinischen so nahe liegt. 

Sehr auffällig ist auch die behauptung, dass der aor. I ur- 
sprünglich ohne bindevocal flectirt worden sei mit ausnähme der 
drei personen sing, und 3. pers. plur. ind. act. und des optativs 
(p. 266 ff.). Formen wie ihiG/jev für ilvaufisv und iXvOfjM&u für 
hhnsi'tfjks&u sind nach ihm die ursprünglichen und haben erst in 
verhäl nissmässig später zeit den bindevocal a angenommen. 
Eine kühne kypothese, die wohl einer ausführlichen begründung 
bedurft hätte. Indessen darauf geht der vf. nicht ein, sondern 
lässt nur errathen, dass seine annähme auf das vorkommen der 
kurzen vocnle o und e in den entsprechenden conjunetivformen 
des aor. I bei Homer sich stützt. Allein wenn es auch in neuester 
zeit wahrscheinlich gemacht ist, dass z. b. die conjunetivform Tofjtv 
nicht aus l'w/jtr verkürzt, sondern durch einschiebung eines o gebil- 
det ist, so darf doch daraus nicht die consequenz gezogen wer- 
den, dass überall wo der conjunetiv die kurzen vocale o und 
f zeigt, die entsprechenden intlicativformen ursprünglich keinen 
bindevocal gehabt hätten; es muss vielmehr angenommen wer- 
den, dass das häufige vorkommen von conjunetivformen wie 
To/Jtv neben Xujfisv das Sprachgefühl zu dem irrigen schluss ver- 
leitete , es sei hier eine Verkürzung vorgenommen , welche sich 
auch auf andere fälle übertragen lasse. 

Hinsichtlich des perfectums begegnen wir der behauptung, 
dass das griechische in seinen activen perfeetformen schon früh 
grosse Verluste erlitten habe, dass aber die spätere spräche die 
frühzeitig verlorenen perfecta zu resuscitiren bestrebt sei, p. 
223 f. Dass diese behauptung unrichtig ist , lässt sich nicht 
beweisen ohne tieferes eingehen in den geschichtlichen aufbau 
des griechischen verbums, als an diesem orte zulässig sein 
möchte. Nur so viel mag daher hier ausgesprochen werden, 
dass das perfectum eine zwar uralte, aber nicht zu durchgrei- 
fender entwicklung gekommene form ist. Beweis dafür ist, dass 
nicht nur die ältere griechische spräche, sondern auch das 
sanskrit das perfectum act. genau genommen nur von alten 
wurzelverben bildet (für abgeleitete verba hat das sanskrit eine 



Nr. 1. 2, Griechische grammatik. 7 

umschreibende form). Da nämlich dieses tempus in der altern 
zeit auch die functionen eines gewöhnlichen Präteritums hatte 
(für die präsentische bedeutung bietet das sanskrit nur sehr 
wenige beispiele) , so wurde es neben den beiden andern präte- 
riten, imperfect und aorist, fast überflüssig und wegen der Schwie- 
rigkeit seiner bildung kam seine Weiterentwicklung ius stocken. 
Die griechische spräche versuchte erst dann dasselbe auf alle 
verba auszudehnen (was übrigens niemals ganz gelungen ist), 
als das bedürfniss sich regte, für den perfectbegriff , der bei 
Homer noch regelmässig durch den aorist ausgedrückt wird, 
eine besondere form zu gewinnen. Die lateinische und die 
deutsche spräche, welche dabei blieben , das alte perfectum als 
Präteritum zu verwenden und darüber die beiden andern präte- 
rita verloren (denn das lateinische imperfectum ist, von eram 
abgesehen, eine neubildung der lateinischen spräche) , mussten 
wegen dieses erweiterten gebrauchs zu dem auskunftsmittel zu- 
sammengesetzter formenbildung greifen, wo sie es nicht mit 
alten wurzelveiben zu thun hatten (vgl. die lateinischen perfecta auf 
vi ui und si, die deutschen präterita auf -te, gothisch da plur. 
dedum). In Zusammenhang mit diesen andeutungen muss ich 
auch noch die gewöhnliche, auch von dem vf. (p. 4) ausgespro- 
chene meinung negiren , dass das griechische perfectum niemals 
als präteritum gebraucht werde; vielmehr zeigt das homerische 
uvwyu an zahlreichen steilen und eben so einige andre perfecta 
noch deutlich, dass die Verwendung desselben als erzählendes 
tempus der altern gräcität eben so wenig fremd war , als den 
verwandten sprachen. 

Völlig unbegreiflich ist mir, was den Verfasser zu der mei- 
nung berechtigen kann , dass in der allerfrühesten zeit dem 
zweiten aorist die reduplication ein characteristisches und not- 
wendiges bi'.dungselement gewesen sei, so dass für die nicht 
reduplicireuden aoriste der epischen spräche ein ausfall der re- 
duplicationssilbe anzunehmen sei, p. 291. Ich begnüge mich 
diese hypothese zu signalisiren, ohne es für nöthig zu halten 
sie zu widerlegen. 

Die gemachten ausstellungen mögen dazu dienen , allen 
denjenigen, welche, weil ihnen selbständige kenntniss der Sprach- 
vergleichung abgeht, geneigt sein möchten der auctorität des 



8 3. Griechische grammatik. Nr. 1. 

vf. zu folgen, einige vorsieht bei benutzung des buches anzu- 
empfehlen. H. D. M. 

3. Indices lectionum et publicarum et privatarum quae in 
academia Marburgensi per sem. aestivum — MDCCCLXX ha- 
bendae proponuntur. Praemisssa est Leopoldi Schmidtii de 
traetandae syntaxis graecae ratione commentatio. Marburgi V. p. 
15. 4. 

Der vf. vertheidigt seine ansichten über die bedeutung des 
optativus und coniunetivus ohne und mit «v, welche er 1868 
in der abhandlung de omissa apud optativum et coniunetivum äv 
particula erörtert hatte, gegen die einwürfe Ch. Thurots in der 
Kevue critique d'histoire et de literature 1869, p. 371 ff. und 
des ref. im Philol. Anz. 1869, p. 2 ff. Wenn er Thurot ge- 
genüber festhält, dass jeder form und fügung eine eigenthüm- 
liche und von der jeder andern verschiedene bedeutung zu- 
komme, dass wir also nicht auf eine blos äusserliche beobach- 
tung dessen, was vorkommt, beschränkt sind, so hat er ohne 
zweifei recht. Auch darin, dass der schein, als ob zwei aus- 
drucksweisen dasselbe bedeuten , darauf zurückgehe , dass der 
sache nach beide möglich seien, die Stimmung des schreibenden 
aber nun gerade der einen den vorzug gegeben habe. Nur 
versteht ref. nicht, warum dann G. Hermanns verfahren subri- 
diculum genannt wird (p. 3): denn um bei dem beispiel des vf. 
zu bleiben, dass ^V mit conj. auch da stehen könne, wo wir jetzt 
el mit dem conj. finden und umgekehrt, so leugnete Hermann 
das nicht, er sagte nur, dass dann ein etwas anderer sinn darin 
liege. Und worin unterscheidet sich von der erklärung beider 
construetionen durch Hermann (p. 3) die psychologica explicatio des 
vfs , wenn er p. 12 sagt: ab eis locis, ubi d positum reperitur, 
quidam animl affectus non est alienust Ueberhaupt glaube ich 
nicht, dass subridiculum eine für Gotfrid Hermanns ansich- 
6i*chten, auch wenn sie unrichtig sind, passende bezeichnung ist. 

Wenn ferner feine unterscheidungsgabe als die wesentliche 
eigenschaft des griechischen geistes auch in den sprachlichen er- 
scheinungen bezeichnet wird (p. 1 ff.) , so ist richtig , dass es 
eine dieser wesentlichen eigenschaften ist, aber eben so sehr 
wird die gäbe in verschiedenen erscheinungeu das gemeinsame 
zu erkennen und statt der verschiedenen bezeichnungen dersel- 



Nr. 1. 3. Griechische grammatik. 9 

ben sie unter einer zusammenzufassen , in der spräche erkannt 
werden müssen, wie sie sich im aufgeben des ablativus loca- 
tivus und instrumentalis, im allmählichen verschwinden des duals 
und anderem zeigt. 

Aber wenn eine Verschiedenheit in der betrachtung und 
behandlung sprachlicher erscheinungen auf das engste mit dem 
volkscharakter zusammenhängt und Engländer, Holländer, Fran- 
zosen immer mehr sich sorgfältiger äusserlicher beobachtung 
der thatsachen, Deutsche dem nachdenken über die innern gründe 
der verschiedenen ausdrucksweisen zuwenden werden, so dür- 
fen doch auch wir uns, so hoch wir unser verfahren stellen mögen, 
der frage nicht entziehen , welchen einfluss der Sprachgebrauch 
geübt habe. Auch der vf. giebt wohl zu , dass , um auch hier 
bei verwandtem zu bleiben, die möglich keit eines vvv uv 
nollu Tiad-flGi, tu/ Sv jvots &v/xov oXtGGrj in attischer zeit wie 
in den tagen Homers bestand, aber der gebrauch dagegen 
entschieden hatte. Wie sollte es also nicht pflicht des gramma- 
tikers sein sorgfältig zu erforschen, was etwa von dem sprach- 
lich vollkommen berechtigten in einzelnen zeiten und gat- 
tungen durch den gebrauch beseitigt worden sei? Und bei 
der durchbildung der attischen prosa durch den unendlich viel- 
fachen gebrauch der gerichte, der Volksversammlung, der so- 
phistisch-philosophischen Unterhaltung, der komödie hat die fest- 
setzung einer festen, herkömmlichen ausdrucksweise für gewisse 
Wendungen und gestaltungen des gedankens mit ausschliessung 
anderer sprachlich sonst durchaus richtiger und möglicher fü- 
gungen nichts auffallendes. Lässt sich ein grund sagen, warum 
Isokrates immer fj,ndj nie Gvv gebrauchte ? Oder dass Iva damit 
nie uv bei sich hat, wohl aber Iva wo? "Wie nun aber, wenn 
die Überlieferung der handschriften schwankt? Sollen wir, wenn 
irgend etwas an einer oder ein paar stellen in schlechten hand- 
schriften erhalten ist , was als sprachlich möglich erscheint, dies 
sofort für richtig halten, wenn die Überlieferung guter hand- 
schriften auf einen andern festen Sprachgebrauch hinweist und 
wenn wir wissen', dass nach auffindung guter handschriften in 
vielen stellen das längst beseitigt ist, was jetzt in einigen weni- 
gen nach schlechten festgehalten werden soll? Oder auch, wenn 
die besten handschriften einmal , zweimal etwas allenfalls er- 
klärbares haben , während sie an einer menge von stellen das 



10 3. Griechische grammatik. Nr. 1. 

dem sonst feststehenden Sprachgebrauch entsprechende bieten 
oder das widersprechende selbst beseitigt haben? So freut sich 
ref. , dass auch der vf. av bei dem optativus futuri im selbst- 
ständigen satze verwirft (p. 14), obgleich es an ein paar stellen die 
handschriften bieten, kann aber für av mit dem indic. futuri weder 
dem vereinzelten uv rfeti bei Plat. Civ. 10, 615D und noch we- 
niger dem optativ mit uv abhängiger satze bei Lys. 1, 22 und 
Xen. Cyr. 7, 3, 10, die vf. p. 14 f. beibringt, irgend eine be- 
weiskraft zugestehn. Bei Plato hat ref. schon zu Lykurg p. 
98 «r/jlft vermuthet und findet dies , das ja gar keine ände- 
rung ist, auch jetzt noch dem Zusammenhang durchaus entspre- 
chend. In der stelle Xenophons hätte Abradatas in jedem fall 
nicht gesagt jl av noiijcag Kvqoj xagiGopui, wie der vf. meint, 
sondern xuQiovfjati da nun die handschriften in der abhängigen 
rede rl äv — xagtöoiro haben, so muss man das für einen gewöhn- 
lichen fehler statt ^ugiauiro halten. Bei Lysias hat ref. freilich 
zu Lykurg p. 97 auch ovdev uv — xuTulrjipoMO vertheidigt, aber 
xaiaXufjßävnv und der ganze Zusammenhang zeigen, dass jwv 
imirjdsiutv masculinum sei und I. Bekker also mit der leich- 
ten änderung ovdeva recht hatte. So bewährt es sich denn, 
denkt ref., dass die stelle Piatons geändert werden müsse, so 
gut als die von L. Herbst (über uv beim futur im Thukydides. 
Hamburg 1867, p. 23) angeführte stelle des Xenophon An. 2, 5, 
13 uv xtih/iGtod's, wo Hertlein xoXdaato&f hergestellt hat, weil sie 
in ihrer Vereinzelung dem sonst feststehenden Sprachgebrauch ge- 
genüber nichts beweisen können. Denn ref. will einmal zugeben, 
dass uv mit ind. fut. möglich sei; ob es das sei, was ref. be- 
zweifelt, gehört nicht hierher. In so weit, aber auch nur in 
so weit hat ref. in der anzeige der früheren abhandlung des 
vfs. von einem entscheiden nach der zahl der stellen gespro- 
chen und muss auch uoch jetzt daran festhalten, obgleich er 
sonst dem urtheilen nach mehrheiten nicht minder als der vf. 
p. 14 abgeneigt ist. 

So wünschte ref. noch über manche punkte und einzelne 
stellen sich mit dem vf. auseinanderzusetzen, aber die anzeige 
ist schou so zu lang geworden. H. S. 

4. Grammatische Studien. Eine Sammlung sprachwissen- 
schaftlicher monographien in zwangloser folge. Zweiter theil. 



Nr. 1. 4. Lateinische grammatik. 11 

Die syntax von Quom und die entwicklung der relativen tem- 
pora im altern latein. Von Eduard Lübbert 8. Breslau, 
Ferdinand Hirt. 1870. — 1 thlr. 15 sgr. 

Die vorliegende schritt kann mit bestem gewissen als eine 
würdige fortsetzung des bekanntlich vor drei jähren mit der 
Untersuchung über den conjunctiv perfecti und das futurum ex- 
actum im älteren latein begonnenen Unternehmens bezeichnet 
werden. Auch diese arbeit ist mit dem sorgfältigsten fleisse, 
vorzüglicher methode, seltenem Scharfsinn ausgeführt, sie ist in 
derselben klaren und liebenswürdigen spräche geschrieben und 
bietet gleichfalls sichere und höchst werthvolle resultate , mit- 
telst deren zum ersten male die entwicklungsgeschichte der par- 
tikel quom ganz ins reine gebracht wird. 

Die resultate, deren Übersicht durch die practische Zusam- 
menstellung der belege nebst dem critischen apparate in der 
beilage wesentlich erleichtert ist , sind folgende. Für Plautus 
zunächst ergiebt sich als ganz unzweifelhaft, dass bei demselben 
quom in jedweder bedeutung, temporaler, explicativer , causaler, 
adversativer, an und für sich den indicativ bei sich hat; ist ein 
conjunctiv damit verbunden, so ist derselbe entweder ein freier 
oder durch den einfluss der abhängigen rede oder durch assi- 
milation an einen anderen conjunctiv veranlasst, nicht durch 
quom bedingt. Von den dieser regel widersprechenden stellen 
sind Asin. 395. Stich. 31. Merc. 980 augenscheinlich corrupt 
(sollte an letzterer stelle nicht der versausgang gelautet haben 
redduxi [vix] domum?), Mil. gl. 1287 ist lückenhaft überliefert, 
Epid. I, 2, 8 gehört einer durch den Ambrosianus als unecht er- 
wiesenen versgruppe an (in der neuesten ausgäbe steht freilich 
auch hier der indicativ temperas statt des conjuoctivs temperes der 
vulgate ohne jede andeutung einer abweichung der handschrif- 
ten, ob auf grund der benutzten Studeinundschen collation des 
Vetus oder nur in folge bekannter Geppert'scher akribie?), Truc. 
II, 4, 30 heilt dieselbe handschrift, für Truc. I, 2, 61 schliess- 
lich ist ausser dem von Lübbert für die änderung des überliefer- 
ten conjunctiv in den indicativ beigebrachten gründe zu beachten, 
dass gerade in diesem stücke mit den endungen und zumal im 
versschlusse in der schlimmsten weise umgesprungen wird. Für 
Terenz wird dasselbe gesetz durch eine so grosse zahl von stel- 
len bestätigt, dass die drei von Lübbert als demselben wider- 



12 4. Lateinische grammatik. Nr. 1. 

streitend beigebrachten stellen , Eun. prol. 21 mit temporalem 
quom, Hec. 705 mit causalem, Ad. 166 mit adversativem, schon 
an und für sich verdacht, erregen müssen. An der ersten stelle 
perfecit sibi ut inspiciundi esset copia. magistratus quom ibi adesset, 
occeptast agi, hatte schon Fabian dem übel durch änderung der inter- 
punction perfecit — copia, magistratus — adesset. occeptast agi abzu- 
helfen gesucht. Diese auffassung bezeichnet Lübbert als nicht sinn- 
gemäss, da die Vorstellung, als ob der nebenbuhler des Terenz 
die gegenwart des magistrats als einen wesentlichen theil sei- 
nes Wunsches ausgesprochen habe, eine unpassende sei, und än- 
dert mit beibehaltung der gewöhnlichen interpunction adesset in 
adsedit. Ist denn aber wirklich jene Vorstellung eine so unpas- 
sende ? Zur erreichung seiner absieht, Terenz stück von vorn 
herein in misscredit zu bringen, war es für Lascius Lavinius wesent- 
lich, wenn er seine beschuldigungen gerade in gegenwart der 
aedilen vorbringen konnte ; also lässt sich sehr wohl denken, dass 
er sich ausdrücklich um die erlaubniss bemüht habe, der ersten 
probeaufführung vor den aedilen beiwohnen zu dürfen, und dass 
Terenz dies habe andeuten wollen. Die von Fabian vorgeschla- 
gene änderung der interpunction erscheint demnach ganz und 
gar nicht unangemessen, so dass man füglich einer sonst aller- 
dings nöthigen änderung der Überlieferung entrathen kann, ganz 
abgesehen davon, dass Lübbert's vermuthung nicht ganz unbe- 
denklich ist. Die beiden andern stellen hält derselbe für un- 
zweifelhafte beweise, dass Terenz doch schon nach causalem 
und adversativem quom den conjunetiv im eigentlichsten sinne 
gesetzt habe. Was Hec. 705 nam puerum iniussu credo non toi" 
let meo, praesertim in ea re cum sit mi adiutrix soerus betrifft, so 
lässt sich abgesehen von der möglichkeit , dass quomsit durch 
ein nicht seltenes versehen aus quomst entstanden wäre , auch 
hier der conjunetiv als ein freier auffassen, wenn es auch Lübbert 
ausdrücklich in abrede stellt; die folgende auffassung der stelle 
„schon an und für sich wird Philumena den knaben ohne meine 
genehmigung nicht aufziehen , und zumal da meine schwiegei*- 
mutter, wenn sie es ja thun wollte, in diesem punkte auf mei- 
ner seite stehen würde'' erscheint uicht einmal gezwungen , ge- 
schweige denn unmöglich. Hinsichtlich der Adelphenstelle : novi 
ego vestra hacc; „nollem factum, iusiurandum dabitur te esse indignum 
iniuria hac" : Indignis cum egomet sim aeeeptris modis , so hat die- 



Nr. 1. 4. Lateinische grammatik. 13 

selbe , von metrischen bedenken abzusehen , in unmittelbarer 
nähe des betreffenden conjunctivs eine corruptel erfahren ; denn 
egomet hat sonst bei Terenz einen ganz entschiedenen nach- 
druck, der aber hier ganz und gar nicht am platze ist. Bei 
der nachbarschaft dieses schwer zu beseitigenden fehlers aber, 
der den verdacht irgend einer zurechtflickerei zu erregen geeig- 
net ist , können die nächststehenden worte auch nicht ganz un- 
verdächtig erscheinen. Die construction von quom mit dem 
conjunctiv ist demnach für Terenz mindestens zweifelhaft. Da 
es für Plautus aber als thatsache angesehen werden kann, dass 
bei ihm quom für sich noch nicht den conjunctiv regiert, so ist 
ein quom temporale in einem Odysseefragment des Livius und 
in quom causale mit diesem modus in einem comödienfragmente 
des Naevius- ganz unwahrscheinlich. In der ersten stelle besei- 
tigt Lübbert den anstoss durch eine sehr schöne emendation; 
minder leuchtet seine correctur des Näviusfragmentes p. 15 v. 
55 Ribb. ein: Edepöl, Cupido, cum tu's tarn pausillus , nimis mul- 
tum vales, statt edepol Cupido, cum tarn pausillus sis, nimis multum 

vales: näher biegt wohl: 

edepol, CupidOf 

Cum tdm pausillu's^ is nimis multum vales v — , 

so dass is gesetzt wäre wie ebenfalls in beziehung auf die zweite 
person mehrfach bei Plautus nach relativsätzen, vgl. Epid. III, 
1, 8 tibi quoi divitiae sunt maxumae, is nummum nullum habes. III, 
5, 80 qui in tantis positus sum sententiis, ei sie data esse verba. Das 
erste sichere beispiel eines selbständig den conjunctiv regieren- 
den quom und zwar eines temporalen weist Lübbert aus einem 
annalenverse des Ennius nach. — Höchst anregend und beleh- 
rend sind die sich diesen Untersuchungen anschliessenden erör- 
terungen zur begründung der ansieht , dass der conjunctiv der 
nebentempora nach quom eine folge der zeitlichen relativität die- 
ser tempora sei, und zur erklärung der erscheinungen, dass der 
begriff der zeitlichen relativität nur im zeitsatz durch den con- 
junctiv ausgedrückt wird, dass das ältere latein den conjunctiv 
der nebenzeiten nach quom in directer rede noch nicht kennt, 
dass nicht auch für andere zeitcoujunetionen der conjunctiv in 
regelmässigen gebrauch gekommen ist , und der scheinbaren Un- 
regelmässigkeiten des modusgebrauches nach quom temporale im 
classischen latein aus dem prineip der zeitlichen relativität. Es 



14 5. Lateinische grammatik. Nr. 1. 

möge aus diesen abschnitten , auf die hier näher einzugehen zu 
weit führen würde, nur ein besonders bedenklich erscheinender 
punkt hervorgehoben werden. P. 192 sq. erklärt verf. Hec. 
378 tarn ut Urnen exirem, ad genua accidit, den höchst auffälligen 
conjuuctiv bei temporalem ut als ausdruck der zeitlichen Subor- 
dination des nebenereignisses unter das hauptereigniss, weil an 
dieser stelle offenbar der dichter die strenge gleichzeitigkeit der 
beiden handlungen hervorheben wollte. Was sollte aber hier 
diese hervorhebung der strengen gleichzeitigkeit der handlun- 
gen für einen zweck haben? Bei einem Schriftsteller, der 
sonst die zeitliche Unterordnung durch den indicativ ausdrückt 
muss dieser vereinzelte und absonderliche conjunctiv immerhin 
verdacht erregen. Am ende ist das ut exirem doch weiter nichts 
als ein alter fehler, schlimmbesserung eines abschreibers , der 
thöricht genug war das ut final aufzufassen. 

Im einzelnen findet sich wohl manches, das sich bemän- 
geln Hesse, mancher punkt , mit dessen behandlung man sich 
nicht ganz einverstanden erklären kann ; doch sind es im ver- 
hältniss zu dem ganzen der ausgezeichneten arbeit nur unwe- 
sentliche einzelheiten, die füglich unerörtert bleiben dürfen. 

5. Specimen grammaticum. Commentatio philologica quam 
ad summos in philosophia honores in alma litterarum academia 
Monasteriensi rite impetrandos scripsit Guilelmus Weiss- 
brodt. 8. Confluentibus, typis Hergtii. 1868. 36 pp. 

Diese sorgfältige, wenn auch nicht immer in gerade sehr 
geniessbarem latein geschriebene abhandlung soll die erste probe 
einer reihe von Untersuchungen über einzelne punkte der latei- 
nischen grammatik sein, angestellt hauptsächlich auf grund des 
inschriftlichen materials. Dass verf. sehr genaue Studien über 
das letztere gemacht, ergiebt sich zur genüge schon aus der ein 
drittel des ganzen einnehmenden vorrede , in der er eine reihe 
von mehr oder minder erheblichen differenzen zwischen Kitsch Ts 
und Mommsen's angaben constatirt, auch den letzteren und 
Hübner in einigen punkten berichtigt. Den eigentlichen in- 
halt bildet eine nach einer notiz des Verfassers nur zum drit- 
ten theile mitgetheilte Untersuchung über die consonantenver- 
doppelung, die nach der durch die inschriften , wie vf. auf's 
neue nachweist, bestätigten notiz des Festus bekanntlich auf En- 



Nr. 1. 5. Lateinische grammatik. 15 

nius zurückgeführt wird. Die absieht des Verfassers geht nun 
dahin, anknüpfend an die bekannten festsetzungen Ritschl's, die 
ja durch ein etwas äusserliches verfahren gewonnen sind, die 
entwicklung der gemination genauer darzustellen. Die richtig- 
keit der dabei befolgten methode ist durchaus einleuchtend: mit 
vollem rechte werden der Untersuchung nicht gleicbmässig alle 
Inschriften, sondern in erster linie diejenigen zu gründe gelegt, 
die bei sorgfaltigerer abfassung und Schreibung auch umfäng- 
licher sind. Inschriften dieser art aas der ersten hälfte des 7. 
Jahrhunderts sind die lex repetundarum und die lex agraria. Die 
Untersuchung derselben nach diesem gesichtspunkte ergiebt fol- 
gendes resultat: während sich in der sonstigen Orthographie bei- 
der bekanntlich auf derselben tafel eingrabeneu Urkunden eine 
soL-he difFerenz zeigt, dass an eine abhängigkeit der einen von 
der anderen in bezug auf Orthographie nicht gedacht werden 
kann, besteht hinsichtlich der nichtgemination und gemination 
eine ausserordentliche Übereinstimmung. Woher kann diese 
Übereinstimmung bei der sonstigen Verschiedenheit anders rüh- 
ren, als von dem gebrauche der gracchischen zeit , die in be- 
stimmten fällen die gemination noch nicht kannte, in anderen 
sie bereits festgehalten hatte, in anderen noch zwischen gemi- 
nation und nichtgemination willkürlich schwankte? Liess aber 
der brauch dieser zeit in gewissen fällen die gemination noch 
nicht zu, so muss sie in denselben auch den vorangehenden Zei- 
ten noch unbekannt gewesen sein; man darf daher annehmen, 
dass auch Ennius für diese fälle die gemination noch nicht an- 
gewendet, dieselbe also nur für gewisse fälle eingeführt hat. Hier 
bricht leider die arbeit ab ; hoffentlich gönnt uns bald vrf. die 
fortsetzung, in der auch die übrigen inschriften, zunächst die 
Scipionen-elogien, in gleicher weise untersucht und daran mit die- 
sem resultate die probe gemacht, vielleicht auch , soweit es mit 
den vorhandenen mittein möglich ist. festgestellt werden soll, 
innerhalb welcher grenzen sich die gemination bei Ennius be- 
wegte. — Schliesslich möge noch auf die interessanten beobach- 
tungen hingewiesen werden, dass ungefähr bis zur mitte des 7. Jahr- 
hunderts die volleren formen des pronomen hie und die forin utei in 
dengesetzesurkuuden die regel, in den anderweitigen inschriften die 
ausnähme bilden, und dass von dem einlachen pronomen is der dat. 
sing., der nom. dat. abl. plur. auf den inschriften der republik ohne 



16 6. Epigraphik. Nr. 1. 

ausnähme zwei vocale haben; in einem excurse wird dann noch 
nachgewiesen , dass schon im ersten Jahrhundert n. Chr. die 
formen hie und is auf inschriften verwechselt werden. 



6. Kärnten's römische alterthümer. Mit karten und abbil- 
dungen vom oberlandesgerichtsrathe Mich. F. v. Jaborneg- 
Altenfels 4. Klagenfurt. 1870 (im Selbstverläge des Ver- 
fassers). IV u. 220 s. nebst karten und abbildungen. 

Kärnten , , das bekanntlich einem theile des alten regnum 
Noricum entspricht, gehört zu den ländern, in denen die römische 
herrschaft unauslöschliche spuren zurückgelassen hat; es zeugen 
davon nicht allein die sehr zahlreich dort gefundenen inschrif- 
ten, sondern auch eine nicht geringe anzahl von antiken, die 
allerdings zum grössten theil auf höhern kunstwerth keinen an- 
spruch machen können. Gewiss wird man es daher den bewohnern 
dieses landes nur dank wissen können , wenn sie für erhaltung 
und würdige publication ihrer einheimischen schätze sorge tra- 
gen: ist es doch nur ihnen durch ihre localkenntniss ermög- 
licht , die überall zerstreuten denkmäler aufzuspüren und eine 
wenigstens annähernde Vollständigkeit zu erzielen. Wenn nun 
auch schon für die geschichte und geographie von Noricum aus- 
führliche arbeiten, besonders von Muchar und Ankershofen vor- 
lagen, so konnte doch die publication der inschriftlichen monu- 
mente in diesen werken auch den bescheidensten ansprüchen 
nicht genügen ; es musste daher vor allem des Verfassers be- 
streben darauf gerichtet sein, getreue copieen der noch erhalte- 
nen, theilweise sogar unedirten inschriften zu geben und es hat 
derselbe mit recht darin die hauptaufgabe seines werkes gesehen : 
von den die zahl 400 übersteigenden steinen , von denen etwa 
der vierte theil aus den ruinen des alten Virunum ans tages- 
licht gekommen ist, hat er weitaus den grössten theil selbst co- 
piert, mit genauer angäbe der zeilenabtheilung , der lücken, der 
maasse und des fundortes. Die abschritten sind , so weit man 
ohne vergleichung der originale urtheilen kann, mit Sorgfalt ge- 
macht, wenn man auch kleine versehen in zahlreichen fällen mit 
Sicherheit nachweisen kann ; es zeigt sich auch hier wieder 
deutlich, dass fehlerlose copieen von schwer lesbaren inschriften 
ohne e.pigraphisch • antiquarische kenntnisse kaum möglich sind. 
Und von diesem mangel können wir allerdings den Verfasser 



Nr. 1. 6. Epigraphik. 17 

nicht freisprechen ; seine historischen notizen sind grösstenteils 
aus dem lexicon von Piticus geschöpft und die von ihm auf 
eigene hand versuchten auflösungen der inschriftlichen abkür- 
zungen verrathen eine auf diesem gebiete bedenkliche Unsicher- 
heit ; nur wenige proben mögen hier zur rechtfertiguug eine 
stelle finden: p. 23, nr. 11 wird die bekannte formel de[o) i[n- 
victo) M[ithrae) in: d[eo) I[ovi) M[aximo) ergänzt: p. 24, n. 13 
die schon von Henzen (III, p. 110) richtig gedeuteten siglen : 
v'ir) p{erfectissimus) p'raeses) p[rovinciae) N[orici) M(edi)t[erranei) 
von dem Verfasser nach seines lehrers Eichhorn deutung erklärt 
als: viplens) p(ropria) p[ecunia) p[onendo), n[umine) m{onitus) t[ute- 
lari), ein latein , das selbst in den uncivilisirtesten gegenden 
des römischen reiches als barbarisch gegolten haben würde : p. 
106, n. 264 wird aus einem c'onductor) fierrariarum) Noricarum) 
gemacht: C[alpumii) f[ilius) n[ovavit) und ähnliche ungeheuer- 
liche ergänzungen finden sich noch sehr oft in dem buche: wir 
möchten daher dem Verfasser das Studium des Henzen'schen in- 
dex angelegentlichst empfehlen, um so mehr, als die anfährun- 
gen des Henzen'schen ergänzungsbandes zu Orelli den eindruck 
machen, als ob derselbe dem verf. nicht aus eigener anschauung 
bekannt geworden sei. — Was die inschriften selbst betrifft, so 
geben dieselben manche interessante aufschlüsse über die kultur 
und die Verwaltung der römischen provinz Noricum ; sehr be- 
merkenswerth ist die grosse zahl einheimischer keltischer eigen- 
namen, die natürlich am längsten der eindringenden romanisi- 
rung widerstanden haben. ' Freilich wird man nicht überall mit 
dem Verfasser geneigt sein, keltische namen anzunehmen ; Antistia, 
Fronto , Senecio, Suva u. a. in dem verzeichniss der keltischen 
namen zu finden, muss gerechte Verwunderung erregen, und wenn 
in nr. 393 der name Chariton als „sicher keltisch" bezeichnet 
wird, so dürfte die vermuthung gerechtfertigt sein, dass der hr. 
oberlandesgerichtsrath getreu dem alten grundsatze seiner zunft- 
genossen: graeca non leguntur , die griechische spräche nicht in 
den kreis seiner Studien gezogen hat. 

Es ist zu bedauern, dass nicht sachgemäss angefertigte in- 
dices die zahlreichen , besonders orientalischen gottheiten , die 
römischen ober - und unterbeamten , die municipalen würden u. 
s.w. übersichtlich vorführen; der verf. hat sich mit einem ziem-- 
lieh überflüssigen inhaltsverzeichniss der Steindenkmale, einem 
Philol. Anz. IE 2 



18 6. Epigraphik. Nr. 1. 

register der angeblich keltischen namen und einem verzeichniss 
der römischen kricger begnügt: ein blick auf irgend eine in- 
schriftensammlung neuerer zeit hätten ihn lehren können, wie 
wirklich brauchbare indices anzufertigen seien. 

Trotz dieser ausstellungen kann das unternehmen des verf.'s 
immerhin ein verdienstliches genannt werden und die von ihm 
augefertigten copieen werden voraussichtlich in dem fast ab- 
geschlossenen dritten bände des C. I. L., der auch die inschrif- 
ten von Noricum enthält, die verdiente berücksichtigung finden. 

Weit geringer ist selbstverständlich die ausbeute an sculp- 
turen, von welchen der herausgeber eine auswahl hat abbilden 
lassen, leider in lithographieen, die einen stark municipalen cha- 
racter an sich tragen und über den stil kein urtheil gestatten: 
taf. 1 und 2 stellen bei Zolfeld (Virunum) ausgegrabene frag- 
mente von relief - streifen dar, die ein Mithrasmonument einfassten. 
Den cult des Jupiter Dolichenus bezeugt ein interessantes relief 
aus Trixenthal: Jupiter gerüstet mit der axt auf eiuem stier, ihm 
gegenüber Juno auf einem reh (?) stehend. Die p. 191 wieder- 
holte symbolische erklärung des taf. 13 (inschr. n. CCCCLXXIi 
veröffentlichten reliefs vom domkapitular Herrmann hätten wir 
gern vermisst. Man erkennt drei bestiarii im kämpf gegen einen 
baren ; merkwürdig ist ein daneben stehender altar mit der in- 
schrift NEMESI AVG., in dessen flamme eine Diana libirt. — Zu 
taf. 5, inschr. CXLIV (ausfahrt auf einem bedeckten reisewagen) ist 
eine ähnliche darstellung auf der Igler säule zu vergleichen. Das. zu 
nr. CXL1II stellt nicht Achill dar, wie er den an den wagen ge- 
bundenen Hector in das griechische lager schleift, sondern wie er 
das grab des Patroklos umfährt, welches offenbar durch jene rechts 
auf dem postament stehende bildsäule angedeutet wird. Tf. 12 
zu inschr. CCCCXIX, wo rechts felsen angedeutet zu sein scheinen, 
ist eine darstellung des Perseus und der Andromeda nicht zu ver- 
kennen, die namentlich in den provinzen häufig ist. Dass mit- 
unter stücke von wirklichem kunstwerth zum Vorschein kommen, 
zeigen die auf fünf blättern photographirten statuen : ein Herma- 
phrodit, zwei nackte epheben mit chlamys, Eros mit der um- 
gekehrten fackel, statue eines stehenden in einen mantel gehüllten 
kindes, büste eines römers von weissem marmor, oberer theil 
einer imperatorenstatue, letzterer auf einem cippus stehend, auf 
dem nach angäbe des herausgebers vier thaten des Herakles 



Nr. 1. 7. Homeros. 19 

abgebildet sind. Das concetto ist nach der einen in der Photo- 
graphie sichtbaren seite zu urtheilen von dem gewöhnlichen 
durchaus abweichend; um so mehr ist es zu bedauern, dass der 
herausgeber sich nicht veranlasst gesehen bat, uns dieselben statt 
manches unbedeutenden Stückes, was er aufgenommen hat, in 
abbildung mitzutheilen. 

7. G. C. H. Raspe, der sogenannte schiffskatalog in der 
Ilias. Progr. d. domschule zu Güstrow. 1869. 4. 18 s. 

Die grundlage für die in dieser abhandlung gegebene kri- 
tik des schiffskatalogs bildet eine Untersuchung über den zeit- 
lichen — nebenbei auch örtlichen — Standpunkt, auf den der dich- 
ter desselben sich gestellt habe. Das resultat derselben ist, dass 
er die zeit im sinne gehabt habe, wo die achaeischen heerfüh- 
rer mit ihren schiffen an der küste von Troja landeten. Da- 
nach ergeben sich dem Verfasser zunächst die verse 685ff. 698 ff. 
721 ff. als zusätze eines oder mehrerer dichter von sehr untergeord- 
netem ränge. Aus den hervorstechenden besonderheiten dieser 
zusätze werden dann wiederum andere nachgewiesen, dass schliess- 
lich 105 verse von den 265 der Boiluti'u als unecht sich ergeben, 
nämlich: 513—15, 525—26, 529,535, 541—44, 549—51, 558, 
625-30, 653 — 70, 671—75, 676—80, 686—94, 699—709, 711 
— 15, 716-28, 742—46, 748—55, 756 — 59. Ausserdem wer- 
den p. xii — xiv die besonderheiten resp. absonderlichkeiten des 
Troerkatalogs besprochen; den schluss machen bemerkungen 
über die eiuleitung zur Botwria v. 484 — 93 , sowie über v. 
781 — 85 und 459 — 64 und über den Zusammenhang der gan- 
zen partie. 

Schon aus dieser kurzen Übersicht ergiebt sich , dass in 
dieser abhandlung eine auch in andern zweigen der classischen 
philologie neuerdings vielfach versuchte methode befolgt wor- 
den , nämlich die der subjeetiven beurtheilung : der schiffska- 
talog wird nach den ansichten eines gelehrten des neunzehnten 
Jahrhunderts p o s t Christum beurtheilt und gemassregelt. Es mag 
solches verfahren seine berechtigung haben, zumal wenn es, wie 
in unserm falle, von einem scharfsinnigen und gelehrten philo- 
logen ausgeht, auch dieser weg veranlassung werden, manches zu 
finden, was sonst vielleicht nicht ans tageslicht gekommen wäre: 
aber immer bleibt es ein ab- oder umweg, der den, der ihn 

2* 



20 7. Homeros. Nr. 1. 

betritt, nur zu verirrungen führt. Denn gesetzt, man könnte dem 
vf. alle von ihm behaupteten athetesen und sonstige paradoxen zu- 
geben, was wäre dann erreicht ? Nichts als ein stück homerisches 
epos in einer form, welche im alterthum nie existirt hat! Woher 
nun aber solche irrwege? Nun dem epiker ziemt es in medias 
res gleich zu gehen, nicht aber dem umsichtigen grammatiker, 
da ein solcher vor allem andern für eine grundlage zu sorgen 
und also ab ovo anzufangen hat. An diesem mangel einer fe- 
sten grundlage leiden alle neueren Untersuchungen über diesen 
so ungemein wichtigen homerischen katalog, über welche man 
das schöne referat bei Bernhardy Gr. Lit. G. II, 1, p. 161 flg. 
nachsehen mag : jetzt auch Kammer, s. Phil. Anz. II, p. 132. 284: 
nämlich sie gehen ohne weiteres von den aus Ilias und Odyssee 
abstrahirten kunstformen aus und verlangen im katalog genau die- 
selbe darstellungsart. Das ist aber ein fehler. Können hier auch 
nur andeutungen gegeben werden, so wird sich doch wohl meine 
ansieht klar machen lassen. Also gehört der schiffskatalog in 
die Ilias? Die alten haben ihn stets als einen nothweudigen 
bestandtheil desselben angesehen und daher muss auch für uns 
feststehen, dass er nur für die Ilias gedichtet worden. Und 
ferner lässt sich sein alter bestimmen? Gewiss; denn in den 
Kyprien war nach Proklos ein xaidloyog rwv io7g TqoücI ovfi- 
fiaxr}6 d v twv : daher hat schon hStasinos den schiffskatalog der Ilias 
gekannt und, weil er in seiner art vortrefflich, auch patriotisch 
war, mit ihm gewetteifert : er ist also nicht allein älter als 
der anfang der Olympiaden , sondern gehört zu den ältesten 
und eigenthümlichsten partien der Ilias. Daher verlangt er die 
vorsichtigste und umsichtigste prüfung und soll uns epigonen die 
gelingen, müssen wir suchen solch altes mit altem gleicher zeit und 
Stoffes zu vergleichen. Aber dergleichen giebt es in unserm falle 
leider nicht: der katalog steht einzig in seiner art da: auch in 
der alten poesie anderer Völker wird man zu ihm keine paral- 
lele finden. Um so wichtiger wird die frage nach seiner ent- 
stehung : wo liegen die quellen ? lieferte den stoff allein die 
mündliche sage oder lagen schriftliche und prosaische aufzeich- 
nungen zu gründe ? Da die möglichkeit derselben bei den Grie- 
chen nicht bezweifelt werden kann , sprechen für sie nicht die 
zahlen? Freilich sind sie zumeist nur runde, da die 22, 9 
u. s. w. auf nachweislich später zugesetzten stellen beruhen : aber 



Nr. 1. 7. Homeros. 21 

solche waren dem dichter nöthig, da noch die historiker sie gar 
gern den genauen zahlen vorziehen : also die zahlen könnten 
immer auf alte register drgl. führen. Oder gehören sie spätem 
redaktoren an ? Aber woher dann die auctorität des katalogs 
wie seiner zahlen bei Thukydides und den alten, da solcher Ur- 
sprung ihnen nicht verborgen bleiben konnte? Also wir müs- 
sen abgesehen von den wenigen aus sachlichen gründen einer 
spätem zeit zugewiesenen stellen den ganzen schiffskatalog 
als geraume zeit vor den ältesten kyklikern entstanden anse- 
hen. Aber auch den der Troer? den selbst der vorsichtige 
Nitzsch (Beit. z. gesch. d. episch, poes. p. 565) für unecht hält, 
von dem nach andern Raspe so ungemein viel schlechtes zu er- 
zählen weiss? Wie leicht lassen sich alle diese Verdächti- 
gungen zurückweisen! Denn dass dieser katalog der Troer 
kürzer als der der Hellenen ist, ergiebt sich schon aus dem Stoffe, 
dem z. b. die schiffe fehlen , ergiebt sich aus der geringen 
bekanntschaft der Griechen mit den in ihm zu erwähnenden Völ- 
kern, ergiebt sich vor allem daraus, dass doch schon durch diesen 
katalog der endliche sieg der Griechen über die Troer vor- 
bereitet sein musste. Da aber zur zeit des Stasinos und vor 
allem damals auf Kypros genauere nachrichten über jene Völker 
existirten, so dichtete Stasinos einen umfassenderen katalog, um 
mit Homer wegen seines bessern stoffs erfolgreich wetteifern 
zu können: s. Welck. Ep. Kykl. II. p. 150: vrgl. p. 156 flg. 
Und ausserdem war für ihn zu einem katalog der Griechen 
ein grund überall nicht vorhanden; denn in den ersten bü- 
chern der Kyprien wird ja das zusammentreten der Griechen 
zum zuge gegen die heilige Ilios geschildert , so dass man aus ih- 
nen den heereszug bis ins einzelnste kennen lernte ; von den Troern 
war das nicht der fall, deshalb der katalog der Troer. Fasst man 
dies zusammen, so kann der katalog der Ilias seiner jetzigen fas- 
sung nach nur als das im ganzen eigenthümliche, aus mehrfachen 
Umbildungen hervorgegangene werk eines homerischen aöden ange- 
sehen werden. Auf diese masse nun wendet, wie gesagt, Raspe ohne 
weiteres die von ihm erkannten gesetze der homerischen kunst 
an. Aber das geht nicht, weil diese masse eine so ganz eigen- 
thümliche dem inhalt nach ist , inhalt und form aber bei den 
alten immer in Wechselbeziehung stehen, so dass hier eine eigen- 
artige, von den übrigen partien des gedichtes verschiedene masse 



22 7. Homeros. Nr. 1. 

auch ihre eigenartige form und darstelluug haben muss. Da 
nun ein gleiches stück nicht existirt, existiren analogien? Die 
einzig vorhandene aus alter griechischer zeit giebt das genealo- 
gische epos, also das des Hesiodos. Diese form des epos war 
den Homeriden, welche derselben familie wie die Hesiodeer an- 
gehörten und im europäisch -hellenischen epos wurzelten, we- 
nigstens in ihrer grundlage bekannt : nach dem wesen des ho- 
merischen epos bot sich aber zu der anwendung dieser form 
selten gelegenheit ; bot sie sich aber, so suchten die Homeriden 
oder besser aöden sie natürlich dem wesen ihres epos gemäss 
zu behandeln und umzubilden, wie der frauenkatalog in Odyss. 
X zeigt: wegen des Stoffes ging das im schiffskatalog nicht 
so leicht und mussten sie sich in dem am weitesten von dem 
homerischen epos entfernen : daher bietet sich uns als nächste 
analogie Hesiodos Theogonie : an diese geht nun wieder der ka- 
talog der Troer näher heran, als der der Hellenen, so dass im 
katalog selbst wieder ein gegensatz , nach dem jeder dichter 
strebt , sich in der form findet. Sonach war die aufgäbe , ge- 
nau (rj yäq OLXQißoloyLa fiixQOTTQsnic, Aristot. Eth. Nie. IV, 4) einen 
durchaus trocknen und kleinlichen stoff, dessen demente eine poe- 
tische Umbildung verschmäheten, episch darzustellen, mit andern 
worten statt des gewohnten fxsyalonqsntQ hier ein angemessenes 
[jixQOTiQsmg zu finden, dem Hesiodos also verwandtes zu liefern, s. 
Muetzell. de Emend. Theog. Hesiod. p. 361 sqq., vgl. auch Aristot. 
Rhet. I, 9 u. das. Spengel ; daher muss der katalog in einer menge 
stilistischer einzelnheiten eben so weit von Homer sich entfer- 
nen, als mit Hesiodos stimmen. Wird also eine masse no- 
mine/, proprio, hinter einander aufgezählt, so herrscht in dem ei- 
nen vers das polysyndeton, der unmittelbar folgende schliesst 
sich aber um eine neue reihe zu marquiren , auf hesiodeische 
weise asyndetisch an , B, 498. 646 : vrgl. Mützell in Ztschr. f. 
alterthumswiss. 1838 , nr. 10, p. 88 ; darum darf aber der stil 
selbstverständlich kein rein hesiodeischer sein : durch dialekt, 
metrum, durch die Wortwahl, epitheta, figuren, periodologie u. s. 
w. bleibt der ton ein homerischer und deshalb das ganze ein 
integrirender theil der Ilias. Und dass die hiermit angedeute- 
ten Schwierigkeiten der aufgäbe nach dem urtheil der Griechen 
— auf das kommt es ja allein an — glänzend gelöst waren, 
zeigt nicht bloss das oben schon angedeutete ansehen , dessen 



ITr. 1. 7. Homeros. 23 

in allen zeiten bei den alten diese paitie sich zu erfreuen 
hatte, sondern auch die nachahmungen geschmackvoller dichter 
wie Euripides, Choirilos, Apollonios von Rhodos u. a. ; es erklärt 
sich dies namentlich aber auch aus einer volksansicht: die Hel- 
lenen haben zu aller zeit prosaische poesie da, wo sie am platze 
war, hochgeschätzt und gern gehabt, woher auch im Homer pro- 
saische verse und stellen kommen, die deshalb nicht auszuwer- 
fen sind : dagegen auf poetische prosa haben sie selbst später 
nichts gegeben. 

Wenden wir dies allgemeine nun auf das einzelne an , so 
müssen wir uns nothwendig sehr häufig in Widerspruch mit 
Raspe befinden. So soll die stelle vs. 625 — 630 unecht sein: 
erstens wegen oi 1 J' ix /tovXiyJoio, da diese anwendung von ix nur 
hier im kataloge erscheine trotz ihrer natürlichkeit : aber unu'l- 
Xsyofjtva müssen hier theils wegen des Stoffs, der wie der von 
II. l P nur einmal in der Ilias erscheint, dann wegen des gerin- 
gen umfangs des katalogs sein , endlich deshalb , weil gerade 
solche einzeln stehende formen einen für diesen stoff passenden 
schmuck abgaben : denn auf einen gewissen schmuck muss auch in 
dieser partie geachtet werden. Homerisch aber ist ja der gebrauch, 
Hom. II. .fiT, 467, Od. o, 425. Aber nun vrfGtav , aT raiovßt 
7tsqi]v uXog, wo vuieiv = gelegen sein als unhomerisch betrachtet 
wird. Allein metaphern der art sind im geiste der homerischen 
spräche, wie vr\bg IovGtjq, visg xtov u. s. w., ferner hier als schmü- 
ckend befunden, auch durch den gebrauch der Alexandriner als ho- 
merisch gesichert, Callim. h. in Del. 267. Apoll. Rhod. I, 831 : 
und endlich wie steht denn vuist Od. ^ 29 ?. Aber was hilft das 
denn wie geschmacklos ist, sagt Raspe, vs. 628 Ovlitdrig, ov frixie 
dUcpiXog imrora <I>vkiVi: : allerdings nach unserm geschmack, aber 
in diesem katalog ist derartige fülle ein schmuck, der in Ilias 
und Odyssee nur analogien hat : sagt Od. X, 298 xal Ar\§)\v il- 
dov, vrjv Tvvdageov naouxomv. H q vno Twäagiio xouiSQOffQovs 
yeCvaro nnldi , ist da der zweite vers nicht eben so dem er 
sten gleich, wie der relativsatz dem Ovlrfdrig ? ähnlich sind auch 
verse wie Hesiod. Sc. Herc. 416, auch Wiederholungen des no- 
men proprium, deren art Raspe p. rv flg. so ganz verkannt hat, 
dass er sie mit Kunigunde und Eduard n. s. w. zusammenstellt! 
Formen dieser art heben einen begriff durch häufung eigen 
hervor : daher auch Eurip. Iph. Aul. 280 — ein gesang, den 



24 7. Homeros. Nr. J. 

man überhaupt bei der erklärung dieses katalogs nicht hatte so 
vernachlässigen sollen — die abstammung des Meges absonder- 
lich ausgedruckt hat: s. auch Apoll. Rhod. I, 190 sqq. Hesiod. 
Theog. 933 coli. 936. fr. 83, 5 Goettl. So hat meines erach- 
tens auch seinen guten grund vs. 816 TqwgI t utv ijyefjkovsvs 
von Hektor: so gut wie neben ävdaüuv xtvog auch avuGGsiv 
iwl bestand, durfte auch neben dem formelhaften joloiv d' rjs- 
fiovevs auch jenes, konnte man den begriff dadurch ohne Zwei- 
deutigkeit recht hervorheben, wohl gewagt werden : das geschieht 
hier weil von Hektor die rede und der katalog der Troer be- 
ginnt. Alle diese entgegnungen ergeben sich also aus dem rich- 
tigen Standpunkt : sie lassen sich noch leicht vermehren und 
gar manche behauptung — z. b. über den gebrauch des relati- 
vum v. 626 flg., der hesiodisch ist: s. Hesiod. Theog. 270. 366. 
913, die Wiederholung derselben Wendungen,, — Raspe's und an- 
derer als unrichtig erscheinen; so wenn aus negqv vs. 626 auf den 
aufenthaltsort des dichters geschlossen wird : es lässt sich das 
hier so wenig thun als Hesiod. Theog. 814. Doch ich muss 
abbrechen : der nutzen des programms besteht wohl besonders 
darin , dass es den erklärern des katalogs zeigen kann, worauf 
sie ihre aufmerksamkeit zu richten haben : denn mit der genauen 
erörterung der kunst in diesem so merkwürdigem stück steht es 
in unsern ausgaben noch bedenklich genug. E. v. L. 

8. Hesiodi quae feruntur carminum reliquiae cum com- 
mentatione critica edidit G. F. Schümann. 8. Berolini, apud 
Weidmannos. 1869. — 20 gr. 

Eine sehr bequeme und empfehlenswerthe handausgabe, durch 
welche Schümann seinen zahlreichen und bedeutenden Verdiensten 
um die hesiodischen poesien ein neues hinzugefügt hat. Sie enthält 
den text der drei gedichte mit kurzer angäbe der wichtigsten Varian- 
ten und Verbesserungsversuche, so wie die wörtlich erhaltenen frag- 
mente. Vorangeschickt ist eine commentatio critica, in welcher der 
vf. über Ursprung und inhalt der beiden grössern gedichte handelt 
und eine reihe von stellen genauer bespricht. Mit der Theogo- 
nie beschäftigt sich nur der kleinste theil dieser arbeit (p. 4 — 
7 und 62 — 68). Das hier gegebene stimmt im wesentlichen 
überein mit den ausführlichen Untersuchungen und erörteruugen 
in den Opuscula academica und in dem commentar zur Theogonie, 



Nr. 1. s. 8. Hesiodos. 25 

deren resultate sie kurz referiren; eine besprechung dieses ab- 
scbnitts gehört also nicht hierher. Uebrigens finden sich ein- 
zelne berichtigungen und nachtrage. So vermuthet Schümann, 
v. 268 sei vielleicht enovro statt 'inoviui zu schreiben (p. 65): 
loquitur sie poeta de Harpyiis quales jueruvt ante quam a Boreadis 
vietae et in Oretae specu se abscondere coaetae sunt. Ferner eine 
nachträgliche bemerkung zu v. 482, p. 66 und zu v. 911, p. 
67. — Bei weitem das wichtigste und das, was der ausgäbe 
ihren wissenschaftlichen werth verleiht, sind die bemerkungen 
über die werke und tage (p. 8 — 11 und 13 — 62), welche gar 
vieles anregende und ansprechende bieten , alles mit der be- 
kannten klarheit der darstellung und mit der massvollen be- 
sonnenheit, welche sämmtliche arbeiten Schömanns auszeichnet. 
Die hier vertretene ansieht über entstehung und compositiou 
des gedichtes, wie sie in aller kürze p. 10 ausgesprochen und 
im folgenden (stets mit der nöthigen vorsieht) genauer darge- 
legt wird, ist im ganzen auch die unsrige, im einzelnen liesse 
sich wohl hie und da etwas einwenden. Wenn z. b. Schömann 
von dem stück 327 — 375 sagt: haec pars utrum in carmine ad 
fratrem an in alio quopiam juerit equidem Tiaud decernam (p. 37), 
so ist dabei zu bemerken, dass, wenn diese Sentenzen an Per- 
ses gerichtet sind, v. 371 nothwendig als ein späterer zusatz be- 
trachtet werden müsste; vgl. Twesten comm. crit. de Hes. p. 
32. Vielleicht war die annähme , dass der dichter auch hier 
den bruder anrede, der grund weshalb schon einige alte kri- 
tiker v. 370 fi. für unecht hielten (Proclus zu v. 358). — 
An Ißxai im v. 34, wofür Schömann iCur vermuthet , ist wohl 
kein anstoss zu nehmen , wenn wir uns denken , dass Perses 
den dichter zwar mit einem zweiten processe bedroht, also 
ein vtixog zwischen ihnen bereits besteht, dass aber Perses den 
process noch nicht bei den auf dem markte richtenden ßaßiXsTg 
anhängig gemacht hat; wo' 1 tydstr ist allerdings so viel wie vt(- 
xsa xul dlqQiv otpiXksiv xirj/j,a(j' in 1 uX^oigfotg; aber mit diesen 
worten meint der dichter, wie für den mit der Situation bekann- 
ten klar sein musste, das eigentliche processiren, welches er ver- 
hüten will. So erklärt sich auch v. 39 in passender weise. 
Die worte : of xiqvSt dfxt]v i&iXovGi, dixuacui nämlich interpretirt 
Proclus : oiu re nqoS^vfjbovg ovzag avQig dixu&tv zw IHgör] xul 
zw 'Hgk'jöm dtu trjv itup duiQour ilmdu. Dies halt Schömann 



26 8. Hesiodos. Nr. 1. 

für unmöglich : ab iisdem igitur iudicibus, qui in priore Ute donis 
corrupti iniustam sententiam dixerant , nunc Hesiodus novam hanc 
litem iusto iudicio, l&sirjöb dtxavg, quemadmodum ait v. 36 diremp- 
tum iri speraverit (p 17)? Schömann meint also, die Worte 
uVk' av&v diaxQtvwtiefru viixoq Ifttiijöi dixrnc bezögen sich auf 
ein zweites von den ungerechten und habsüchtigen ßaailtig zu 
fällendes urtheil. Aber dies halten wir für irrig, glauben viel- 
mehr, dass Steitz (die werke und tage des Hes. p. 32 und 187) 
mit recht uv&t in örtlicher bedeutung genommen hat: hier in der 
xuipr}, wollen wir die sache entscheiden (vielleicht mit hülfe von 
schiedsrichtern) , nicht in der stadt vor den ßcunXelq. (Auch 
Vollbehr p. 26 fasst uv&i, in der richtigen bedeutung , hat aber 
sonst eine ganz verkehrte Vorstellung von den hier zur spräche 
kommenden Verhältnissen). Bei dieser erklärung fällt der an- 
stoss, den Schömann an der überlieferten lesart nimmt und we- 
gen dessen er iS-iXopn dixaöüai schreibt, weg. Die worte of 
ifivdt doxrjv i&iXovGt, dtxdöGui sind von einer etwas unbeholfenen 
Schlichtheit und kürze, aber leicht verständlich. — Zu v. 80 
bemerkt Schömann , vielleicht veranlasst durch die bemerkung 
von Lehrs quaest. ep. p. 228 : 6v6fjbr\vi ds rtjrds yvvulxu quum 
legimus, non possumus quin hoc ipsum yvvuTxu nomen esse suspicemur 
a Mercurio impositum — idque iis maxime gratum fuerit, qui mu- 
lierem hanc omnium primam fuisse licet inscitissime tarnen pertina- 
citer contenderunt , — refutari autem hanc suspitionem proximo ver- 
siculo videmus (p. 21). Er streicht daher yviaTxa und glaubt, 
dass nach xr\qvl- ein wort wie ylvxtqqv oder igarrji' ausgefallen 
sei. Aber es ist nicht einzusehen, wie die hörer oder le- 
ser bei den worten drofirjvs Ss T^röe yvrutxa UavdüJorjv „er 
nannte dieses weib Pandora", da doch nichts nöthigt nach yv- 
vuixu eine pause zu machen, zuerst etwas anderes erwarten «ud 
sich dann enttäuscht fühlen müssten. Dass ferner der gedanke 
,,Hephästos gab dem neugeschaffenen wesen eine stimme, 
Hermes eine liebliche stimme" etwas sehr küustliches und ge- 
zwungenes hat, wird der vf. vielleicht selbst zugestehn. Die Über- 
lieferung freilich, wonach Hephastos derPandora die aldij, Her- 
mes die (p wvt} giebt, ist, wie jetzt wohl allgemein zugestanden wird, 
unerträglich. Am einfachsten wird man wohl mit Heyne v. 79 strei- 
chen, wodurch zugleich der störende ausdruck ir (T aga 61 Ci^- 
9taoi yevdtu rev%t beseitigt wird. — Zu v. 275 (ßt'tjg <T imhföto 



Nr. 1. 8. Hesiodos. 27 

ndfinuv) lesen wir p. 32: quali violentia et quo modo erga Hesio- 
dum Perses usus sit aut uti potuerit, nihil ex aliis carminis partibus co- 
gnoscimus. Aber wenn Perses, auf das ungerechte urtheil der herr- 
scher gestützt, sich besitzthümer aneignet, die ihm nicht gebüh- 
ren, wie er dies bereits früher gethan hat (vgl. v. 38) und viel- 
leicht wieder thun wird : kann dies nicht als ßtr\ bezeichnet wer- 
den? — Arte cum v. 455 cohaerent duo praecedentes , sagt vrf. 
p. 46, und da, wie er mit recht annimmt: v. 455 — 457 an un- 
passender stelle stehen, so glaubt er wegen jenes engen Zusam- 
menhangs auch 453 f. verwerfen zu müssen. Uns scheinen v. 
453 f. und 455 ff. von ganz verschiedenen dingen zu handeln : 
453 f. beziehen sich auf denjenigen , der keinen ochsen besitzt 
und einen anderen darum angeht , ihm die seinigen zu leihen. 
Es kommt hier mehr auf die rinder an, wie auf den wagen, was 
wie Steitz p. 130 mit recht bemerkt, auch aus der antwoit des 
reicheren hervorgeht. In v. 455 — 457 dagegen ist von dem 
die rede, der im begriff ist sich einen wagen zu zimmern und 
die sache für leichter hält als sie ist. Hier handelt es sich 
weder, wie in den zwei vorhergehenden versen, um ein augen- 
blickliches bedürfniss, noch um den gebrauch der rinder. 
Der von Schömann angeführte grund zur athetese von 453 f. 
scheint uns also nicht stichhaltig. Trotzdem hat er gewiss mit 
recht auch diese beiden verse gestrichen ; denn sie stehen in 
keiner Verbindung mit dem vorhergehenden, und Göttlings ver- 
such eine solche nachzuweisen ist nicht geglückt. Es ergiebt sich 
also, dass nicht, wie Schömann meint, eine stelle, sondern wie 
Steitz annimmt, zwei verschiedene interpolirt sind. Sichtig be- 
merkt der letztere, dass 455 — 457 einen passenden ort nach 
426 haben würden ; ob sie der dichter der ackerbaulehren wirk- 
lich gerade dort anbrachte, muss freilich dahingestellt bleiben. 
Dagegen scheint es uns kein glücklicher gedanke von Steitz, 
453 f. nach 451 einzufügen und so die der Vorschrift über die 
saat zu unterbrechen. Vielmehr gehören wohl diese beiden 
verse zu der nicht unbedeutenden anzahl von sentenzeu, zu de- 
ren einfügung in die werke und tage ein bestimmtes wort, hier 
ßoug, veranlassung bot. Zuerst also wurden diese verse , dann 
wegen äfjbu^uv die drei folgenden eingeschoben. — Die von 
Welcher in der praef. zum Theognis p. Lxxvn geäusserte an- 
sieht, die gegenwärtig wohl von niemand getheilt wird, hätte 



28 9. Theokritos. N. 1. 

Schömanu besser nicht angeführt (p. 10), da Welcker selbst sie 
auf das bestimmteste zurückgenommen hat (die Hes. Theog. p. 
11). — P. 28 und 33 ist durch ein versehen der Philologus 
statt des Neuen Ehem. Mus. citirt; p. 12 z. 10 v. u. muss es 
heissen 97 (oder 102) statt 197, p. 58 oben 770 statt 740. 

9. Observationes Theocriteae. Scripsit Otto Kreussler. 
4. Misen. 12 s. (der erste theil der schrift: Praesidi suo , viro 
amplissimo doctissimo, Lud. Theoph. Friderico Franke, ordinum 
Saxonicorum Albertini et meriti civilis equiti , regiae societatis 
literarum quae Lipsiae floret, socio , diem XXVII m. Nov. a 
MDCCCLXX quo die abhinc XXV annos gravissimum rectoris 
et professoris primi munus in illustri schola regia afrana felici- 
ter auspicatus est ex animi sententia gratulantur collegae. 4. 
Misen. 1870. 70 s. 

Dies schon im Philol. Anz. 11, nr. 11, p. 588 bei gele- 
genheit des Jubiläum des rector Franke kurz erwähnte pro- 
gramm zeigt die genaueste bekanntschaft sowohl mit der spräche 
und poetischen art des Theokrit als auch mit den commentaren 
und sonstigen diesen dichter betreffenden Schriften. Es heginnt 
mit besprechung von Theoer. II, 4 und empfiehlt daselbst ov- 
dino&' txsi, wobei genauer die formen r\x(a und Ixio besprochen 
werden, in betreff derer hier nur darauf aufmerksam gemacht 
werden mag, dass im Pindar nur 'ixw gelesen wird: hierauf wird 
dann p. 2 ausführlicher die Verkürzung der idtima in rulag un- 
tersucht, welche Meineke als dorismus, Kreussler aber und zwar 
mit recht als eigenheit einzelner dichter angesehen wissen will. 
Aus demselben gedieht wird dann p. 3 vs. 58 ßuvqav toi rgCipaou 
xuxov Ttoxbv uvqiov oYöto erklärt und nachdem vs. 61 Ix Ovfwi dt- 
ds^iai, ' 6 di fiev Xöyov ovdiva noid gegen Cobet und Ahreus 
als echt erwieseu, gewiss richtig nach vs. 58 eiue lücke ange- 
nommen, da nothwendig näheres über auvga gesagt werden 
muss: lücken sind an manchen stellen des Theokrit von deu 
herausgebe™ noch nicht erkannt. Dagegen wäre p. 6 die con- 
jeetur zu IV, 33 xalnv noxamov ib Auxtnov besser unterdrückt, 
da ein Substantiv ainv wohl schwerlich vorkommt: sehr gut ist 
dagegen in diesem verse die in dem doppelten artikel liegende 
Schwierigkeit p. 5 hervorgehoben : ob sie aber die annähme der 
corruptel rechtfertigt, bezweifle ich : Theokrit hat in dem ge- 



Nr. 1. 9. Theokritos. 29 

brauche des artikels und namentlich des doppelten manches gar 
eigentümliche. Es folgen p. 6 sq. zwei Bemerkungen über 
id. VI: zuerst zu vs. 2 r\g J' 6 fih uvxöjv JTvogo^y o cT rjjjLt- 
yivtiog, wo die conjectur von Ahrens qnytveiog mit recht zurück- 
gewiesen , aber in der erklarung von nvooog die irrthümer der 
scholien und der neuern wohl wegen ausgehens von gar nicht 
hieher gehörigen parallelstellen getheilt werden: es soll nämlich 
nvggpg s. v. a. nvQQO)ivuog sein: aber warum denn? was 
zwingt denn hier zu solcher auffassung? was hindert denn, 
nvQQog überhaupt für blond zu nehmen, so dass damit so gut 
ein jüngling wie ein blühender mann bezeichnet sein kann? Die 
stelle ist überhaupt in hinsieht auf nvQQog unbestimmt, da man 
nicht sieht, wer von den beiden hirten der nvogog, wer der 
ijfxiyivuog sei : nach unserm texte ist Damoitas als der ältere 
der TtvoQog, weil er im vs. 42 der küssende ist : aber das musste 
doch näher bestimmt sein und somit liegt auch in diesen Wor- 
ten ein grund für die Philol. Anz. II, nr. 10, p, 516 angenom- 
mene lücke nach vs. 42. Auch bei vs. 18 dieses id. VI stim- 
men wir mit Kreussler nicht überein, xal rbv aizb yqu^fiug xi- 
vsT \i$ov: unser vrf. geht, wie die andern erklärer durch die 
scholien verführt davon aus, dass eine auspielung auf das sprüch- 
wort tov «<jp' Isgag yqu^^iri; XC&ov xivüv Theokrit's Worten zu 
gründe läge: apparet, sagt er p. 7, iam quid völuerit poeta: Ga- 
latea frustra omni consumpta opera ad ultimam iam rationem con- 
fugere fingitur: denn unum ciebat eumque extremum ut videtur cal- 
culum ex sacra linea, qui ad incitas redactus erat: dieser sinn 
ist aber hier unmöglich , da es für ein junges und classisches 
mädchen wie Galatea im punkt der liebe keine ultima ratio in 
diesem sinne giebt ; ein solches mädchen hat in ihrem herzen 
und köpfchen so viel kniffe und pfiffe, dass sie nie in Verlegen- 
heit gerath. Ist also diese auffassung psychologisch falsch , so 
ist sie es auch sprachlich : denn woher soll denn hier Uqäg sup- 
plirt werden? Also es liegt hier gar keine anspielung auf ein 
sprüchwort vor, sondern nur ein vergleich, wie vs. 15, nur mit 
dem unterschied , dass hier ein tadel ausgesprochen wird , an 
den sich dann passend vs. 19 jjj yäq egutit xiX. anschliesst: Ga- 
latea, sagt der dichter, flieht einen wirklichen, aufrichtigen lieb- 
haber, verfolgt aber einen, der sie nicht will; sie ist also einem 
spieler vergleichbar, der mit dem ihm gehörenden steine den an- 



30 10. Oracula Sibyllina. Nr. 1. 

dern angreift: also sie greift an, macht avancen , was sich 
für ein rnädchen nicht ziemt, ij yug h'owxi, xiX. : es ist also zu 
sagen, dass zu xul rbv unb yqu^nug xzX. ein technischer aus- 
druck , der der Spieler, benutzt sei, wodurch die stelle nur 
gewinnt: eine ähnliche kunst weisst Kreussler p. 8 in id. XII, 
36 nach und ist sie auch sonst bei Theokrit wie Vergil in der 
darstellung des hirten - und landlebens bekanntlich nachweisbar. 
Aus id. VII wird in vs. 103 'OfioXag zu vertheidigen gesucht, 
aus id. XII der vs. 36, wo mir aber die ansieht des vfs. un- 
verständlich geblieben: das ganze schliesst mit der behandlung 
von vier stellen aus c. XIII, nämlich vs. 1 — 4. 10 (wo Kreuss- 
ler's ovx uq oxu ItvxntTtog aber mit der von Ahrens gefunde- 
nen Schreibung einen vergleich nicht aushalten kann), vs. 15. 
23 sqq., aus der wir noch die lehrreiche erörterung über aviog 
für b uviög p. 10 sq. ; die beispielsammlung von ovrs - otn 
ägu u. drgl. bei dichtem hervorheben. Indem wir schliesslich 
noch bemerken, dass gelegentlich auch stellen aus andern Schrift- 
stellern besprochen werden, wie p. 4 Soph. Oed. Eeg. 1463, 
p. 5 Lucian. Alex. 3, wo vrf. (fwvrjfia tjSiGiov ufiu ts xul 
Xa/xnQÖjuTov verlangt p. 5. ine. poet. ap. Scholl, ad Theoer. IV, 
33, wo evident nuou Kqotcovuv aaxta gebessert wird, glauben 
wir zur genüge nachgewiesen zu haben, dass diese schritt der 
aufmerksamkeit aller fachgenossen empfohlen zu werden verdient. 

E. v. L. 

10. Xgrjafjol 2ißvXXtaxo(. Oracula Sibyllina, editio altera 
ex priore ampliore contraeta, integra tarnen et passim aueta, 
multisque locis retraetata, curante C. Alexandre, Institut. 
Gallici in eoque academiae et litterarum socio. 8. Paris. Di- 
dot. 1869: 419 u. xlvu s. — 2 thlr. 25 ngr. 

Diese zweite arbeit unterscheidet sich von der ersten vor 
allem dadurch, dass die excurse , welche bei weitem den gröss- 
ten theil des zweiten baudes der ed. 1 einnehmen , ganz weg- 
geblieben sind, eben so die vorreden der frühereu herausgeber 
u. a. : daher der geringe umfang dieser zweiten. Aber Alexandre 
hat das, was er aus der ersten beibehalten, nicht bloss verkürzt, 
sondern zum grossen theil neu gearbeitet, so dass wir hier fast 
eine ganz neue arbeit haben. Dies zeigt gleich die vorrede: 
denn nachdem der vf. sich kurz über seine arbeit ausgelassen, 



Nr. 1. 10. Oracula Sibyllina. 31 

gebt er auf einen theil der von Ewald (s. Philol. XV, p. 322) 
gegeu ihn vorgebrachten einwürfe ein und sucht sie zu wider- 
legen, eine aufgäbe, deren sich auch die noten p. 345 flgg. mit 
vieler Sorgfalt unterziehen. Es sind unter anderm diese erör- 
terungen auch dadurch eigentümlich , dass, während sonst in 
ähnlichen fällen' umsieht und nüchterne methode auf seiten der 
deutschen gelehrten sich findet, hier das umgekehrte hervortritt : 
Ewald behauptet und orakelt ohne beweise, Alexandre sucht für 
seine deutungen immer nach festen gründen, was begreiflicher weise 
grade hier wegen der eigenart dieser poesie oft gar schwierig 
ist. Auf die vorrede folgt p. xxi: introduetio ad Sibyllina seu de 
Sibyllinorum nunc exstantium carminum originibus, fatis, cellectioni- 
bus, manuscriptis, editionibus in achtzehn abschnitten , deren re- 
sultate jedoch wohl meistentheils noch näher bestimmt werden müs- 
sen : so gleich c. 1 wigo Sibyllinorum nostrorum; 2. carminum no- 
strorum christianismo nascente conditio , p. xxu; dann folgen c. 
3 — 7 Untersuchungen über die einzelnen bücher, woran c. 8, p. 
xxix sich schliesst : de Sibyllinorum carminum conditione ante et sta- 
tim post Antoninos, und wieder in cc. 9 — 12 p. xxx ausführun- 
gen über einzelne bücher : c. XIII, p. xxxiv wird Sibyllinae poe- 
seos a tertii saeculi fine conditio, zu bestimmen versucht, c. XIV de 
Sibyllinorum carminum collectione hodierna, p. xxxvi gehandelt ; 
doch fehlt es den getroffenen bestimmungen besonders dadurch oft 
an der nöthigen schärfe, dass das metrum ganz vernachlässigt ist, 
trotzdem dass dies ähnlich, wie bei dem sg.Manetho vonKigler und 
Axt behandelt, die besten dienste hätte thun können. Eben so 
ist c. XV, p. xxxvin de archetypae collectionis ac de codicum ma- 
nuscriptorum auetoritate, womit c. XVI de Sibyllinis codieibus ma- 
nuscriptis und c. XVIII de Sibyllinorum editionibus zu verbinden, 
ungenügend, da die so grosse Verschiedenheit der in unsern codd. 
erscheinenden recensionen lange nicht genug hervorgehoben, für 
ihre nähere characteristik namentlich die so häufigen citate un- 
benutzt geblieben sind. Das letzte capitel, conclusio überschrie- 
ben fasst das gesagte zusammen und hebt richtig das dritte 
buch als das älteste und wichtigste hervor. Darauf folgt der 
text, neben ihm die lateinische Übersetzung Castalio's, darunter 
ein erst jetzt hinzugekommenes Argumentum, in das manche 
für die erklärung wichtige notiz verwebt ist ; darunter kurze 
kritische noten, die leider die erste ausgäbe nicht überflüssig 



32 10. Oracula Sibyllina. Nr. 1. 

machen : so sind fast immer die codcl. im allgemeinen angegeben, 
nicht die einzelnen: kurz das urtheil, was Volkmann im Philol. 
XV, p. 317 flgg. über die erste ausgäbe abgegeben, bleibt auch 
für die zweite bestehen. Dazu müssen wir noch beklagen, dass 
der vf. nicht aufmerksamer die deutsche literatur verfolgt hat: 
so stehen III, 439. 474 noch die ganz sinnlosen Iesarten, wel- 
che Meineke schon im Philol. XIV, p. 30 so trefflich verbessert 
hat: so hatte Klaussen Aen. u. d. Pen. I, p. 241 ßa&vv vor- 
trefflich in lib. III, 436 hergestellt, was auch von Mein, ad Callim. 
h. in Cerer. 114 übersehen ist; von demselben Claussen ist auch 
ib. 455 nach äno&uiQti^ovGi, die lücke erkannt das. p. 240, wie 
denn eine solche auch nach III, 736 nothwendig angenommen wer- 
den muss, da das sprüchwort firj xivst Ku^itqvvuv (Zenob. V, 18) mit 
dem ndqdaXiv ix xoCtrjg xiK. in gar keinem zusammenhange steht. 
Auch Meineke's ausgäbe des Callimachus, die so manches treff- 
liche für diese orakel enthält, ist unbeachtet geblieben; doch 
drgl. liesse sich leicht noch gar vieles sagen und verweise ich 
daher statt dessen auf den schönen aufsatz von Meineke im 
Philol. XXVJII, p. 577 flg., der einer recension dieser ausgäbe 
gleich zu achten und zudem auf das deutlichste zeigt, wie es 
hier noch aussieht, hebe dagegen hervor, dass von Alexandre 
viel zu wenig, eigentlich gar nicht, auf die von den Verfassern 
dieser Weissagungen benutzten alten dichter geachtet ist; zu 
diesen gehört wie bei Gregor von Nazianz (s. M. Schmidt im 
Philol. XIX, p. 708) besonders Kallimachos, s. Mein, ad Callim. 
h. p. 123. 181. Auf den text folgen p. 343 Notae sive editoris 
curae postremae ad libros omnes Sibyllinos, die nur auf erklaruug, 
nicht auf kritik sich einlassen: obgleich auch hier die Vernach- 
lässigung der deutseben Untersuchungen zu beklagen , — denn 
nur sehr einzelnes benutzt der vf. — bieten diese erörterungen 
doch ungemein viel lehrreiches über die kaisergesebichte und 
machen wir namentlich die bearbeiter des Tacitus auf dieselben 
aufmerksam. Bei allen diesen und andern mangeln bleibt diese 
ausgäbe immer eine erfreuliche erscheinung und können wir 
keine andere jetzt bei den Studien über diese poetischen Pro- 
phezeiungen zu gründe legen. Das hier gesagte wird man auch 
durch Ewald bestätigt finden, wenn man dessen beurtheilung die- 
ser ausgäbe vergleicht: s. Philol. Anz. II, nr. 1, p. 80. 

E. v. L. 



Nr. 1. 11. Homeros und Aeschylos. 33 

11. Le sentiment religieux en Grece d'Homere a Aeschyle 
(Studie dans son developpement moral et dans son caractere 
dramatique par Jules Girard. 8. Paris. 1869. 

Die einschränkung auf die zeit von Homer bis Aeschylus 
ergiebt sich insofern aus der sache selbst, als in der bezeichne- 
ten periode das religiöse leben der Griechen am reinsten und 
ungetrübtesten sich offenbart, während späterhin zersetzende de- 
mente sich mehr und mehr geltend machen. Homer und He- 
siod, welche den Griechen ihre götter schufen , und Aeschylus, 
der religiöseste unter den dramatikern, bilden die bedeutendsten 
marksteine in der entwicklungsgeschichte der griechischen reli- 
gion. Diese betrachtungen sind für den Verfasser ohne zweifei 
entscheidend gewesen, als er seine aufgäbe in der angegebenen 
weise begränzte. Was nun die beiden hauptgesichtspunkte der 
Untersuchung betrifft, welche in dem titel des buches angedeutet 
sind , so ist die darstellung des ethischen dementes am wenig- 
sten befriedigend. Doch wollen wir dem Verfasser hieraus kei- 
nen Vorwurf machen , denn es ist eine nahezu unmögliche auf- 
gäbe, aus blossen dichterstellen eine ethik herzustellen, und doch 
stehen uns keine andern quellen zu geböte. Das bedenkliche 
der aufgäbe erkennt man so recht deutlich aus dem capitel über 
Theognis, wo uns die starken ausbrüche der politischen leiden- 
schaft als ethische ideen geboten werden. Doch hier ist die 
klippe wenigstens leicht zu erkennen und deshalb eher zu ver- 
meiden als bei dichtem wie Homer und Aeschylus. Der Ver- 
fasser rühmt an dem ersteren, und mit recht, die dramati- 
sche knnst , die sich auch im epos offenbart. Diese bringt 
es aber mit sich, dass alle ausspräche ethischen Inhalts, welche 
der dichter seinen helden in den mund legt, eine ganz indivi- 
duelle auffassung und färbung erhalten, da sie als ausdruck der 
besondern gemüthsstimmung oder als bedeutungsvolle pinselstri- 
che bei der Schilderung der charactere dienen. Wenn also 
Achilles in seinem tiefen schmerze sagt : <Sg yag sjkxXüjGuvto 
&sol detXolGi ßgoToXfftVj ^wetv ä%vv[ievotg' avtol de x uxrjdisg ti- 
<stv, so darf man daraus ebensowenig mit dem Verfasser einen 
fundamentalsatz der griechischen religion machen, als ähnliches 
gestattet sein dürfte mit der stelle in Bürgers Leonore : „bei 
Gott ist kein erbarmen". Allerdings können bei allen dichtem 
auch stellen vorkommen, in denen das schlichte religiöse gefühl 
Philol. Anz. III 3 



34 11. Homeros und Aeschylos. Nr. 1. 

sich unverfälscht ausspricht ; doch ist es schwierig diese auszu- 
sondern, und jedenfalls reichen sie nicht hin , um ein buch von 
beiläufig 545 Seiten zu füllen. Zu welchen schiefen auffassun- 
gen das hier getadelte, aber leider weit verbreitete verfahren 
anlass giebt, dafür lassen sich in jedem grösseren abschnitte 
des vorliegenden buches belege finden. Die religiösen anschau- 
ungen der Griechen erscheinen hier nicht bloss durchgehends 
sehr ernst, sie erscheinen sogar mehrfach äusserst grämlich und 
trübe, während doch der heitere Charakter der griechischen reli- 
gion sich in zahlreichen erscheinungen unwidersprechlich zn er- 
kennen giebt. 

Viel glücklicher ist der Verfasser bei behandlung des zwei- 
ten gesichtspunktes gewesen. Hier handelt es sich um die 
ästhetische bedeutung der griechischen religion , um ein thema, 
zu dessen bearbeitung ihn seine belesenheit, sein feiner ge- 
schmack und die gäbe der eleganten und geistvollen, darstellung 
besonders befähigten. Der gedankengang ist hier etwa folgender. 
Die idee der harmonie beherrscht in den ältesten zeiten fast 
ausschliesslich die religiösen anschauungen der Griechen und 
führt sie zu der eutwicklung, welche in Homer und Hesiod sich 
kundgiebt. Dazu treten später, besonders durch den einfluss 
der Pythagoräer und der orphischen lehren, die ideen der sühne 
und der reinigung. Durch den kultus des Bacchus, des grossen 
gottes der orphischen lehre, entwickelt sich ein neues element, 
die exaltation, macht sich in kultus , sitte und kunst gleichmä- 
ssig geltend, und führt endlich zur entstehung des drama. Bei 
diesen betrachtungen überwiegt natürlich die ästhetik die reli- 
gion, wie es kaum anders sein kann. Aus gewissen theilen des 
buches könnte man nach etlichen auslassungen leicht eine ab- 
handlung herstellen ,,über das plastische im Homer", und ein 
bestimmtes kapitel, und zwar eins der schönsten, handelt sogar 
ausschliesslich von dem compositioustalente dieses dichters. Gi- 
rard erläutert die Vorzüge der homerischen composition durch 
eine geistvolle analyse der scenen zwischen Odysseus und 
Nausikaa uud der wiedererkennungsscene zwischen Odysseus und 
Penelope. Eine vergleichung mit dem indischen epos hebt die 
Vorzüge Homers noch mehr hervor. Solche ästhetische Unter- 
suchungen, welche von der feiuen und geschmackvollen auffas- 
sung des Verfassers zeugen, finden sich vielfach in dem umfang- 



Nr. 1. 11. Homeros und Aeschylos. 35 

reichen buche, und sie dürften gerade für den deutschen leser 
den hauptsächlichsten werth desselben ausmachen, während ihm 
die erläuterungen über religion xind mythologie wenig neues bie- 
ten können. Freilich ist auch hier ein sehr gewöhnlicher irrthum 
nicht vermieden worden, der nämlich, dass die bewunderung, auf 
welche das ästhetische element der griechischen religion und das ge- 
rne der griechischen dichter und künstler gerechten anspruch haben, 
ohne weiteres auf die religion selbst übertragen wird. Doch 
auch hieraus wollen wir dem Verfasser keinen Vorwurf machen. 
Giebt es doch auch in Deutschland genug gelehrte, welche bei 
den Griechen nach besonders tiefer religiöser Weisheit suchen 
und es für nothwendig halten , für die lehren des christenthums 
belege und beweissteilen in den alten dichtem zu suchen. Al- 
len diesen, welche nun einmal nicht nach derselben facon selig 
werden wollen wie die bauern , ist es gewiss aus der seele ge- 
sprochen , wenn Girard emphatisch ausruft: Est-il juste, de re- 
fuser aux Grecs polytheistes le sens vrai de la religion? Wer an- 
derer meinung ist, muss sich damit trösten, dass jede mode ihre 
zeit hat. L. G. 

12. Ueber die athetese des platonischen Sophistes. Von 
dr R. Pilger. Programm des Wilhelms - gymnasium in Berlin. 
4. Berl. 1869. 27 s. 

Der Verfasser polemisirt gegen die unechtbeitserklärung von 
Schaarschmidt , welche zuerst erschien in den abhandlungen des 
Rhein. Mus. XVIII, 1863, p. 128, sodann in dem besondern werk: 
„die Sammlung der platonischen Schriften zur Scheidung der echten 
von den unechten". Bonn 1866, worin bereits die einwürfe vonHay- 
duk, Greifsw. progr. von 1864, und Albertiim Rhein. Mus. XXII, 
1866, p. 180 — 209 berücksichtigt sind. Folgende vier punkte 
werden der betrachtung unterzogen: I. die aristotelischen citate, 
die bisher auf den dialog bezogen wurden ; II. die formalen Seiten 
des dialogs; III. der philosophische inhalt desselben; IV. der zweck 
des werkes. — Mit benutzung der schon von Ueberweg (über 
die echtheit und Zeitfolge platonischer Schriften. Wien. 1861, 
p. 152 ff.) geführten Untersuchung kommt der verf. bei dem er- 
sten punkte zu dem resultat, dass Aristoteles den Sophistes kennt 
und dass er ihn als werk Plato's betrachtet , wie man mit der 
höchsten Wahrscheinlichkeit aus Met. p. 1089 , mit geringerer 

3* 



36 12. Piaton. Nr. 1. 

bestimmtheit schon aus p. 1064 und 1026 folgern dürfe. Ab- 
gelehnt wird die annähme Ueberweg's (a. o. p. 159), dass der 
aristotelische bericht auf jene platonischen gedanken gehe, de- 
ren ausdruck zum theil in jenen dialogen, zum theil aber erst 
in den vortragen gegeben wäre. Der zweite punkt berührt die 
formale seite des dialogs ; er ist am wenigsten ausführlich be- 
handelt und enthält zum schluss die bemerkung, dass „die Zeich- 
nung der personen, die dialogische form u. s. w. in hohem grade 
die künstlerschaft des Schriftstellers, der das Symposion verfasst, 
vermissen lasse, dass aber daraus gründe für die unechtheit des 
Werkes nicht herzuleiten seien". Der dritte abschnitt wendet 
sich wiederum gegen Schaarschmidt, der die diäresen als klein- 
liche, geschmackwidrig lang durchgeführte begriffsspaltungen be- 
zeichnet und das verfahren von Bonitz , die logischen fehler als 
scherz aufzufassen , für unerhört erklärt. Abgesehen von den 
diäresen und dichotomien , in deren besprechung der verf. vor- 
nehmlich Bonitz gefolgt ist, weist er p. 13 den Vorwurf der 
mängel, welche die definition der sophistik nach Schaarschmidts 
und Deussens (dePlat. Soph.: s. Phil. Anz. I, p. 229) ansieht haben 
soll, durch die begrenzung des dialogs auf den engern zweck, 
die sophistik nur von ihrer theoretischen seite zu betrachten, 
zurück. Der anstoss , welchen Schaarschmidt an der bestim- 
mung nimmt, dass sich die sophistik mit dem nichtsein beschäf- 
tige und dass überdies Aristoteles jene bestimmung in einem 
ganz andern , allein mit Plato's echten Schriften übereinstim- 
menden sinne verstehe, wird eben so geschickt als der einwand, 
dass sich grobe Widersprüche mit den ausführungen im Theätet 
ergäben, beseitigt. Denn in der stelle der Met. VI, 2. 1026 b 
14 fährt Aristoteles nach den worten: sloi yäo ol twv GocptGzuiv 
Xoyot mgl io Gvfjßeßrjxog tug dntiv fiuhGra navuav, weiter fort : 
yiuivtiai, yug io Gvfjßtßrjxog iyyvg ri rov pr} ovxog, und es er- 
scheint dem verf. nicht unmöglich, jene angäbe mit 236 E, wo 
die möglichkeit des Scheins und des irrthums erklärt wird , mit 
260 C in einklang zu bringen, wo die entstehung des irrthums 
erklärt wird aus der möglichkeit , nichtseiendes als seiend zu 
setzen. Dies könne aber nur dann eintreten, wenn die einzel- 
nen dinge mit ihren zufälligen eigenschaften (den Gv/aßtßijxoTu), 
nicht die ideen betrachtet würden (p. 14). Die angeblichen Wi- 
dersprüche mit dem Theätet löst der verf. durch den nachweis 



Nr. 1. 12. Piaton. 37 

der verschiedeneu bedeutung auf, welche er mit recht dem ftq 
ov im Sophistes vindicirt. Denn während im Theätet das nicht- 
sein als das absolut nichtseiende betrachtet werde, habe der So- 
phistes grade den zweck, den unterschied des metaphysischen und 
logischen nichtsein (des hsgov) nachzuweisen (mit bezug auf 
258 E). Als Ursache jener vermeintlichen Verwechslung betrach- 
tet Schaarschmidt ,,die grobrealistische fassung des substanzbe- 
griffs", die den Verfasser des Sophistes durchaus von Plato un- 
terscheide. Indessen ergiebt sich der Widerspruch, den Schaar- 
schmidt in der annähme der idee des seins mit der sonstigen 
ansieht Plato's finden will , dadurch als hinfällig, dass die Un- 
terordnung der ideen und der sinnlichen dinge unter die 
idee des seins als eine nicht gleiche nachgewiesen und somit 
der Vorwurf einer koordination der ideen- und erscheinungs- 
weit beseitigt wird. 

Als eine noch grössere Inkonsequenz bezeichnet Schaar- 
schmidt das verfahren , dass den ideen sogar die bestimmungen 
der sinnlichen existenz (bewegung , leiden u. a.) beigelegt wer- 
den. Wenn aber der verf. diesen tadel erstlich mit dem ge- 
danken aus 249 B., dass dem unbewegten seienden die Vernunft 
durchaus nicht einwohnen kann, zweitens mit der bemerkung 
abzuthun glaubt, dass diese ganze auffassung des erkennens 
wohl als eine analogie der sinnlichen Wahrnehmung (welche zu 
stände kommt , wenn der subjektiven bewegung eine objeetive 
entspricht) zu erklären sei, so wird er selbst fühlen , dass da- 
mit die Schwierigkeit nicht ganz gehoben wird. Hier war un- 
ter andern zu berücksichtigen die verdienstvolle arbeit von 
Deuschle (über die begriffe der bewegung und des werdens bei 
Plato, in Jahn's Jahrbb. bd. 71, 1855), in welcher die yiisaig 
nur als eine art der xCvr}6tg nachgewiesen ist , obgleich es zu 
bedauern, dass die Untersuchung zu keinem bestimmteren resnl- 
tate gelangt-, ausserdem der veränderte Standpunkt des philoso- 
phen, z. b. in seinem letzten werk , den gesetzen. Ueberhaupt 
wird der Vorwurf der inkonsequenz nur dann zu beseitigen 
sein, wenn man die verschiedenen stufen in der entwicklung 
der platonischen ideenlehre nicht verkennt, nämlich die periode 
der absoluten unwandelbarkeit der ideen, die periode, in wel- 
cher die idee des guten den Vorrang hat , die periode , wo den 
ideen das erkanntwerden nur durch eine relative bewegung ermög- 



38 13. 14. Aristoteles. Nr. 1. 

licht wird und endlich die periode der reduktion auf zahlen 
(die Verwandtschaft der begriffe xavxöv und öangov im So- 
phistes mit dem mqaq und änsioov im Philebus hat Ueberweg 
a. a. o. p. 205 mit recht hervorgehoben und die reduktion des 
ereqov im Sophistes auf das pr} ov mit der aristotelischen re- 
duktion des platonischen ajtnqov auf das [itj ov in parallele ge- 
setzt). Daher vermag ich der ansieht des verf. nicht beizutre- 
ten, dass Plato die ansichten solcher anhänger seiner eigenen 
philosophie rektificirt, die missverständlich aus seiner vielbeton- 
ten lehre von der unveränderlichkeit der ideen den schluss ge- 
zogen hatten, dass auch das attribut der bewegung und der kraft- 
thätigkeit ihnen abzusprechen sei (p. 24). Von einem missver- 
ständniss der ddiuv cpCXoi kann hier weniger, als von ihrem still- 
stand auf einer frühern stufe die rede sein. Offenbar war Plato 
selbst weiter fortgeschritten und im Sophistes sowohl als im 
Philebus in einem neuen Stadium der entwicklung seiner ideen- 
lehre angelangt. — Im übrigen ist es dem verf. gelungen, die 
von Schaarschmidt vorgebrachten Verdächtigungsgründe , wenn 
auch nicht immer vollständig, so doch meist glücklich zu wi- 
derlegen. L. 

13. Die Staatslehre des Aristoteles in historisch -politischen 
umrissen. Ein beitrag zur geschichte der staatsidee und zur 
einführung in die aristotelische politik von Wihelm Oncken, 
o. professor der geschichte an der Universität Giessen. Erste 
hälfte. 8. Leipzig, Engelmann. 1870. XVI u. 299 s. — 2 thlr. 

14. Aristoteles und seine lehre vom Staat. Von W. n- 
cken. gr. 8. Berlin, Lüderitzsche Verlagsbuchhandlung, 1870. 
38 s. (Sammlung gemeinverständlicher wissensch. vortrage, her- 
ausg. von Virchow und Holtzendorff, V. serie, heft 103). 

Die arbeiten von Oncken über die Staatslehre des Aristo- 
teles dürfen als eine wirkliche bereicherung der aristotelischen 
literatur bezeichnet werden. Sie bieten dem forscher von fach 
mancherlei anregung und belehrung und empfehlen sich zugleich 
durch ihre klare und anziehende darstellungsweise dem gebilde- 
ten laien. Vielleicht wäre in dem umfassenden werke hin und 
wieder etwas mehr gedrängte kürze zu wünschen gewesen. Je- 
denfalls wird zuweilen das verdienst des Aristoteles gegenüber 
seinen Vorgängern zumal Piaton wohl etwas zu hoch angeschla- 



Nr. 1. 13. 14. Aristoteles. 39 

gen. Allerdings verkennt Oncken die schwachen Seiten dieses 
grossen geistes nicht. Er räumt namentlich ein, dass Aristote- 
les bei seiner polemik gegen Piaton sich nicht immer genügend 
in dessen gedankenkreise zurechtzufinden vermocht habe. Al- 
lein stellen wie Pol. II, 5. 6. 1264 a, 15— b, 4. b, 35 ff. 1265a, 
3 ff. zeigen, dass dies in einem weit höheren masse der fall 
war, als es aus Oncken's darstellung hervorgeht. Wenn Ari- 
stoteles noch darüber in zweifei sein kann , ob Piaton nicht 
auch dem dritten stände seines idealstaats weiber-, kinder - und 
gütergemeinschaft und antheil an der Staatsregierung und am 
kriegsdienste beilegen wollte, so ist in der that ein stärkerer 
mangel an verständniss schwerlich denkbar. Zum Überflüsse 
sagt Piaton hinsichtlich der gütergemeinschaft mit dürren Wor- 
ten das gegentheil (Rep. III, 41 7 A. IV, 419). Wenn Aristo- 
teles ferner meint, der unterschied des platonischen Staats der 
Gesetze von dem der Republik sei im wesentlichen nur ein schein- 
barer, so hat er im eifer der polemik übersehen, dass sein eig- 
ner idealstaat dem letzteren zwar in manchen stücken ferner, 
in andern aber sogar näher steht. Denn Piaton hat das in der 
Republik auch von ihm in anwendung gebrachte abscheuliche 
mittel der abtreibung in den Gesetzen völlig aufgegeben. Ari- 
stoteles dagegen verfährt consequenter. Sein idealstaat ist gleich 
dem platonischen gesetzesstaat auf eine bestimmte zahl gleicher 
unveräusserlicher und untheilbarer grundstücke begründet , aber 
während Piaton die mit ihr zusammenhängende unverrückbare 
erhaltung der gleichen bürgerzahl durch adoption und aussen 
düng von kolonien ins werk setzen zu können vermeint, sieht 
Aristoteles ein , dass dies nicht ohne anwendung des gegebe- 
nen mittels geschehen kann , und schreckt daher vor demsel- 
ben auch nicht im mindesten zurück. 

Abgesehen von diesen und einigen anderen ausstellungen 
darf die besprechung der kritik, welche Aristoteles gegen Pia- 
ton, Phaleas, Hippodamos und den spartanischen staat geübt hat, 
als wohlgelungen bezeichnet werden. Dieser gegenständ bildet 
die hauptmasse des vorliegenden theils von Oncken's umfassen- 
derem werk, welcher mit ihm abschliesst. Vorauf gehen aber 
noch mehrere wichtige einleitende abschnitte, welche von der 
forschungs - und darstellungsweise des Aristoteles , von der ent- 
stehungsart seiner Ethik und Politik , der textesgeschichte des 



40 13. 14. Aristoteles. Nr. 1. 

letzteren werkes und der nothwendigkeit der Umstellung des 
7. und 8. buches innerhalb desselben vor das 4. und des 6. vor 
das 5. handeln. Oncken bezeichnet den Aristoteles als den 
frühesten wahrhaft wissenschaftlichen erapiriker und urheber der 
inductiven methode. Ersteres ist im wesentlichen richtig, nur 
hätte Oncken nicht verschweigen sollen , dass auch Aristoteles 
noch kein reiner empiriker war, vielmehr in wesentlichen stücken 
dem platonischen idealismus noch nahe genug bleibt. Letzteres 
aber ist mit ersterem keineswegs einerlei, sondern zum empiri- 
schen verfahren gehört vielmehr doch wohl deduction eben so 
gut als induction. Gerade die deductive methode ist in viel 
eigentlicherem sinne des Aristoteles werk als die inductive, wel- 
che in gewisser weise schon auf Sokrates zurückgeht. Die 
schlusslehre ist seine eigenste erfindung, die wissenschaftliche 
deduction oder der beweis («Wiffi^i') aber ist ja nach ihm nur 
eine besonders strenge form von Schlüssen. Höchst beachtens- 
werth aber ist der versuch von Oncken, die alte hypothese, dass 
die streng systematischen werke des Aristoteles blosse zuhörer- 
nachschriften seien, zunächst hinsichtlich der Ethik und Politik, 
neu zu begründen. Indessen selbst wenn dem so wäre, würden 
wir doch in dieser ganzen classe von werken , d. h. also der 
grossen mehrzahl der erhaltenen, im wesentlichen den eignen 
stil des Aristoteles erkennen, nicht zwar den seiner populären 
Jugendschriften, wohl aber den seiner streng wissenschaftlichen 
darstellung in der zeit seiner höchsten reife. Dass dieser stil 
von den stilistischen Vorschriften, die Aristoteles selbst im drit- 
ten buche der rhetorik giebt, auf das entschiedenste abweicht, 
darauf vermag ich wenig gewicht zu legen, denn es ist unmög- 
lich den beweis zu führen, dass Aristoteles auch für streng wis- 
senschaftliche , sich schlechterdings nicht an das grosse publicum 
wendende arbeiten die sorgfältige beobachtung jener regeln für 
durchaus nothwendig hielt. Die hauptsache also ist vielmehr, 
dass diese Schriften nicht sowohl von und zu lesern als von 
und zu hörern sprechen und zum theil auch geradezu als vortrage 
(uxQouaeig) betitelt werden, wie z. b. eben die Politik. Indes- 
sen dies letztere gilt z. b. auch von der Physik, und doch wird 
in unverdächtiger weise bei ihr von der eignen aufzeichnung 
des Aristoteles berichtet, die sich nach dessen tode im besitz 
des Theophrastos befand; die der Metaphysik soll in dem des 



Nr. 1. 15. Catullus. 41 

Eudemos gewesen sein (s. Zeller Phil. d. Gr. II b , p. 90 ff.). 
Aus den angegebnen umständen geht nur hervor, dass diese art 
Schriften im wesentlichen die mündlichen vortrage wiedergab, 
aber nichts steht der annähme entgegen, dass Aristoteles selbst 
die letzteren nachträglich zunächst zum gebrauche seiner selber 
und seiner zuhörer niederschrieb. Bei ihrer herausgäbe nach 
seinem tode dürften allerdings auch Zuhörernachschriften mit 
verwerthet worden sein. 

Nur danken können wir es Oncken, dass er seine frühere in- 
teressante abhandlung über die Wiederbelebung der aristotelischen 
Politik in der abendländischen leseweit in seine jetzige umfas- 
sende darstellung mit aufgenommen hat. Seine erörterung über 
die handschriften aber musste schon aus dem einfachen gründe 
missrathen, weil ihm eine ausreichende bekanntschaft mit den- 
selben nicht zu geböte stand, sondern er sich hier auf die an- 
gaben von Göttling , Bekker und Barthelemy - St. Hilaire ange- 
wiesen sah, welche theils viel zu unvollständig und ungenau, 
theils, was namentlich von denen Hilaire's vielfach gilt, geradezu 
falsch und unzuverlässig sind. Doch sind auch nicht alle irr- 
thümer Oncken's nach dieser richtung bloss durch diese unvoll- 
kommenheit seines materials verschuldet. 

Fr. Susemihl. 

15. Solemnia anniversaria conditae universitatis et mu- 
nus auspicantis novi rectoris una cum certaminibus litterariis 
die XVII ante calendas Decembres rite obeunda indicit rector 
et senatus. Insunt Rettigii Catulliana. 4. Bern. 1870. — 
16 s. 

Das programm behandelt vier gedichte Catull's, c. L. LXV. 
LXVIII. LV, und sucht die über sie von Westphal aufgestellten an- 
sichten oder einfalle auf eine sich nur im allgemeinen haltende und 
daher nirgends überzeugende weise zu widerlegen ; denn Catull's 
gedichte verlangen grade wie die der augusteischen zeit eine 
so tief wie möglich in's einzelne eingehende erklärung, von 
der ausgehend man zu den allgemeinen fragen kommen muss : 
jetzt verfährt man meist umgekehrt und das giebt nur verkehr- 
tes. Der vf. sucht zuerst die vierte strophe von c. L durch 
die behauptung, sie sei aus Ovid. Kern. Amor. 135 entlehnt — 
einer stelle, welche schon von den altern erklärern als parallele 



42 15. Catullus. Nr. 1. 

benutzt worden, — als unecht zu erweisen. Dieser erweis ist 
aber nicht im geringsten geführt und könnte man mit viel 
grösserem rechte sagen , dass Catull dem Ovid bei jener stelle 
vorgeschwebt habe ; wie denn überhaupt die ovidische stelle hier 
allenfalls nur das nützt und zeigt, dass dichter in ihren gedichten 
von eigner unglücklichen liebe zum unglück der könige und Staa- 
ten übergegangen sind. Uebrigens ist richtig, dass vs. 13 otium 
cett. auf vs. 12 nicht folgen kann, weil ausser anderm die an- 
rede au Catull in dieser weise nicht gehörig motivirt ist ; hält 
man aber fest, dass diese vierte weder in spräche noch sinn 
von Catull's art irgend abweichende Strophe schon um deswil- 
len echt sein müsse , weil solche fremdartige bestandtheile über- 
all in unsrer Sammlung sich nicht nachweisen lassen , dass fer- 
ner die letzten uns aus Sapph. fr. 2 überlieferten worte den 
Übergang zu einer mahnung an die dichterin selbst anzeigen, so 
wird man wahrscheinlich finden, dass Catull nach vs. 12 das 
vorhergehende zusammenfasste, seine läge ungefähr wie c. LXXVI 
als eine krankhafte, unhaltbare schilderte und schliesslich den 
grund derselben, das otium, in solcher weise angab, dass unsre 
vierte strophe als sechste das ganze passend abschloss. Dass 
diese auffassung Catull's art entspreche, beweist das allein für 
c. L. eine parallele gestattende c. XI: denn da findet sich ge- 
nau dieselbe composition. 

Es wird sodann p. 8 c. LXV besprochen , wo die letzten 
vier verse Rettig dadurch gegen Schwabe zu rechtfertigen sucht, 
dass er sie auf Catulls läge bezieht; obgleich das im ganzen 
richtig und zu loben, sind leider in die stelle den worten der- 
selben und dem ganzen gedichte fremde gedanken hineingetragen. 
Ueberhaupt haben dieses gedieht Fr. Haase, Rossbach, Schwabe 
u. a. so unglücklich wie möglich behandelt und zwar deshalb, weil 
man jetzt glaubt, bei einem dichter brauche man sich nicht um 
compositiousgesetze zu kümmern. Wegen dessen, was bei c.LXVIII 
gesagt werden muss, mag die composition von c. LXV hier in 
der kürze entwickelt werden. Die uQxd des gedichts wird von 
vs. 1 — 4 gebildet: „ich kann jetzt nichts süsses dichten"; worauf 
die xamxQonu folgt : „mein bruder ist ja todt" : diese masse ist 
leider unvollständig, da vs. 8 mit vs. 9 nicht zusammenhängt; 
es fehlt uns aber nur ein den Übergang auch zu alloquar cett. 
machendes distichon : wie die xararoorrd sonach sechs verse ent- 



Nr. 1. 15. Catullus. 43 

hält, so auch die fiiiuxaTarqoTiä von vs. 9 — 14, welche in er- 
höhtem maasse den bruder feiert und den Catull als dichter 
zeigt. Nun kehrt in der fftpQuylg Catull zum anfang zurück 
und schliesst das ganze mit^einem seine gegenwärtige läge schil- 
dernden, also den anfang weiter ausführenden theile. beide <r<pgn- 
yL- wie intloyoq (oder i^oSiov) in den zahlen der frühern massen: 
4. 6. 6. 4. 6, eine Symmetrie, so schön wie sie nur sein kann. Der 
schluss aber besagt: „danach schicke ich dir ein heiteres gedieht 
und bin so vergleichbar einer keuschen Jungfrau, welche des 
gegen pflicht und anstand verborgenen, heimlich erhaltenen lie- 
besapfels (Diogen. Provv. VI, 63) uneingedenk, plötzlich, durch 
zufall getrieben aufspringt, den apfel fallen lässt und nun scham- 
roth und traurig dasteht — denn ich, der castus und pius poeta, 
c. 15, 16, offenbare jetzt ein von den Musen im verborgenen 
erhaltenes (c. LXVIII, 17), heiteres (dona beata c. LXVIII, 14) 
gedieht durch deine zufällige aufforderung angeregt gegen die 
meinem bruder (vs. 12) schuldige pflicht und stehe schamroth 
und traurig da, da das gedieht und somit mein vergehen jedem 
bekannt wird, vrgl. c. LXVIII, 45. 

Bei c. LXVIII erklärt sich Kettig gegen Westphal's versuch, 
das gedieht nach Terpanders gesetzen zu ordnen , verfährt da- 
bei aber nicht gelehrt. Die entwicklung des musikalischen 
characters des Terpander in Westphal's Gesch. der alt. mus. 
I, p. 57 ügg. und die arideutungen seines einflusses auf die 
poesie der folgenden zeit erscheinen mir als eine der fruchtbarsten 
entdeckungen , welche umsichtig weiter gebildet die bisherige 
behandlung der griechischen poesie in mehr als einer beziehung 
umgestalten muss. Denn nicht nur bei Pindar lässt sich an- 
schluss an die compositionsgesetze des lesbischen meisters auf 
das überzeugendste nachweisen, sondern dessen grundsätze 
liegen als dem wesen idealer poesie und der naturgemässen 
auffassung der erscheinung gleichmässig entsprechend auch dem 
drama und zwar nicht bloss der neuen komödie, wo die namen 
der theile terpandreisch klingen, s. Philol. XXIX, p. 281, son- 
dern auch der alt- attischen und der tragödie zu gründe; ja so- 
gar in der prosa, nämlich in der theorie der beredtsamkeit, auf 
deren Zusammenhang mit der musik neuerdings öfter hingewiesen, 
kommen sie zum Vorschein, so dass allmählig der Zusammen- 
hang der classischen poesie mit der musik, — bisher nur re- 



44 15. Catullus. Nr. 1. 

densart — bestimmtere gestalt anzunehmen anfangt. Doch da 
hier nur von der elegie die rede, so bemerke ich, dass in der 
einzigen elegie Solons , über deren composition wir sicher ur~ 
theilen können, die viertheilung Terpaoders — s. Pbilol. XXIX, 
p. 549 — klar vorliegt: ich werde sie Philol. XXXI im Jah- 
resbericht über Solon genau nachweisen und dabei zeigen, wie 
die anordnung dieser elegie von Weil (Ehein. Mus. XVII, p. 
1 flg.) völlig verkannt ist. Nach diesen alten meistern richteten 
sich, wie aus Kallimachos zu erkennen, die alexandrinischen 
elegiker, durch welche denn auch die Lateiner dazu kamen, 
auf diese uralten (s. Philol. XXIX, p.318) gesetze Terpanders 
ihre gedichte zu bauen ; überhaupt haben die dichter Roms viel 
mehr, als man jetzt meint, die griechische musik für ihre zwecke 
benutzt, wie denn die von Horaz z. b. in der alkäischen Stro- 
phe vorgenommenen änderungen nur aus dem streben ohne mu- 
sik die Wirkung der mit musikalischer begleitung vorgetragenen 
strophe zu erreichen, sich erklären; dies auch ein grund, dass 
Horaz die öden nicht für gesang geschrieben hat. Darnach hat 
es also nichts befremdendes , dass Catull's gedichte als in en- 
gem anschluss an Kallimachos gedichtet auf Terpander als 
ihrer grundlage beruhen: zum beweise benutze ich das eben 
analysirte c. LXV. Geht man auf diesem weg weiter, .wird man 
zweierlei sofort erreichen: erstens eine feste grundlage für das 
zurückweisen des wüsten treibens derer, die durch ganz ausser- 
liches abzählen der verse eine sogenannte Strophengleichheit 
mit herauswerfen von so und so viel schönen partien herzustel- 
len vermeinen; und zweitens, was viel wichtiger , eine wirklich 
antike grundlage und terminologie für entwicklung des gedan- 
kengangs und der composition, also des arguments der gedichte, 
wie ich das am Theognis zu zeigen versucht habe, Philol. XXIX 
p. 512. 677. Dass dies ein sehr grosser gewinn, kann grade 
Catull speciell zeigen. Denn Rettig kommt p. 14 auf 

Carm. LV zu sprechen, widerlegt die von Westphal beliebte 
anordnung desselben, billigt dagegen Lachmann' s auffassung, schiebt 
also auch c. LVTII non custos cett. nach vs. 13 ein. Aber diese 
Versetzung ist wie alle die im Catull von den neueren angenom- 
menen äusserst unglücklich. Denn sollte nach Herculei labos est 
eine mythische partie folgen, musste sie von Herakles entlehnt 
sein; wie kommt denn auf Ladas u. s.w. hier der dichter? und 



Nr. 1. 16. Horatius. 45 

wo ist denn der hypothetische nachsatz zu non custos cett. ? 
Der stand doch wohl im vorhergehenden? Und betrachtet 
man unbefangen den sinn des Stücks non custos cett. , so 
zeigt der doch deutlich, dass Catull den Camerius jetzt gar 
nicht sucht noch suchen will; also in dem gedieht, dem dies 
fragment entstammt, hat Catull , um das geheimniss des Came- 
rius zu ergründen, einen dem gedieht LV grade entgegenge- 
setzten weg eingeschlagen: „auf keine weise werde ich dich in 
deinem versteck aufsuchen: aber sage es nur, es wird dich nicht 
gereuen": s. c. VI, 16. Demnach muss aber c. LV anders als 
die von Ellis verzeichneten neuern gethan, behandelt werden : 
zuerst die einleitung : 2x3x3: darauf die hauptwendung, 
2x3, wo den zweiten theil das mädchen spricht ; denn den 
ersten vers schreibe ich nach Hand, vs. 13 rührt clam von mir 
her, in welchem te den Catull bezeichnet: „du, Catull, bist un- 
erträglich!": s. Philol. XXXI, p. 128; also: 

quaedam inquit: tu nudulum reduce: 

en hie in roseis latet papillis. 

Sed te clam ferre Herculei labos est! 
Darauf der haupttheil ,3x3: dann der schluss, 2 X 2, da 
nach vs. 19 ein vers ausgefallen sein muss des sinnes : non cre- 
dis mihi — ? Das ganze ergiebt also: 

2x3x3:2x3:3x3:2x2. 
Dies zur weitern bestätigung meiner schon in den Gott. Gel. 
Anz. 1855, st. 51, p. 1855 mitgetheilten und gut unterstüzten 
ansieht ; sie ist die einzig richtige, welcher aber aus mir völlig 
klaren gründen keiner der neuern behandler des Catull sich an- 
geschlossen hat. Eine erörterung des metrum muss ich einer 
andern stelle vorbehalten. E. v. L. 

16. Q. Horatius Flaccus. Ex recensione et cum notis at- 
que emendationibus Richardi Bentleii. Tomus posterior. 
Editio tertia. 8. Berol. Weidmann. 1869. 710 s. — 2 thlr. 

Mit diesem bände ist die dritte Weidmann'sche ausgäbe des 
Bentleischen Horaz vollendet und giebt sich in einem epilogus 
p. 709 Dr Carl Zangenmeister als den zu erkennen, dem 
wir alle das in ihr geleistete zu verdanken haben: es ist des- 
sen schon im Philol. Anz. I, p. 129 gedacht und alles dort 
vom ersten bände gesagte gilt auch von diesem zweiten. Es 



46 16. Horatius. Nr. 1. 

hat sich aber hier der schon sonst durch mehrere arbeiten um 
Horaz verdiente herausgeber noch ein ganz besonderes anrecht 
auf den dank jedes philologen erworben , dass er den seit der 
amsterdamer ausgäbe vom j. 1713 den ausgaben angehängten 
index Aveman's durch einen neuen äusserst sorgfältig gearbei- 
teten ersetzt und somit den ersten wirklich brauchbaren index 
zum Horaz geschaffen hat ; denn auch der bei Döring's ausgäbe 
befindliche ist, obgleich er unabhängig von Aveman gearbeitet, 
wegen der vielen auslassungen und sonstiger mängel unbrauch- 
bar. Da voraussichtlich in nicht zu langer zeit eine neue auf- 
läge nöthig werden wird, bemerken wir, dass unsrer ansieht 
nach wünschenswerth sein dürfte, wenn bei den stellen, wo nach 
Beutlei eine anerkannt richtigere lesung gefunden worden, diese 
entweder angegeben oder ihr Vorhandensein durch ein zeichen 
angedeutet würde, dass zweitens in fällen wie seu und sive, die 
stellen alle bei seu gegeben und bei sive auf seu zurückgewiesen 
würde, dass endlich bei den partikeln — auch bei anderm beach- 
tenswerthen, — welche durch monographien oder in monographien 
gelungen erläutert sind, diese angeführt würden;^ denn da jetzt 
meist nur sogenannte Schulausgaben über Horaz erscheinen, 
diese aber, wenn sie dergleichen entdeckt, dies aufnehmen ohne 
die urheber zu nennen, so muss man darauf bedacht sein einen 
ort, wo die verdienstlichen monographien zu ihrem rechte kom- 
men, zu finden. Und so wünschen wir, dass dieser index das 
verständniss des Horaz fördern und somit auch dazu dienen 
möge, dem in unserer zeit so oft ungerecht geschmähten edlen 
dichter zu vorurteilsfreier anerkennung zu verhelfen. 

E. v. L. 

17. J. E. Pätrequin, nouvelles recherches historiques 
et critiques sur Patrone suivies d'^tudes litte'raires et bibliogra- 
phiques sur le Satyricon. Paris und Lyon. 1869. 192 s. gr. 8. 

Bei einem Franzosen kann die unkenntniss der litteratur, 
welche ausserhalb Frankreichs erscheint, wohl niemanden wun-^ 
der nehmen: für J. E. PGtrequin schliesst das register der aus 
gaben Petrons mit dem achtzehnten Jahrhundert. Nur die Über- 
setzung desselben durch seinen landsmann Baillard aus den 
vierziger jähren wird noch in betracht gezogen , von der exi- 
stenz der Beckschen arbeit über die uiauuscripte des Petron 



Nr. 1. 17. Petronius. 47 

hat er durch einen pariser bibliothekar gerade nach abschluss 
seiner Studien künde bekommen (p. 179). Und dass der Ver- 
fasser ein Gallus germanus ist, zeigt ein ausser allem Zusammen- 
hang in den text eingezwängter ausfall gegen die nachlässigen 
deutschen gelehrten, besonders den Prussien Kurt Sprengel, der 
sich schwerer vergesslichkeiten in der geschichte der mediciner 
zu Lyon während des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts 
schuldig gemacht hat (p. 62). Denn Petrequin ist mediciner, 
und wie einst seine mitbrüder in Aesculap , Sambucus , Dale- 
champs, Mentel. Reinesius u. a. hat er erholung von dem strengen 
beruf in Petron und dessen litteratur gesucht (p. 7). Hiernach 
wird kaum nöthig sein auszuführen, was man von dem buche 
nicht erwarten darf. Mit dem text der Satiren befasst sich 
Petrequin nicht weiter, als dass er von den eingelegten poeti- 
schen stücken p. 23 — 42 einige proben in französischer Über- 
setzung mittheilt; wenn er hier und in ganz vereinzelten noten 
sonst ein wort über die richtige Schreibung und auslegung ei- 
ner stelle sich entschlüpfen lässt, so erwecken seine bemerkun- 
gen den verdacht, dass er im verständniss der satiren selbst hin- 
ter seinen landsleuten allzusehr zurückgeblieben ; Untersuchun- 
gen oder erörterungen , welche strenge exegese und philologi- 
sche kenntnisse zur Voraussetzung haben , wie die einleitung 
des buchs, eine literarhistorische Schilderung Petrons und sei- 
nes werks , sind durch den maugel jener Vorbedingung ganz 
missrathen. Ein paar belege werden ausreichen. Indem p. 82 
ff. versucht wird die ächtheit der cena Trimalchionis zu verthei- 
digen, wird es lächerlich genannt und ein beweis von Unwis- 
senheit, dass man in derselben solöcismen habe finden wollen, 
wie in der phrase prae mala „als ob es sich um den plural von 
malum handle , während es der singular, von mala, malae ist": 
gemeint ist die stelle cap. 39 aerumnosi quibus prae mala sua 
cornua nascuntur. Der vf. bedauert p. 16 dass hr. Gaston de 
Flotte in seiner geschichte der berühmten männer von Marseille 
dem Petron seinen ehrenplatz zu geben versäumt habe ; die bekann- 
ten verse des Sidonius nämlich, et te Massiliensium per hortos sacri 
stipitis Arbiter colonum, verwelscht er nach dem Vorgang Baillards 
also : arbitre du bort goüt, joyeux fils de Marseille, des fleurs de ses 
jardins tu couronnes ton front. Der letzte abschnitt (§. VI p 164) 
unterscheidet in der geschichte des petronschen Werkes geistreich 



48 17. Petronius. Nr. 1. 

zwei perioden, die eine der decomposition , die andre der re- 
composition : die erste epoche lasse sich nicht bestimmt präci- 
siren , mau werde sie aber vom zwölften Jahrhundert bis zum 
ende des fünfzehnten, wo der erste druck in Mailand erfolgte, 
auszudehnen haben, erst vom zwölften Jahrhundert ab, weil 
Petrequin im Policraticus des Johannes Sarisberiensis „eine 
menge von citaten ,,aus Petron beobachtet haben will" die man 
im heutigen text nicht immer finde." Wie dankbar wären wir, 
wenn er sich die mühe gegeben hätte wenigstens ein solches 
citat kurz zu bezeichnen. Die periode der recomposition ist 
noch lange nicht abgeschlossen, wir haben vielmehr eine gänz- 
liche neugestaltung des textes zu erwarten durch die allmäliche 
einschiebung der fragmente, vor allem der metrischen, die doch 
nach dem beispiel Bourdelots und jüngst Baillards in den 141 
kapiteln unsrer ausgaben untergebracht werden müssen (p. 181 ff.). 
Leider ist dem vf. der gedanke gar nicht gekommen , dass ein 
am anfang und am ende verstümmeltes buch auch vorn und 
hinten etwas verloren haben kann. Doch genug der thor- 
heiten, die sich besonders in der einleitung und schluss- 
betrachtung breitmachen ; auch den zorn gegen die moderne kritik 
und den ekel vor den herausgebern, die „der reihe nach über den 
leichnam eines alten Schriftstellers hinwegspazieren, so dass er un- 
vermeidlich ein wenig platt gedrückt und verhunzt wird", wollen wir 
dem vf. gern zu gute halten, da offenbar dies gefühl ihn getrie- 
ben, die guten und bösen wandelungen des Petron -textes zu schrei- 
ben in dem jedenfalls lesenswerthen, des wissenswürdigen aber für 
die Franzosen mehr als für die deutschen philologen enthaltenden 
haupttheil des buchs , von dem abschnitt II die geschichte des 
Pithou'schen manuscriptes behandelt, III die der Trauer hand- 
echrift, IV die der Nodotschen fälschungen, V verschiedenes 
bibliographische über ausgaben, Übersetzungen, Streitschriften, 
projecte die Petron betrafen unter dem titel rectifications au su- 
jet de Pitrone et du Satyricon zusammenfasst. Ueber die für 
uns wichtigsten fragen, die im II. abschnitte hätten zur frage 
kommen müssen, sieht man sich vergebens nach belehrung um : 
Pithous handschrift war ja nur eine von mehreren, welche einen 
vollständigeren Petron enthielten und damals in Frankreich vor- 
handen waren, über deren herkunft, verbleib und spuren der 
vf. iudess, weil er von der tragweite einer solchen Untersuchung 



Nr.l. 17. Petronius. 49 

nichts ahnt, nicht einmal das giebt, was der letzte deutsche her- 
ausgeber; über Pithou und seine handschriften wiederholt er 
nur aus den Scaligerana und Grosleys biographie bekanntes, für 
die behauptung dass die handschrift wie der Juvenal - codex aus 
der bibliothek Matthias Corvin's stammte , verweist er auf „die 
erzählung der bibliographen" ; er fügt p. 53 hinzu, dass dies 
manuscript sich heute auf der nationalen bibliothek zu Paris 
befinde und dass Laporte du Theil es als eines der wertvoll- 
sten, die existiren, betrachtet habe. Anfangs geneigt, einer so 
zuversichtlichen behauptung glauben zu schenken, wird man im 
verschweigen der bibliotheksnummer eine kluge Zurückhaltung 
des vfs. erkennen wollen; aber wer weiter liest p. 85, dass die 
Trauer handschrift unter der nr. 7989 unbekannt verschmachte, 
„fast vom bibliothekar selbst vergessen", und die interessante klage 
p. 165 über jene ,,immer in reparatur befindliche bibliothek," 
wo er den handschriften und alten ausgaben vergeblich nachge- 
forscht habe, und die frage ohne antwort p. 179, was aus der 
Persius, Petron und Seneca's sprüche enthaltenden handschrift 
geworden sei, die Thou besessen habe — der oft benutzten 
pariser handschrift 8049 — , der wird die obige Versicherung für 
widerlegt halten durch die erklärung der deutschen gelehrten, 
welche trotz soliderer bemühungen die Pithousche handschrift 
in Paris nicht und überhaupt bis jetzt nicht haben entdecken 
können. Hier und auch an vielen andern stellen gewinnt man 
den eindruck dass P^trequin keineswegs immer aus den do- 
cumenten selber, über welche er schreibt, handschriften oder 
ausgaben, sondern öfter , als gut war, nach gott weiss welchen 
bibüographien und litterärgeschichten seine berichte gemacht und 
sein urtheil gebildet hat. Wie hätte es ihm, dem gelehrten von 
Lyon, sonst auch einfallen können, das verdienst der ausgäbe, 
„welche eine neue aera bezeichnete", Pithou beizumessen , an- 
ßtatt seinem berühmten mitbürger J. de Tournes, von dessen 
ausgäbe er selber p. 58 meldet, dass sie der Pithouschen vor- 
ausging? Aber vom lyoner herausgeber weiss er nur zu sa- 
gen, dass er den älteren text „mit Varianten bereicherte", wäh- 
rend eine vergleichung des lyoner und des pariser drucks ihm 
zeigen konnte, dass der erstere an Vollständigkeit dem letzteren 
nichts nachgiebt. Wo immer der petronsche text, kenntniss des 
überlieferten materials, das philologische ins spiel kommt, da 
Philol. Anz. in. 4 



50 17. Petronius. Nr. 1. 

ist man vor irrungen des vfs. nicht sicher. So sieht er p. 149 
ff. ein litterarisches problem in einem 1582 publicirten epigramm, 
das Stephan Pasquier (Paschasius) unter der Überschrift de frag- 
mentia epigrammatum Petronii Arbitri pristinae vitae restitutio an 
Claudius Binet gerichte t , von dessen sechs versen hier nur das 
letzte distichon erwähnt zu werden braucht : ergo bis natus tanto 
te vindice vivet Arbiter arbitrio, docte Binete, tuo; er meint ziem- 
lich naiv, weil Fabricius und die bibliographischen notizen über 
Binet von wiederauffindung petronscher fragmente durch diesen 
mann schwiegen, dass wir es mit einer durch Binets namen ge- 
deckten mystification, vielleicht mit einem phantasiestück gewis- 
ser Schriftsteller zu thun hätten, die zur übung petronsche verse 
fabricirten, also etwa wie Marchena 1800 sich und französischen 
lesern einen scherz machte mit dem stück, welches aus der St. 
Galler bibliothek herrühren sollte. Hätte der vf. die Scaliger- 
schen Catalecta, auf die er sich bezieht, und Binets publication 
nur genauer verglichen, so wäre ihm kein zweifei geblieben 
über die thatsache, dass jenes epigramm auf die von Binet 
1579 veröffentlichten, bis dahin unbekannten gediohte Petrons 
geht und dass der letzte vers im besondern den schluss des 
durch Binet allein uns erhaltenen, vielleicht erst von einem 
Zeitgenossen Poggio's gemachten epigramms (p. 237 Büchel. vs. 
6) parodirt: Arbiter, arbitrio dictus et ipse suo. Das meiste neue 
im ganzen buch schien mir der abschnitt über die geschichte 
des Belgrader oder Nodotschen manuscriptes darzubieten, wo 
freilich mein urtheil auch am wenigsten competent ist; man 
wird behaupten dürfen, dass bei dieser frage heute Petron nicht 
mehr interessirt ist, höchstens die galante literatur der Franzosen. 
PeHrequin stellt die vermuthung auf, dass nicht Nodot selbst 
die fälschung verübte, sondern dass gelehrte von Grenoble, Linage 
und Chorier, sich hinter seinem namen versteckten. Während er 
übrigens allerlei urtheile namentlich unverständiger Franzosen 
über die von Nodot untergeschobenen Supplemente registrirt mit 
dem trumpf p. 98, dass für die unächtheit heute „die allge- 
meine meinung in Frankreich sei", ist ihm die bündigste und 
treffendste kritik derselben unbekannt geblieben, nämlich die 
Bentley's in den Phalaridea (p. 83 und 86 der Ribbeckseben 
Übersetzung). Schliesslich: für die neuere geschichte Petrons 
seit dem sechzehnten Jahrhundert besonders in Frankreich kann 



Nr. 1. 18. Griechische geschichte. 51 

man aus den details, welche das buch bringt, nutzen ziehen, 
wir Deutsche aber sind gewohnt nicht nur den kreis unsrer be- 
trachtung zu erweitern, sondern zum glück auch tiefer und 
gründlicher zu schöpfen. F. B. 

18. Geschichte Siciliens im alterthum von Ad. Holm. 
Erster band, mit sieben karten, gr. 8. Leipzig, W. Engelmann. 
1870. XII u. 454 s. — 2 thlr. 15 ngr. 

Ein inselloses meer in einer breite von mehr als 70 meilen 
scheidet die ostküste Siciliens und die südküste Italiens vom 
Peloponnes, Akarnanien, Epirus; diese räumliche trennung hat 
auch eine geschichtliche zur folge. Die geschichte des mutter- 
landes und die seiner westlichen colonien nehmen ihren abge- 
sonderten verlauf und nur in vereinzelten momenten, an den Wen- 
depunkten des geschichtlichen lebens fliessen die beiden kreise 
in einen einzigen zusammen , um sich den ihnen inne wohnen- 
den gravitationsgesetzen zufolge bald wieder zu trennen. In ei- 
ner darstellung der griechischen geschichte ordnet sich der westen 
schlecht ein : man pflegt ihn daher entweder ganz zu übergehen 
oder ihm einen möglichst bescheidenen platz einzuräumen. Um 
so dankbarer erscheint der stoff für eine specielle behandlung. 
Eine solche kann von einem doppelten gesichtspunct aus unter- 
nommen werden. Der allgemeinen oder welthistorischen be- 
trachtung bilden die Westhellenen das bindeglied zwischen ost 
und west, zwischen orientalisch - hellenischer und römischer ge- 
schichte: sie haben Italien civilisirt und befähigt trägerin der 
antiken cultur zu werden. In solchem sinne würde man die 
geschichte der Westhellenen als einleitung in die römische auf- 
fassen können. Der zweite standpunct liegt namentlich bei den 
geringen anfangen, die bis jetzt für Universalgeschichte gewon- 
nen sind, ungleich näher; er ist rein hellenisch und behandelt 
die entwicklung der Westhellenen als eine in sich abgeschlos- 
sene einheit. Holm will weder das eine noch das andere, son- 
dern vielmehr eine geschichte Siciliens im alterthum schreiben, 
in der mit gleicher ausführlichkeit die cultur wie die politischen 
Verhältnisse behandelt werden sollen. Die aufgäbe ist meines 
erachtens falsch gestellt. Man kann allerdings die verschiede- 
nen Schicksale der insel, die auf sie bezüglichen thaten der Phoe- 

nikier, Hellenen und Römer chronologisch an einander reihen ; 

4* 



52 18. Griechische geschichte. Nr. 1. 

aber ein innerer Zusammenhang, ein leitender gedanke fehlt. 
Es ist auch praktisch ganz unausführbar von politik, religion, 
litteratur, kunst der Sikelioten zu reden ohne dabei fortwährend 
die italiotischen Verhältnisse im detail zu berücksichtigen. Denn 
tritt auch das festland, wie nun einmal die Überlieferung ist, 
für uns weit mehr in den hintergrund, so ist es doch in politik 
und cultur aufs engste mit der insel verwachsen. Dem neue- 
ren historiker war ein bedeutsamer fingerzeig durch den umstand 
gegeben, dass die alten nicht bloss JLixsXmo, sondern ^hufoxu 
xai JZwthxu schrieben. 

Nach dem gesagten können wir es nicht billigen, dass der 
Verfasser sein unternehmen auf die geschichte der Westhellenen 
hat ausdehnen wollen. Wir müssen es im interesse der Wissen- 
schaft bedauern. Denn das material ist hier mit einer geduld 
zusammen getragen, die in unserer rasch schreibenden zeit 
selten wird und die nur bei näherem eingehen völlig ge- 
würdigt werden kann. Topographie , archaeologie , numisma- 
tik, litteratur sind mit gleicher Sorgfalt berücksichtigt und auch 
ziemlich .abgelegene notizen und bücher nicht übersehen ; eine 
oberflächliche vergleichung mit dem verdienstlichen werk von 
Brunet de Presle wird dies jedem veranschaulichen. Zu 
dem fleiss in der Sammlung des materials steht freilich die 
verwerthung desselben in durchaus ungünstigem verhältniss. 
Das geheimniss aller geschichtschreibung wesentliches und un- 
wesentliches zu scheiden , hat sich dem verf. nicht erschlos- 
sen : gewissenhaft bringt er die spreu mit dem weizen ver- 
mischt auf den markt. Um so leichter hätte die darstellung 
ohne einbusse der gründlichkeit gefördert werden können , als 
die belegstellen nach einem sehr praktischen verfahren in einem 
gelehrten anhang (p. 307 — 454) gegeben werden. Aber der 
grund liegt in dem übergrossen respect des verf. vor der Über- 
lieferung. Was er über die antiken geschichtsquellen sagt (p. 
307 — 319), erregt vielfach befremden. Diodor z. b. — dar- 
über herrscht in der kritischen schule kein zweifei — hat den 
Thukydides für die geschichte der athenischen expedition kei- 
neswegs direct benutzt. Die litterarhistorischen notizen bei dem- 
selben Diodor stammen in der that aus einem compendium : 
eine Wahrheit, die übrigens nicht erst Volquardsen, sondern 
lange vor ihm Cauer gefunden hat. Oder wenn der verf. dem 



Nr. 1. 18. Griechische geschichte. 53 

Polybios „sinn für ächte menschliche grosse" abspricht, dage- 
gen ,, viele eigenschaften einer guten geschichtsquelle" zuspricht, 
so heisst das in der that zu sikeliotisch reden. Dass die pseu- 
doplatonischen briefe „schwerlich von Piaton selbst, sondern 
eher von einem der Verhältnisse kundigen schüler desselben 
herrühren", klingt nach den Untersuchungen Karstens (de Pia- 
tonis quae feruntur epistolis. Traj. ad Rh. 1864), die indessen 
dem verf. unbekannt geblieben zu sein scheinen , gar seltsam. 

Holm geht von bodenverhältnissen der insel aus (p. 5 — 
41): wobei die producte etwas dürftig ausfallen ; das schöne 
buch Hehn's hätte reiche anregung geben können, wenn es nicht 
zu spät , wir meinen gleichzeitig , erschienen wäre. Bei den 
folgenden drei kapiteln: sagen (p. 42 — 56), Ureinwohner (p 
56 — 78), Phoenikier und Elymer (p. 79 — 96) ist die topogra- 
phische seite der behandlung dankenswerth , die historische er- 
innerte uns hie und da an jenes grauen , das ein namhafter hi- 
storiker empfand, sobald er den namen Pelasger hörte oder 
las. Von der strengen kritik, die auf dem gebiet der römischen 
geschichte die bahn rein gefegt, scheint man in der hellenischen 
noch weit entfernt : wenn in einem vielgelesenen neueren werk 
allen ernstes die Sarden für verwilderte Griechen , die etruri- 
schen Seestädte für griechische gründungen erklärt werden, so 
darf man sich auch nicht beklagen, dass Troer und andere fa- 
belwesen nach wie vor an den italischen küsten ihr spiel trei- 
ben. In betreff der Urzustände hätte Holm aber doch wohl ei- 
nen bessern gebrauch von des trefflichen Vicomte de Kouge 
entzifferungen aus dem tempelhof von Karnak machen können, 
als dies p. 64 geschehen ist. Wenn die religion der Sikeler 
z. b. als „der einfache glaube an ländliche und hirtengotthei- 
ten u im gegensatz zu den orientalischen mythen „ mit ihren 
grossen licht- und schattenmassen" characterisirt wird, so meine 
ich existirt die ländliche hirtenperiode der Völker nur in der 
phantasie der dichter ; dagegen die historischen Zeugnisse beleh- 
ren uns dass die kindheit der Völker von krieg erfüllt ist. Die 
Verehrung der naturmächte mit ihren grossen licht - und schat- 
tenmassen brauchten sie wirklich nicht erst von den Phoenikiern 
zu lernen. Dann folgt kap. 6 über die spuren der ältesten 
bewohner Siciliens, jene einfachen fels - und höhlenbauten, de- 
nen in neuerer zeit so eingehendes Studium zugewandt wird. 



54 18. Griechische geschichte. - Theses. Nr. 1. 

Das zweite buch (p. 108 — 191) behandelt die ältere zeit 
von den ältesten bez'iehungen zwischen Hellas und Sicilien bis 
auf die Perserkriege, das dritte buch (p. 192 — 306) die blüthe- 
zeit von den freiheitskriegen bis zum confiict mit Athen. Der 
verf. ringt fortwährend mit der masse des details und verliert 
darüber den sinn für den grossen Zusammenhang. Die gesetze 
der colonialentwicklung , wie sie Röscher dargelegt hat, dessen 
buch voller anregungen, soweit ich sehe, nirgends berücksich- 
tigt ist , die grossen von der natur gegebenen gegensätze zwi- 
schen nord und süd , zwischen Sy rakus - Akragas und Messana- 
Rhegion, welche die gesammte geschichte der insel bedingen, 
die politik der tyrannen, von denen man aus der renaissance, 
den Schriften eines Machiavelli ein lebendiges bild gewinnen 
kann ~ nichts von allem kommt zu seiner verdienten geltung. 
Die glanzzeit der sicilischen geschichte, die monarchie Gelon's, 
seine kämpfe gegen Karthago hätten in ein ganz andres licht 
gerückt werden sollen. Holm setzt die schlacht von Himera 
mit Niebuhr vor die salaminische, vielleicht 481 : meines erach- 
tens ist die von Grote gegebene deutung von Herod. 7, 158 
im wesentlichen richtig. Die geschichte Gelon's wird von Grote 
mit einer grossen kälte behandelt, die freilich durch seine ge- 
sammtauffassung bedingt ist : ein sicilischer historiker hätte den 
grossen fürsten wohl mit mehr wärme schildern können. Wir 
müssen es uns versagen auf weitere einzelheiten einzugehen. 
Wir haben unsere abweichenden ansichten gegen den verf. und 
unsere ausstellungen deshalb offen mirgetheilt, weil er unsere 
historische Wissenschaft nm ein vortreffliches werk bereichert 
hat. Man muss im interesse der griechischen gescbichte wün- 
schen, dass seine forschung ähnlichen monographien ein vorbild 
werde. — nn — 



THFSES , quae . . in academia Fridericia Guilelmia Rhe- 
nana d. XXUI m. Decemb. . . publice defendet Car.Buecher: 
I. primum bellum servile ortum est inter a. 143 et 140 a. Chr. 
n. — II. Diodorus (1. XXXV aut XXXVI) et Livius (1. LVI et 
LVIII) in primo hello servili narrando Posidonium Rhodium 
expresserunt. — III. Aeschin. or. II, §.116 non recte editores 
nomen JoXojkop inseruerunt. — IV. Quae ap.Xen. Hist. Gr. 1,1, 
32 et I, 4, 9 de Thaso insula narrantur ad a. 409/8 a.Chr. n. 
referenda sunt. — V. Pseudoxen. de re publ. Ath. 2, 7 scri- 



Nr. 1. 19 — 30. Neue auflagen und Schulbücher. 55 

bendum est: diu t^i <*Qyr;v rrjg öaXuGffrjc tcoüjtov /j,bv tQonovg 



cOut diu ttjv äoxr\v Tr\g &uXaGGrjg. — VI. Suid. s. v. Uo?Jfiü)v 
conicio : xxtGtig tw» iv 0wx(di> TraXetov xriceig rwv iv ITovtm 
noXtwv xai thqv xi\g nqog sid-rjvaiovg GvyytvsCag uvrwv. 

NEUE AUFLAGEN: 19. Xenophons Memorabilien für den 
schulgebrauch erklärt von R. Kühner. 8. Leipzig. Teubn., 
2. aufl. : 12 ngr. — 20. H. W. Stoll, geschichte der Griechen. 
2. aufl. 2 bde. 8. Rümpler. Hannov.: 2 thlr. 15 gr. — 21. 
Desselben geschichte der Römer. 2. aufl. 2 bde. 8. eben- 
das. : 2 thlr. 15 ngr. — 22. A. Stahr, herbstmonate in Ober- 
Italien. 2. aufl. 8. Oldenburg. Schulze: 2 thlr. l 1 ^ ngr. 

NEUE SCHULBÜCHER: 23. 24. Fr eund's schülerbibliothek 
1. abth., präparationen zu den griech. und römisch, schulclassi- 
kern. Präparation zu Homers Ilias. 1. hft. 4. aufl. 16. 
Leipzig. Violet; 5 gr. : dess. Präparationen zu Sallust's wer- 
ken. 3. hft. 3. aufl. 16. Leipzig. Violet: 5 ngr. — 25. 
R. Kuehner, grammatica elementare della lingua greca. P. 1. 
Etimologia. 3. edit. 8. Wien. Gerold; 14 ngr.: desselb. 
P. 2. Sintaxi. ebendas.; 12 ngr. — 26. K. Schenkl, grie- 
chisch-deutsches Schulwörterbuch. 4 abdr. 8. Wien. Gerold ; 
2 thlr. 20 gr. : 27. Desselb. Vocabolario greco-italiano tradotto 
da F. Ambrosoli. 2. edit. 8. ebendas.; 3 thlr. 10 ngr. — 28. 
K. W. Osterwald, griechische sagen. 2. abth. Euripideser- 
zählungen. 3. bdchen. 8. Halle, Weisenhaus; 18 ngr. — 29. 
K. Widmann, neue vereinfachte lehrweise der lateinischen 
spräche, durch welche die grundsteine der formenlehre und die 
syntax in einem Schuljahre gelernt werden können. Erstes 
heft: die grundsteine der formenlehre. 8. München. Finsterlin. 
1870; 15 ngr.: der verf. scheint mit der neuern pädagogischen 
literatur wenig vertraut zu sein, hat ausserdem auch nicht an- 
gegeben, wie schnell das nach seiner methode gelernte wieder 
vergessen wird. — ■ 30. Geschichten aus Livius. Mit ergän- 
zungen aus griechischen Schriftstellern. Bearbeitet von Paul 
Goldschmidt. 8. Lpz. 1871; 18 ngr.: soll in gewerbe- 
und ähnlichen schulen, aus deren lehrplan die alten sprachen 
ausgeschlossen sind, dazu dienen, den schülern die bekannt- 
schaft mit dem griechischen und römischen alterthume zu ver- 
mitteln, sie mit den zuständen und einrichtungen, mit den 
persönlichkeiten und anschauungen desselben so weit vertraut 
zu machen, wie eine höhere allgemeine bildung dies erfordert. 
Obgleich diese art bücher ausserhalb unserer aufgäbe liegen, he- 



56 31—36. Bibliographie. Nr. 1. 

ben wir, da es doch auch für den philologen von interesse ist 
zu sehen, wie weit der einfluss seiner Wissenschaft sich erstreckt, 
dieses wie uns dünkt fleissig und geschickt gearbeitete buch 
hier hervor. Ob es sein ziel wirklich erreiche, steht dahin : ich 
glaube, dass eine auf der schul e zu erreichende „höhere allgemeine 
bildung" ohne kenntniss der beiden classiscben sprachen nur 
auf unklaren begriffen beruht. Nach dem bis jetzt vorliegenden 
bildungs- und entwicklungsgange deutscher nation kann der wahre 
fortschritt derselben nur geschehen durch immer weiter ausgedehn- 
ten und vervollkommneten Unterricht im christenthum und in dem 
classischen alterthum, was beides ohne sprachkenntniss zu errei- 
chen unmöglich ist ; auf dem wege , den obiges buch einschlägt, 
wird nur oberflächliche vielwisserei und mit dieser verwerflicher 
hochmuth erzielt, also hingearbeitet auf das, was mit dem rich- 
tig erkannten character des deutschen volks geradezu in Wider- 
spruch steht. Man sehe auf das , was in Frankreich jetzt vor- 
geht, und lerne daraus, wohin der hochmuth führt. 

BIBLIOGRAPHIE: 31. Bibliothecae philologicae pars IL 
Bibliotheca scriptorum classicorum et Graecorum et Latinorum. Ver- 
zeichniss der vom jähre 1858 bis incl. 1869 in Deutschland 
erschienenen ausgaben , Übersetzungen und erläuterungsschriften 
der griechischen und lateinischen schriftsteiler des alterthums, 
herausgegeben von C. H. Herrmann. 8. Halle. Herrmann, 
1871: vrgl. Phil. Anz. I, nr. 12, p. 257: ist, so viel wir 
haben sehen können, sehr fleissig und genau gearbeitet: aus- 
lassungen, fehler werden sich finden lassen, so fehlt p. 97 unter 
Sibyllina oracula Volkmann im Philol. XV, p. 303, p. 16 steht 
Apollonius Aristarch , statt der Aristarcheer u. s. w. 

32. Mittheilungen der Verlagshandlung B. G. T e u b n e r in Leip- 
zig, nr. 5: als künftig erscheinend werden angekündigt: Aristo- 
telis Politicorum 11. VIII cum vetusta translatione Guilelmi de Moer- 

beka. Secundum codd edidit Fr.Su semihl : nach den mit- 

theilungen in programmen und Zeitschriften (s. Philol. XXX, p. 
420) lässt sich vorzügliches erwarten; W.Brambach rhythmische 
und metrische Untersuchungen : soll sich auf den werth der 
rhythmik des Aristoxenos , die lehre von den G^fiüa (theilzei- 
chen) und besonders auf die moderne auffassung der eurythmie 
beziehen; C. Bursian, geographie von Griechenland, II, 2 
(Arkadien) ; Scaenicae Romanorum poesis fragmenta iterum recensuit 
O. RibbecTc. Plauti fragmenta ed. Fr. Ritschi] 0. Ribbeck, 
geschichte der römischen tragödie; A. Rossbach, römische 
hochzeits- und ehedenkmäler. Darauf folgen Verzeichnisse über 
ältere Verlagsartikel. 

33. Bunsen's bibelwerk liegt vollendet vor , preis 20 thlr.: 
es veranstaltet der Verleger, F. A. Brock haus, eine neue ausgäbe 
in 30 lieferungen zum preise von 20 ngr. für jede lieferung; 



Nr. 1. Cataloge. — Kleine philologische zeitung. 57 

ebenso einen Separatabdruck von Bunsen's Übersetzung des neuen 
testaments , 15 ngr. 

34. Von der monatlich erscheinenden „wissenschaftlichen über- 
sieht der bedeutenderen erscheinungen des deutschen buchhan- 
dels" ist das octoberheft erschienen. 

35. Im neuen reich. Wochenschrift für das leben des deut- 
schen volks in staat, Wissenschaft und kunst", ist der titel einer 
von januar 1871 an von Dr. AI fre d D o ve als redakteur unter 
mitwirkung von Dr. Gustav Freitag im verlag von S. Hir- 
zel in Leipzig erscheinenden Zeitschrift; von den "Grenzboten" 
ist Dr. Freitag nämlich zurückgetreten, da er mit dem Verleger 
Grunow in missverhältnisse gerathen: vgl. unten p. 63. 

36. In Zürich, Schweiz. Antiquariat, erscheint mit j. 1871: 
,,Bibliographie der Schweiz, herausg, von E. C. Rudolphi", 
monatlich eine nummer, jährlich 1 fr., welche im Börsenbl. nr. 
298 als auch dem gelehrten wichtig angegeben wird wegen der 
in der romanischen Schweiz erscheinenden druckwerke. 

Cataloge von buchhändlem : verzeichniss einer auswahl vor- 
züglicher bücher in der D ieter ich' sehen univ.-buchhandlung zu 
Göttingen ; verzeichniss im preise herabgesetzter werke aus dem 
verlage von gebrüder Born träger (Ed. Eggers) in Berlin: da- 
runter werthvolle Sachen von Dietz , Fr. und J. E. Ellendt, 
Drumann, Lehrs, Schubert, Lobeck , Wannowski, Wiehert ; aus- 
gewählte werke aus dem verlage der Weidmann' sehen buch- 
handlung in Berlin, ausgegeben am 15. october 1870. 

Cataloge von antiquaren: Ehrlich buch- und kunsthand- 
lung in Prag, antiquarisches verzeichniss nr. 1; H. Härtung 
in Leipzig, 139. verzeichniss des antiquarischen lagers ; C. F. 
Schmidt in Heilbronn antiquarisches bücherverzeichniss, cata- 
log 124c; Felix Schneider in Basel, 103. antiquarisches 
verzeichniss: Simmel u. comp., antiquariats-catalog I. Alt- 
classische philologie: enthält 3051 nummern; J. Win dp rech t' s 
antiquariatsbuchbandlung in Augsburg, nr. 210. 

KLEINE PHILOLOGISCHE ZEITUNG: in betreff des 
im Philol. Anzeig. II, nr. 6, p. 314 erwähnten Streites über eine 
handschrift des Livius in Liegnitz kann jetzt mitgetheilt wer- 
den, dass Dr. Kraffert, als philolog und mitarbeiter des Phi- 
lologus — s. bd. XVJI. XX XXL XXII — bekannt, das von 
ihm über diese handschrift ermittelte dem Dr. Fleckeisen 
in Dresden übergeben hat, der die gute haben wird, die Ver- 
öffentlichung zu bewirken. 

Ich habe, eigentlich mehr aus zufall, eine reihe weihnachts- 
cataloge der buchhändler durchgesehen , die von Brandstetter, 
Brockhaus, Krabbe und Körner, Pletsch, Vandenhöck und Ru- 
precht, Winter u. s. w., die ausserordentlichen beilagen in der Augsb. 
Allg. Ztg. nr. 331. 338. 345. 352, auch das buch "Literarische 



58 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

Festgeschenke. Der Bücherschatz der Deutschen. 8. Leipzig. 
Wuttig. 1871", aber zu meinem schmerze so gut wie gar nichts 
philologisches gefunden , ja selbst Winter, der so manches hüb- 
sche im verlag hat, erwähnt in seinem catalog nur der Sopho- 
kles-Übersetzung von Donner. War das früher nicht anders?, 
Wir älteren wissen doch noch, wie A. W. Schlegel's drama- 
tische Vorlesungen, J. H. Voss' Homer und andere Übersetzun- 
gen, Heeren's ideen, Böttiger's Sabina, Niebuhr's Römische ge- 
schichte u. s. w. nebst einer reihe ausgaben der autoren Weih- 
nachtsgeschenke ersten rangs waren: warum fehlen sie jetzt? Lehrt 
das nicht , dass unsere Wissenschaft sich mehr und mehr den 
weiten kreisen entzieht , immer mehr auf die fachgenossen be- 
schränkt wird und daher allmählich verknöchern und t zu- 
sammenschrumpfen muss? Lehren das nicht auch die hohen 
preise, die Teubner und consorten für ihren philologischen ver- 
lag verlangen ? Und liegt darin nicht eine aufforderung, unsere 
ganze thätigkeit einer genauen prüfung zu unterwerfen , um zu 
erkennen, worin die gründe unseres rückschritts trotz aller 
fortschritte liegen und darnach wege zu finden, das verloren ge- 
gangene terrain wieder zu erobern? Tväd-t, aavrov und es wird 
— besser werden! 

Aus einem f eldpostbrief. Vendöme, 27. XII: „Jetzt 
ßitze ich in Vendöme, im repli der vorposten des 56. rgmts., 
in einer stube , die kalt , zugig und ungemüthlich ist , wie alle 
französischen stuben im winter. Dr med. Lotze, der arg friert, 
läuft im zimmer umher und pfeift, erschwert mir also bedeutend 
das schreiben. Wir sind froh, etwas ausruhen zu können : denn 
an Strapazen hat es uns in diesen monaten nicht gefehlt: das 
regiment hatte gefechte am 24. 26. 28. 30. nov. , am 11. 15. 
16. decemb. und steht seitdem bei Vendöme auf vorposten. Am 
24. decemb. machten wir eine recognoscirung nach St. Calais : 
es war bitter kalt und ein eignes vergnügen am heiligen abend 
auf vorposten zu ziehen mit der aussieht am ersten feiertage 
Calais stürmen zu müssen. Doch ergriffen die frank-tireursban- 
den, welche von Calais aus unsre cavallerie beschossen , nach 
den ersten zwei granaten die flucht : sie hätten uns wahrlich in 
dem für uns äusserst ungünstigen terrain viele Schwierigkeiten 
machen können. So aber requirirten wir in Calais Weihnachts- 
geschenke und zogen am zweiten feiertage wieder nach Ven- 
döme ab. Das war unsre weihnachtsüberraschung für Calais. 
Was für einen sylvesterscherz wir uns mit den Franzosen ma- 
chen werden, steht noch dahin. . . . Von den ereignissen um 
Paris und sonst in der weit wissen wir so gut wie nichts : der 
soldat ist zufrieden, wenn er ganze kleider am leibe \ind leid- 
liche nahrung hat , über den rest ist er wenig gewohnt nachzu- 
denken. So ist denn auch bei mir der feldzug eine zeit geisti- 
gen ausruheus ; sollte ich jemals nach hause kommen, so werde 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 59 

ich mich mit heisshunger auf meine bücher stürzen, nach denen 
ich grosse Sehnsucht habe. . . . Der Philologus und der philo- 
logische Anzeiger, der mir doch versprochen war, ist leider nicht 
eingetroffen; es ist aber doch etwas schönes um ein philologi- 
sches blatt auf Vorposten am Loir!" — An einem „sylvester- 
scherz" hat es, wie die Zeitungen melden, nicht gefehlt: general 
von Lüderitz hat mit den 56. und 79gern den angriff der 
Franzosen unter Joigni zurückgewiesen. Möge auch da Gott 
unsre freunde behütet haben. 

Indem ich meine arbeit, die im deutsch-französischen kriege 
kämpfenden und gekämpft habenden deutschen Philologen 
zu verzeichnen, wieder aufnehme, wendet sich unwillkürlich der 
blick auf die grossartigen thaten deutscher nation in der zwei- 
ten hälfte des nun vollendeten jahres 1870 zurück. In diesem 
so kurzen Zeitraum hat Deutschland und der nordbund sich un- 
ter leitung seines Königs durch eine grossartige machtentfal- 
tung zu der ihm gebührenden machtstellung nach aussen em- 
porgearbeitet und zum beweis seiner geistigen kraft trotz der 
aufregenden und aufreibenden kämpfe in gleicher zeit die schon 
bei beginn deskriegsum ein bedeutendes geförderte einigung mit 
Süd-Deutschland durch abschluss von vertragen mit Baden, Bayern 
und Würtemberg , wie auch durch zuvorkommende anbahnung 
freundlicher Verhältnisse zu dem stammverwandten Oesterreich 
so vorwärts geführt, dass die nationale entwicklung Deutsch- 
lands allem scheelsehen kleinlich neidischer und furchtsamer re- 
gierungen zum trotz als ohne auf enthalt ihrem endlichen ziele 
zueilend betrachtet werden darf. Aber auf diese von jedem 
Deutschen freudig begrüssten, erhebenden erfolge senkt sich eine 
trübe wölke herab, sobald wir der uns um dieser erfolge willen 
auferlegten opfer gedenken, vor allem der gebliebenen gedenken 
und mit ihnen sowohl der menge der durch ihren hingang in 
schmerzlichste trauer versetzten familien aller stände, als auch 
der so vielen durch sie erregten und mit ihnen begrabenen 
hoffnungen für die Wissenschaft, wenn wir ferner bedenken, wie von 
innen und von aussen neue Schwierigkeiten sich aufthürmen, so 
dass selbst bei wirklich erfolgtem frieden mit Frankreich die 
lieblichen lüfte und die goldnen blüthen und fruchte der inseln 
der seligen uns schwerlich zu theil werden dürften, vielmehr 
nur neue anstrengung, neuer kämpf, und grosse arbeit, auch 
uns endlich erinnern , wie schon gar oft Deutsche kraft 
herrliche siege erfochten , aber diesen entsprechenden dauerhaf- 
ten frieden noch nie geschlossen hat. Möge dies trübe glück- 
lich verschwinden und Gott geben: 

Dass unseres landes fior gedeih! 

Bei uns furcht Gottes wohne, 

Dem könig seine vaterstreu' 

Der Völker liebe lohne, 



60 Kleine philologische zeitung. Nr, 1. 

Wir alle Deiner huld uns freun; 
Dies , vater , wollest Du verleihn 
In Christo deinem söhne! 
Und so verzeichnen wir denn unsre commilitonen und 
fachgenossen : 

I. Es sind gefallen: 

121. Harun Brandes aus Hitzacker, stud. in Bonn und Göt- 
tingen seit ostern 1869 : fiel als Unteroffizier des hannoverschen 
füselier-regiments nr. 73 bei Courcelles am 14. august; ward 
am 15. aug. zum offizier ernannt. 

122. Dr. Oswald Dil (mann, ordentlicher lehrer am Wilhelms- 
gymnasium in Berlin , fiel als landwehroffizier des infanterie- 
rgmts. nr. 60 bei Gravelotte am 18. august. 

II. Im felde stehen: 

1. Philologen in amt und würde: 
10. Dr. ph. Engen ßormann, trat ein als vice-feldwebel in das 
12. infanterie-regiment ; steht jetzt als lieutenant bei dem ersatz- 
bataillon in Guben; erhielt das eiserne kreuz. 

123. Dr. Oclavius Clason, steht seit ausbruch des krieges als 
lieutenant im Königs-husaren-regiment nr. 7. 

Gymnasiallehrer in Berlin: 

Am Cöllnischen gymnasium : 

12. Dr. ph. Bernhard Graser, geb. in Guben 1841, steht als 
lieutenant im infanterie-regiment nr. 26 , führt eine compagnie, 
stürmte mit Mouzon bei Sedan, führte am 30. novemb. bei dem 
ausfall der verstärkten garnison von St. Denis seine compagnie 
im laufschritt vor das vom feind besetzte Epinai, half den feind 
herauswerfen und die Stellung unter concentrirtem marinegra- 
natenfeuer behaupten : erhielt das eiserne kreuz. 

124. Dr. Friedrich Fischer aus Langensalza, vice-feldwebel im 
combinirten 24. und 64. landwehrregiment , 2. bataillon: garni- 
sonirt in Chalons sur Marne. 

125. Dr. Wilhelm Zellener, geb. in Ostrowo 1844, steht als 
Unteroffizier im 3. Posenschen Infanterieregiment , Königs-grena- 
diere nr. 58, 12. comp.; war bei Weissenburg, Wörth, Sedan, 
Chatillon; steht jetzt vor Paris. 

Gymnasiallehrer aus der Provinz Hessen-Nassau: 

126. Alfred Berlit , geb. 1846 in Heisfeld, provisorisch am 
gymnasium daselbst angestellt : steht im 3. hessischen inf.-rgmt. 
nr. 83, erhielt wegen der in den kämpfen an der Loire bewie- 
senen tüchtigkeit am Weihnachtsabend das eiserne kreuz. 

■ 97. Friedrich Ernst Bösser, geb. 1849 in Hanau, war als er 
einberufen ward, in begriff sein probejahr am gymnasium zu 
Hersfeld anzutreten. 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 61 

127. Dr. ph. Friedlich Woldemar Dohle, geb. 1842 zu Eckarts- 
berga, ordentlicher lehrer an der realschule II. Ordnung in Esch- 
wege: als lieutenant eingetreten. 

128. Adalbert Luke, geboren 1848 in Culm a. W., machte seit 
ostern 1870 sein probejahr am gy mnasium zu Hadamar: liegt 
krank im lazareth zu Münster. 

Gymnasiallehrer aus dem königreich Würtemberg: 

129. Jul. Willi. Friedrich Speer aus Mindersbach, collaborator 
in Lauffen am Neckar. 

130. Eduard Lang aus Göppingen, stud. in Tübingen von mich. 
1865 bis ebendahin 1869, war mitglied des philologischen Se- 
minars; seit mich. 1869 provisorisch im gymnasial-lehramt ver- 
wendet; steht im 1. Würtemb. infanterie-rgmt. ; ist bei Cham- 
pigny vor Paris verwundet. 

131. Hermann Nast aus Ludwigsburg; stud. in Tübingen von 
mich. 1865 — 1869, war mitglied des philologischen seminars 
daselbst; seit mich. 1869 als provisorischer lehrer verwendet; 
steht im 1. Würt. infanterie-rgmt.; ward am 30. nov. vor Paris 
am linken arme verwundet. 

132. Adolph Bartelmass aus Heilbronn, stud. seit ostern 1866 
bis ostern 1870 in Tübingen, war daselbst mitglied des philolo- 
gischen seminars; seit ostern 1871 provisorischer lehrer; steht 
als portepeefändrich im 5. Würt. infanterie-rgmt.; jetzt vor Paris. 

133. Christian Friedrich Winner aus Tübingen, stud. seit ost. 
1865 in Tübingen, war mitglied des philologischen seminars, 
seit ostern 1870 provisorischer lehrer: steht als portepeefändrich 
im 5. Würt. infanterie-rgmt., jetzt vor Paris. 

IL Auf der Universität studirende philologen: 

Tübingen : 

Mitglieder des philologischen seminars : 

134. Karl Hierlemann aus Leutkirch, studirt seit mich. 1867, or- 
dentliches mitglied, steht im 5. infanterie-rgmt.; jetzt vor Paris. 

135. Johann Scharmann aus Horb, stud. seit mich. 1867 , or- 
dentliches mitglied; steht im 1. Würt. infanterie-rgmt.; zurzeit 
im depot in Stuttgart. 

136. Robert Böhm aus Göppingen, stud. seit mich. 1867, ordent- 
liches mitglied ; steht im 3. Würt. infanterie-rgmt. ; jetzt vor Paris. 

137. Rudolph Hartmann aus Heidenheim ; stud. seit mich. 1869, 
ist als freiwilliger in 1. Würt. inf.-rgmt. eingetreten ; steht vor Paris. 

138. Constautin John aus Althangstatt, stud. seit mich. 1869; 
ordentliches mitglied, steht im 1. Würt. infanterie-rgmt.; zur 
zeit im depot zu Stuttgart. 

139. Oscar Albrecht aus Ravensburg, stud. seit ostern 1869, 
ordentliches mitglied; im freiwilligen Sanitätsdienst namentlich 
bei Sedan thätig: erkrankte am typhus , ist wieder hergestellt. 

140. Albert Engelbrecht aus Sindringen, stud. seit mich. 1868; 



62 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

ordentliches mitglied; im freiwilligen Sanitätsdienst bei Sedan 
thätig: erkrankte am typhus, ist aber genesen. 

141. Heinrich Keil aus Heidenheim, stud. seit mich. 1868, or- 
dentliches mitglied; im freiwilligen Sanitätsdienst thätig. 

Nicht im seminar war: 

142. Paul Knapp aus Esslingen, stud. seit mich. 1869, freiwil- 
lig im 1. Würtemb. infanterie-rgmt. eingetreten, gefangen bei 
Champigny vor Paris und daselbst noch in gefangenschaft. 

Würzburg. 

Mitglieder des philologischen Seminars: 

142. Beuedict Hasenstab aus Rothenburg, stud. seit ostern 1866, 
senior des philologischen Seminars; steht im 9. bayr. infanterie- 
rgmt., II. bayr. corps, verwundet bei Metz (?). 

143. Georg Behr aus Fladungen , stud. seit mich. 1867 , or- 
dentliches mitglied des Seminars; steht im 9. bayr. infanterie- 
rgmt., II. bayr. corps, und ist Unteroffizier. 

144. Georg Biedermann aus Würzburg, stud. seit mich. 1867, 
ordentliches mitglied des philologischen Seminars; steht im 9. 
bayr. infanterie-rgmt., II. bayr. corps. 

145. Philipp Weber aus Aschaffenburg, stud. seit ostern 1868, 
ordentliches mitglied des philologischen seminars; steht im 9. 
bayr. infanterie-rgmt., IL bayr. corps. 

146. Johann Drescher aus Kleinochsenfurt, stud. seit mich. 
1867, ordentliches mitglied des philologischen seminars; steht 
im 9. bayr. infanterie-rgmt. , II. bayr. corps ; ist während des 
kriegs zum junker befördert worden. 

147. Michael Drechsler aus Würzburg , stud. seit mich. 1867, 
ordentliches mitglied des philologischen seminars, steht bei dem 
2. bayr. artillerie-rgmt., II. bayr. corps; ist während des kriegs 
zum corporal befördert. 

148. Franz Abert aus Münnerstadt, stud. seit mich. 1868, or- 
dentliches mitglied des philologischen seminars; steht jetzt im 
7. bayr. infanterie-rgmt., IL bayr. armee-corps im depot zu 
Würzburg: war früher im 5. regiment. 

149. Franz Krebs aus Unterschleichach, stud. seit ostern 1867, 
ordentliches mitglied des philologischen seminars; steht im 9. 
bayr. infanterie-rgmt., IL bayr. armeecorps. 

Chronik des deutsch-französischen kriegs. Derartige reflexionen 
lagen in der damaligen zeit aber niemand ferner als den deut- 
schen beeren , welche ihre aufgäbe allein in der möglichst voll- 
ständigen ausnutzung der bei Wörth und Speicheren erfochtenen 
siege, also vor allem darin finden mussten, den feind nirgends 
zur ruhe , nirgends zur besinnung kommen zu lasseu. Aus 
der im grandiosesten maasstabe vollzogenen lösuug dieser auf- 
gäbe entwickelt sich vor uusern äugen ein kämpf zweier mäch- 
tiger Völker, der meines Wissens nur mit den in die graue vor- 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 63 

zeit fallenden heereszügen der Aegypter und Assyrer, auch vielleicht 
mit denen des Kyros verglichen werden kann : in der historischen 
neuzeit gieht es nicht seines gleichen. Für das verständniss dieses 
auch in allen seinen details grossartigen kampfes , durch dessen 
siegreiche, nur mit aufbietung bewundernswerther kraft und 
ausdauer dem erwünschten ziele zugeführte beendigung die 
deutschen krieger um ihr Vaterland ein von diesem unvergelt- 
bares verdienst sich erwerben werden, ist es erforderlich, sich 
den aufmarsch des heeres wieder zu vergegenwärtigen. 
Bei Napoleons alle überraschender kriegserklärung (19, juli) 
stand das beer Preussens und des nordbundes auf dem tiefsten 
friedensfusse: sie waren also wirklich überrascht, der gegner 
ihnen zuvorgekommen und voraussichtlich fertig und gerüstet 
zum sofortigen angriff: er werde, musste man meinen, rasch den 
Rhein im norden und süden überschreiten, den nordbund von 
Süddeutschland zu trennen , letzteres mit gute oder gewalt auf 
seine seite zu bringen und die kraft des nordbundes zu theilen 
suchen: vermuthungen , welche der aufmarsch des französischen 
heers zu bestätigen schien , dessen hauptcorps bei Metz , ein 
zweites um Strassburg concentrirt, einem dritten Chalons sur 
Marne als Sammelplatz angewiesen war: dabei dachte Napoleon, 
wie später bekannt ward , durch die ersten in Deutschland 
selbst errungenen siege Oesterreich und Italien zu seinen verbün- 
deten zu erhalten — worin er sich nach dem obigen bei gün- 
stigem erfolg nicht verrechnet hätte — und diese grossmüthig 
an der promenade militaire h Berlin nach pariser phrase theil- 
nehmen zu lassen. Gewiss war dies alles schlau, sehr schlau, 
wenn auch ein bischen zu sehr auf das „wenn" und das ,,aber a 
gegründet: dabei wurde, weil des ganzen plans gelingen auf 
Überraschung berechnet war, das eigne heer, bevor es sich gehörig 
gerüstet hatte . in solch überstürzender hast an die grenzen ge- 
worfen , dass bei Wörth gefangene französische Offiziere alles 
ernstes behaupteten, Frankreich sei ungerüstet von Deutschland 
überfallen: auch hier erscheint wieder die lüge. 



AUSZUEGE aus Zeitschriften : Archäologische zeitung , herausg. 
von E. Hühner, bd. III. hft. 3: R. Schöne, fraginente einer statua- 
rischen gruppe der Skylla, p. 57, nebst tafel. — H. Heydemann, 
Neptun von einer Tritonin getragen, p. 58. nebst tafel. — K. Bütti- 
eher , mittheilungen aus der samrnlung der sculpturen und gypsab- 
güsse des königlichen museum, p. 59, den Parthenon betreffend, nebst 
vortrefflicher Photographie. — H. Heydemann , zwei pompejanische 
Wandgemälde, p. 65, nebst tafel. — B. Stark, leierspielende f'rau 
(Sappho?) statue aus Cypern , p. 67 , dazu tafel. — E. Curtius, raub 
der Kora , terracottenrelief aus Lokroi , p. 27 , mit holzschnitt. — 
Miscellen und Berichte: Sitzungsberichte der archäologischen gesell- 
schaft zu Berlin: beilagen dazu von H. Heydemann: mosaik aus 
Pompeii; Parisurtheil ; Peleus und Thetis, p. 78. — H. Blümner, die 
Chariten des Sokrates, p. 83. — Ders., über die glaubwürdigkeit 
der kunsthistorischen nachrichten des Tatian, p. 86. — E. Hühner, zum 
hildesheimer silberfund, p. 89. — H. Däntzer, neue römische inschrift 
von der Eifel, p. 90. 



64 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

Augsburger allgemeine zeitung, 1879, ur. 318: der krieg. — Ein 
junger historiker, Dr. von Druffel, ward, beschäftigt mit der geschichte 
des feldzugs Karls V. gegen Metz des j. 1552, einberufen und hat nun 
bei der ganzen belagerung der stadt 1870 als offizier mitgekämpft. 

Hermes, Zeitschrift für classische philologie, bd. V. hft. 2: Th. 
Mommsen, die zwei schlachten bei Bedriacum im j. 69, p. Gh., p. 
161. — M. Haupt, Varia, p. 172. — L. v. Sybel, zu dem kallinikos 
des Archilochos und den Pindarscholien, p. 192, wo aus cod. Vratisl. 
neues mitgetheilt wird. — V. Rose , Ion's reisebilder und Joannes 
Alexandrinus der arzt, p. 205: der titel verspricht mehr, als er leistet: 
für Ion giebt er sehr geringe ausbeute. — Th. Gomperz, zu Soranos 
von Ephesos, p. 216. — V. Köhler, aus der finanzverwaltung Lycurgs, 
p. 223. — Th. Mommsen , Sp. Cassius , M. Manlius , Sp. Mälius, die 
drei damagogen des 3. und 4. Jahrhunderts der römischen republik, 
p. 228. — R. Hercher, zu griechischen prosaikern, p. 281. — Varia: 
O. Hirschfeld, zu Cicero's briefen und zu Cic. Reip. V, p. 296. — 
J. Bernays, Aristoteles und Simonides, p. 301. — Th. Mommsen, 
schauspielerinschriften , p. 303. — R. Schöne, zu den griechischen 
künstlerinschriften, p. 308. — H. Schiller, zu den salututiones imperato- 
riae Rom's, p. 310. 

Neue Jahrbücher für philologie und paedagogik, bd. CI, hft. 11. 
87: L. Kayser, recension von A.Kiessling, Dionys. Halic. Antiq. Rom. 
T. IVus, p. 713. — 88. T. Hultsch, zu Polybios, p. 728. - 89. K. Ga- 
bel, zu Piatons Phädon, p. 729. — (88.) Fr. Hultsch, zu Polybios, p. 
735. — 90. J. H. Lipsius, zur textkritik des Andocides, p. 737. — 
91. G. Bursian, zu der anekdotensammlung des Hierokles und Phila- 
grios, p. 740. — 92. T. Blass , zu Hypereides, p. 741. — 93- T. 
Hultsch, zu Galenos, p. 744. — 94. B. Kekule, recension von B. Hey- 
demann , griechische vasenbilder , p. 745 : vrgl. Ph. Anz. II , n. 10, 
529. p. 551. — 95. Ludioig Dindorf, über das wort dyroxXiTris , p. 
748. — 96. Derselbe, über einige interpolationen im Dio Cassius, p. 
749 — 97. Derselbe, über die Wörter ^/«y«rr* ixa und iyccyvito', p. 
754. — 98. Th. Pluss, zu Sempronius Asellio, p. 755. — (37.) M. 
Hertz, miscellen (24), p. 760. — 99. L. Brix, zu Plautus, p. 761. — 
(70). A. T., zu Plautus Truculentus, p. 781. 

J. Petzholdt, neuer anzeiger für bibliographie und bibliotheks- 
wissenschaft , 1870, hft. 11: die literatur des deutsch-französischen 
kriegs (fortsetzung). — Die Zerstörung der Strassburger bibliotheken : 
von diesem aufsatz sind theile auch im Börsenblatt, z. b. nr. 269, ab- 
gedruckt. 

Rheinisches museum für philologie , herausg. von Fr. Ritschi und 
Anton Klette, bd. XXXVI, hft. 1: A. W. Zumpt, über die lustra der 
Römer, (schluss) p. 1. — W. Vischer , lokrische inschrift von Nau- 
paktos aus der Sammlung Woodhouse (mit facshnile), p. 39: ist auch 
besonders gedruckt. — K. Dziatzko, die deverbia der lateinischen co- 
mödie, p. 97. — R. Rauchenstein, zu Sophokles Antigone, p. 111. — 
J. Sareisberg , lateinische partikeln auf d und m (erste hälfte), p. 
117. — Miscellen: W. Schmitz, zu den tironischen noten. 10, p. 
146. — N. Wecklein, zu Aeschylos; p. 148. — ./. N.Stahl, zu Thuky- 
dides, p. 150. — M. Voigt, zu Plautus, p. 153. — E. Bohrens, zu 
Phädrus, p. 153. — L. Müller, zu den Bonner Lucanscholien. — H. 
Usener, professor Haupt und die Lucanscholien, p. 155. — M. Voigt, 
zu Cicero, p. 159. — H. Anton, zu Cäsar, p. 159. 

;?;i; Zarncke's literarisches centralblatt, 1870, nr. 48: L. Freitag, Tibe- 
rius und Tacitus. 8. Berlin. Henschel. 1870: die quellenforschung 
des verfs. wird als unbefriedigend ausführlich nachgewiesen, die dar- 
stellung gelobt. 



Nr. 2. Februar 1871. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



37. Lateinische Synonymik für die schüler gelehrter schulen, 
von Fried. Schmalfeld. 8. Vierte völlig umgearbeitete aus- 
gäbe. Altenburg, 1869. 568 s. — 1 thlr. 

Wenn ein wissenschaftliches werk die vierte aufläge erlebt, 
ist es unnöthig , über werth und Zweckmässigkeit desselben all- 
gemeine betrachtungen anzustellen, zumal wenn der verf., wie 
hier, mit fleiss und Sorgfalt an seinem werke weiter gearbeitet hat. 

Freilich bleibt auch jetzt noch in Schmalfeld's Synonymik 
für künftige auflagen manches zu bessern. So ist es ungenau, 
wenn nr. 152 neben orbis der plural terrarum verlangt wird; 
bekanntlich kann auch terrae stehen. Bei specimen nr. 160 
konnte bemerkt werden , dass der plural vermieden wird. Bei 
aetas firmata, corroborata nr. 391 war besser noch iarn hin- 
zuzufügen (Philol. XXI, p. 296, n.17). Was unter nr. 593 über 
?2o» -- nisi gesagt wird, schliesst nicht deutlich genug den ge- 
brauch der Quintilianeischen Verbindung nonnisi aus , zumal da 
im register wirklich nonnisi in einem worte steht (und dane- 
ben die nr. 591 statt 593, wie bei famulus nr. 81 statt 86). 

Auf einem versehen beruht es, wenn nr. 90 damit beginnt, 
dass nach Varro bei Censorin. de die nat, 14 ein Eömer bis 
zum vollendeten 30. jähre puer geheisseu habe. Varro unter-, 
scheidet vielmehr quinque gradus aetatis aequdbiliter divisos, unum 
quemque scüicet , praeter extremum , in annos XV; auf den puer 
kommen also nur die ersten 15 jähre, die zweiten 15 auf den 
adulescens. Und dem entspricht auch der sprachliche usus, 
welcher dadurch natürlich nicht afficirt wird , dass bisweilen 
auch junge männer, um ihre Jugend in starken gegensatz zu 
stellen, besonders in verächtlichem sinne, hyperbolisch pueri ge- 
nannt werden; so Hannibal bei Liv. 21, 10, 7 (vgl. dagegen 
Philol. Anz. HL 5 



66 37. Synonymik. Nr. 2. 

21, 3, 1 u. 21, 10, 11), ferner Cic. Epist. 2, 15, 4: Halm 
zu Cic. pro Süll. 18, 51. — Ferner ist es unrichtig, wenn 
ohne weitere einschränkung dem ausdrucke verbum auch der 
sinn gedanke, sentenz, Sprichwort vindicirt wird. Frei- 
lich drücken sich auch Döderlein (Lat. Synon. IV, p. 28) und 
Schultz (Lat. Synon. s. v.) ungenau darüber aus. Aber schon 
der von Schmalfeld citierte Seyffert beschränkt jenen gebrauch 
auf die alte und familiäre spräche ; und die stelle : vetus verbum 
est communia esse amicorum inter se omnia, findet sich nicht, wie 
Schmalfeld angibt , bei Cicero , sondern bei Ter. Ad. 5 , 3, 
17. Nur dann, wenn ein einziges wort hinreicht, um einen ge- 
danken auszudrücken, ist verbum am platze; z. b. Cic. Verr. 4, 

4, 8 Verbo uno repellar; „emi", inquit; Tac. ab exe. d. Aug. 1, 
42 Verbo uno compeseuit 7 Qurites vocando. Dagegen ist schon 
das berühmte : civis Romanus sum vielmehr eine vox (Cic. Verr. 

5, 65, 168). 

Bei manchen artikeln werden noch geeignete belegstellen 
hinzugefügt werden können. Dass z. b. der allgemeine begriff 
der muri die besondere art der moenia mit einschliesst (nr. 32), 
erhellt aus Liv. 1, 7, 2; Ov. Met. 11, 204. — Für regius 
und regalis (nr. 71, p. 67) ist eine hauptstelle Cic. Verr. 5, 72, 
184 donum regale, . . . dignum regio munere. — Für das ver- 
hältniss von oportet und necesse est ni;. 77 kommen unter andern 
in betracht Liv. 7, 35, 6; Cic. Verr. 4, 39, 84; 5, 14, 37.— 
Nr. 102 bezeichnet piare als in der prosa ungewöhnlich. Um 
missverständniss fern zu halten, musste auf Cic. de dorn. 51, 
132 hingewiesen werden. — Zu pugna und proelium (nr. 402) 
würde ich auch Sali. Jug. 97, 5 angeführt haben : Pugna latro- 
cinio magis, quam proelio, similis fuit. — Unter nr. 475 vermisst 
man ungern die für den unterschied der beiden synonyma so be- 
zeichnende 'sprichwörtliche redensart dormientem excitare, currentem 
incitare: Cic. ad Q. fr. 1, 1, 16, 45; 2, 15, 2 ; de orat. 2, 44, 186. 

Von artikeln, welche mit unrecht ganz übergangen zu sein 
scheinen, neune ich patruus und avunculus, amita und matertera. 
Sie haben dieselbe berechtigung wie nr. 94 uxorem ducere und nu- 
bere. Für eine neue aufläge würde ich auch vorschlagen, einen 
anhang über läuder- und völkeruamen [Afer und Africanus; Lacc- 
daemonius und Spartiatcs ; Peloponnesius und Peloponncsiacus ; Tro- 
ianus und Troicus und ähnliche) hinzuzufügen , wie das Schultz 



Nr. 2. 37. Synonymik. 67 

gethan hat. Zugleich gebe ich dem verf. anheim, dann auch 
auf die feststehenden resultate der neueren forschung in betreff 
der lateinischen Orthographie rücksicht zu nehmen. Denn ob- 
wohl sich Th. Bergk in seinem philologischen briefe über die 
lateinische Orthographie (Piniol. 1869, XXVIII, p. 438 — 68) 
sehr herb gegen das „genus irritabile unserer orthographiker" 
ausgesprochen hat, so begreife ich doch nicht, welche andere 
erklärung man der Weigerung, den von Ritschi , Fleckeisen, 
Brambach geebneten weg, wenn auch mit vorsieht, zu be- 
schreiten , geben kann , als die von der macht der süssen ge- 
wohnheit oder dem gesetze der trägkeit hergenommene. Es ist 
erfreulich, dass in der 4. Pommerschen directoren - conferenz 
von 1870 dr Zinzow sich für die sorgfältige berücksichtigung 
der lateinischen Orthoepie und Orthographie auch auf den gym- 
nasien ausgesprochen hat (Protok. p. 50 f.). Mögen denn nicht 
nur die herausgeber von Schulausgaben der classiker, sondern 
auch die Verfasser der für die unteren classen bestimmten le- 
sebücher , der schul - grammatiken, Übungsbücher, vocabularien, 
Synonymiken u. s. w. diese mahnung beherzigen! — Schmalfeld 
schreibt noch intelligere, epistola, quotidie, humerus, connubium u. dgl. 
Trotz dieser ausstellungen im einzelnen darf übrigens das 
buch mit recht zum gebrauche empfohlen werden ; weniger viel- 
leicht für schüler von gymnasien, obgleich der titel gerade auf 
sie hinweist (für diese würde ich die einfacher und übersicht- 
licher gehaltene lateinische Synonymik von Ferd. Schultz 
vorziehen), als für junge philologen, denen dringend anzurathen 
ist, auf das Studium der Synonymik gehörige Sorgfalt zu ver- 
wenden. Für sie ist es auch geeignet, dass Schmalfeld mit Vor- 
liebe auf die etymologie der Wörter eingegangen ist; sowie sie an- 
dererseits auch die Verweisungen auf Seyffert, Nägelsbach, Cors- 
sen, Curtius gehörig zu verwerthen im stände sind. 

38. Viro clarissimo Friderico Frankio per quinque lustra 
inclutae scholae regiae afranae rectori bene merentissimo ea qua 
par est observantia congratulantur gymnasii vizthumiani Dres- 
densis rector et collegae die XXVII mensis Novembris anni 
MDCCCLXX. Inest Caroli Mayhoffii commentariolum criticum in 
Demosthenern Platonem Sophoclem. Lipsiae formis scripsit B. Gh 
Teubnerus. PP. 24. 8. 

5* 



68 38. Sophokles. Plato. Demosthenes. Nr. 2. 

In warmen worten bringt das scliriftchen dem verdienten 
schulmann und gelehrten , der leider sein iubiläum nur wenige 
monate überlebt hat, die glückwiinsche des lehrercollegiums 
der vitzthnmschen anstalt und behandelt dann Dem. Ol. 1, §. 
20 (p. 5—11), Plat. Protag. 315 B ff. (p. 12—17), Soph. El. 
163 (p. 18 — 24). Mit vollem recht weist der vf. in der plato- 
nischen stelle die gekünstelten deutungen Deuschles zurück und 
findet bei der Verwendung der homerischen verse nur die absieht 
Piatons, durch die darstellung der sophistenversammlung in epi- 
schem tone und als einer scene in der schattenweit anmuthig zu 
scherzen. Aehnlich schon ref. zu der stelle (p. 44 d. 2. ausg.). 
Wenn er aber bei Demosthenes xal Tavr?] tuen gtqutuotwu 
(für T.av^ , ) vermuthet, indem er die entwicklung des gedankens 
vollkommen gutheisst, die ref. gegeben hat, so hat erstens schon 
der hiatus grosses bedenken, dann aber kann ref. nicht zuge- 
ben, dass die handschriftliche lesart irgend etwas vermissen 
lasse. Demosthenes sagt: ,,ich beantrage nicht, dass die fest- 
gelder kriegsgelder werden, sondern ich meine, dass wir ein 
heer werben und dass die festgelder kriegsgelder werden müs- 
sen". Wie das zu verstehen , erklärt er durch die folgenden 
Worte: xal fiiav üvvxn%iv slvat vjv avir\v xov n Xa/jßuvHv xal 
zov Tioitiv rd diovra, einen gedanken , den er in diesen reden 
oft wiederholt. Kai vor tuvi tlvai, GiguTiiOTixa, braucht nur 
etwas stärker betont zu werden , um den sinn sofort deutlich 
hervortreten zu lassen: „nicht einfach beantrage ich die Ver- 
wandlung in kriegsgelder, sondern in Verbindung mit der allsei- 
tig als nothwendig erkannten ausrüstung eines heeres". Auf 
den ähnlich gestalteten gedanken 9 §. 73, nur dort mit fih — 
6s statt mit xal, hat ref. schon hingewiesen. In anderer be- 
ziehung ist 13, §. 5 ähnlich: %v soffOQTJTS xal ia diovta noi^rtj 
wo die früher zwischen IV und {v7ioqTjt( stehenden , den sinn 
verdeutlichenden worte ä[ia r' mit den meisten Handschriften jetzt 
richtig weggelassen sind. Auch 16, §. 27 lässt" sich verglei- 
chen. Dass aber der gedanke, die untrennbare Verbindung bei- 
der nothwendigkeiten , durch ein blosses xal viel schärfer her- 
vorgehoben wird und gerade durch das anregen des nachden- 
kens kräftiger wirken musste, scheint unbestreitbar. — Bei 
Sophokles verwirft der vf. ßyfictih und findet ohne Haupts no- 
dog fv(pQovi ßqyan (ind. leett. berol. 1865, p. 11) zu erwäh- 



Nr. 2. 39. Plato. 69 

nen, Burges vermuthung vevfjbait, die Iahn und Nauck billigen, 
dem sinne ganz entsprechend , nur den zügen der handschrift 
zu unähnlich. Er vermuthet orjfiaTt,, ausspruch, orakel. 
Gesucht ist das doch. Am nächsten und einfachsten erscheint 
dem ref. immer noch Meinekes Ir^iuzt : denn gerade Sophokles 
gewinnt gern worte für einen, etwas von dem gewöhnlichen ab- 
weichenden sinn, so dass Haupts zweifei an der bedeutung 
wille zu weit zu gehen scheint. Auch die v. 175 folgende 
erwähnung des Zsvg spricht nicht gegen Jioq , da dort nach 
den klagen und zweifeln Elektras der chor nur die vorher an- 
geregte hoffnung auf Zeus noch weiter bestärkt, während Elek- 
tra aus der früheren äusserung des chors nur das kommen des 
bruders herausgehört hatte. H. S. 

39. Beiträge zur erklärung des platonischen Gorgias im gan- 
zen und einzelnen von Chr. Gron. 8. Leipz. Teubner. 1870. — 
213 s. — 1 thlr. 

Das erste kapitel befasst sich mit den personen des ge- 
spräcbs und besonders mit der person des Kallikles (p. 1 — 25). 
Ueber die personen des Gorgias und Polos bestehe kein eigent- 
licher zweifei mehr , wohl aber über die person des Kallikles, 
dem nächst Socrates die bedeutendste rolle zufällt. Da hin- 
sichtlich dieser frage kein direkter weg aufschluss verschaffe, 
so sei man auf kombination einzelner äusserungen und bezie- 
hungen und darauf gegründete Schlüsse angewiesen. Dass nicht 
an eine rein erdichtete persönlichkeit zu denken sei , geben die 
erklärer des Gorgias insgesammt zu, nachdem schon Groen van 
Prinsterer in seiner prosopographie den Kallikles als histori- 
sche person behandelt hat. Der verf. denkt an die möglich- 
keit (p. 4), dass der Schriftsteller einen namen gewählt habe, der 
die wirklich gemeinte person eher verdeckt als enthüllt. Zunächst 
erkennt man in dem verhältniss von Kallikles und Sokrates 
die freundschaftsbeziehungen des vornehmen mannes zum einfa- 
chen philosophen. Bemerkenswerth ist ferner dass Kallikles der 
beschäftigung mit der philosoplüe propädeutischen werth zuer- 
kennt und der macht der grossen menge nur huldigt, um ihre 
schwächen für seine ehrgeizigen absiebten auszubeuten. Au Al- 
eibiades zu denken verbiete die sonst nicht gegen ihn beobach- 
tete pseudonymität und das zu kühle freuudschaftsveibältniss, das 



70 39. Plato. Nr. 2. 

uns im vorliegenden falle entgegentritt. Die meisten der im dialog 
entworfenen züge machen es dem verf. zur annähernden ge- 
wissheit, dass wir es mitKritias, dem söhn des Kalläschros, zu thun 
haben. Beweise werden entlehnt aus analogen zügen des frei- 
lich von Ueberweg und andern für unecht erklärten Charmides, 
aus den flüchtigem umrissen des Protagoras und den noch 
flüchtigem in der letzten unvollendeten trilogie, noch flüchtiger, 
weil dort die mimischen demente ganz in den hintergrund tre- 
ten. Die fehlende ergänzung sei in der historischen Überlieferung 
zu suchen, unter andern bei Xen. Mem. I, 2, 12, in andern 
stellen dieser schrift und in der griechischen geschichte dessel- 
ben historikers, wo das gewaltthätige verfahren gegen Thera- 
menes wesentlich übereinstimmt mit der denkweise des Kalli- 
kles im vorliegenden dialog , die theorie , die dem recht des 
stärkern den vorzug giebt gegen das positive recht des geschrie- 
benen gesetzes. Neben diesen nicht sehr vortheilhaften zügen 
des übel berüchtigten Staatsmannes treten mit grosser bestimmt- 
heit die ebenfalls der geschichte entnommenen ehrenvollen Sei- 
ten hervor : die feinheit der bildung, der witz und die gewand- 
heit der rede , endlich der ruf als Schriftsteller und bis zu ei- 
nem gewissen grade als philosoph. Nachdem der verf. seine 
hypothese bis zu dem grade zugespitzt hat, dass wenn Plato 
überhaupt eine historische persönlichkeit im äuge gehabt, diese 
niemand anders als Kritias gewesen sein könne, ist zuletzt 
noch die frage beantwortet, was Plato bewogen habe, den ge- 
nannten Staatsmann in das dunkel der pseudonymität zu hüllen. 
Das zweite kapitel (p. 25 — 35) behandelt den ort des ge- 
sprächs. Mit ausnähme von Schleiermacher und H. Kratz in 
seiner ausgäbe des G-orgias (Stuttgart 1861) sind alle erklärer 
darüber einig , dass das haus des Kallikles , wo Gorgias abge- 
stiegen war , zugleich als ort des gespräches zu denken sei. 
Zunächst hält der verf. den einwurf Schleiermachers für ge- 
rechtfertigt, dass otuv in den Worten: Oixovv orav ßoiiXtja^t 
nag' ifis 'jxstv oXxuSa , nothwendig auf eine andre zeit gehen 
müsse, als auf die des begegnens selbst und dass es am aller- 
wenigsten die ursächliche bedeutung annehmen könne, die Hein- 
dorf durch seine Übersetzung hineinlege. Die begegnung habe 
weder in noch vor dem hause des Kallikles statt finden kön- 
nen; denn hätte sie in dem hause stattgefunden, so wäre d ie 



Nr. 2. 39. Plato. 71 

einladung des Kallicles, zu ihm nach hause zu kommen ganz 
undenkbar; hätte sie vor demselben stattgefunden, dann wäre 
die aufforderung zum eintreten ausreichend gewesen. Bei die- 
ser Sachlage wäre der Vorschlag Schleiermachers , einen öffent- 
lichen ort, vielleicht das Lykeion , anzunehmen , nicht von der 
band zu weisen. Nach erwähnung der ansichten von Ast und 
Stallbaum , die höchstens dem wortlaut nach nicht ganz iden- 
tisch mit Heindorfs auffassung sind , findet die derselben sich 
anschliessende argumentation von Müller und Steinhart und 
die ansieht von Bonitz genaue berücksichtigung. Nachdem dann 
noch aus dem schweigen Susemihls dessen Zustimmung zu 
der ansieht des verf. gefolgert ist (p. 34), schliesst der abschnitt 
mit einem an die Urbanität appellirenden gründe, dass nämlich 
das haus des Kallikles aus schicklichkeitsgründen nicht die 
scene des dialogs habe bilden können wegen der natur der ge- 
wechselten reden nnd besonders wegen der so scharf einschnei- 
den strafrede des Sokrates. Dieser letzte grund scheint mir 
nicht ganz stichhaltig zu sein, Eine wenn auch noch so scharfe 
polemik gegen die ansichten des Kallikles ist immer noch weit 
entfernt, die person desselben oder die schicklichkeit zu ver- 
letzen. Ausserdem konnte Plato auf grund der, wenn auch 
nicht ganz intimen , so doch notorischen freundschaft zwischen 
Sokrates und Kallikles es wagen dem Sokrates worte in den 
mund zu legen, die, getragen von dem sitlichen ernste, der 
ganz besonders die letzte partie des dialogs durchweht,, beab- 
sichtigten, den gewandten Staatsmann ohne allzuängstliche rück- 
sicht auf die dem ort schuldigen formen von der bahn eitler rhe- 
torik und ehrgeiziger bestrebungen auf den pfad rechter selbst- 
erkenntniss und wahrer tugendübung zurückzulenken. 

Die frage nach der zeit (p. 35 — 47) , in welcher man sich 
die handlung des dialogs vorstellen muss, erfährt eine genaue 
und scharfsinnige erörterung. Die äussersten Zeitpunkte, zwi- 
schen welchen die bisherigen ansichten schwankten, fallen in's 
jähr 427 und 405, welches letztere von Schleiermacher, Suse- 
mihl und Deuschle festgehalten wird. Das zusammenwirken 
der meisten momente verweise in die zeit nach dem tode des 
Perikles. Kallikles erscheine als ein Staatsmann aus der schule 
des Gorgias, der jedenfalls jünger als Sokrates und etwa dem 
Alkibiades gleichaltrig zu denken sei. Ferner sei mit grösserer 



72 39. Plato. Nr. 2. 

■Wahrscheinlichkeit die politische thätigkeit des Alkibiades vor- 
als nach der sicilischen expedition angedeutet ; denn mit der 
letzteren vertrüge sich nicht die erwähnung des Nikias. Daher 
werde man mit zwingender gewalt auf die zeit um den frieden 
des Nikias oder die periode zwischen diesem und der sicilischen 
heerfahrt hingewiesen (zu einem ähnlichen ergebniss, dem jähre 
420 v. Chr. käme, wenn auch auf etwas anderm wege, E. Jahn 
in seiner ausgäbe Wien 1859 , p. xvi f.). Was von deutlich 
erwähnten thatsachen unwidersprechlich später falle als die ka- 
tastrophe in Sicilien , sei als eine der platonischen darstellung 
nicht fremde art des anachronismus zu betrachteu. 

Das vierte kapitel (p. 47 — 75) behandelt die gliederung des 
dialogs und enthält eine eingehendere begründung und rechtfer- 
tigung, theilweise auch berichtigung der in der ausgäbe des 
Gorgias gegebenen disposition. Um dieser aufgäbe nachzukom- 
men, hält es der verf. für ausreichend, die punkte zu beleuch- 
ten, in denen seine ansieht mit der von Bonitz im ersten hefte 
der platonischen Studien nicht übereinstimmt. Eine Überein- 
stimmung zwischen beiden findet in der angenommenen zahl 
der haupttheile, nicht aber in der abgrenzung statt. Das Vor- 
gespräch (welches man nqoXoyog oder nqoot^iov nennen könne) 
umfasse das erste kapitel und schliesse mit den worten des 
Chärephon : [lav&dvu) xal iQijßofAat,. Es sei natürlich und an- 
gemessen, dass diesem ersten theil ein eben so deutlich abge- 
grenzter theil, dem nqoXoyog ein tni'kojog entspreche. Diesen 
lässt Bonitz mit cap. 79 beginnen, also mit den worten des 
Sokrates : äxovs drj, (paoC, fiäXa xaXov Xoyov xiX. Nicht so der 
verf. , welcher den mythos für wichtig genug hält, um daraus 
einen besondern, nämlich den dritten haupttheil zu machen (wie 
auch aus der auf p. 73 gegebenen disposition erhellt) und den 
epilog erst zu aufang von cap. 83 mit den worten des Sokra- 
tes beginnen lässt: ro^u ö' ovv ruvra (ivOog gol doxu Xtyeo&ai, 
waneg yquog xui xawcpgovHg aviwv. Diese ansieht, der man 
wohl beipflichten kann, wird auf p. 48 — 51 begründet. Der 
anfang des hauptgesprächs beginnt unbestritten p. 447 E mit den 
worten, die Chärephon an Gorgias richtet. Durch die abwech- 
selnde theilnahme, welche mehrere personon am gespräch haben, 
ergiebt sich eine natürliche gliederung, recht unverkennbar zu 
anfang des 37. kapitels , wo Kallikles aus eignem antrieb in 



Nr. 2. 39. Plato. 73 

das gespräck eintritt und ihm sofort eine andere Wendung giebt. 
Dass die mit Kallikles geführte discussion den kern und zweck 
des ganzen dialogs bezeichne, erkenne auch Bonitz an; dage- 
gegen wolle er aus dem mit Polos geführten gespräche, welches 
nur eine natürliche fortsetzung des gesprächs mit Gorgias sei, 
einen besondern haupttheil bilden. Die gründe gegen diese 
ansieht von Bonitz oder der beweis dafür, dass es dem in- 
halt nach in der that nur ein gespräch ist, welches durch die 
gemeinsame thätigkeit des Gorgias und Polos mit Sokrates zu 
stände kommt, wird auf p. 52 — 60 geführt. Danach erscheint der 
abschnitt am Schlüsse des 15. kapitels nur als gliederung des 
ersten abschnittes. Hieran schliesst sich die disposition des 
mit Kallikles geführten gesprächs (p. 60 — 69) und zuletzt die 
dichotomische gliederung des mythos als des dritten haupttheils, 
nämlich 1) sage von dem gericht über die seelen nach dem 
tode (cap. 79); 2) folgerungen daraus für den zustand der see- 
len nach dem tode. 

Das fünfte kapitel (p. 75 — 197) umfasst die kritische und 
exegetische erörterung einer grossen anzahl von stellen. Die 
sich daran schliessenden nachtrage verdanken ihre entstehung 
dem aufsatz von F. VV. Münscher : ,,zur erklärung und kritik 
von Piatons Gorgias" (jahrbb. 1870, heft 3) und der schrift 
von M. Vermehren : „Platonische Studien", welche dem vf. erst 
■während des drucks seiner arbeit in die band gekommen sind. — 
Es sei mir zum schluss vergönnt, nur einige dieser kritischen 
stellen zu berühren. P. 453 C sind die letzten worte xul nov 
von dem verf. zwar vertheidigt, aber nicht für unbedenklich 
erklärt. Das von Stallbaum nach Routh früher aufgenommene, 
dann wieder verworfene, von Kratz aber adoptirte nwc ist hier eben 
so überflüssig. Das einfachste wäre, hinter nov ein zweites par- 
tieip zu suchen, nämlich n ot,wv, so dass der begriff des künstle- 
rischen Schaffens neben dem des technischen (ygdcp u)v) zum ausdruck 
käme. P. 477 D wagt sich der vf. nicht recht heraus mit ov an 
stelle von law, aber diese änderung ist gar nicht zu verachten 
und nebenbei vielleicht d/j,cpoi£gwg für ä^cpoTsga zu schreiben, so 
dass die worte lauten : Ovxovv n uviuoöiurov ov xui uvia vneo- 
ßdXXov «t'ö^iöTov tovicüv laxlv rj ßXdßrj ij d /xcpois g w g. Nach 
analogie dieser stelle könnte man auch die vorhergehende ver- 
bessern, wo die worte uXa^iov av iXq ein voraufgehendes £<JiC 



74 39. Plato. Nr. 2. 

noch weniger vertragen. P. 490 A zieht Kratz mit Stallbaum die 
allerdings schwach beglaubigte vulgate qr\^,axa vor. Deuschle 
schreibt mit beistimmung Kecks ffipu rt, und Cron findet das 
indefinitum nicht unangemessen. Vielleicht steckt qriy,axa liria da- 
hinter, was sich auf dem wege der Verdoppelung ergiebt. P. 503 
C tovto de jix v7 l iw slvat. Pachter will doxeX statt de. Cron 
theilt die ansieht, dass aus den vorgehenden Worten iufioXoyij&r} 
zu entnehmen sei und davon der infinitiv abhängig zu machen. 
Aber vielleicht ist zu lesen tovto de rexvrj rig eXrj üv , zumal da 
das potentiale in den Worten e%et,g elneXv, wenn auch in anderer 
form wiederkehrt. P. 524 E will Naber statt exeCvovg inißiijaug 
lesen exeXvog emcidg. Cron hält die überlieferte lesart für frei 
in der Wortfügung, sonst aber für unbedenklich, während Hir- 
schig eine arge corruption annimmt. Dass STntiidg günstiger 
wäre und zwar mehr in ethischer bedeutung (da von Khada- 
manthys als di,x«.6Tr\Q die rede ist) unterliegt wohl keinem zwei- 
fei ; nur müsste man exetvovg in exetvovg verändern , um eine 
konstruktiou zu haben wie Symp. 192 D : xul ei uvjoXg iv reo 
avTÖi xuruxufievoig eitiüiag b 'HcpttiGzog e'xiov r« ogyava eQoiro 
in dem launigen Vortrag des Aristophanes. 

Im übrigen kann ref. nicht umhin zu gestehen , dass das 
Studium dieses buches bei ihm den eindruck einer gründlichen 
arbeit und einer besonnenen forschung hinterlassen hat. 

L. 

40. Aristotelis Opera. Edidit Academia regia Borussica. 
Volumen quiutum. Aristotelis qui ferebantur librorum frag- 
menta. Scholiorum in Aristotelem supplementum. Index Aristo- 
telicus. 4. Berolini. Typis et impensis Georgii Eeimeri. A. 
1870. — IV u. 1463 — 1589. 835—946. VIII u. 1—878 s., 
nebst titel für die frühern bände. — 10 thlr. 

Es scheint uusre pflicht, das erscheinen dieses fünften und 
letzten bandes der von der berliner academie veranlassten aus- 
gäbe der werke des Aristoteles, der auf eine gewiss sehr bald 
sichtbare weise zu dem gedeihen der aristotelischen Studien das 
seinige beitragen wird, so schnell als möglich zur keuntuiss uu- 
rerer leser zu bringen. An der spitze des bandes stehen die frag- 
mente, deren Seitenzahlen die von bd. 2. fortsetzen: über ihre be- 
arbeitung sagt die vorrede: ad fragmenta Aristotelica undique conqui- 



Nr. 2. 40. Aristoteles. 75 

renda cum Academia annis MDCCCLVI et MDCCCLIX homines 
doctos praemio proposito invitasset, exstiterunt qui in colligendis in- 
terpretandis iudicandis reliquiis Aristotelis utilissimam operam pone- 
rent. ex iis quem praemio dignum iudicavit Academia, Valenti- 
num Rose, ab eo impetravit , ut ipsum Jragmentorum textum cum 
brevi annotatione critica ederet. Man kann über die Zweckmä- 
ssigkeit solcher bearbeitung von fragmenten streiten ; denn wer 
selbige genau studiren will oder muss, kommt mit dieser Samm- 
lung nickt aus; indessen bat es auch seine vortheile, wenn man 
an solche fragmente ohne durch neuere zuthat irgendwie beein- 
flusst zu sein herantreten kann : man muss daher dem vf. für 
seine so genaue und auch so äusserst mühsame arbeit dankbar 
sein. Denn es ist diese ausgäbe nicht, wie vielleicht mancher 
denkt, ein auszug aus des vfs Aristoteles pseudepigraphus ; es ist 
vielmehr eine sehr sorgfältige revision desselben und daher vie- 
les geändert, nachgetragen, verbessert: so p. 1469 z. b. nach- 
getragen ein index der werke des Aristoteles von Ptolemaeus phi- 
losophus, aus dem arabischen ins lateinische übersetzt: ferner 
sind die hierher gehörigen stellen aus Miller's Melanges de Li- 
terature grecque (vrgl. auch not. auf p. 1535, p. 1582 b, 22) und 
anderes mehr verzeichnet. Freilich wird, geht man ins einzelne, 
gegen das verfahren des vfs sich mancher gegründete einwand 
erheben lassen: so stehen fr. 54, p. 1484 die stellen, welche 
aus dem dialog GoguGTrjg die ansieht des Aristoteles über den 
von Empedokles ausgegangenen anstoss zur weiteren entwicke- 
lung der rhetorik enthalten, nicht in richtiger folge : Kose setzt 
Diog. Laert. VIII, 57. IX, 25 (wozu noch Arsen. Viol. p. 121 
Walz, zu fügen) an die spitze, wahrscheinlich wegen tlgilv: 
aber meiner meinuüg nach musste der ganz übersehene Quinti- 
lian, I. Or. III, 1, 8 . . . movisse aliqua circa rhetoricen Em- 
pedocles dicitur, und Sext. Emp. adv. dogm. I ; 6 'Epnsdoxlsa [xtv 
yuQ o *AQiCTOi£Xrjg (prjal jiqwtov QrjiOQtxrjv xex tvqxivai , die 
erste stelle erhalten ; denn nicht nur gebraucht xiviiv in diesem 
sinne Aristoteles , wie schon Spalding bemerkt hat , und ist 
von ihm dieser gebrauch zu den Alexandrinern gekommen, 
Schob ad Aristoph. Ran. 323, sondern es ist auch der allein 
adäquate ausdruck , da evQSTrjg der rhetorik den Empedokles we- 
gen Korax (Cic. Brut. 12, 46 . . tum primum ... e controversia 
natam artem . .) Aristoteles nicht genannt haben kann; wird 



76 40. Aristoteles. Nr. 2. 

dies oder evoeTv in diesem falle gesetzt, ist Empedokles entweder 
mit einem andern forscher verbunden oder der ausdruck eigen 
gewandt, wie Diog. Laert. IX, 25 ujGtvsq zeigt. Dergleichen 
liesse sich noch mehreres anführen; aber da hier die kritik 
die hauptsache, wollen wir in bezug auf diese noch ein paar 
bemerkungen hinzufügen. In fr. 85, p. 1491 a 19 ist richtig 
q uQ%ri statt vulg. dgeirj geschrieben, auch in der note richtig 
Gesner als verbesserer genannt; es war aber hinzuzufügen aus 
Philol. XXIX, p. 519, dass auch Arsenius in seiner handschrift 
das richtige hat. In fr. 501, p. 1559 wird « (piXoxgru^urCu 
2nuQTav oXeT, allo de ovdev geschrieben und die varia lectio 
äusserst unvollständig angegeben : aber oXeX ist falsch, da, abge- 
sehen davon, dass es mit Scaliger trotz Toup in dem orakel als 
auffällig gesagt zu erachten, jetzt auch der Vaticanus nach Co- 
bet eXoi giebt, so dass es von Seiten der handschriften als sehr 
schwach begründet erscheint : wie ich schon in den noten zu 
Macar. Provv. II, 68 bemerkt habe, muss man eXe7 herstellen, 
eine form , die sehr gut in dies orakel passt und welche auch 
der übersehene Clem. Alex. Strom. IV, 5 fin. p. 207 Sylb. 
bestätigt, wenn er sagt: ä (piXo^Q^^iaita Sa ov Sno.Qiuv /a,6vov, 
uXkä xal naßav noliv iXot av. Dann war aber auch anzuge- 
ben, dass Schoemann ad Plut. Ag. et Oleom, p. 123 Se y* ov- 
div vorgeschlagen hat. Derlei lässt sich noch vieles bemerken. 
Den schluss macht p. 1585 ein index der Schriften, von denen 
fragmente erhalten und p. 1586 sqq. ein index auetorum, der 
aber nicht vollständig ist, obgleich die nachtrage von Heitz die 
verlorn, schritt, des Aristot. p. 311 der vf. sich zu nutze ge- 
macht hat: soll ein derartiger index wirklich nützen, muss jede 
stelle, die benutzt worden, angeführt sein , nicht aber allein die 
hauptsächlichsten. 

Ueber die zweite abtheilung sagt die vorrede folgendes: 
scholiorum condendorum consilium defuneto viro eximio et de promo- 
vendis studiis Arlstotelicis in primis merito , Christian o Augu- 
sto Brandis, in artiores fines coercendum Academia putavit ; 
quoniam enim neque integrorum commentariorum usum praebere pos- 
sunt selecta ex iis prudentissime capita, neque minus post operam 
his schoüis navatam desideranlur ipsi veterum commentarii emenda- 
tius editi, academia nunc quidem omissis quae suppetebant scholiis 
unum Syriani commentarium in aliquot Metaphysicorum libros inte- 



Nr. 2. 40. Aristoteles. 77 

grum edendum curavit. Descriptum eum a Brandisio e libro ma- 
nuscripto adhibitis aliis subsidlis crlticis recog novit et edidit Her- 
rn annus Usener: dieser giebt dann p. 837 in der ersten note 
genauere auskunft über die hülfsmittel und sein verfahren, letzte- 
res ein in jeder hinsieht zu billigendes und daher die ausgäbe eine 
wirklich musterhafte. Dass die academie bei solchem nachfol- 
ger von Brandis nicht mehr hat ediren lassen , können wir nur 
bedauern ; ging es aus uns unbekannten gründen einmal nicht 
anders, so hätten doch wenigstens nach Vorgang der alten die 
Vitae dem bände einverleibt werden können, zumal nach Ro- 
se's andeutungen z. b. zu fr. 22. 605. 608 ein apparat für sie 
gesammelt scheint; eben so auch die uno^&iyfiara bei Arsen. 
Viol. p. 119 Walz., welche ebenfalls aus handschriften verbes- 
sert werden können und von den alten auch den ßiot, beige- 
geben zu werden pflegten : es könnteu diese sachen ja noch auf 
ein paar bogen nachgeliefert werden. 

Diesen bedeutenden leistungen schliesst sich p. 1 würdig 
der index Aristotelicus an, von dem es in der praef. p. iv heisst : 
indicem Aristotelicum conficiendum Academiae rogatu Hermannus 
Bonitz ante hos fere viginti quinque annos in se reeepit; sed cum 
eins opera et impediretur omnino munerum publicorum offieiis et 
aliquoties eorum novitate intereiperetur , nunc demum absolvi opus 
potuit. zoologicam indicis partem , quae requirit doctrinae naturalis 
scientiam, confecerunt Jürgen Bona Meier et, isque inde a li- 
ier a ß indicis, Bernardus Langhavel, de ratione indicis quae 
videbantur monenda esse Hermannus Bonitz praef atus est: da spricht 
Bonitz dann zuerst von seinen mitarbeitern und sucht darauf p. 
iv die von ihm bei der ausarbeitung beobachteten grundsätze 
oder vielmehr die art der von ihm erstrebten unvollständigkeit 
zu rechtfertigen, ein versuch , den wir gradezu für misslungen 
erklären müssen. Denn wenn es heisst : quid enim conferre po- 
tent vel ad Aristotelis libros intelligendos vel ad usum linguae Grae- 
cae cognoscendum, si quis omnes locos, quibus apud Aristotelem zl- 
dog, vXr\ . . . nooiu-Gig alia plurima eiusmodi vocabula exhiben- 
tur, in conspectu posuerit , so ist doch manniglich bekannt , wie 
das tiefe eingreifen genauer statistischer Verzeichnisse von der- 
artigen worten in die Studien anderer sich gar nicht berechnen 
lässt. Viel eher hätte mit einigem schein auf den jetzigen 
standpuukt der kritik hingewiesen werden können; aber wie 



78 40. Aristoteles. Nr. 2. 

sah es vor Fr. A. Wolf im Homer aus und welchen nutzen 
hat Dainm's lexicon geschaffen! Auch theilen die zoologischen 
mitarbeiter diese ansieht nicht, die so verfahren, ut omnibus fere 
Aristotelis locis allatis illius de Ms rebus doctrina pleno, ex indice 
peti posset , woraus eine eigenthümliche Verschiedenheit in die- 
sem index entstanden: artikel über xwvwipj Xägog^ vr\xza u.s. w. 
enthalten alle stellen, die von ahfa, loyoq u.s. w. nur eine aus- 
wahl ; freilich ob die Zoologen alle stellen wirklich gegeben, 
macht jenes fere zweifelhaft, was ja aber auch durch den 
wünsch, die Ungleichheit nicht zu grell hervortreten zu lassen, 
veranlasst sein könnte. Dieselbe Ungleichheit erscheint aber 
auch bei den so dankenswerthen erklärenden notizen: denn die 
zoologischen, botanischen und drgl. worte sind consequent mit 
Verweisungen versehen und die dazu benutzten werke p. vn 
verzeichnet, unter denen wir die Übersetzung von Plinius NH. 
von Ajasson de Grandsagne vermisst haben, in der unseres er- 
achtens treffliche excurse über thiere des alterthums von Cu- 
vier u. a. sich finden: bei den andern Worten aber tritt, so 
weit ich habe bis jetzt beobachten können, ein inconsequen- 
tes verfahren auf: so wird bei jedem aus Anaxandrides ci- 
tirten vers auf Meineke verwiesen, aber s, "Ovov 6xta y wo auf 
Mein. Com. Gr. I, p. 208 wirklich zu verweisen nötkig war, 
fehlt die Verweisung. Ferner sind, so viel in der kürze der zeit 
ich habe sehen können , einzelne ausgezeichnete arbeiten gar 
nicht benutzt; so Torstrick's ausgäbe der bücker de anima: 
denn aus p. 152 derselben war das wort ifiipotpog aufzuneh- 
men , ganz einerlei, ob die conjeetur richtig oder nicht : hinzu- 
gefügt konnte werden, dass es wirklich in der gräcität vor- 
kommt, was Torstrik unbekannt geblieben zu sein scheint: s. 
Suid. s. v. und das. Gaisford : auch wäre meines erachtens bei 
uxolutixog, bei avvi%ua_, tjxüj auf die ansführungen dieses gelehr- 
ten zu verweisen gewesen, de an. p. 212. 136. 148, eben so 
bei (pqvxtbq auf die telegraphische note p. 204, und vor allem 
s. 'EfiTTedoxlrjg auf p. 124, ferner im index p. 99 a 7 auf Tor- 
strick a. o. p. 123, weil dieser mit gutem gruud die Bernays 
und Heitz entgegenstehende meinung vertritt. Diese bemer- 
kungen veranlasste lediglich des vfs versuch das unmöglich zu 
begründende prineip der unvollständigkeit zu begründen ; las- 
sen wir dies nun, nachdem wir dio vermuthung gewagt, dass 



Nr. 2. 41. Seneca. 79 

die durchführung sothanen princips mehr mühe und zeit geko- 
stet als die Vollständigkeit selbst ohne perfectionem affectare spe- 
ciosam magis quam utilem (p. rv) gekostet haben würde — auf 
sich beruhen , so muss das im index auch nach diesem prin- 
cip geleistete als eine ganz ausserordentliche leistuug dankbar 
und freudig anerkannt werden, solche genauigkeit , umsieht 
bis in das kleinste , solche nur durch das sicherste verständniss 
aller stellen, nur durch die völlige beherrschung des gesammten 
materials ermöglichte sinnige anordnung innerhalb der artikel, 
so dass man diese scheinbar unlesbaren massen mit immer stei- 
gendem interesse liest , solche umfassende kenntniss und solch 
sicheres urtheil über alle die bei den schritten des Aristoteles 
vorhandenen so mannicbfaltigen fragen — man vergleiche mir 
den artikel ^AoiGzozslr]^ p. 95 — 105, oder Xöyoq, ßTtqriGiq, d.Xkd 
u. s. w. — solcher fleiss , solche ausdauer tritt dem leser hier 
entgegen : man muss sich unwillkürlich immer von neuem sa- 
gen, dass ein gelehrter, der befähigter und vorbereiteter für die 
ausarbeitung eines Lexicon Äristotelicum wäre, kaum gedacht wer- 
den kann. 

Natürlich ist aber im index besondere Sorgfalt auf die rich- 
tigkeit des textes in den angeführten stellen verwandt : ad tex- 
tum editionis Academicae eae emendationes , quae satis probabiles 
videbantur. saepe sunt adhibitae; sed cum cett. , sagt Bonitz p. v: 
sollte das aber gründlich geschehen , hätte vor allem in einem 
Supplement die annotatio critica der beiden ersten bände nach 
anleitung von Torstrick's aufsatz im Philol. XII , p. 494 flg., 
der auch im index meines erachtens viel zu wenig beachtet ist 
(nur einmal, wo es gar nicht anders ging, s. bfjbOiiSrig), ergänzt 
und berichtigt werden müssen : dass darüber die academie jede 
äusserung unterlassen hat, kann nicht anders als auffallen. 

E. v. L. 



41. R. Peiper, Praefationis in Senecae tragoedias nuper 
editas supplementum. 4. Oster -programm des Magdalenaeum 
in Breslau. 1870. 

Der verf. bietet uns eine lanx satura; in mehr oder weni- 
ger loser Verknüpfung eine reihe von Untersuchungen und be- 
merkungen über mannichfache fragen , von denen jedoch die 
meisten eine beziehung auf Seneca's tragödien haben. So wird 



80 41. Seneca. Nr. 2. 

besprochen die handschriftliche Überlieferung des namens (p. 
1 f.), Quintilian's kenntniss von den tragoedien (p. 2 flg. : warum 
soll aber Quintilian ausser der Medea nicht noch die vor seiner 
rückkehr nach Spanien veröffentlichten Troades. gekannt haben?), 
ferner die frage nach der aufführung der stücke und nach ihrem 
ästhetischen werthe (p. 7 f. : hierbei konnte auf L. Müller in 
Fleckeisens Jahrb. 1864. 413 f. ,und Grysar Sitzungsber. der 
wiener acad. 1855 verwiesen werden), ferner anapästenfragmente 
(p. 9: in den anapp. der Apocoloc. v. 18ist wohl dura zu schrei- 
ben für scuta), die Chronologie der briefe Seneca's (p. 14 ff.), 
den reigen schliessen kritische beitrage sowohl zu dem text der 
tragödien, worunter einige sehr beachtenswerth , als auch zu 
den publicationen H. Hagens im Philol. XXVIII, 338 ff. Zur 
besprechung hebe ich hier hervor, was den eigentlichen kern 
der schrift bildet, Untersuchungen über das zeitverhältniss der 
tragödien. Auch diesen letzteren fehlt es so wenig wie den 
philosophischen schritten an directen und indirecten anspielun- 
gen auf Vorgänge am kaiserhofe, auf politische ereignisse, persön- 
liche erfahrungen des dichters. Diesen bald deutlicher spre- 
chenden, bald mehr verhüllten beziehungen ist der verf. mit 
Scharfsinn nachgegangen. Ohne zweifei gehören Medea und 
Troades der epoche des Claudius , die übrigen (soweit sie echt 
sind) der neronianischen zeit an. Hinsichtlich der Medea be- 
weist dies die wiederholte anspielung auf die expedition nach 
Brittannien (598 f. 371 f., Thule 382: vgl. Tac. Agr. 10); 
das hochzeitslied (56 ff.) mit der erwähnung des fescenninu-s er- 
innert an die Vermählung des Claudius mit der Agrippina. Dies 
führt auf das j. 49 ; Seneca mag das stück in Corsica begon- 
nen (Cons. ad Helv. 20. 1. 2), in Rom veröffentlicht habeu in 
der freude über seine zurückberufung: vgl. Lipsius de vita 
Sen. c. 5: quam in exilio scriptam quo tempore Claudius Brit- 
tanniam subegit, mihi paene certum. Die Veröffentlichung beweist 
Quintilians bekanntes citat. Was die Troades betrifft, so konnte 
die von Peiper p. 12 aufgedeckte beziehung zwischen 788 ff. 
und Suet. Ner. 7. Tac. Ann. XI, 11 gewiss keinem römischeu 
leser oder hörcr entgehen. Mit recht wird der status lustri dies 
auf die feier der ludi saecidares im j. 47 bezogen, wo als theil 
der ludi circenses das ludicrum Troiae unter hervorragender theil- 
nahme des jungen Nero aufgeführt wurder (Tac. a. a. o.). Nicht 



Nr. 2. 41. Seneca. 81 

minder enthalten 479 f. einen hinweis auf Nero's öffentliches 
auftreten für die bewohner von Ilium, denen er im j. 53 völ- 
lige immunität auswirkte : vgl. Nipperdei zu Tac. Ann. XII, 
58. Endlich werden wir durch 790 ff. an den cult der Cy- 
bele erinnert, der nach loh. Lydus de mens. IV, 41 unter Clau- 
dius öffentlich zugelassen wurde. Da nach Nero's regierungsan- 
tritt die poetischen liebhabereien des nunmehrigen ersten reichs- 
ministers zunächst gewiss zurücktraten, so ergibt sich das letzte 
jähr des Claudius als vermuthliche entstehungszeit der Troades. 
— Den nächsten spuren poetischer thätigkeit begegnen wir 
erst wieder um die zeit der ermordung Agrippina's (59). Auf 
diese zeit weisen deutlich Oedipus, Hercules, Phaedra. Aber 
wie diese stücke unverkennbare anspielungen auf die greuel des 
kaiserlichen hauses enthalten , so begegnen sie sich auch mit 
zahlreichen aussprächen und gedanken der Epistulae morales und 
erwecken so die vermuthung gleichzeitiger entstehung mit den- 
selben. Mit vollkommenem recht hält Peiper an der angäbe 
bei Senec. Ep. 91 über den brand von Lyon fest, welche die- 
sen brief in das jähr 58 verweist, geht aber zu leicht über die 
widersprechende notiz bei Tac. Ann. XVI, 13 hinweg, der sich un- 
zweifelhaft anders ausdrücken musste, wenn er von einem acht 
jähre früher stattgefundenen brande sprechen wollte (vgl. Nip- 
perdei z. d. st.). Der gang der argumentation hätte dieser 
sein müssen: Seneca's angäbe wird dadurch bestätigt, dass Ep. 
51 die äusserung über Baiae als diversorium vitiorum ebenso 
wenig als andere Baiae berührende stellen, wie Peiper p. 16 
überzeugend darthut, unmöglich nach der ermordung Agrippi- 
na's geschrieben sein können. Da nun aber die chronologische 
folge der briefe in den hantlschriften keine Störung erfahren 
hat (wir verweisen auf Haase praef. p. vi), andrerseits auch aus 
den eignen angaben der briefe über die Jahreszeiten hervorgeht, 
dass zwischen dem ersten und dem letzten wenig mehr als ein 
jähr liegt, so ergiebt sich die genauigkeit in der angäbe über 
das incendium Lugdunense. Tacitus hat also unrecht ? Nein, 
aber die Überlieferung seiner worte ist hier lückenhaft, wie Nipper- 
dei richtig erkannt hat, dessen durchaus correcte behandlung der 
fraglichen stelle die Schwierigkeit vollkommen beseitigt. — Gleich- 
zeitige poetische Studien beweisen zahlreiche stellen in den brie- 
fen (p. 18); auf den Oedipus weist ep. 58, wo nicht nur das 
Philol. Anz. III. 6 



82 41. Seneca Nr. 2. 

Oed. 449 angewendete wort oestrum besprochen , sondern auch 
Verg. Georg. III, 146 ff. citirt werden, welche Oed. 543 sich 
benutzt finden. Dagegen sind die aus ep. 65 und 12 ange- 
führten stellen auf diese beschäftigung keineswegs mit Sicher- 
heit zu beziehen. Nicht minder zweifelhaft bleibt die ausicht, 
Seneca sei damals mit dem plan einer Oedipustrilogie (Oedi- 
pus, Oed. fragm. , Phoen. fr.) umgegangen; schwerlich würde 
sich der dichter über Iocasta's tod im Oedipus und ihr wieder- 
auftreten in den Phoenissen so leicht hinweggesetzt haben, wie 
Peiper p. 19 annimmt. Auch der aus Iocasta's worten (1061: 
hunc dextra hunc pete Uterum capacem qui virum et gnatum tulit) 
gezogene schluss, dass der Oedipus vor Agrippina's ermordung 
vollendet sei, dürfte schwerlich beifall finden. Weit denkbarer 
ist es doch, dass der dichter auf die historischen worte (Tac. 
XIV, 8 : ventrem feri) der Agrippina anspielte , als dass seine 
dichtung veranlassung zur entstehung einer sage gab, die nach- 
her in die historiker überging. 

Man scheint demnach die Vollendung des Oedipus in die 
zeit kurz nach dem genannten ereigniss setzen zu müssen, da 
die Studien zu demselben in die zeit vor ep. 58 fallen. W. 
Brauns hypothese, dieses stück sei von einem nachahmer ver- 
fasst, der die Thebais des Statius benutzt habe, widerlegt Peiper 
p. 4 ff. Wo Seneca frühere dichter benutzt , hat er sein ori- 
ginal erweitert und ausgeführt (vgl. z. b. Thy. 461 ff. mit Verg. 
Aen. VII, 170 ff), das gleiche verhältniss findet bei Statius dem 
Seneca gegenüber statt. — Der Hercules muss ungefähr 
um dieselbe zeit verfasst sein. Das v. 842 erwähnte novum 
theatrum ist mit dem vf. (p. 20) gewiss auf das von Nero im 
j. 57 erbaute und häufig erwähnte (ausser den angeführten 
stellen auch noch Plin. NH. XIX, 1, 25) grosse amphitheater 
zu beziehen , da von einem andern theaterbau unter Nero nichts 
verlautet. Ebenso wahrscheinlich ist die vermuthung, dass die 
worte 881 f. auf die im j. 58 nach dem fall von Artaxata 
kundgegebene siegesfreude hinweisen. Dagegen liesse sich 
gegen die über entstehungsgrund und bestimmung des Stückes 
aufgestellte hypothese manches einwenden. Auch die entstehung 
der Phaedra setzt der vf. (p. 23 f.) in die nächste zeit nach 
dem muttermord und findet die tendenz des Stückes darin, dass 
der dichter gesucht habe seinen kaiserlichen zbgling wegen dieses 



Nr. 2. 41. Seneca. 83 

Verbrechens zu rechtfertigen indem er zeigte: nullum Neroni aliunde 
fuisse subsidium in summo hoc capitis discrimine ', nam ut Phaedra 
Hippolytum sie Agrippina filium erat perditura (p. 20). Freilich, 
dass der Verfasser jenes famosen berichtes an den senat über 
den tod Agrippina's es unternommen habe, das verhältniss zwi- 
schen mutter und söhn durch die parallele mit Phaedra und 
Hippolyt zu illustriren , ist keineswegs undenkbar und eine be- 
absichtigte beziehung auf den muttermord wird durch einzelhei- 
ten wie die p. 24 angeführten ausser zweifei gestellt. Nur 
will zu der apologetischen tendenz des Stückes die unverkenn- 
bare anspielung auf die neronischen greuel , wie sie z. b. vs. 
562 ff. hervortritt, wenig stimmen. Auch bekenne ich offen 
nicht recht verstanden zu haben , wie sich die einrichtung der 
ludi iuvenales durch Nero für die chronologische bestimmung 
des Stückes verwenden lässt. — Was endlich den Thyestes 
betrifft, so weist die überaus bittere Stimmung des dichters, 
hervorgerufen und genährt durch persönliche Zurücksetzung und 
den verlust des Burrus , auf seine letzten lebensjahre hin. Vs. 
51 erinnert an die nach Agrippina's ermordung eingetretene 
sounenfinstemiss (p. 25), v. 404 ff. an die schreckbilder, welche 
den kaiser nach dem muttermord ängstigten. So wichtig als 
schwierig ist die beziehung von vs. 599 ff. : Peiper nimmt an (p. 
26', damit werde die Übertragung der kröne von Armenien an 
den Tiridates bezeichnet. Damit ist aber die sache noch nicht 
erledigt, deren Schwierigkeit hier mehr angedeutet, als erledigt 
werden soll. Der vertrag zwischen Corbulo und Tiridates fand 
im jähr 63 statt: Tac. Ann. XV, 29: tunc placuit Tirida- 
tem ponere apud effigiem Caesaris insigne regium nee nisi manu 
Neronis resumere. Der könig verstand sich zur reise nach 
Rom, wo er unter grossem schaugepränge aus Nero's hand 
die kröne zurückempfing: Suet. Neron. 13: dein precanti tiara 
dedueta diadema imp osuit. Ist es nicht diese scene, auf 
welche die worte im Thyest hindeuten: ille qui donat dia- 
dema fronti? Nur schade, dass die reise des armenischen 
königs nach Rom, wie sich unzweifelhaft aus Tac. Ann. XVI, 
23 ergibt, erst im j. 66 zur ausführung gekommen ist, ein um- 
stand welcher zu denken giebt. Ein schlechter ausweg wäre, 
die stelle auf den im j. 60 durch Nero eingesetzten Tigranes zu 

6* 



84 42. Livius. Nr. 2. 

beziehen (Tac. An. XIV, 26), da v. 602 f. auf den im j. 63 
durch Corbulo hergestellten frieden hinzuweisen scheinen. 

Dass mit der Schilderung 641 ff. , die wohl nur eine er- 
weiterung von Verg. Aen. II, 170 ist, der neronische palast auf 
dem Palatin gemeint sei , lässt sich nicht bestimmt behaupten. 
Die Übereinstimmung mit Suet. Neron. 31 ist nur eine allgemeine, 
ebd. 25 und Tac. XV, 39 geben nichts was hier zu bemerken 
wäre, ebenso wenig Plin. NH. XXXVI, 22 und 46 (163). Ue- 
brigens vergleiche man noch über Nero's haus den spottvers 
bei Sueton. 39 : 

Roma domus fiet : Veios migrate, Quirites, 

Si non et Veios occupat ista domus. qq. 

42. Kühnast, Ludwig, die hauptpunkte der liviani- 
schen syntax. Für das bedürfniss der schule entworfen. Zweite 
mit einem überblick über die livianische formenlehre und mit 
Sammlungen zur livianischen Stilistik und glottographie ver- 
mehrte bearbeitung. Erste hälfte, Berlin, W. Weber 1871. IV. 
192 s. 8. — 1 thlr. 

Das vorstehende buch, dessen erste hälfte (die syntax 
der concordanz und casuslehre umfassend) vor weni- 
gen wochen ausgegeben worden ist, ist ein vielfältig berichtig- 
ter und durch werthvolle neue beigaben bereicherter abdruck der 
rühmlichst bekannten drei schulprogramme des gelehrten verf., 
die unter dem wenig zutreffenden titel „Livius als schul- 
lectüre" Rastenburg, 1863 und Marienwerder, 1867 und 1868 
erschieneu sind. Für diejenigen , denen jene programme unbe- 
kannt sind, sei bemerkt, dass sie die gesammte syntax des 
Livius und zwar mit einer Vollständigkeit und eingehenden 
rücksichtnahme auf alle specialitäten behandeln, dass sie als 
werthvolle bausteine zum aufbau der bis jetzt noch im bereiche 
der frommen wünsche liegenden „historischen syntax der latei- 
nischen Sprache " angesehen werden müssen und eine ehren- 
volle stelle neben Dräger's syntax des Tacitus , Holtze's 
syntax des Lucrez und Fi scher' s rectionslehre einnehmen 1 ). 

1) Monographien, wie die von Domheini (Nepos), Badstüb- 
ner (Sallustj, Stinner (Cicero's briefe) u. a. besprechen doch nur her- 
ausgegriffene kapitel der syntax ihres autors; in noch höherem grade 
gilt dies von den zahlreichen einzelschriften , die den Sprachgebrauch 
nachclassistsher Schriftsteller behandeln. 



Nr. 2. 42. Livius. 85 

Die worte des titeis „für das bedürfniss der schule entworfen" 
besagen nicht mehr als dass das buch, welches von anfang bis 
zu ende eine gelehrte arbeit ist, neben der rein wissenschaft- 
lichen tendenz auch die bestimmung habe, dem lehr er des la- 
teinischen in ob eren classen ein nützliches hülfsmittel zu sein. 
Diesen letzteren zweck hat der verf. aber keineswegs so in 
den Vordergrund gestellt , dass dadurch die wissenschaftlichkeit 
wesentlich gefährdet würde, und ich denke, dass auch der ge- 
lehrte nach der ermüdenden Wanderung durch eine steppe kah- 
ler citate gern einmal bei den verschiedentlichen nvxvä ctttj aus- 
ruhen wird, die der verf. für den wackeren Schulmeister einge- 
streut hat. Eine leichte mühelose lectüre gestattet freilich das 
buch nicht, es will studiert und der Ariadnefaden durch die nur 
allzu zahlreichen parenthesen oft mühsam gesucht sein ; nach 
dieser seite sind ohne zweifei die genannten werke von Dräger 
und Fischer 2 ) empfehlensv/erther. Doch ist freilich auch in 
betracht zu ziehen, dass es ein Schriftwerk von sechsmal grösse- 
rem umfang zu bewältigen galt, sowie ferner, dass für speciali- 
täten der syntax des Livius viel weniger vorarbeiten 3 ) vorliegen, 
als solche vorhanden sind für Cäsar und Tacitus. 

Aus diesem doppelten gründe hat auch Kühnast in viel 
geringerm masse innerhalb der einzelnen behandelten loci gram- 
matici Vollständigkeit erreicht und erreichen können. Eine livia- 
nische recktionslehre im stil der Fischer'schen für Cäsar ist zur 
zeit noch undenkbar und wird sicher noch in fünfzig jähren 
eine die kraft des einzelnen übersteigende arbeit sein. Um nun 
aber doch einigermassen ebenmässige und einheitliche behand- 
lung zu erreichen, hat der verf. die methode eingehalten , dass 
er reichhaltige eigne Sammlungen nur dann vorführt, wenn vor- 
arbeiten nicht vorlagen, im entgegengesetzten falle einfach auf 
diese verweist und damit sich begnügt, sie zu ergänzen und 
zu berichtigen. Da er selten unterlässt , neben den gelehrten 
monographien und Sammelwerken, auf die er verweist, auch die 

2) Sehr erfreulich ist es, dass neuerdings Brocksch sich an eine 
fortsetzung der trefflichen arbeit von Fischer gemacht hat (Schulprogr. 
v. Bautzen 1870). Möge er die versprochenen weiteren theile bald 
nachfolgen lassen ! 

3) Darunter freilich äusserst werthvolle und in ihrer art muster- 
gültige ; ich erwähne aus vielen honoris causa die monographien von 
Hildebrand, Dräger und Wölfflin, die beiläufig oder ausschliesslich 
capitel aus der syntax des Livius behandeln. 



86 42. Livius. Nr. 2. 

stelle namhaft zu machen, an der Drakenborch, Fabri oder 
Weissenborn den betreffenden gebrauch behandeln, so ist dem 
bedürfniss aller leser vollständig genügt, die nicht statistische 
Vollständigkeit begehren. Bequemer würde es freilich sein , in 
jedem falle eine reihe von mindestens fünf oder sechs stel- 
len in dem buche selbst verzeichnet zu finden, allein dann 
wäre jedenfalls das werk zu einem monströsen umfang ange- 
schwollen und buchhändlerisch unmöglich geworden und es ist 
doch so werthvoll, dass wir das buch besitzen , wenn es auch 
im einzelnen falle nicht so mundgerecht ist, als man es wün- 
schen möchte. Die literatur , nicht bloss des Livius , sondern 
überhaupt die das gebiet der lateinischen grammatik und lexi- 
kographie behandelnde, ist in einer Vollständigkeit benutzt und 
an geeigneter stelle angezogen, dass man es deutlich ersieht, 
dass in diesem buche die treue sammelarbeit von Jahrzehnten 
vorliegt. 

Die einleitung widerlegt nach einem kurzen interessan- 
ten überblick über die geschichte der Liviuslectüre auf den 
deutschen schulen (p. 1 — 5) die zahlreichen schiefen ansichten, 
die man ehedem in betreff der Stellung hatte, die Livius in der 
entwickelung der römischen spräche und Stilistik einnimmt 4 ). 
Die polemik ist besonders gekehrt gegen die versuche, be- 
stimmte „ patavinitäten " des Livius nachweisen zu wollen, wie 
sie namentlich 1848 — 1855 mit aufwand vieler gelehrsamkeit 
Wiedemann gemacht hat. Es wird mit recht darauf hingewie- 
sen, dass eine erfolgreiche behandlung dieser frage nur möglich 
wäre, wenn wir das urbane latein von dem allgemeinen latein 
der Schriftsprache scharf abscheiden könnten ; an einzelnen 
beispielen wird sodann dargethan, wie ein grosser theil der an- 
geblichen patavinitäten gut sallustisch oder wohl gar cicero- 
nianisch sei. 

Die folgende übersieht über die „Livianische forme n- 
lehre" (p. 23 — 43) ist eine sehr schätzenswerthe beigäbe und 
werthvolle ergänzung zu Neue's formenlehre, wenn auch in die- 
sem capitel noch weniger zu erreichen war als im syntakti- 

4) Es liegt in der natur der sache, dass bei dieser gelegenheit 
manches vorweggenommen werden musste, was erst im eigentlichen 
haupttheil des buchs besprochen wird. Die mehrfach zu vermissen- 
den Verweisungen von der einen stelle auf die andere wird hoffent- 
lich der index bringen. 



Nr. 2. 42. Livius. 87 

sehen theile. Filidbus (p. 23) 24, 26, 2 ist mir sehr verdäch- 
tig, da virginibus direkt folgt und die stelle eine archaistische 
färbung entschieden nicht hat; ich nehme an, dass Livius filiis 
virginibus schrieb wie Papin. in Ulp. Digg. 33, 7, 12, §.43 
filiis maribus (s. Neue I, 28). — Die form Gordiutichos (p. 24) 
ist ohne erläuterung zr: roqdtov rsT^og in dem Zusammenhang, 
in dem sie erwähnt wird, kaum verständlich 5 ). — P. 25 ver- 
misse ich medimnum (gen. plur.), das Weissenborn 32, 40, 9 ; 38, 
13, 13; 38, 14, 14; 38, 15, 11 hat; für modium genügt ent- 
schieden nicht die kahle Verweisung auf 22, 37, 6 , wo einige 
handschriften ausserdem modiorum bieten. — P. 28 fehlt ne~ 
cessitatium (s. p. 19). — Die notiz über Tecmon = 6 TixfMüv 
(p. 33) ist so gefasst, als ob das genus befremdlich sei; Anxur 
als stadt (ebendas.) ist wohl stets gen. neutr. , denn Martial 
spricht wohl von dem gleichnamigen berge. — P. 38 ist qui- 
busquibus 41 , 8 , 10 und das seltne ubiubi 42, 57, 42 nach- 
zutragen. — P. 43 waren wohl die von Drakenb. zu 25. 
38, 12 und ßeissig, Vorl. n. 256 gegen die form postmodum 
erhobnen bedenken zu erwähnen ; diese form steht nicht mehr 
Ter. Hec. 208, wohl aber noch Cat. ap. Veget. 1, 13; Val. 
Max. 6, 9, 8 ; Veget. 3, 24, auch citirt sie Holtze (Synt. prisc. 
Script, lat. II, 299) aus Enn. fragm. Euhem. 11. 62. — Zu 
vermissen ist ferner eine genaue angäbe über die vorkommenden 
singularformen von ceteri; die notiz p. 35 sq. ist zu sum- 
marisch ; ein nachweis des dat. sing, wäre sehr erwünscht, da 
er sich sonst wohl nicht(?) findet; der vokativ kann selbstver- 
ständlich nicht vorkommen. 

In dem nun folgenden syntaktischen theile sind uns 
folgende einzelheiten aufgefallen , die wir in anbetracht der 
möglichkeit, dass Kühnast an den betreffenden stellen einer an- 
dern lesart folgte, mit allem möglichen vorbehält und mehr in 
der weise einer anfrage an den verf. vorbringen. Den sub- 
stantivirten singular von Über (p. 45 anm.) hat Cicero minde- 
stens viermal, de Or. 1. §. 17; de Finn. 5, 47; Verr. 2, 58; 
in Pis. 57 (stets im ablativ). — P. 46 anm. ist wohl deterio- 
ris (dafein man nicht deteriorum vorzieht) 42, 30, 1 und mo- 
rientis 22, 51, 5 nachzutragen. In diesem ganzen abschnitt 

5) Zu vergl. ist Neontichos, Nep. 7, 7, 4. 



88 42. Livius. Nr. 2. 

hätten wir mehr berücksichtigung der vorkommenden casus 
gewünscht; besonders musste auf den allerorten seltnen (doch 
z. b. incognito, Cic. Acad. 2, 113) dativ hingewiesen werden. — 
P. 51 sind wohl für den gebrauch von eo mit genetiv die stellen 
28, 27, 12. 32, 18, 8 nachzutragen, sowie neben cum eo, ut auch ab 
eo, ut und in eo, ut (Fabr. zu 22, 1, 2) zu erwähnen waren. — P. 56 
wird zu recens = nuper nur die nicht ganz evidente stelle 2, 
22, 4 erwähnt; ob Livius diesen gebrauch auch sonst hat, ob 
der verf z. b. 38, 17, 15 recens captae für die richtige lesart 
hält, erfährt man nicht. Ebendaselbst ist die bemerkung „ple- 
risque ohne omnes 6, 1, 2 und ö." mir nicht recht verständlich ; 
es scheint als ob der verf. die archaistische und nachclassische 
(s Gell. NA. 8, 12 lemma) Verbindung plerisque omnes als die a. a. 
o. eigentlich zu erwartende construction bezeichnen wolle , was 
sicherlich seine absieht nicht war. — P. 58 wird die construc- 
tion Messanam in portum , Epliesö ex fano u. dergl. als „bei Ci- 
cero selten" bezeichnet, sie ist aber wohl die im classischen la- 
tein geradezu regelmässige (vgl. Richter zu Cic. Verr. 4, §. 4) 
und Verbindungen wie in oppido Antiochiae , e foro Syracusarum 
gehören zu den Seltenheiten. — Ebendas. sind wohl folgende 
characteristische beispiele nachzutragen : octo delecti nobilissimus 
quisque 7, 19, 2 (vrgl. Curt. 6, 11, 20 equites nobilissimus quis- 
que)', onerariae pars maxima ad Aegimurum 30, 24, 9 ; Numidae 
pars maxima agrestes 30, 8, 7; octo milia fars maxima tradueta 27, 
12, 5 (construetionen die von pars — pars, partim — partim \md 
ähnlichen disjunktionen zu scheiden sind) und ausserdem die 
freie apposition numerus 39, 5, 15; 43, 59, 1. Unter den ap- 
positionen xma cvveßiv habe ich vermisst : quinqueremes zu navium 
carinae 28, 45, 21, loricatos zu equitum vim 35, 48, 3 ; arbusta 
vineaeque zu regio 22, 15, 2, endlich auch canes sollicitum animal 
5, 47, 3. — Zu der reichen Sammlung (p. 68) füge ich 25, 
12, 6 multa milia tua „viele tausende deiner bürger", freilich 
steht diese stelle in einem citat aus einem alten Carmen Mar- 
cianum. — P. 76 wird die stelle 26 , 2, 13 non omnes fuüse 
pavoris et fugae citirt ; aber hängt nicht jeuer genetiv einfach 
von comites ab? — Ebendas. nehme ich anstoss daran, dass 
assuetus mit aecusativ als berechtigt anerkannt wird: ich lese mit 
Büttner und Weissenborn in invia ae devia, da ich keine paral- 
lele für jenen gebrauch (Verg. Aen. 6, 832 ist doch wohl ad- 



Nr. 2. 42. Livius. 89 

suesco transitiv zu fassen, wie auch sonst bei dichtem) aufzufin- 
den weiss. Ebendas. vermuthe ich adsuetior montibus 22, 18, 3 
und die notiz, dass 38, 17, 5 der Bamb. adsueti hat, was nach 
25, 17, 5; 24, 10, 12; Vell. 2, 120 als zulässig und um des 
gegensatzes insueta willen sogar empfehlenswerth erscheint. — 
P. 79. Ueber die landläufige schulregel betreffend unus mit ge- 
netiv urtheile ich minder abfällig. Die stelle Reip. 2 ; 69 ist uns 
nur, worauf ja auch der verf. hinweist, durch eine citation Au- 
gustin's überliefert; p. Sext. 133 ist nostri ordinis wohl gen. 
quäl.; de Finn. 4, 5. 5, 20; Verr. 5, 129 geht guarum unmit- 
telbar vorher, folglich findet auch hier eine Zerlegung des 
ganzen in mehrere klassen statt, wenn diese auch nicht 
gerade mit unus, alter, tertius bezeichnet werden. Somit .bedarf 
die schulregel nur einer etwas weiteren fassung; unius eorum 
pontium, Caes. BG. 7, 35, 2 ist und bleibt im classischen latein 
eine Singularität. — P. 85 fehlt aquam genus tenus altam 44, 
40, 8, vorausgesetzt dass der verf. nicht genibus, was nach 21, 
54, 9 viel für sich hat, für genus liest. — P. 118. Der be- 
hauptung dass Curtius einen andern gebrauch von ipse mache 
als Livius, kann ich nicht beipflichten, am wenigsten auf grund 
der angegebenen stellen , wo ipse auf den Sprecher einer klar 
vorliegenden oder vorschwebenden oratio obliqua hinweist. Ue- 
brigeus sind die an die syntax des geuetivs angehängten erörterun- 
gen über sui, sibi, se, ipse, is, ea, id im höchsten grade reichhaltig 
und instructiv und für grammatiker in mehr als einer beziehung 
sehr beachtenswerth. — P. 123 habe ich neben descendenti- 
bus, fingenti u. a. absoluten dativen incipienti 26, 24, 11 u. a. 
vermisst. — Zu p. 132 aeguare mit dativ steht nach Orelli's 
text auch Cic. de off. 1, 3: libri, gui Ulis se aeguarunt. Eben- 
daselbst sollte für abhorrere wohl: abhorrens = parum conveniens 
oder absonum (1, 15, 6) stehen, da sich wohl nur diese form 
mit dem dativ bei Livius findet. Ebenso p. 138 besser ad- 
suetus für adsuesco, vgl. p. 162 und p. 76, Dote 56 6 ). Die 
p. 152 a. e. besprochne construktion nomen edere, dicere, habere 
mit accusativ hat auch Cic. Tusc. 3, 16 : quae usitatum nomen habet 
nulluni sed habere potest ußXdßevav. — P. 182 wird ter in anno 
u. dgl. so besprochen, als ob die Setzung von in nicht im classi- 

6) Adsuetus mit dativ (p. 76, note 56) steht wohl auch 10, 17, 
10, adsuesco mit dativ 38, 34, 9 und insuetus ad 31, 35, 6. 



90 43. Scriptores historiae Augustae. Nr. 2. 

sehen latein das gewöhnliche und regelmässige wäre, wenn es 
sich um ein wirklich distributives verhältniss handelt. Beispiel« 
vom gegentheil sind selten (Reissig, Vorl. n. 567) bei den 
klassikern; das aus Cic. Ep. ad Att. 13, 28 gewöhnlich ange- 
führte bis die kann ich nicht auffinden , tres uno die (Cic. epp. 
11, 12, 1) gehört nicht ganz hierher; so steht Liv. 28, 6, 10 
septiens die ziemlich vereinzelt. Vgl. auch Madv. Gramm. §. 
276, anm. 3. 

Ich habe mit diesen bemerkungen nicht zurückhalten mö- 
gen, um dem verf. zu beweisen, dass ich sein buch nicht bloss 
flüchtig durchblättex-t habe. Der werth des ganzen wird durch 
derartige ausstellungen um so weniger beeinträchtigt, als ein 
theil derselben disputable fragen berührt ; auch wäre es einem 
so reichhaltigen und fleissigen buche gegenüber unbillig, einen 
andern masstab anzulegen als den milden horazischen : operi 
longo fas est obrepere somnum. Aus vollster Überzeugung em- 
pfehle ich zum schluss insbesondere Schulmännern das 
buch von Kühnast auf das wärmste, indem ich keinen an- 
stand nehme zu bekennen, dass mir das verhältniss, in dem 
Livius als schriftsteiler zu Cicero und Cäsar einerseits, zu Sal- 
lust und den dichtem andrerseits steht, erst aus diesem buche 
auch im einzelnen recht klar geworden ist. Alle anerkenung 
verdient die correktheit des drucks und die eleganz der aus- 
stattung. 

Möge die zweite hälfte mit dem versprochenen index recht 
bald nachfolgen! V. 

43. De epistularum actorumque , quae a scriptoribus histo- 
riae Augustae proferuntur, fide atque auetoritate. Scr. C. C z w a- 
lina. Particula prima. — Dissert. historica. Bonnae 1870. 
8. — 45 s. 

Wir haben hier die einleitung und einen kleinen abschnitt 
einer Untersuchung vor uns, die eine entschiedene lücke in den 
vorarbeiten zur römischen kaisergeschichte mit allseitiger und 
gründlicher verwerthung des bezüglichen materials auszufüllen 
verspricht, und in dem vorliegenden theile ein ergebniss liefert, 
dessen richtigkeit immer wieder in frage zu stellen selbst neue 
münz - und inschriftenfnnde schwerlich noch ermöglichen dürften. 

Die einleitung (p. 5—14) beleuchtet zunächst die berech- 



Nr. 2. 43. Scriptores historiae Augustae. 91 

tigung der aufgäbe. Absichtliche fälschungen der geschichte 
waren bei den historikern notorisch schon zur zeit der republik 
in Rom vorgekommen*, die kaiserzeit konnte um so weniger davon 
frei bleiben, als das natürliche ergebniss der langsam aber durchgrei- 
fend sich vollziehenden wandelung aller Verhältnisse in politischer, 
militärischer und namentlich socialer beziehung eine allgemeine 
Wendung der literatur vom wissenschaftlichen zum theoretischen, 
vom wirklich bedeutenden zum pikanten sein musste. Daher 
in der geschichtschreibung auch seit dem ende des zweiten Jahr- 
hunderts mit wenigen ehrenvollen ausnahmen — der verf. nennt 
Dio und Herodian — das haschen um jeden preis, selbst auf 
kosten der historischeu Wahrheit, ja mitunter des gesunden 
menschenverstandes, nach einer den überreizten literarischen ge- 
schmack und die wundergier des publikums prickelnden dar- 
stellung. Wenn darüber schon Lucian klagte, ist es kein wunder, 
dass die unkritischen scriptores historiae Augustae von dergleichen fäl- 
schungen der geschichte strotzen, — und der verdacht erstreckt 
sich mit recht auch auf die in die erzählung eingeschobenen Ur- 
kunden (reden, briefe). — Was zweitens die möglichkeit einer 
lösung der aufgäbe anlangt, so bemerkt der verf. ganz richtig, 
dass die einzelprüfungen dieser oder jener Urkunde nach inhalt 
und form bisher noch in keinem falle zu einem resultat geführt 
hätten, welches nicht wieder von anderer seite in zweifei gezo- 
gen worden sei — und dass der natur der Sache nach ein wis- 
senschaftlich befriedigendes allgemeines ergebniss nur von einer ver- 
gleichenden, sämm fliehe Urkunden umfassenden und auf der ba- 
sis historischer quellenkritik geführten Untersuchung zu erwarten 
sei ; denn selbst der mangel handgreiflicher lügen in einem einzel- 
nen stücke lasse noch immer dem verdacht der unechtheit räum, 
wenn es sich bei einem autor fände , dem man anderwärts ac- 
tive oder passive täuschung nachweisen könne. — In betreff 
endlich der methode der Untersuchung bereitet die eigenthüm- 
lichkeit dieser scriptores HA. dem jetzt allgemein üblichen und 
erfahrungsmässig sachfördernden gange derselben besondere Schwie- 
rigkeiten. Der gewinn, welchen man für die Würdigung einer Über- 
lieferung aus seiner genaueren bekanntschaft mit den persönlichen 
Verhältnissen, der zeitstellung, dem Charakter und den tendenzendes 
autors zu schöpfen pflegt, geht hier so gut wie ganz verloren; denn 
die scriptores HA. selbst kommen als historiker nicht in betracht, 



92 43. Scriptores historiae Augustae.? Nr. 2. 

sie sind nur höchst unwissende und dazu höchst ungeschickte 
compilatoren (Dirksen, Richter); und ihre quellen, auf welche 
demnächst zurückzugehen wäre , entziehen sich einer solchen 
gesammtbeleuchtung zum grossen theil durch die Unmöglichkeit 
sie auseinanderzuhalten und aus den unbedeutenden fragmenten 
Schlüsse auf die tendenz ihrer Schriften zu machen. [Eine 
Sammlung und Ordnung der fragmente des Märius Maximus 
wird für den 3. bd. der von Büdinger herausgegebenen auf- 
sätze „zur römischen kaisergeschichte " verheissen]. Es bleibt 
also nur übrig, den Wortlaut der betreffenden Urkunden selbst 
nach inhalt und form im vergleich mit unbestreitbar echter 
Überlieferung (münzen, inschriften) zu prüfen. — Nachdem der 
verf. dann den einwurf einer möglichen interpolation der Ur- 
kunden (Heyne, Bernhardy) durch die scriptores HA. mit Dirksen 
als gänzlich unwahrscheinlich zurückgewiesen, fasst er seine 
aufgäbe in folgende drei punkte zusammen: 1) wer und wel- 
cher "ärt sind die quellenschriftsteller unserer scriptores HA f 
2) in welcher Übereinstimmung oder welchem Widerspruch be- 
finden sich die angaben der aus ihnen entlehnten Urkunden 
nach inhalt und fassung mit den Zeugnissen der münzen und 
inschriften? 3) welches licht werfen die daraus gewonnenen 
ergebnisse auf das übrige und auf die etwaige tendenz der fäl- 
schung ? 

Nach dieser einleitung, welche die Schwierigkeiten der auf- 
gäbe allseitig klar darlegt und mittel und wege sie ihrer lösung 
entgegenzuführen mit bewusster Sicherheit angibt, betritt der 
verf. das feld der Untersuchung selbst und bietet uns einen 
bruchtheil seiner bereits vollständig gewonnenen, wenngleich 
noch nicht bis zu ende ausgearbeiteten ergebnisse derselben in 
der musterung der Urkunden , welche Vulcatius Gallicanus sei- 
ner biographie des Avidius Cassius einverleibt hat, und die in- 
sofern ein kleines ganze in sich bilden, als nur diese eine vita 
der autorschaft des Vulcatius zugeschrieben wird. — Eröffnet 
wird die darstellung mit einer Charakteristik des Marius Maxi- 
mus, der für die biographien bis Macrinus eiue hauptquelle ge- 
wesen sein muss. Die scriptores HA. haben aus seinem ge- 
schichtswerke nur ein einziges fragment eines acteustückes, der- 
gleichen er nachweislich viele beigebracht hatte, übernommen, 
nämlich die acclamationen des Senates bei Commodus tode (vit. 



Nr. 2. 43. Scriptores historiae Augustae. 93 

Corara. c. 18. 19), welche unzeifelhaft echt sind (vergl. Hen- 
zea Scavi p. 77). Ausser dem Marius Maximus nennt Vulcatius 
nur noch einen sonst ganz unbekannten Aemilius Parthenianus 
als seine quelle; und mit grosser Wahrscheinlichkeit vermuthet 
der verf. in ihm den gewährsmann der von Vulcatius mitge- 
theilten briefe, welche sicher nicht dem Marius Maximus 
entlehnt waren (p. 19). — Von den übrigen quellen der scri- 
ptores HA. zu handeln, lag begreiflicherweise in den grenzen 
dieser dissertation keine veranlassung vor; doch scheint aus 
dem Schlüsse der einleitung (p. 15) hervorzugehn , dass bei der 
ausarbeitung der vollständigen Untersuchung hier an erster stelle 
ein allgemeiner überblick über sämmtliche quellen und ihren 
werth im zusammenhange eingeschoben werden soll , wenngleich 
nach p. 12 ein hauptmoment zu ihrer Würdigung grossentheils 
erst aus den etwaigen resultaten der folgenden Untersuchungen 
gewonnen werden kann. Jedenfalls birgt dieser cirkel eine 
der bedenklichsten gefahren, welche die Schwierigkeiten bei lö- 
sung der aufgäbe nicht unwesentlich vermehrt. 

Es werden nun die eilf in der vita Avidii Cassii enthalte- 
nen Urkunden einer allseitigen prüfung unterworfen, deren Sorg- 
falt nichts zu wünschen übrig lässt; die durchführung ist der 
art, dass ein bedenken gegen die richtigkeit des ergebnisses: 
„es seien Tillemonts u. a. zweifei an der echtheit vollständig 
begründet" — schwerlich wird noch erhoben werden können. — 
Hier näher auf den gang der Untersuchung einzugehen, erscheint 
mir schon darum überflüssig, weil ich in allen nur irgend we- 
sentlichen punkten des Verfassers ansieht gern unterschreibe. 
Von besonderem interesse sind natürlich die speciellen ausfüh- 
rungen über die Statthalterschaft des Cassius (p. 40) und die 
zeit seines aufstandes (p. 27 — 36) , so wie die bemerkungen 
über den gebrauch der worte tyrannus und tyrannis (p. 25). Nur 
in der controverse gegen Waddingtons anmerkung zu Borgh. 
V, 437 [nicht 457] ist meines erachtens der unter nr. 1 (p. 
32) erhobene einwand zwar in der sache richtig, der darin aus- 
gedrückte Vorwurf kann aber Waddington — oder wäre pro- 
bari druckfehler für probare? — nicht unmittelbar gelten, da 
derselbe nicht die Chronologie des Cassius auf die angäbe des 
briefes stützen, sondern die müglichkeit der echtheit dieses 
durch jene in schütz nehmen will. 



94 44. Cicero. Nr. 2. 

Bei der im übrigen sehr sauberen ausstattung der kleinen 
schrift fällt eine verhältnissmässig grosse zahl von druckfehlern 
auf. Da es meistens nur irrthümer des setzers sind , welche 
sich beim lesen leicht selbst corrigieren, so führe ich hier nur 
die wenigen darunter befindlichen falschen citate an , so weit 
mir die betreffenden bücher zu geböte standen: p. 26, anm. 2 
6oll es heissen not. XIX statt XII; p. 27, anm. 1: Borgh. opp. 
p. 437 statt 457; p. 36, anm. 1: C. I. Gr. 4154 statt 4551; 
p. 40, anm. 2, zeile 10 v. u. ist der zusatz ,,cos. 128" bei An- 
nius Libo wohl ein irrthum für „söhn des cos. 128". 

Möchte die fortsetzung der verdienstlichen arbeit recht bald 
zur Veröffentlichung gelangen können und über das in vieler 
beziehung noch weit wichtigere urkundenmaterial der späteren 
zeiten durch dieselbe das wünschenswerthe licht verbreitet 
werden. St. 

44. M. Tullii Ciceronis Cato Maior de Senectute. Für 
den schulgebrauch erklärt von dr. Carl Meissner, Oberlehrer 
am herzogl. Karlsgymnasium zu Bernburg. 8. Berlin. H. Ebe- 
ling et C. Plahn 1870. — 12 gr. 

Der verf. hat sich mit Cicero seit mehreren jähren in sehr 
eingehender weise beschäftigt, wie unter andern sein im j. 1869 in 
Bernburg erschienenes programm : de translationibus Ciceronianie . 
Pars I, und seine ausgäbe des somnium Scipionis 1870 bekunden. 
Wenn letztere neulich im „Anzeiger" eine nicht eben günstige 
beurtheilung erfahren hat, so liegt das wohl darin, dass Meiss- 
ner ausschliesslich das bedürfniss der schule im äuge ge- 
habt und dadurch die erklärung auf einem gar zu niedrigen 
Standpunkt gehalten hat: ausgaben für die obern classen 
der gymnasien können und müssen bei aller rücksicht auf die 
schule auch der Wissenschaft nutzen zu bringen wissen, und 
zwar um der schüler willen : denn es muss diesen klar werden, 
dass zum wirklichen verständniss der Schriften der classiker 
noch mehr gehört als ihnen jetzt geboten werden kanu. Es 
ist daher auch wünschenswerth, dass in passender weise kriti- 
sche fragen behandelt werden, zumal da das dem herausgeber 
schütz gegen eigne Oberflächlichkeit gewährt. Da Meissners 
ausgäbe anders verfährt, wird man es nicht pedantisch finden, 
wenn im folgenden einzelne berichtigungen nur in kleiuigkei- 
teu versucht werden. 



Nr. 2. 44. Cicero. 95 

Auch ich halte, ohne mich an die oft aufgestellten pädago- 
gischen bedenken zu kehren, die lektüre des Cato maior sowohl 
des inhaltes als auch der form wegen für sehr fruchtbar. Keine 
schrift Cicero's — die Pompeiana ausgenommen — bietet eine 
so klar dargelegte, einfache, schon dem secundaner so leicht fass- 
liche disposition als der Cato maior, keine lässt sich behufs der 
phraseologie und der anfertigung lateinischer scripta — ich erinnere 
nur an das für die chrie musterhafte beispiel der laudatio cap. 4 — 
so praktisch verwerthen als diese schrift. Da dieselbe aber mei- 
stens in der klasse gelesen und vom lehrer erklärt wird, so kann 
man streiten, ob noten in dem umfange, wie Meissner sie giebt, 
erforderlich sind. Für die privatlektüre sind sie aber immerhin 
zu gebrauchen und verratben den praktischen schulmann , wel- 
cher weiss, dass leider unsere secundaner citate ungern nach- 
schlagen ; daher sind die belegstellen wörtlich abgedruckt, auch 
sonst eher zu viel als zu wenig gegeben. Doch hätte ich gewünscht, 
dass ausser den in der einleitung angegebenen Schriften Meiss- 
ner auch Drumann's bemerkungen über Cicero's Cato maior ge- 
legentlich benutzt hätte. P. 14 scheint mir die note über quilus 
enim nicht klar gefasst zu sein ; auch fehlt qui quidem. Eben- 
daselbst ist die bemerkung über a se ipsis (vrgl. ut de me ipso 
(e) glorier) nicht bestimmt genug, da der secundaner die ihm 
aus der Pompeiana bekannte stelle: Neque enim potest exercitum 
is continere imperator qui se ipse non continet , nach dem von 
Meissner u. a. angenommenen gegensatz nicht erklären kann. 
— P. 19 konnte an Ovid's : Est aliquid non esse satum Nereide 
etc. erinnert und ebendaselbst §. 9 vor der bei schülern so belieb- 
ten Verwechslung von omnino mit prorsus und plane gewarnt 
werden: vrgl. p. 31. 35 und 39. Dass zuweilen einzelne Wendun- 
gen übersetzt werden, ist zweckmässig, vorsieht aber nöthig: so 
ist die Übersetzung von Cato's Origines „anfange" unrichtig; etwa 
„Urgeschichte". An andern stellen, wie z. b. scribens ,,am Schreib- 
tische" (bei moriens fügt Meissner hinzu „auf seinem Sterbebette") 
hätte Naegelsbach einen guten wink gegeben. P. 54 bedurfte 
die form Laertam einer note, p. 55 musste bei : saturitas utiuS, elor]- 
fiivov, noch hinzugefügt werden „bei Cicero" ; denn sonst kommt 
das wort ja oft genug vor, was von peractio p. 75 nicht be- 
hauptet werden kann. Sollte über die etymologische figur eine 
belehrung gegeben werden , so musste sie genauer sein als 



96 45. Archaeologie." Nr. 2. 

p. 68; auch ist die figur d>s eV dm dvdlv viel zu oft ange- 
nommen. 

In folge eines ärgerlichen missverständnisses ist der zweite 
hogen zum theil nicht einer superrevision unterzogen worden ; 
daher namentlich im texte störende druckfehler sich finden, die 
in den berichtigungen zusammengestellt worden sind. Ausser- 
dem sind mir noch folgende aufgestossen : p. 13 philosophaus, 
p. 19 aderunt für adferunt, p. 50 galum / p. 21 ist Tribunat, 
p. 22 reicienda, p. 23 pro fecto, ebend. inscribitur (st. i), p. 31 
oaera (st. opera), p. 32 idem (st. idem), p. 51 ist kein und ebend. 
Eec — hnung theils undeutlich theils falsch gedruckt. P. 36 
z. 6 steht um st. cum, ebend. in der note §.31 fehlt das fra- 
gezeichen, wie p. 30 (note) hinter Isocratem das komma. Auch 
dürfte den schüler eine gewisse inconsequenz in der Orthogra- 
phie stören, wie gleich auf dem titelblatt Carl und Karl, p. 49 
und 63 (note) DU (text : Di), p. 67 Paulum (note: Paullum), vgl, 
p. 72 und die berichtigungen p. 76. Während p. 16 existiert, 
p. 41 emancipiert, p. 64 alliterierende, a. a. o. studieren und 
regieren richtig gegeben wird, sind dieselben Wörter an andern 
stellen ohne e geschrieben. Im verzeichniss der ab weichungen 
vom text der Baiterschen ausgäbe, die mit recht zu gründe 
gelegt worden ist, ist multo vor maiora st. multa zu lesen. So 
wird dem Verfasser wie den Verlegern grössere Sorgfalt in jeder 
hinsieht anzuempfehlen sein. 

45. Compte - rendu de la commission imperiale archeolo- 
gique pour l'annee 1869. St. Petersburg 1869, enthaltend: Kap- 
port sur l'activite" de la commission imperiale arche"ologique en 
1867 (p. i — xxn) , erklärung einiger im jähre 1867 im südli- 
chen Kussland gefundenen gegenstände von Ludolph Ste- 
phani (p. 3 — 125), und erklärung von zwei vasengemäldeu 
der kaiserlichen Ermitage von Ludolph Stephani (p. 127 — 
170), register (p. 171 — 177). 8° mit einem atlas fol. taf. VI. 

Jahraus jahrein lässt die kaiserlich russische regierung in 
der Krim kostpielige ausgrabungen veranstalten, denen wir eine 
fülle werthvoller griechischer kunstwerke verdanken; und jahr- 
aus jahrein wird, auf ihre Veranstaltung, ausführliche und ge- 
naue recheuschaft abgelegt über den gewinn jener ausgrabun- 
gen , in den Compte- rcndu's de la commission imperiale archio- 



Nr. 2. 45. Archaeologie. 97 

logique , die uns im lauf der zeit eine reihe eleganter und sorg- 
fältiger publicationen geliefert haben und durch ihre wissenschaft- 
liche bedeutung den Schriften des Instituts zur seite stehen. 
Wohl ein grosser theil der verantwortungsvollen mühereichen 
arbeit , welche derartige archäologische Veröffentlichungen zu 
veranlassen pflegen, fällt auf Stephani und ist ihm zu danken. 
Jedenfalls verpflichtet er sich allen in reichem maasse durch 
die umfangreichen und gelehrten erklärungen mit denen er die 
veranstalteten publicationen begleitet. Eine vollkommene beherr- 
schung der weitschichtigen archäologischen literatur und eine 
ausgebreitete kenntniss der antiken monumente und Schriftsteller, 
so zu sagen eine allgegenwart im Stoff, zeichnet bekanntlich alle 
wissenschaftlichen arbeiten aus die von ihm herrühren. Er 
selbst pflegt die waffen zu liefern, mit denen gegner ihn be- 
kämpfen ; denn bei so massenhafter production kann es selbst- 
verständlich an Widerspruch im einzelnen und ganzen nicht fehlen. 
So berühren auch die archäologischen abhandlungen dieses ban- 
des der Compte - rendu's vielfach gegenstände, über welche sehr 
abweichende ausichten gehegt werden ; und wenn sich freilich kaum 
jemand in gegensatz stellen kann gegen die methode, welche Ste- 
phani in so glänzender weise befolgt, so werden manche sich 
kritisch verhalten müssen zu gewissen anschauungen die seiner 
exegese zu grund liegen und naturgemäss auf dieselbe überall 
einen bestimmenden einfluss haben. Dies verhalten wird aber, 
auch in diesem fall, bei keinem den dank und die anerkennung 
schmälern können, worauf seine grossartige thätigkeit anspruch 
hat. Hier kann nur ein kurzes referat über den inhalt fol- 
gen, im anschluss an die wichtigsten gegenstände der publi- 
cation. 

Taf. 1, 1. 2. 3 zwei goldene Ohrgehänge mit figürlichem sym- 
metrisch sich entsprechenden schmuck: Artemis auf einem hirsch 
reitend, die fackel in der hand. Dies motiv hat eine durchmu- 
sterung sämmtlicher darstellungen veranlasst, in denen Artemis 
mit einem hirsch, einer hirschkuh oder einem reh, bald in feind- 
lichem sinn als jägerin, bald im sinn des Schutzes oder der 
herrschaft, verbunden erscheint (p. 6 — 30). — 4. Cylin- 
derförmiger und durchbohrter, aber auf der rückseite glattge- 
schliffener carneol mit eingegrabener darstellung des dreifussrau- 
Philol. Anz. III. 7 



98 45. Archaeologie. Nr. 2. 

bes. Auch hier sind alle monumente besprochen, welche diesen 
mythus vergegenwärtigen oder sonst Herakles in beziehung mit 
Apollon zeigen (p. 31 — 51). — 5. Groldplättchen zu einem auf- 
genähten kleiderschmuck gehörig , in relief Poseidon mit drei- 
zack auf einem delphin reitend. — 6 — 9. Zwei paare goldener 
Ohrgehänge, schreitende Eroten. — 10. Kleines mit löwen in 
relief und einer guirlande in email geschmücktes goldgefäss, 
welches an einer schnür getragen wurde und für eine wohlrie- 
chende flüssigkeit bestimmt war. — 11. Ein in zwei stücke 
zerbrochener carneol : Eros von Psyche an eine säule gebunden. 
12. Gescbnittner stein im besitz des admiral Soteriades in Athen, 
mit dem vortrefflich gearbeiteten portraitkopf eines bärtigen Grie- 
chen, darüber in characteren des vierten Jahrhunderts die inschrift: 
JEZAMENOZ EIIOIE. — 13. Aphrodite und Eros, schönes 
relief aus elfenbein, rest der Verzierung eines kästchens. — 15. 
Eine mit derbem humor ausgeführte thonstatuette einer schwan- 
gern frau. — 18. Kinderspielzeug, eine ungewöhnlich gut ge- 
arbeitete gliederpuppe. 

Taf. IC: relieffiguren aus gyps und terrakotta , 1867 am 
Mitkridatesberg gefunden , den tod der Niobiden darstellend, 
rest der Verzierung eines, oder nach Stephani vielleicht mehrerer 
holzsarkophage. Sie scheinen aus denselben formen gepresst 
zu sein wie eine serie ähnlicher terrakotten, die im jähr 1862 
in der Krim gefunden sind. Aus dieser mechanischen art der 
herstellung, die viel älter ist und verbreiteter war als man ge- 
wöhnlich annimmt, erklärt sich das vorkommen identischer figu- 
ren, möglicher weise an einem und demselben mouument. — 
Taf. III giebt verschiedene meist dem genre angehörige terrakot- 
tastatuetten. — Taf. IV, 1 bild einer hydria mit rothen fi- 
guren, ein locker componirtes phantasiestück der spätem zeit, 
in dem es schwer fällt einen bestimmten gedauken herauszufin- 
den : „eine aus Jünglingen und mädchen bestehende gesellschaft 
von erotisch - bakchischem Charakter''. Ein griechisch- und ein 
phrygisch gekleideter ephebe, beide zu pferd, bewundern zwei 
mädchen welche zu fuss ihnen voraufeilen und , wie es scheint 
mit erwidertem iuteresse, zu ihnen zurückschauen. Ein durch 
die luft flatternder Eros bestätigt diese auffassung. Das zweite 
mädchen balancirt auf der band einen schild, der mit einer 
schlänge als infoij/xu und am rand mit einer Wellenlinie, ähnlich 



Nr. 2. Theses. — 46—49. Neue auflagen. 99 

wie der Okeanos des achilleischen Schildes, verziert ist (nach 
Stephani ein tympanon). — 3. Vasenbild: ein Pygmäe kämpft 
mit einer keule gegen zwei kraniche. — 5. Vier anmuthige 
bilder von kleinen mit gold verzierten thongefässen. — Taf. 
V, 1 : drei roth figurige vasenbilder , einen komos darstellend, 
im anschluss daran excurse über flöten- und leierspielerinnen 
(p. 39 — 97) , über viereckige kopfbildungen (p. 98 — 108), über 
die MuxQoxirpuloi, MaxQOxagavot oder Mdxgwvtg (p. 108 — 113): 
p. 113 — 125 erklärung neugefundener inschriften, darunter zwei 
bleiplatten mit den gewöhnlichen Verwünschungen (p. 122). — 
Tafel VI bringt gemälde eines campauischen kraters in der kaiser- 
lichen Ermitage, ein opfer darstellend; abhandlung über vasen- 
gemälde mit opferdarstellungen (p. 131 — 168). Einige vasen- 
bilder der kaiserlichen Ermitage sind auch, in holzschnitt, zu 
Vignetten verwandt; auf p. 79 eine reizende mit besonderer an- 
muth ausgeführte composition: eine leierspielerin und eine flö- 
tenbläserin, zwischen beiden flattert Eros(?). 

THESES , quas ... in univers. Fridericia Guilelmia Ehe- 
nana . . d. XXII m. Dec. a. MDCCCLXX . . defendet Her- 
rn annus Di eis: I. Ciceronis dialogus Hortensius uno libro 
constitit ; H. Cicer. Legg. H, 8 , 20 scribendum est : „quoque 
et privatim et publice eodem ritu quoque fiant cett. ; IV. 
Quint. Smyrn. XI, 66 sie emendandus est: aAl' ov Gyiv rote 
TvTjfiu &uXuaat' int'igxefci' egyu: V. Sorani medici über nsgl hv- 
fxokoyiwv xou Oojfxaiog wv uv&gwnov , cuius non pauca exstant 
in Orionis etymologici mediis capitibus, paene integer ex Meletii 
monachi libro mgl Ti\g tov uv&qwtiov xaruGxev^g restitui pot- 
est ; VI. Plutarcheorum librorum indicis, cuius falsum Lampriae 
nomen apud solum Suidam adparet, archetypus est codex Burbo- 
nicus, ex quo Veneti pars IV descripta est. Ipsius autem in- 
dicis origo e bibliothecae alieuius Byzantinae catalogo repetenda 
esse videtur; VII. Manil. IV, 690 scripsit : Thessalia Epirosque 
potens vicinaque Rhaetis (cod. ripis) Illyris cett.; VIII. Hippo- 
lyti refutationis omnium haeresium 1. I maiori ex parte e So- 
tionis dnidoxäv compendio compilatus est; IX. Aesch. Agam. 
V3. 958 — 74 sunt histrionis emblema; X. Stobaei Ecl. poeticae 
e florilegio quodam petitae sunt, cuius vestigia iam a. CLXXXI 
p. Chr. adparent; XI. Photius integro Stobaei usus est exemplo; 
XH. in Maximi Ioannisque Damasceni profanis sententiis quae- 
eunque melioris sunt notae, ex Stobaeo exscripta sunt. 

NEUE AUFLAGEN: 46. Homer's werke, von J. H. Voss. 

7* 



100 50 — 60. Neue Schulbücher. — N. phil. erscheinungen. Nr. 2. 

gr. 16. in engl, einband. Leipzig. Reclara; 15 gr. — 47. G. 
F. Puchta, Institutionen. 1. bd. 7. aufl. besorgt von A. F. 
Rudorff. 8. Leipzig. Brill u. Härtel; 3 thlr. 15 gr. — 48. 
Forcellini totius latinitatis lexicon adiecta insuper altera 
quasi parte onomastico totius latinitatis cura et studio V. d e 
Vit. 4mai. Distr. 30. 39. Prat. (Brockhaus); 25 gr. : die neue 
italienische aufläge. — 49. J. Facciolati, Aeg. Forcellini et 
J. Furlanetti totius latinitatis lexicon curante F. Corradini. Tom. 
II fasc. XII. 4mai.: in comm. bei H. F. M. Münster in Triest; 
25 gr. 

NEUE SCHULBUECHER: 50. 51. Freund' s Schülerbi- 
bliothek. 1. abtb. Präparationen zu den griecb. und röm. schul- 
klassikern. Präparation zu Homer's Odysee. 2. heft. 4. aufl. : 
9. heft. 3. aufl. 16. Lpzg. Violet; & 5 gr. — 52. Freund's 
Schülerbibliothek u. s. w. präparationen zu Tacitus werken. 1. 
heft. 16. Lpzg. Violet; 5 gr. — 53. A. Fr. Gottschick, 
schulgrammatik der griechischen spräche. 4. aufl. 8. Berlin. 
Gärtner; 1 thlr. — 54. A. Fr. Gottschick, griechisches 
lesebuch für untere und mittlere gymnasialklassen. 6. aufl. 8. 
Berlin. Gärtner. 1870; 20 gr. — 55. A. Fr. Gott seh ick, 
beispielsammlung zum übersetzen aus dem deutschen in das 
griechische. Erstes heft für quarta und tertia. 3. aufl. 8. 
Berlin. Gärtner; 10 gr. — 56. K. L. F. Mezger und K. 
A. Schmid, griechische Chrestomathie für die mittleren abthei- 
lungen der gymnasien. 3. aufl. gr. 8. Stuttg. Metzler; 15 
ngr. — 57. Wörterbuch zu K. L. Mezger's und K. A. Schmid 
griechischer Chrestomathie. 3. aufl. gr. 8. Stuttg. ; 15 gr. — 
58. K. A. Schmid, Vorübungen zur einleitung in die grie- 
chische syntax. 3. aufl. 8. Stuttg. Metzler ; 5 gr. — 59. 
E. Dorsch el, die demente der lateinischen formenlehre. 8. 
Jena. Frommann; 12 ngr. — 60. G. W. Gossrau, lateini- 
sche elementargrammatik. 8. Quedlinb. Basse ; 20 gr. 

NEUE PHILOLOGISCHE ERSCHEINUNGEN: in dieser 
rubrik beabsichtigen wir die neuesten erscheinungen auf dem 
gebiete der alterthumswissenschaft nebst ihren hülfswissenschaf- 
ten kurz zu verzeichnen : ausschliessen werden wir jedoch sol- 
che bücher und Schriften, die in der nächsten zeit im Philologi- 
schen Anzeiger genauer besprochen werden: so hoffen wir zu 
erreichen, dass alles , was im lauf des jahres philologisch wich- 
tiges erscheint, im Anzeiger wenigstens zur künde des philolo- 
gischen publicums gebracht werde. 

61. Sitzungsberichte der kaiserlichen academie der Wissen- 
schaften. Philologisch - historische classe. 65. bd. 2. u. 3. heft. 
8. Wien. Gerold ; 1 thlr. 20 gr. — 62. Euripides ausgewählte 
tragödien. Für den schulgebrauch erklärt von G. Kinkel. 



Nr. 2. 61—75. Bibliographie. — Cataloge. 101 

1. bcichen. Phönissen. 1. bdeben. 8. Berlin. Ebeling u. PI.; 
12 ngr. — 63. Cornelius Nepos, erklärt von H. Ebeling. 
gr. 8. Berlin. Ebel. u. Plahn; 12 ngr. — 64. Ad. Niko- 
lai, über Xenophons Hiero. 4. Dessau; 12 gr. — 65. Am- 
miani Marcellini rerum gestarum libri qui supersunt. Fr. Eys- 
senhardt recensuit. 8. Berlin. Vahlen ; 3 thlr. 20gr. — 66. M. 
Tulli Ciceronis de legibus libri. Ex recognitione Joh. Vah- 
leni. 8. Berlin. Vahlen; 1 thlr. — 67. J. S teup, de Pro- 
bis grammaticis. 8. Jena. Fromman ; 1 thlr. 10 gr. — 68. 
W. Wiegand, Eudoxia, gemahlin des oströmischen kaisers 
Theodosius IL Ein eulturhistor. bild zur Vermittlung des hu- 
manismus und des christenthums. 8. Worms. Kräuter ; 10 gr. — 

69. P. Willems, les antiquites Romaines envisagdes au point 
de vue des institutions politiques. 8. Bonn. Marcus; 2 thlr. — 

70. H. Fitting, das castrense peculium in seiner geschichtlichen 
entwickelung und heutigen gemeinrechtlichen geltung. 8. Halle. 
Waisenh.; 4 thlr. — 71. Johann Reuchlin sein leben und 
seine werke von dr Ludwig Geiger. 8. Leipz. Duncker 
und Humblot; 2 thlr. 12 ,ngr. — 72. J. H. PI a th , Confu- 
cius und seiner schüler leben und lehren. II. Leben des Con- 
fucius. 1. abth. Nach chinesischen quellen (aus den abhandl. 
der bayer. acad. d. wiss.). 4. München. Franz ; 1 thlr. — 
73. Ed. Baldamus, die literarischen erscheinungen des deutsch- 
französischen kriegs 1870. 8. Reudnitz. Baldamus; bis jetzt 
2 abtheilungen ä 10 gr. 

BIBLIOGRAPHIE. Es ist erschienen das erste heft der 
Zeitschrift : 

74. ,, Allgemeine bibliographie für Deutschland", wöchent- 
liches verzeichniss aller neuen erscheinungen im felde der lite- 
ratur. 

75. Bibliographie der Schweiz, red,: v. Rudolphi. 1. 
jahrg. 1871 (12 nrn.) nr. 1 pro compl. 12 ngr.: verlegt vom 
schweizerischen antiquariat in Zürich: vrgl. ob. p. 52. 

Cataloge von buchhändlern : verzeichniss ausgewählter werke 
aus dem verlage von F. A. Brockhaus in Leipzig. 1870 — 71; 
bericht über die Verlagsunternehmungen von B. G. Teubner 
in Leipzig i. j. 1870; dazu auch: Bibliotheca philologica Teub- 
neriana , verzeichniss des verlags von B. G. Teubner in 
Leipzig auf dem gebiete der philologie und alterthumswissen- 
schaft. Im anhang : pädagogik und deutsche Schulbücher 1870. 

Cataloge von antiquaren : antiquarischer anzeiger von Theo- 
dor Ackermann, München, nr. XLII; Joseph Baer's in 
Frankfurt a. M. antiquarischer anzeiger, nr. 188; bericht über 
die erwerbungen des lagers von Calvary & Cie in Berlin, 
1870, nr. 7; 1871, nr. 13, antiquarischer anzeiger von C. F. 



102 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

Gonradi: buchhandlung in Berlin (für biographien und me- 
moiren besonders) ; 140. verzeichniss des antiquarischen la- 
gers, von H. Härtung in Leipzig; nr. 219. K. F. Köhler's 
in Leipzig antiquarische anzeige - hefte (für kunstgeschichte, 
culturgeschichte besonders); nr. 332. Biblioiheca iudaica. Ca- 
talog des antiquarischen bücherlagers von H. W. Schmidt 
in Halle a. S.; Catalog n. XXXIV des Schweiz, antiquariats in 
Zürich; catalog nr. 462 von E. Weingart in Erfurt; ver- 
zeichniss XXXIII von Alfred Würzner in Leipzig. 

Livres anciens et modernes. En vente aux prix marquös 
chez Martinus Nijhofb, ä la Haye. 

Ermanno Löscher, librario - editore. Torino - Roma- 
Firenze. Catalogo bimestrale della libreria Italiana. 1870, nr. 
6, Nov. et Decembre : enthält abgesehen von Schulbüchern we- 
nig philologisches. 

KLEINE PHILOLOGISCHE ZEITUNG. In den Nachrich- 
ten von d. hönigl. gesellsch. d. wiss. su Göttingen, nr. 26 wird p. 544 
folgende preisaufgabe für den november 1871 gestellt: qui lite- 
ras antiquas tractant , res Graecorum et Romanorum duobus 
disciplinarum singularum ordinibus seorsum explicare solent. 
Quae separatio quamquam necessaria est, tarnen quanta eadem 
incommoda habeat, facile est ad intelligendum; quae enim com- 
munia sint in utriusque cultura populi, quominus perspiciamus, 
impedit, quae ab altero instituta sunt , cum quibus alterius vel 
inventis vel institutis necessaria quadam et perpetua causarum 
efficientia cohaereant, ne intelligamus, graviter obstat, denique 
quae in historia rerum coniuncta sunt, sejungit. Quare omnia 
ea, quibus res utriusque populi inter se cohaerent, accurate in- 
quiri haud levis videtur momenti esse. Quod cum Graeciae et 
Italiae incolas primitus inter se cognatos fuisse linguarum hi- 
storiae scrutatores luculenter docuerint atque ex altera parte, 
quomodo cultura Graecorum et Romanorum initio Scipionum 
temporibus facto Caesar um aetate prorsus denique in unum 
coaluerit, accuratissime homines docti explicaverint, Societas re- 
gia literarum et gratum et fructuosum futurum esse existimat, 
quaenam vestigia rerum graecarum prioribus populi romani ae- 
tatibus appareant, studiose indagari et, quibus potissimum tem- 
poribus inde a regum aetate singula huius efficientiae genera 
ostendantur, a quibus ea regionibus et urbibus, (Cumis, Sicilia, 
Massalia, Athenis, Corintho) profecta sint, denique quae ita 
praesertim in sermone, artibus, literis , institutis publicis confor- 
mandis effecta sint, quantum quidem fieri potest , explicari. 
Quae quaestiones quamquam uno impetu absolvi non poterunt, 
tarnen ad historiam veteris culturae rectius et plenius intelli- 
gendam multum videntur conferre posse, Societas igitur regia 
postulat, ut explicetur : 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 103 

quam vim res graecae in sermone, artibus, literis, institutis 
publicis Romanorum conformandis atque excolendis ante 
macedonicorum tempora bellorum habuerint. 
Unter der presse befindet sich: ^EntyQVKpul ^A.xxi*r\c, innvfx- 
ßtoi. Die grabinschriften Attikas gesammelt und herausgege- 
ben von St. A. Kumanudes. gr. 8. ungefähr 40 bogen. 
Athen. Karl Wilberg. Preis ungefähr 4 thlr.: wir machen auf 
dies werk nicht bloss seines wichtigen Stoffes wegen aufmerk- 
sam, sondern auch weil es die arbeit fast eines lebens enthält. 
In Graz hat der academische lese - verein einen dritten 
Jahresbericht über seine leistungen im j. 1870 im december 
1870 veröffentlicht: wir machen auf den bericht aufmerksam 
und bemerken, dass allseitige Unterstützung er zu verdienen scheint. 
Da der geist, für dessen nahrung zu sorgen unsre aufgäbe 
ist, doch bekanntlich ohne den körper nicht bestehen kann, so 
erwähnen wir, dass eine probeuummer ausgegeben ist von einer : 
„Tisch-zeitung und Speisekarte", Berlin, Emil Kerger neue 
Friedrichsstrasse nr. 44, Vierteljahr 2^2 sgr., einzelne nummern 
1 gr., und verbinden damit: „Weinkarte von Europa, für 
weinbauschulen, landwirtschaftliche institute, ackerbauschulen wie 
für weinhändler , weinliebhabe r, hötelbesitzer und restaura- 
teure. Entworfen und gezeichnet von dr Wilhelm Hamm. 
Jena. Costenoble; 1 thlr. 10 gr. 

Als interessante neuigkeiten mögen hier erwähnt sein H. 
v. Patruban, erinerung an Oberammergau v. j. 1870. 8. 
Wien. Kirsch. 1 8 gr. : es wird von Seiten der gelehrten dieses 
überbleibsei aus der alten zeit zu wenig beachtet ; ferner C. 
Schepers, bilder und eindrücke aus einer achtwöchentlichen 
dienstzeit als freiwilliger feldprediger im sommer 1870. 8. Bonn. 
Marcus; 10 gr. ; endlich K. Pietscher, Zugführer bei der 
mobilen johannitercolonne im hauptquartier der III. armee, auf 
dem siegeszuge von Berlin nach Paris. Nebst einem anhange: 
das rothe kreuz und die „Schlachtenbummler". 8. Göthen. 
Schattier. 1870; 15 gr. 

Hierauf wenden wir uns zur fortsetzung des Verzeichnisses 
der Philologen, welche an dem deutsch -französischen kriege 
theil nahmen: 

I. Es sind gefallen : 

150. Dr ph. Bernhard Passow, enkel von Franz Passow, 
geboren zu Meiningen 1833, lehrer am Sophien - gymnasium in 
Berlin , der , obwohl bei Trautenau 1866 schwer am knie ver- 
wundet und dadurch von der theilnahme an dem gegenwärtigen 
kriege dispensirt, doch wieder als vice-feldwebel in das 38. infan- 
teriergmt eintrat: er ward bei Speichern abermals am fuss verwun- 
det, für die dort bewiesene tapferkeit zum lieutenant befördert 
und mit dem eisernen kreuze geschmückt, nahm kaum wie- 



104 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

der hergestellt theil an der belagerung von Metz, kämpfte ta- 
pfer bei Beaune la Rolande, und fiel durch einen schuss in die 
brüst bei dem stürm auf ein hartnäckig vertheidigtes gehöft bei 
Parigue l'Ev§que am 10. Januar: das ganze offiziercorps gab 
dem allgemein hochgehaltenen das geleit zu seiner letzten ru- 
hestätte. 

151. Carl Albert Sendel, aus Eisleben, geb. 1846, studirte 
philologie in Halle und war seit michael. 1868 an der haupt- 
schule daselbst provisorisch angestellt, trat michael. 1869 als 
freiwilliger bei dem 86. infant.-rgmt ein und fiel als Unteroffi- 
zier in der Schlacht bei Beaumont. 

152. Gustav Ferdinand Römer, aus Eieda bei Halle a/d. S., 
geb. 1844, trat 1866 noch schüler in das 36. infant.-rgmt ein, 
studierte dann philologie in Halle, begann ostern 1870 an der 
realschule daselbst zu unterrichten, trat aber als vice - feldwebel 
wieder ein und ist den bei Mars-la-Tour erhaltenen wunden 
erlegen. 

153. Ludwig Ilaschwitz, aus Krippehna, stud. seit 1867 in 
Halle, starb 24 jähr alt als Unteroffizier im Brandenburg, infant. 
rgmt nr. 35 in folge der bei VionVille erhaltenen wunden. 

154. Alwin Rudolf Gehring, geboren zu Scheiba im fürsten- 
thum Schwarzburg Budolstadt am 3. mai 1849, besuchte seit 
ostern "1861 das gymnasium zu Rudolstadt, bezog zu ostern 
1869 nach wohl bestandenem maturitäts - examen die Universität 
Leipzig, um daselbst philologie zu studiren, und zugleich als 
einjährig - freiwilliger seiner militairpfiicht daselbst zu genügen. 
Nachdem er im febr. 1870 sein offizier - examen rühmlich be- 
standen und am 1. apr. des aktiven militairdienstes entlassen war, 
trat er voll freudiger begeisterung am 25. juli 1870 als vice- 
feldwebel bei dem 107. sächsischen infant.-rgmt ein, wurde am 
18. aug. bei dem blutigen stürme auf St. Privat in dem rechten 
oberarm schwer verwundet, und starb im glauben an seinen er- 
löser am 17. sept. an den folgen dieser wunde in Leipzig. Er 
war im felde zum sec. lieutenant avancirt und mit der silber- 
nen medaille zum Heinrichs-orden und dem eiser- 
nen kreuze 2. classe decorirt. 

155. Johann Busemann, aus Aurich, geb. 24. septemb. 1847, 
stud. seit ostern 1869 in Göttingen philologie, trat in das 56. 
infant.-rgmt, ward am 16. aug. in der schlacht bei Mars la Tour 
schwer verwundet und starb am 29. septemb. zu Köln im bür- 
gerhospital. Dem vernehmen nach war ihm das eiserne 
kreuz zugedacht. 

28. Friedrich Klink, gefreiter im zweiten hessischen infant.- 
rgmt, fiel von zwei kugeln in den köpf und die brüst getroffen 
am 31. decemb im gefecht bei Briare. Er war ein sehr be- 
gabter und fleissiger studeut, der zu den schönsten hoffnungen 
berechtigte. 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 105 

66. A. Rasper, ward tapfer kämpfend bei Beaune la Rolande 
am 28. novemb. schwer verwundet und ist in folge der Ver- 
wundung am 9. decemb. im lazareth zu Boynes gestorben. 

156. H. Planck, aus Kiel, stud. seit ostern 1869 zu Greifs- 
wald, ausserordentliches mitglied des Seminars daselbst, fiel als 
Unteroffizier im Corps v. d. Tann's stehend in den kämpfen 
vor Orleans. 

157. Gustav Müller, aus Biberach, stud. seit ostern 1868 in 
Tübingen; stand im 1. wtirtemb. infant.-rgmt und fiel am 30. 
novemb. vor Paris. 

158. Karl Hubert, aus Stuttgart, stud. seit ostern 1868, 
stand im 1. würtemb. infant.-rgmt und fiel am 2. decemb. vor 
Paris. 

II. Im felde stehen : 
1. Philologen in amt und würde: 

Gymnasiallehrer aus der provinz Sachsen. 

159. Dr Richard Kraft-, aus Lossa bei Wiehe, geb. 1840, 
studierte in Berlin, war am gymnasium zu Seehausen i. A. 
osteru 1866 angestellt; machte den feldzug in Böhmen 1866 mit, 
wurde jetzt zum 26 landwehrregiment einberufen, nahm als Un- 
teroffizier an der belagerung von Strassburg theil , bis er als 
designirter rector des progymnasiums zu Donndorf reclamirt 
und gegen ende des September 1870 entlassen wurde. Er hat 
sein neues amt im october v. j. angetreten. 

160. Dr G. E. Haerter, geb. zu Annaburg 1835, studierte 
von mich. 1852 — 56 in Halle , war zuerst hülfslehrer in Tor- 
gau, dann am gymnasium zu Stendal seit februar 1857 an- 
gestellt, ward 1865 daselbst erster ordentlicher gymnasiallehrer 
und im Spätherbst zum ersatz eingezogen: er steht im 3. com- 
binirten pommerschen landwehrrgmt. nr. 26. 

161. Nathanael Ferdinand Wohlthat, geb. 1838 zu Wernige- 
rode, vierter Oberlehrer am gymnasium zu Burg, ging als vi- 
cefeldwebel bei dem 26. landwehrregiment ins feld und avan- 
cirte im november zum lieutenant ; früher zur belagerungsarmee 
von Strassburg gehörig, steht er jetzt vor Beifort. 

162. Franz Colmar Schaumaun, aus Magdeburg, geb. 1844, 
fünfter ordentlicher lehrer am gymnasium zu Burg, ging als 
gefreiter im 26. infanterie-rgmt ins feld, erkrankte in Lothrin- 
gen, kam ins lazareth, dann zum ersatzbataillon in Magdeburg, 
bis er im nov. 1870 entlassen wurde. 

163. Curt Zietschmann , Dr phil. und hülfslehrer am gym- 
nasium zu Burg, geb. 1847 in Zeitz, ist einjähriger freiwilliger 
im 86. regiment, und steht wahrscheinlich vor Paris. 

164. Dr phil. Friedrich Härtung, aus Schleusingen, söhn des 
dortigen früheren gymnasialdirector J. A. Härtung, geb. 1844, 



106 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

seit ostern 1870 sechster ordentlicher lehrer am dom-gymna- 
sium in Magdeburg; er hat schon den feldzug 1866 mitgemacht, 
trat bei dem beginne des krieges als Unteroffizier bei dem 64. 
rgmt ein , ist seitdem zum lieutenant ernannt , aber immer in 
Magdeburg zum garnison- und ersatzdienst im ersatzbataillon 
des 66. rgmts verwendet worden. 

165. Dr phil. Eberhard Schmidt, geb. 1840 dritter ordent- 
licher lehrer am kloster U. L. Frauen zu Magdeburg. Ist zum 
küstenschutz einberufen und steht als Unteroffizier in Kiel. 

166. Dr phil. K. Noeldechen, aus Cronau bei Magdeburg, 
seit ostern 1866 ordentlicher gymnasiallehrer in Quedlinburg, 
ist gefreiter in der hessischen festungs - artillerie -abtheilung nr. 
11 im 7. armeecorps und hat die belagerungen mehrerer fe- 
stungen mitgemacht. 

167. Dr phil. Richard Lehmann, aus Neuzelle, geb. 1845, (Ver- 
fasser der forschungen zur geschichte des abtes Hugo von Clugny), 
seit ostern 1870 hülfslehrer an der lateinischen hauptschule zu 
Halle, erhielt im feldzuge von 1866 das militair - ehrenzeichen 
und das erinnerungskreuz ; ging als lieutenant im leib-grena- 
dier-rgmt 1. brand. nr. 8 ins feld , machte die kämpfe bei 
Metz mit, wo er für die in der schlacht bei Vionville bewiesene 
tapferkeit das militair verdienstkreuz, und für den kämpf 
vom 7. october das eiserne kreuz erhielt. Damals verwun- 
det, befindet er sich in Halle. 

168. Dr ph. Hermann Wilhelm Krayatscheek, aus Nahhausen 
bei Königsberg an d. N., studierte philologie und geschichte in 
Halle; seit ostern 1870 provisorisch an der lateinischen haupt- 
schule zu Halle beschäftigt, steht er als vicefeldwebel bei dem 
ersatzbataillon des 27. rgmts in Magdeburg. 

169. Dr phil. Ubhelohde, aus Hannover, geb. 1844, stu- 
dierte in Göttingen philologie und wurde ostern 1868 am gym- 
nasium zu Eisleben als fünfter gymnasiallehrer angestellt. Im 
früheren königreich Hannover militairfrei , suchte er bei dem 
ausbruch des krieges Urlaub nach , um freiwillig zur fahne zu 
gehen, erhielt denselben , und machte den feldzug im füselier- 
rgmt nr. 86 mit. Er steht zur zeit vor Paris. 

170. Dr phil. Rudolph Bouterweck, aus Elberfeld (söhn des 
dort verstorbenen director Bouterweck), geb. 1840, dritter Ober- 
lehrer am dorn - gymnasium zu Merseburg, war einige wochen 
als landwehrmann in Torgau, wurde aber als unabkömmlich 
reclamirt und entlassen. 

171. Richard Gropius, geb. in Schweiduitz d. 8. mai 1843, 
söhn des kgl. Oberstaatsanwalts in Naumburg a/S, besuchte das 
Marien-Magdalenen gymnasium inBreslau und das domgymnasium 
in Naumburg, stud. seit mich. 1862 auf den Universitäten Tü- 
bingen, Heidelberg und Berlin philologie, trat in Berlin mich. 
1863 als freiwilliger in das garde - füsilier - rgmt , und ging im 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 107 

october 1864 zur kriegsreserve nach Bonn, und mich. 1865 
nach Halle; er machte als Unteroffizier den feldzug von 1866 
bei der Mainarmee im 32. infanterie - rgmt mit und erhielt für 
auszeichnung im gefecht beiHelmstedt das militair - ehrenzei- 
chen 2. klasse, und ward im sept. 1866 zum seconde-lieutenant 
bei der landwehr ernannt. Nachdem er darauf ein jähr lang 
an einer lehranstalt in Weissenfeis unterrichtet hatte , bestand 
er im oct. 1869 in Halle das examen pro facultate docendi, fun- 
girte als hülfslehrer am domgymnasium in Naumburg, bis er 
1870 als lieutenant zum 72. infanterie - rgmt. einberufen wurde. 
Im kriege gegen Frankreich hat er am 16. aug. die schlacht 
bei Mars la Tour und am 18. ejusd. die schlacht bei Metz mit- 
gemacht, ist bei Mars la Tour leicht verwundet worden, aber beim 
truppentheil geblieben und hat für die in der schlacht bewiesene 
tapferkeit das eiserne kreuz erhalten. Demnächst hat er 
an der cernirung und belagerung von Thionville theil genommen. 

2. Auf der Universität studirende philologen: 

Greifswald. 

1. Mitglieder des philologischen seminars : 

172. Emil Lübeck, aus Gonstadt, stud. seit mich. 1869, ord. 
mitglied, doctorand; freiwilliger im mecklenburgischen jägerba- 
taillon nr. 14. 

173. Leopold Reinhardt , aus Greifs wal d , stud. seit mich. 
1867, ord. mitglied; freiwilliger im pommerschen Jägerbataillon 
nr. 2. 

174. Gustav Hart, aus Pölitz, stud. seit ostern 1870, ord. 
mitglied; freiwilliger im. 2ten grenadier (königs-)rgmt ; erkrankt; 
liegt im lazareth in Tonnerre. 

175. Max Sauder, aus Jarmen, stud. seit mich. 1867, ord. 
mitglied; Unteroffizier im 2ten grenadier (königs-)rgmt ; leicht 
verwundet bei Gravelotte, jetzt wieder ia Frankreich beim re- 
giment. 

176. Reinhold Finke, aus Sorau , stud. seit mich. 1868, 
ord. mitglied; freiwilliger (im 3ten armeecorps? ). 

177. Ferdinand Becker, aus Gramzow in Pommern, stud. seit 
mich. 1868, ord. mitglied; freiwilliger im pommerschen, jäger- 
bataillon nr. 2. 

178. Carl Brinkmann, aus Wolgast , stud. seit mich. 1867, 
ausserord. mitglied ; freiwilliger im pommerschen Jägerbataillon 
nr. 2. 

179. Franz Eggert, aus Mecklenburg, ausserod. mitgl. ; steht 
in der mecklenburgschen armeeabtheilung. 

180. A. Jaesclie, aus Medzibor in Schlesien, stud. seit ostern 



108 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

1870; ausserord. mitglied; freiwilliger im mecklenburgischen 
Jägerbataillon nr. 14. 

181. I. W. Wittenbagen, aus Anklam, stud. seit oster n 1870, 
ausserord. mitglied ; freiwilliger im pommerschen Jäger bataillon 
nr. 2. 

182. C. F. H. Scbneidewiu, aus Göttingen, stud. seit ostern 
1870, ausserord. mitglied; steht im 2ten grenadier - (königs-) 
rgmt nr. 2, avancirte im felde zum Unteroffizier. 

183. Paul Schlichtiug, aus Isinger in Pommern , stud. seit 
mich. 1869, ausserord. mitglied; freiwilliger im pommerschen 
Jägerbataillon nr. 2. 

184. C. Priebe, aus Grünewald in Pommern, stud. seit mich. 
1868 ; ausserord. mitglied; steht im garnison-bataillon in Stettin. 

2. Studirende der philologie die nicht im seminar sind: 

185. F. Vogt, aus Greifswald, stud. seit mich. 1869 ; frei- 
williger im pommerschen Jägerbataillon nr. 2. 

186. C. G. Herfarth , aus Gerzlow in Brandenburg, stud. 
phil. und theol., seit ostern 1868 ; freiwilliger im mecklenbur- 
gischen jägerbataillon nr. 14. 

187. Max Heinemann, aus Steinhagen in Pommern, stud. phi- 
lologie und geschichte seit mich. 1867 ; freiwilliger im pommer- 
schen infanterie - rgmt nr. 42. 

3. Aus dem greifswalder seminar hervorgegangene oder doch 
auf der greifswalder Universität gebildete doctoren der philolo- 
gie, geprüfte schulamtscandidaten ohne feste anstellung, und 
mit den Vorbereitungen zum Staatsexamen beschäftigte candida- 
ten der philologie: 

188. Dr phil. Hugo Rühl, aus Anklam, stud. seit mich. 1864, 
schulamtscandidat ; freiwilliger im pommerschen jägerbataillon 
nr. 2 ; in folge der strapatzen bei der cernierung von Metz er- 
krankt, jetzt wieder bei seinem truppentheile. 

189. Dr phil. August Guttmaun , aus Görkau in Schlesien, 
stud. seit ostern 1867, schulamtscandidat; steht bei dem schle- 
sischen armeecorps. 

190. Fritz Schlicp, aus Anklam, stud. seit ostern 1862, cand. 
phil.; lieutenant im pommerschen grenadier-(köuigs-)rgmt nr. 2. 

191. Hugo Beutncr, aus Anklam, stud. seit ostern 1864, 
interimistisch angestellt als lehror der höheren bürgerschule in 
Sonderburg, cand. phil., Unteroffizier im schlesw. inf. rgmt nr. 
84, schwer verwundet bei Gravelotte am 18. august. 

192. Dr phil. 1\ II. G. Weylainl, aus Buslar in Pommern; 
freiwilliger im pommerschen jägerbataillon nr. 2. 

193. Küster, aus Greifswald, stud. seit ostern 1865, cand. 
phil., Unteroffizier im pommerschen grenadier -rgmt nr. 2. 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 109 

194. Richard Hülsen, aus Anklam, stud. seit mich. 1864, 
cand. phil.; lieutenant im pommerschen grenadier-rgmt nr. 2. 

195. Femow, aus Inowcraclaw, stud. seit ostern 1866, cand. 
phil. ; truppentheil unbekannt. 

196. Schuhardt , stud. seit ostern 1866, schulamtscandidat; 
lieutenant in der armee (truppentheil unbekannt). 

197. Giese, aus Stettin, stud. seit ostern 1867, cand. phil.; 
vicefeldwebel im schleswigschen inf. rgmt nr. 86. 

198. Krause, aus Greifswald, stud. seit mich. 1866, cand. 
phil.; freiwilliger im mecklenburgischen Jägerbataillon nr. 14. 

199. Reich, aus Levenhagen in Pommern, stud. seit mich. 
1864, cand. phil., provisorisch in der provinz Sachsen ange- 
stellt; lieutenant in der armee (truppentheil unbekannt). 

200. Hohlmann, aus Stralsund, stud. seit mich. 1866, cand. 
phil. ; Unteroffizier im pommerschen inf. rgmt nr. 42. 

201. Paul Francke, aus Ballenstaedt, stud. seit ostern 1864, 
cand. phil. ; freiwilliger im pommerschen Jägerbataillon nr. 2 ; 
leicht verwundet bei Champigny 2. dezbr. , erhielt das eiserne 
kreuz zweiter classe. 

202. Haas, aus Erm er sieben, stud. seit ostern 1868, schul- 
amtscandidat ; freiwilliger im pommer. Jägerbataillon nr. 2 ; er- 
krankt am typhus vor Paris. 

Chronik des deutsch - französischen hriegs. Da man diese zu- 
stände im juli 1870 in Berlin nicht kennen konnte, erschienen bei 
ruhiger prüfung die deutschen grenzen schwer bedroht: wäh- 
rend Preussens bataillone über die ganze monarchie zerstreut 
und unvollzählig an Elbe, Oder, Weichsel u. s. w. standen, wie 
sollte erfolgreich dem gewaltigen anfall begegnet werden ? Man 
konnte mit den am Rhein stehenden, immobilen truppentheilen 
den angriff der Franzosen aufhalten, auch vorgehen, ja im glück- 
lichsten falle den feind in kleinern treffen sogar schlagen , dies 
alles aber, nur um — da bei ernstem angriffe jene truppen 
nicht ausreichten — günstige Stimmung hervorzurufen : aber da 
ernsten deutschen männern solches thun für ein frevles spiel 
mit theurem deutschen blute gelten musste, verfuhr der preu- 
ssische generalstab und seine leiter anders. Nämlich im gera- 
den gegensatz mit Napoleon und den Franzosen gingen sie da- 
von aus, dass der beginnende krieg zu einem der gewaltigsten, 
die je geführt seien, sich gestalten werde; sie thaten das um so 
freudiger , da sie sich hierin in völliger Übereinstimmung mit 
ihrem königlichen kriegsherrn wussten: denn der könig hatte 
am 19. juli, nach Überreichung einer von Berlin's communalbe- 
hörden beschlossenen adresse an die mitglieder des magistrats 
und die Stadtverordneten folgende anspräche gerichtet: 

»Es ist Mir , meine herren , ausserordentlich wohlthuend , sie in 
diesem ernsten augenblick hier versammelt zu sehen. Die adresse, 
welche sie im namen Meiner residenzstadt Mir überreicht haben, 



110 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

giebt den grossen empfindungen, die uns bewegen in ergreifender 
"weise ausdruck. Sie hat Mich durch ihre Wahrheit tief gerührt. Sie 
haben recht: Ich habe diesen krieg nicht zu verantworten. Gott 
weiss es, Ich trage keine schuld. Eine herausforderung war an Mich 
gerichtet, Ich musste sie zurückweisen. Die antwort zündete. 

Der empfang der Mir überall in den städten und landen , durch 
die Ich gekommen, bereitet wurde, die Zustimmung, die Ich von al- 
len seiten aus Deutschland, selbst von Deutschen jenseits des meeres, 
empfangen habe, die begrüssung, welche Mir am freitag abend hier 
zu theil wurde, haben Mich erhoben und mit zuversiebt erfüllt. Es 
werden schwere opfer von Meinem volke gefordert werden. Wir wol- 
len es uns nicht verhehlen. Wir sind durch den unter Gottes bei- 
stand erlangten raschen sieg in zwei glücklichen kriegen verwöhnt. 
So leichten kaufes werden wir dieses mal nicht davon kommen. Aber 
Ich weiss, was Ich von Meiner armee, was Ich von denen, die zu den 
fahnen eilen, erwarten darf. Das instrument ist scharf und schnei- 
dig. Der erfolg, mit dem es geführt werden wird, steht bei Gott. 

Ich weiss auch, was Ich von denen erwarten darf, die — wie sie 
es in ihrer adresse so schön betonen — berufen sein werden, die 
wunden, die geschlagen, die leiden und die schmerzen, die der krieg 
bereitet, zu stillen und zu lindern. Noch einmal, meine herren, was sie 
Mir im namen Meiner residenz aussprechen, hat Mir innig wohlgethan. 

Ich danke Ihnen herzlich dafür und Ich bitte sie zugleich, der 
bürgerschaft Meinen aufrichtigen dank auszusprechen für den über- 
raschenden empfang, den sie Mir bei Meiner rückkehr bereitet und 
von dem ich Ich keine ahnung hatte«. 

Demgemäss also ward beschlossen, nur mit dem mobil ge- 
machten beere als dem allein sichern erfolg versprechenden dem 
starken feinde gegenüberzutreten , und so lange das noch nicht 
vorhanden, das jenseits des Rheins gelegene land preis zu ge- 
ben, obgleich wenn der feind nur einige energie besass , er da 
auf deutsche kosten leben und manchen schaden anrichten 
konnte: damals nämlich, das muss man sehr wohl festhalten, 
hatte man noch die viel zu gute meinung von den Franzosen 5 
hätte man von diesen gewusst, was man jetzt weiss, wäre an- 
ders verfahren : denn hätten die Franzosen mit ihren Turcos 
und andern wilden horden, die nur auf raub und erpressung 
ausgingen, nur auf kurze zeit einen strich deutschen landes völlig 
in ihre gewalt bekommen, welch einem unseligen loose wären die 
unglücklichen bewohner desselben verfallen gewesen! Also mit sich 
selbst klarer, weiser berechnung wurde bei dem vorgehen des feiudes 
auf Saarbrücken daselbst nur ein bataillon des regiments nr. 40 
und drei escadrons des ulanen- regiments nr. 7 unter obristlieu- 
tenant v. Pestel mit dem befehl gelassen, dem feinde wo möglich 
zu imponiren , ihn aufzuhalten, so wie jener aber überlegene 
kräfte entwickle, sich auf eine bestimmte stelle zurückzuziehen. 
Diese seine aufgäbe hat dies kleine detachemeut auf eine der 
kriegsgeschichte bis jetzt fremd gebliebene weise auszuführen ver- 
standen, indem es durch seine mit unermüdlicher thätigkeit aus- 
geführten bewegungen in den äugen des feiudes allmählig bis 
zu einer armee von 200000 mann anwuchs und vierzehn tage lang 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 111 

zwei fraüzösische armeecorps beschäftigte : als das obercommando 
der tapferen trappe, um sie nicht ohne noth zu opfern, befehl zum 
rückzuge gab, bat der commandeur, sie auf diesem ehrenposten 
zu belassen , indem er hinzufügte : „das benehmen der Franzo- 
sen zeigt, dass sie sich vor uns fürchten", eine bitte , die gern 
bewilligt wurde; jedoch wurden noch zwei bataillone zu Pestel 
geschickt und zwei meilen rückwärts truppen zur Sicherung des 
abmarsches jener tapfern aufgestellt : man war noch nicht so 
weit, thätig hier eingreifen zu können. Als aber am 2. august 
gegen 12 uhr auf dem rechten feindlichen flügel von Forbach 
her starke colonnen vom corps des general Frossard gegen die 
offene stadt vorrückten, ward dieselbe geräumt und bezog das 
gesammte detachement unverfolgt eine meile nordwestlich das 
bivouac, nicht ohne durch die cavallerie fühlung mit dem feinde 
zu behalten; es hatte seine aufgäbe glänzend gelöst und zwar 
mit einem gesammtverlust an todten, verwundeten und vermiss- 
ten: 2 Offiziere und 73 mann! Es lag in der natur der sache, 
dass dieser wahre Sachverhalt den schlachtberichten der franzö- 
sischen Journalisten gegenüber nicht in diesen tagen selbst auf- 
geklärt werden konnte; eist am 12. august erfuhren wir den- 
selben. Aber während dieser Vorgänge vollzog sich vom 15. 
juli an in grossartigster ruhe und Ordnung der auf marsch der 
mobil gemachten preussischen armee: jedes regiment hatte sich 
in seinem Standquartier in kriegsbereitschaft gesetzt, die waffen 
geprüft und in besten stand gebracht , die nöthigen pferde um 
gute preise beschafft, die mannschaft eingestellt, jeden einzelnen 
Soldaten mit neuer montur und ausrüstung versehen — diese 
und andre mühselige arbeit und last schien die kriegslust nur 
zu vermehren und die Sehnsucht endlich den falschen Franzo- 
sen zu klopfen nur zu steigern , der sieg sei uns doch sicher : 
ein Pommer, der bei der einstellung fragte , ob es denn wahr 
sei, dass drei Franzosen auf einen Preussen kommen würden, 
meinte, als man ihm das ernsthaft bestätigte, ,,zwei stiesse man 
schon mit den köpfen zusammen, der dritte könne aber doch 
zuweilen unbequem werden", dass aber den dreien der eine un- 
terliegen könne, kam ihm nicht im entferntesten in den sinn. 



AUSZUEGE aus Zeitschriften: Augsburger allgemeine zeitung, 1870, 
Nr. 319 : der krieg. — Deutsche invalidenstiftung. — Nr. 320 : der krieg. — 
Nr. 321 : der krieg. — Gambetta über Volksbildung. — Beil. zu nr. 321 : 
Kraus , deutsches eigenthum in Paris : macht auf entwendungen 
aus Trier aufmerksam: vrgl. Phil. Anz. DI, nr. 10, p. 533. — G. Si- 
gert , Klytämnestra , trauerspiel : wird empfohlen. — Nr. 322 : der 
krieg. — Beil. zu nr. 322 : C. P. Bock , sehr lesenswerther nekro- 
log: Bock, ein wahrhaft ausgezeichneter mensch und gelehrter, ist zu 
einem grössern das alterthum betreffenden werke nicht gekommen, 
hat aber eine reihe ausgezeichneter meist das Eheinland und das mit- 
telälter betreffende archäologische abhandlungen geschrieben, die 



112 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

viel zu wenig anerkannt zu sein scheinen. — Nr. 323 : der krieg. — 
Nr. 324: der krieg. — Beil. zu nr. 324: oberrheinische reclamationen an 
Frankreich: s.ob.p.lll. — Nr. 325. 326. 327. 328 enthalten alle den ste- 
henden artikel »der krieg« und auf ihn bezügliche abhandlungen. — 
Beil. zu nr. 328. 329: Zeitbetrachtungen. — Beil. zu nr. 330: der qui- 
rinalische palast. — Nr. 332: das römische klima: bezieht sich 
nur auf die neuere zeit, ist aber für das alterthum zu beachten. — 
Ausserord. beil. zu nr. 334: suspendirte professoren in Breslau. — 
Ausserord. beil. zu nr. 336 : Freytag, die grenzboten und die Zeitschrift 
»im neuen reich.« — Beil. zu nr. 336 : die Verdienste der Elsässer um 
deutsche spräche und alterthumswissenschaft. — Beil. zu nr. 337. 338: 
M. Bernags, zur erinnerung an Gotthold Ephraim Lessing. — Beil. zu 
nr. 343: römische zustände: bezieht sich nur auf die gegenwart. — 
Beil. zu nr. 347 : sprachengränze und ländergränze. — Beil. zu nr. 
348 : die fälschung der Nenniger inschriften : hübsch geschriebener 
artikel, wonach die fälschung zwar ausser zweifei ist, aber ihre 
motive und geschichte noch einige dunkle punkte haben. — Ausserord. 
beil. zu nr. 348: verse von Prati an Rhea Silvia und apostrophe der 
»Perseveranza« an den florentiner correspondenten der allgemeinen Zei- 
tung. — Nr. 349: der »academische leseverein« in Wien ist aufgelöst 
worden. — Beil. zu nr. 350: Gregorovius' Corsica: anzeige der zweiten 
aufläge dieses trefflichen werks. — Das Frommann'sche haus in Jena. 
IL Göthe und Minna Herzlieb. III. und schluss in beil. zu nr. 351. — 
Ausserordentl. beil. zu nr. 351: bildungsanstalten in Russland. — Beil. 
zu nr. 352. 353: deutsche philosophie in bezug auf religion und na- 
turwissenschaft. — Krieg und literatur in ihren gegenseitigen einflüs- 
sen. — Beil. zu nr. 354: kleiner literaturbericht. — Die Vollendung 
der Keller-Holder'schen ausgäbe des Horaz : kurze und mit recht sehr 
anerkennende anzeige, die unter anderem auch hervorhebt, dass ein 
grosser theil der jetzigen Horaz-text-tradition auf Lothringen zurückgeht 
und dass auch drei der so unglücklich zu gründe gegangenen Strass- 
burger handschriften in dem buche benutzt sind, von deren ältesten, 
aus s. IX, überhaupt eine der besten, eine genaue collation in dieser 
ausgäbe sich findet. — Auss. beil. zu nr. 354 : Dr. Tholuck's Jubiläum. 

Bösenblatt. 1871: nr. 1 : auszeichnungen an buchhändler im kriege 
verliehen. — Nr. 3: 6: 0. Mühlbrecht, zur kriegslitteratur : enthält 
ein verzeichniss der französisch - belgischen literatur des kriegs von 
1870. — Nr. 12: die strassburger bibliothek, ein auszug aus dem 
Progres religieux, eine kurze geschichte derselben. — Nr. 14. 20. 26. 
32. opfer des kriegs. — Nr. 20 : zur Wiederbegründung der strass- 
burger bibliothek. IX. — Nr. 24: zur kriegsliteratur. IL Die nie- 
derländische, englische und italienische literatur des kriegs von 1870. 
(fortsetzung von nr. 6). — Mittheilung über Dr Kreusler , Verfasser 
des lieds „König Wilhelm sass ganz heiter' - , Gotha, Perthes; 1 gr. : 
zum besten der deutschen krieger. 

Zamcke's Uterarisches centralblatt , 1870, nr. 49: Eusebii Pam- 
phili scripta historica . . . edid. T. A. Heinichen. 8. T. Hier 
Lief. 1870: die commentare zur historica eccles. und anderes ent- 
haltend: ausführliche, vieles aussetzende anzeige von \p. — Aem. 
Winkler de Longini qui fertur libello tkqI vipovs. 8. Halle. 
1870 : die anzeige hebt hervor , dass die frage nach der abfas- 
sungszeit des buchs klar auseinandergesetzt und die vergleichung 
des Sprachgebrauchs des Longin und des veriassers der schrift ntgi 
vipovg neu und nützlich bearbeitet sei. — C. Czwalina episto- 
larum actorumque quae a scriptoribus historiae Augustae proferantur 
ßde atque autoritate parlicula I. 8. Bonn. 1870: anerkennende an- 
zeige von J. J. M. nebst einigen gegenbemerkungen. 



Nr. 3. Märe 1871. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erganzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



76. Einige anmerkungen zu Plaut. Pseud. act. I. scen. 1 
von Heinrich Boblenz. 4. — Programm des gymnasiums 
in Jever. 1870. 

Der mit der neueren plautinischen litteratur wenig vertraute 
Verfasser beabsichtigte, wie die einleitung seines programms lehrt, 
ursprünglich über den Wirkungskreis der consuln während der 
kaiserzeit zu schreiben, zog es dann aber aus zeit - und bücher- 
mangel vor, Pseud. act. I scen. 1 „kritisch und exegetisch zu 
beleuchten". Die kritischen grundsätze des Verfassers sind con- 
servativ, neues wird so gut wie gar nicht beigebracht; die exe- 
getischen bemerkuugen erstrecken sich nicht als fortlaufender 
commentar auf alle der erklärnng bedürftigen stellen der scene, 
sondern beziehen sich in willkührlicher auswahl auf einzelne 
dem verf. erklärungsbedürftig erscheinende Wendungen, und sind 
zum theil äusserst elementar : so z. b. die bemerkungen zu vs. 
15. 23. 50. 54. 64. 77. 89. 96. 108. 109. 111. 114—118. 
126. 128. 

Dass der verf. entweder nicht die nöthige reife zur aus- 
übung der plautinischen texteskritik erlangt oder mit unverzeih- 
licher flüchtigkeit gearbeitet hat, geht aus seiner anmerkung zu 
vs. 33 hervor: hier findet sich zu der unmetrischen Überliefe- 
rung der palatinischen handschriften : Immo ego tacebo tu \ hinc 
6x cerd cita, wörtlich folgende note : „Bothe und nach ihm Ritschi 
tu istinc. cnfr. Spengel zu v. 26". Der unerträgliche hiatus hin- 
ter dem betonten tacttheile nach vollendetem dritten vers- 
fusse wird also vom verf. durch die vermeintliche analogie des 
von ihm in anschluss an Andreas Spengel (T. Maccius Plautus 
Philol. Anz. HI. 8 



114 76. Plautus. Nr. 3. 

p. 196) geschützten hiatus in der penthemimeres, d. h. 
hinter dem unbetonten tacttheile des dritten versfusses : In- 
tirpretdri | dlium pösse neminem (v. 26), vertheidigt ! Dass die- 
ser letzte hiatus durch ebenso viele analoge stellen geschützt 
ist als der erstere unerhört , ist allgemein bekannt ; zum über- 
fluss mag daran erinnert werden , dass das von Bothe und 
Kitschi (ohne entzifferung der einschläglichen palimpseststelle) 
richtig statt hinc eingesetzte istinc in vs. 33 durch den Ambro- 
sianus wirklich bestätigt wird, wie C. E. Geppert in seiner zwei- 
ten ausgäbe des plautinischen Triuummus (Leipzig 1854) p. 171 
längst berichtet hat. — Bei der besprechung von vs. 42 hätte 
vom verf. doch erst die von Adolph Kiessling im Rheinischen 
Museum XXIII, p. 412 im anschluss an die alte Überlieferung 
des Ausonius empfohlene lesart lignum statt linum widerlegt 
werden müssen. Vs. 44, wo dem verf. der durch eine fal- 

sche Ritschl'sche — der verf. schreibt constant „Ritschel" 
(siel) — lesung des Ambrosianus veranlasste Vorschlag H. Saup- 
pe's (Quaestion. Plautin. p. 3) Lacrumans et titubans animo zu 
schreiben, unbekannt geblieben zu sein scheint, konnte eiufacher 
auf W. Studemund in den Jahrbüchern für philologie 1866, p. 
63 verwiesen werden. — In der besprechung des schwierigen 
v. 59 , wofür die allerdings durch die falsche lesart fes- 
tos dies 321 in der weiteren ausfübrung sehr verunglückte 
darstellung H. Usener's in den Symbola Bonnens. p. 593 fgg. 
und Kiessling im Rhein. Mus. XXIII, 417 fg. zu verglei- 
chen war, muthet der verf. dem leser zu, in den worten des 
briefs der Phoenicium ei rei dies haec praestitutast proxuma Dio- 
nysia, sich den gebrauch des haec so zu erklären, ,,dass Phöni- 
cium , als sie den brief schrieb, in ihrer aufgeregten gemüths- 
stimmung sich schon in die zeit versetzte, in der die auslieferung 
unmittelbar bevorstand" (!!). — Vs. 65 redet der verf. über suaui- 
suauiatio (statt suauis sauiatio der handsehriften), ohne die ausfüh- 
rungen von M. Haupt im Index lectionum der berliner Universität 
von 1856, Th. Be*gk's im Philologus XVII, 52 und W. Stude- 
munds im Hermes I, 297 zu kennen! — Die einzige beachtens- 
werte eigeue conjeetur, welche der verf. vorbringt, v. 104. 5: 
Spero alieunde hodie bona opera aut techna mea 
Tibi me inuenturum esse auxilium argentariura, 
bringt, durch die unkenntniss des verf. von der durch Fr. 



Nr. 3. 77. Vergilius. 115 

Ritschi Opusc. II, 473 fgg. erwiesenen form techina ;', einen 
höchst bedenklichen senarausgang auf zwei iambische Wörter in 
den text. — V. 121. 122 übersieht der verf., dass diese bei- 
den verse in den handschriften in umgekehrter folge stehen. — ■ 
Es erscheint nach gesagtem als pflicht der kritik vor ähnli- 
chen Übereilungen nachdrücklichst zu -tarnen. 

77. P. Virgilii Maronis Opera. Les oeuvres de Virgile, 
Edition publice d'apres les travaux les plus re*cents de la phi- 
lologie avec un commentaire critique et explicatif, une intro- 
duction et une notice par G. Ben ois t, ancien eleve de l'dcole 
normale, docteur des lettres. T. I. Les Bucoliques et les Geor- 
giques. 8maj. Paris. Hachette. 1867. 

Die introduction, p. i — xxxvn handelt in ihrem ersten ab- 
schnitt p. i — xviii von den ausgaben Vergil's: wenn auch hübsch 
geschrieben, verräth sie durch manche einzelnheiten den man- 
gel des eignen Studium : so wird der immer Lacerda geschrie- 
bene Cerda nicht nach verdienst gewürdigt, Emmenes als wich- 
tig hervorgehoben, während in seiner ausgäbe nichts eignes zu 
finden, Heyne kühl behandelt und der doch eine noch nicht 
ausgenutzte fülle ausgesuchtester gelehrsamkeit darbietenden ex- 
curse der grössern ausgäbe mit keinem worte gedacht. Aus- 
führlich und streng beurtheilt darauf p. x der vf. die in Frank- 
reich erschienenen altern Übersetzungen und neuen ausgaben, 
kommt dann p. xvi auf ein daselbst herrschendes vorurtheil, nach 
dem man sage comwunement qu'un texte mediocre permet, presque 
aussi bien qu'un autre plus correct, au professeur de divelopper les 
beauth de Virgile, de Tite - Live cett., bekämpft dies und knüpft 
daran die erörterung seiner eignen methode. In derselben 
weise bespricht dann der zweite abschnitt, p. xvm sqq., die 
handschriften, die alten commentatoren, die Orthographie: denn 
p. xix heisst A. Gellius der schüler des Valerius Probus, p. xx 
wird vom Mediceus, dem übrigens der vf. eine zu grosse Wich- 
tigkeit beilegt, gesagt : il appartient jadis au cardinal de Carpi, 
et pour cette raison il a porte quelque temps le nom de Carpensis ; 
es war der cardinal genauer zu bezeichnen, ausserdem in die- 
sem überblick die nicht einmal richtige benennung Carpensis als 
nur bei Aldus Manutius (in Virgilio Carpensis sagt er) vorkom- 
mend wegzulassen und dafür anderes zu sagen : s. Bandini Cat. 

8* 



116 77. Vergilius. Nr. 3. 

codd. mscr. Bibl. Med. Laur. II, p. 293 und Gersd. bei Wagn. Verg. 
T. IV, p. 607. Doch anstatt solche mühlos nachweisbare fehler 
zu verzeichnen, dürfte nach dem bemerken, dass Benoist's aus- 
gäbe vor den mit so ausdauerndem fleiss und solch umfassen- 
der sachkenntniss geschriebenen prolegomenen 0. Ribbeck's er- 
schienet! ist, auch wegen der deutschen philologen gerathener 
sein den für solche arbeiten gebotenen Zielpunkt zu erwähnen, 
nämlich die auf genaue durchforschung der in grösster fülle vor- 
handenen quellen gegründete geschichte der kritik und erklä- 
rung der Vergilischen gedichte und zwar von ihrem ersten er- 
scheinen an bis auf die gegenwart , damit man unter anderm 
klar erkenne, wie abgesehen von Cicero kein andrer Lateiner 
einen grössern einfluss auf die bildung der folgenden zeiten ge- 
habt hat als Vergil. Denn so wie die ersten gedichte vollen- 
deter art, die auch jetzt noch zumeist ungerecht beurtheilten 
Bucolica, erschienen, sind sie vom gebildeten publicum Roms mit 
bewunderung gesungen (Verg. Ecl. IX, 38) und gelesen, zugleich 
aber nicht allein gegenständ des gelehrten Studium der dichter 
jedweder art, der rhetoren, historiker, grammatiker u. s. w. 
geworden, sondern auch des erbittertsten kampfes, indem die an 
Varro sich anschliessende nationale oder alterthümelnde richtung 
sehr wohl den in diesen eclogen gemachten fortschritt begriff, 
und somit auch, dass ; ward auf diesem gräcisir enden wege in 
solcher Vollendung fortgefahren, ihr der boden gradezu unter 
den füssen weggezogen werde. Da sie, sehr thätig, den Vergil 
als mensch wie dichter, in versen wie in prosa bediängte, lasst 
sich auch jetzt ermessen, welchen werth eine äusserung, wie die 
des Horaz i^Serm. I, 10, 45) für Vergil hatte: denn die kämpfe 
hörten bei dem lebendigen iuteresse der Römer dieser zeit für 
ihre literatur auch nicht auf, als Vergil seine grössern gedichte 
vollendete und vollendet hatte. Grade während der lebeuszeit 
des dichters sind die obtreckatores Vergili am thätigsten; nach 
dem tode des dichters verstummen sie mehr und mehr, und treten 
an ihre stelle begeisterte lobredner. Denn beachten wir einmal 
nur das erste Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts p. Chr., so 
werden, den homerischen vergleichbar, alle gedichte Vergil's 
in den schulen gelesen (Suet. ill. gr. 16) und erklärt, von den 
rhetoren in ihren vortragen beachtet, nachgeahmt, besprochen 
(Senec. Rhet. p. 21, 9 Burs.), von den epikern wie Manilius, 



Nr. 3. 77. Vergilius. 117 

von den epischen bearbeitern griechischer sagen (Ovid. Ep. ex Pont. 
IV, 16), von den elegikern studirt, daher also, da die gedichte der 
eignen gelehrsamkeit wegen gelehrsamkeit auch für das verständniss 
erforderten, comraentirt und in mancherlei monographien wie in 
lexicis u. s. w. herangezogen ; da sie aber anch in nicht gelehrte 
kreise sich verbreiteten, wie inschriften aus Pompeii (Bücheier 
in Ritschi. Rhein. Mus. XII, p. 241) beweisen, ward auch die 
kenntniss vom leben des mannes überall wünschenswerth und 
wurden Schriften darüber , wie die des Asconius leicht populär. 
Daraus ergiebt sich von selbst die grosse des mit büsten (Suet. 
Calig. 34) , mit handschriften Vergil's zu machenden geschäfts ; 
man erinnere sich für letztere nur des aus Cicero (Schneidew. im 
Philol. III, p. 126) bekannten, um nur natürlich zu finden, dass 
neben guten auch sehr viele weniger sorgfältig geschriebene ab- 
schritten verkauft wurden, so dass, da in Rom eine dem mu- 
seum zu Alexandria verwandte anstalt nicht bestand, erhaltung 
der reinheit des textes aufgäbe einzelner liebhaber des dichters 
ward z. b. des Hyginus, Serv. ad Verg. Aen. XII, 120, 0. 
Ribbeck. 1. c. p. 117: dass das eben nicht genügte, zeigt die 
spätere thätigkeit des Valerius Probus , der sich aus den origi- 
nalhandschriften Vergils (Gell. NA. IX, 14) über die lesart je- 
der stelle versichern konnte: er hatte nicht nur die versehen 
der abschreiber, sondern auch interpolationen zu bekämpfen : Do- 
nat. V. Verg. 59. Wir aber haben aus dieser zeit, überhaupt aus 
den ersten beiden Jahrhunderten p. Chr. nichts übrig behalten, 
wie Benoist p. xix gegen Pertz hätte hervorheben müssen: schon 
Ph. Wagner in Ztsch. f. Alterth. 1842, nr. 92, p. 921 sq. hätte 
darauf leiten können. Dies muss hier genügen, um den oben 
im allgemeinen angegebenen Zielpunkt näher zu präcisiren : in- 
dem wir nun noch bemerken, dass je weiter man in der zeit 
fortschreitet, um so grösser das zu bewältigende material werde, 
wenden wir uns zu der p. xxxix — lxxix folgenden notice sur 
Virgile, welche ein leben Vergil's enthält, mehr aber darauf aus- 
geht . den dichter zu charakterisiren und deshalb ästhetischen 
fragen sich mit Vorliebe zuwendet. Daraus hat sich der übel- 
stand ergeben, dass gar manches erlebniss, auf das bestimmte stel- 
len der gedichte sich beziehen, hier wie im commentar gar nicht 
beachtet ist; das ästhetische aber, was sich recht hübsch liest, 
bleibt sehr auf der Oberfläche, wofür genügt auf die bemerkun- 



118 77. Vergilius. Nr. 3 



• 



gen über die gediente, Dirae, Moretum u. s.w. p. xlvi zu ver- 
weisen. Dabei ist vf. bemüht gewesen, das vor ihm über sei- 
nen dichter erforschte genau kennen zu lernen : nicht nur aus- 
gaben, auch monographien, programme, literaturgeschichten, gram- 
matiken verschiedener nationen findet man citirt , mit Vorliebe 
die der Deutschen , was nach den frühem Schriften Benoist's 
nicht überrascht: s. Ritschi Kl. philol. Schrift II, vorr. p. xvm. 
Um so mehr bedauern wir nicht immer die richtige methode 
eingeschlagen zu finden: so war für eine darstellung des lebens, 
sollte gegen die frühern ein fortschritt gemacht werden, vor al- 
lem nöthig, die quellen von Donat's vita Vergilt, also überhaupt 
das von den alten selbst für diesen gegenständ von Donatus 
geleistete eingehend zu prüfen : aber p. xxxix, wo Benoist von 
den alten biographien spricht, erwähnt er nicht einmal des Asco- 
nius , auf den doch so manche über das leben des dichteis er- 
haltene notizen zurückgeführt werden müssen. P. xun wird 
von den Studien und der erziehung zugleich mit bezug auf Aen. 
VI gehandelt und der dichter als forscher im Piaton, in den 
Systemen des Epikur, der Stoa u.s.w. hingestellt: aber der mit 
dem gang, den die erforschung der in den lateinischen Schrift- 
werken benutzten quellen verfolgt hat, vertraute wird mit uns 
der ansieht sein, dass bei weitem das meiste des für Aen. VI 
nötbigen sachlichen aus Varro's Antiqq. Divin. IL zu entnehmen 
und vielleicht aus orphischen gedichten nur zu ergänzen war : wie 
für Vergil ist Varro auch für Ovid u. a. hauptquelle gewesen. 
Doch die hauptleistung Benoist's bleibt der sichtlich mit 
grossem fleiss und mit geschick gearbeitete commentar: lässt 
er auch manches vermissen, wie denn die argumente viel zu 
äusserlich behandelt sind, die noten zu viele Schwierigkeiten un- 
berührt lassen, auch viel zu wenig das griechische berück- 
sichtigen , überhaupt auch zu selten bestimmte gründe für die 
gebilligten erklärungen wohl wegen mangels an genügender Selbst- 
ständigkeit des vfs. enthalten — so wird er gewiss in Frank- 
reich viel durch seine reichhaltigkeit nützen können ; giebt es 
dort auch nur wenige welche des. vfs citate, namentlich aus deut- 
schen werken nachschlagen werden, so nützt es ihnen schon viel- 
leicht , dass sie die titel kennen lernen. Um dies näher zu 
begründen, besprechen wir einige stellen aus der wie für die 
dichtung so auch für das leben VergiPs wichtigen Ecl. IX, in 



Nr. 3. 77. Vergilius. 119 

der wegen Peerlkamp's angriffen auf die Überlieferung in Mnemos. 
X, p. 43 gleich vs. 1 das von den neuern erklärern überall 
nicht beachtete mimische zu berücksichtigen war : Lykidas tritt 
dem Möris heiter und erfreut entgegen und deutet, wie vs. 59 
sqq. klar macht, an, dass auch er in die stadt wolle : erst die 
ernste, traurige, tristes vs. 5 , antwort stimmt ihn so um . dass 
er vs. 17 zu leidenschaftlicher klage gelangt. Wenn aber unter 
Menalkas, dem veranlasser dieser klage, mit recht Vergil selbst 
verstanden wird, so muss der Schilderung des Lykidas auch eine 
wirkliebe person zu gründe liegen, zu deren nähern bestimmung 
die beziehung des tibi vs. 21 zunächst festzustellen; Benoist be- 
zieht es nach Heyne der mahnung des Servius entgegen auf 
Mopsus , obschon doch nichts andeutet dies tibi auf eine andre 
person als tua vs. 17, also auf Menalkas, zu beziehen ; ausser- 
dem würde auch, bezöge es sich auf Mopsus, vs. 26 canebam ge- 
sagt sein. Darnach besucht also vs. 22 Vergil die Amaryllis 
delicias nostras, wo Eenoist mit nostras sich sehr quält : kennt 
man aber das leben des Vergil und beachtet man die wahrschein- 
lich uns verkürzt vorliegende bemerkung des Servius : nostras, 
i. e. communem amicam, so ergiebt sich , dass die alten (Donat. 
V. Verg. 21 ad communionem sui) im Lykidas den Varius , in 
Amaryllis die Hieria oder Plotia erkannt haben, Serv. ad Verg. 
Ecl. II, 14. Somit gerathen wir freilich auf ein sehr be- 
denkliches kapitel ; aber die scharfsinnige ausführung Hagen's 
bei Kibbeck. Prolegg. praef. p. vi gestattet uns hier kürze. 
Die geliebte des Varius , ursprünglich mit griechischem namen 
Hieria — 'lioiog steht bei Damasc. in Phot. Bibl. p. 342, a 
16 — , als freigelassene Plotia und daher von den spätem 
Hieria Plotia (wie Cytheris Volumnia in der Überschrift zu Verg. 
Ecl. X) genannt , war, um mit Catull zu reden, das scortillum 
des Varius non sane illepidum neque invenustum , zu der als ei- 
nem heitern und lustigen (vinosa) mädchen auch Vergil mit Va- 
rius ging, wie früher ausser andern Catull zu der des Varus, 
Catull. IX : daher denn alles was Asconius als von Plotia er- 
kundet überliefert, Donat. Vit. Verg. §.21, s. Weichert de Var. 
et Cass. Vit. et Carm. p. 85 sqq., jetzt deshalb für wahr ge- 
halten werden muss, weil es durch Vergil selbst bestätigt ist; 
nach der bei den Griechen schon so oft mit erfolg angewandten 
methode haben wir die angaben späterer auf die hauptstelle im 



120 77. Vergilius. Nr. 3. 

dichter selbst zurückgeführt. Diese darstellung verbunden mit 
Catull. LXVIII, 68, . . isque dedit dominant, Ad quam, com- 
muri es exerceremus amores, lässt meine von Schwabe und A. als 
so auffallend bezeichnete ansieht, dass die Clodia des Catull von 
der schwester des Clodius zu scheiden und als ein scortillum 
ebenfalls anzusehen sei, vielleicht auch in einem etwas bessern 
lichte erscheinen. Aber, so schön dies alles auch ist, wie ver- 
hält es sich, wird man einwenden, zu vs. 35 nam neque adhue 
Vario videor nee dicere Cinna Digna, sed argutos intet strepere 
anser olores: das kann doch keine anspielung auf Varius sein? 
Aber wer die poesie dieser zeit beachtet, giebt gewiss zu, dass 
eine Zusammenstellung von Varius und Cinna in dem hier er- 
forderlichen sinne eine Unmöglichkeit ist; denn Cinna gehört zu 
den Euphorionis cantor es (Cic. Tusc. Q. III, 19, 45), Varius folgt 
der von Vergil und Horaz vertretenen richtung. Also man 
muss mit M und andern Varo schreiben, eine auch dem Servius 
bekannte LA : dadurch entsteht eine passende Zusammenstel- 
lung, auch ein neues compliment für den jetzt einflussreichen 
und schon vs. 27 begrüssten Varus , der nach Servius auch 
poetische versuche gemacht hat und deshalb mit dem Varus 
in Catull. X identificirt werden darf , zumal wer zum freun- 
deskreis des Catull gehört , auch praktisch poesie getrieben zu 
haben pflegt. Freilich wird auch dadurch der mann uns nicht 
klarer ; aber Vergil wird es doch. Auch bleibt , dass Varius 
sich selbst diesen beiden unterordnet, auffallend; aber wie, 
wenn vss. 35. 36 verse des Varius wären, wie Ecl. X, 49 sqq. 
solche des Gallus ? oder ihnen eine neckerei zu gründe läge? 
Dabei übersehe man nicht, wie die verse Et me fecere . . credu- 
lus Ulis ein grosses lob enthalten. Allerdings bleibt auch so 
die stelle eigen: aber man bedenke, dass, so wie Menalcas = 
Vergilius zugegeben wird , das ganze gedieht für uns ein abson- 
derliches wird, wohl deshalb, weil seine motive uns nicht be- 
kannt genug sind. 

Verwandt in mancher beziehung mit dem obigen ist die 
stelle in Georg. II, 39 : 

tuque ades ineeptumque una decurre laborera, 
40 o decus o famae merito pars maxima uostrae, 

Maecenas, pelagoque volans da vela patenti. 

Non ego ouneta meis amplecti versibus opto 



Nr. 3. 77. Vergilius. 121 

Non, mihi si linguae centum sint oraque centura, 
Ferrea vox. Ades et primi lege litoris oram ; 
45 In manibus terrae, — 
wo sich Benoist der ansieht Peerlkamp's anschliesst, Mnemos. 
X, p. 138, diesen aber nicht nennt — es scheinen dem vf. 
dieses gelehrten aufsätze unbekannt geblieben — , sondern pro« 
gramme von Ladewig und Hanov, welche jenes meinung, die 
jetzt auch 0. Ribbeck Prolegg. p. 45 gebilligt hat . weiter zu 
begründen gesucht haben: sie ordnen nämlich vs. 39. 40. 42. 
41. 43. und schreiben statt da in vs. 41 aus conjeetur dare. 
Mir scheint es irrig. Zunächst nämlich ist Nemesianus (Cyneg. 
53 sqq.) ganz aus dem spiele zu lassen, weil seine nachahmung 
unsrer stelle das characteristische in ihr, nämlich dass sie von 
zwei personen handelt, dadurch tilgt, dass er nur von sich, von 
einer, spricht. Dann ist der die Umstellung angeblich erhei- 
schende Widerspruch zwischen pelago patenti und primi litoris oram 
gar nicht vorhanden: freilich wenn man umstelle, les difficultes 
de sens presque inextricables que ce passage a toujours presentees 
disparatraient alors. . . Mais il y a ici une contradiction avec 
le vers 44, oü Virgile exhorte Mecene ä voguer avec lui le plus 
pres qu'il est possible du rivage , ce qu'indique primum litus, 
sagt Beuoist. Aber es kann doch pelagoque patenti nur mit 
riieksicht auf das durch diese worte wiederholte ineeptumque la- 
borem gefasst und also, wie auch Mitscherlich zu Hör. Od. IV, 
1 , 5 bemerkt, von dem im ersten buche behandelten und in 
der vorrede zum zweiten angedeuteten Stoffe des gedichts 
verstanden werden : es ist dies meer für die poesie offen, weil 
der dichter schön begonnen hat , vom lande also ohne alle ge- 
fahr abgestossen ist und in gutem fahrwasser sich befindet : in 
diesem meere (quod patetj soll Mäcenas mit Vergil — denn in 
dem satz pelagoque cett. ist mit Wagner una zu denken — 
sorglos sich fortbewegen, volans, 6vv TixtQvysGGi xovipatg Anacr. 
fr. 24 ; 1 B., utigöfierog Theogn. 238, in der begonnenen weise. 
Und sorglos, ohne alle gefahr deshalb weil, wie vs. 42 sq. sa- 
gen, nicht das ganze meer umsegelt, d. h. der ganze stoff er- 
schöpft j sondern vielmehr mit auswahl benutzt werden soll ; 
obgleich wir also mitten durch das meer fahren, bleiben wir 
doch am lande, d. h, so mannichfaltig und tief und umfassend 
wir auch den stoff b?handeln, wir verlieren uns doch nicht in 



122 78. Rutilius Namatianus. Nr. 3. 

weite und unabsehbare ferne, non hie te carmine ficto cett., vrgl. 
Philol. XI, p. 303. 327 : es ist also vom dichter das bild mit 
der Wirklichkeit auf sinnige weise vermischt und er vs. 44 ge- 
wissermassen aus dem bilde gefallen : ein Widerspruch entsteht 
zwischen 44 und 41 nur, wenn man pelagus und litus rein 
wörtlich nimmt. So bleiben wir also bei der Überlieferung, um 
so mehr, als durch jene Umstellung eine müssige Wiederho- 
lung hervorgebracht wird ; aber statt dies weiter zu verfolgen, 
mache ich noch darauf aufmerksam , dass diese bitte an Mäce- 
nas keine leere floskel ist, sondern auf den verkehr zwischen 
diesem und Mäcenas sich bezieht: denn Mäcenas war nach Se- 
nec. Rhet. p. 6, 22. 17, 26. Burs. als kunstkritiker bedeutend 
und hat somit dem Vergil wohl manchen guten ratb gegeben. 
Anderes s Philol. XXXI, p. 97. 206. E. v. L. 

78. Claudii Rutilii Namatiani de reditu suo libri II. Ac- 
cedunt Hadriani Flori Apuleii Anniani Sereni aliorumque saec. 
a. u. c. X poetarum reliquiae. Recensuit et praefatus est Lu- 
cianus Müller. Lipsiae in aedibus B. G. Teubneri 1870 (Bi- 
bliotheca Script. Graec. et Roman. Teubner.) XII u. 61.— 10 gr. 

Von den in diesem bändchen zusammengefassten dichtem 
der späteren latinität ist der einzig bedeutende Namatianus, auf 
den sich deshalb diese anzeige beschränkt. Es ist eine bei 
kundigen bekannte thatsache, ein beweis der allgemeinen mensch- 
lichen unvollkommenheit, dass es nicht möglich ist, eine hand- 
schrift so genau zu vergleichen , dass nicht ein späterer ver- 
gleicher eine nachlese fände. Reicher ist diese bei unleserlichen 
handschriften ; aber auch bei denen, die leicht zu entziffern sind, 
immer der mühe werth. 

Vor dreissig jähren gab ich das interessante gedieht des 
achtungswerthen römischen dichters Rutilius Namatianus heraus 
und benutzte für die feststellung des textes zum ersten male 
eine handschrift, die einzige , welche bekannt ist , eine wiener 
des 16. Jahrhunderts. Sie ist eine abschrift des in langobardi- 
schen buchstaben geschriebenen urcodex, der sich im kloster 
von Bobbio fand und jetzt verschollen ist, also leicht zu lesen. 
Eine vergleichung besorgte mir ein achtbarer gelehrter. Das 
resultat, sollte man meinen , musste durchaus zuverlässig sein. 
Dennoch blieb L. Müller eine nachlese durch die vergleichung, 



Nr. 3. 78. ßutilius Namatianus. 123 

welche Th. Gomperz anstellte und man muss ihm aufrichtigen 
dank dafür sagen, dass er dadurch den text an einigen stellen 
verbessert hat. 

Müller stellt in seiner vorrede p. vm die stellen zusammen, 
an denen er theils von meiner ausgäbe abgewichen ist, theils 
fremde oder eigene vermuthungen aufgenommen hat. Es sind 
ihrer im ganzen etwa 70. Hierunter sind 9 stellen , wo durch 
die feststellung der handschriftlichen lesart eine Veränderung im 
texte bedingt wird. Bedeutend und von einfluss auf den sinn 
ist von diesen Veränderungen keine. I, 67 las man früher au- 
ctorem generis Venerem Martemque /atemur, jetzt auctores ; I, 209 
früher Gallorum nuper ab oris , jetzt arvis; I, 279 früher fugi- 
mus litus, jetzt litus fugimus ; 1, 292 früher conjuratas ... grues, jetzt 
conjuratos', I, 280 früher suspecto ... solo , jetzt salo ; I, 396 früher 
imperioque Titi, jetzt imperiisque; I, 447 früher ex fato, jetzt 
fatorum; I, 516 früher Cyrniacwnque latus, jetzt Cyrnaicurnque ; I, 
521 früher homines divosque, jetzt homines terrasque; I, 152 früher 
Romuleis - classibus , was aus vermuthung entstanden war, jetzt 
usibus, was jeder annehmen wird, weil es durch die handschrift 
überliefert ist. Für den sinn, sieht man, ist keine dieser ände- 
rungen von einfluss, eben so wenig für den Sprachgebrauch des 
dichters. Dennoch sind sie dankbar anzunehmen. Es ziemt 
sich, dass unsere ausgaben durchgängig correct sind: in gewis- 
ser beziehung lässt sich dabei nicht von grossem und kleinem 
sprechen. 

Die bei weitem meisten Veränderungen, welche Müller vor- 
nahm, beruhen auf vermuthungen, theils eigenen, theils frem- 
den. Hier bitte ich den herausgeber mir zu erlauben, ein wenig 
mit ihm freundschaftlich zu rechten, nicht aus Vorliebe für meine 
eigenen lesarten, sondern im interesse unserer gemeinsamen Wis- 
senschaft. Wir erwarten von ihm so erspriessliches für die la- 
teinischen dichter, dass es sich lohnt, bei einem übersichtlichen 
beispiele eine prüfung vorzunehmen. Er erwähnte, wo er seine 
arbeit für Namatianus empfahl , meine „ conservativen " grund- 
sätze, mit denen er nicht übereinstimmte. Der ausdruck ist 
nicht glücklich: er hat keinen gegensatz, er passt nicht für phi- 
lologen, die sich ihrer eigenthümlichkeit entäussern und fremden 
Individualitäten anschmiegen müssen. Aber abgesehen davon, 
Müller irrt sich in der beurtheilung meiner arbeiten über Na- 



124 78. Rutilius Namatianus. Nr. 3. 

matianus. Ein jähr vor meiner ausgäbe veröffentlichte ich Ob- 
servationes über den dichter: darin habe ich eine menge der 
schönsten conjecturen gemacht, die ich so gut es ging, begrün- 
dete, sicherlich ausführlicher als er selbst mit den seinigen es 
thut. Aber als ich dann den commentar ausarbeitete und mich 
immer mehr in die eigenthümlichkeit des dichters vertiefte, war 
ich vernünftig genug, sie insgesammt über bord zu werfen. Ich 
habe den process durchgemacht , der , wie ich glaube , Müller'n 
bevorsteht. In seinem vorwort p. vn sagt er, seine vermuthun- 
gen empfehlend : hie ut ubique rati non minus falli qui nimium co- 
dicibus tribuerent quam qui parum , eine unbestreitbare Wahrheit ; 
aber es handelt sich um ihre anwendung, die bei jedem schrift- 
steiler, bei jeder stelle verschieden ist. Ueberdem, Müller will 
eine ausgäbe liefern zum handgebrauche, die weite Verbreitung 
finden soll. Ist es für solchen zweck gut, gewagten und un- 
nützen vermuthungen räum zu geben ? 

Es ist bei einiger übung nicht schwer, in lateinischen dich- 
tem conjecturen zu machen und Namatianus hat davon zu lei- 
den gehabt, wie nur irgend ein anderer. Es giebt bei ihm nur 
eine einzige 5 entschieden verderbte stelle (I, 421): eine ein- 
leuchtende Verbesserung für dieselbe ist noch nicht gefunden, 
auch Müller wird die seinige dafür kaum ausgeben. Im übri- 
gen ist das gedieht lesbar: theils war der urcodex nicht schwer 
zu entziffern, theils war man im entziffern sorgfältig, wie man 
aus den lesarten am rande der abschrift erkennt. Von allen 
fremden und eigenen vermuthungen, die Müller aufnimmt, ist 
schwerlich eine einzige nöthig. Z. b. im anfang (I, 5) preist 
der dichter die eingebornen Körner : 

0, quantum et quotiens possum numerare, beatos, 
Nasci felici qui meruere solo. 
Heinsius verbesserte : O quater et quotiens non est numerare, beatos, 
weil Ovid (Trist. 3, 12, 25) so sagt: Müller nimmt die ände- 
rung auf. Weshalb? Durfte Rutilius bei aller nachahmung 
nicht auch ein bischen eignes erfinden ? Denn dem sinne nach 
sind „so oft ich nur zählen kann" und so oft ich nicht zählen 
kann" gleich. Heinsius mochte sich solchen scherz erlauben ; 
aber sollen wir jetzt uniformiren und damit die eigenthümlich- 
keit der dichter zerstören? 



Nr. 3. 79. Florus. 125 

An anderer stelle (I, 205) beisst es in der handschrift : 
Explorata fides pelagi ter quinque diebus 
Dum melior lunae fideret aura novae. 
Hier nimmt Müller zwei sogenannte Verbesserungen früherer 
gelehrten auf, expectata statt explorata, se daret statt fideret. 
Weshalb, wird schwerlich jemand begreifen. Der ausdruck wird 
dadurch weniger eigenthümlich, mehr prosaisch : in fideret liegt 
sogar mehr als in se daret, der dichter sei nämlich nicht so- 
gleich mit dem neumonde abgefahren , sondern erst ein paar 
tage nach demselben. 

Der dichter spricht I, 104 von dem wasserreichthum Eoms, 
dass es nicht nur Wasserleitungen , sondern auch einheimische 
quellen habe Totaque nativo moenia fönte sonant, so dass es über- 
all auf dem boden Roms quellen gebe. Müller schreibt Lota- 
que, ein unnützer und langweiliger zusatz. 1 , 232 wird von 
dem orte Inui castrum gesprochen , es habe den namen entwe- 
der von dem arcadischen Pan oder dem einheimischen Faunus : 
Sive sinus patrios incola Faunus init: Müller schreibt incubo 
Faunus, den sinn des dichters verderbend. I, 259 heisst es von 
einer quelle , ein stier hätte sie mit seinen hörnern gegraben, 
entweder ein wirklicher oder ein gott, sive deus faciem mentitus 
et arma juuenci : Müller ora juvenci. Weshalb? Er verdirbt nur den 
passenden ausdruck. I, 91 heisst es von der Stadt Rom: Quod 
regnas minus est quam quod regnare mereris: Müller belehrt uns 
quod sei accusativ : sonst entstände ein schmählicher und des 
dichters unwürdiger sinn. Wirklich? Was ist poetischer: ,,du 
bist königin, aber dass du es zu sein verdienst, ist noch etwas 
grösseres", oder „dein köuigthum ist nicht so gross, als du es 
zu haben verdienst". Von allen Veränderungen ist der beach- 
tung werth nur I, 489 coneepto sole, eine conjeetur von Bäh- 
rens, vielleicht sogar richtig; aber nothweudig nicht. Zpt. 

79. Lectiones latinae. Dissertatio philologica quam ad sum- 
mos in philosophia honores — impetrandos — scripsit Aemi- 
lius Baehrens. Bonnae, 1870. pp. 48. 8. 

In fünf kapiteln giebt der vf. Verbesserungsversuche zu Flo- 
rus (p. 1 — 19), zu dem bruchstück des P. Annius Florus „Ver- 
gilius orator an poeta " (p. 19 — 22), zu Minucius Felix (p. 
22 — 31), zu einigen gedichten der Anthologia latina von Riese 



126 79. Florus. Nr. 3. 

I, 1, zu Calpurnius Siculus und der Aetna (p. 31 — 40), end- 
lich zu Seneca philosophus (p. 40 — 46). Der vf. zeigt sich 
vertraut mit den behandelten Schriftstellern und hat ein schönes 
kritisches talent. Seine begründungen entnimmt er meist der 
erörterung des gedankens, der in der stelle liege, und palaeo- 
graphischer Wahrscheinlichkeit; beobachtung des Sprachgebrauchs 
bildet nur selten den ausgangspunkt. Paläographische erwägun- 
gen führen zwar häufig zu leichten und sicheren änderungen ; 
aber wir haben abschreckende beispiele genug, zu welchen Spiele- 
reien sie führen, und ganz frei ist auch der vf. nicht von ihren 
täuschungen geblieben, wenn gleich seine besonnenheit auch in 
dieser beziehung anerkennenswerth ist. So vermuthet er p. 17, 
dass Florus p. 110, 16 sed importuna auri fames Antonii ge- 
schrieben habe , weil in der bamberger handschrift , die diese 
stelle allein erhalten hat, sed inportumanes antonii steht. Hier 
ist wohl importuna fames nur der äusseren ähnlichkeit entnom- 
men und dann erst die begründung aus dem sinne gesucht wor- 
den. Aber darin läge der gedanke, dass die noch vorhandene 
geldgier des Antonius schuld an der zerreissung des mit Sex. 
Pompeius geschlossenen friedens gewesen sei, während doch 
die folgenden worte zeigen , dass es sich hier um Verschwen- 
dung handle, in folge dereu die von Antonius in besitz genom- 
menen guter des Cn. Pompeius nicht mehr in jenes händen wa- 
ren, also nicht mehr an Sex. Pompeius zurückgegeben werden 
konnten. Auf die zwistigkeiten über die provinz Achaia aber (Ap- 
pian. 5, 77) kann man die worte nicht beziehen , da Florus gar 
keine andeutung giebt. Auch zeigen schon die Schlussworte: manere 
non poterat, dass sich von ihnen jene ersten worte sed importumanes 
Antonii nicht als besonderer satz lösen können. Dagegen ist 
die vermuthung des vfs, dass im folgenden consensio für posses- 
sio zu lesen sei, sehr ansprechend und so möchte wohl der ganze 
satz so gelautet haben: sed importunitate Antonii [et zu tilgen) 
Pompeianorum bonorum — praeda devorata consensio manere 
non poterat, sed detrectare coepit foederis pactum. — Um uns 
auf Florus zu beschränken, erscheinen ref. richtig die vermuthun- 
gen (p. 7) zu p. 26, 12 atqui für itaque, (p 8) zu 26, 25 — melior 
civis für melior vis B, melior N, humilior Veis von Mommsen und 
Seebode bei Iahn, und zu 82, 14 idemque für isdemque (p. 11), 
worin der vf. mit dem ref. zusammengetroffen ist (ind. lectt. 



Nr. 3. 79. Florus. 127 

gotting. 1870/1 p. 20), wahrscheinlich auch 82, 16 pellexit (p. 
11) für erexit und 122, 21 circa cum (mit B) — aurifera — 
ferax sit (p. 19) für circa circum — aurifera est — ferax, wie 
Iahn geschrieben hat. Mit den übrigen vermuthungen kann 
ref. dagegen sich nicht befreunden. Denn 13, 13 hat für in 
im cod. B, woraus Iahn ni machte , der vf . aber en vermuthet 
(p. 5), Franz Köhler observv. critt. in Iul. Florum p. 11 (nach 
ihm auch Freudenberg Rhein. Mus. 22, 25) richtig tria ver- 
bessert. — 30,8 haben BI prae tarda victoria leve huius 
proelii damnum fuit alter consulum interceptus , N prae tanta 
huius victoria leve huius proelii damnum f. a. c. i. , der verf. 
will (p. 10) prae tanta huius proelii victoria l. d. f. a. c. i. Aber 
die lesart des N zeigt, dass huius proelii nichts als glossem zu 
dem ersten huius war und dann in N neben huius, in B ohne 
dies an falscher stelle in den text kam. huius auf Duilius be- 
zogen wird durch alter consulum wenn nicht gefordert , so doch 
hinreichend geschützt. Iahn hat also huius proelii mit recht 
gestrichen. Ueberhaupt wird die ansieht des vfs (p. 11), dass 
es arduum ac periculosum sei im Florus glosseme anzunehmen, schon 
durch Iahns vorrede p. xvni f. hinreichend widerlegt. — 58, 23 
ist frustra advolavit (p. 10) für frustra diuoluit in B, frustra 
diuuoluit in N selbst bei Florus um so weniger zulässig, als die 
belagerung Zama's durch Metellus äusserst hartnäckig war. — 
80, 21 will der vf. (p. 11) für potens nicht inpotens mit Hein- 
sius, sondern praepotens , weil prae vor p leicht habe ausfallen 
können, aber in konnte eben so gut nach et übersehen werden 
(wie der vf. p. 13 selbst zeigt) und inpotens entspricht dem ge- 
danken besser. — 100, 18 vermuthet der vf. (p. 12) iniuria et 
für iniuriam, so dass dreierlei Cleopatra's bitten unterstützt habe : 
forma, iniuria, odium, und dadurch wird allerdings quae, das vor- 
ausgeht , erklärlich , aber dennoch lässt sich nicht sagen , dass 
Cleopatra's bitten um schütz gegen die ihr zugefügte iniuria ihre 
Schönheit, diese iniuria, und der hass Caesars gegen den belei- 
diger zur sehe gestanden hätten, sondern die Schönheit machte, 
dass der hass verdoppelt wurde, und so bestimmten also Schön- 
heit und hass Caesar Cleopatra zu helfen. Namentlich wäre die 
folge forma, iniuria, odium verkehrt. Auf Lucan 10, 106 hat* 
ref. schon in der erwähnten abhandlung hingewiesen. Also 
scheint Freudenberg , der quod für quae schreibt ; recht au ha- 



128 79. Florus. Nr. 3. 

ben. — 106, 23 entfernt der vf, militiae (p. 13) als glossem, 
entstanden aus dem militiae in z. 22. Gerade hier liegt wohl 
der fehler wo anders: wenn man virilia militiae liest, wie Flo- 
rus solche neutra nicht selten gebraucht, wird zugleich die mat- 
tigkeit des Zusatzes virilis uxor beseitigt. Gleich darauf lehnt 
der vf. an die lesart des Bamb. tri arma revocaverat die vermu- 
thung in arma rem vocaverat. Durch Wendungen wie in certa- 
men rem vocare wird das nicht wahrscheinlich und dass man 
sich im Florus nur »necessitate quadam cogente" (p. 14) vom 
Bamb. entfernen dürfe, ist eine ansieht, die ja hoffentlich als 
beseitigt gelten darf (ind. leett. gott. 1870/1 , p. 17). Haupts 
vermuthung also arma cierat , die sich an das in arma ierat des 
Naz. anschliesst, ist richtig und die lesart des Bamb. interpolation, 
entstanden nachdem in aus dem m des vorhergehenden Herum 
hereingekommen war. — 107, 5 billigt der vf. (p. 14) Freins- 
heims vermuthung, dass in quid des N oder cui des B Caesari 
stecke, verwirft aber Haupts Caesarique uni und will sie Caesari. 
Auch hier hat die paläographische rücksicht irre geleitet, denn sie 
ist nur dem vorhergehenden successit zu liebe gesetzt. Der 
gedanke fordert at Caesari. — 110, 1 septus piratica turba (p. 
15) für se piratica turba in B und se pirata in N ist sehr an- 
sprechend und die Verbindung mit dem folgenden richtig er- 
kannt, nur missfällt ref. turpiter für das folgende turper des B, 
an sich und weil die annähme von änderungen an zwei stellen, 
ohne dass gegenseitige abhängigkeit derselben von einander 
nachweisbar ist, immer bedenken erregt. Steckt also nicht 
doch in turper nur tuitus, so dass se unberührt bleibt? — Hl» 
5 will der vf. (p. 17) für tarnen lesen iam. Das wäre matt, 
und tarnen rechtfertigt sich, wenn man 110, 26 vergleicht: nisi 
quod — . Sex. Pompejus war in äusserster angst, aber nur, jetzt 
umzukommen: für die Zukunft war er, wenn er mit dem leben 
davon käme, guten muthes. — 119, 24 endlich ändert der vf. 
(p. 19) non steterat in constiterat, und hat auch hier, glaub' ich, 
nur aus paläographischer Vorliebe den gedanken verkannt. Die 
vergleichung von 72, 21 et quasi hie Romanis orbis non suffice- 
ret, alterum cogitavit, worauf Florus hier offenbar zurückblickt, 
beweist, dass nur non steterat richtig sein kann. Vgl. 29, 3. — 
Aehnlich wird auch das urtheil über die andern kapitel ausfal- 
len, aber nur zweierlei will ref. noch bemerken. Aetna v. 77 



Nr. 3. 80. Plinius. 129 

ist luserunt (p. 36) für viderunt eine sehr beachtenswerthe ver- 
muthung , aber wenn der vf. v. 76 für scenae verum lesen will 
scenae et verum, so ist das äusserlich sehr hübsch, aber der ge- 
gensatz „scenerie und handlung" liegt in scenae et verum 
nicht ohne ein ipsarum oder einen ähnlichem zusatz, sonst muss 
scena mit zu den res gerechnet werden. Und vatibus in v. 75, vates 
v. 76 und 80 verlangen auch hier vatum, wie Haupt (ind. lectt. 
berol. 1854) vermuthet hat, der ebenda p. 5 auch v. 70 schon 
addituv vorschlägt, das der vf. p. 39 noch einmal vorträgt. End 
lieh Seneca de dementia I, 1, 4 hält der vf. p. 40 mihi pepevci 
für ganz sinnlos und vermuthet dafür mihi peperi. Ob Seneca so 
sage causam sibi parere, weiss ref. nicht , aber mihi pepevci kann 
doch sehr wohl in dem sinne von mei ipse miseritus sum stehen, 
und dann ist der sinn durchaus in der antithetischen weise Se- 
neca's. H. S. 

80. C. Plini Secundi naturalis historiae libri XXXVII. 
Recognovit atque indieibus instruxit Lud o vicus Janus. Vol. 

I. Libb. I — VI. Editio altera denuo recognita. 8. Lipsiae in 
aedibus B. G. Teubneri MDCCCLXX. LXXXH und 261 S. 
— 18 ngr. 

Von der Janschen Pliniusausgabe liegt jetzt der erste 
band in zweiter aufläge vor, indess hat der verf. selbst die be- 
endigung des druckes nicht mehr erlebt; er starb bereits am 

II. april 1869. Nur die ersten neun bogen der ausgäbe sind 
von ihm selbst corrigirt , sein söhn Carl von Jan übernahm die 
besorgung der übrigen , und von ihm empfangen wir zunächst 
in der vorrede rechenschaft über die bei der neuen bearbei- 
tung befolgten grundsätze. Er giebt eine kurze Übersicht der seit 
dem erscheinen der ersten ausgäbe im j. 1854 gewonnenen be- 
reicherung des kritischen apparates, zu dem in der zweiten aus- 
gäbe nichts neues hinzukommt, ausser dass die in Dresden auf- 
bewahrten originalcollationen zu Sillig's ausgäbe revidirt worden, 
aus denen dann wohl manche bisher mitlaufende druckfehler corri- 
girt sind. Vergleicht man die reihe der benutzten handschrif- 
ten mit den meiner ausgäbe zu gründe liegenden, so wird man 
bei Jan noch den Pollingensis oder Monacensis aus dem 
löten Jahrhundert angeführt sehen, obgleich ich schon in Jahns 
Jahrb. 77, p. 657 nachgewiesen hatte, dass derselbe durchaus 

Philol. Anz. HI. 9 



130 80. Plinius. Nr. 3. 

untergeordneten werthes sei, da er nur abschrift eines noch in 
Mailand erhaltenen, von Gruarinus Veronensis im j. 1433 emen- 
dirten, also keineswegs originalwerth habenden codex ist. Jan 
scheint die bedeutung dieser bemerkung nicht eingesehen zu ha- 
ben, als er in den Sitzungsberichten der bayrischen academie 
1862, I, p. 231 die autorität seines codex zu vertheidigen suchte. 
Von grösserem werthe für die nur in wenigen Stammhand- 
schriften erhaltene praefatio des Plinius wäre die benutzung des 
von mir angezogenen cod. Paris. 7701 gewesen, den Jan ; ich 
weiss nicht aus welchen gründen, verschmäht hat. 

Weiter spricht die vorrede von der Orthographie, in bezug auf 
welche sich Jan von den nach Silligs vorgange in seiner ersten 
ausgäbe durchgeführten grundsätzen theilweise wieder entfernt 
hat. Die casus der vierten declination auf üs werden jetzt 
mit doppeltem u geschrieben, wie es in den handschriften 
MB und von erster hand in R geschehen zu sein pflege. lie- 
ber diesen punkt habe ich neuerdings in den Symb. philol. 
Bonn. p. 712 gehandelt. Weiter wird nach rr überall h herge- 
stellt, weil es sich stets in M finde. Nach meinen Zusammen- 
stellungen bietet diese handschrift nur zwei hieher gehörige 
beispiele, nämlich die Schreibung Pyrrhus b. 11, 186 und 197, 
und daneben glycyrhisa 11, 284; rhus 12, 31; corhalio 13, 142; 
durrhacinis 14, 40 = duracinis , wie 14, 42 und 47 richtig ge- 
schrieben ist; in den Sammlungen bei Fels (de codd. Plin. auct. 
p.4ff. ; vgl. p. 20) findet sich kein einziges. Man sieht also, wie 
wenig berechtigt Jans angäbe ist, wie denn ja überall die setzung 
der aspirata in den alten handschriften, selbst in palimpsesten, die 
aller willkührlichste zu sein pflegt. Ob das, was über die su- 
perlativendung umus und imus gesagt ist , durchaus richtig ist, 
kann ich nicht controlliren ; wenn aber Jan angiebt , proximus 
müsste stets mit i geschrieben werden, so sehe ich dafür keinen 
innern grund, im palimpsest von Nonambula steht 25, 23 viel- 
mehr proxumum. Jedenfalls sind die gegebenen orthographi- 
schen regeln also durchaus nicht alle als genügend gesichert an- 
zusehen. Richtiger aber scheint es mir auch im punkte der 
Orthographie vorläufig nicht solche bestimmte und allgemeine 
grundsätze aufzustellen , sondern im einzelnen falle so viel wie 
möglich nur nach der auctorität der handschriften die Schreibung 
zu entscheiden. Wie weit dann allgemeinere gesetze über die 



Nr. 3. 80. Plinius. 131 

nicht unwichtige plinianische Orthographie festzustellen seien, 
würde erst eine umfassende behandlung nach art der von mir in 
den Symb. a. a. o. versuchten lehren können. 

Der in diesem ersten bände des Plinius enthaltene text 
zerfällt in mehrere verschiedenartige theile. Zu anfang steht 
die praefatio. In ihr habe ich keine neuen von Jan vorge- 
brachten lesarten gefunden. Aufgefallen ist mir insbesondere, 
dass er nach §.11 die worte subit cura und te digna als in cod. 
a (E bei mir) vorhanden angiebt ohne meiner gegentheiligen 
Versicherung (im Philol. xxvm, p. 336) erwähnung zu thun. 

Es folgt b. 1, das die indices der übrigen 36 enthält. Hier 
wäre bei der angäbe der Varianten nothwendig gewesen die 
Sorgfalt anzuwenden , diejenigen, welche in den handschriften 
wirklich in b. 1 vorkommen, von denen zu unterscheiden , wel- 
che im späteren texte erscheinen ; denn in den älteren hand- 
schriften werden die einzelnen indices jedesmal vor ihrem be- 
treffenden buche wiederholt. Die missachtung dieses Unterschie- 
des raubt der benutzung der Janschen Variantenangaben einen 
theil ihrer Sicherheit. Auf grund der handschriftlichen Überlie- 
ferung habe ich in meiner ausgäbe nicht selten die Ordnung der 
einzelnen leramata verändert. Dabei zeigte sich allerdings bis- 
weilen, dass diese Ordnung nicht mit der anordnung des Stoffes 
in den entsprechenden büchern stimmte. Was daraus zu schlie- 
ssen sei, wird eine eingehendere Untersuchung vielleicht einmal 
zu tage bringen. Jan bleibt an solchen stellen meist der al- 
ten reihenfolge getreu und begeht damit, wie mir scheint, einen 
offenbaren fehler (vgl. zu p. 15, 15. 16, 17. 26, 9. 23. 32. 
38 u. a.). 

In den folgenden büchern habe ich diejenigen stellen un- 
tersucht, an denen Jan im text oder nur in der scripturae dis- 
crepantia eigne neue conjecturen giebt ; ich habe deren im zwei- 
ten 8, im dritten 13, im vierten 12, im fünften und sechsten 
je 7 gefunden. In anbetracht des zustandes unseres pliniani- 
schen textes ist jedenfalls zuzugestehen , dass Jan nach dieser 
richtung hin sehr zurückhaltend verfahren. Um einige der be- 
treffenden stellen auszuwählen, so billige ich nicht die behand- 
lung von b. 2, 110, wo weder vastitas rei für vastitas caeli an- 
gemessen ist, noch die interpunction nach rei den sinn klarer 
macht , noch durch die weitere änderung der handschriftlichen 

9* 



132 80. Plinius. Nr. 3. 

lesart irgend eine besserung hervorgerufen wird. In §. 172 ist 
der werth von cod. a 2 (== E 2 bei mir) dem aller übrigen Hand- 
schriften gleich zu achten, wo nicht höher zu stellen, so dass 
wir nicht befugt sind gegen ihn die ungewöhnliche Stellung vero 
media nach einem punkte mit media vero zu vertauschen. §§. 
186 und 189 stehen im texte meine conjecturen, nicht, wie man 
nach script. discrepantia annehmen müsste, die Jans. Durchaus 
unbeholfen ist die §. 21 1 gegebene lesart : Locris et Crotone pesti- 
lentiam numquam fuisse nee in Ulis terrae motum adnotatum est 
statt der ebenso gut beglaubigten vulgata: nee ullo terrae motu 
laboratum adnotatum est. Möglich ist §. 213 trahenti statt tra- 
hentique , doch scheint mir die stelle auch so noch nicht end- 
gültig geordnet. 

In der Schreibung der zahlen , die gegen ende von b. 2, 
wie in den folgenden büchern so häufig vorkommen, hat die 
neue ausgäbe im vergleich mit der früheren zwar einen fort- 
schritt gemacht, indess keinen genügenden. Plinius wandte fol- 
gendes system an, das an einem beispiel am leichtesten klar 
gemacht werden kann, er schrieb b. 6, 206: |XXXIIII| XXXVII 
D = 3,437,500 schritt: statt dessen las man in Silligs aus- 
gäbe: XXX1ILI. XXXVII mil. D p., in Jan's erster verwandelte 
sich der schluss in: mil. D passuum, in der zweiten ist jetzt: 
|XXX1III| XXXVII mil. D. passuum gedruckt. Allerdings steht 
in den von mir verglichenen handschriften DE (= a bei Jan) 
F nur: XXXIIII. XXXVII. D, und sehr häufig sind von der 
einfassung der hunderttausende die beiden verticallinien in den 
handschriften entweder fortgelassen, oder in ein / oder L ver- 
wandelt (wodurch sich Jan jetzt zu neuen conjecturen hat ver- 
leiten lassen, z. b. 5, 40), indess ist doch auch oft das rich- 
tige bewahrt. Sehr selten aber wird nach der ziffer der tau- 
sende in buchstaben milia oder als sigle M. hinzugefügt, und 
ebenso selten die bezeichnung der schritte durch p. oder pas- 
suum oder gar pass. In meiner ausgäbe habe ich jedesmal das 
wiedergegeben, was ich in den besten handschriften fand , wäh- 
rend in allen früheren und nun auch noch in der neuesten Jan'- 
schen jene zahlreichen nach der Schablone gemachten interpo- 
lationen vorhanden sind , die nur geeignet sind in fällen , wo 
eine zahl verderbt ist und gebessert werden muss, Verwirrung 
anzurichten. 



Nr. 3. 80. Plinius. 133 

Auf die übrigen conjecturen einzugehen, die sich meist auf 
geographische namen beziehen, fehlt hier der räum; nur eine 
ausführliche systematische behandlung ganzer gebiete verspricht 
in manchen theilen der geographischen bücher des Plinius noch 
eine recht reichliche lese an besserungen. Die geographie Spa- 
niens hat inzwischen durch Hübners Corp. Inscr. lat. vol. II 
eine reihe von berichtigungen erhalten, zu denen ich im Philol. 
30, p. 265 ff. weitere nachtrage gegeben habe. 

Es mögen hier noch einige emendationsvorschläge folgen, 
die neuerdiDgs zum Plinius gemacht und von Jan nicht benutzt, 
vielleicht auch nicht gekannt sind ; einige sind auch erst nach 
erscheinen der ausgäbe vorgebracht. Praef. §. 14 ist mit M. 
Hertz (in Jahns Jahrb. 1869, p. 768) rijg iyxvxXCov TzavdsCag zu 
lesen. B. 2, 74 wird aus den Berner excerpten mit Urlichs 
(Heidelb. Jahrb. 1867, p. 213) zu schreiben sein: altitudinem 
subire vero. Mit recht streicht Urlichs (ebd.) 2, 97 das zweite 
fit et als dittographie des kurz vorhergehenden und verbindet 
eanguinea u. s. w. mit dem vorhergehenden satze. B. 3, 65 
muss man mit Mommsen (C. I. L. I, p. 409) dicere nisi arca- 
nis lesen. In b. 5, 54 ist der name eines theiles des Nillaufes 
statt Giris wohl Siris zu schreiben (vgl. Jahns Jahrb. 1868, p. 
839 f. und Vitruv. 8, 2, 6.), §. 112 die entfernung des Didy- 
mäum von Milet auf LXXX nicht CLXXX Stadien anzugeben 
(s. Brunn, die kunst bei Homer, München 1868, p. 37). B. 6, 
139 muss der name Spasines nach anleitung einer miinzlegeude 
(BA2IAE&2 YZFlAoZINoY, s. Gerhards Denkm. und Forsch. 
1866, p. 164) in Hyspaosines, Yspaosines oder Spaosines geändert 
werden ; das o desselben haben die besten handschriften noch 
bewahrt. 

Das verhältniss dieser ausgäbe zu der meinen ist in den 
„Mittheilungen der Verlagshandlung Teubner" 1869, n. 4 dahin 
angegeben, dass durch meine ausgäbe sowohl das kritische ma- 
terial beträchtlich vermehrt, als auch die methode der benutzung 
desselben um ein gut theil sicherer geworden sei. „Die so ge- 
machten fortschritte auch seiner ausgäbe zu gute kommen zu 
lassen, war der zweck, den der verstorbene Verfasser bei der 
Umarbeitung im äuge hatte". Und weiter ,,die beigefügte dis- 
crepantia scripturae . . . rechtfertigt alle abweichungen dieser neuen 
ausgäbe von Detlefsens text". Wie sehr dadurch dieser theil 



134 81. Alte geschickte, Nr. 3. 

des buches verändert ist, lehrt ein blick fast auf jede seite des- 
selben. Zur besonderen befriedigung gereicht es mir aber, nach 
den mannigfachen Scharmützeln, die ich mit dem Verfasser hatte, 
schliesslich bei ihm diese anerkennung gefunden zu haben. 

Jan's Verdienste um den Plinius sind unbestritten ; ihm 
verdanken wir bei weitem den grössten theil des brauchbaren 
materials in der Silligschen ausgäbe (darunter bekanntlich den 
früher verlornen schluss des werkes), durch dessen entdeckung 
und ansammlung überhaupt erst eine wirklich kritische bearbei- 
tung dieses arg interpolirten und entstellten Schriftstellers mög- 
lich war. Was Jan geliefert hatte, hat Sillig vielfach verwor- 
ren und oberflächlich benutzt, Jans bescheidenheit lehnte es 
aber ab, wenn man sowohl jene von ihm geschaffene grundlage, 
als auch seine besserungen mancher corrumpirten stelle den lei- 
stungen Silligs vorzog. Welch' ein interesse ihn bis zum letz- 
ten augenblicke an diesen schriftsteiler fesselte, dem seine erste 
Jugendarbeit galt, zeigt neben den mannigfachen gelehrten ab- 
handlungen über denselben noch insbesondere diese neu begon- 
nene revision des textes. Ofy sich für die fortsetzung derselben 
ein nachfolger findet, scheint zweifelhaft ; wünschenswerth aber 
wäre es in jedem falle, wenn wenigstens Jans conjecturen und 
das von ihm gesammelte material zur erklärung des textes 
dem publicum einmal mitgetheilt würden. D. Detlef sen. 

81. Ventia et Solonion. Etüde sur la campagne du pr£- 
teur Pomptinus dans le pays des Allobroges, la derniere des 
Romains dans la Gaule avant le proconsulat de Cesar (an 62 
avant J. C.) par M. Jacques Guillemaud. Paris, Didier, 
1869. 114 s. 

Der Verfasser hat sich die aufgäbe gestellt , den feldzug 
des C. Pomptinus gegen die Allobrogen auf grundlage des Dio 
Cassius XXXVII, 47 und 48 allseitig sachlich zu beleuchten 
und insbesondere die festen platze Ventia und Solonium topo- 
graphisch zu bestimmen. Wir stimmen dem verf. durchaus bei, 
wenn er aus Dio gleichzeitigkeit der Operationen des prätors und 
seiner legaten folgert. Die weiteren fragen sind: 1) wo befand 
sich im anfang des feldzuges das lager des Pomptinus? 2) Wo 
lag Ventia? 3) Wo erfocht Catugnatus den sieg über Lanti- 
nus? 4) Wo lag Solonion? Mit der zweiten frage hängt die 



Nr. 3. 81. Alte geschichte. 135 

dritte, mit der zweiten und vierten die erste eng zusammen. 
Ventia lag offenbar in der nähe der südgränze der Allobrogen 
urd zwar nach des verf. ansiebt auf dem rechten ufer des Isara, 
weil der prätor gegen die Allobrogen gezogen sei und der Isara 
die Allobrogen von den Vocontiern geschieden habe. Emile La- 
cour, der das gleiche thema in der Rev. arch^ol. 1860, p. 396 — 
416 (s. Philol. XVII, p. 737) behandelte, entschied sich für St. 
Nizaire auf dem linken ufer und ihm folgte die spezialcommis- 
sbn der grossen gallischen karte vom j. 1869. Auch wir müs- 
sen uns für das linke ufer erklären , schon mit rücksicht auf 
de einfache grammatische erklärung des textes: „nach einem 
irissglückten angriff auf den festen platz (Ventia) plünderte 
Lantinus das offene land ungefährdet, bis Catugnatus , der an- 
f tbrer des ganzen volkes , und auch einige andere von den 
aiwohnern des Isara ihnen zu hülfe kamen; denn jetzt wagte t 
ei wegen der menge der schiffe nicht, sie am Übergang zu verhin- 
dern". Dass Catugnatus aus dem innern des allobrogischen gebie- 
teskam, während Lantinus aus dem vocontischen gegen den Isara 
vor:ückte , ist nach den gegebenen Verhältnissen selbstverständ- 
lich Die partikeln zoxt yug hat der verf. übersehen oder igno- 
riert, sie wären auch von seinem Standpunkte aus unerklärbar. 
Ueberdies wäre schwer zu begreifen, wie Lantinus von Catugna- 
tus gedrängt den rückzug über den Isara bewerkstelligen konnte 
und ;varum Catugnatus sich den gefahren eines fluss Übergangs 
aussetzte. Dass das linke ufer des Isara auf seiner ganzen 
ausdeanung vocontisches gebiet gewesen sei, lässt sich nicht 
erweisen und folgt jedenfalls aus den vom verf. angeführten stel- 
len keneswegs: Cic. Ep. ad Farn. X, 15: in Isara flumine ma- 
ximo, cuod in finibus est Allobrogum, spricht eher für das gegen- 
theil. Ventia wird mit St. Donat zwei stunden nördlich vom 
Isara und drei stunden östlich vom Rhodanus identifiziert und 
dem allen namen jener Ortschaft Jovencieu = vicus Jovenciacus 
entscheiiende bedeutung beigelegt ; das adjeetiv Jovenciacus 
setze ein Jovencia d. h. Jovis Ventia voraus. Diese namens- 
erklärung käme natürlich erst dann in betracht, wenn die sach- 
lichen gründe für St. Donat sprächen. — Wo fand der zu- 
sammenstoss zwischen Lantinus und Catugnatus statt? Jeden- 
falls auf der Südseite des Isara und in massiger entfernung von 
Ventia ; nach Guillemaud bei Chateauneuf, nach Lacour in der 



136 81. Alte geschichte. Nr. 3. 

nähe von St. Nazaire. — Wo lag Solonion? Mit recht betont 
Guillemaud die Worte: rov Kaiovyvdrov tioqqix) not, äcpoQfiTJGav- 
toq und verwirft schon aus diesem gründe die ansieht von La- 
cour, dass Solonion in der gegend von Montmiral zehn kilone- 
ter vom Isara entfernt zu suchen sei. Auch die von Dio erwäln- 
ten allgemeinen dispositionen des feldzugs lassen auf eine grö- 
ssere entfernung der beiden angriffsobjeete unter sich schliessen. 
Guillemaud bringt Solonion in Verbindung mit dem heutigen 
weiler Salagnon 2*/2 stunde nordöstlich von Bourgoin am nori- 
abhang des Mont de Chamont, auf dessen höhe sich das xwghv 
Ig%vqov befunden habe, Wir wollen zugeben, dass der name Salag- 
non aus Solonion entstehen konnte mit dem Übergang des o in », 
wie in Vesontio Besangon, obschon die bei Liv. Epit. 103 erschei- 
nende kürzere form ad Solonem und die civitas Solliniensiun 
der Notitia einigen verdacht erwecken. Was den Mont de Cha- 
mont betrifft, der die Umgebung durchschnittlich um 150 meter 
überragt, im Süden und westen steil abfällt und auf drei 
Seiten von sümpfen umgeben ist, so vereinigt derselbe mch 
gallischen begriffen unstreitig die für eine natürliche festing 
nöthigen eigenschaften in sich. Zur Vervollständigung der un- 
zugänglichkeit waren ostwärts verschanzungen nöthig, wie sie 
Caesar bell. Gall. II, 29 dem oppidum Aduatucorum zuschreibt. 
Wir müssen aber in vergleichung ähnlicher Keltenstädte, wie 
Bibracte, Alesia, Gorgovia, Uxellodunum , dem Alesia der Allo- 
brogen nicht bloss eine terrasse, wie der verf. will, sondera das 
plateau des berges einräumen. Das %loqIov 16%vqov wäre dem- 
zufolge auf einer der bodenerhebungen östlich vom oppidvm zu 
suchen. Der verf. hegt die hoffnung, dass nachgrabungei spu- 
ren keltischer ansiedlung zu tage fördern würden. — Gegen 
die beantwortung der ersten frage betreffend die Stellung des 
Pomptinus auf dem rechten Rhoneufer, halbwegs zwisclen der 
Isaramündung und Vienna, haben wir hier nichts einzuvenden. 
Die lateinischen und griechischen citate sind hin und wieder 
sehr incorrect, so p. 22 caussierant statt lacessiverant , p. 20 
ov fiivroL xai rov TtoXlenaioq statt xa[ ivva xai tov noUGfiaxo^. 
Schliesslich verweisen wir noch auf eine von A. B. (Alex. 
Bertrand ?) im letztjährigen februarheft der Revue archSologique 
erschienene anzeige obiger schrift. Die versprochenen karten, 
plane, Zeichnungen sind unsers wissens uoch nicht erschienen, 



Nr. 3. 82. Archaeologie. 137 

werden aber kaum im stände sein, den ergebnissen , zu denen 
der verf. gelangt ist, die wünsckbare festigkeit zu verleiben. 

82. Ueber stil und zeit des Harpyienmonumentes von 
Xanthos von H. Brunn (aus den Sitzungsberichten der königl. 
bayer. academie der Wissenschaften 1870. II, 2). 

Pflegte man früher mit dem urtheil über den stil eines 
kunstwerks rascb fertig zu sein, indem man sieb möglichst all- 
gemein und unbestimmt ausdrückte, so dürfte es jetzt endlich 
durchgehend zugestanden werden , dass ein wirkliches verständ- 
niss der formen erst erreicht ist, wenn es gelingt sie in klare 
unzweideutige worte zu fassen. Zu denen, die durch lange an- 
schauung antiker originale begünstigt zuerst hand an das schwie- 
rige werk gelegt haben, gehört vor allem H. Brunn, der ei- 
ner ähnlichen arbeit über die Aegineten diesen aufsatz über das 
Harpyienmonument von Xanthos folgen lasst, das er mit den 
Branchidenstatuen von Milet , dem grabrelief der villa Albani, 
dem attischen relief der wagenbesteigenden frau und endlich 
den Aegineten vergleicht. Die characteristik des Stiles scheint 
mir überall vorzüglich gelungen, nur gegen die chronologischen 
folgerungen, die der vf. aus dem so gewonnenen materiale zieht, 
kann ich ein bedenken nicht unterdrücken. 

Niemand wird etwas dagegen einwenden können, wenn die 
milesischen statuen, die Brunn in die 60ger Olympiaden setzt, 
mit den reliefs verglichen und danach in diesen ein fortschritt 
in der formengebung erkannt wird. Wie jedoch auf der an- 
dern seite die Aegineten, die nach Brunns eigener bestimmung 
um ol. 75 fallen, für die Chronologie jener lykischen Skulpturen 
etwas beweisen sollen , gestehe ich nicht einzusehen. Wissen 
wir denn, oder können wir mit nur einigem recht voraussetzen, 
dass die lykische kunst mit der griechischen und speciell der 
äginetischen gleichen schritt hielt? Ist nicht anzunehmen, dass 
jene weichliche überfülle der formen, die mit einer gewissen Un- 
klarheit und Unsicherheit in der wiedergäbe des körpers wie 
der gewandung hand in hand geht, ein spezifisch orientalisches 
element ist, das sich nicht im laufe weniger Olympiaden verlo- 
ren haben wird ? Das von Brunn angewandte schöne gleich- 
niss der unentwickelten formen eines kindes, die in der stren- 
gen zucht des knaben- und Jünglingsalters gereinigt und zu 



138 83. 84. Antiquitäten. Nr. 3. 

scharf und bestimmt ausgeprägten gliedmassen ausgebildet wer- 
den, lässt sich gewiss auf die entwickelungsgeschichte der grie- 
chischen kunst anwenden ; um mit hülfe desselben chronologi- 
sche Schlüsse zu ziehen, scheint es jedoch vorläufig noch gera- 
then die landschaften aus einander zu halten. Die reliefs des 
Nereidenmonuments und die des Mausoleums, die chronologisch 
nicht weit aus einander liegen, zeigen wie verschieden griechisch- 
asiatische und wirklich hellenische künstler noch im vierten Jahr- 
hundert arbeiteten. Dass Brunn die bedeutung des landschaft- 
lichen elements , das er bei andern gelegenheiten (vgl. Annali 
dell' Ist. 1866, p. 422 ff.) so bestimmt hervorgehoben hat, hier 
ganz verkannt haben sollte , ist uns kaum glaublich ; wir sind 
um so gespannter zu erfahren warum er ihm in dem vorliegen- 
den falle keine bedeutung beigemessen hat. 

83. Büchsenschütz, die hauptstätten der gewerbfleisses 
im klassischen alterthume. 4. Leipzig. 1869. 106 s. — 1 thlr. 

84. Blümner, die gewerbliche thätigkeit der Völker des 
klassischen alterthums. 4. Leipzig. 1869. 153 s. — 1 thlr. 

Zwei werthvolle Schriften , beide mit dem preise gekrönt 
von der Jablonowski'schen gesellscbaft zu Leipzig, welche für 
das jähr 1868 die preisaufgabe gestellt hatte: „quellenmässige 
Zusammenstellung derjenigen orte des klassischen alterthums, 
wo gewisse gewerbszweige vorzugsweise geblüht haben". 

Büchsenschütz hat diese preisfrage gelöst durch „ eidogra- 
phische" anordnung des Stoffes (Liter. Centr. Bl. 1870, Nr. 17), 
indem er die entwicklung und ausbildung der einzelnen ge- 
werbszweige, ihre technik und ihre hauptstätten darlegt, zuerst 
die thonwaarenfabrikation , dann die glaswaaren , steinarbeiten, 
metallwaaren, arbeiten in holz und elfenbein , weberei , färberei, 
lederarbeiten , salben und oele , zuletzt müllerei und bäckerei. 
Für einzelne dieser brauchen konnten monographien benutzt 
werden ; nicht hat ref. citirt gefunden St. John, the Hellenes, 
ein werk, dessen dritter theil sich vorzugsweise mit der tech- 
nischen seite der gewerbe befasst. Das programm von Motz 
über die metallarbeiter der heroischen zeit (Meiningen 1868), 
konnte Büchsenschütz wohl noch nicht zu rathe ziehen. Bei 
der darstellung der arbeiten in holz erwähnt Büchsenschütz wohl 
die species der vavnriyot, der uixa^ovqyot oder ufia^onr]yot 



Nr. 3. 83. 84. Antiquitäten. 139 

(, Stellmacher") , die verfertiger musikalischer instrumente (av- 
lonoiot , XvgoTvotoC), die tischler (xXivonoioC , xvßwionoioC) , aber 
es fehlen die aoqonriyoC (Aristoph. Wölk. 846). Dass bei der 
Schilderung der scharlachfärberei das phokische Ambrosos (Pau- 
san. X, 36, 1) übergangen ist, hat schon der rec. im Liter. Centr. 
HL. a. o. bemerkt ; man gewann den farbstoff , wie in Lako- 
nika, von der scharlacheiche (xoxxog) durch das von Pausanias 
geschilderte verfahren. Auch die vom Schol. zu Ar. Fried. 1173 
Dindf. gerühmten gefärbten stoffe von Kyzikos sind nicht er- 
wähnt. Von den verfertigern der fabricate aus faserstoffen sind 
die seiler [xalwöigoyot, Plut. Perikl. 12, C%oi,rM)(fv(j<ß6Xot Schol. 
zu Aristoph. Fried. 37) übergangen ; besonders in Marathon, 
dessen sumpfige küste (Pausan. I, 32, 7) viel <jp/ia>s oder y>X6- 
fjtog erzeugte , scheint dies gewerbe schwunghaft betrieben wor- 
den zu sein, wie aus dem witz des Aristophanes Ran. 1296 
hervorgeht. Dass bei einer so reichhaltigen arbeit einzelne nach- 
trage sich machen lassen, kann dem werthe der schrift keinen 
abbruch thun. 

Blümner dagegen hat den stoff „geographisch" behandelt; 
in drei §§ schildert er die gewerbliche thätigkeit an der nordküste 
von Afrika und in Aegypten. Die folgenden acht referiren 
über Kleinasien, Vorderasien, die Pontusländer und die kleina- 
siatischen inseln , §.12 über die nördlichen landschaften der 
griechischen halbinsel, §§. 13. 14 über Mittelgriechenland, §§. 15. 
16 über die Peloponnes, §§.17 und 18 über die griechischen in- 
seln, §. 19 — 24 über Italien und die italienischen inseln, §. 25. 
26 über Hispanien, §.27 und 28 über das transalpinische Gallien, 
§. 29 über Noricum. Diese form der lösung der aufgäbe ent- 
spricht exacter der themastellung , für die Wissenschaft aber ist 
diese doppelseitige behandlung der sache ein unbestreitbarer ge- 
winn. Auch Blümner's arbeit zeichnet sich durch genaueste 
durchforschung der quellen und gewissenhafte benutzung der 
hülfsmittel aus. Ref. weiss nur weniges hinzuzufügen. Die 
glänzendste epoche des gewerbfleisses in dem kyprischen Sala- 
mis ist nach der (allerdings enkomiastisch gehaltenen) Schilde- 
rung bei Isokr. IX, 47 die regierungszeit des Euagoras gewe- 
sen. Unter den industriezweigen Böotiens fehlt die flötenfabri- 
cation, welcher das röhr des Kephisos so treffliches material lieferte 
(Bursian, Geogr. v. Griechenland I, 197). Von Blümner wie 



140 85. H. E. Dirksen. Nr. 3. 

von Büchsenschütz nicht berührt ist die attische kochkunst, die 
neben der bäckerei einen über die grenzen des landes weit hin- 
aus verbreiteten ruf genoss (vgl. Athen. XIV, 660a. Theophr. 
Hist. plant. VIII, 8, 2 u. a.) und in der that zu einem pro- 
fessionsmässigen gewerbe sich ausgebildet hatte ; die nichterwäh- 
nung ist um so auffälliger, da Blümner wenigstens die koche 
von Elis nicht übergangen hat (p. 83). Unter den zu Tarent 
betriebenen industriezweigen (p. 122 ff.) konnte noch töpferei 
genannt werden ; der hilarotragödiendichter Ehinton war der 
söhn eines töpfers (Suidas s. l Piv&tav). 

Von einschlagenden monographien scheint Blümner das 
programm von Spiro, de Clasomeniorum mercatura (Berlin 1855) 
nicht gekannt zu haben. Der vulkan auf Lemnos, der als eine 
werkstätte des Hephästos betrachtet war , hiess nicht Mesochlos 
(p. 86), sondern Möavyloq. 

Auf die sociale und politische Stellung der industriellen 
und auf die ethischen anschauuugen , von denen das alterthum 
bei der misachtung der gewerbe und alles professionellen thuns 
ausging, weiter einzugehen, verbot die fassung des gestellten 
thema. H. Frohberger. 

85. Zur erinnerung an Heinrich Eduard Dirksen, von Fr. 
D. Sanio, professor der reöhte in Königsberg. 8. Leipzig 
1870. 160 s. — 20 gr. 

Diese sauber und mit pietät ahgefasste lebensbeschreibung 
eines berühmten Juristen verdient für philologen in doppelter 
hinsieht beachtung. Dirksen lieferte viele und sinnige Unter- 
suchungen über verschiedene punkte des römischen alterthums, 
die ein zwischen Juristen und philologen streitiges feld bilden : 
ein vollständiges verzeichniss dieser vielfach zerstreuten Schrif- 
ten giebt der erste anhang dieser lebensbeschreibung. Ferner 
die bis in ein hohes alter fortgesetzte thätigkeit Dirksens be- 
zog sich auf den Sprachgebrauch der lateinischen rechtsquellen, 
wie sie in seinem Manuale Latinitatis vorliegt. Einen bemerkens- 
werthen nachtrag dazu, freilich nur zu dem buchstaben A, bie- 
tet der zweite anhang. Wir empfehlen ihn denen, welche sich 
mit der erforschung der spätem, aber doch guten latiuität be- 
schäftigen. 



Nr. 3. Theses. — N. auflagen u. schult». — Bibliographie. 141 

THESES quas ... in Academia Georgia Augusta . . . 
publice defendet Carolus Guenther: V. in Xenoph. Hell. 
III, 2, 27 sie legendum est: ro Tiuqä tov naxobg uoyvqiov di 
aviiüv 7iQ0XU>QrJ6cu xoiq Aaxtöaifiovlovq. VI. In Stat. Silv. I, 
1, 42 sie scribendum est: et cui se totis Temese dedit hausta me- 
tallis. VII. In Plat. Conv. p. 194 E scribendum est: iyu> de drj 
ßovKoftai, 71Q(Jutov fiev sinelv wq XQV {*>£ inaivtTv, emnu inuivslv. 

NEUE AUFLAGEN. 86. Thukydides erklärt von J. 
Classen. 2. aufl. 2. bd. 8. Berlin. Weidm.; 12 gr. — 

87. Thukydides für den schulgebrauch erklärt von G. Boehme. 
1. bds 1. heft b. I u. H. 3. aufl. 8. Leipz. Teub. ; 12 gr. — 

88. Vergil's gedichte erklärt von Th. Lad ewig. 2. bd. 6. 
aufl. 8. Berlin. Weidmann; 18 gr. — 89. Cornelius Taci- 
tus erklärt von K. Nipperde y. 1. bd. 5. aufl. 8. Berlin. 
Weidm.; 27 gr. 

NEUE SCHULBÜCHER. 90. Cornelius Nepos. Erklärt 
von H. Ebeling. gr. 8. Berlin. Eb. u. Plahn ; 12 gr. — 91. 

E. Kräh, Curtius als schullectüre. Eine skizze. 4. Inster- 
burg. Calvari; 12 gr. — 92. Freund' s Schülerbibliothek 
cett.: präparation zu Tacitus werken. 2. heft. gr. 16. Leip- 
zig. Violet; 5 gr. — 93. E. Berger und H. Heidel- 
berg Übungsbücher zu der griechischen grammatik von E. Ber- 
ger. 1. cursus. 4. aufl. 8. Celle. Schulze; 15 gr. — 94. 
H. D. Müller und J. Lattmann, griechische grammatik für 
gymnasien. 1. theil. Formenlehre. 2. aufl. 8. Göttingen. 
Vaodenh. u. Rup.; 18 ngr. — 95. R. A. Schnorbusch und 

F. J. Seh er er, griechische Sprachlehre für gymnasien. 2. aufl. 
8. Paderborn. Schöning; 20 gr. — 96. L. Englmann, 
lateinisches lesebuch. 1. thl. 5. aufl. Bamberg. Büchner; 15 
gr. — 97. G. W. Gossrau, lateinische elementar - gram- 
matik. 8. Quedlinb. Basse; 20 gr. — 98. A. Kuhr, schul- 
grammatik der lateinischen spräche. 4. aufl. 8. Berlin. G. Rei- 
mer ; 17 x /2 ngr. — 99. F. Schultz, lateinische Sprach- 
lehre. 7. aufl. gr. 8. Paterborn. Schöning; 1 thlr. 10 gr. 

BIBLIOGRAPHIE. Ein aufsatz über „pasquille und car- 
ricaturen" mit besondrer rücksicht auf unsre tage findet sich 
im Börsenbl. 1871 nr. 32. 36. 

Cataloge von Buchhändlern: verzeichniss anerkannt werthvol- 
ler werke aus dem gebiete der classischen philologie, welche im 
verlage von Ernst Fleischer in Leipzig erschienen und durch 
alle buch- und antiquariats-handlungen zu den beigesetzten au- 
sserordentlich ermässigten preisen, so weit die vor- 
räthe reichen, zu beziehen sind. — Sehr zu beachten. 



142 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

Cataloge von antiguaren: antiquarischer catalog der Theo- 
dor B er tlingschen buch- und antiquar-handlung in Danzig; 
Catalogus Librorum ab Henrico Martin professore quondam 
Gymn. Friderico - Guilelmi Posnaniensis et ab Hermanno 
Schoenbein praeceptore gymnasii Brombergensis relictorum ad 
antiquitatis studia pertinentium qui prostant apud Josephum 
Jolowicz, Posnaniae ; nr. XCIX. Archäologische werke zum 
theil aus den bibliotheken von 0. Jahn und F. Larson. Zu 
verkaufen durch J. A. Stargardt in Berlin, Jägerstrasse nr. 
53 parterre. 

KLEINE PHILOLOGISCHE ZEITUNG. In der Sitzung 
der philosophisch - historischen classe der kaiserl. academie zu 
Wien vom 1. februar sprach Philipps (dessen schrift über 
das baskische aiphabet jetzt auch besonders erschienen ist) über 
den iberischen Ursprung einzelner Stammes- und städtenamen 
im südlichen' Gallien , dem wir aus dem Sitzungsbericht nr. IV 
folgendes entnehmen : 

„Nach Strabo ist es ohne zweifei, dass die bewohner 
Aquitaniens sieh von denen des übrigen Gallien durch abstam- 
mung und spräche wesentlich unterscheiden und den Iberern 
beizuzählen sind. Daher trifft man in den gegenden zwischen 
der Garonne und den Pyrenäen, in dem lande, welches nach- 
mals Novempopulonia hiess, bereits zur Römerzeit eine nicht ge- 
ringe zahl von namen an , welche sich mit verschiedenen iberi- 
schen Stammes- und Städtebezeichnungen Hispaniens vergleichen 
lassen, wie denn auch Wilhelm von Humboldt (über die urbe- 
wohner Hispaniens) mehrere jener namen, aber nur beiläufig be- 
rücksichtigt. Demgemäss erschien es geboten, gerade diese aqui- 
tanischen namen besonders zu beachten und zugleich mehrere 
andere iberisch lautende, die der provinz Gallia Narbonensis 
prima angehören, zuzuziehen. Es kam hierbei darauf an, eine 
genaue Sichtung der von Cäsar und Plinius überlieferten aqui- 
tanischen stammesnamen vorzunehmen und vor allem diejenigen 
auszuscheiden , welche als unzweifelhaft keltischen Ursprunges 
anzusprechen waren, wie die namen Bigerriones , Illiberris und 
Iluro; der name Illiberris diente aber auch zum übergange nach 
Gallia Narbonensis prima, wo sich eine Stadt gleichen namens 
vorfindet; auch hat sich in dem heutigen namen Colliure das 
frühere, zur Römerzeit nicht genannte Caucoliberis erhalten. 
Nicht minder ist zu den iberischen namen der frühere der Stadt 
Bhiers zu rechnen, welcher in der form Beterrae erscheint. Bei 
den Untersuchungen über diese narbonensischen städte bot sich 
auch die gelegenheit, einige münzlegenden zu benutzen. Unter 
diesen befindet sich insbesondere eine etwa in hundert exem- 
plaren vorkommende, weche Nedhn lautet, vielleicht = Narbo, 
wofür auch wichtig sein dürfte, dass die bewohner von Narbonne 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 143 

von dem landvolke noch gegenwärtig Nedeneses genannt wer- 
den. Man scheint daher darauf hingewiesen zu werden, dass 
Narbo in alter zeit auch eine solche Dispolis war, wie Empo- 
rium, wovon Strabo und mehr noch Livius eine anziehende beschrei- 
burig gegeben. Selbstverständlich musste auch bei diesen Untersu- 
chungen die frage, wie das baskische sich zu dem iberischen verhalte, 
von neuem sich geltend machen, um so mehr, da noch behaup- 
tet wird, dass die baskische bevölkerung erst seit dem fünften 
Jahrhundert allmälig von den Pyrenäen in das südliche Gallien 
gekommen. Diese ansieht wird durch die unläugbare Überein- 
stimmung der zur Römerzeit vorkommenden aquitanischen na- 
men mit den hispanischen von selbst widerlegt. Was nun den 
Zusammenhang dieser namen mit dem baskischen betrifft , so 
steht fest, dass sowohl eine unverkennbare lautähnlichkeit her- 
vortritt, als auch einzelne namen sich aus dem baskischen voll- 
ständig erklären lassen. Allein die zahl dieser namen ist ver- 
hältnissmässig viel geringer, als man es wohl wünschen möchte, 
und eine beträchtliche zahl bleibt trotz allen baskischen appara- 
tes, den man herbeischaffen mag, doch unerklärt. 

Am 23. januar f in Meissen Dr ph. Frid. Franke, 
rector der fürstenschule daselbst: s. Ph. Anz. II, nr. 11, p. 588: 
vrgl. ob. p. 28. 67. 

Nach Zarncke's Centralbl. 1871, nr. 9, p. 216 sind die 
1869 in Berlin erschienenen Epistolae obscur. viror. von Dr W. 
Hayduck zur zeit in Kaschau wohnhaft, verfasst: sonst vrgl. Pin- 
iol. Anz. II, nr. 6, p. 311. 

Nach der schlesischen Ztg. 1871 v. 20. märz ist der als 
oberbibliothekar an der kaiserlichen öffentlichen bibliothek zu 
Petersburg angestellte Dr Aloys Pichler, der Verfasser der 
„theologie des Leibnitz" und anderer schritten, seines amtes ent- 
setzt und über die grenze geschafft wegen in grösstem maass- 
stab ausgeführter entwendung von werthvollen büchern und 
handschriften. 

Wir fahren nun fort, die philologen, welche in dem deutsch- 
französischen kriege kämpfen und gekämpft haben , nach den 
uns zugegangenen , leider theilweis noch sehr unvollständigen 
mittheilungen , zu verzeichnen : 

I. Es sind gefallen: 

203. Dr ph. Albert Zippmann, aus Coblenz, geb. 1840, ge- 
bildet auf dem gymnasium daselbst, studirte in Bonn von mich. 
1858, ward 1859 einberufen und setzte dann bis 1864 in Bonn 
seine Studien fort, ging dann nach Berlin, wo er sich Böckh's 
gunst im pädagogischen seminar erwarb, kam dann 1868 nach 
Schneidemühl. Im sommer 1870 einberufen folgte er dem 
ruf mit begeisterung und wie er in allen Verhältnissen strebte 



144 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

im vollsten maasse seine pflicht zu thun , mögen folgende zwei 
nachrufe beweisen: 

Cöln. Ztg. 1871, n. 17 zweites Matt: in der nacht vom 7. 
auf 8. d. mts fiel beim stürm auf das stark befestigte dorf 
Danjoutin vor Beifort von drei kugeln getroffen au der spitze 
seiner compagnie der kgl. compagnieführer und premierlieute- 
nant im landwehr - bataillon Schneidemühl, ritter des eiser- 
nen kreuzes IL classe, 

Herr Albert Zippmann. 

Er war ein offizier von hoher geistiger bildung, einer seltenen 
unerschrockenheit und tapferkeit und seinen untergebnen und 
cameraden ein leuchtendes vorbild. 

Sein tod wird von dem ganzen regiment auf das alier- 
tiefste betrauert. 

C-Q. Mevoux , den 8. januar 1871. 

Im namen des offiziercorps des 1. combinirten pommerschen 

landwehr - regiments. 

v. Zitzewitz, 

Oberst und regiments - Commandern-, 

Cöln. Ztg. 1871, nr. 20 zweites blatt: tief erschüttert bekla- 
gen wir den Verlust des in der nacht vom 7. zum 8. d. m. 
beim stürme auf Danjoutin vor Beifort gefallenen königlichen 
Oberlehrers 

Herrn Dr Albert Zippmann. 

Durch schärfe und vorzügliche bildung des geistes berufen, 
einst in der Wissenschaft als stern erster grosse zu leuchten, 
war er uns nicht nur ein gewissenhafter und eifriger mitarbei- 
ter am erziehungswerke, sondern auch ein liebenswürdiger College 
im vollsten sinne des worts und theilnehmeuder freund bis zum 
letzten athemzuge. 

Sein treues herz, sein heller geist und der unwiderstehliche 
zauber seiner ganzen Persönlichkeit werden uns unvergesslich 
bleiben. 

Schneidemühl, prov. Posen. 

Das lehrercollegium des königlichen gymnasiums. 



II. Im felde stehen : 

1. Philologen in amt und würde: 

Gymnasiallehrer aus der Rheinprovinz. 

204. Dr phil. Matthias Fhss, aus Bürvenich, geb. 1840, kom- 
missarischer lehrer an der ritteracademie zu Bedburg. 

205. Dr ph. Jacob Vasen, aus Kirchhorten, geb. 1845, 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 145 

kommissarischer lehrer an der ritteracademie zu Redburg, steht 
als seconde- lieutenant im felde. 

206. Jacob Sommer, aus Aldenhoven, geb. 17. sept. 1837, 
hülfslehrer am gymnasium von Marzellen zu Cöln. 

207. Nicolaus Fink, aus Deutz, seit ostern 1870 am gym- 
nasium von Marzellen zu Cöln. 

208. Dr phil. Heinrich Schwenker, aus Düsseldorf, geb. 
1840, oberlehrer in Düren; steht als seconde - lieutenant in 
Wesel. 

209. Hermann Hankamer, aus Kheinberg, geb. 1844, probe 
candidat am gymnasium zu Emmerich; ist Unteroffizier. 

210. Dr phil. Hilarius Wolffgarten, aus Weingarten, geb. 
1845, probecandidat am gymnasium zu Cleve, trat ein als vice- 
feldwebel im infanterie-rgmt. nr. 74, ward später lieutenant: 
ist bei dem stürm auf die spicherner höhen verwundet ; erhielt 
das eiserne kreuz. 

211. Heinrich Geiler, geb. zu Füssenich 1839, commissari- 
scher lehrer in Düren, steht in Cöln. 

212. Dr phil. Joseph Kamp, gymnasial - lehrer am Fried- 
rich-Wilhelmsgymnasium zu Cöln, lieutenant im 25. infanterie- 
rgmt, verwundet am 18. august bei Gravelotte durch schuss 
in den rechten oberarm. 

213. Arnold Schmidiz, probecandidat am Friedrich -Wilhelms- 
gymnasium zu Cöln, steht als vicefeldwebel beim 74. infanterie- 
rgmt. 

214. Dr phil. Heidemann, geb. in Teklenburg (Westphalen) 
1818, zweiter oberlehrer am gymnasium zu Essen, premierlieu- 
tenant im landwehr-bataillon Essen nr. 57, steht in Wesel: 
escortirte gefangene Franzosen. 

215. Franz Schommer, geb. 1841 zu Trier, probecandidat 
am gymnasium daselbst, steht von anfang des kriegs an bei 
der armee. 

216. Dr ph. Brandenburg, geb. 1839 zu Sinzenich, vierter 
ordentlicher lehrer am gymnasium zu Münstereifel, ist landwehr- 
artillerie - lieutenant des 1. aufgebots , landwehr-bataillon Brühl 
nr. 28, steht bei der festungs - artillerie zu Coblenz und ist 
auch zur beaufsichtigung eines militair-lazareths verwandt. 

217. Theodor Thele, aus Heiligenstadt, ordentlicher lehrer 
am gymnasium zu Erkelenz, seconde -lieutenant und compagnie- 
führer im 5. rheinischen infanterie-rgmt nr. 65, hat sich bei 
der erstürmung von Tbiersville, bei der am Jardin - Fontaine 
und bei der belagerung von Verdun ruhmvoll ausgezeichnet. 

218. Dr ph. Caspar Blind, geb. zu Erkrath 1828, am 25. 
juli einberufen, ordentlicher lehrer an der realschule 1. o. zu 
Cöln, diente als Unteroffizier in den regimentern nr. 68. 33. 

Philol. Anz. III. 10 



146 Kleine philologische zeitung. Nr. 3 

29. 40 und war bis 1. october, wo er entlassen ward, auf dem 
verpflegungsamte der gefangenen französischen Offiziere zu Cöln 
beschäftigt. 

219. Dr. ph. Heinrich Ossenbeck, geb. zu Everswinkel 1834, 
ordentlicher lehrer an der realschule zu Cöln 1. o., ward am 
25. juli einberufen und als Unteroffizier beim ersatz - bataillon 
des 5. rheinischen infanterie - rgmts nr. 65 zur inspection der 
handwerker - compagnie zu Cöln commandirt. 

IL Auf der Universität studirende philologen: 

Münster. 

1. Mitglieder des philologischen seminars : 

220. Franz Potthast aus Büren, stud. von michael. 1866 bis 
ostern 1870, schulamtscandidat, im letzten semester ordentliches 
mitglied, steht als seconde - lieutenant im 13. infant.-rgmt dea 
VII. armeecorps. 

221. Ferdinand Weck aus Münster, stud. von michael. 1865 
bis ostern 1869, schulamtscandidat, steht als seconde -lieutenant 
im 13. infant.-rgmt des VII. armeec. ; war mit vor Metz. 

222. Dr phil. Joseph Willi. Müller aus Gescher, stud. von 
michael. 1865 bis ebendahin 1869, probecandidat in Paderborn, 
steht so viel bekannt im 13. inf.-rgmt. VII ac. als vizefeldwe- 
bel und war vor Metz. 

223. Dr ph. Jacob Vasen aus Kirchherten, stud. von michael. 

1864 bis ebendas. 1868 probecandidat in Düsseldorf und war 
zuletzt ordentliches mitglied, hat den feldzug 1866 bei der 
Mainarmee mitgemacht und dient jetzt als artillerie- lieutenant. 

224. Dr ph. Carl Giese aus Dresden , stud. von michael. 
1862 bis ebendas. 1866: gymnasiallehrer; dient als lieutenant. 

225. Heinrich Brandt aus Hezebrock, stud. seit michael. 1865 
bis ebend. 1869, schulamtscandidat, war ausserord. mitglied, 
steht als lieutenant im hannov. infant.-rgmt nr. 73 X. a. c. 

226. Gerhard Finkenbriuk aus Gelde, stud. seit michael. 

1865 bis mich. 1868, probecandidat, war ausserordentliches mit- 
glied; steht im Schleswig -holsteinschen infant.-rgmt. nr. 66 in 
Erfurt. 

227. Bernhard Schottler, aus Velck, stud. von michael. 1864 
bis ebendas. 1867, probecandidat am gymnasium zu Rheine, war 
ausserord. mitglied, steht bei der artillerie des VII. a. c. 

228. Wilhelm Fink aus Düsseldorf, stud. seit michael. 1865 
bis ebend. 1866 in Münster, war ausserord. mitglied. 

81. Dr ph. Heinrich lleckel, stud. seit mich. 1863 bis 
ebend. 1867, war ausserordentliches mitglied ; probecandidat in 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 147 

Münster, steht beim ersatzbataillon des hannov. infant.-rgments 
nr. 73 X a. c. in Münster. 

Studirende der philologie, welche nicht im philologischen Semi- 
nare waren : 

229. Dr. ph. Rudolph Wirfei aus Büren, stud. in Münster von 
michael. 1864 bis ebend. 1866, probecandidat: ist wegen ta- 
pfern Verhaltens zum lieutenant ernannt und mit dem eiser- 
nen kreuz decorirt. 

230. Auton Balkenhol aus Assinghausen, stud. seit michael. 

1868, steht im 7. artill.-rgmt. 

231. Beruh. Fanrick aus Ennigerloh, stud. seit michael. 1869, 
steht im VII. artill.-regmt. 

232. Wilhelm Fütterer aus Heiligenstadt, stud. seit ostern 
1870, steht im VII. artill.-rgmt. 

233. Wilhelm Hassbach aus Vernauen, stud. seit michael. 1868, 
steht im VII. artill.-rgnjt. 

234. Beruhard Rrembs aus Warendorf, stud. seit ostern 

1869, steht im VII. artill.-rgmt. 

235. Gustav lücher aus Wange bei Attendorn , stud. seit 
michael. 1868, steht Im VII. artill.-rgmt. 

236. Carl Rautert aus Alme, stud. seit michael. 1869, steht 
im VII. artill.-rgmt. 

237. Ludwig Christfreund aus Oberrossbach, stud. seit ostern 
1869, steht im 73. infant.-rgmt. 

238. Ueiurich Rehrmaun aus Minden, stud. seit mich. 1868, 
steht im 73 infant.-rgmt. 

239. Wilhelm Kemper aus Lengenbeck , stud. seit ostern 
1868, steht im 13. infant.-rgmt. 

240. August loser aus Münster, stud. seit ostern 1868, 
steht im 58. infant.-rgmt. 

241. Joseph Frieling aus Neheim, stud. seit ostern 1870, 
steht im felde, wo, unbekannt. 

Göttingen. 

41. J. Schliephacke, steht im 67. infauterie-rgmt, schwer 
verwundet am 3. Januar vor Beifort ; nachdem er längere zeit 
— auch am 15. Januar — im lazareth zu Montbeliard gelegen, 
ist er nach dem schlosslazareth in Kottbus gebracht , wo er, 
verpflegt von seiner Schwester, der sehr langsam vorwärtsschrei- 
tenden heilung harrt. — ,,Wir marschirten auf einer recognosci- 
rungs- patrouille am Doub. Mein zug, zu dem Schliephacke ge- 
hörte, war avantgarde. Wir marschirten am Doub entlang, eine 
halbe stunde jenseit l'Isle ; die brücke war von den Franzosen 
abgebrochen: diese hielten sich in starker zahl in den fabriken 
und häusern der stadt, hinter dem eisenbahnwalle und andern 

10* 



148 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

verschanzungen, wogegen wir ungedeckt marschirten. Rechts 
erhob sich ein steiler berg, links fiel die chaussee jäh ab: doch 
befand sich am rande derselben ein erdaufwurf von 1 fuss höhe. 
Die Franzosen Hessen uns recht weit vorgehen; dann gaben sie 
starke salven auf uns : wir warfen uns platt in den schnee, den 
köpf an jenem erdaufwurf. So lagen wir sechs stunden bis 
zur dämmerung : schiessen half wegen der grossen entfernung 
zu nichts, während die kugeln der Franzosen über uns hinsauss- 
ten. Endlich kam vom berge der befehl ,,deckung zu nehmen" 
und sich zurückzuziehen , d. h. 20 minuten lang auf dem bau- 
che zu kriechen mit dem tornister auf dem rücken, das gewehr 
um den hals. Schliephacke, schon durch die maische der vori- 
gen tage sehr angegriffen, richtete, um sich etwas zu stärken und 
zu recken, einen augenblick sich auf und in dem rnoment bekam 
er einen schuss , der die rechte hinterbacke durchbohrte , den 
knochen zwar nicht, aber den mastdarm verletzte und über dem 
linken hüftknochen, jedoch mehr im rücken sitzen blieb. Die 
kugel ist zwar glücklich und leicht herausgenommen , aber we- 
gen des aus dem mastdarm fliessenden blutes, der starken diar- 
rhoe, des gänzlichen mangels an herrschaft über die füsse und 
des wilden wundfiebers — hoffnungslos". 

Chronik des deutsch - französischen Tcriegs. So wie der befehl 
zum abmarsch kam , rückte flugs das regiment zur eisenbahn, 
welche dann regiment auf regiment, infanterie, cavallerie, train 
u.s.w. an die grenze nach den bis auf das kleinste detaillirten 
fahrplänen in so trefflich berechneter folge hinrollte, dass trotz 
der grossen masse nirgends eine Stockung oder Überstürzung 
oder sonstige Unordnung eintrat und die regimenter dank den 
durch den Patriotismus der directionen und beamten zu der höch- 
sten leistungsfähigkeit angestrengten eisenbahnen, jedes zur rech- 
ten zeit, ihre stellen in der heeres - aufstellung einnahmen. Auch 
dies erhöhte die Stimmung der armee; man fühlte an sich selbst 
jetzt schon die Sicherheit und Vollendung der Oberleitung: eben 
so wirkte begeisternd die liebevolle theilnahme der bevölkerung, 
die — alles anders als in Frankreich — sich überall an den 
haltestellen herandrängte, um durch Zuführung der in den heis- 
sen sommertagen so nöthigeu erfrischungen aller art ihre theil- 
nahme zu bethätigen; dazu nun der am 20. 22. 26. juli sich 
vollziehende beitritt von Süddeutschlaiid — die armee hegte 
nicht die besorgnisse, welche andre gute Deutsche drückten: 
jubelnd und singend — „lieb Vaterland, kaunst ruhig sein" — in 
vollster siegesgewissheit zog sie gegen den Feind, so dass schon 
diese fahrt zu einem triumphzuge von schönster Vorbedeutung 
ward. Dieser aufmarsch der gesammten deutschen beere in der 
linie Trier -Landau fand etwa in 13 tagen statt: bei der stärke 
der armee von 5 — 600000 mann wurden demnach täglich 42000 
mann befördert und zwar von fünf eisenbahnen , von denen je- 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 149 

doch drei vorzugsweise in ansprach genommen sind. Um diese gross- 
artigen militairischen, wie eisenbahn-leistungen richtig zu beurthei- 
len, muss man ferner der enormen transporte an pferden, ge- 
schützen, munition und fahrzeugen gedenken, welche gleichzeitig 
zur beförderung gelangten, so wie des umstandes , dass bis 
vor Jahresfrist 1 bataillon , 1 escadron oder 1 batterie als 
die reglementsmassige belastung eines eisenbahnzuges erach- 
tet wurde, und endlich, dass vier preussische armeecorps 
von ihren Standquartieren bis zur französischen grenze auf 
80 — 120 meilen herangeführt und während der mehrtägigen 
eisenbahnfahrt mann und ross verpflegt werden mussten. 
Während in dieser mit grossartigster ruhe sich vollziehen- 
den bewegung das volk in waffen gegen das land des grim- 
men feindes zog, wurden durch erlass vom 22. juli zur Siche- 
rung und befestigung des Zusammenwirkens der militair - und ci- 
vilbehörden die fünf general - gouvernements mit je einem ge- 
neral an der spitze eingesetzt und damit zugleich auch maass- 
regeln zum schütz für die langgestreckte und durch die feind- 
liche flotte bedrohte küste geschaffen. Daneben ordneten sich 
nach maassgabe der damaligen auffassung des kriegs die anstal- 
ten für die sanitätszüge wie die sonstigen für die Verpflegung 
des heeres freiwillig unternommenen vereine : so dass als durch 
alle diese die ganze kraft und ausdauer der dabei thätigen be- 
hörden wie privaten selbstverständlich erheischenden und mit be- 
wunderungswürdiger präcision und Schnelligkeit alisgeführten ar- 
beiten nach allen seiten hin die für einen erfolgreichen krieg 
nothwendigen Vorbereitungen so gut wie nur möglich getroffen 
waren, auch das heer in voller rüstung so ziemlich überall an 
den orten seiner bestimmung sich befand. Schon durch diesen auf- 
marsch hatte das heer den feind am vorrücken gehindert, der au- 
sserdem durch den anschluss von Süddeutschland seine plane wirk- 
samst durchkreuzt sah : es war auf deutscher seite schon ge- 
siegt, noch ehe die hauptmacht einen schuss gethan. Zugleich 
offenbarten sich die guten folgen von 1866 bei den Süddeutschen 
auf eine überraschende und freudig erhebende weise : erschienen 
doch diese schon bei diesem aufmarsch und der mobilmachung als 
dem nordbund, von dem sie in jenem jähre so gewaltig nieder- 
geworfen waren, ganz gleich und. ebenbürtig. Als daher am 2. 
august der könig in Mainz, dem hauptquartier, das commando 
über die gesammte armee übernommen , beginnen sofort die 
Operationen der drei armeen, in welche das ganze heer einge- 
theilt war , die erste unter general von Steinmetz , die zweite 
unter prinz Friedrich Karl , die dritte unter dem kronprinzen, 
alle von 1866 her bekannte und bewährte führer. Die gross- 
artigen leistungen dieser beere und ihrer führer erheischen nun zu 
gerechter Würdigung und eignem verständniss so wie dem des 
Verlaufs des kriegs in seinem ganzen umfang die kenntniss der 



150 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

kriegseinrichtungen der im gewaltigsten kämpf um ihre exi- 
stenz sich entgegentretenden nationen : zwar findet man auch 
jetzt noch vielfach die meinung befürwortet, es sei der krieg, um 
mit dem dichter zu reden, ein roh gewaltsam handwerk; aber 
er ist das in zeiten der kultur und überhaupt nie gewesen, 
vielmehr erscheint die kriegskuust als aus dem innersten wesen 
der menschheit entsprungen hinsichtlich ihrer grundlagen trotz 
aller fortschritte und mit der entwicklung der menschheit ein- 
getretener Veränderungen von anfang an als dieselbe , durchlebt 
dann, nur einmal erfunden , wie maass und gewicht, aiphabet, 
Strophe, thierfabel mit der menschheit deren Schicksale und gestal- 
tet sich allmählig somit zu einer von keiner andern an tiefe und 
umfang und grossartigkeit übertroffenen kunst und Wissenschaft. 
Schon die Spartaner, unseres wissens das älteste volk, das als 
seine aufgäbe und als die höchste leistung des Staats den krieg 
betrachtete, hielten an der allgemeinen Wehrpflicht fest und ver- 
bannten die verweichlichende Stellvertretung, woraus die erzie- 
hung ihre erste und wichtigste aufgäbe, die ausbildung der bür- 
ger zu kriegern, gewinnt: daher denn die art der gymna -tik ; 
aber auch die poesie mit ihren dem geist beste nahrung zufüh- 
renden liedern ward gepflegt und sie, nicht blosses commando, 
machte schon dem knaben die midaQxCu, d. h. den unbeding- 
ten gehorsam gegen die vorgesetzten, zur andern natur. Und 
neben der poesie dienten auch andere künste der griechischen 
fjbovßtxi] der kunst des krieges ; unter flötenschall und gesang 
nach herzstählenden melodien zog man in die Schlacht, in der 
der einzelne streng geschult sich nach den regeln des tanzes 
in schöner form bewegte, zum deutlichen beweis, dass das im 
frieden geübte in blutiger schlacht sich als praktisch bewähre. 
Die schlacht selbst aber verlief wie den einzelnen so auch im 
ganzen in strenger Ordnung : das beer stand getheilt in fiogat, 
deren jede in vier Xo/ov zerfiel, der einzelne Xn^og in zwei oder 
mehr mvirjxoGivg, von diesen jede in zwei irwfjoifat zu je 25 
mann, wie jetzt noch das regiment in seine bataillone, compagnieen 
und züge. Dabei verhinderte man nicht, dass in der enomotie 
freunde und gegenseitig sich liebende neben einander standen, 
sich gegenseitig unterstützten, anfeuerten, zu den grössten an- 
strengungen und selbst zum tod für das Vaterland sich begei- 
sterten, von schimpflicher flucht sich abhielten. Trotz dieser 
anspannung aller kräfte blieb wegen der sorgfältigen ausbildung 
des einzelnen alles wilde, jener jetzt kriegsfurie genannte taumel 
fern, was seinerseits der Staat in guter zeit dadurch festigte, dass 
er nie kriegerischen gelüsten folgte, nur ungern zu grösserm 
kriegszug sich bewegen liess : Ares blieb hier, obschon das volk 
durch und durch ein kriegerisches war, immer ein noXvduxQvg. 
Die hierin sich aussprechende sittliche richtung bewährte sich 
auch nach der schlacht: ist sie geschlagen, erscheint der tapfere 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 151 

gegner nicht mehr als feind ; tödtung und Schmähung verwun- 
deter oder gefangener, Schändung der todten, galt als unheilig 
und für verbrechen. Natürlich ward im frieden der krieg nie au- 
sser äugen gelassen, immer an ihm gearbeitet und gerüstet, auf 
beschaffung guter waffen das augenmerk stets gerichtet, jedoch 
nur mit einer gewissen beschränkung; denn in alter zeit ver- 
einbarte conventionen bestimmten, wie es scheint, die art der- 
selben und ihren gebrauch. Da nach der eigenthümlichkeit des 
Volkes und landes die hauptstärke des heeres im fussvolk lag, 
wird dies vorzugsweise gut bewaffnet: in der reiterei blieb 
Sparta schwach, noch schwächer in dem belagerungskrieg. Das 
fussvolk musste im kämpf die entscheidung bringen, weshalb in 
ihm der Spartiat am liebsten diente, den, so wie er in den zu 
gerechter abwehr feindlicher überhebung vom Staat nach langer 
Überlegung begonnenen krieg zog, freudige, überall natürlich 
und ungesucht hervortretende kampfeslust und begeisterung er- 
füllte: denn stand er unbehelligt vom feinde im lager, machten 
kriegerische Übungen sein tage werk aus : die leibesübungen wur- 
den regelmässig fortgesetzt, die waffen geputzt, die gewänder 
gechmückt und kränze zur zierde des hauptes geflochten , dabei 
die götter nicht vergessen, denen zu ehren päane erklangen 
und auch bei andern gelegenheiten als vor der Schlacht opfer 
gebracht werden. Alles dies entwickelt sich aber im kleinen 
von wegen der kleinen Verhältnisse, in denen den Hellenen sich 
zu entwickeln vergönnt war und daher bezeichnen sie auch nur, 
wie gesagt, einen anfang : aber wie jeder beim lesen sich schon 
längst gesagt, stimmt dieser auf grundlage wahrer menschlich- 
keit beruhende anfang nicht mit der stufe hoher Vollendung, 
welche im preussischen heere hervortritt? Und liegt in ihm, 
diesem anfang, wie das lob und die rechtfertigung der deut- 
schen kriegsführung, nicht zugleich die verurtheilung der wil- 
den, der Berserkerwuth ähnelnden und aller gesittung hohnspre- 
chenden französischen ? Freilich hat dann im laufe der zeit 
diese dorische kriegskunst der rohen gewalt der makedonischen 
phalanx unterliegen müssen ; aber da solcher rohen gewalt die 
weit doch nicht dienen soll , fand diese phalanx in der römi- 
schen kriegs k u n s t ihren meister : die stämmigen, ungeschlach- 
tet alles vor sich niederwerfenden tölpel der phalanx erlagen 
dem kunstgerecht geführten , in seiner damaligen Wirkung der 
zündnadel 1866 vergleichbaren, pilum und den wohlberechneten 
evolutionen der ausgebildeten taktik der Römer. Und grade 
dies wiederholt sich jetzt vor unsern äugen : freilich unter ganz 
andern , unter den grossartigsten Verhältnissen : nicht nur dass 
die heere selbst eine grössere menschenmasse denn je in sich 
fassen, sondern die durch das mit besonderer Vorliebe vervoll- 
kommnete schiessgewehr gänzlich veränderte taktik der infante- 
rie, die jetzt wie noch nie zuvor ausgebildete artillerie , die in 



152 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

sich eine menge Unterarten einschliessende und auf ganz neue 
weise in grossen schwärmen verwendete cavallerie, dazu die 
grossartige Verpflegung, das sanitätswesen, der train — dies 
alles macht den krieg an sich und zumal die Oberleitung zu 
einer der complicirtesten, kunstvollsten aufgaben, deren befrie- 
digende lösung nur einem umfangreichen mit wahrer genialitäi 
verbundenem wissen gelingen kann. Aber zeigt sich auch der 
unterschied zwischen dem alterthum und der über colossaie 
mittel gebietenden neuzeit grade hier bei der kriegskunst auf 
das deutlichste und gewaltigste — Verwandtschaft mit dem al- 
terthum bleibt eben wegen jener unveränderlichen grundlagen 
doch und so wiederholt sich also, wie gesagt, auch jetzt ein 
process , den die weit schon mehrfach gesehen. Nämlich dem 
kaiser Napoleon musste durch die in den kriegen 1859 und 
1866 gemachten erfahrungen , durch die naturgemäss sich im- 
mer weiter ausbildende kriegstüchtigkeit des preussischen Staats, 
die in den mit reicher kenntniss und feiner beobachtungsgabe 
geschriebenen militairischen berichten des obersten Stoffel dem 
kaiser bekannt ward, endlich durch vieles andere, nothwendig 
6ich die Überzeugung aufdrängen, dass die bisherige rüstung der 
Franzosen zum krieg gegen Preussen und den nordbund nicht 
ausreiche ; da er aber krieg brauchte , dachte er , weil Stär- 
kung durch einführung allgemeiner Wehrpflicht die abneigung 
der nation dagegen unmöglich machte, den krieg in einen ar- 
tilleriekampf umzugestalten, d. h. zu einem, wo rohe gewalt 
den ausschlag giebt ; daher die überall so sorgsam ausgesuchten, 
durch Schützengräben und anderweitige deckungen gesicherten 
Stellungen, daher die chassepots, welche zielen und Übung wie 
ruhe und umsieht im kämpf überflüssig macheu sollten , daher 
die mitrailleusen — kugelregen sollte das , was der gegner an 
zahl und ausbildung voraushatte, ausgleichen. Aber auch dies- 
mal zerspellte die rohe gewalt und die bestialität der Turko's an 
der durchbildung des preussischen heerwesens: ist die grundlage 
auch der des französischen gleich , so entsteht auf deutscher 
seite abgesehen von dem nationalcharacter und der im heere 
tief begründeten nationalen und wahren begeisterung die Über- 
legenheit durch die feste diseiplin, die gehalten durch das ver- 
trauen der mannschaften auf die todestnuthig sie führenden Of- 
fiziere, auch das schwerste durchzuführen ermöglicht, ferner 
durch die sorgfältige einübung der truppen, die sie eben so 
tüchtig zum kämpf in aufgelösten tirailleur-linien macht, wo 
der einzelne auf sich augewiesen ist, als zu dem in grossen 
massen, sie eben so tüchtig macht zum angriff als zur verthei- 
digung, zu grossen märschen als zu laugdauernder wacht an 
einem platze, eigenschaften und vortheile, welche den anführer 
in die läge bringen, bei jedem treffen ein wirksames ineinander- 
greifen aller der mannigfachen bestandtheile herbeizuführen, aus 






Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 153 

denen das grösste organische ganze des heeres, das corps, 
sich zusammensetzt. Wir geben hier eine skizze von der ordre 
de bataille eines deutschen oder preussischen — was jetzt gleich- 
bedeutend ist — armeecorps , deren mehrere eine armee bil- 
den und begleiten sie um der folgenden darstellung willen mit 
einigen bemerkungen auf der p. 153 a. b anliegenden tafel. 

Nichts gewährt besser einen einblick in die kunstreiche 
6eite der neuern kriegsführung als solche darstellung des ar- 
meecorps, zumal sie zugleich das vom kommandeur zu leistende 
darthut, dem jeder theil dieses so äusserst complicirten instru- 
ments genau bekannt sein muss , um rechtzeitig und wirksam 
jeden einzelnen eingreifen zu lassen; er muss wissen, wo und 
wann er diesen oder jenen theil der infanterie, wie der reiterei, 
wo und wann welche art der geschosse der in sich wieder so 
verschiedenen artillerie anzuwenden habe. Aber von dieser Wis- 
senschaft muss ein stück auch im besitz der mannschaften sich 
befinden , damit diese mit lust und verständniss ihrer pflicht 
nachkommen: dafür sorgt oder soll sorgen der während der 
dienstzeit angeordnete Unterricht, der doch das erreicht, dass, 
fallen in der Schlacht die Offiziere, Unteroffiziere die führung 
der züge und compagnien übernehmen können: dies erleichtert 
die einrichtung der einjährigen freiwilligen bedeutend. Mehre 
solche armeekorps treten im fall des krieges zu einer armee 
zusammen: ihre auswahl ist aber auch nicht willkürlich, sondern 
richtet sich nach der läge und beschaffenheit des feindes , auch 
nach der des armeecorps , den politischen conjuncturen, aufga- 
ben, die dem generalstab zufallen. Da in dem gegenwärtigen 
kriege wegen der macht und ausdehnung des feindlichen Staats 
alle armeekorps mobilisirt werden mussten, da ferner das seiner 
eignen kraft sich bewusste deutsche heer wie 1866 gegen Oe- 
sterreich, so jetzt gegen Frankreich sofort die offensive ergrei- 
fen sollte, wurden die oben erwähnten drei armeen formirt, zu 
denen im laufe des kriegs noch andre hinzukamen : wir geben 
hier die für das verständniss des kriegs unentbehrliche ordre 
de bataille derselben beim einrücken in Frankreich , zugleich, 
so weit uns das möglich ist, mit kurzen bemerkungen über das 
leben und den bildungsgang der anführer, zur beseitigung im- 
mer noch vielfach verbreiteter vorurtheile ; denn da man im 
krieg nur die rohe gewalt wirken sieht, entsteht leicht der glaube, 
sie allein genüge zum sieg: aber jeder preussische höhere offi- 
zier hat um seinen beruf zu erfüllen mehr geistige kraft und 
arbeit sein leben hindurch aufgeboten, als die meisten der fin- 
gerfertigen und schreibseligen beurtheiler derselben je gedacht 
haben auf ihr fach — wenn sie nämlich eins haben — und 
für ihre Stellung zu verwenden. 



154 . Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

AUSZUEGE aus Zeitschriften: Augsburger allgemeine zeitung 1870, 
nr. 355 : schwedische stimmen über Deutschland. — Beil. zu nr. 355 : 
S. W. Teuffei geschichte der römischen literatur, heft 3: sehr kurze 
lobende anzeige von G. A. W. — Ausserord. beil. zu nr. 355 : die 
Verlegung der hauptstadt Italiens. — Nr. 356 : die akademie zu 
Braunsberg und das dogma der Unfehlbarkeit. — Ausserord. beil. zu 
357: Schicksale eines bayerischen lazarethzuges. — Beil. zu nr. 357. 
358 : der alte rheinische Merkur und die neuen historisch - politischen 
blätter: sehr lesenswerth: auf die letztern wird Ev. Matth. 15, 14 sehr 
passend angewandt. — Beil. zu nr. 358 : v. Maltzan, briefe aus Ara- 
bien: erwähnt, wie gründlich auch dort die Franzosen verhasst sind. 
— Ausserord. beil. zu nr. 358: zur friedensstimmung. — Beil. zu nr. 
359 : der jesuitismus und die neükatholische kirche. I. — Festsitzung 
des instituts für archäologische correspondenz. — Nr. 368 : eine neue 
napoleonische broschüre. — Deutsche antwort auf einen irischen ein- 
mischungsversuch : antwort des prorector der Universität Göttingen 
Dr Dave an die Royal irish academy, betreffend nichtbeschiessung von 
Paris. — Der jesuitismus und die u.s.w. IL — Zur märchenliteratur. — 
Göthe und das Elsass. — Nr. 361 : senat und theologische facultät in 
München. — Beil. zu nr. 361 : der erzbischof von Köln und die bon- 
ner professoren. — A. Richter, deutsche sagen: anzeige. — Nr.'362: 
die Schweiz und Frankreich. — Beil. zu nr. 362: brief Bamberger's 
vom deutschen kaiser. — Broschüren in Brüssel über den krieg. — 
Beil. zu nr. 363: Gregorovius geschichte der stadt Rom im mittelal- 
ter : anzeige. — K. R. Vangerow : nekrolog. — Ausserord. beil. zu 
nr. 363 : das Unfehlbarkeitsdogma und die Staatsregierungen. — Nr. 
364: ein rückblick zu Weihnachten. — Beil. zu nr. 364. 365: Lazar 
Geiger: nekrolog. — Das Unfehlbarkeitsdogma und die staatsregie- 
rungen. — Nr. 365: die Joachim -Mühlersche angelegenheit. — Hal- 
lers bibliothek humoristischer dichtungen : anzeige : s. Phil. Anz. II, 
nr. 7, p. 342. 

1871: nr. 1: zum neuen jähre. — Beil. zu nr. 1: ein vorwort 
von Gervinus : abdruck der vorrede zur 5. aufl. der gesch. d. poes. 
der Deutschen: der abdruck dieser in unglücklicher stunde geschrie- 
benen Seiten befremdet: doch s. unt. nr. 17. — Nr. 2: das Unfehl- 
barkeitsdogma und die Staatsregierungen. — Beil. zu nr. 3: die er- 
klärung der göttinger Universität und unsre beziehungen zu England: 
plaidirt für England. — Das Unfehlbarkeitsdogma u. s. w. II. — Beil. 
zu nr. 4: das Unfehlbarkeitsdogma u. s. w. — Nr. 5: die Joa- 
chim -Mühlersche angelegenheit. — Ausserord. beil. zu nr. 7: die 
strassburger bibliothek. — Nr. 9: Maltzan, briefe aus Arabien. — 
Giesebrecht , über den einfluss der deutschen hochschulen auf die na- 
tionale entwicklung: antrittsrede ; es wird ein auszug gegeben. — 
Nr. 9. der cultusminister von Mühler und die Unfehlbarkeitsfrage. — 
Beil. zu nr. 10: der krieg und die kunst. — Nr. 11: England und 
Deutschland: antwort aus Göttingen auf den ob. aus nr. 3 angeführ- 
ten artikel. — Ausserord. beil. zu nr. 11 : antwort des cultusmini- 
sters auf die eingäbe des academischen senats in Bonn. — Neujahrs- 
cour im Vatican. — Nr. 13: nächste aussiebten und ziele. — Beil. 
zu nr. 12. 13: v. Maltzan, briefe aus Arabien. — Ausserord. beil. zu 
nr. 13: ein brief des graten St. Vallier: war gesandter in Würtem- 
berg im anfarig des kriegs: er deckt die lügengewebe des herzogs 
von Gramont auf. — Beil. zu nr. 14: zur belagerung von Paris, ein 
blatt aus der Vergangenheit: bespricht die belagerung durch Heinrich 
IV. — Beil. zu nr. 13. 14. nr. 16. 17 zur geschichte der süddeut- 
schen vertrage und der kaiserfrage. I. II. III. IV. — Beil. zu nr. 14: 
die Verhandlungen der münchener theologischen facultät in sachen 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 155 

des Unfehlbarkeitsdogma^. — Nr. 17 : in Rom befleissigen sich die ultra- 
montanen blätter eines kräftigen stiles : da die minister Victor Ema- 
nuel's manche missgriffe machen, schreibt der Imparziale : „wir möch- 
ten den könig bitten, wenn es nicht möglich ist unter revolutionai- 
ren minister zu finden, welche als ehrenmänner gelten können , dass 
er sich angelegen sein lasse solche zu wählen, die weniger esel sind". 
Die Augsburgerin nennt das „bestialität". — Beil zu nr. 17: Ger- 
vinus, eine nachschrift zu einem vorwort: da die ob. nr. 1 bezeichnete 
vorrede von Gervinus von K. Braun, (Wiesbaden) einer milden zurecht- 
weisenden kritik unterzogen war, so wendet sich Gervinus gegen diese, 
aber nur, um seinem leidenschaftlichen groll gegen die seiner Scha- 
blone entgegen erfolgte neugestaltung Deutschlands luft zu machen: 
die darauf in beil. zu nr. 28 1. folgenden entgegnungen von Braun 
und H. Grimm — die von Gervinus dem vater und onkel H. Grimm's 
angedichteten ansichten über die ereignisse der j. 1866 u. s. w. betref- 
fend — sind jetzt mit vor - und nachschrift erschienen in Leipzig bei 
Duncker und Humblot unter dem titel: „gegen Gervinus von Dr 
Karl Braun." 8 : es wird unsres erachtens zu viel wesen von der üblen 
laune des leicht gereizten Gervinus gemacht : vgl. auch Kladderadatsch 
1871, nr. 8. — Auss. beil. zu nr. 19: bericht über Riehl's Vortrag „ro- 
manische und germanische freiheit" : geht dabei auch auf die zeit der 
römischen kaiser ein. — Beil. zu nr. 20: zur unfehlbarkeits-litera- 
tur. — Beil. zu nr. 21: mittel und aufgaben unsrer universitäts - bi- 
bliotheken : der aufsatz bezieht sich und ergänzt eine abhandlung von 
Heime in Tübing. Zeitsch. f. d. ges. staatswiss. bd. XXVI: es wird 
viel beachtenswerthes gesagt, aber das resultat scheint für den unbe- 
fangenen zu sein, dass auch in dieser frage jede Universität nach ih- 
rer eigenthümlichkeit behandelt sein will: so lange z. b. die Göttin- 
ger Universitätsbibliothek durch die besetzung der bibliothekarstellen 
in engster Verbindung mit der Universität stand, ging alles vortreff- 
lich. Geholfen kann hier wie überhaupt den preussischen Universitä- 
ten nur dadurch werden, dass die oberste Verwaltung auf gesunde weise 
reorganisirt wird: ein minister in der jetzt bestehenden ausdehnung 
der aufsieht und geschäfte wird nie die Universitäten auf den ihnen 
zustehenden Standpunkt erheben können. — Nr. 23: Bamberger, ma- 
terial zur Völkerpsychologie. IL — Nr. 24: die proclamation des 
deutschen kaiserreichs. — Beil. zu nr. 24: general Roon. I. — 
Bamberger, material u. s. w. IL — Die proclamation des deutschen 
kaiserreichs. IL — Auss. beil. zu nr. 24: zur kirchenpolitischen frage 
in Deutschland. I. — Beil. zu nr. 25 : Bamberger , material u. s. w. 
IL — Beil. zu nr. 27 : general Roon IL — Beil. zu nr. 29 f. : Fr'. Vischer, 
der zweite act unseres kriegs. — Ausserord. beil. zu nr. 28: DrL.A. 
Cohn f: von ihm rühren manche anzeigen im Anzeig. bd. II her. — 
Ein brief von Carlyle, der für die Deutschen sich ausspricht. — 
Nr. 30 : Russland und Preussen. — A. Pichler, die theologie von Leib- 
nitz, 2ter theil: ausführliche anzeige: s. ob. p. 143. — Nr. 31: die 
capitulation von Paris. — Beil. zu nr. 31: die theologie des Leib- 
nitz, schluss. — Die festung Metz während der einschliessung. — ■ 
Beil. zu nr. 32 : L. Bamberger, material zur Völkerpsychologie. III. — 
Ausserord . beil. zu nr. 32 : referat aus der Vorlesung J. Frübel's zu 
München über die politischen und wirthschaftlichen irrthümer des so- 
cialismus. — Beil. zu nr. 33. 34: L. Bamberger , material zur Völ- 
kerpsychologie. IV. — Nr. 35 : die römische frage vor den öster- 
reichisch-ungarischen delegationen. — Beil. zu nr. 35: die neue 
deutsche reichspost. — Nr. 36: Fr. Franke, rector von St. Afra zu 
Meissen f am 22. Januar: s. Ph. Anz. bd. II, nr. 11, p. 388 und ob. 
p. 143. — Beil. zu nr. 36: die neue deutsche reichspost. — Vam- 



156 



Auszüge aus Zeitschriften. 



Nr. 3. 



bery, zur neuern sprachkunde: auf türkisch, ungarisch drgl. bezüg- 
lich. — Nr. 37 : L. Bamberger, material zur Völkerpsychologie. V. — 
Dr Fürst, das peinliche rechtsverfahren im jüdischen alterthum. 8. 
Heidelb. 1870: anzeige. — Eötvös und eindruck seines todes in Un- 
garn. — Nr. 38: Bernhard Passow f : s. ob. nr. 2. p. 103. — Beil. zu 
nr. 38: v. Maltzan, briefe aus Arabien. — L. Bamberger, material zur 
Völkerpsychologie. V. — Ausserord. beil. zu nr. 38 : J. Eutv'ös , ne- 
krolog. — Ausserord. beil. zu nr. 39: die Schweiz und Deutschland: 
sucht die Sympathien der erstem für Prankreich zu erklären : s. Ph. Anz. 
II, nr. 12, p. 615. — Nr. 40: zur kriegsentschädigungfrage. — Beil. zu nr. 
40: J. v. Eütvös, nekrolog. — Nr. 41: ein französicher historiker über 
den krieg: Michelet's broschüre: la France devant l'Europe: es ist 
merkwürdig, wie die gebildetsten Franzosen den krieg grade zu ver- 
rückt beurtheilen ; an Guizot, V. Hugo u. s. w. schliesst sich Michelet 
würdig an. — Beil. zu nr. 41 : Zeitbetrachtungen. — Berlin und 
seine entwicklung. — M. Schwind f. — J. Venedey f. — Beil. 
zu nr. 41: der münchener hirtenbrief und seine vertheidiger. — Made 
imperator von Felix Dahn: 



Macte senex imperator, 
Barbablanca, triumphator, 

Qui vicisti Galliam 
Et coronae Germanorum 
Post viduvium saeculorum 

Reddidisti gloriam. 

Petulanter lacessitus 
Iusto clypeo munitus 

Heribannum excitas : 
Ecce surgunt quotquot gentes 
Oras incolunt stridentes 

Alpes usque niveas. 

Primas vocat Bajuvaros 
Venatores belli gnaros 

Pulcer rex et iuvenis: 
Memor foederis recentis 
Et honoris prisci gentis 

Et Germani sanguinis. 

Nee recusat Philalethes, 
Semper fidei athletes 

Verae causae Saxones ; 
Iugo hostis liberati 
Solvunt debita Holsati, 

Angli et Frisiones. 

Mittit Rhenum custodientes 
Equos suos hinnientes 

Acris Alemannia, 
Et laurifera vexilla 
Vibrat propulsatrix illa 

Aquilina Prussia! 

Quas diviserant spoliandas 
Ante pugnam et praedandas 
Ripas Bancti fluminis — 



Nemo hostium conspexit 

Nisi qui captivus flexit 

Poplites in vineulis. 

Perpugnaces, perfallaces, 
Superbissimos, mendaces 

Quantis pugnis fudimus, 
Quo per castra Montalbana 
Tot protenta Turciana 

Stravit prineeps regius! 

Campum taceo Woerthensem, 
Silvam spissam Spicherensem, 

Et, qua nihil clarius, 
Inperruptam obsidionem 
Qua Bazenum, ut falconem, 

Longa fame fugimus. 

At me praedico felicem, 
Qui testatus shn ultricem 

Prope Beigas aciem: 
Arctum semperque aretiorem 
Circulum fulminatorem 

Includentem Caesarem! 

Aquilas ereptas multas 
Tractas vidi catapultas 

Collem per Sedanicum, 
Turmas equitum prostratas, 
Portas castri concrematas, 

Et tyrannum deditum. 

Dolo filias surreptas 
Salutamus vi reeeptas 

Reduces in laribus: 
Regum veterum palatia 
Lotharingia, Alsatia — 

Redit decor pristinus! 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 157 

Quantas urbes , quot castella Et quae probra tot jactabat 

Mosa inunit ac Mosella Tot triumphos enarrabat 

Sequana cum Ligeri: Delirans superbia — 

Oranes cepit forte pectus, Paneni petens a victore, 

Taciturni intellectus Pacem a debellatore 

Atque chalybs Kruppii. Cecidit Lutetia! 

Petunt mare — Goeben turget: Qui coronae Germanoruni 

Scandunt alpes — Werder urget: Et viduvium saeculorum 

Undique periculum : Reddidisti gloriam — 

Perque montes perque valles Macte senex triumphator 

Terror sequitur per calles Barbablanca , imperator, 

Et Ulani spiculum! Qui salvasti patriam! 

Beil. zu nr. 42. 43. 45: der fürst -biscbof von Breslau und der jesui- 
tismus. I. IL III. — Der hortus deliciarum der äbtissin Herrad von 
Landsberg: die bandscbrift bei der belagerung von Strassburg unter- 
gegangen. — Erste eindringlinge in das belagerte Paris. — Ausser- 
ord. beil. zu nr. 42 : die neutralisationshandhabung in der Schweiz. — 
Beil. zu nr. 43 : der Mainz-Haarlemer buchdruckerstreit.— Beil. zu nr. 
45: O. Lorenz und W. Seher er geschichte desElsass: lobende anzeige. — 
Beil. nr. 46: Jos. Hillebrand. nekrolog. — Ausserord. beil. zu nr. 
46 : eine anklage gegen die deutsche kriegführung : aus Daily News ; 
wieder lauter lügen, wie nach augenzeugen die ausserord. beil. zu nr. 
56 nachweist: nur ist da äusserst tactlos der artikel nicht besonders 
hervorgehoben. — Beil. zu nr. 47: nationale cultusorte. — Ausser- 
ord. beil. zu nr. 47 : referat von dem Vortrag des Dr E. Förster in 
München über die deutsche kunst in ihrer volksthümlichen bedeu- 
tung. — Beil. zu nr. 48: v. Maltzan, neuestes über Abessynien. — 
Nr. 51: J. Venedey , nekrolog. — Nr. 63: confessionell gemischte 
schule in Nürnberg. — Zwei entscheid ungen des ministers von Müh- 
ler in Sachen der Unfehlbarkeit. — Beil. zu nr. 54 : ergebnisse des 
deutsch - französischen kriegs. 

Göttingische gelehrte anzeigen, 1871, st. 2 : Ulrichi Hutteni 
equitis Operum supplementum. JSpistolae obscurorum virorum cum illu- 
strantibus adver sariisque scriptis. Coli. rec. adnotavit. JE d. B o eckin g. 
Tomus posterior. 8. Lips. 1869. 70 : ausführliche anzeige von L. 
Geiger, besonders wichtig in betreff der Verfasser der briefe der ob- 
scuri viri und sonstiges eigne enthaltend. — Zur erinnerung an H. 
Ed. Dirksen, von Fr. D. Sauio. 8. Leipzig. 1870: anzeige von M., 
der gegen Sanio's urtheile über einzelne werke von Dirksen auftritt, 
dann die art missbilligt, wie Sanio die gründe der nichtanstellung 
Dirksen's in Berlin bespricht: es sei halbes reden und halbes schwei- 
gen. Es ist ja aber nicht nöthig, dass alle stänkerei so rasch ans 
tageslickt komme. Sonst vgl. ob. p. 140. 

Preussische Jahrbücher , herausgegeben von ST. v. Treitschke und 
W. Wehrenpfennig. 1871, heft 1 : Max Jahns, umrisse einer geschichte 
des französischen heerwesens. — Heft 2: Conze, antike grabmäler, 
p. 111: neues will dieser aufsatz, mit dem sich der Verfasser an ein 
grosses publicum wendet, nicht bringen, doch folgt man gern seiner 
wie immer anregenden darstellung. Kurz verweilt er bei den römi- 
schen grabmälern der späteren zeit namentlich bei den neuerdings 
so vielfach besprochenen Sarkophagen , auf denen noch mit viel tech- 
' nischer routine griechische rnythen in darstellungen meist älterer grie- 
chischer erfindung massenweise reproducirt worden sind. Doch unend- 
lich viel wohlthuenderals dies „brillantfeuerwerk ist der milde dauernde 
tagesschein" in dem die grabmäler der Griechen selbst vor uns stehen. 



158 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

Conze ladet uns ein mit ihm die ausgrabungen bei der Agia Triada 
bei Atben zu besuchen, wo sich unter der schützenden erddecke 
ein stück attischen friedhofes in wunderbarer weise gerettet hat, der 
mit seinen schlanken stelen, heroen - reliefs und anderen bildwerken so 
sehr wie kein anderer ort in Athen geeignet ist uns auf augenblicke 
bis zur illusion in das attische bürger- und familienleben der besten 
zeit zu versetzen. Die 1861 begonnenen ausgrabungen sind im vori- 
gen frühjahr, wie sich erwarten Hess , mit glücklichstem erfolg wie- 
der aufgenommen. Conze macht besonders auf ein dabei gefundenes 
überaus schönes grabrelief aufmerksam, das eine frau Hageno mit ei- 
nem Schmuckkästchen, neben ihr die dienerin, darstellt , und wir hö- 
ren mit vergnügen, dass von demselben schon in mehreren museen 
abgüsse existiren. Der bericht von Rhusopulos, auf den Conze sich be- 
zieht, ist uns unbekannt, dagegen machen wir unsere leser auf denjenigen 
aufmerksam , den R. Scholl nach autopsie im Bull, dell' Inst. arch. 
1870, p. 145—152 davon gegeben hat. — Heft 3: M. Jahns, um- 
risse einer geschichte des französischen heerwesens : fortsetzung. — 
Briefe deutscher gelehrten an Napoleon III. p. 388 : ein brief von Zumpt, 
ein französischer an Napoleon und ein deutscher an Hortense Cornu 
von Ritschi und einer von Th. Mommsen: sie sind aus dem Gaulois 
abgedruckt. 

Zarncke's literarisches centralblatt , 1870, St. 50: Homer's Ilias. 
Für den schulgebrauch erklärt von J. la Roche. Heft 1 — 4. B. 
I — XVI. Berlin. Ebeling und Plahn. 1870: Homer i Ilias. Re- 
censuit J. la Roche P. I. Rhaps. I — XII, ebendaselbst: werden ge- 
lobt, namentlich das zweite buch als sauberer textesabdruck , in 
dem auch die form der griechischen buchstaben lob verdiene: vgl. 
Ph. Anz. II, nr. 11, p. 553. — Dr. Ed. Kammer , zur homerischen 
frage. IL Königsb. 1870 : eingehende anzeige von C. Lehrs, der zu- 
erst ohne auf die schrift Kammer's einzugehen , über das verhältniss 
der Ilias zur Odyssee , über die angebliche recension des Pisistratus, 
den bei behandlung der Ilias einzunehmenden standtpunkt sich aus- 
lässt , dann die letzten sieben bücher der Ilias kurz bespricht und die 
schrift Karamers als eine sehr gelungene bezeichnend , näher auf Od. 
t, 491 eingeht und daselbst unter vergleichung von 8-, 203 in ihr liest 
os'iU' Sie dij Toßßovrov cikcc TiQ^ccovTig antjfitv = so weit, eben so weit. — 
Aeneae commentarius poliorceticus. Rud. H er eher recensuit et adno- 
tavit. 8. Berol. Weidm. 1870: anzeige von ««, welche darlegt, wie 
hier der text eine durchaus neue gestalt gewonnen durch die ausge- 
zeichnete art, mit der die kritik gehandhabt sei: am ende werden 
stellen angeführt, wo Hercher's textesconstitution unmöglich sei, dann 
eine reihe sehr beachtenswerter eigener versuche mitgetheilt. — 
Q. Curtii Ruß historiarum Alexandri Magni libri qui supersunt. Für 
den schulgebrauch erklärt von Prof. Dr. Th. Vogel. 8. Leipzg. Teub- 
ner. 1870: anzeige von L. K., der die bearbeitung sehr empfiehlt, 
nennenswerthes aber nicht beibringt: s. unt. nr. 4. — Nr. 51: Joh. 
Marq uardt, observaüones criticae in Cl. Galeni librum ntyi tfjv%>}s naftwy 
xal afAUQTrjfxäi(üv. Lips. 1870: wohlwollende anzeige, die p. 27, 9, 
vnctQXii, verlangt, p. 26, 5 xowtj cT a/uqÖTtQa xal ytvMwrtQov a q/uaivö- 
fisva schreibt, ib. z. 18 xaS-ökov in dem verderbten köyov vermuthet, 
ib. z. 23 vnuXrj'fctaw verbessert. — Nr. 52: F. O. Stichart, Erasmus 
von Rotterdam. Seine Stellung zu derkirche und zu den kirchlichen 
bewegungen seiner zeit. 8. Leipzig. 1870 : wird empfohlen. — Die 
schutzflehenden des Aeschylos nebst einleitung und commentar von 
Joh. Oberdiek. 8. Berlin. 1869: anerkennende anzeige von J. K. t 
der auf das buch in einer andern Zeitschrift ausführlicher zurückkom- 
men will. — H. N. Stein, das spartanische ephorat in seiner ersten 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 159 

entwicklung bis auf Cheilon. 8. Paderborn. 1870: wird sebr gelobt. — 
A. Dederich, Julius Cäsar am Rhein. Nebst anhang über die Germa- 
nia r des Tacitus (Germ. 2) und über die Franei der Peutinger'schen 
tafel. 8. Paderb. 1870: kurze anzeige von H. Br. — C. Strube, 
6tudien über den bilderkreis von Fleusis. 8. Leipzig. 1870: A.Flasch, 
angebliche Argonautenbilder. 8. München. 1870: anzeige von Bu: 
vrgl. Ph. Anz. II, nr. 10, p. 524. — Lauth, die Pianchi-Stele. 4. Mün- 
chen. 1870 : ausführliche , meist beistimmende anzeige von Bu. — 
Giov. Gozzadini, di ulteriori scoperte nell' antica acropoli a Marza- 
betto nel Belognise. Fol. Bologna. 1870: ausführliche anzeige von 
Bu. — Nr. 53: C. May hoff , de Rhiani Cretensis studiis homeri- 
cis. 8. Lips. 1870: anzeige von C. — Lucianus Samosalensis. 
Franc. Fritzsche recensuit. 8. Vol. II. P. 2. Rostom. 1869: sehr 
anerkennende anzeige mit folgenden Verbesserungen: p. 134, 18 schreibt 
ref. ßVw 5-t« statt ccyw^iu, p. 154, 13 sei ovtco ... ■nqoyüvoiv als glossem 
auszuwerfen, p. 133, 9 wird divucSt in äiavvauno verändert, und gleich 
darauf uXXu in cas, p. 132, 11 di wv et xtX., 137, 17 rama f»?Ia)7a 
dvcu, 145, 23 xul (filodo^ovßi, 152, 2 ixtlai statt ixfl&iv. — Plutarchi 
Vitae Aristides et Cato Mayor. Rec. Rud. H er eher. 8. Berl. 
Weidm. 1870: anzeige. — C. Clason, Cassius Dio LH, 20 zur frage 
über die leyes annales der römischen kaiserzeit. 8. Breslau. 1870: 
die resultate der sonst gut geschriebenen schritt würden schwerlich 
beistimmung finden. — Lexicon rhetorieum Cantatriyiense rec. et an- 
nott. instr. Dr. E. O. Houtsma. 8. Leyden. 1870: stehe hinter 
der ausgäbe von Nauck zurück. — B. JEr dmanndörffer, das Zeit- 
alter der novelle in Hellas. 8. Berlin. 1870: empfehlende anzeige 
von Bn. — J. Overbeck, geschichte der grieebischen plastik. 2. aufl. 
2 bde. 8. Lpzg. 1869. 1870; dess. abbildungen aus der geschichte 
der griechischen plastik. qu. fol. ebendas.: die Verdienste des Wer- 
kes werden hervorgehoben : s. Phil. Anz. II, p. 97. 165. 

1871, nr. 1 : Zachariae Episcopi Mitylenes aliorumque scripta histo- 
rica graece plerumque deperdita. Syriace edidit J. P. N. Land. 4. 
Leyden. 1870: meist theologischen inhalts, doch auch profanen: so 
enthält 1. XII eine geographische Übersicht (axägu/og) der erde: ge- 
naue anzeige von Th. N. — U. Köhler, Urkunden und Untersuchun- 
gen zur geschichte des delisch -attischen bundes. 4. Berlin. 1870 
genaue anzeige des wichtigen werkes. — J. H. Krause, die erobe- 
rungen von Konstantinopel im 13. und 14. jahrh. 8. Halle. 1870 
anzeige von C. H., die das buch als ein sehr schlechtes nachweist.— 
Historici graeci minores. Ed. L. Dindorf. 8. Vol. I. Leipzig 
lobende anzeige. — Nr. 2: A. Pott, wurzelwörterbuch der indoger- 
manischen sprachen. 2. bd., wurzeln mit consonantischem ausgange. 
IL bd. 2. abth. 8. Detmold. 1870: anzeige — H. Stein, Herodotos, sein 
leben und sein gesebichtswerk. 8. Leipz. Teubner. 1870 : unveränder- 
ter abdruck der einleitung in Herod. Tbl. I. — Nr. 3: Fr. Hof- 
mann, beitrage zur geschichte des griechischen und römischen rechts. 
8. Wien. 1870: die schritt umfasst sechs aufsätze, deren erste vier 
sich auf die XII tafeln beziehen, der fünfte und sechste auf rechts- 
sätze, erscheint dem ref. M. V. aber durchaus ungenügend : Hofmann 
verwahrt sich in nr. 8, p. 189 flg. gegen diese kritik, die aber eben- 
das. p. 191 der ref., Moritz Voigt aufrecht erhält. — N. Wecklein 
ars Sophoclis emendandi. Accedunt analecta Euripidea. 8. Würz- 
burg. 1870 : eingehende anzeige von J. K., der nur wenige conjeetu- 
ren des vfs für gelungen hält, die meisten, als entweder an sich nicht 
zulässig oder an heilen stellen angewandt zurückweist. — Nr. 4: H. 
Heydemann, griechische vasenbilder. Fol. Berlin, 1870: anzeige von 
Bu , der sich lobend über das werk ausspricht: vgl. Philol. Anz. 



160 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

II, nr. 10, p. 529 : vgl. das. p. 550. — Nr. 5 : A. Parmet, Rudolph vonLan- 
gen, leben und gesammelte gedickte des ersten münsterschen humani- 
sten. Ein beitrag zur geschiente des humanismus in Deutschland. 8. 
Münster. 1870: anzeige. — H.Fiüing, das castrense peculium in seiner 
geschichtlichen entwicklung und heutigen gemeinrechtlichen geltung. 
8. Halle. 1871 : wird als muster historischer behandlung des rechts 
empfohlen. — Cornelii Taciti Historiarum libri qui supersunt. Schul- 
ausgabe von Dr C. Heraeus. 2. bd. 8. Lpz. 1871: lobende anzeige 
von W., die am Schlüsse einzelne kleinigkeiten berührt und nament- 
lich die falschen zahlen in citaten tadelt. — Theocriti Idyllia 
Herum edidit et commentariis eräicis et exegeticis instruxit Ad. Th. H. 
Fritzsche. 2. 8. Lips. 1869: Theokrit's Idyllen. Mit deutscher erklä- 
rung von A. Th. G. Fritzsche. 8. Lpzg. 1869: der commentar der 
ersten ausgäbe sei weder übersichtlich noch geschmackvoll, der der 
zweiten lasse mancherlei ausstellungen zu: vgl. Ph. Anz. II, nr. 10. p. 
510. — Nr. 6: P. Huf er , die bedeutung der philosophie für das le- 
ben nachPlato dargestellt. 8. Götting. 1870: beruhe auf guten Studien: 
besonders wird auf die gütertafel im Philebos aufmerksam gemacht. 
— O. Eichert, vollständiges Wörterbuch zu dem geschichtswerke des 
Curtius Rufus. 8. Hannover. 1870 : empfehlende anzeige. — Nr. 7 : 
M. Tullii Ciceronis Orationes sei. XIV. Fd. 20 . . curavit O. Heine. 
8. Hai. Sax. 1870: anzeige. — Em. Hoffmann, der Agricola des Ta- 
citus. 8. Wien. 1870: anzeige von W., der die vom vi aufgestellte 
hypothese verwirft. — C. Bursian , Erophile , vulgair - griechische 
tragödie von Georgios Chortatzes aus Kreta (aus bd. V der Abhandl. 
d. hist. phil. c'l. d. gesellsch. d. W. zu Leipzig): empfehlende anzeige 
von Schdt. — Nr. 8: Reumont, geschichte der stadt Rom 3. bd. 8. 
Berl. 1871: anzeige. — Kühnast, die hauptpunkte in der livianischen 
syntax. 8. Berlin. 1871: lobende und einiges einzelne berichtigende an- 
zeige; z. b. milleni käme zuerst bei Lamprid. Heliog. 21, 7. 26, 7. Scaev. 
in Digest. 31, 89, n. 1 vor: vgl. ob. n. 2, p. 84. — Nr. 9: Reiff erscheid, 
bibliotheca patrum latinorum italica. 6. heft. Wien. 1870: lobende an- 
zeige von W., der p. 534 Sapientia und 'PqTOQixtj geschrieben haben 
will. — Nr. 10: A. Rönsch , das neue testament Tertullian's. Aus 
den Schriften des letztern möglichst vollständig reconstruirt , mit ein- 
leitungen und anmerkungen textkritischen und sprachlichen inhalts. 
8. Leipzig. 1871: eingehende, das buch empfehlende anzeige. — R. 
Westphal, methodische grammatik der griechischen spräche. Bd. I. 
Jena. 1870 : ausführliche, das buch als ein nicht glückliches nachzuwei- 
sen strebende anzeige von C: vgl. Phil. Anz. II, nr. 8, p. 395. III, nr. 1, 
p. 3. — W. S. Teuffei, geschichte der römischen litteratur. 3. lief. 8. 
Lpzg. 1870: anzeige von W. , die am schluss einige abweichende an- 
sichten ohne nähere beweise vorbringt. — Nr. 11 : Delbrück, der ge- 
brauch des conjunetivs und Optativs im sanskrit und griechischen. 8. 
Halle. 1871: ausführliche und empfehlende anzeige von C. — Kräh, 
Curtius als schullectüre. Eine skizze. Erster theil. 8. Insterburg. 
1870: empfehlende und einige berichtigungen enthaltende anzeige von 
C. Wr. — Nr. 12: Veterum historicorum romanorum reliquiae. Disp., 
recens., praef. est H. Peter. 8. Vol. I. Lips. 1870: sehr anerken- 
nende anzeige von W. , der am schluss eine verfehlte conjeetur an- 
zeigt. — Ad. Philippi, beitrage zu einer geschichte des attischen 
bürgerrechts. 8. Berlin. 1870: sehr anerkennende anzeige von Bu, 
mit einigen gegenbemerkungen. — Watterieh', der deutsche name 
Germanen und die ethnographische frage vom linken Rheinufer. 8. 
Paderborn. 1870: anerkennende anzeige von M. Br. 



Nr. 3. 



Kleine philologische zeitung. 



153j 



Generalstab. — Adjutantur. 



Ordre de bataille eines armeecorps : 1 
Kommandiren der general. 2 
Commando der Corpsartillerie. — Stab der ingenieure. 
Stabswache. — Feldgendarmerie - detachement. 3 



Stab des trainbataillons. — 



II. Infanterie - division (linker flügel) 
IV. Infanterie -brigade: HI. Infanterie - brigade : 



I. Infanterie - division 3 (rechter flügel) 
II. Infanterie - brigade : I. Infanterie - brigade 4 



8. Inf.-regmt. 
3 bat. 
FB. 2MB. 



7. Inf.-rgmt. 

3 bat. 
FB. 2MB. 



6. Inf.-rgmt. 

3 bat. 
FB. 2MB. 



5. Inf.-rgmt. 

3 bat. 
FB. 2MB. 



4. Inf.-rgmt. 


3. Inf.-rgmt. 


2. Inf.-rgmt. 


1. Inf.-rgmt 


3 bat. 


3 bat. 


3 bat. 


3 bat. 6 


FB. 2MB. 


FB. 2MB. 


FB. 2MB. 


FB. 2MB. 



1 . Pionier - bataillon. 8 
Schanzzeugkolonne. Leichter feldbrückentrain. 
1. Leichtes cavallerie - regiment. 

2. Fussabtheilung des artillerie - regiments. 
8. batterie. 7. batterie 6. batterie. 5. batterie. 



1. Jäger - bataillon. 7 

1 . Leichtes cavallerie regiment. 9 

1. Fussabtheilung des artillerie - regiments. 10 
4. batterie. 3. batterie. 2. batterie. 1. batterie. 



2. Sanitäts - detachement. 1. Sanitäts -detachement. 11 

3. Sanitäts - detachement. 

Kavallerie - division. I2 

2 (gemischte) brigade. 1 (leichte) brigade. 
1 ulanen-rgmt. 1 kürassier - rgmt. 1 husaren-rgmt. 1 dragoner-rgmt. 

2. reitende batterie. 1. reitende batterie. 13 



Reserve - artillerie. u 
3. Fussabtheilung des artillerie - regiments. 
3. reitende batterie. 12. batterie. 11. batterie. 10. batterie. 



9. batterie. 



Pontonkolonne. 16 



Pferdedepot. 18 



Kolonnenabtheilung. 



Trainbataillon 
Feldbäckereikolonne. 19 



Munitionskolonne. 17 
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 



Proviantcolonne. 20 
1. 2. 3. 4. 5. 
Ausserdem gehören noch zum corps : die intendantur, die corps - kriegskasse, das hauptproviantamt, das leitende ärztliche 
personal, 12 feldlazarethe, das lazareth - reserve - personal, ein lazareth - reserve - depot , die feldpost, das auditoriat, die geist- 
lichkeit, (feldprediger), im ganzen 12 Offiziere, 1055 köpfe, 448 pferde, 104 fahrzeuge: dies ist alles; denn feldeisenbahn- 
und feldtelegraphen - abtheilungen befinden sich beim obercommando : hiernach beziffert sich das armee- corps im ganzen auf 
950 Offiziere, 380 beamte, 40000 mannschaften, also 41330 köpfe, dazu 12000 pferde, 90 geschütze und 1000 fahrzeuge. 



153b 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 3. 



1 Das französische armeecorps ist in drei infanterie - divisionen, in eine cavallerie-division und eine artillerie - reserve eingetheilt: 
Napoleon' hat aber dem deutschen heere nur 23 infanterie - divisionen und 7 cavallerie - divisionen im ganzen entgegenstellen können, 
welche auch schwächer als die jenes waren: das bataillon ist nämlich nur 800 mann, das cavallerie -rgmt nur 500 mann stark. 

2 Der kommandirende general hat einen generalstab neben sich, der durch generalstabsoffiziere gebildet wird, in der regel ist dei- 
chet' "desselben ein oberst, unter dem ein major, ein hauptmann und ein premier -lieutenant stehen.— Der erste adjutant pflegt ein haupt- 
mann oder rittmeister zu sein, daneben noch drei andere, ein rittmeister oder hauptmann, ein premier - und ein secondelieutenant. — Das 
kommando der corps - artillerie, den stab der ingenieure wie den des trains kann der kommandirende general zu berathungen zuziehen, je 
nachdem es ihm nothwendig scheint. — Die feldgensdarmerie ist erst 1866 ins leben gerufen, 1869 aber in ihrer jetzigen Organisation 
formirt; sie besteht bei jedem armee- corps aus 1 rittmeister, 2 Wachtmeistern, 15 Unteroffizieren, 15 ober-gendarmen, 30 gefreiten = 
63 mann; es sind alle ausgesuchte leute und gilt zu ihr zu gehören als persönliche auszeichnung : ihr Wirkungskreis ist ein äusserst wichtiger; 
sie nehmen alle ohne legitimation befundenen Soldaten, marodeurs u. s. w. fest, sammeln die zersprengten, überwachen die marketender, ha- 
ben unter ihrer controle jeden verkehr im bereich der armee, und müssen daher in der gegend, wo die armee weilt, sich rasch mit allen 
persönlichkeiten von einfluss, wie pfarrer, beamte u. s. w. in Verbindung setzen ; an gefechtstagen halten sie die Ordnung hinter der schlacht- 
linie, namentlich bei den Verbandsplätzen, aufrecht, sorgen, dass die rückwärts gelegenen Strassen für train, bagage drgl. frei bleiben, und 
haben nach der schlacht das gefechtsfeld abzupatrouilliren , dabei das ausplündern der verwundeten und gebliebenen zu verhindern , be- 
sonders dem Sanitätspersonal für auffindung der verwundeten behülflich zu sein. Ihre Instructionen erhalten sie direct vom chef des ge- 
neralstabes, in die ausübung ihres dienstes kann nur ein Stabsoffizier oder ein general eingreifen. — Für den dienst des kommandiren- 
den generals ist auch die stabswache da, Ordonnanzen drgl. — Dies alles macht zusammen 41 Offiziere, 290 köpfe, 321 pferde, 14 fahr- 
zeuge aus. . ' 

3. Jede infanterie -division hat ihren stab, bestehend aus einem general -lieutenant als kommandeur , 1 Stabsoffizier oder hauptmann 
des gener' ilstabes , 1 offizier als adjutant, ausserdem 20 beamte, 14 kombattanten, 44 nichtkombattanten, 71 pferde, 9 fahrzeuge. 

4. Jede brigade hat ihren stab: 1 general -major als kommandeur: 1 offizier als adjutant, dazu 3 kombattanten, 7 nichtkombattanten, 
14 pferde, 1 fahrzeug. 

5. Jedes infanterie - rgmt hat seinen stab, bestehend aus 3 Offizieren und 2 beamten. 

6. FB = füselierbataillon, entspricht den schützen -bataillonen anderer heere: bei dem taktischen aufmarsch der brigade bilden die FB 
die flügel und haben die MB = musketierbataillone zwischen sich. Jedes bataillon zählt 22 Offiziere, 3 beamte, 1002 kombattanten, 27 nicht- 
kombattanten, 44 pferde, 8 wagen ; jedoch haben die FB 2 nichtkombattanten weniger und 3 wagen mehr. 

7. Hat 22 Offiziere, 3 beamte,_ i002 kombattanten, 29 nichtkombattanten, 48 pferde, 14 fahrzeuge. 

8. Hat 20 Offiziere, 4 beamte," 800 kombattanten, 48 nichtkombattanten, 76 pferde, 16 fahrzeuge. 

9. Kann ein ulanen - dragoner - husaren - rgmt sein: hat 28 Offiziere, 4 beamte, 602 kombattanten, 47 nichtkombattanten, 713 pferde, 
11 fahrzeuge. 

10. Jede batterie zählt 4 olfiziere, 1 beamten, 145 kombattanten, 8 nichtkombattanten, 128 pferde, 6 geschütze, 11 fahrzeuge. 

11. Jedes einzelne besteht aus 3 Offizieren, 1 Zahlmeister, 149 mann, 7 ärzten, 46 andren personen, 41 pferden, 10 wagen, 15 trag- 
bahren. Dazu sind dann noch die Johanniter und andere freiwillige gekommen. — Seit 1866 hat man mit besonderer rücksicht auf die im 
amerikanischen kriege von den Amerikanern gemachten erfahrungen und Umgestaltungen das sanitätswesen, was in Frankreich ganz ver- 
nachlässigt ist, in Deutschland mit grosser Sorgfalt organisirt und deshalb eine besondere militair-medizinal-abtheilung im kriegs - ministerium 
errichtet: es sind ferner, wie das in dem frühern hannoverschen heere schon der fall war, die militair-ärzte besser gestellt, die feld-lazarethe 
besser ausgestattet, ausserdem in dem gegenwärtigen kriege mehre der ausgezeichnetsten civil -ärzte und Chirurgen zu konsultirenden gene- 
ralärzten ernannt worden, eine maassregel, die sich aufs trefflichste bewährt hat. Eine höchst anerkennenswerthc beachtung haben dabei 
die sanitätszüge gefunden, die im laufe des krieges, der wider erwarten den winter durch dauerte, über 100000 menschen befördern 
mussten. Schon im august erregten die Stuttgarter züge aufsehen, ihnen folgten die bayerischen : viele Verbesserungen brachte der Vir- 
chowsche zug, für den am meisten praktischen hielt man den mainzer, an den sich dann vier vom kriegs -ministerium in Berlin erbaute 
lazarethtrains anschlössen. 

12. Die stäbe der division, der brigaden, der regimenter sind wie bei der infanterie: die stärke der regimenter wie ob. n. 9 angege- 
ben. — Bei der mobilisirung scheidet die cavallerie - division aus dem kriegsverbande des armeecorps und werden sie in besondre cavalle- 
rie -divisionen formirt, welche zur disposition des Oberbefehlshabers verbleiben. 

13. Hat 4 Offiziere, 1 beamten, 149 kombattanten, 9 nichtkombattanten, 211 pferde, 6 geschütze, 11 fahrzeuge. 

14. Der stab besteht ans 2 Offizieren, 16 beamten, 1 kombattanten, 34 nichtkombattanten, 48 pferden, 7 fahrzeugen. 
batterie wie ob. n. 10. 

15. Hat ihren stab wie die infanterie -division. 

16. Besteht aus 5 Offizieren, 2 beamten, 80 kombattanten, 141 nichtkombattanten, 277 pferden, 41 fahrzeugen. 

17. Hat 3 Offiziere, 86 kombattanten, 81 nichtkombattanten, 162 pferde, 24 fahrzeuge. 

18. Hat 2 Offiziere, 1 Zahlmeister, 11 mann, 81 trainsoldaten, 1 rossarzt, 170 pferde, 1 fahrzeug. 

19. Zu ihr gehören 1 offizier, 1 beamter, 3 mann, 100 handwerker, 8 trainsoldaten, 15 pferde, 2 fahrzeuge. 

20. Hat je 20 Offiziere, 1 beamten, 27 mann, 75 trainsoldaten, 164 pferde. 32 wagen. 



die stärke der 



Ar. 4. April 1870. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



100. Ernesti Reinhardi Gast de Thucydidis ora- 
tione dissertatio. Programm der königl. sächs. landesschule zu 
Grimma für 1870. 26 s. 4. 

Der Verfasser dieser abhandlung glaubt spräche und stil des 
Thukydides bereits so gründlich erforscht, dass darüber schwer- 
lich noch etwas ganz neues vorgebracht werden könne (!). Aber 
summam eorum, quae de oratione ac stüo Thucydidis scripta sunt, com- 
ponere additisque exemplis illustrare, ist ihm noch als eine lohnende 
aufgäbe (operae pretium) erschienen. Nun jedenfalls hat der Ver- 
fasser diese aufgäbe in sehr mangelhafter weise gelöst. Er be- 
ginnt (p. 3 — 5) mit einer äusserst summarischen übersieht der 
über Thukydides gefällten urtheile und der auf seine spräche 
bezüglichen arbeiten. In letzterer beziehung wundert man sich 
besonders Poppo's de historia Thucydidea commentatio, welche den 
abschluss von dessen kleinerer ausgäbe bildet, nicht erwähnt zu 
finden; dem Verfasser scheint diese von ihm nirgend citierte 
schrift ganz unbekannt geblieben zu sein. P. 5 kommt der 
Verfasser zu seinem eigentlichen gegenstände und handelt zu- 
nächst (p. 5 — 17) de verborum usu Thucydidi proprio, dann (p. 
17 — 22) de verborum apud Thucydidem collocatione, endlich (p. 22 — 
26) de periodorum struetura , und zwar sollen nach dem Verfas- 
ser die beiden ersten abschnitte zusammen einen ersten haupt- 
theil bilden (de verborum usu et collocatione), der dritte einen 
zweiten — eine eintheilung, deren mangelhaftigkeit und Selt- 
samkeit in die äugen springt. In dem abschnitt de verborum 
usu gibt der Verfasser zuerst einige bemerkungen über den dia- 
lect des Thukydides, dann geht er (p. 6) von den formae ver- 
borum über zu dem usus verborum } welchen ausdruck er hier in 
Philol. Anz. HL 11 



162 100. Thukydides. Nr. 4. 

einem anderen sinne gebraucht als vorher , ohne hierüber ein 
wort zu verlieren. Nach einigen bemerkungen über poetische, 
veraltete und in eigentümlicher bedeutung gebrauchte Wörter, 
zu welchen letzteren sogar imxzäGd-cu ,, hinzuerwerben" und 
imßnfivat „hinzuleben" „ausserdem noch leben" gerechnet wer- 
den, handelt der Verfasser etwas ausführlicher über neugebildete 
Wörter. Hierauf spricht er (p. 10 ff.) von Thukydides präci- 
sion im wortgebrauch und seiner damit zusammenhängenden 
neigung, synonymische unterschiede aufzustellen. Es folgen (p. 
12) ein paar worte über figuren, deren anwendung ex eodem sub- 
tilioris omatiorisque orationis studio hervorgehe, und endlich eine 
längere auseinandersetzung über die kürze des Thukydides quan- 
tum quidem in verborum usu sita sit (l). Auf Thukydides streben 
nach kürze, welches der Verfasser als ein bewusstes aufzufassen 
scheint, werden mehrere syntaktische eigenthümlichkeiten seiner 
spräche zurückgeführt, im übrigen geht die syntax seltsamer 
weise leer aus. Hiermit sollen wir nun von der spräche des 
Thukydides abgesehen von Wortstellung und periodenbau ein 
klares bild haben! — Am anfang des zweiten abschnitts ver- 
weist der Verfasser besonders auf die dissertation von Franz 
Darpe de verborum apud Thucydidem collocatione, Monast. 1865, die 
er aber in Breslau erscheinen lasst, und als deren titel er de cau- 
sis insolentioris verborum apud Thucydidem collocationis angibt, was 
die Überschrift eines kleinen abschnitts (p. 3 — 7) derselben ist. 
Dieser abschnitt ist auch alles, was von der umfangreichen dis- 
sertation von dem Verfasser berücksichtigt wird. Was nun über 
die thukydideische Wortstellung bemerkt wird, ist eben so un- 
zureichend wie der erste abschnitt, besonders tritt derselbe man- 
gel an Übersichtlichkeit hervor. Wie viel der Verfasser endlich 
von griechischem periodenbau versteht, erhellt aus den worten 
auf p. 22: laxiore membrorum structura, quae cum proxime ad 
vulgarem loquendi morem accedat. bene dicitur At£*g elgt]fi.ii'r} (sie), 
welche keines commentars bedürfen. 

101. Herculanensium Voluminum quae supersunt collectio 
altera. Tomus VI. Fasciculus V, complectens ignoti librum cu- 
ius titulus haud superfuit. Napoli 1870. — 4 thlr. 

Es ist das letzte lieft des VIten bandes mit 49 folioblät- 
tern; davon sind fol. 161 — 87 als columnae (XII — XXXVIII), 



Nr. 4. 101. Herculanensia. 163 

fol. 188 — 99 als Fragmenta (I — XIV) bezeichnet; von letzteren 
sind Fragm. IV. V. VI. XII vollständiger und lesbarer als viele 
columnen ; ob man ihre Ordnung und folge nicht kannte oder 
aus einem andern gründe sie als fragmente betrachtete und als 
anfang folgen liess, ist nicht klar; auffallend ist der häufige 
Wechsel der handschrift. 

Die ersten XII columnen stehen im vorhergehenden hefte, 
aus welchen bereits früher in diesem Anzeiger II, nr. 8, p. 413 
ein vers des Sophocles hervorgehoben worden, und worüber 
auch Bücheier (s. Phil. Anz. 1. c. p. 66) referirte. Das jetzt 
vorliegende zeigt dass wir es mit Untersuchungen über rhetorik 
zu thun haben, also wahrscheinlich wieder eine schrift des Phi 
lodemos; wäre auch das ganze vollständig lesbar, wir würden 
wenig daraus lernen. 

Die letzte columne XXXVIII, fol. 187 enthält wirklich 
den schluss der andern , wie das am ende angebrachte zeichen 
andeutet. Der gedanke ist unklar, da einige worte unsicher 
sind, doch mögen die zeilen des namens Antiphon wegen hier 
mitgetheilt werden : 

c \ 

vno 
yQUfifxuTWv änXojv 
xui . . tGrwv (oi)xetov- 
a&ut trjv uxorjv tvör]- 
5 log r] töjv ullojv iplrj- 
v . . . . —OINETA . . vt] 

TUV .... ITIUV XUV . ^)lSiV 

' rj (d)iacpoQa xairj%iwx6- 
Twv wc, xui nvog rwv 
10 ä(g)xaiwv 'Avn<f,wvxog 

«(I')t' ovv QTjTOQixovg (iX)xe 
xui (piXocoyiovg yiOY . . 
isivat . 
v. 6 "ist vielleicht (pirjvuyog ysivtiat , der schluss wird mit 16- 
yovg slvcu noch wenig verständlich. Die einzige stelle aus der 
wir etwas neues lernen können ist fol. 1 74, col. XXV : 

1770 
AAMBANE K . . J. OCYNE 
X . N KAI KY . CV TA . . . 

TJJN EM no . T-. KI . J . 

11* 



164 102. Galenus. Nr. 4. 

&EPEIN XEIPI . ON K . . ANA 
ZIMENHN OMHPO . KAI 
KJPKINON KAI KAEI . NC 
TO . . YPEl niJON KAI TOYC 

AA TOYC nONHPOYC 

EN (10HTIK HI . 00. AP 



d. h. vTToKdf^ßavs x(ax)a tb Gvvfy(o)v xal xv(qi)ojtu(tov) tujv 
ly, no(rj)i(o)xrji 6(ia)(p£QSiv Xoiql(Xov) x(ai) ' Ava'E,iyh"t\v 'Ofitf- 
qo(v) xal Kaqxlvov xal KXe(uC)vsro(v E(vQBtnlöov xal roiig ak- 
(Xovg) wvg TrovtjQovg iv Ttoririx^i, (t)öj(v) o<q(Cct(jüv ?) . . 

Ist es schon nicht ohne interesse den tragiker Kleaenetus, 
der so selten erwähnt wird (Meineke Comic. Gr. Fragg. III, 508), 
hier zu finden, so noch weit mehr, den Anaximenes als epiker 
kennen zu lernen ; beide verdanken ihre Würdigung als novtiool 
h> rrj notrpixfi einzig und allein dieser stelle aus den herku- 
lanensischen rollen. 

102. De Galeni Historia Philosopha. Dissertatio philologica 
quam ... defendet Herrn. Di eis, Wisibadensis. 8. Bonn. 1870. 

Diese dissertation ist aus einer umfassenderen , von der 
Bonner philosophischen facultät durch einen academischen preis 
ausgezeichneten arbeit hervorgegangen , deren thema das werk 
war, welches von den pseudoplutarcbischen Placita, den ent- 
sprechenden abschnitten des Stobäus in den Eklogen, und der 
(piloGoyog Igtoqiu des falschen Galen als ihre gemeinschaftliche 
grundlage vorausgesetzt wird. Der vf. zeigt nun, dass die pseu- 
dogalenische schrift ihrer hauptmasse nach (c. 11. 12. c. 16 — 
26. c. 29 — 126) nichts weiter ist, als ein mit wenigen eigenen 
zuthaten erweiterter auszug aus dem falschen Plutarch, während 
von dem Überrest ein namhafter theil (c. 5. 7. 8. 9. 28. 13. 
14) aus Sextus' pyrrhonischen hypotyposeu entlehnt ist , so 
dass demnach nur wenige blätter der ganzen kleinen schrift 
aus anderweitigen, theilweise auch von Diogenes, Clemens, Hip- 
polytus u. a. benützten quellen geflossen sind. Er weist weiter 
nach, dass allen ausgaben derselben nur ein florentinischer co- 
dex aus dem anfang des dreizehnten Jahrhunderts (cod. Laurent.) 
zu grnnde liegt, der aber ausser der Versetzung einiger kapitel 
auch zahlreiche lücken und jüngere zusätze enthält. Er zeigt 



Nr. 4. 102. Galenus. 165 

ferner, dass sie ein schulcompendium sei, welches nicht vor dem 
dritten und wahrscheinlich nicht nach dem fünften Jahrhundert 
verfasst wurde. Er giebt endlich unter benutzung einer von 
K. Wachsmuth angestellten collation des codex Laurentianus 
eine kritische textesausgabe von c. 1 — 10. 28. 27. 12 — 15: so 
nämlich sind diese kapitel, wie der vf. nachweist, zu stellen. 
Man wird natürlich über die eine oder andere seiner emenda- 
tionen oder sonst eine einzelheit verschiedener meinung sein 
können; aber seine hauptergebnisse hat der vf. so sorgfältig und 
sicher begründet, dass wir ibm zu dieser erstlingsarbeit nur 
glück wünschen können , und der weiteren Untersuchung über 
den falschen Plutarch und Stobäus , welche er der gelehrten 
weit ja doch wohl gleichfalls vorlegen wird, mit verlangen ent- 
gegensehen. Den ersteren betreffend, mag hier die bemerkung 
platz finden, dass der Verfasser der Placita neben der von ihm 
und Stobäus gemeinschaftlich gebrauchten Zusammenstellung phi- 
losophischer annahmen, die seine hauptquelle war, auch noch 
zwei weitere darstellungen benutzt zuhaben scheint, eine stoi- 
sche, aus der I, 6. IV, 11. 12. 21, und eine epikureische, 
aus der I, 4. 7, 1 — 10 geflossen ist. Beiderlei abschnitte unter- 
scheiden sich durch ihre breitere dogmatische behandlung der 
betreffenden materien auffallend von der kurzen compilatorischen 
Zusammenstellung fremder meinungen in den übrigen theilen des 
werkes und den entsprechenden abschnitten des Stobäus , und 
sie fehlen auch wirklich bei dem letztern ; dass die eine stoi- 
schen, die andere epikureischen Ursprungs ist , zeigt ihr inhalt. 
Doch bleibt auch die möglichkeit offen, dass schon die gemein- 
same quelle der Placita und des Stobäus diese stücke gehabt, 
und der letztere sie übergangen hat , weil sie für seinen zweck 
nicht recht passten. Man könnte dafür anführen, dass auch der 
abschnitt über den regenbogen Plac. III, 5, 1 — 9, welchen Stob. 
Ecl. I, 612 ff. bringt, den gleichen charakter einer dogmatischen 
darstellung trägt; (ebenso die kleine, bei Stobaeus fehlende erörte- 
rung über den hof um den mond Plac. HI, 18). Indessen 
fragt es sich, ob Stobäus diesen abschnitt nicht aus den Placita 
selbst entnommen hat. Sollte dem aber auch nicht so sein, und 
sollten die oben bezeichneten stücke schon in der grundschrift un- 
serer Placita gestanden haben, so zeigt doch ihr inhalt wie ihre 
darstellungsweise, dass sie in diese nur aus dogmatischen schrif- 



166 102. Galenos. Nr. 4. 

ten der stoischen und epikureischen schule gekommen sein 
können. E. Z. 

Dass die schrift nsgl rutv uqsGxovtwv xolg (ptXoGoqtoig (pvGixüv 
doyfiuxiüv, die Plutarch zugeschrieben wird , und die fälschlich 
Galen beigelegte tptXoGoyog tGiogta, endlich die auszüge ähnlichen 
oder gleichen inhalts in Stobaeos IxXoyai (pvGwal auf eine ge- 
meinschaftliche quelle zurückgehn, ist unverkennbar. Diese 
näher festzustellen war 1869 preisaufgabe der philosophischen 
fakultät in Bonn : H. Diels erhielt den preis und theilt hier 
das auf die tp^XoGo^og iGiogia bezügliche mit. Er weist nach, 
dass sie in zwei theile zerfalle, von denen die kapitel 16 bis 
zu ende lediglich aus der schrift ttsqI riZv uqsgxovtwv herüber- 
genommen , also nicht als selbständiger auszug aus einer und 
derselben quelle zu betrachten seien : nur müsse man die kapi- 
tel 27 und 28, die in ganz fremdartiger Umgebung stehen, zwi- 
schen kap. 10 und 11, und zwar in umgekehrter Ordnung, 28. 
27, einschieben. Der erste theil, also kap. 1 — 10, 28, 27, 11 — 
15, stimmt zumeist mit Sextus Empiricus, neben dem nur die 
einleitenden bemerkungen über die geschichte der philosophie 
aus einer der vielen über diesen gegenständ früher vorhande- 
nen Schriften und kap. 15 über das wesen der seele aus un- 
bekannter quelle entlehnt sind. Abgefasst möge die schrift zum 
gebrauch von schulen etwa im vierten oder fünften Jahrhundert 
sein (p. 23). Dies ist der inhalt der ersten hälfte des schrift- 
chens und man wird dem ergebniss seine Zustimmung nicht ver- 
sagen können. — Die zweite hälfte (p. 27 — 46) giebt den ersten 
theil der galenischen schrift mit einschluss der kk. 28. 27 auf 
grund einer neuen vergleichuDg des cod. laurent. 74, 3, die 
K. Wachsmuth dem vf. überlassen hat. Diese vergleichung, 
so wie zahlreiche vermuthungen prof. Useners und eigene än- 
derungsversuche des vfs. lassen den text , der wie in allen 
Schriften Galens , so auch in dieser äusserst verwahrlost war, 
hier in wesentlich verbesserter gestalt erscheinen. Ueberall 
allerdings wird man mit dem vf. nicht übereinstimmen können. 
So klammert er p. 27 den satz xtri tovto vofifGag — TjyeTio 
fyüdiov als iuterpolation ein, aber er schliesst sich auf das passend- 
ste an das vorausgegaugene und enthält nichts irgendwie bedenk- 
liches. Vielmehr sehu die folgenden worte: 616 irgoandyti, Ttj 



Nr. 4. 102. Galenos. 167 

(piXoGoyia xo tj&i>xov, xa& o GvviGxijGe rr[v nooatqeGiv xwv xuX- 
XtGxa ^fjv TteiG&tioofjbivojv, ganz wie eine zusammenfassende rand- 
bemerkung aus. — P. 29 sollen die Worte xal xovg Soxovvzag 
. . . isToufifih'üJv zugesetzt sein, dann eine ankündigung des 8. 4 
über die namen der scbulen feblen , dann wieder nqwzog . . . 
vnalrinfxivoq interpolation sein. Aber was der vf. darüber p. 
18 sagt, überzeugt nicht. Die benennung der schulen konnte 
zu unbedeutend erscheinen, um besonders angekündigt zu werden, 
und die doppelte konstruktion von yiyvwGxeiv, erst mit indi- 
rekten fragesätzen und dann mit dem accusativ des participiums 
xal xovg öoxovvzug, genügt nicht, um die an und für sich unver- 
dächtigen worte auszuscheiden ; tlarjy/jiirog endlich , das schwer- 
lich sonst in activer bedeutung vorkommt (das perfectum!), ist 
wohl aus dem vorausgegangenen vnetXri[x,fjLevog entstanden und 
vielmehr eiGr]yrJGaG9at zu lesen. — P. 29 , 22 muss es wohl 
heissen zvov uXXujv xiZv inl tpiXoGotpiav iX&ovxüJv : jetzt fehlt das 
zweite xwv. — P. 30, 3 ist artet xal ^v avxbg verdorben und 
es fehlt ein verbum zu inl rovg Xoyovg zov ÜXdxoJvog. Diels 
klammert xal rjv avxbg nach Usener als aus einer randbemer- 
kung xal Iqv zezuqzog (Polemon viertes schulhaupt der akade- 
mie) entstanden ein. Sollte nicht vielmehr zu schreiben sein : 
IIoli(i,u>v xaxr\ev inl xovg Xöyovg rov IJXdxouvog , so dass iyxel 
dittographie zu irrl wäre? avxbg mag allerdings einem Ji°s sei- 
nen Ursprung verdanken. Auf einen ähnlichen gedanken, dass 
Polemon auf die schritten Piatons zurückgegangen sei, weisen 
in der herkulanischen Diadochengeschichte (Bücheier ind. lectt. 
Gryphisw. 1869/70) p. 11 die erhaltenen worte [idXiGxa TlXd- 
xiavog hin. — P. 30, 11 hat die handschrift fjyovfxai de rov Gu)- 
xqaxixbv uvxt,G&iv7\v ndiv txoXXwv yevofievwv ovdevog %Gog qv 
xuxadeeGxeqog, og — . Diels schreibt mit Usener rjyovfiai, de xäiv 
JZwxoaxixuiv — ovdevog xuxadeeGxeqov, og — , mit ausscheidung 
des glossems Xöog r\v. Vielmehr scheint l'Gog \v eigentlich Xgwq 
rjv zu sein und zu zeugen, dass zu den Worten riyovfxai de xwv 
Eoixqaxixdjv ^AvxiG&evx\g nävv . . . xaxadeeGxe q o g jemand am 
rand bemerkte, dass x\v vielleicht zuzusetzen sei. So im 
cod. darmst. von Theophr. Char. 9 vlelg iGwg , weil vlelg in 
einigen handschriften ausgefallen war, Aeschin. Epist. 11, §. 8 
Xg. iyevovxo , Athenagoras c. 1 1 Xcatg &eov , Dio Chrys. or. 55 
g. e. "Avvioi zdxa. — P. 33, 3 liest Diels mit Heimsoeth "Aql- 



168 103. Curtius Rufus. Nr. 4. 

ciutnov tt\v rjdovrjv ttq ojj orjofr ut bfioXoyovffiv: aber dem ngoß- 
xexlrtG&ou der handschrift liegt TtgoßeßXrjo&at bei weitem nä- 
her. — P. 43, 1 bat die handschrift <pvGt,v nveg ifvai, Uyovat, 
■nvevfjua h'vnp>ov bdonoii\rixöv. Doch wohl are%vov. Gleich dar- 
auf muss interpungirt werden : xul rjQifjLtag, Iv w ttoüjuüc i(frl 
xai ov xaru ßvfjtßeßrjxog, yeysvrjod-ai vofitt,u, vgl. Plut. de plac. 
philos. p. 875 b. — P. 43, 18 muss es heissen: wjv 6' aQXtfv 
ovdirsoov (oder ovdirsQu) rovicov vitägxnv , nicht ovdersQuv. — 
P. 44, 8 fehlt nach [jioog oi)6sv die definition der linie, also 
etwa 6r\fjh£iov ov fiigog ovdtv , [ygafi/j,rjv Je io fiijxog |U£> e^oj', 
■jiküxog de owJsV,] Imyävuav dz — , vgl. Sext. Emp. Pyrrh. 3, 39. 

H. S. 

103. Q. Curti Kufi historiarum Alexandri magni Macedo- 
nis libri qui supersunt. Für den schulgebrauch erklärt vou 
dr Theodor Vogel. Erstes bändchen. Buch III — V. Leip- 
zig Teubner. 1870. — 15 gr. 

Diese ausgäbe des Curtius darf füglich als die erste be- 
zeichnet werden, welche den schulzwecken völlig entspricht: für 
schüler, die entweder diesen Schriftsteller cursorisch in der schule 
oder dann privatim zu hause lesen (und für diese zwecke ist 
derselbe sehr zu empfehlen), bietet die in ihrer art ausgezeichnete 
ausgäbe von Mützell zu viel, und die kleine von Zumpt zu 
wenig ; wogegen die vorliegende die richtige mitte innehält. Au- 
sserdem darf sie aber auch als wissenschaftliche leistung be- 
zeichnet werden: der Verfasser zeigt sich ebenso orientirt in 
den neuern arbeiten über Curtius als im sprachgebrauche dieses 
Schriftstellers, auf dessen eruirung er grosse Sorgfalt verwen- 
det hat: die handhairang der texteskritik ist selbständig, scharf, 
gelegentlich wohl etwas zu kühn. 

Aus der kurzen einleitung heben wir hervor , dass auch 
Vogel sich an Mützell's beweisführung über die nox qtiam paene 
supremam habuimus (X , 9, 3) anschliesst und die throubestei- 
gung des Claudius am 25. jan. 41 als die von Curtius an- 
genommene errettung der weit verstanden wissen will. Mit 
recht; vergleiche jetzt auch Wiedemann im Philol. XXX, p. 241 
ügg. Unsrerseits fügen wir die bemerkung hinzu, dass die ganz 
besondere Verehrung, welche der rhetor Curtius dem Claudius 
zollt ; wohl auch zum theil dem förderer gelehrter Studien , der 



Nr. 4. 103. Curtius Eufus. 169 

selbst in geschichtschreibung machte, gegolten haben mag. 
Die annähme p. 5, dass Kleitarchos die directe hauptquelle für 
Curtius gewesen sei (ansieht C. Müllers und C. Raun's) ist jetzt 
nach Schöne analecta philologica historica I , p. 50 zu berichti- 
gen. Denn es ist kaum anzunehmen, dass Curtius sich wesent- 
lich blos an einen Schriftsteller angelehnt habe , dem er IX, 

5, 21 so lebhaft securitas und credulitas vorwirft. Das glei- 
che gilt nun aber auch gegen die annähme von E. S. im Phi- 
lol. Anzeig. II, p. 234, dass Curtius seinen etwas altern Zeitge- 
nossen Timagenes ausgeschrieben habe: denn der gleiche tadel 
wird ja auch gegen diesen erhoben. Die hauptquelle war also 
wohl eine andere, Kleitarchos - Timagenes ein seitenzufluss. Die 
Übersicht über den Sprachgebrauch, welche der Verfasser nach 
dem vorgange Drager's in der ausgäbe des Tacitus dem teste 
voraufgehen lässt, beruht auf guten collectaneen und veranlasst 
uns blos zu folgenden bemerkungen. Es ist eine mehr äusser- 
liche bezeichnung, wenn beispiele wie innocentia fratrum = fra- 
tres innocentes §. 6 lit. c unter die kategorie: , ; substantiva für 
adjeetiva" gerechnet werden; logisch betrachtet gehört derglei- 
chen eher unter die bezeichnung : „abstractum für concretum" 
(§. 5). Bedenken erweckt uns der passus über anastrophe (§. 
21 lit. b) : die auch von dem Verfasser erwähnte thatsache, 
dass ausser dem auch bei classischon Schriftstellern so gewöhnli- 
chen quibuscum fast nichts von der art bei Curtius vorkommt, 
hätte schon von der aufnähme der Jeepschen conjeetur quis sub 
in III, 13, 9 abhalten sollen. Die andere stelle, VI, 2, 10 ; 
quis e ist mir immer verdächtig erschienen: um so mehr, als, 
wenn wir uns nicht irren, auch e quis, was hier von Foss 
nach den jungem handschriften gesetzt wird, nirgends vorkommt, 
während in quis gar nicht selten ist. Dagegen e quibus IV, 4, 

6. VII, 1, 32. IX, 5, 8. IX, 5. 16. Wir lesen hier cuius sum- 
ma e statt der vulgata quis e: es brauchte statt summe durch ver- 
schreibung nur einmal sunte entstanden zu sein, so haben wir bei 
anwendung der gewöhnlichen abkürzungen : cuV se, und unsere 
lesart ist fertig. Summa wird von geldsummen oft bei Curtius 
gebraucht; so z. b. gleich nachher; über Wiederholung derselben 
ausdrücke hinter einander vgl. Vogel §, 52, note 1. Eben so 
schlimm steht es mit den belegen für equidem mit der dritten 
person. In VIII, 8, 10 haben die handschriften blos quidem, das 



170 103. Curtius Rufus. Nr. 4. 

in der Rheinauer an einer andern stelle steht; wir haben hier eine 
andere emendation zu suchen. V, 13, 3 steht equidem vinctum 
regem , sed in periculo esse aut mortis aut vinculorum adfirma- 
bat. Man schiebt nun vor dem equidem ein durch den sinn gebotenes 
non ein; wir würden dieses n bloss aus dem e eruiren; über non 
quidem — sed vergleiche die beispiele bei Mützell I, p. 126a; 
in mehreren derselben steht wie hier die negation unmittelbar 
vor quidem. Es ist an dieser stelle zu einem verstärkten 
quidem, als welches unser equidem doch erklärt wird, ebensowe- 
nig grund vorhanden als in dem dritten beispiel, welches allein 
noch übrig ist, IV, 12, 20; hier scheint universam equidem rei 
faciem , was Vogel mit Foss beibehalten will , aus den ver- 
schiedenen lesarten universam und universae, wie Zumpt in der 
that schrieb, gemischt zu sein. Gegenüber dem dutzend stellen, 
in welchen equidem mit der ersten person sing, verbunden ist, 
kann daher diese einzige nicht in betracht kommen. Ueber ein 
ähnliches verhältniss in den ciceronischen briefen vgl. Philol. 
Anzeiger II, p. 256. Dagegen scheint umgekehrt meam et qui- 
dem IX, 6, 18 in mea; equidem zu verwandeln zu sein, wie es auch 
Zumpt (ed. minor.) geschehen ist. Vollkommen richtig hat Vogel 
mehrfach sowohl in der Übersicht als auch in der exegese und 
kritik einzelner stellen auf einzelne graecismen aufmerksam 
gemacht, die wir bei einem Übersetzer, als welchen wir Cur- 
tius ansehen müssen, a priori zu erwarten haben; so §. 12 b. 
anm. hie qui = ovrog os, §. 20 circa regem = ol u/xcpC tov 
ßaüdsa. Vrgl. die bemerkungen zu III, 2, 15. III, 3, 2. V, 
6, 7 u. s. f. Wir glauben dass dieser gesichtspunkt, noch wei- 
ter verfolgt, manche aufschlüsse bieten dürfte; dahin rechnen 
wir die starke anwendung von ipse, die oft auf ein zu gründe 
liegendes avrog hinweist; den häufigen gebrauch des plusquam- 
perfects, das wir neben der Umschreibung mit coepi (übersieht 
§. 31. c) als eine Übersetzung des aorists ansehen. 

Von der zu gründe gelegten ausgäbe Hedike's weicht Vo- 
gel an vielen stellen, in buch III z. b. an mehr als 40 orten 
ab; meistens nach eigenen vermuthungen, theilweise nach Jeep, 
Köhler, Eussner oder dem referenten. Zu billigen sind die vom 
Verfasser vorgenommenen restitutionen der lesart beider hand- 
schriftenclassen in istud III, 2, 17, das Hedike in istuc 
verwandelt hatte; III, 3, 16 quorum gegen Jeep's avorum\ III, 



Nr. 4. 103. Curtius Eufus. 171 

8, 7 nuntiare; III, 9, 12 ordine (vrgl. die auseinandersetzung 
Vogels in den Jahrb. f. Philol. u. Paed. 1870, p. 554, womit ich 
vollkommen einverstanden bin ; der fehler steckt jedenfalls in 
pluribus, und nicht in ordine); III, 10, 10 nudas calles; III, 12, 
20 tarn nach meinem Vorschlag. Ebenso nimmt der herausge- 
ber die von uns aus Bernensis und Leidensis gemeldete lesart 
permittit auf in 111,12, 13. Speziell dem Parisinus und zwar ge- 
genüber der andern handschriftenfamilie, folgt Vogel im Illten 
buche cap. 3, 23 quae educabant, wobei übrigens nicht zu sagen 
war „nach den haudschriften", mit berufung auf Plato de Legg. 
III, 694 D betreffend die „gouvernanten" der persischen prinzen. 
Dann III, 6, 19 mit Eussner plerumque nilitari gratiora vulgo 
für in re militari der anderen Codices. Wir unsererseits vermis- 
sen bei dieser lesart einen persönlichen gegensatz zu militari 
vulgo in den vorhergehenden worten quae leviora haberi solent 
und finden in gratiora nicht einen richtigen gegensatz zu leviora ; 
gratiora scheint hier überhaupt ein zu enger begriff zu sein, da 
es sich nicht bloss um eigenschaften handelt, welche die liebe, 
sondern auch welche die bewunderung der Soldaten erwecken. 
Diese consequenz ist erst im schlusssatz gezogen : quis — effererat. 
Wir lesen die stelle, indem wir nach plerumque interpungiren, so : 
et quae leviora haberi solent plerumque (in den meisten fällen des 
gewöhnlichen lebens) , in re militari gravior a sunt vulgo „gel- 
ten im kriegswesen gemeiniglich für wichtiger": vgl. Cic. Rose. 
com. 2, 6: quod apud ornnes leve et infirmum est, id apud iu- 
dicem grave et sanetum esse ducetur. Einverstanden sind wir 
III, 8, 6 mit a se, wie der Parisinus hat, statt ad se. — III, 10, 
7 in iam Gfranicum , iam tot urbes streicht Vogel nach dem Pa- 
risinus das zweite iam vor tot mit berufung auf IV, 14, 1; 
warum? weil dort tot ohne iam steht?! Für die Wiederholung 
von iam spricht doch umgekehrt der Sprachgebrauch des Curtius, 
vrgl. V, 1, 7: iam Susa, iam cetera omamenta regni, IV, 2, 1: 
iam tota Syria, iam Phoenice quoque: vgl. Mützell II, p. 574. — 
III, 13, 7: quippe et procella — et humus wird das erste et 
dem Parisinus zu lieb gestrichen , jedenfalls ohne innern grund. 
Wichtiger als diese im gründe ziemlich unbedeutenden änderun- 
gen nach dem Parisinus, deren werth nach unserer ansieht zum 
theil zweifelhaft ist , sind die von dem herausgeber selbst ge- 
machten vorschlage, von denen mehrere trefflich genannt wer- 



172 103. 104. Curtius Eufus. Nr. 4. 

den können: so III, 3, 1: usurum (vielleicht usurum se) statt 
usurus; III, 2, 15: quem occuparunt für occupati parant ; III, 
3, 5 quidam contra für quidam non, was uns besser gefällt 
als das von Eussner jüngst vorgeschlagene non aeque, wogegen 
wir in III , 2, 5 dem Vorschlag des letzteren , equitum in equi- 
tatum zu verwandeln, folgen würden. In IV, 2, 13 sind wir mit 
dem Verfasser in der vermuthung zusammengetroffen, statt me- 
to entweder exitium oder interitum zu schreiben; eben so erscheint 
uns sein Vorschlag IV, 1, 3: iam regis unica spes. Tum ... 
statt iam regius tum durch die beigebrachten parallelstellen 
trotz der grossen kühnheit gerechtfertigt ; ähnliche Verstümm- 
lungen von worten sind z. b. im codex Parisinus, dem hauptcodex 
der Sestiana, nicht selten. Die restitution der handschriftlichen 
lesart quisque in III, 3, 25 erscheint uns auch durch die 
auseinandersetzung in den Jahrb. für philologie noch nicht ge- 
sichert; eben so wenig würden wir in III, 7, 12 moribus wie- 
der herstellen. — In annähme von lücken ist der Verfasser wie- 
der weiter gegangen, als in der letzten zeit üblich war; in III, 
3, 3: quo ipse fuisset würde wohl statt astandes oder privatus für 
die allgemeinheit des gedankens die einschiebung eines quondam, 
welches gelegentlich auch blos q geschrieben wurde, genügen, 
entsprechend dem ttqotsqoi' bei Plutarch. -^ III, 3, 16 sind wir 
noch nicht überzeugt, dass sacraverant etwas anderes sei als die 
Übersetzung von avmn&ivm. Und so hätten wir noch man- 
ches bedenken gegen einzelnheiten , aber auch noch manches 
anzuführen, worin wir beistimmen. Wir schliessen mit dem 
danke für das bisher gebotene. A. H. 

104. Curtius als schullectüre. Eine skizze von Dr Eduard 
Kräh. 4. Programm von Insterburg. 1870. 

Dieses programm bildet in gewissem sinne eine ergänzung zu 
der gleichzeitig erschienenen Übersicht des Sprachgebrauches in Vo- 
gels Schulausgabe des Curtius. Zunächst sucht Kräh den Schrift- 
steller gegen verschiedene vorwürfe, die gegen seinen stil erho- 
ben wurden, zu vertheidigen. In der that glauben wir, dass auch 
Vogel einleitung p. 40 zu weit gegangen ist, wenn er den Cur- 
tius bloss als einen copisten des Livius bezeichnet , so unver- 
kennbar die ähnlichkeit der beiden auch ist. Von p. 5 an giebt 
Kräh mehr vereinzelte beobachtungen über den Sprachgebrauch 



Nr. 4. 104. Curtius Rufus. 173 

des Curtius, die er an die paragraphen der Zumpt'schen gram- 
matik anlehnt. Er gelangt bis zu §. 291, und verspricht spä- 
ter die präpositionen , conjunctionen nebst der ganzen syntax 
folgen zu lassen. Was Kräh im vorliegenden programm lie- 
fert, betrifft also zunächst das gebiet der Orthographie und for- 
menlehre. In der ersteren beruht freilich noch manches auf 
unsicherer grundlage: einerseits hat Hedicke offenbar absicht- 
lich manches orthographische detail in seiner ausgäbe schon aus 
gründen der raumersparniss übergangen ; andrerseits unterschei- 
det unser Verfasser nicht streng zwischen dem was die besten 
handschriften an der mehrzahl der stellen bieten und demjeni- 
gen, was aus sprachlichen gründen von den herausgebern gegen 
diese mehrzahl durchgeführt wurde. Was soll z. b. die anmer- 
kung bedeuten : „clipeus , nicht , wie Zumpt in seiner ausgäbe 
hat clypeus, ist bei Curtius zu geben"? Man würde nach dem 
vorhergehenden meinen , dass die neuern herausgeber durch die 
handschriften des Curtius veranlagst wurden, clipeus zu schrei- 
ben. Bernensis und Leidensis aber, namentlich der erstere , ha- 
ben durchweg clypeus. Schreiben also die neueren anderes , so 
geschieht dies gegen die handschriften, und der grund ist ein 
allgemeinerer , der auch für die übrigen Schriftsteller gilt. Es 
ist ferner richtig, class in den ausgaben das ägyptische Alexan- 
dria mit * geschrieben wird (IV, 8, 2. X, 10, 20. IV, 8, 5), 
ebenso VII , 6 , 25 das Alexandria am Tanais ; dagegen Ale- 
xandrea für die städte am Kaukasus und in Indien (VII, 3, 23, 
IX, 8, 8). Unser Verfasser scheint dies zu billigen; als ob Cur- 
tius bei den vorliegenden gleichlautenden griechischen na- 
men diese wunderliche Unterscheidung für sich statuirt hätte ! 
Uns scheint Curtius umgekehrt allenthalben Alexandrea nach 
der analogie von Dareus und satrapea geschrieben zu haben, und 
wir nehmen dies um so unbedenklicher an, als X, 10, 20 der 
Bernensis, IV, 8, 5 der Parisinus diese Variante bieten. Zu §. 
2 heisst es Curtius ziehe die aspirierte form humor vor, während 
Livius umor schreibe; die Unsicherheit dieser behauptung leuch- 
tet ein, wenn wir erwähnen, dass IV, 12, 20 der Bernensis 
sowohl als der Leidensis umidi aufweisen. Richtig ist die be- 
merkung , dass nach Fleckeisens abhandlung wohl auch im 
Curtius Bosphorus zu schreiben sei; VI, 2, 13. VI, 2, 14. VIII, 
1, 7 bestätigen dies die haupthandschriften. 



174 105. 106. M. T. Cicero. Nr. 4. 

Es folgen auseinandersetzungen über die declination von 
§. 45 an. Ueber §. 46, 2 und 3 , den accusativ der grie- 
chischen eigennamen, lässt sich im allgemeinen sagen, dass die 
griechische form weit öfter in den altern handschriften vorkam 
(nicht bloss im Parisinus, wie Hedicke Progr. p. 29 anzudeuten 
scheint) , als wir nach Zumpts ausgäbe vermuthen sollten ; eine 
sichere entscheidung über die frage, ob wir annehmen sollen, dass 
Curtius selbst schwankte oder ob wir allenthalben bei ihm die 
griechischen formen herzustellen haben, wird erst nach vollstän- 
diger Veröffentlichung des kritischen apparates der haupthand- 
schriften möglich sein. In den folgenden abschnitten dient man- 
ches zur ergänzung der Übersicht bei Vogel , manches bildet nur 
weitere ausführungen der bezüglichen bemerkungen Mützells, z. 
b. §.86, 88; vgl. auch p. 27 die bemerkung über eguidem, wo- 
von in der vorigen anzeige. Wunderlich ist p. 123 die bemer- 
kung über primum und primo, wobei wir statt der entscheidung 
auf Walch resp. Mützell verwiesen werden ; in der that wird 
der ganze vorrath von beispielen bei Mützell wörtlich copirt, 
nur mit dem unterschied dass die citate nicht angegeben sind. 
Es giebt aber noch andere beispiele bei Curtius als die von 
Mützell genannten. Trotz einzelner Sonderbarkeiten anerken- 
nen wir den fleiss und das verdienstliche dieser arbeit. A. H. 

105. M. Tullü Ciceronis scripta quae manserunt omnia. re- 
cognovit ßeinholdus Klotz. Partis III. vol. I, continens 
M. Ciceronis epistolarum ad Familiäres libros sedecim, eiusdem 
Ciceronis epistolarum ad Q fratrem libros tres , Q. Ciceronis 
de petitione consulatus ad M. fratrem librum } eiusdem versus 
quosdam de signis XII et epigramma de amore feminarum. 
editio altera emendatior. — 18 gr. 

106. Desselben werks: Partis III. vol. II, continens epistola- 
rum ad Atticum libros sedecim, epistolarum ad M. Brutum libros 
duos, Pseudociceronis epistolam ad Octavium. Lipsiae in aedi- 
bus B. G. Teubneri 1869. 511 s. und 1870 504 s. — 18 gr. 

In den eilf jähren, die zwischen der ersten und zweiten 
von Klotz besorgten ausgäbe der briefe Cicero's liegen , ist für 
die kritik und erklärung derselben ausserordentlich viel getban 
worden ; den aussergelegentlichen beitragen und mehreren Schul- 
ausgaben ausgewählter briefe sind zwei neue auflagen der briefe 



Nr. 4. 105. 106. M. T. Cicero. 175 

ad Atticum von Baiter und Boot und von ersterem ausserdem 
eine der ad Familiäres erschienen. Diese arbeiten sind von dem 
leider schon verstorbenen Klotz sorgfältig benutzt worden und 
der uns vorliegenden neuen aufläge, die im verbältniss zur er- 
sten um manches f ärmer geworden ist, sehr zu statten gekom- 
men. Leider giebt es jedoch noch besonders in den briefen 
ad Atticum viele loci desperati, deren heilung trotz der sicheren 
durch eine neue von Baiter besorgte collation des Mediceus ge- 
wonnenen critischen grundlage noch immer sehr schwierig, wenn 
nicht gar unmöglich sein dürfte. Auf einige solcher stelleu 
wollen wir am schluss zurückkommen und uns jetzt zur beant- 
wortung der frage wenden, welchen critischen grundsätzen Klotz 
in den Briefen folgt. Im allgemeinen kann man sie als conserva- 
tiv bezeichnen , da Klotz sich enger an den M angeschlossen 
und den eigenthümlichen briefstil mehr festgehalten hat als die 
meisten anderen gelehrten, besonders mehr als Baiter, der viele 
stellen nach der in anderen ciceronischen schritten befolgten 
sprachlichen norm verändert. Wir können dies princip nur bil- 
ligen und dem herausgeber nur beistimmen , wenn er in stellen 
wie ad Att. 1, 16, 11, multo melius quam reliquisti und ib. 8, 
1, 1 mit Hofmann nicht quam nach quae einschiebt, wie es 
Baiter und Boot nach Bücheier thun, oder wenn er, freilich 
ohne jede weitere begründung, die Wortstellung des M ad Att. 
5, 18, 2 et nostra mansuetudo et abstinentia gegen Baiter beibe- 
hält, der nach Kayser nostra et mansuetudo et abstinentia liest : s. 
Farn. 9, 6, 4 eratque iis et tua invisa voluntas et mea oratio, und 
ib. 1, 7, 2 qui te et maxime debuerunt et plurimum iuvare potue- 
runt ; in diesen stellen hätte doch der regel nach invisa und 
iuvare auch vorangehen müssen; oder wenn er Farn. 13, 4, 3 utte 
horter et suadeam gegen Baiter, der im prooemium et horter et 
suadeam vorschlägt (Lambin schon et tibi suadeam), nicht ändert: 
wir verweisen auf Att. 6, 1, 3 non desino tarnen per litteras ro- 
gare, suadere, accusare regem. Noch evidenter tritt diese differenz 
zwischen den beiden neuesten kritikern in der auslassung des sub- 
jectprouomens im accusativ mit dem infinitiv hervor. Bekannt 
ist, dass Cicero in den reden und philosophischen schritten zu- 
weilen das pronomen auslässt; diese fälle sind jedoch nicht eben 
häufig und lassen sich auf bestimmte kategorien zurückführen, 
wie dies Kühnast Liv. syntax p. 107 gethan hat. In den brie- 



176 105. 106. M. T. Cicero. Nr. 4. 

fen jedoch, in denen er vielfach graecisirt , gestattet er sich 
eine grössere freiheit-, man wird also die grenzen des erlaubten 
nicht zu eng ziehen und die stellen nicht corrigiren dürfen, 
die auch ohne pronomen verständlich sind. Unzweifelhaft ist 
die auslassung in stellen wie ad Att. 1, 11, 2 quod in epistola tua 
scriptum erat, me iam arbitrari designatum esse (Lambin freilich 
will te einschieben) und ad Att. 3, 19, 3 te oro et obsecro, ut me, 
si putas te Istic visurum esse, exspectes. So findet auch durch die 
nähe desselben pronomen die auslassung von te ihre entschuldi- 
gung ad Att. 16, 7, 8 etsi idem te scribere sperare melius. Anders 
gestaltet sich schon die frage bei beurtheilung folgender stellen, 
ad Att. 1,- 7 tu velim ea, quae emisse scribis, des operam; ib. 11, 
24, 5 quod scribis litteris putare confici posse, vettern scriberes , cur 
ita putares; ib. 16, 3, 1 quod Erotem exspectare dicis : Baiter 
schiebt stets te ein, während Klotz mit recht nach dem M die 
blosse infinitiv-structur festhält. Ebenso lässt sich dieser ge- 
lehrte in den worten ad Farn. 10, 20, 1, de te fama constans 
nee deeipi posse nee vinci durch die vermuthung Baiter's , dass 
entweder de zu streichen oder te vor deeipi einzuschieben sei, 
zu einer änderung nicht bestimmen. Wenn wir nun hierin Klotz 
beistimmen , so können wir doch andrerseits nicht begreifen, 
warum er ad Att. 16, 16, 9 rogo te ut . ... gaudeas; qua qui- 
dem voluntate esse erga Atticum saepe praesens et Uli ostendisti et vero 
etiam mihi ein te einschiebt, trotzdem der gedanke ohne te voll- 
ständig klar ist. Ebenso unnöthig halten wir eine änderung in 
ad Fam. 2, 3, 2 summa scito in exspeetatione esse eaque a te exspec- 
tari; freilich hat Klotz wohl nur mit schwerem herzen te einge- 
schoben: s. prooem. a. h. 1. Sollte nicht auch ad Att. 3, 8, 2 
quamquam tu altera epistola scribis Id. M. audire, fore ut postula- 
retur und ad Farn. 2, 13, 2 haec eo p>hiribus scripsi t quod non ni- 
hil significabant tuae litterae subdubitare qua essem erga illum vo- 
luntate. Credo te audisse aliquid, die lesart des M begründet 
sein? Wir haben absichtlich die stellen mit te zusammenge- 
stellt, weil uns grade in beziehung auf die auslassung dieses 
pronomens eine notiz bei C. Julius Victor c. 27 in Halms 
Bhet. Lat. p. 448, 3 aufbewahrt ist: sed ita reeidantur (sententia- 
rum ambitus), ut nunquam verbi aliquid deesse videatur: unum te 
scitteet , quod intellegentia suppleatur in epistulis Tullianis ad Atti- 
cum et ad Axium frequentissimum est, vrgl. Klotz prooem. Farn. p. 



Nj. 4. 105. 106. M. T. Cicero. 177 

41, wo er mit recht hinzufügt, dass diese bemerkuug wohl auch 
auf die anderen briefe beziehung haben dürfte. Grade te finden 
wir auch sonst noch ausgelassen wie ad Farn. 11, 27, 2 dilexi 
te quo die cognovi, meque a te diligi iudicavi und in der infinitiv- 
structur ib. 1, 10 fac ut quam primum accedas . . . ut jpossimus 
salvum venisse gaudere. 

Andere pronomina finden wir nicht selten ausgelassen in 
kürzeren sätzen wie Fam. 3, 5, 5 ac vellem potuisset obsequi; nee 
enim arbitror noluisse: cf. ib. 9, 2, 1; 11, 12, 2; 16, 5, 1; aber 
auch in solchen stellen wie Att. 6, 8, 2 Batonius miros terro- 
res ad me attullt Caesarianos, cum Lepta etiam plura locutus est, 
exercitum nullo modo dimissurum, sc. eum. Baiter hat deshalb mit 
unrecht Fam. 2 ; 17, 6 permulti ad me detiderunt . . . solitum 
dicere quidvis se perpeti malle noch eum eingeschoben , das nicht 
einmal die folta Freieriana haben : cf. Klotz prooem. Fam. p. 75. 
Etwas freier ist schon Att. 4, 11, 1 dixit mihi Pompeius Cras- 
sum a se exspeetari ; is cum venisset, Romam esse venturos (Kayser 
möchte natürlich se einschieben). Weitere concessionen macht 
Baiter aber nicht, während Klotz hin und her schwankt. So 
lässt Klotz me aus Att. 12, 27, 3 scire enim iam puto (Baiter 
sciri.); Fam. 2, 17, 7 quod autem meum erat proprium, ut alariis 
Transpadanis uti negarem\ ib. 3, 15, 7 meam amentiam aecuso, 
quod a te tantum amari quantum ego vellem putavi. Warum schiebt 
er es ein Att. 3, 13, 1 qua de re, quoniam comitia habita sunt 
tuque nihil ad me scribis, proinde habebo ac si scripsisses nihil esse, 
neque temporis non longinqui spe duetum esse moleste feram ? Ebenso 
inconsequent ist er, wenn er Fam. 10, 32, 4 in einem brief 
des A. Pollio legiones ad se arcessivit Antonius hac pollicitatione 
denarios daturum, und Att. 13, 2, 3 Dionysius queritur a disci- 
pulis abesse tarn diu, se auslässt und es in einer ähnlichen stelle 
ib. 14, 5, 1 signa bella, quod Calvena moleste fert suspectum esse 
Bruto, einschiebt. Zweifelhaft könnte man eher sein Att. 14, 
17, 3 Q. filius ad patrem acerbissimas litter as misit, quarum caput 
erat Aquiliam novercam non esse laturum; in rücksicht jedoch auf 
die obeu schon angeführte stelle Fam. 2, 13, 2 signifteant tuae 
litterae subdubitare, möchten wir auch hier mit dem Mediceus se 
auslassen. 

Wir sind auf diesen für die kritik der briefe Cicero's und 
für die lateinische grammatik so wichtigen punkt etwas näher 
Piniol. Anz. III. 12 



178 105. 106. M. T. Cicero. Nr. 4. 

eingegangen, einerseits um das critische verfahren von Klotz 
zu characterisiren und andrerseits um einen neuen herausgeber 
der Briefe zu veranlassen, diese ganze frage einer eingehenden 
erörterung zu unterziehen. 

Zum schluss wollen wir, um auch unsrerseits ein wenn 
auch nur sehr geringes scherflein zur Verbesserung des textes 
beizutragen, noch einige stellen besprechen. 

In dem brief des Plancus Farn. 10, 23, 3 nehmen wir an- 
stoss an den worten: ab Ulis fcrventibus latronibus , die unsres 
wissens bis jetzt unbeanstandet geblieben sind. Wir zweifeln, ob 
fervere so absolut gesagt werden kann und vermuthen furentibus: 
§. 5 heisst: es veniebant eodem furore in me quo in patriam incitati. 
Nicht billigen können wir, dass Klotz ad Att. 1, 4, 1 das 
schon von Lambin in censeo verbesserte sentio, weil es urbaner 
sei, wieder in den text gesetzt hat. Wie wenig- stichhaltig dieser 
grund ist, zeigen stellen, wie Fam. 4, 2 , 4 tu, si videbitur, ita 
censeo facias u. a. Es handelt sich jedoch nicht um die erörte- 
rung der frage, welches von beiden besser sei, sondern ledig- 
lich darum, ob sentio richtig oder falsch ist. Uns scheint es 
falsch zu sein, da es mit dem blossen conjunctiv verbunden bei 
Cicero nicht vorkommt , dieser Schriftsteller vielmehr in ähnli- 
chen Wendungen stets censeo gebraucht. Wenn Klotz hier mit 
unrecht eine ungewöhnliche Verbindung festhalten will, so thut 
er in einer anderen stelle dadurch wieder unrecht, dass er eine 
nicht anzufechtende constiuction verändert. Wir meinen Att. 
9, 7 A. 1 : nunquam tibi suaderemus arma ferres (Baibus). In 
diesen worten ist nichts zu ändern ; weder ist mit Baiter ferre 
zu schreiben noch mit Klotz ^'einzuschieben, vgl. Farn. 2, 16, 
7 suadeo videas; ib. 7, 7, 1 u. s. w. 

Eine viel durch conjecturen heimgesuchte stelle ist Att. 1, 
18, 1: nihil mihi scito nunc deesse quam homincm eum , quocum 
omnia, quae me cura aliqua adficiunt, una communiccm: qui me 
amet, qui sapiat, quicum ego etiam loquar , nihil fing am , nihil dis- 
simulem, nihil obtegam. Gewundert hat es uns, dass Baiter statt 
des corrumpirten etiam die conjectur von Koch ex animo aufge- 
nommen hat. Hat sich Koch vielleicht durch die deutsche 
Übersetzung aufrichtig zu dieser vermuthung verleiten las- 
sen? ex animo heisst aufrichtig , aus vollem herzen jemand et- 
was wünschen, jemand bitten. Eben so wenig genügt uns die 



Nr. 4. 105. 106. M. T. Cicero. 179 

von Klotz aufgenommene conjectur Ernesti's ita loquar ut , die 
wir nur als einen nothbehelf, um einen lesbaren text herzustel- 
len, ansehen können. Wir vermuthen coram\ denn coram logui 
ist unser sich aussprechen, frei und offen , unter vier äugen. 
Geahnt hatte das richtige wohl schon Orelli, welcher colloquar 
schreiben wollte. Mit geringerer zuversiebt freilich, hoffentlich 
aber nicht ohne alle Wahrscheinlichkeit möchten wir behaupten, 
dass dieser lieblingsausdruck Cicero's auch noch an einer ande- 
ren stelle wieder herzustellen ist, nämlich ib. 4, 12 ext., wo 
wir emendiren : ibi te igitur videbo et coram monebo, da trotz 
Klotz wie uns scheint, das promonebo der handschrift unhaltbar ist. 

Auch ib. 9, 10, 2 glauben wir die sehr verderbten worte 
sicut tu io7g ioturixolg alienantur immunde insulis undecore fit sie 
me illius fugae neglegentiaeque deforrnitas avertit ab amore, besser 
als die bisherigen herausgeber , von denen Baiter nach Victorius 
alienant immundae insulsae indecorae, sie, Klotz alienant virum ect. 
schreibt, so verbessern zu können ; sicut alienamur immundis in- 
sulsis indecoris rebus sie. 

Ib. 14, 20, 5 ist ein wort im Med. ausgefallen: haec scripsi 
. . . ; statim enim tabellarius. Vermuthet ist von kritikern sum- 
matim, citatim, von Klotz statim. Uns befriedigt keine von die- 
sen conjeeturen, am wenigsten die letzte. Der gedanke erfor- 
dert ein wort, welches bezeichnet , dass Cicero dies in eile ge- 
schrieben habe. Sollte nicht raptim ausgefallen sein? s. 2, 9, 
1 subito cum mihi dixisset Caecilius puerum se Romam mittere, haec 
scripsi raptim. 

Wir müssen jedoch des knapp bemessenen raumes wegen 
hier abbrechen und wollen nur noch unsere fachgenosseu auf 
die an feinen lexicalischen und grammatischen bemerkungen rei- 
chen prooemien, in denen Klotz einzelne stellen eingehender be- 
handelt hat, aufmerksam machen. Durch diese neue ausgäbe 
ist, um unser urtheil kurz zusammenzufassen, die kritik der 
briefe Cicero's wesentlich gefördert worden. 

Hermann Busch. 



107. Apuleii Metamorphoseon iibri XI. Franciscus 
Eyssenhardt recensuit. Beroiini MDCCCLXV1III, J. Gut- 
tentag. — 1 thlr. 10 gr. 

So grossen dank einerseits die in dieser ausgäbe gebotene 

12* 



180 107. Apuleii Metamorphoseon. Nr. 4. 

vollständige collation der florentinischen handschrift verdient, 
so wenig ehre macht andrerseits dem herausgeber die art 
und weise, wie er bei der gestaltung des textes zu werke ge- 
gangen ist, die man als in keiner hinsieht den anf orderungen der 
Wissenschaft entsprechend bezeichnen muss. Nur zu zahlreiche 
und deutliche anzeichen weisen darauf hin , dass der vf. bis ^uf 
die vergleichung der handschrift in keiner beziehung gehörig 
vorbereitet an die arbeit gegangen und erst allmählich, fast 
möchte man sagen bogenweise, seiner aufgäbe gegenüber zu 
etwas grösserer übersieht und einsieht gelangt ist. Dass dieses 
harte urtheil ein gerechtes, wird sich aus dem folgenden ergeben. 
P. 18, 11 behält Eyssenhardt das handschriftliche famuli- 
tione bei, 102, 7 ändert er es mit Jahn (oder vielmehr Eoal- 
dus) in famulitio, wie 178, 3 überliefert und von ihm geschrie- 
ben ist; 27, 27 giebt er mit F pullulatim minuens; 90,11 ändert 
er die nämliche lesart in paullulatim minuent; anfänglich schreibt 
er renuere, ingemiscere, sepulcrum, urgere für rennuere, ingemescere, 
sepulchrum, urguere, später lässt er diese formen unverändert, 
nachdem er nachgerade gelernt hat, dass dies die consequente 
Orthographie des codex ist ; cohercere ist feststehende Schreibart 
bis auf 97, 12, darnach schreibt Eyssenhardt 97, 29 coercere, 
sonst folgt er der handschrift; 39, 14 schreibt er eiulare für 
heiulare mit ausdrücklicher Verweisung auf p. 43, 18 , wo F 
allerdings so giebt, wie auch 57, 29, desgleichen 71 11 (wo 
h in F nur ausradirt ist) , an den folgenden stellen aber lässt 
er heiulare unverändert ; die beiden ersten male behält er ein über- 
liefertes oportunus bei, später schreibt er dafür opportunus , wie 
der codex häufiger giebt; 58, 12 verficht er oleribus mit der 
aspiration, die F allerdings 174, 3. 179, 18 bietet (aber auch 
honus, honustus) , 153, 12 lässt er olusculis ungeändert; 70, 4 
tilgt er die aspiration von hordeum (vgl. 54, 10. 125, 16. 121, 
29), p. 125, 6. 126, 15. 127, 9. 152, 7 behält er sie bei; 40, 
10. 186, 28 wird mit F neclegere, 99, 11 quod = quoad, 93, 17 
vaeciliare, 195, 20 morsicare, 107, 10 derigere geschrieben, ge- 
gen die handschrifteu 98,19 negligere, 115,29 vacillare (sojP91, 
20), 141 , 2 quoad, 129, 22 morsitare (so F 24, 1. 127, 6), 
28, 28 dirigere (so F gewöhnlich), 10, 20 mit der ersten 
band in F cxantlare (so auch 100, 6. 121, 7), 104, 7, wo F 
sicherlich vor der rasur auch exantlare hatte, exanclare (wie 134, 



Nr. 4. 107. Apuleii Metamorphoseon. 181 

8. 206, 11. 212, 18. 203, 25).— Diese inconsequenzen, deren 
zahl sich mit leichter mühe noch erheblich vermehren Hesse, 
erweisen schon zur genüge die richtigkeit obigen urtheiles ; wir 
fügen noch eine reihe von fällen hinzu, wo Eyssenhardt die un- 
tadelige Überlieferung ohne ausreichenden grund , zum theil ge- 
radezu leichtfertig geändert hat. Wer sich der plautinischen 
flexion Greo, Creonis zur rechten zeit entsinnt, wird sich schwer- 
lich einfallen lassen, bei dem nachahmer des Plautus das 6, 22 
überlieferte Creone in Creonte zu ändern, auch wird kein des al- 
ten latein nur einigermassen kundiger 112, 3 pugillares et sti- 
lum non habebam, qui tarn bellam fabellam praenotarem für qui 
ein quis zu schreiben wagen ; 5, 10 giebt der codex so deutlich, 
dass es nur die grösste flüchtigkeit verkennen konnte, die eben- 
falls aus Plautus bekannte Wendung nimis quam humane, Eyssen- 
hardt schreibt dafür magis quam humaiie (zu deutsch: mehr als 
freundlich!); p. 126, 9 steht in der handschrift uxor eius avarae 
quidem nequissimaque illa mulier d. h. avara equidem mulier (vrgl. 
122, 31. 156, 20. 181, 28 u. a.), bei Eyssenhardt avara quidem; 
134, 1 schreibt er mit cp, einer abschrift von F, obtrudit, donec, 
scheint also der lesart des letzteren obtrudit] q; gar keine beach- 
tung geschenkt zu haben, sonst hätte ihm unmöglich entgehen kön- 
nen, dass darin das unzweifelhaft apulejanische obtrudit usque donec 
klar zu tage liegt; nach einer übergeschriebenen correctur dieser 
abschrift wird 58, 7 fugam destino und 148, 4 coniugem geschrie- 
ben; dass dort desino richtig ist, lehrt 57, 27 (fuga me liberari ss.\ 
und hier coniugam, 99, 28. 163, 11, wo Eyssenhardt selbst nicht 
geändert hat ; ganz unbegreiflich ist auch die änderung des diu- 
tine in diutino 33, 2 und p. 89, 4 iam tua est existimatio , utrum 
— an — velis des est in esto (vgl. z. b. Plaut. Cas. II, 4, 12 
optio haec tua est: utram harum vis condicionem accipe); die recht 
unbesonnene vermuthung 218, 26 quinque dies für quot dies hätte 
Eyssenhardt füglich auch besser für sich behalten. Als jetzt 
allgemein bekannt und anerkannt darf man wohl voraussetzen, 
dass nae eine ganz barbarische Schreibweise ist, im F steht 
auch 2, 16. 4, 14 richtig ne, Eyssenhardt schreibt aber sowohl 
hier wie 11, 7, 28 nae, inquit, immerito, wo .F ebenfalls ne giebt, 
aber an die Versicherungspartikel gar nicht zu denken ist (? nee 
immerito, vgl. 163, 1 : ebenso ist ne für nee verschrieben 58, 15. 
103, 4); wofür soll man es ferner halten, wenn 152, 12, 182, 



182 107. Apeleii Metamorphoseon. Nr. 4. 

13 dissignare in designare, 47, 18 sorhilantibus in sorbillantlbus 
(allerdings steht 27, 25 sorbilla in F, aber 184, 29 auch illico 
neben etwa achtzehnmaligem ilico) , 160, 28 llaterare trotz 71, 
15. 187, 19 in blatterare, 52, 26 futtüibus in futüibus (108, 24 
scheint .Ffreili eh /irfj'Ze zu haben) geändert wird? Dass die genetive 
Mercuri 101, 12. 16 (so F von erster hand), #fö 95, 19, dever- 
sori 181, 28 ohne weiteres geändert werden, darf bei dem nicht 
wunder nehmen, der trotz der mehrfachen ausdrücklichen Zeug- 
nisse des codex für Apidei, die ihm nicht unbekannt sein durften, 
doch auf dem titel Apuleli schreibt. Andrerseits muss man 
sich billig wundern, formen wie 3, 27 Hypate für Hypatae, 
78, 14 acherebat , 24, 13 mancipiata (50, 17 mantipatum), 63, 
27 resculas (neben specula 100, 24 diecula 107, 12), 116, 18 
accessere für accersere (z. b. 188, 5) u. a. aufgenommen zu se- 
hen; das abfui 21 3 freilich fällt weniger dem cod. (affui, 223, 
2 richtig afui) als Eyssenhardt zur last. Ueberhaupt hat Eys- 
senhardt eine anzahl längst beseitigter fehler wieder in den 
text gesetzt, so 2, 3 fronte für das unzweifelhafte fremde, 7, 13 
puta für pote, 9, 11 resident für residunt, 66, 10 adfigimus für adfin- 
gimus, 19,&scies, für scires, 80, 23 accedit für aeeidit, 82, 9 afgwe 
für aeque (cf. 120, 20), 123, 33 insimulatione für in simulatione, 
118, 27 quovis für quoivis (auch 223, 1 steckt in dem et gwi des 
codex vielmehr wohl ecquoi als eccwz und 16, 4 <fo« est g«o<2 en- 
tervisimus te ist sicherlich gwom für quod zu schreiben), 136, 24 
qui f. gm'rf u. a. — Ein weiteres anzeichen, dass Eyssenhardt 
sich keine vollständige übersieht über das zu bearbeitende ge- 
biet verschafft hat, ist darin nicht zu verkennen, dass er mehr- 
fach längst gemachte conjeeturen als seine eigenen anführt (so 
ist schon von früheren 10, 20 demisso', 50, 11 cum reformatur, 
63, 17 Alcimus, 70, 7 ni, 88, 18 vehentes, 155, 2 iam, 215, 16 
decori. at geschrieben und 128, 29 et getilgt worden), auch sonst 
falsche gewährsmänner angiebt, z. b. rührt 17, 22 properiter, 
54, 18 et quidem , 134, 18 loco, 70, 7 minutatum, 211, 15 die 
tilgung von id est auxilia nicht erst von Hildebrand , 139, 24 
tuae nicht erst von Keil, 194, 15 die einschaltung von ut nicht 
erst von Spengel her. Was die verhältnissmässig grosse zahl 
der eigenen conjeeturen Eysseuhardt's betrifft, so finden sich nur 
einzelne einleuchtende: z. b. 3, 15 merce\s] deposita est (s. 32, 
14), 5, 9 die tilgung von diuturnae et dum, 223, 2 die annähme 



Nr. 4. 107. Apuleii Metamorphoseon. 183 

der lücke, — die grosse mehrzahl ist bedenklich oder ganz un- 
brauchbar, wie 29, 4 suae, 42, 6 exterminare, 46, 21 nolens nee 
laeta facie, 65, 10 baculus, 108, 2 et Ditis pater (F ditis et pa- 
ter, passenden sinn gäbe vel Ditis pater), 114,17 comam diligenter, 
124, 24 omnem partim mortui, 177, 3 laseivis, 200, 30 velut 
nimbo, 46, 4 die tilgung von parens (vielleicht vettern pärens 
iussis \is\tius (cod. tuis] obsequium commodare) , 49, 22 die von 
humanum; 199, 16 ist sceleratas (wofür man superstites erwartete) 
und 206, 30 argumentum offenbar in folge der weitverbreiteten 
neigung getilgt, wo man sich nicht anders zu helfen weiss , die 
Schwierigkeit durch annähme von glossemen zu beseitigen; die 
vermuthung adgnatus 35, 4 von einem oheime mütterlicher seite 
(vgl. 35, 10 sororis meae filium) hätte nicht einmal in der an- 
merkung erwähnt werden dürfen. Unter den aufgenommenen 
vermuthungen anderer finden sich manche, die nicht die nöthige 
evidenz haben: so schreibt Eyssenhardt 16, 5 mit Stewechius 
cum ex asty a magistro digressi sumus ; bei der nicht seltenen Ver- 
wechslung von y mit s 'vgl. 8 , 6 Endsmion. 31 , 11 thlesron), 
der von cl mit d ganz zu geschweigen, liegt aber dem überlie- 
ferten cum adstio magistro d. s. ganz nahe : cum a Clytio magistro di- 
gressi sumus. Auch Jahn's vermuthung a, tu Psyche miseranda für ain 
Psyche miseranda 98, 22, ist mindestens zweifelhaft, da sieb ain bei 
folgender interpunktion ain? Psyche miseranda, totum per orbem Ve- 
nus ...flagitat, tu vero ... salutef durch 52, 7, wo ain ebenfalls eine 
frage einleitet, schützen lässt. Es möge noch verstattet sein, auf 
einige stellen kurz hinzuweisen: p. 29, 6 scheint der sinn entweder 
nee quiequid fieri potest ibi non est oder et quiequid fieri potest ibi est 
zu verlangen, vgl. 79, 29 nee est quiequam quod ibi non est, 33, 
23 ist wohl iam fcod. cum) ecce, 87, 3 ausa für iussa (befohlen 
war der Photis etwas ganz anders worden als sie gethan hatte) 
180, 27 ibi für sibi, 182, 26 facile [fe]vuorem für facile ruborem 
zu schreiben, 120, 26 passt am besten in den Zusammenhang wie 
zu den überlieferten schriftzügen [deo] meo [i]rato, vgl, Ter. 
Phorm. 77 deo irato meo , Plaut. Poen. II, 4 dis meis iratissu- 
mis (Naev. com. rell. p. 16 v. 70 deo meo propitio); p. 26, 3 
bietet F von erster hand crumina, die bei Plautus übliche form, 
die daher wohl der von Eyssenhardt nach der correctur der 
zweiten hand aufgenommenen crumena vorzuziehen sein wird; 
p. 148, 15 schreibt Eyssenhardt borriebant, da aber e im codex 



184 108. Die schrifl. Nr. 4. 

erst übergeschrieben ist, wenn auch von erster hand , so ist es 
doch fraglich, ob nicht borribant zu schreiben ist, vgl. 119, 15 
parturibam, 190, 11 abligurribam. Ist wohl der senar 32, 17 
Ineptias mihi ndrras et nugds meras bloss zufällig entstanden oder 
eine reminiscenz, wie es ganz den anschein hat? 

Schliesslich verdient noch eine besondere rüge die über 
alle begriffe inconsequente interpunction und die unverhältniss- 
mässig grosse zahl von druckfehlern (sogar einzelne Wörter sind 
ausgelassen), von denen das selbst nicht fehlerfreie verzeichniss 
am Schlüsse kaum den fünften theil angiebt. Durch die incor- 
rectheit des textes wird natürlich der werth der collation nicht 
unerheblich geschmälert, da man auf diese weise bei Eyssen- 
hardt's inconsequenz und duldsamkeit oft den augenschein- 
lichsten fehlem gegenüber bei anstössigen stellen in zweifei 
bleibt, ob der text durch einen druckfehler entstellt ist oder die 
lesart der handschrift wiedergiebt. Ist z. b. 71, 30 vulto, das ja 
singularform zu vulta sein könnte , handschriftliche lesart oder 
liegt nur ein ähnlicher druckfehler vor wie 149, 14, wo modo 
für modum im text steht? 185, 10 wird mendaciis und 204, 15 
bestiis für überliefertes mendacis, bestis geschrieben, 54, 21 liest 
man labis [labiis z. b. 56, 1. 168, 25), 126, 13 mercennaris, 
nach der handschrift oder durch ein versehen ? S. 

108. Ueber bildung und entwicklung der schrift von Hein- 
rich Brugsch (aus der Sammlung gemeinverständlicher wissen- 
schaftlicher vortrage: serie III, heft 64). 8. Berlin. 1870. — 5 gr. 

Kindliche nachbildungen von gegenständen aus der thier- 
und pflanzenweit auf fossile knochen eingeritzt sind anzusehen 
als die anfange einer bilderschrift. Darauf folgt eine Zusam- 
menstellung von bildern, welche in ihrer combination einen ge- 
wissen gedanken ausdrücken, dann die auwendung einer aus- 
wahl dieser bilder zur bezeichnung eines eine oder mehrere 
silben ausdrückenden lautwerthes , dem ein deutzeichen beigege- 
ben werden musste, endlich wird in Aegypten einer kleinen an- 
zahl dieser silbenzeichen eiu reiner buchstabenwerth verliehen. 
Nach der deutung dieser buchstabenzeichen verfolgt Brugsch die 
Umbildung derselben durch die ägyptische cursivschrift zum phö- 
nikischen und von da zum griechischen und lateinischen aiphabet. 
Der anschauung kommt eine beigegebene steindrucktafel zu hülfe. 



Nr. 4. Neue auflagen u. Schulbücher. — Bibliographie. 185 

NEUE PHILOLOGISCHE ERSCHEINUNGEN: Demo- 
stbenis orationes philippicae novem ed. Fr. Franke. 8. Leip- 
zig, Brandstetter; 20 gr. — F. Reber, kunstgeschichte des 
alterthums. 8. Leipzig, Weigel ; 3 thlr. — P. Hinschius, 
die päbstlicbe Unfehlbarkeit und das vaticanische concil. 8. 
Kiel, univers. buchh. ; 4 gr. — Th. Gselel-Fels, Rom 
und Mittel- Italien. 2 bde. 8. Hildburghausen, Meyer; 6 thlr. 

BIBLIOGRAPHIE. Zu Fr. Brockhaus conversations- 
lexicon 11. aufl. erscheint seit 1871 ,, Supplement zur eilften 
aufläge des couversations-lexicon" in heften zum preise von 5 sgr. 

Die anfange der buchdruckerkunst in bild und schrift. An 
deren frühesten erzeugnissen in der Weigel'schen Sammlung er- 
läutert von T. 0. Weigel und Dr Ad. Zestermann. Mit 
45 facsimiles und vielen in den text gedruckten holzschnitten. 
2 bde fol. ; 84 thlr.: 1865. — Ein werk, was sehr beachtet 
zu werden verdient. 

Cataloge von luchhändlern : antiquarischer katalog von F. 
A. Brockhaus' Sortiment und antiquarium in Leipzig: be- 
zieht sich vorzugsweise auf deutsche spräche und literatur; ver- 
lagsbericht neu erschienener werke aus 1869 u. 70 von gebr. 
Kerl und Nicolaus Danziger in Einsiedlen, typographen 
des heil, apostolischen Stuhles: enthält freilich so gut wie gar 
nichts philologisches, wenn man nicht Bartholomaei a Martyribus 
Stimulus pastorum ex sententiis patrum concinnatus in quo agitur de 
vita et moribus episcoporum aliorumque praelatorum. Nunc denuo 
edidit Dr los. Fessler, 2. aufl., hierher ziehen will; aber der 
catalog ist wegen seiner bilderreichen und sonstigen einrichtung 
eigenthümlich ; schul-catalog, Übersicht der neuesten philologischen 
und pädagogischen werke, welche im Hahn' sehen verlage zu 
Hannover und Leipzig erschienen sind ; verzeichniss empfehlens- 
werter kartenwerke für lehranstalten aus dem verlage von 
Dietrich Reimer; verzeichniss ausgewählter Schulbücher aus 
dem verlage von Ferd. Schöningh in Paderborn; schulcata- 
log der verlagshandlung von G. B. Teubner: verzeichniss von 
Schulbüchern aus dem verlage der W ei dman n sehen buchhand- 
lung in Berlin. 

Cataloge von antiquaren : bericht nr. 14 von C al vary & Cie 
über die neuesten erwerbungen des lagers ; 140 verzeichniss 
des antiquarischen lagers von H. Härtung in Leipzig; catalog 
n. XXV des antiquarischen bücherlagers von Joseph Jolo- 
wiez in Posen, vorzugsweise philosophie : desselben catalog 
XXIII, enthält geschichte, geographie , reisen; nr. 181, bü- 
cherverzeichniss von Th. Kampfmeyer in Berlin, literatur- 
geschichte, pädagogik, altdeutsch u. s. w. enthaltend; antiquari- 
sches bücherlager nr. 306 (linguistik) von Kirchhhoff & Wi- 



186 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

gand in Leipzig; XCVII. catalog von L. F. Maske's anti- 
quariat, pbilologie ; Friedrich Wagner, hofbuchhandlung und 
antiquariat in Braunschweig, catalog 92 des antiquarischen bü- 
cherlagers, entbaltend Auetores graeci et latini, Neulateiner, alter- 
thumswissenschaft; catalog 93, allgemeine Sprachwissenschaft, 
neuere ausländische sprachen; catalog 94, Inschriften, encyklo- 
pädien, literär-, literatur-, und gelehrten geschichte, bibliogra- 
phie, buchdruckerkunst; antiquarischer anzeiger nr. 17 der W e- 
b er' sehen buchhandlung (0. Eoesger) in Bautzen, enthaltend 
alte sprachen, classikerausgaben, lexika, grammatik; verzeichniss 
nr. XXXI des antiquarischen bücherlagers von Adalbert Rente 
in Göttingen, auf geschichte und deutsch bezüglich; 55—57 la- 
ger -catalog von Ferd. Schmitz antiquariat in Elberfeld ; 
catalog n. XXXIV, Schweizer - antiquariat in Zürich ; catalog 
nr. 125 des antiquarischen bücherlagers von Seligsberg in 
Bayreuth ; verzeichniss nr. 141 des antiquarischen bücherlagers 
der Otto'schen buchhaudlung in Erfurt, enthaltend unter an- 
derem illustrirte werke, kuustliteratur, kunstblätter; bücheran- 
zeige von J. Windprecht's antiquariats-buchhandlung n. 212 
zu Augsburg. 



KLEINE PHILOLOGISCHE ZEITUNG. Als zeichen 
der pietät führen wir an: E. W ad sack, die im kriege gefal- 
lenen deutschen buchhändler. Portraits und biographien. 1. lieft, 
gr. 16. Stuttgart, Wadsack ; 20 gr. 

Die nr. 66 des börsenblattes vom 22. märz hat gar keine 
novitäten zu verzeichnen. Doch auch wohl ein zeichen der zeit. 

Die philosophische facultät der Universität zu Göttingen hat 
aus der Beneke' sehen Stiftung, über welche vrgl. Götting. Gel. 
Anzeig. n. 2. april. 1870, für das jähr 1871 folgende preis- 
aufgabe gestellt : 

„Obgleich bei dem engen zusammenhange, in den die Griechen 
philosophie und medizin zu bringen gewusst haben , den alter- 
thumsforschern die grosse bedeutung, welche für die erkenn t- 
niss der griechischen philosophie und ihres entwicklungsganges 
die Schriften des Hippokrates haben, nicht entgangen ist, 
so werden doch eingehende Untersuchungen grade in dieser 
hinsieht bis jetzt ganz vermisst — ohne Zweifel wegen der 
vielen mit dieser forschung verbundenen Schwierigkeiten. Zu 
diesen dürfte vor allem der umstand gehören, dass unter dem 
namen des Hippokrates werke der verschiedensten Verfasser all- 
mählig vereinigt worden sind, von denen ein theil nebeu, ein 
andrer lange nach diesem, ein dritter vielleicht vor ihm gelebt 
hat". 

„Da nun ohne eine gründliche erörterung der frage, welche 
philosophische Systeme auf die werke der hippokratischen Samm- 
lung irgend einfluss geübt haben , ein sicheres urtheil über die 






Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 187 

abfa^sungszeit dieser Schriften zu gewinnen nicht möglich ist, 
da ferner diese Schriften nur nach solchem urtheil für die dar- 
stellung der philosophischen Systeme zugänglich gemacht und 
der unbedenklichen benutzung gewonnen werden, so stellt die 
philosophische facultät zu Göttinnen als aufgäbe : 

,, einen eingehenden und umfassendeu nachweis der philoso- 
„phischen Systeme, denen die Verfasser der dem Hippokra- 
,,tes zugeschriebenen schritten folgten, verbunden mit einer 
,, Untersuchung über den gewinn, den die sorgfältige beach- 
„tung jener Systeme sowohl für die bestimmung der abfas- 
„sungszeit der hippokratischen Schriften als auch für die 
,,geschichte der griechischen philosophie ergiebt". 
„Die bearbeitungen dieser aufgäbe sind bis zum 31. august 
1873 dem decan der philosophischen facultät zu Göttingen in 
deutscher, lateinischer, französischer oder englischer spräche ein- 
zureichen. Jede eingehende arbeit muss mit einem motto und mit 
einem versiegelten den namen und die adresse des Verfassers 
enthaltenden couvert, welches dasselbe motto tragt, versehen 
sein. — Der erste preis besteht in 500 thaler gold, das ac- 
cessit in 200 thaler gold: gekrönte arbeiten bleiben unbeschränk- 
tes eigenthum ihres Verfassers. Die Verleihung der preise fin- 
det am 11. märz 1874 statt". 

Statt brieflicher mittheilung. Um weitern anfra- 
gen, wie sie brieflich mehrfach an mich ergangen sind, auf dem 
kürzesten wege zu begegnen, gestatte ich mir die öffentliche 
mittheilung, dass ich das mir durch das ehrende vertrauen der 
Kieler philologen - Versammlung übertragene präsidium der näch- 
sten Versammlung, welches ich für das jähr 1870 bereitwilligst 
angenommen hatte, für 1871 aus bewegenden gründen bereits 
im december v. j. niedergelegt und in die hände meines lieben 
collegen und freundes prof. dr. Eckstein übergeben, davon auch 
sofort meine vorgesetzte hohe Staatsbehörde in kenntniss ge- 
setzt habe. 

Leipzig, 1. märz 1871. F. Ritschi. 

Nach den zeitungen hat die absperrung der Franzosen ge 
gen Deutschland sogar pariser buchhändler dahin gebracht, 
absagebriefe an ihre langjährigen künden in Berlin schreiben zu 
lassen, so dass die berliner buchhändler jetzt französische bü- 
cher über Brüssel kommen lassen müssen. 

Der streit zwischen Gervinus und Braun — s. ob. 
p. 155 — wird in den zeitungen vielfach besprochen und auf 
eine weise, die der so schon genug bedrohten Stellung der ge- 
lehrsamkeit schwerlich vortheil bringen wird. Als probe thei- 
len wir einen artikel der in Berlin erscheinenden Tribüne, 
n. 30 mit: ,, Gervinus, der bekannte geschichtschreiber und lite- 
rar-historiker, grollt schon seit langen jähren mit der wendung, 
welche die geschicke Deutschlands nehmen: wobei wohl einiger 



188 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

ärger darüber einfliessen mag, dass alles so ganz anders gekom- 
men, als dieser oder jener professor es prophezeit. Diesem 
groll hatte Gervinus in der vorrede zur neuesten aufläge seiner 
berühmten „ geschichte der deutschen dichtung " einen ziemlich 
herben ausdruck verliehen und dabei die wunderliche ansieht 
ausgesprochen, Jacob und W. Grimm, so wie Dahlmann (de- 
nen die frühern auflagen des werkes gewidmet waren) würden 
sich, wenn sie noch lebten, ganz ebenso grollend zur Jetztzeit 
verhalten, wie er, Gervinus. Das hatte denn K. Braun , unser 
stets rede - und schriftfertige abgeordneter , nicht so ruhig hin- 
genommen. In einem hiesigen blatte, dessen klassische lange- 
weile durch diesen aufsatz auf das angenehmste unterbrochen 
wurde , verspottete er , bei aller anerkenuung für den gelehrten 
historiker , die verunglückten Prophezeiungen des professors 
und mehr noch die ganz ungerechtfertigte berufung auf die 
schatten der drei, von ganz Deutschland geehrten und geliebten 
männer. Darauf vornehme antwort von Gervinus und noch 
derbere replik von K. Braun. Die sämmtlichen aufsätze für 
und wider sind nun , vermehrt durch einen beitrag Hermann 
Grimm's (Wilhelm's söhn), der sich ebenfalls gegen Gervinus 
ausspricht, in einer broschüre unter dem titel : „gegen Gervinus" 
(Leipzig, Duncker und Humblot) erschienen. Das kleine werk 
hat nicht nur wegen der vollendet durchgeführten satyrischen 
form , sondern auch durch zahlreiche belegstellen aus den an- 
sichten der gebrüder Grimm und A. über unsre nationale bewe- 
gung ein ganz besonderes und dauerndes interesse". 

Zu Meissen starb am 23. januar im 66. lebensjahre der rec- 
tor Franke, dessen Jubiläum vor kurzem gefeiert war: s. Pin- 
iol. Anz.II, nr. 11, p. 588, vgl. ob. n. 1 , p. 28. nr. 2; p. 67. 

Patriotische kundgebungen. Selbst nach der Vollendung der 
grossen thaten, die das grosse einige Deutschland geschaffen haben, 
ist noch anziehend die fast unwillkürlichen äusserungen des Patrio- 
tismus zu lesen, die sich mitten in der grossen bewegung auch an 
entlegenen orten offenbarten. Die vorreden der lektionsverzeick- 
nisse fast aller deutschen Universitäten von herbst 1870 schliessen 
mit erhebenden aufrufen an die akademische jugend. Nicht minder 
lassen viele schulschriften jener tage die gewaltige begeisterung 
durchblicken. So schliesst eine scharfsinnige logische abhand- 
lung des prof. W. Jordan im program m des gymnasiums zu 
Stuttgart 1870, datirt vom September, welche über die Zweideu- 
tigkeit der copula in Stuart Mills logik handelt, mit den kräf- 
tigen Worten: „vorliegende abhandlung, noch zu einer zeit ge- 
schrieben, welche die müsse zu ruhigster contemplation über 
nominalismus und kretismus und noch entlegenere gegenstände 
zu verbürgen schien, ist jetzt fast schüchtern in die öffentlich- 
keit zu treten. Wenn es ihr nicht beschieden ist, unter den 
gewaltigen ereignissen , die sich vollziehen , die aufmerksamkeit 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 189 

der kreise, für welche sie bestimmt war, zu erregen, so werde 
ich mich leicht damit trösten, dass indess wenigstens ein begriff 
aus dem gebiet vager Wortbedeutung in das der realität ge- 
rückt, dass ein unzweideutiges es ist, ist, ist über das unter 
der fübrung eines grossen herrschergeschlechts geeinigte Deutsch- 
land ausgesprochen ist". Ein schönes männliches wort aus 
Süddeutschland. 

Am 18. märz verstarb zu Heidelberg G. G. Gervinus. 

Dr. Otto Benndorff, professor für archäologie und die 
realfächer der philologie an der Universität Zürich, hat in folge 
der Züricher ereignisse seine eritlassung genommen. Nach der 
N. Z. Zeitung lautet sein entlassungsbegehren: „bei der andauern- 
den Stimmung welche die hiesige bevölkerung gegen die Deut- 
schen erfüllt und nach den bekannten ereiguissen, deren motive 
im hohen cantonsrath vertheidigung gefunden haben und für 
welche der hohe regierungsrath eine wiederholt erbetene genug- 
thuung durch eine versöhnliche erklärung den hier lebenden 
Deutschen zu geben abgelehnt hat, ist es mir zur innerlichen 
Unmöglichkeit geworden meine stelle an der Universität länger 
zu bekleiden. Ich beehre mich daher, nach massgabe von §. 6 
der Universitätsordnung, Sie um meine entlassung auf ende dieses 
sommersemesters zu ersuchen , indem ich dieser bitte die erklä- 
rung hinzufüge , dass ich ungern aus meinem amte scheide, dem 
ich nach besten kräften und mit befriedigung meine ganze thä- 
tigkeit gewidmet habe". 

Man weiss schon längst und sieht es von neuem aus vor- 
stehender mittheiluug, wie die deutschen siege und ihre folgen 
trotz aller während wie nach dem kriege von deutscher und 
preussischer seite bewiesenen mässigung die verhärteten herzen 
der gegner Deutschlands nicht erweichen können: vielmehr scheuen 
sie sich nicht, ihre ohnmächtige leidenschaft selbst an ganz unbetei- 
ligten personen auszulassen. Wohl sagen Deutsche, vertheidiger 
der Schweizer , dass Deutschland wegen Neuenburg's , wegen 
seines benehmens im sonderbundskriege jetzt selbstverschuldetes 
büsse : aber ist denn so sicher , auf welcher seite da das recht 
liegt? und war, wo es liege, namentlich als jene ereignisse sich 
entwickelten, so ganz klar? Das schlimme ist nur, dass die 
rohheit nicht allein an den schweizerischen Zeitungen, welche 
den nationalen zeitströmungen wohl folgen müssen, sondern auch 
an der regierung Vertreter findet , dass somit unter hoch und 
niedrig in dem, wie man wenigstens bei uns meinte, gebildetsten 
kantone der Schweiz, sich dieselbe Verkehrtheit kundgiebt, wel- 
che bei Thiers und Guizot und Victor Hugo u. s. w. uns in stau- 
nen setzt, die jetzt gar von ihren siegen bei Gravelotte sprechen! 
Dass viele, sehr viele — vielleicht die besten — Schweizer diese 
verirrungen beklagen, ist bekannt: aber das thun der regierung 
bestimmt das urtheil. Für uns übrigens liegt darin die freilich 



190 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

auch sonst genug hervortretende mahnung, auf der huth zu 
sein , damit es Deutschland nie an Jünglingen und naännern 
fehle, die, wie jetzt der fall gewesen, sofort bereit sind, mit freu- 
diger begeisterung für des Vaterlandes Sicherheit und erhaltung 
ihr höchstes und bestes einzusetzen! Mit solchen gedanken se- 
tzen wir unser verzeichniss der philologen, welche in dem 
deutsch -französischen kriege gekämpft haben, fort: 
I, Es sind gefallen : 

241. Dr phil. E. Bcllie, aus Stade, war mitglied des prose- 
minars in Göttingen im winter 18 G6 /g7, ging dann nach Leipzig, 
wo er promovirt ward; ist bei Gravclotte gefallen. 

II. Im felde stehen: 

1. Philologen in amt und würde: 

Gymnasiallehrer aus der Rheinprovinz. 

242. Dr phil. Edmund Voigt, geboren 1840 zu Opladen, 
vierter ordentlicher gymnasiallehrer des gymnasiums an der 
apostelkirche zu Cöln, trat als seconde - lieutenant der reserve 
in das 28. infanterie-rgmt , ward für sein tapferes verhalten in 
der schlacht bei Gravelotte am 18. aug. mit dem eisernen 
kreuze 2. classe decorirt, nahm theil an der belagerung von 
Metz und allen marschen und Operationen des VIII. armee- 
corps bis zur schlacht bei St. Quentin am januar, nach welcher 
er vom gelenkrheumatismus befallen die armee verlassen und 
sich nach Bonn zu ärztlicher behandlung begeben musste. 

243. Gottfried Schiffer, geboren in Cöln 1840, commissari- 
scher lehrer des gymnasium an der apostelkirche zu Cöln, steht 
als gefreiter im reserve -landwehr-bataillou nr. 40 und war 
während des kriegs zur bewachung der kriegsgefangenen auf 
der Wahner haide commandirt. 

224. Paul Piper aus Spremberg, vierter ordentlicher lehrer 
in Mühlheim an der Ruhr, steht im 2. garde - infanterie - rgmt., 
9 compagnie. 

245. Karl llunrath aus Frankenberg (rbezirk Cassel) , wis- 
senschaftlicher hülfslehrer am gymnasium zu Mühlheim an der 
Ruhr, stand als einjähriger freiwilliger im 11. pionier -bataillon 
6. compagnin eine Zeitlang vor Paris. 

2. Auf der Universität studiereude philologen: 

Frciburg im Breisgau. 

246. Julius Conrad, aus Constanz, studirt seit ostern 1866, 
ordentliches mitglied des philologischen obersemiuars , steht als 
lieutenant im 4. badischen infanterie- rgmt , 3. bat., 9. com- 
pagnie, kämpfte bei Beifort unter general von Werder. 

247. Dr Heinrich Pili, aus Zweibrücken, ordentliches mit- 
glied des oberseminars , war als der krieg ausbrach, eben pro- 
movirt worden und ist als lieutenant iu die baierische armee 
eingetreten. 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 191 

Chronik des deutsch - französischen Tcriegs. Die oben genann- 
ten drei armeen waren folgendermassen zusammengesetzt: 
Die erste armee: 
Oberbefehlshaber: general der infanterie Carl Fried- 
rich von Steinmetz, geboren den 27. dec. 1796 zu Eisenach, 
trat aus dem cadettencorps (in Kulm, Stolp, Berlin) 1813 in die 
armee, erhielt 1814 für die bei Laon und vor Paris bewiesene 
tapferkeit das eiserne kreuz, arbeitete 1825 — 27 im topo- 
graphischen bureau, erwarb wegen 1848 bei Schleswig und Düp- 
pel geleisteter dienste den orden pour le mirite, leitete 1851 — 
54 das cadettencorps in Berlin, ward 1854 commandant von 
Magdeburg, 1864 general der infanterie, als welcher er 1866 
sein V (posener) armeecorps zu den ausserordentlichen leistungen 
bei Nachod, Skalitz, Schweinschädel, 27. 28. 29. juni führte; 
im jetzigen kriege erhielt er das commando der ersten armee 
nach dem besondern willen des königs , führte sie an den 
blutigen tagen des 14. 16. 18. augusts und verliess sie zum 
general- gouverneur in Posen aus jetzt noch unbekannten grün- 
den ernannt, am 15. September. 

Chef des generalstabes: general - major Karl Oskar 
von Sperling, geb. zu Kölleda 31. jan. 1814, trat 1833 in die 
armee, besuchte 1838 — 41 die kriegsschule in Berlin , lehrte 
1845 — 47 an der divisionsschule in Erfurt, arbeitete bis 1849 
in der topographischen abtheilung des grossen generalstabs, 
nahm 184'J als brigade-adjutant an den kämpfen in Baden 
theil, ward 1858 in den grossen generalstab versetzt, 1860 nach 
Italien geschickt, wo er der belagerung von Gaeta beiwohnte, 
kam dann als generalstabschef des VI. armeecorps 1863 nach Bres- 
lau, als welcher er 1864 die Operationen an der Westküste von 
Schleswig leitete und das Seegefecht bei Wyck siegreich bestand, 
auch in gleicher eigenschaft 1866 sich bei der schlacht bei Kö- 
nigsgrätz und bei der beschiessung dieser festung, die ihm den 
orden pour le mirite einbrachte, glänzend bewährte. Im ge- 
genwärtigen kriege hat er stets dieselbe Stellung behalten und 
unter mehrern Oberbefehlshabern die schwierigen Operationen 
dieser ersten armee mit grösster auszeichnung geleitet. 
Ober - quartiermeister : oberst graf von Wartensleben. 
Kommandeur der artillerie: general - lieutenaut Schwartz. 
Kommandeur der Ingenieure und pioniere: oberst Biehlen. 
Die armee besteht aus drei armeecorps, dem I. Vll. VIII. 
und zwei cavallerie - divisionen : 

I. Der ersten armee zugetheilte armee - corps: 

I. Armeecorps: 
Kommandirender general: general der cavallerie Edwin Frei- 
herr von Manleuffel, 18l>9 geboren, trat 1827 in die armee, war 
1834 — 36 in die allgemeine kriegsschule commandirt, von 1837 
meist als regimeuts -adjutant verwandt, bis er 1848 flügeladju- 



192 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4. 



tant des königs ward, der ihn 185 7 zum chef der abtheilung 
für persönliche angelegeuheiten im militair- cabinet mit beibe- 
haltung des ranges als brigade-commandeur und unter belassung 
als flügeladjutant ernannte: in dieser Stellung hat er sich durch 
rücksichtslose entfernung alles untauglichen aus der armee wie 
durch andre maassregeln solche Verdienste um den staat er- 
worben , dass ihm kein geringer antheil an den erfolgen der 
jähre 1864 und 1866 beigelegt werden darf. Er war 1864 in 
Schleswig - Holstein thätig, 1865 daselbst als general - gouver- 
neur, vertrieb 1866 die Oesterreicher von da, kämpfte dann 
unter Vogel von Falkenstein in der Mainarmee, bis er deren 
Oberbefehl am 20. juli 1866 übernahm und in dieser Stellung sich 
den orden pour le mirite erwarb. Unter belassung als gi 
neral - adjutant des königs ward er 1868 zum commandirenden 
general des ersten armeecorps ernannt, welches im anfang des 
kriegs 1870 zum schütz des landes zurückzubleiben bestimmt 
war, dann aber, als die Verhältnisse es erlaubten, nach dem kriegs- 
schauplatz gezogen und der ersten armee zugetheilt ward, wo es 
sich unter diesem chef stets ausgezeichnet hat , bis dieser zur 
führung der ersten armee, dann zu der der südarmee berufen ward. 

Chef des generalstabes : oberst - lieutenant von der Burg. 

Das armeecorps (das ostpreussische) bilden: 
Division. . Brigade. Regimenter. 



1. Inf.-div. 

general-ma- 

jor 

v. Bentheim. 


1. Inf. - brigade. 

GM. 

v. Gayl. 


GrenR. Kronprinz nr. 1. oberst 

v. 3Iassow. 

InfR. n. 41. ob.-lt. frh. v. Meer- 

scheidt - Hüllessem. 


2. Inf. -brigade. 

GM. 
v. Falkenstein. 


GrenR. nr. 3. oberst von Legat. 
InfR. nr. 43. oberst von Busse. 


Der division zugetheilt: jägerB. nr. 1. maior von Platz. 
DragonerR. nr. 1. ob.-lt. v. Massow. 


2. Inf.-div. 

general-ina- 

jor 

v. Prdzelwdz. 


3. Inf. -brigade. 

GM. 

v. Memerty. 


GrenR. nr. 4. oberst Tietzen und 

Hennig. 
InfR. nr. 44. oberst v. Böcking. 


4. Inf. - brigade. 

GM. 

v. Zylinitzki. 


GreuR. nr. 5. oberst v. Einem. 
InfR. n. 45. oberst Mützschefahl. 


Der division zugetheilt : DragonerR. nr. 10. oberst 
frhr. v. d. Goltz. 


Ausserdem dem ersten armeecorps zugetheilt: Feld - artillerie - rgmt. 
nr. 1, PiouierB. n. 1, TrainB. nr. 1. 



VII. Armeecorps: 
Kommandirender general : general der iufanterie Heinrich 
Adolph von Zastroio ; geboren 1801, trat er aus dem cadetten- 
corps 1819 in die armee, war 1823 — 25 zur allgemeinen kriega- 
schule, 1826 zum ingenieur- corp9, 1834 in das topographische 
bureau commandirt und 1839 auf fünf jähre zur dienstleistung 



Nr. 4. 



Kleine philologische zeitung. 



193 



in die türkische arraee , wo aber der tod des Sultans seiner 
Wirksamkeit bald ein ziel setzte ; seit 1828 schrieb er sehr flei- 
ssige, aber verschieden beurtheilte Schriften über die befesti- 
gungskunst, ward 1845 mit der ausführung der für das infan- 
terie -gepäck neu ausgearbeiteten einrichtungen betraut^ diente 
dann mit auszeichnung 1848 in dem schleswig-holsteinischen 
kriege, trat auch in die schleswig-holsteinische armee ein und 
erhielt in ihr das kommando einer division, ward aber 1850 zu- 
rückgerufen und als bataillons -commandeur angestellt, 1852 
commandant von Stralsund, 1863 general - lieutenant und kom- 
mandeur der 11. infanterie-division, die er 1866 in der Schlacht 
bei Königgrätz glänzend führte und sich den orden pour le 
merzte erwarb. 

Chef des generalstabes : oberst von ünger. 

Das armeecorps (das westphälische) bilden: 
Division. Brigade. Eegimenter. 



13. Inf.-div. 
GeDeral -lieu- 
tenant 
v. Glümer. 



25. Inf. - biigade. 

GM. 

v. d. Oden gen. 

Sacken. 



InfR. n. 13 oberst v. Frankenbery- 

Ludicigsdorf. 

Füs.R. nr. 73 oberst v. Lübell. 



26. Inf.-brigade. 

GM. 

v. d. Goltz. 



InfR. nr. 15 oberst v. Delitz. 
InfR. n. 55 oberst ». Barby. 



Der division zugetheilt: JägerB. nr. 7 ob.-l. Beinike. 
HusarenR, nr. 8 ob.-l. Arent. 



14. Inf.-div. 
General -lieu- 
tenant 
v. Kamecke. 



27. Inf. -brigade. 

GM. 

v. Francois. 



Füs.R. nr. 39 oberst v. Eskens. 
InfR. nr. 74 oberst v. Pannwitz. 



28. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Woyna II. 



InfR. nr. 53 oberst v. 
henstein. 
InfR, nr. 77 oberst 



Gerstein - Ho- 



Conrady. 



Der division zugetheilt: HusarenR. nr. 15 oberst 
v. Cosel. 



Ausserdem dem VII. armeecorps zugetheilt: Feld - artillerie - rgmt. 
nr. 7, Pionier -bataillon nr. 7, Train - bataillon nr. 7. 



VIII Armeecorps. 
Kommandirender general: general der infanterie August von 
Göben, 1816 geboren, trat, nachdem er kurze zeit iu hannover- 
schen diensten gestanden, 1833 in das 24. preussische infante- 
rie-rgmt, ward 1835 lieutenant; nahm 1836 seinen abschied, 
um im karlistischen heere zu kämpfen , rückte da tapfer käm- 
pfend und mehrmals, zuletzt schwer bei Socota, verwundet, zum 
obrist - lieutenant auf, trat 1842 als seconde - lieutenant in das 
leib - infanterie -rgmt nr. 8, ward jedoch von da ab meist im ge- 
neralstabe, theils im grossen, theils in den der einzelnen armeecorps 
verwendet, dann 1849 zum obercommando der Operationsarmee 
in Baden commandirt, 1860 als oberst zum spanischen heere nach 
Philol. Anz. m. 13 



194 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4. 



Marocco gesendet, dessen feldzug er mitmachte und ein geschätz- 
tes buch später über diesen schrieb ; 1864 zeichnet er sich als 
comrnandeur der 26. infanterie - brigade bei dem stürm auf Düp- 
pel und dem übergange nach Alsen aus und erhält den orden 
pour le mirite, führt 1867 im Mainfeldzuge die 13. infante- 
rie- division von sieg zu sieg, wird 30. juli 1870 zum gene- 
ral der infanterie — dem jüngsten in der armee — und com- 
rnandeur des VIII. armeecorps ernannt , mit dem er mit dem 
sturme auf die Spicherner höhen seine neue siegeslaufbahn eröff- 
net. Er hat über den krieg 1866 mehrere druckschriften er- 
scheinen lassen. 

Chef des generalstabes: oberst von Witzendorff. 

Das armeecorps (das rheinische) bilden : 
Division. Brigade. Regimenter. 



29. Inf . - brigade. IFüs.R. nr. 33 oberst-lieut. v. Henning. 
GM. |lnfR. nr. 65 ob.-lieut. frhr. v. Dörn- 

V. Wedeil. | berg. 



15. Inf.-div. 
General -Heu- 

tenant 
v. Weiteten. 



16. Inf.-div. 
General -Lieu- 
tenant 
frhr. v. Bar- 
nekow. 



30. Inf. - brigade. 

GM. 

v. Strubberg. 



InfR. nr. 28 oberst v. Rosenzweig . 
InfR. nr. 68 oberst v. Sommerfeldt. 



Der division zugetheilt: JägerB. nr. 8 major v. Oppeln - 
Bronikoicski : Königs-HusarenR.nr. 7 oberst frhr. v.Loe 



31. Inf. -brigade. 

GM. 

graf Neidhardt v. 

Gneisenau. 



InfR. nr. 29 oberst-lieut. v. Blum- 
roder. 
InfR. nr. 69 oberst Beyer v. Karger, 



32. Inf. -brigade. 
Oberst 
v. Rex. 



Püs.R. nr. 40 oberst frhr. v. Eber- 
stein. 
InfR. nr. 70 oberst Mettler. 



Der division zugetheilt: HusarenR. nr. 9 oberst v. Wit- 
tich, genannt v. Hinzmann-Hallmann. 



Ausserdem dem VIII. armeecorps zugetheilt: Feld - artilleriergmt 
nr. 8, Pionier - bataillon nr. 8, Train- bataillon nr. 8 und im anfang 
des kriegs als festungsbesatzung in Mainz unter inspection des ge- 
neral-lts v. Kummer folgende vier regimenter: 

InfR. nr. 19 oberst von Guben; InfR. nr. 30 ob. -lt. Xachtigal; 
InfR. nr. 81 oberst von Seil; InfR. nr. 87 oberst Grolmann : später 
wurden diese regimenter mobil gemacht und zu neuen formationen 
verwandt. 



II. Der ersten armee zugetheilte kavallerie -divisionen: 
Division. Brigade. Regimenter. 



1. Kavallerie- 

div. 

Gen.-lieut. 

v. Hartmann, 



1. Kavall. -brigade, 

GM. 

v. Lüderita. 



KürassierR. nr. 2 oberst v. Pfuhl. 

UlanenR. nr. 4 ob.-lieut. v. Radecke. 

UlanenR. nr. 9 ob.-lieut. v. Kliist. 



2. Kava 11. -brigade. 

GM. 

Baumgar th. 



KürassierR. nr. 3 oberst v. Winterfeld. 

UlanenR. nr. 8 oberst v. Below. 
UlanenR. nr. 12 ob.-l. v. Rosenberg. 



N r . 4. Kleine philologische zeitung. 195 



KürassierR. nr. 8 oberst gr. v. Rädern, 
UlanenR. nr. 7 ob.-l. v. Pestel. 



S. Kavallerie- 

div. 

GM. 

graf v. d. 

Grüben. 



6. Kavall.-brigade. 

GM. 

v. Mir us. 



7. Kavall.-brigade. 

GM. 
graf zu Dohna. 



UlanenR. nr. 5 oberst frhr. v. JRei- 

tzenstein. 
UlanenR. nr. 14 oberst v. Lüderitz. 



Dies die erste armee, die anfangs in Verbindung mit der 
zweiten, nach der einnähme von Metz aber selbständig operirte. 
Bei weitem grösser ist nun aber: 

die zweite armee: 

Oberbefehlshaber: general der kavallerie prinz Fried- 
rich Karl von Preussen, geboren 20. märz 1828, leitete 
seine militairische erziebung der jetzige kriegsminister v. Roon, 
auch 1846 des prinzen begleiter in Bonn; darauf zeichnete er 
sich 1848 als hauptmann im stabe Wrangel's beim stürm des 
Dannewerks und bei Düppel aus, eben so in Baden 1849 als ma- 
jor im generalstabe , wo er an der spitze einer schwadron des 
husarenregiments nr. 11 bei Waghäusel angriff und in der 
Schulter verwundet wurde; schon 1860 war er, ein liebling 
könig Friedrich Wilhelm's IV, kommandirender general des III. 
armeecorps, führte 1864 gegen Dänemark den Oberbefehl über 
das preussische armeecorps, nach Wrangel's rücktritt den Ober- 
befehl über die gesammte verbündete armee; 1866 stand er 
an der spitze der ersten preussischen armee, gewann die schlach- 
ten bei Münchengrätz undGitschin und hielt die schlacht bei König- 
grätz gegen die überlegenen österreichischen Streitkräfte bis zur 
ankunft des kronprinzen von Preussen mit der ersten armee. 
Den umfang seiner Studien zeigte eine 1860 aus von ihm ge- 
haltenen Vorlesungen geschöpfte, aber ohne sein wissen veröf- 
fentlichte denkschrift über die kunst die Franzosen zu bekämpfen: 
sie erregte grosses aufsehen, da sie nicht nur den nimbus der 
unübertreffiichkeit und unbesiegbarkeit, der die französische ar- 
mee umgab, zu vernichten verstand, sondern zugleich auch eine 
reihe mängel des preussischen heerwesens biosiegte : sie wurde 
in Frankreich übersetzt , aber freilich wegen der in ihr 'ausge- 
sprochenen ansichten hochmüthig verhöhnt, dafür aber fand sie 
überall wo man ruhig prüfte, beachtung und gab anlass zu 
mancherlei erwägungen. 

Chef des generalstabes: general - major von Stiehle, 
der jüngste general in der armee, geboren 1832, trat 1842 in 
diese, ward zur allgemeinen kriegsschule in Berlin, dann in das 
topographische bureau commandirt, wirkte 1859 als general- 
stabsoffizier einer mobilen division und nach der abrüstung in 
demselben jähre als director der kriegsschule in Potsdam, dann 
in Neisse; 1864 als königlicher flügel-adjutant und zugleich im 
generalstab Wrangel's thätig , war er 1866 dem königlichen 

13* 



196 



Kleine philologische zeitung. 



hauptquartier als oberst beigegeben und erhielt für sein verhal- 
ten in der sehlacht bei Königgrätz den orden pour le me- 
rite, so wie das commando des 4. garde-grenadier-rgmts köni- 
gin Elisabeth, ward 1870 zum mitglied der militair-studien-com- 
mission, zum general-major und abtheilungschef im grossen ge- 
neralstab , endlich zum general a la suite des königs befördert. 

Ober-quartiermeister : oberst von Hertzberg. 

Kommandeur der artillerie: general-lieutenant von Colomier. 

Kommandeur der ingenieure und pioniere: oberst Leuthaus. 

Diese zweite armee, der die hauptaufgabe dem plan nach 
zugetheilt war , besteht ausser dem garde - corps und zwei ka- 
vallerie-divisionen aus sechs armeecorps : sie ist , wenn gleich 
einzelne theile später von ihr ausgeschieden und anderweitig 
verwendet sind, im ganzen feldzug unter dem befehl des prin- 
«en Friedrich Carl verblieben , hat ungemein schwierige aufga- 
ben zugetheilt erhalten und durch deren lösung wesentlichst zu 
der siegreichen beendigung des kriegs beigetragen. 

I. Der zweiten armee zugetheilte armeecorps : 

Das garde-corps. 

Kommandirender general : general der kavallerie prinz 
August von Würtemberg , geboren 1813, trat er nach mehre- 
ren dienstjahren in dem würtembergischen beere in die preussi- 
sche armee als rittmeister , erhielt 1858 den befebl über die 
garden, die unter ihm 1866 bei Soor und Königinhof, dann in 
der schlacbt bei Königgrätz bei Horschenowes und Maslowed 
blutige kämpfe siegreich bestanden. 

Chef des generalstabes : general- major von Dannenberg. 

Das armeecorps bilden: 
Division. Brigade. Regimenter. 



1. Garde -inf. 

div. 

GM. 

v. Pape. 



1. Garde-inf.-brig. 

GM. 

v. Kessel. 



1. GardeR. zu f. oberst v. Bäder. 
3. GardeR. zu f. oberst i>. Linsingen. 



2. Garde-inf.-brig. 

GM. 

v. Miedern. 



2. GardeR. zu f. oberst greif v. Kanitz. 

4. GardeR. zu f. oberst v. Neumann. 

Garde-FüsR. ob.-Lt. v. Erkert. 



Der division zugetheilt: Garde-Jägerß. major 
v. Arnim. 



2. Garde - inf. 

div. 

Gen.-Lt. 

v. Budrilzki. 



3. Garde-inf.-brig. 

Ob. 

Knappe v. Knapp- 

stüdt. 



Kaiser Alexander Garde-GrenR. nr. 1 

oberst v. Zeuner. 

3. Garde-GrenR. königin Elisabeth ob. 

v. ZaluskowsM. 



4. Garde-inf.-brig. 

GM. 

v. Berger. 



Kaiser Franz Garde-GrenR. nr. 2 ob.-lt. 

v. Bahn. 

4. Garde-GrenR. königin oberst 

gr. r. Jl'a/dersee. 



Der division zugetheilt: Garde-SchützenB. major 
v. Fabeck. 



Nr. 4. 



Kleine philologische zeitung. 



197 



Garde - 


eaval- 


lerie ■ 


div. 


Gen. 


-Lt. 


gr. v. d 


Goltz. 



1. Garde -kavall.-| Regm. Garde du corps oberst 

brigade. V. Krosigk. 

GM. gr. v. Bran-\ Garde KürR. oberst frhr. v. Bran- 
denburg I. denstein. 



2. Garde -kavall.- 

brigade. 
G. - Lt. prinz Al- 
brecht v. Preussen. 



Garde kavall. 
brigade. 
GM. greif v. Bran- 
denburg II. 



1. Garde-UlanenR. ob. Lt. v. Mochow. 
3. Garde-UlanenR. ob. prinz Fried- 
rich Wilhelm v. Hohenlohe, 
Garde-HusR. ob. Lt. v. Hymnen. 



1. Garde-DragR. oberst v. Auerswald. 

2. Garde-DragR. oberst graf Finck zu 

Finckenstein. 

3. Garde-UlanenR, oberst prinz Hein- 

rich von Hessen. 



Ausserdem gehören zum Garde-corps: das Garde-feld-artillerieR., das 
9. Pionier- und 9. Train-B. 



Dies Garde-corps mit der Garde-cavallerie-division, welche 
auch schon in friedenszeiten formirt ist, zählt 27 bataillone In- 
fanterie, 1 Jäger- und 1 schützen - bataillon , beide in der be- 
waffnuug verschieden, 32 escadrons, 1 feld-artillerieR., 1 pionier 
und 1 train-bataillon. Es recrutirt sich aus allen provinzen und 
sieht sich als ein elite- corps an, obgleich es sich in dem dienst 
von den andern regim entern nicht unterscheidet. 

II. Armeecorps. 

Kommandirender general: general der Infanterie Eduard 
Friedrich von Fransecky , geboren 1807, trat 1825 aus dem 
cadettencorps in die armee , ward 1843 zum grossen gene- 
ralstab commandirt, 1844 in diesen als hauptmann versetzt, 
war 1845 — 48 lehrer an der allgemeinen kriegsschule, 1848 
gegen Dänemark zum stabe des obercommando der bundesar- 
mee, im herbst desselben jahrs zu dem des ober -commando's 
in den Marken versetzt, 1849 dirigent der historischen abthei- 
lung des grossen generalstabs , 1850 — 55 zu militärischen mis- 
sionen und commando's in Frankreich, Ober-Italien, Russland, 
Belgien, Holland verwandt, dann chef des generalstabes des 
III. armeecorps, unter anderm mitglied der Studien - commission 
der allgemeinen kriegsschule, director der vereinigten divisions- 
schule des IV. armeecorps, auch auf drei monat im kriegs-mi- 
nisterium thätig ; ging darauf 1860 in oldenburgische dienste, 
war 1863 bundesgeneral, trat 1864 als general -major in die 
preussische armee zurück, führte 1866 die 7. infanterie - divi- 
sion, erwarb durch die ausgezeichnete führung seiner truppen 
bei Munchengrätz , Königgrätz , Blumenau den orden jpour le 
merite und zeichnete sich noch zuletzt durch das geschickt ein- 
geleitete gefecht bei Mosburg aus: er ward 1870 general der 
infanterie und commandeur des zweiten armeecorps. 

Chef des generalstabes : oberst von Wichmann. 

Das armeecorps (das pommersche) bilden : 



198 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4. 



Division. 



Brigade. 



Regimenter. 



3. Inf.-div. 

GM. 

v. Hartmann. 



4. Inf - div. 
G.-Lt. 
Hann-v. Wei- 
hern. 



5. Inf. - brigade. 

GM. 

V. Koblinski. 



GrenR. Friedrich W. IV nr. 2. oberst 

v. Zimietzky. 
InfR. nr. 42 oberst v. d. Knesebeck. 



6. Inf. - brigade. 

Oberst 

v. d. Decken. 


InfR. nr. 14 oberst v. Voss. 
InfR. nr. 54 oberst v. Busse. 


Der division zugetheilt: JägerB. n. 2 major v. Netzer. 
DragonerR. nr. 3 oberst frhr. v. Willisen. 


7. Inf.-brigade. 
GM. 

v. Trossel. 


Colberg. GrenR. nr. 9 ob. v. Feren- 

theil und Gruppenberg. 

InfR. nr. 49 ob. -lt. Laurin. 


8. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Kettler. 


InfR. n. 21 ob.-lt. v. Lobenthai. 
InfR. nr. 61 oberst v. Wedeil. 



Der division zugetheilt: DragonerR. nr. 11 ob.-lt. v. 

Guretky - Cornitz. 



Ausserdem gehören zum IL armeecorps: Feld-artill.-rgmt. n. 2, 
PionierB. nr. 2, TrainB. nr. 2. 



III. Armeecorps. 

Kommandirender generali general - lieutenant Constantin 
von Alvensleben , II, 1809 geboren: trat aus dem cadettencorps 
1827 in die armee, ward, nachdem er im kaiser Alexander 
Garde-GrenadierR. regimentsadjutant gewesen, 1853 als major 
zum generalstab , 1858 als chef des generalstabs zum I. armee- 
corps , 1860 in das kriegsministerium versetzt als chef der 
abtheilung für armee -angelegenheiten ; 1864 zum Commandern- 
der 2. Garde -infanterie -brigade ernannt, kämpfte er in dieser 
Stellung ruhmvoll 1866, erhielt für Soor und Königgrätz den 
orden pour le merite und ward gegen ende dieses jahrs zum 
mitglied der Studien - commission der kriegs -akademie, zum Com- 
mandern' der 1. Garde - infanterie- division und bald darauf zum 
general- lieutenant ernannt: er steht also mit der garde in ei- 
nem sehr engen verhältniss. 

Chef des generalstabes: oberst «. Voigts - Rhetz. 

Das III. armeecorps (das brandenburgische) bilden: 
Division. Brigade. Regimenter. 



5. Inf.-div. 
G.-Lt. 

v. Stülpnagel. 



9. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Döring. 



Leib-grenR. nr. 8 ob.-lt. v. L'Estocq. 
InfR. nr. 48 oberst v. Gerrelts. 



10. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Schwerin. 



GrenR. nr. 12 oberst v. Reuter. 
InfR. nr. 52 oberst v. Wulffen. 



Der division zugetheilt: JägerB. nr. 3 major v. Jena. 
DragonerR. nr. 12 major Pfeffer v. Salomon. 



Nr. 4. 



Kleine philologische zeitung. 



199 



6. Inf.-div. 
G.-Lt. 

v. Budden- 
brook. 



11. Inf. - brigade. 

GM. 

v. Rothmaler. 



InfR. nr. 20 oberst v. Flotow. 
InfR. nr. 66 oberst v. Dannenberg . 



12. Inf. -brigade. 

Oberst 

v. Bismark. 



InfR. nr. 24 oberst graf Dolma. 

Füs.R. nr. 35 oberst du Plessis. 

Füs.R. nr. 64 oberst frhr. Treusch- 

v . Buftlar - Brandenfels. 



Der division zugetheilt: JägerB. nr. 2 oberst v. Dry- 
galski. 



'Ausserdem sind dem III. armeecorps zugetheilt: Feld-artill.-R. nr. 3, 
PionierB. nr. 3, TrainB. nr. 3. 



IV. Armeecorps. 

Kommandirender general : general der infanterie Gustav 
von Alvensleben /, geboren 1803, trat 1821 aus dem cadet- 
tencorps in die armee , ward 1836 führer des prinzen Georg 
von Meckienburg-Strelitz, 1840 des erbprinzen von Lippe -Det- 
mold, darauf 1847 major im grossen generalstabe, 1848 im ge- 
neralstabe des VII. armeecorps, 1849 chef des generalstabes des 
mobilen armeecorps in Baden; nach Verwendung im generalstab 
verschiedener corps ward er general- adjutant des königs , stand 
als solcher 1866 im hauptquartier des königs und ist 1868 zum 
general der infanterie ernannt. 

Chef des generalstabes: oberst von Thiele. 

Das IV. armeecorps (sächsisches) bilden: 
Division. Brigade. Regimenter. 



7. Inf.-div. 

G.-Lt. 

v. Gross gen. 

v. Schwarzhoff 



8. Inf.-div. 

G.-Lt. 
v. Schüler. 



13. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Borries. 



14. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Zt/chlinski. 



InfR. nr. 26 oberst v. Schmelinq. 
InfR. nr. 66 ob.-lt. gr. Finch v. Fin- 

cken stein. 



InfR. nr. 27 oberst v. Pressentin. 

InfR. nr. 67 oberst v. ZglinitzM. 

Anhalt. InfR. nr. 98 oberst v. Krosigk, 



Der division zugetheilt: JägerB. nr. 4 major fr hr. v. 

Leitoiv- Vorbeck und DragonerR. nr. 7 ob.-lt. frhr. v. 

Schleinitz. 



15. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Kessler. 



InfR. nr. 31 oberst v. Bonin. 
InfR. nr. 71 ob.-lt. v. Klöden. 



16. Inf. - brigade. 
Oberst 

v. Scheffler. 



InfR. nr. 72 oberst v. Helldorf. 

InfR. nr. 86 oberst v. Hörn. 

InfR. nr. 96 ob.-lt. v. Redern. 



Der division zugetheilt: HusarenR. nr. 12 ob.-lt. v. 
Suckow. 



Ausserdem dem IV armeecorps zugetheilt: Feld-artill.R. nr. 4. 
Pionier-B. nr. 4 , TrainB. nr. 4. 



IX. armeecorps. 

Kommandirender general: general der infanterie Albrecht 

Ehrenreich Gustav von Manstein, 1805 geboren, trat er 1822 

in die armee , that bei verschiedenen regimentern dienst als 

adjutant, ward 1856 commandant von Colberg, 1863 gene- 



200 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4. 



ral -lieutenant, führte als solcher 1864 die sturmcolonnen bei 
Düppel, dafür mit dem orden pour le m £ rite clecorirt, 1866 
eben so die sechste inf.-division und erhielt für Kbniggrätz zum 
orden pour le mirite das eichenlaub. 

Chef des generalstabes : major Bronsart von Schellendorf. 

Das IX. armeecorps (das Schleswig, holsteinische) bilden: 
Division. Brigade. Regimenter. 



18. Inf.-div. 

G.-Lt. 

freiherr von 

Wrangel, 



Grossherz. 

hess. (25.) 

div. 

G.-Lt. 

prinz Ludiviy 

v. Hessen. 



35. Inf. -brigade. 

GM. 

v. Blumenthal. 



InfR. nr. 25 oberst v. Zoos. 
InfR. nr. 84 'oberst v. Winckler 



36. Inf. -brigade. 

GM. 

v. Below. 



GrenR. nr. 11 oberst v. Schöning. 
InfR. nr. 85 oberst v. Falkenhausen. 



Der division zugetheilt: JägerB. nr. 9 major v. Ifinck- 
ivitz, DragonerR. nr. 6 oberst frhr. v. Houioald. 



49. Inf. - brigade. 

GM. 

v. Wittich. 



50. Inf. -brigade. 

GM. 

von Lyncker. 



Hess. LeibgardeR. nr. 1. 

Hess. JägerB. nr. 2 oberst Kraus. 

Hess. garde-jägerB. nr. lma,j.Anschütz. 



Hess. LeibR. nr. 3 oberst v. Lyncker. 

Hess. InfR. nr. 4 ob.-lt. Zivenger. 
Hess. Leib jägerB. nr. 2 major Winter. 



Hess. (25.) kavall. 
brigade. GM. 
v. Schlotheim. 



IHess. l.ReiterR. oberst frhr. v. Ried- 
esel zu Bisenbach. 
JHess. 2. ReiterR. oberst frhr. v. Bou- 
I chenrüder. 



Ausserdem ist dem IX. armeecorps zugetheilt: das halbe Feld-ar- 
till.R. nr. 9. 2. abtheil, der hess. Feld-artill., 1. preuss. PionierB. undl 
1. hess. pionier komp., 1. preuss. TrainB. und 1. hess. Train-abth. j 



Die 17. division, welche zum IX. armeecorps gehört, blieb 
zur besetzung von Schleswig - Holstein zurück und rückte erst 
später nach ; als ersatz für diese fehlende division wurde dem 
corps die hessische (25) division mit ihrer kavallerie zugewiesen. 

X. Armeecorps. 
Kommandirender general : general der infanterie Constantin 
Bernhard von Voigts - Rhetz , geboren 1809 trat er 1827 in 
die armee, war 1833 — 35 zur allgemeinen kriegsschule, 
1837 — 38 zum topographischen buroau, 1839 zum gro- 
ssen generalstab commandirt , 1841 in den letztern versetzt, 
1844 — 47 vermessungs - dirigent , 1848 major im generalstabe 
des V. armeecorps , als welcher er an dem kavalleriegefecht 
und der erstürmung von Xions in Posen theil nahm . diente 
dann im grossen generalstab wie auch als chef des generalsta- 
bes in mehreren armeecorps, ward 1859 im kriegsministerium 
director des allgemeinen kriegsdepartements , 1860 commandant 
von Luxemburg, 1864 Oberbefehlshaber der bundesgarnison in 
Frankfurt a. M. , 1866 unter belassung in diesem verhältuiss 



Nr. 4. 



Kleine philologische zeitung. 



201 



mit der führung der geschäfte als erster bevollmächtigter bei 
der bundes-militair-commission daselbst betraut und bei ausbruch 
des kriegs 1866 aus dieser Stellung zum chef des generalsta- 
bes der ersten armee (prinz Friedrich Karl) berufen ; wegen in 
diesem amt bewiesener tüchtigkeit sofort nach beendigung des 
kriegs zum general-gouverneur von Hannover und chef des neu- 
gebildeten X. armeecorps, 1868 zum general der infanterie und 
zum chef des 3. hannoverschen infanterie-rgmts nr. 79 ernannt, 
hat er verstanden in dieser schwierigen Stellung sich allgemeine 
achtung in der provinz zu erwerben. 

Chef des generalstabes : major von Caprivi. 

Das X. armeecorps (das hannoversche) bilden : 

Division. Brigade. Eegimenter. 



19. Inf.-div. 

G.-Lt. 
v. Schwarz- 
koppen. 



37. Inf. - brigade. 

Oberst 

Lehmann. 



InfR. nr. 78 oberst bar. v. Lgncker, 
InfR. nr. 91 oberst v. Kamecke. 



38. Inf. - brigade. 

GM. 

v. Wedeil. 



InfR. nr. 16 oberst v. Brixen. 
InfR. nr. 57 oberst v. Cranach. 



Der division zugetbeilt: DragonerR. nr. 9 ob.-lt. graf 
v. Hardenberg. 



20. Inf.-div. 

GM. 

v. Kraatz- 

Koschlau. 



39. Inf. - brigade. 

GM. 

v. Woyna I. 



InfR. nr. 56 oberst v. Block. 
InfR. nr. 79 oberst v. Valentini. 



40. Inf. -brigade. 

GM. 
v. Diringshausen. 



InfR. nr. 70 oberst v. Ehrenberg. 

InfR. n. (braunschw.) 92 ob.-lt. 

Haberlandt. 



Der division zugetheilt: JägerB. n. 9 major Dunin i 
Przgchowski und DragonerR. n. 16. ob.-lt. v. Waldoiv. 



Ausserdem ist dem X. armeecorps zugetheilt: das Feld-artill.-R. nr 
10. das PionierB. nr. 10 und das TrainB. nr. 10. 



XII. Armeecorps. 
Kommandirender general: Albert kronprinz von Sachsen, 
geboren 1828, trat 1843 in die sächsische armee und zwar bei 
der reitenden artillerie ein, kämpfte als hauptmann 1848 bei 
Düppel , war 1866 Oberbefehlshaber des mit den Oesterrei- 
chern verbündeten sächsischen corps und hielt bei Königgrätz, 
hier wie überall sich durch unerschütterliche ruhe auszeich- 
nend, die ehre seiner truppen aufrecht, welche nach vollständiger 
auflösung der Oesterreicher sich in geschlossenen reihen mit 
hinterlassung eines einzigen demontirten geschützes vom kampf- 
platz zurückzogen. 

Chef des generalstabes: ob.-lt von Zezschwitz, 
Das XII. (königlich- sächsische) armeecorps, welches aus" 
schliesslich aus königlich - sächsischen truppen zusammengestellt 
ist, bilden: 



202 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4. 



Division. 



Brigade. 



Regimenter. 



23. Inf.-div. 

G.-Lt. 

prinz Georg 

v. Sachsen. 



24. Inf.-div. 

GM. 
N ehr ho ff v. 
Holderberg. 



Sachs cavall.- 

div. 

GM. 
gr. zur Lippe, 



45. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Craushaar. 



Sachs. 1. (leib.-)GrenR. nr. 100 oberst 

Garten. 

Sachs. 2. GrenR. nr. 101 oberst v. 

Seydlitz - Gerstenberg. 



46. Inf.-brigade. 

Oberst 

v. Montbe. 



47. Inf.-brigade. 

GM. 

Tai*scher. 



Sachs. InfR. nr. 102 oberst Rudorff. 
Sachs. InfR. nr. 103 oberst v. Rohr- 
scheid. 
Sachs. SchützenR. n. 108 oberst frhr. 
v. Hansen. 



Sachs. InfR. nr. 104 ob. v. Elterlein, 
Sachs. InfR. nr. 105 ob. v. Tettau. 



. Inf.-brigade. 

Oberst 
v. Schultz. 



Sachs. InfR. nr. 106 ob. v. Abendroth. 
Sachs. InfR. nr. 107 ob. v. Leonhardi. 
Sachs. JägerB. n. 12 major graf v. 

Holtzendorff. 
Sachs. JägerB. nr. 13 major v. Götz. 



23. Kavall.-bri- 

gade. Oberst 

Krug v. Nidda. 



Sachs. Garde- ReiterR. ob. v. Carloivitz. 

Sachs. 1. ReiterR. ob.-lt. v. Sahr. 
Sachs. UlanenR. nr. 17 ob. v. Miltitz, 



24. Kavall. -bri- 

gade. Oberst 

Senfft v. Pilsach. 



Sachs. 2. ReiterR. maj. Genthe. 

Sachs. 3 ReiterR. ob. v. Standfest. 

Sachs. UlanenR. nr. 18 ob.-lt. v. Trosky, 



Ausserdem dem XII. armeecorps zugetheilt: Feld-artill.-R. nr. 12, 
Pionier-B. nr. 12 und TrainB. nr. 12. 



II. Der zweiten armee zugetheilte Cavallerie-divisionen 
Division. Brigade. Regimenter. 



5. Kavallerie- 

div. 

G.-Lt. 

baron v. 

Rheinbaben. 



6. Kavallerie- 
div. 
G.-Lt. 
herzog Wil- 
helm zu Mecli- 
lenburg- 
Schrverin. 



11. Kavallerie- 
brigade. 
GM. v. Barby. 



12. Kavallerie- 
brigade. 
GM. v. Bredoiv. 



13. Kavallerie- 
brigade. 
GM. v. Redern. 



14. Kavall. - 
Oberst 
frhr. v. Diepen 
broicJö- Gruter. 



15. Kavall .-brig. 

Oberst 

V, Ranch. 



KürassierR. nr. 4 ob. v. Arnim. 

UlanenR. nr. 13. ob. v. Schuck. 

DragonerR. nr. 19 ob. v. Trotha. 



KürassierR. nr. 7 ob.-lt. v. Larisch. 
UlanenR. nr. 16 major v. d. Dollen. 
DrasonerR. nr. 13 ob. v. Brauchitsch, 



HusarenR. nr. 10 ob. v. Weise. 
HusarenR. nr. 11 ob. frhr. v. Eller- 

Eberstein. 

Braunschw. HusarenR. nr. 17 ob.-lt. 

v. Rauch. 



KürassierR. nr. 6 ob.-lt. gr. Zynar. 

UlanenR. nr. 3 ob. gr. v. d. Groben, 

UlanenR. nr. 15 ob. v. Alvensleben. 



HusarenR. nr. 3 ob. v. Zieten. 
HusarenR. nr. 16 ob. v. Schmidt. 



Albert baron von Rheinbaben ist 1813 geboren, 1830 aus 
dem cadettencorps in die armee eingetreten, nach mehr- 
facher Verwendung als brigade - und divisions -adjutant 1853 als 
hauptmann in den generalstab versetzt, 1855 unter aggre- 



M'r. 4. Kleine philologische zeitung. 203 

girung bei demselben als major dem prinzen Albrecht söhn als 
militairischer begleiter beigegeben, befehligte 1866 die 1. garde- 
kavallerie-brigade , mit welcher er an der schlacht bei König- 
grätz theil nahm, ward 1868 zum general-lieutenant befördert 
und hat im jetzigen kriege seine waffe zu ganz ungewöhnlichen 
leistungen zu benutzen verstanden. 

Neben dieser grossen armee operirte und blieb auch in 
dem verlauf des kriegs selbständig : 

die dritte armee: 

Oberbefehlshaber: general der infanterie Friedrich 
Wilhelm kronprinz von Preussen, 18. oct. 1831 ge- 
boren, bezog 1848 die Universität zu Bonn, war 1864 im haupt- 
quartier Wrangel's ohne thätigen antheil am krieg zu nehmen, 
commandirte 1866 die zweite oder schlesische armee, drang mit 
dieser durch die gebirge in Böhmen ein und erschien nach einer 
reihe blutiger und siegreicher gefechte grade zur rechten zeit 
auf dem Schlachtfeld von Königgrätz , um bei Chlum den ent- 
scheidenden schlag zu dem grossartigen siege des preussischen 
heeres zu thun. 

Chef des generalstabes: general-lieutenant Leon- 
hard von Blumenthal, geboren 1810, trat aus dem cadetten- 
corps 1827 in die armee, besuchte 1830 — 33 die allgemeine 
kriegsschule in Berlin, ward, nachdem er adjutant gewesen, 
1846 zu der topographischen abtheilung des generalstabes com- 
mandirt, daneben auf je drei monate, um gründlich die techni- 
schen waffen kennen zu lernen, zur dienstleistung bei der garde- 
artillerie und den garde- pionieren, nahm im stabe Bonin's 1849 
an den gefechteu bei Auenbüll und Beuschau , an der schlacht 
bei Koldiug, den tagen von Alminde, Gudsö und Taulor-kirche, 
so wie an der belagerung und schlacht bei Fridericia so thäti- 
gen antheil , dass er zum chef des generalstabes der schleswig- 
holsteinischen armee ernannt ward; 1850 war er wieder gene- 
ralstabsofüzier der mobilen division des general von Tietzen in 
Kurhessen , ward dann bei den grossen herbstmanövern als 
führer fremder fürsten und Offiziere so wie wiederholt zu mis- 
sionen nach England verwandt , bis er im dänischen kriege 
1864 zum chef des generalsiabs des mobilen armeecorps er- 
nannt die siege von Düppel und Alsen einleitete , was ihm den 
orden pour le merzte einbrachte und 1866 die ernennung zum 
chef des generalstabes der zweiten armee ; nach der beendigung 
des kriegs erhielt er ausser anderm das eichenlaub zu dem orden 
pour le merite , eine der seltensten auszeichnungen in der armee. 

Ober -quartiermeister : oberst von Gottberg. 

Kommandeur der artillerie: general-lieutenant Herlct. 

Kommandeur der ingenieure und pioniere : general - major 
Schulz. 



204 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4. 



Die dritte armee besteht aus drei preussischert armeecorps 
nebst zwei kavallerie - divisionen , hat aber zugewiesen erhalten 
die zwei bayerischen armeecorps und das kombinirte würtem- 
bergische-badensche corps , so dass die dritte armee an grosse 
der zweiten sehr nahe kam. 

I. Der dritten armee zugetheilte armeecorps : 

V. Armeecorps. 

Kommandirender general : general -lieutenant Hugo Ewald 
von Kirchbach geboren 1809, trat er aus dem cadettencorps 
1826 in die armee, war 1831 — 34 zur allgemeinen kriegsschule, 
1838 — 41 zur topographischen abtheilung des grossen general- 
stabes, 1848 als adjutant commandirt, ward 1851 in den grossen 
generalstab versetzt, 1855 — 58 lehrer an der allgemeinen kriegs- 
schule, zugleich im generalstab beschäftigt, 1858 — 59 auch mit- 
glied der studien-commission der allgemeinen kriegsschule, 1859 
chef des generalstabes dos III. armeecorps, führte er 1866 die 
10. infanterie-division, die an den heissen tagen von Nachod, 
Skalitz, Schweinschädel sich ruhmvoll unter seiner führung be- 
theiligte : er erhielt den orden pour le mirite. 

Chef des generalstabes: oberst v. d. Esch. 

Das V, armeecorps (das posensche) bilden: 
Division. Brigade. Regimenter. 



9. Inf.-div. 
GM. 

v. Sandrart. 



17. Inf. - brigade. 

Oberst 

v. Bothmar. 



18. Inf. -brigade. 

GM. 
v. Voigts - Metz. 



InfR. nr. 58 oberst v. Hex. 
InfR. nr. 59 oberst Eyl. 



Königs GrenR. nr. 7 ob. v. Käthen. 
InfR. nr. 47 ob. v. Burghoff. 



Der division zugetheilt: JägerB. nr. 5 major gr. Wal- 
dersee. DragonerR. nr. 4 ob.-lt. v. Schenk. 



10. Inf.-div. 

GM. 
v. Schmidt. 



19. Inf. -brigade. 

Oberst 

Henning auf 

Schönhoff. 



20. Inf. - brigade. 

GM. 
Walther v. Mon- 

hry. 



FüsR. nr. 6. ob. Flöckher. 
InfR. nr. 46 ob. v. Burghoff. 



GrenR. nr. 37 ob. v. Heinemann. 
InfR. nr. 50 ob. v. Michelmann, 



Der division zusretheilt: DrapronerR. nr. 14 ob. v. Schön 



Ausserdem dem V. armeecorps zugetheilt: das Feld-art.R. nr. 5, das 
PionierB. nr. 5 und das TrainB. nr. 5. 



VI. Armeecorps. 

Kommandirender general: general der kavallerie Wilhelm von 

Tümpling geboren 1809, trat 1830 bei dem regiment der gardes 

du corps ein, ward 1833 — 66 auf die allgemeine kriegsschule, 

1837 — 38 zum topographischen bureau commandirt, 1838 zum füll- 



Nr. 4. 



Kleine philologische zeitung. 



205 



rer des priuzen Georg von Mecklenburg - Strelitz gewählt und 
als solcher dem grossen generalstabe ag^regirt , 1841 in den- 
selben einrangirt, machte er 1849 in Baden als generalstabsof- 
fizier bei der 1. (avantgarden-)division v. Haunecken des I. ar- 
meecorps der Operations- armee am Rhein den feldzug mit, den 
dänischen krieg 1864 als commandeur der mobilen 5. infauterie- 
division, wo er die wegnähme von Fehmarn leitete, commandirte 
1866 abermals die 5. infanterie-division , ward bei Gitschiu 
schwer verwundet und erhielt den orden pour le merzte so 
wie die Stellvertretung des general-gouvernements im königreich 
Sachsen nach dem tode des generals von Schack. 

Chef des generalstabs : von Salviati. 

Das VI. armeecorps (das schlesische) , welches im beginn 
des krieges in Schlesien zum schütz des landes bleiben sollte, 
bald aber auf den kriegsschauplatz rückte, bilden : 
Division. Brigade. Regimenter. 



11. Inf.-diy. 

G.-Lt. 
v. Gordon. 


21. Inf.-brigade. 

GM. 
v. 31'ilachotcsJci. 


GrenR. nr. 10 oberst v. Weller. 
InfR. nr. 18 oberst baron v. Bock. 


22. Inf.-brigade. 

GM. 
v. Eckartsberg. 


FüselierR. nr. 38 ob. v. Schmeling. 
InfR. nr. 51 ob. Knipping. 


Der division zugetheilt: JägerB. nr. 6 major v. Wal- 
ther und DragonerR. nr. 8 ob.-lt. v. Winterfeld. 


12. Inf.-div. 

G.-Lt. 
v. Hoffmann. 


()h -T ' InfR. nr. 22 oberst v. Qaistorp. 

r ... , b ,, InfR. nr. 62 oberst v. Hesse/, 
(junaell. 


r<-yr ° ' \ InfR. nr. 23 oberst v. Briesen. 

■n, 7 T InfR. nr. 63 oberst v. Thielen, 
v. labeck. 


Der division zugetheilt: DragonerR. nr. 15 ob. v. Busse. 


Ausserdem gehören zum VI. armeecorps: das Feld-art.R. nr. 6, das 
PionierB. nr. 6, das TrainB. nr. 6. 



XI. Armeecorps. 

Kommandirender general: general - lieutenant Julius von 
Böse, geboren 1809, war 1821 — 26 page am hofe zu Weimar, 
trat 1826 auf beförderung in das 26. inf.-regiment ein und in 
preussische dienste, war 1832 — 35 zur allgemeinen kriegsschule 
commandirt, dann verschiedentlich als adjutant verwandt, 1853 
als major in den generalstab versetzt, 1858 zum chef des gene- 
ralstabes des IV. armeecorps ernannt, 1861 zum chef der abthei- 
lung für armeeangelegenheiten im kriegs -ministerium , zugleich 
zum directions- mitglied der central - turn- anstalt, führte er als 
general -major 1866 die 15. iufanterie- brigade und erwarb sich 
durch seine thaten, wie die erkämpfung des hartnäckig vertei- 
digten Übergangs über die Isar am 26. Juli, den orden pour le 
merite und die beförderung zum general - lieutenant. 

Chef des generalstabes: general- major Stein von Kaminski. 



206 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4. 



Das XI. (hessen- nassauische) armeecorps bilden: 
Division. Brigade. Regimenter. 



21. Inf.-div. 
G.-Lt. 

v. Schacht- 
meyer. 



41. Inf.-brigade. 

Oberst 

v. Koblinski. 



42. Inf.-brigade. 
GM. 

v. Thiele. 



FüselierR. nr. 34 oberst Wahlert. 
FüselierR. nr. 80 oberst v. Colomb. 



InfR. nr. 82 oberst v. Borries. 
InfR. nr. 88 ob. Kuhn v. Jaski. 



Der division zutheilt: JägerB. nr. 11 major v. Johnston 
und DragonerR. nr. 5 oberst Wright. 



22. Inf.-div. 

G.-Lt. 
v. Gersdorff. 



43. Inf.-brigade. 

Oberst 

v. Kontzki. 



44. Inf.-brigade. 

GM. 

v. Schlopp. 



InfR. nr. 32 oberst v. Förster. 
InfR. nr. 95 oberst v. Beckedorff. 



InfR. nr. 83 ob. Marschall v. Bieber- 

stein. 

InfR. nr. 94 ob. v. Bessel. 



Der division zugetheilt: HusarenR. 13 ob.-lt. v. Heu- 
duck. 



Ausserdem dem XI. armeecorps zugetheilt: das Feld-art.-R. nr. 11, 
das PionierB. nr. 11, das TrainB. nr. 11. 



Da den gen. • lt. von Böse die in der Schlacht bei Wörth 
erhaltenen wunden zur niederlegung des cornmando's zwangen, 
erhielt interimistisch dasselbe der führer der 22. infanterie- 
division general - lieutenant Hermann Constantin von Gersdorff: 
geboren 1809, trat er, im cadettenhause zu Dresden vorge- 
bildet, 1827 in die preussische armee , nahm 1842 — 43 am 
feldzug der Russen im Kaukasus theil, zeichnete sich 1848 so- 
wohl bei der Organisation der schleswig-holsteinischen truppen 
als auch in dem von ihm selbständig geleiteten gefechte bei Al- 
tenhof aus, commandirte im gefecht von Hadersleben das 1. 
schleswig-holsteinische Jägerbataillon, 1864 ebendaselbst die 11. 
infanterie - brigade und focht mit dieser 1866 bei Münchengrätz 
und Königgrätz. Eine bei Sedan erhaltene wunde brachte ihm 
den tod. Er war ein in jeder weis ausgezeichneter offizier. 

II. Der dritten armee zugetheilte kavallerie-divisionen: 
Division. Brigade. Regimenter. 



2. Kavallerie- 
div. 
G.-Lt. 
graf zu Stoll- 
berg- Werni- 
gerode. 



3. Kavall. -brigade. 

GM. 

v. Colomb. 



4. Kavall.-brigade, 

GM. 
frhr. v. Barnekow, 



5. Kavall.-brigade, 

GM. 

v. Baumbach. 



Leib-KürassierR. nr. 1 ob. v. 
Ulanen-R. nr. 2 ob.-lt. Rode. 



Oj)pen 



1. Leib-Husaren-R. nr. 1. ob. v. Han- 

siein . 
Blückersches Husaren-R. n. 3. ob.-lt. 

frhr. v. Salmuth. 



Husaren-R. nr. 4. inaj. v. Brozou-ski. 
Husaren-R. nr. 6. maj. v. Grävenitz. 



Nr. 4. 



Kleine philologische zeitung. 



207 



4. Kavallerie- 

div. 
Gen.d.Kavall 
prinz Albrecht 
von Preussen 



CM 'lKürassier-B. nr. 5 ob.-lt. v. Arentschild- 

tt .i ■ Ulanen-R. nr. 10 ob.-lt. v. Barnekow. 

v. Hontheim. 



9.Kavall.-brigade. 

GM. 

v. Bernhardt. 



Ulanen-R. nr 1 ob. v. Reckoio. 
Ulanen-R. n. 6 major v. Knobloch. 



10. Kavall.-brig. 2. Leib-Husaren-R. nr. 2 ob. v. Schau- 
GM. roth. 

v. Krosigk. Husaren-R. nr. 14. ob. v. Bernuth. 



Diese beiden kavallerie- divisionen (48 Schwadronen) wur- 
den bei der mobilmachung divisionsweise neu formirt. 

III. Die königlich bayerische armee. 
Der könig von Preussen hatte am 20. juli das kommando 
über diese armee übernommen und selbige der dritten armee 
zugetheilt : sie zerfällt in zwei corps : 

Königlich -bayerisches I. corps: 

Kommandirender general : general der infanterie Ludimg 
freiherr von der Tann - Rathsamhausen , geboren 1815 trat er 
aus der königlichen pagerie zu München 1833 in das erste 
bayerische artillerie-regiment, ward 1840 oberlieutenant im ge- 
neralquartiermeisterstabe, 1844 persönlicher adjutant des kron- 
prinzen , 1848 major und flügeladjutant des königs Maximilian, 
stellte sich in demselben jähre an die spitze eines für Schles- 
wig-Holstein gebildeten freicorps , kämpfte tapfer mit diesem 
1848 und 1849 bei Hoptrup , Apenrade, Düppel u. s.w., trat, 
als 1850 zwischen den herzogthümern und Dänemark von neuem 
krieg ausbrach, als chef des Stabes des generals von Willisen 
in die Schleswig - holsteinische armee, konnte aber eben so we- 
nig den misserfolg abwenden, als 1866 als chef des generalsta- 
bes der mobilen bayerischen armee unter dem kommando des 
prinzen Karl von Bayern. Seit 1866 war er für die reorgani- 
sation der armee thätig. 

Chef des generalstabes : oberst Diehl. 

Das erste bayerische corps (general -kommando) bilden: 
Division. Brigade. Regimenter. 



1. Division. 

Gen. - Lt. 

v. Step] i an. 



1. Inf.-brigade. 

GM. 

Dietl. 



2. Inf.-brigade. 
GM. 
Orff. 



1. Kavall.-brig. 



LeibR. ob. v. Täuffenbach. 

1. Inf.-R. oberst Roth. 
2. JägerB. major v. Vallade. 
3. JägerB. ob.-lt. frhr.v. Treuberg. 



2. lnlR. oberst frhr v. d. Tann. 
11. InfR. oberst gr. Leublsing. 
4. JägerB. major Raschreiter. 



1. KürassierR. ob. Feichtmayr. 

2. KürassierR. ob. gr. v. Tattenbach, 

3. ChevauxlegerR. ob. v. Leonrod. 



208 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4. 



2. Division. 

Gen.-Lt. 
ffr. Pappen- 
heim. 


3. Inf.-brigade. 

GM. 

Schumacher. 


3. InfR. oberst Dessloch. 

12. InfR. oberst Heyl. 

1. JägerB. ob.-lt. Schmidt 


4. Inf.-brigade. 

GM. 

Straub. 


10. InfR. oberst Ritter. 
13. InfR. ob. v. Berg, gen. Schrimpf. 
7. JägerB. ob.-lt. Schultheiss. 


2. Kavallerie -bri- 

gade. 

GM. 

v. Mayer. 


4. ChevauxlegerR. ob. - lt. frhr. v. 
Leonard. 

1. Ulanen-R. ob. gr. v. Ysenburg- Phi- 
lippseich. 


Ausserdem dem armeekorps zugetheilt: 1. Artill.-R. und Feld-genie- 

division. 



Königlich bayerisches II. Corps. 

Kommandirender general : general der infanterie Jakob 
von Hartmann, söhn eines ackerwirths zu Maikammer in der 
(damals französischen) Pfalz, trat er, geboren 1795, schon 
1804 in das 15. französische infanterie -regiment als gemeiner 
ein, avancirte 1809 in das regiment grossherzog von Berg ver- 
setzt, zum corporal, 1810 zum Sergeanten extra statum, 1811 
zum lieutenant, kam 1814 als solcher in das 27. infanterie - re- 
giment und zeichnete sich in diesem jähre vor Orleans, dann 

1815 am 16. und 18. juni so aus, dass er zum kreuz der 
ehrenlegion vorgeschlagen wurde, erhielt es aber aus leicht 
begreiflichen gründen nicht; nach dem frieden war er, weil 

1816 die Pfalz an Bayern fiel, veranlasst als oberlieutenant 
in das 10. bayerische infanterie -regiment einzutreten; nach- 
dem er 1824 in dem generalquartiermeisterstab, 1827 zur aus- 
hülfe in dem kriegsministerium gearbeitet hatte, erfolgte 1842 
seine ernennung zum adjutanten des kronprinzen Maximilian; 
1866 kämpfte er an der spitze der 4, infanterie -division gegen 
die Mainarmee und zeigte durch seine muthige und tapfere lei- 
tung des gefechtes bei Rossdorf, was gut geführt der bayerische 
soldat zu leisten vermöge. 

Chef des generalstabes: oberst frhr. von Hörn. 



Das zweite bayerische corps (general - commando) bilden: 
Division. Brigade. Regimenter. 



3. Division. 

G.-Lt. 
v. Walther. 



5. Inf.-brigade. 

GM. 
v. Schleich. 

6. Inf.-brigade. 

GM. 
Joner - Tettenweiss. 



3. Kavall.-brigade. 
GM. 

frhr. v. Dietz. 



6. InfR. oberst Bösmüller. 

7. InfR. oberst v. Wisset. 

8. JäsrerB. ob.-lt. Knhlermann. 



14. InfR. ob. Schieber. 
15. InfR. ob. frhr. v. Bereitem. 
3. JägerB. ob.-lt. frhr. v. Hörn. 



1. ChevauxlegersR. ob. frhr. v. Mäher. 

6 ChevauxlegersR. ob. frhr. v.Krauss. 

2. UlanenR. ob. frhr. v. Pßummern. 



Nr. 4. 



Kleine philologische zeitung. 



209 



4. Division. 
Gn.-Lt. 

gr. v. Bothmer, 



7. Inf.-brigade. 

GM. 
v. Ribeaupierre. 



8. Inf.-brigade. 
GM. 

Mail 'l 'in g er. 



4. Kavall.-brig. 

GM. 

v. 'Tausch. 



5. InfR. oberst Mühlbaur. 

9. InfR. ob.-lt. Höfler. 

6. JägerB. ob.-lt. frhr. v. Guttenberg, 

10. JägerB. oberst v. Hechel. 



4. InfR. oberst v. Thierck. 

8. InfR. ob.-lt. Pollath. 

5. Jäger-B. ob.-lt. frhr. v. Gumppen- 

berg. 



2. ChevauxlegerR. ob. Horadam. 
5. ChevauxlegerR. ob. v. Weinrich. 



Ausserdem dem armeecorps zugetheilt: 2. Artill.-R. und 1. Feld-ge- 

niedivison. 



IV. Das kombinirte würtemberg ■ badenache 
corps. 

Nachdem Baden am 22. juli , Württemberg am 26. d. m. 
seine truppen dem kommando des königs von Preussen unter- 
stellt hatten, wies dieser selbige der dritten armee zu: das 
corps -verhaltniss beider ward aber bald nach der schlacht bei 
Wörth gelöst und blieb die würtembergische division selbständig, 
während die badensche unter general v. Werder verblieb, zu- 
nächst vor Strassburg. 

Kommandirender general: general -lieutenant August von 
Werder, geboren 1808, trat er 1826 in die armee, machte 
1842 und 1843 den feldzug im Kaukasus mit, stieg, in die 
preussische armee zurückgetreten und vielfach als generalstabs- 
offizier verwandt, rasch, führte als general -lieutenant 1866 die 
3. infanterie - division und erhielt für seine thaten bei Gitschin 
und Königgrätz den orden pour le mirite. 

Chef des generalstabes : oberstlieutnant von Leszczynski. 

Dies corps bilden : 

Die königlich württembergische division. 

Commandern' : general - lieutenant Hugo von Obernitz ; ge- 
boren 1819, trat er aus dem kadettencorps 1836 in die armee, 
war 1839 — 42 zur allgemeinen kriegsschule , 1851 zur topo- 
graphischen abtheilung des generalstabs commandirt, ward 1855 
zum director der combinirten divisionsschule des II. armeecorps 
und zum Vorsitzenden der examinations-commission für portepe'e- 
fähnriche ernannt, 1858 dem kronprinzen als persönlicher ad- 
jutaut beigegeben und von 1859 an zugleich generalstabsoffi- 
zier der 1. garde- division, führte als general -major 1866 die 
erste garde-füselier-brigade und hatte grossen antheil an den 
ßiegen von Soor, Königinhof, Chlum, bei welchem letztern kämpf 
seine brigade 1 fahne und 40 kanonen eroberte, wofür er den 
orden pour le mirite erhielt. Im jetzigen kriege wählte der 
könig von Preussen seinem rechte gemäss ihn zum führer der 
würtembergischen division für die dauer des mobilen verhältnis- 

Philol. Anz. in. 14 



210 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 4, 



ses, zumal da er 1867 und 1868 preussischer militair- bevoll- 
mächtigter in Stuttgart gewesen war. 

Chef des Stabes : oberst von Bock. 

Die würtembergische division bilden : 

Brigaden. Kegimenter. 



1 . Infanterie - brigade . 

GM. 

von Reitzenstein. 


1. IntR. oberst v. Berger. 
7. InfR. oberst v. Rampacher. 
2. JägerB. ob.-lt. v. Knbrzer. 


2. Infanterie - brigade. 

GM. 

v. Starkloff. 


2. InfR. ob. Gr. v. Reischach. 

4. InfR. ob. v. Burkharde 

5. InfR. ob. v. Hügel. 

6. InfR. ob. v. Zimmerle. 

3. JägerB. ob.-lt. v. Hügel. 


3. Infanterie - brigade. 

Oberst 

v. Hügel. 


3. InfR. ob. v. Pfeisselmann. 

8. InfR. ob. v. Manch. 
1. JägerB. ob.-lt. v. Steiger. 


Reiter - division. 

GM. 
Gr. v. Schüler. 


1. ReiterR. ob. v. Harling. 

2. ReiterR. ob. v. Betel. 

3. ReiterR. ob. v. Falkenstein. 

4. ReiterR. ob. Gr. v. Normann. 


Ausserdem der division zugetheilt: 1. Feld-artili-R., 2 Pionier-com- 
pagnien, 1 Feldjäger -eskadron. 



V. Die grossherzoglich -badische division. 

Commandern-: general - lieutenant von Beyer, nach dessen 
erkrankung der preussische general- major von Glümer. 
Die division bilden : 

Brigaden. Regimenter. 



1. Infanterie - brigade. 

G.-Lt. 

Frhr. v. Laroche du Jarry. 


1. Leib-GrenR. ob. frhr. v. Wechmar. 
2. GrenR. ob. v. Renz. 


2. Infanterie - brigade. 

GM. 

Frhr. v. Degenfeld. 


3. InfR. ob. Müller. 

4. InfR. ob. Beyer. 


3. Infanterie - brigade. 

GM. 

Keller. 


5. InfR. ob. Sachs. 

6. InfR. ob. Bauer. 


Kavallerie - brigade. 

GM. 

Frhr. v. Laroche Starkenfels 


1. Leib-DragonerR. ob.-lt. v. Schaffer. 

2. DragonerR. ob.-lt. Wirth. 

3. DragonerR. ob.-lt. frhr. v. Gemmingen. 



Einen zwiefacben stoff bietet diese trockne übersieht für 
die betrachtung, erstens die in ihrem iuhalt sich so ähnlicben 
skizzen des lebenslaufes der preussischen corps-commandeure, eine 
äbnlichkeit, die, dürften wir hier den bildungsgang der befehls- 
haber der divisionen, brigaden, regimenter auch skizziren , noch 
mehr frappiren würde: sie unter einander verglichen ergeben 
ein festes system für die ausbildung des offiziers und zugleich 
dessen rechtfertignng-, denn pflichtgen'äss vom einzelnen befolgt 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 211 

muss es ihn deshalb sicher zum ziele, zu erfolgreicher Wirksam- 
keit führen, weil neben dem unwandelbar festgehaltenen grund- 
satz, nur den physisch , moralisch , intellectuel geeigneten zum 
offizier zu befördern, in dem verlauf der ausbildung eine treff- 
liche Verbindung von theorie und praxis gefunden worden : der 
offizier wechselt in seinen besten bildungsjahren mit Stellungen, 
von denen die einen ihn ungestört der theorie überlassen , die 
andern in die praxis einführen, so dass er begreift, wie nur die 
richtige Verbindung dieser beiden zu den höchsten leistungen in 
seinem stände leite und er somit bewahrt bleibt vor der so 
verderblichen meinung der Studenten gar mancher fächer, dass 
die eine Universität das für das folgende leben nöthige theoretische 
wissen verschaffe, dass in der amtszeit wissenschaftliche arbeit 
überflüssig und vom übel sei. Nimmt man hinzu, dass der of- 
fizier vermöge seiner Stellung das leben, also die wirksamste 
schule, in grossem umfange und in den verschiedensten kreisen 
kennen lernt , durch dies wie anderes nothwendig für seinen 
stand wahrhaft begeistert und dadurch zu der aufopferndsten, zu 
nur immer sich steigernder hingäbe an sein fach und an zu jeder 
anstreugung für dasselbe bestimmt wird, so lässt dieser stand 
klar alle andern hinter sich und müsste als der am weitesten 
vorgeschrittene den andern zum muster dienen. So müsste, um 
nur an einem fall dies zu erläutern, dem jungen gymnasialleh- 
rer zu vorgeschriebener zeit bei bestimmten leistungen gestattet 
oder ermöglicht sein, unter beibehaltung seines gehaltes sich auf 
ein paar jähre von neuem zur Universität oder an einen andern 
für ungestörtes wissenschaftliches arbeiten passenden ort com- 
mandiren zu lassen : dann könnte die Verwüstung, die reglement, 
Staats - examina und dergleichen mehr an Universitäten anrichten 
doch eher wieder ausgeglichen werden. Aber dazu gehört — geld, 
geld, geld und das ist zwar für das heer im überfluss da, aber 
für die Universitäten, die gymnasien, die schulen ? Man hat ge- 
sagt und sich der schönen redensart gerühmt, „bei Sadowa habe 
der Schulmeister gesiegt" ; wird damit wirklich eine Wahrheit 
anerkannt, warum strebt man nicht, die grundlage des heeres 
dem heere gleich zu stellen? warum steht man still und ver- 
harrt bei veralteter bureaukratie, während in geradem gegensatz 
dazu im heerwesen rasch das veraltete beseitigt und neues und 
besseres an seine stelle gesetzt wird ? Ist doch der weg dazu 
gezeigt: wie man 1816 die geistlichen- und unterrichtsangele- 
genheiten vom ministerium des innern loslöste und selbständig 
hinstellte, so ist jetzt, soll vorwärts geschritten und mit dem 
bisherigen System energisch gebrochen werden , das unterrichts- 
wesen von den geistlichen und medizinal-angelegenheiten zu tren- 
nen und ersteres selbständig hinzustellen: es könnte das wenig- 
stens als ein erfreulicher anfang gelten, den so bedauerlich fort- 

14* 



212 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

schreitenden verfall unserer höchsten unterrichtsanstalten , vor- 
dem Deutschlands stolz, aufzuhalten. 

Doch , da dergleichen hier nicht ausgeführt werden kann, 
genug hiervon: das zweite, wozu jene Übersicht stoff liefert, ist 
der trotz der grosse des heeres in ihm hervortretende einheit- 
liche Organismus. Und dabei verzeichneten wir noch nicht die 
ganze gegen Frankreich aufgebotene macht: denn im anfang 
des kriegs bestand neben jenen drei gegen Frankreich operiren- 
den armeen noch die sogenannte küstenarmee unter dem 
commando des generals der infanterie grossherzog Friedrich 
Franz von Meklenburg-Schwerin, deren truppen aber 
sehr bald nach ihrer zusammenziehung grösstentheils nach 
Frankreich abrückten , so dass das ober - commando aufge- 
löst und dem grossherzog eine andre thätigkeit zugewiesen 
wurde ; den schütz der küsten übernahm das erste general - gou- 
vernement, dem der general der infanterie Eduard Vogel 
von Falkenstein vorstand und als solcher eine bedeutende 
rührigkeit entwickelte. Ferner wurden zunächst zum schütz des 
landes im bereich der drei andern general -gouvernements drei 
armeen aus den ersatztruppen formirt : vom ersten general-gou- 
vernement im bereich des III. und IV. armeecorps zu Berlin 
unter dem general der infanterie v. Bonin; vom zweiten im 
bereich des V. und VI armeecorps zu Breslau unter general- 
lieutenant von Löwenfeld; vom dritten im bereich des VII. 
VIII. und XL armeecorps zu Kobleuz unter dem general der 
infanterie Herwar th von Bittenfeld: alle diese truppen, 
genau wie die linie ausgerüstet, rückten nach und nach auf den 
kriegsschauplatz nach. Uud da diese in feindeslaud abrückten, 
gegen 250000 m., ward auch die landwehr aufgeboten und 
theilweise nicht allein als besatzuugs- truppen ihrer eigentlichen 
bestimmung gemäss, sondern auch zum kämpfe selbst verwandt, 
so dass also, rechnet man alles zusammen, auch die süddeut- 
schen truppen, gegen die Franzosen 1,186300 Deutsche ausge 
rückt sind, eine macht, wie sie kein anderes reich dieser erde 
in solcher ausrüstung aufzustellen vermag. So war also Preu- 
ssen und Deutschland durch den masslosen frevel der Fran- 
zosen und ihres kaisers wegen der im verlauf zu wahrhaft 
colossalem umfang anschwellenden Verhältnisse dieses kriegs ge- 
zwungen, zum ersten male ihre nach des königs Wilhelm eigenem 
plane neu verbesserte armee-organisation in ihrem vollen um- 
fange und nicht blos auf dem papier aufzubieten und sie die 
probe bestehen zu lassen. Mau könnte nun meinen, ein coloss 
der art widerstrebe einem einheitlichen zusammenwirken: aber 
die ihn lenkenden einrichtungen verstanden das beer mit gröss- 
ter Schnelligkeit jewede bewegung ausführen, die ihm inwohnende 
elasticität und Spannkraft dadurch bewähren zu lassen, dass 
jeder einzelne theil immer zur rechten zeit zur stelle war und 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 213 

da wo er sollte eingriff, jeder einzelne somit das seinige dazu 
beitrug, dass die wuchtige, gewaltige kraft des ganzen zu ihrer 
vollen, jeden widerstand vernichtenden geltung gelangte. Frei- 
lich sind die erfolge bei dem kriegsmuthigen und durch seine 
feuertaktik nachdrücklich unterstützten feinde ohne schwere Ver- 
luste nicht erreicht ; aber selbst diese Verluste eröffnen wieder 
einsieht in einen andern Vorzug der preussischen heeresorgani- 
sation: die Verluste waren rasch zu ersetzen; die ersatztruppen, 
die landwehr war da und die allgemeine Wehrpflicht. Solche 
das ganze volk durchdringende einrichtungen schafft nicht eine 
kurze zeit, nicht ein menschenalter, sie sind vielmehr das werk 
einer reihe angestammter ausgezeichneter fürsten , deren jeder 
das von den vorfahren überkommene pflichtgetreu und emsig 
und mit liebe zum besten des Staats zu fördern und der gegen- 
wart anzupassen bestrebt war. Auch hier zeigt Frankreich seine 
schwäche und giebt eine erschütternde lehre; seit lange haben 
seine schwachen, entnervten regenten die regierung intriguanten 
priestern und maitressen überlassen, welche durch räuberische 
eroberungskriege und verschwenden rühm zu erndten vermeinten, 
in Wahrheit aber den grund zu revolutionen legten , die in tol- 
lem Wechsel entgegengesetzter regierungsformen alles durchwüh- 
lend organische entwicklung und gedeihliche Weiterbildung gross- 
artiger das physische und geistige wohl des Volkes fördernder 
ideen unmöglich machten. In Preussen dagegen — um nur bei 
bem nächstliegenden zu bleiben — bereiteten Friedrich Wil- 
helm's I gerechtigkeit und strenger Ordnungssinn neben dem 
eisernen ladestok die erfolge Friedrich's des Grossen vor und 
in dem jetzigen Jahrhundert hat Friedrich Wihelm's III errich- 
tung der landwehr nebst der mit ihr verbundenen allgemeinen 
Wehrpflicht den grund zu der höhe des nunmehr kaiserlichen soh- 
nes gelegt. Aber für das gelangen zu solcher höhe genügt 
noch nicht eine heeres-organisation , vielmehr verlangt das die 
tüchtige be - und ausnutzung des schneidigen instruments , die 
selbstverständlich nur in einer obersten leitung wurzelt; als diese 
stellen sich dar der grosse generalstab — so zur Unterschei- 
dung von den Stäben jedes einzelnen armeecorps genannt — , 
das kriegs-ministerium, das militairische cabinet des königs : in 
dem könig selbst als dem obersten kriegsherrn findet das ganze 
dann seine weithin glänzende spitze. Von jenen drei dienstzwei- 
gen sind wohl die beiden ersten als die Vertreter und geistigen 
ernährer der für die ausbildung und erziehung des heeres als 
die leitenden erkannten ideen und prineipien anzusehen; grade 
in unsern tagen hat der chef das kriegs-ministerium v. Roon die 
vom könig entworfene umfassende aufgäbe der preussischen mi- 
litair - reorganisation in ausgezeichneter weise durchgeführt und 
in den ständen vertheidigt, so dass auch er an den erfolgen der 
preussischen waffen in den letzten kriegen anerkannter massen 



214 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

keinen unbedeutenden antheil hat. Wir werfen daher einen 
blick auf seinen bildungsgang. 

Albrecht von Roon, geboren 1803, trat aus dem ka- 
dettenhause (Kulm und Berlin) 1821 in die armee, war 1824 — 
27 in die allgemeine kriegsschule, 1828 zum kadettencorps als 
lehrer, 1833 — 35 zu den topographischen Vermessungen des 
grossen generalstabs commandirt , ward 1836 in den general- 
stab versetzt , begann da seine laufbahn als Schriftsteller über 
geographie wie über militairische gegenstände, leitete 1842 den 
militairischen Unterricht des prinzen Friedrich Karl, begleitete 
diesen auf die Universität Bonn und ward 1848 chef des ge- 
neralstabs des VIII. armeecorps, in welcher Stellung er den 
feldzug in Baden mitmachte. Nachdem er commandeur eines 
regiments, einer brigade, der 14. division in Düsseldorf gewe- 
sen, erfolgte 1859 seine berufung zum kriegsminister, 1861 auch 
die zum marineminister: als solcher nahm er 1866 an dem 
krieg im gefolge des königs theil. 

Beim gewöhnlichen verlauf eines kriegs, d. h. wo das mo- 
bile heer unter einem vom könig ernannten Oberbefehlshaber 
steht, wie in den kriegen gegen Dänemark, tritt das kriegs mi- 
nisterium und eben so auch das militair - cabinet , nur als ad- 
ministrative behörde auf; ganz anders dagegen verhält es sich 
dann mit dem grossen generalstab, dessen chef mit einem theile 
seiner Offiziere ebenfalls ins feld rückt, um in unmittelbarer Ver- 
bindung mit dem Oberbefehlshaber die Operationen vorzuberei- 
ten und bis zu einem bestimmten punkte zu leiten. Beachtet 
man nun zunächst die aufgaben dieses Stabes während des frie- 
dens, so ergiebt sich auch hier eine wesentliche zugleich die 
schwäche Frankreichs biosiegende Verschiedenheit zwischen Preu- 
ssen und diesem seinem gegner : denn während in Frankreich der 
generalstab als ein mehr abgeschlossenes corps in so gut wie 
gar keiner Verbindung mit dem beere steht und keine gelegen- 
heit findet, sich im praktischen dienste , in der linie zu routini- 
ren, gilt in Preussen, wie die obigen lebensskizzen auch an die 
hand geben, dass der generalstabsoffizier ausser der allgemeinen 
wissenschaftlichen bildung neben unausgesetztem Studium der 
kriegswissenschaften und der kriegsgeschichte auch den prakti- 
schen dienst im detail kennen lerne, deshalb in den verschiede- 
nen waffen diene und deren dienstverhältnisse im dienst studire, 
woher denn kommt, dass nach derartigen Studien, die im regel- 
mässigen verlauf neun jähre erfordern , die generalstabs Offiziere 
in die linie zurückversetzt werden : auf diese weise werden 
erst tüchtige commandeurs und generale möglich. Die verschie- 
denen abtheilungen aber, in die dieser stab zerfällt, finden samt 
den von ihnen zu leistenden arbeiten ihren mittelpunkt in dem 
besondern chef, eine den Franzosen wiederum unbekannte charge : 
er bewirkt, dass ohnerachtet des immerwährenden wechseis un- 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 215 

ter den Offizieren , das gesammte generalstabswesen ein einheit- 
liches ganze bilde und die arbeiten immer von fester, sachkun- 
diger hand geleitet werden. Man darf daher wohl in diesem 
gössen generalstab unter hinzunahme einzelner branchen des 
knegs-ministeriums den wissenschaftlichen centralpunkt des hee- 
resorganismus erblicken ; denn hier lernt vorzugsweise der offi- 
zier die grundlagen des heerwesens in der Wirklichkeit 1 ken- 
nen, den werth der allgemeinen Wehrpflicht, die ausbildung, die 
be^affnung des Soldaten , die leitenden grundsätze in der frie- 
detszeit, wie dass wegen der kriegstüchtigkeit der armee alle im 
kriegsfall zu bildenden heerestheile auch im frieden gebildet und 
darnach die Übungen und manöver eingerichtet werden; eben 
so aber auch diese grundsätze in der zeit des kriegs, wie dass 
die artillerie die Schlacht einleiten , die infanterie sie gewinnen 
müsse, die kavallerie dagegen in ihr nicht arbeite, sondern an- 
fangs zum eclairiren, nachher zum verfolgen zu verwenden sei: 
hier wird ferner durch topographische und verwandte arbeiten 
nich; nur die specieliste kenntniss des eignen landes begründet, 
sondern auch die terrainverhältnisse der möglicher weise zu be- 
kriegenden länder erforscht; wie denn 1866 der preussische ge- 
neralstabs - offizier auf dem österreichischen kriegstheater eben 
so gut orientirt war wie jetzt auf dem französischen , ein viel 
wichtigerer umstand als der laie meint; denn, um nur ein bei- 
spiel anzuführen , je nach der läge der eisenbahnen , je nach 
dem materiale und der bodenbeschaffenheit der Chausseen und 
andrer wege berechnen sich die bewegungen der armeen und 
kann nur mit dieser kenntniss der generalstab genau ausführ- 
bare befehle ertheilen: der offizier der linie weiss, dass dem 
befehl nachgekommen werden kann und muss, wo nicht, dass 
die gerechte strafe unausbleiblich folgt. Solche einrichtung ver- 
bürgt aber auch den fortschritt : neue erfindungen in der Wis- 
senschaft werden hier sofort rücksichtlich ihrer Verwendbar- 
keit für den krieg geprüft, wie die telegraphie, baracken u. s. w. 
für verwundete; ist ein feldzug beendet, hier die leistungen des 
heers unnachsichtlich geprüft und die sichtbar gewordenen 
mängel verbessert: so hatte 1866 die cavallerie gar wenig gelei- 
stet, sich den armeecorps, der armee gleich einer bürde nachge- 
schleppt: nach dem frieden wurde sofort in Preussen die zahl 
der regimenter vermehrt, im innern derselben gebessert; im je- 
tzigen krieg dann die regimenter in divisionen formirt , welche 
in grossen schwärmen der armee voraneilten , dem feinde die 
bewegungen derselben verdeckten, offne städte und ganze land- 
strecken besetzten, überall requirirten, überall schrecken erreg- 
ten und durch ihre kühnheit und erstaunliche regsamkeit den 
schein einer allgemeinen occupation des feindlichen landes er- 
wirkten, erfolge, welche die thätigkeit des feindes im eignen lande 
oft gradezu lähmten. Und dabei hat diese reiterei gegen die 



216 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

obige regel in den schlachten thaten ausgeführt, die denen ih- 
rer vorfahren , der Schwadronen der Ziethen und Seydlitz , we- 
nigstens gleichstehen : vom fleck aus bei Wörth feindliche ca- 
vallerie attakirt, bei Mars la Tour unter Bredow batterien ge- 
nommen, intakte feindliche infanterie niedergeritten , die ganze 
feindliche linie im vorrücken gehemmt und zum stillstand ge- 
zwungen. Diese leistungen waren abgesehen von der sonstigen 
kriegstüchtigkeit und sorgsamen einübung der truppe nur dadurch 
erzielt, dass diese vortrefflich beritten war , so dass von einsei- 
nen detacheraents in zweimal 24 stunden zwanzig deutsche niei- 
len zurückgelegt sind, ohne dass trotz der zuweilen gar mangel- 
haften Verpflegung die pferde vom satteldruck gelitten oder 
sonst in schlechten zustand gekommen wären: der Deutsche ist 
eben ein guter pferdewärter und erfreut sich auch des schönen 
Vorzuges , für sein edles thier gern jedwede sorge zu tragen : 
auch nach der härtesten strapatze sorgt er erst für dieses, dann 
für sich. Zeigt dies schon, dass nach 1866 der generalstab 
die bände nicht in den schooss gelegt hat , so thun das fast 
noch mehr die seit jenem jähre durchgeführten besserungen in 
der artillerie : sie hatte 1866 nichts hervorragendes geleistet, 
weil die zahl der glatten geschütze zu gross, die mannschaft, 
wie besonders den aus der ausgezeichneten hannoverseben ar- 
tillerie in preussische dienste übergetretenen Offizieren auffiel, 
dürftig eingeübt, auch die taktische aufstellung ungenügend 
war — jetzt trat sie auf mit hinterladern vortrefflich bewaffnet, 
marschierte nicht als bagage, sondern hinter den vordersten in- 
fanterietruppen , gab in der schlacht vermöge der tüchtig ge- 
schulten mannschaft aus massiger entfernung und mit bewunde- 
rungswürdiger kaltblütigkeit zielend ihre überraschend zahlrei- 
chen Schüsse ab, nahm immer am rechten fleck massenweis Stel- 
lung, und hat die infanterie nicht nur wirksamst unterstützt, 
sondern ihr den zutritt zu den feindlichen Stellungen trotz chas- 
sepots und mitrailleusen erst ermöglicht : da dies alles in nicht 
vollen vier jähren geschehen , wer muss da nicht bewundernd 
staunen über solche in kurzer zeit errungene resultate? Und 
wie die truppe für die tiefe, einsichtige Oberleitung zeugt , so 
auch die führer dev corps; denn da bei der grosse des heer- 
kolosses diese im feld ganz natürlich in die läge kamen nach 
eigner einsieht selbständig zu operiren , sie handeln immer im 
tiefen einverständniss mit dem ober- commando, treffen das rich- 
tige, zeigen sich den ereignissen gewachsen, uud dadurch im- 
mer den französischen feldherren überlegen , die wir wegen 
Africa als die den unsern an kriegserfahrung r überlegeuen zu be- 
trachten gewohnt waren : so offenbarte sich jetzt, was das un- 
ausgesetzte Studium der kriegswissenschafteu und der kriegsge- 
schichte, die genaue kenntniss fremder heeresverhältnisse und 
fremder kriegsführung, also wahre gelehrsamkeit, verbunden mit 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 217 

der lehrreichen praxis, nämlich der der herbstmanöver, auch auf die- 
sem felde vermag. So gilt von den führern denn dasselbe, was von 
der truppe: Übung in friedenszeit macht den meister: denn der 
beste wille, der glühendste Patriotismus lässt im kriege nicht 
nachholen, was im frieden versäumt und vernachlässigt worden. 
Grade aber solche erscheinungen verrathen eine sich ihrer ziele 
klar bewusste einheitliche Oberleitung, welche durch könig's 
Wilhelm Scharfblick zwei männern vorzugsweise anvertraut ist ? 
zu denen das gesammte deutsche Vaterland mit gerechtem stolz 
emporblickt, dem kriegsminister von Roon und dem chef des 
grossen generalstabes , v. Moltke; verweilen wir einen augen- 
blick bei dem letztern. 

Hellmuth Karl Bernhard von Moltke, am 26. october 
1800 zu Gnewitz in Meklenburg geboren, begann seine militairi- 
sche laufbahn 1811 als cadett in Kopenhagen, trat 1822 als se- 
conde - lieutenant des 8. infanterie - regiments in die preussische 
armee, war 1823 — 26 zur allgemeinen kriegsschule, 1827 zum 
lehrer bei der divisionsschule des V. armeecorps, 1828 — 30 zum 
topographischen bureau des grossen generalstabs , 1832 zum 
grossen generalstab selbst commandirt; aus dieser Stellung ward 
er 1836 — 39 zur Instruction und Organisation des türkischen 
heeres entsendet, erwarb sich durch betheiligung an der schlacht 
bei Nisib den orden pour le merite ; ward nach seiner rückkehr 
1840 zum generalstab des IV. armeecorps versetzt, in welcher 
Stellung er an der anläge der berlin -hamburger eisenbahn wirkte, 
auch den dem deutschen bundestag damals vorgelegten plan 
zur vertheidigung der norddeutschen kosten ausarbeitete; darauf 
1845 — 47 adjutant bei dem prinzen Heinrich in Rom , erhielt 
er 1848 die Stellung eines abtheilungsvorstandes im grossen 
generalstab, 1849 die des chefs des Stabes des IV. armeecorps, 
1857 commissarisch, endlich 1858 wirklich die ernennung zum 
general - lieutenant und ersten chef des grossen generalstabs; 
ward 1859 in das österreichische hauptquartier geschickt, um 
den verlauf des damaligen kriegs zu beobachten , wodurch das 
werk „der italienische feldzug von 1859" entstand, wie er 1841 
auch „briefe über zustände und begebenheiten aus den jähren 
1835 bis 1839" und 1835 „der russisch - türkische feldzug in 
der europäischen Türkei" veröffentlicht hatte; 1864 steht er als 
chef des generalstabes bei der mobilen armee in Schleswig-Hol- 
stein, entwirft 1866 in gleicher Stellung einen feldzugsplan, 
nach dem ein grosser krieg in sieben tagen beendet ward, leitet 
nach der schlacht bei Königgratz als general der infanterie den 
Vormarsch der preussischen heersaulen nach Olmütz und Wien, 
unterhandelt dann den Waffenstillstand mit friedenspräliminarien 
und soll schon damals grosse lust gehabt haben mit Napoleon, der 
nachtheilig für Preussen auf den friedensschluss einzuwirken sich 
bemühte, den entscheidenden krieg zu beginnen. Da jedoch die 



218 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

diplomatie anders dachte und frieden geschlossen ward , ist 
graf Moltke wie früher so auch jetzt unablässig bestrebt gewe- 
sen, das preussische heereswesen zu vervollkommnen , tüchtige 
generalstabsofnziere heranzubilden, theils durch eigne vortrage 
theils durch passende förderung und leitung der verschiedenen 
dafür nöthigen Studien. 

Im gegenwärtigen kriege gestaltete sich das verhältniss 
des generalstabes dadurch, dass das commaudo über alle armeen 
der könig übernahm, eigentümlich : denn es entstand nun das 
grosse hauptquartier, dessen wesen und Zusammensetzung 
viel zur erklärung der kriegsereignisse beiträgt; es verfolgt als 
einzigen zweck die einheitliche Oberleitung der gesammtopera- 
tionen so wie die möglichste centralisirung sammtlicher com- 
mandobehörden und Verwaltungszweige. Das hiernach schon 
zahlreiche personal mehrte sich aber noch dadurch , dass der 
Oberbefehlshaber eben der könig war, also vom hauptquartier 
aus nicht allein die verschiedenen kriegsschauplätze, sondern 
auch die regierungsangelegenheiten des landes geleitet wurden. 
Der kriegs - Operationen wegen weilte also hier der grosse ge- 
neralstab der armee mit seinem chef, dem grafen Moltke; er 
besteht , als mit der bearbeitung aller im vortrage der generale 
zur spräche kommenden gegenstände beauftragt, aus drei ge- 
trennten abtheilungen, denen die drei oberst- lieutenants B r on- 
sart von Schellen dorf, von Verdy du Vernois und 
von Brandenstein vorstehen, wozu noch die felddruckerei 
kommt, im ganzen aus 87 personen, 93 pferden, 12 fahrzeu- 
gen. Daran reiht sich der general-inspecteur der artillerie, ge- 
neral der infanterie von Hindersin (1804 geboren, trat er 
1820 in die artillerie ein, der er sein ganzes leben gewidmet), 
der general-inspecteur des ingenieurcorps und der pio- 
n i e r e , beide mit ihren Stäben. Einen selbständigen theil des 
Hauptquartiers bildete ferner das mobile k ri egs min i st eriu m 
unter general der infanterie v. Roon, neben welchem die ge- 
neral-intendantur unter dem general -major v. Stosch fin- 
den rechtzeitigen ersatz sammtlicher ausrüstungs - bekleidungs- 
und verpflegungs - gegenstände der gesammten beere wirkte, mit 
dem f eld-ober-proviantamt der armee unter sich. Fer- 
ner stand selbständig da das feld-ober-postamt unter lei- 
tung des feld - oberpostmeisters Zschüschner , dessen dienst ein 
ungemein schwieriger und umfangreicher gewesen ist ; ebenso 
der chef der milit air- 1 e legrap hie mit seinen untergebenen, 
die Oberleitung der fr ei will ig en k ran keupf 1 ege. Getrennt 
von diesen behörden arbeitete das militair-cabinet des kö- 
nigs unter dem general -adjutanten general - lieutenant von 
Tresckow und unter diesem der oberst von Albedyll, 
versah ihre geschäf'te die general -und flügel-adjutantur, die er- 
stere bestehend aus zwei general adjutanten, den generalen der 



Nr. 4. Kleine philologische zeituug. 219 

infanterie von Boyen und von Tresckow, die andre aus 
sechs Stabsoffizieren; dazu das civil-cabinet unter dem ge- 
heimen cabinetsrath von W i 1 m o v s k i. Von allen diesen wie- 
derum gesondert stand das bundeskanzleramt unter dem 
bundeskanzler , minister- Präsidenten , general - lieutenant grafen, 
jetzt fürsten vo n Bi s m ar k-S chö nhau sen, der mit mehreren 
räthen und beamten die diplomatischen Verhandlungen und von 
dem kriegstheater aus die bundes - und Staats - angelegenheiten 
den intentionen des königs entsprechend leitete. Es gewährt diese 
kurze aufzählung schon einen einblick in die art und die masse 
der geschäfte, überhaupt in die ungeheure hier zu lösende auf- 
gäbe: eine ganz andre richtung dagegen nehmen die bescbäfti- 
gungen des unmittelbaren gefolges des königs, an dessen 
spitze der general - lieutenant ä la suite der armee , ober - Stall- 
meister und ober - hof - und haus - marschall grafPückler, und 
der oberst der kavallerie und hof-marschall graf von Perpon- 
cher-Sedlnitzki standen: ferner gehörten zu diesem ge- 
folge der hof-stallmeister von Rauch, der leibarzt geheime sa- 
nitäts-rath Dr von Lauer, der major a. d. und geheime hof- 
rath Borck und das unterpersonal, dazu noch die leib-gensdar- 
merie und reitende feldjäger. Daneben dient zur aufrechthal- 
tung der Ordnung dieser grossen masse so wie zur Sicherheit 
derselben die stabswache, eine aus allen regimentern zu- 
sammengesetzte truppe unter befehl des kommandanten des 
grossen hauptquartiers, major von Locquenghien, dem 
zur seite die feldpolizei unter der direction des gehei- 
men regierungsrath Dr Stieb er stand: sie verbindet die 
thätigkeit der feld - gensdarmerie der armee- corps mit der der 
ortspolizeibehörden und bildete demnach namentlich in Frank- 
reich einen eben so wichtigen als weitreichenden dienstzweig. 
Dieser ganze complex bestand bei der abfahrt des königs aus 
Berlin am 31. juli 1870 aus 981 personen , 782 pferden und 
84 fahrzeugen, welche sämmtlich in sechs getrennten eisenbahn- 
zügen an den Rhein befördert wurden ; da jedoch von diesen 
436 mann der stabswache angehören , reduzirt sich das eigent- 
lich wirkende personal auf 545 personen. 

Eine wirkliche geschichte dieses feldzuges würde eine 
gleiche Übersicht von der machtentfaltung Frankreichs zu geben 
haben, wozu die mittel nicht fehlen ; allein da es dazu hier an 
räum gebricht, da ferner wir nur unsern fachgenossen und be- 
sonders den mitkämpfern unter ihnen einen wo möglich gründ- 
lichen anhaltepunkt für ihre erlebnisse zu schaffen beabsichti- 
gen, so glauben wir dies unterlassen zu dürfen, würden dage- 
gen gern über den von Napoleon und seinen berathern ent- 
worfenen kriegsplai berichten , liesse sich über ihn nur et- 
was bestimmtes sagen : er ist auch in Frankreich ein geheim- 
niss geblieben. Und ob überhaupt ein bestimmter plan für 



220 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

dieseu feldzug entworfen war? Und wenn er existirt hat und 
aus der aufstellung der armee erschlossen werden darf, war er 
dann etwas anderes als eine verunglückte copie des unter ganz 
andern bedingungen entstandenen planes des preussischen feld- 
zugs von 1866? Denn die aufstellung der französischen unge- 
fähr 4 — 500000 mann starken armee von Saarlouis bis Beifort 
ergab doch eine sebr ausgedehnte , leicht durchbrechbare und 
daher schwache Operationsbasis: waren etwa die corps an der 
Saar bestimmt im verein mit der flotte und in Norddeutschland 
zu operiren, so war das zwar ganz gut ; aber die flotte ist doch nie 
kriegstiichtig gewesen. Und wozu die corps bei Beifort? etwa 
um auf Oesterreich einen druck auszuüben ? Mac Mahon bei 
Strassburg sollte ohne zweifei gegen Süddeutschland marschie- 
ren : aber seine macht stand doch ganz isolirt und durch den 
blossen aufmarsch der deutschen armee ward seine Stellung 
unhaltbar. Und wohin sollte die hauptarmee ihren hauptstoss 
richten? Oder hatte Napoleon gehofft, durch rasches vorwer- 
fen massirter corps an die grenzen zu imponiren , einzuschüch- 
tern, durch Überraschung das gewünschte zu erreichen? Gar bald 
sah er sich selbst überrascht: so, dass er von seinen truppenan- 
häufungen auch nicht den geringsten vortheil hatte, er sich auch 
aus der geträumten offensive gar bald in eine ungünstige defen- 
sive geworfen sah. Denn der rasche und gewaltige aufmarsch 
des kampfdurstigen gegners, Süddeutschlands anschluss, die völ- 
lige Unsicherheit über die bewegungen der deutschen armeen 
brachte schwanken in alle plane: den todesstoss erhielten sie 
aber durch die tage von Weissenburg, Wörth, Spickeren-, denn 
da offenbarte sich, dass die chassepots und mitrailleusen trotz 
ihrer belobten arbeit in Italien vor niederlagen nicht sicherten. 
Hatte schon vorher die poesie der Franzosen durch den krieg 
einen hohen flug eben nicht genommen — es mögen hier zu 
ihrer characterisirung aus einer hymne, le Rhin frangais betitelt, 
noch ein paar den Rhein als französischen ström preisende Stro- 
phen stehen: 

II est k nous le Rhin francais, 

Le canon vous crie : En arriere ! 

Plus de Prussiens ! et desormais 

Le Rhin francais c'est lä frontiere. 
Rentrez dans vos nids de hiboux 

De l'autre cöte* du rivage! 

La Prusse vous veut ä genoux 

Dans les hontes de l'esclavage. 
Ils oubliaient, ces conqu^rants, 

Dont la bände chez nous d'ecale, 

Cbarlemagne, empereur des Francs, 

Et Cologne, sa capitale — 
wie gesagt, war schon vor dem krieg der flug ihrer poesie kein 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 221 

hoher, jetzt verstummte sie völlig. Wie ganz anders gestaltete 
sich dagegen die Stimmung im deutschen heere , im deutschen 
volke : der feind gerüstet an der grenze und — kam nicht in 
das land: der feind musste im ersten anlauf uns ja schlagen 
und — mit welch' blutigem köpfe ward er heimgeschickt ! Was 
im beer, im volk der stille wünsch war — es muss Paris er- 
obert werden , das trat jetzt laut mit Zuversicht hervor und 
man erkannte deshalb, dass darauf es auch die Oberleitung ab- 
gesehen hatte. Als operationsbasis war — das sah man schon 
jetzt und die folge hat es bestätigt — die strecke von Kob- 
lenz bis Rastatt genommen ; nach maassgabe der Stellung des 
feindes, musste der südarmee zunächst die aufgäbe werden, ihm 
die möglicherweise endlose rückzugslinie nach dem süden abzu- 
schneiden; daher also der Vormarsch des linken flügels, daher das 
überschreiten der grenze bei der Lauter, daher die grosse der 
eutscheidung durch die siege bei Weissenburg und Wörth — 
Mac Mahon musste nach Nanzig und dem norden, vom süden 
war er abgedrängt , der rückzug dahin ihm versperrt. Aber 
gleichzeitig mit dem linken hatte auch der rechte flügel, also die 
erste armee sich in bewegung gesetzt, um auf gleiche höhe mit 
dem linken zu kommen , da sie nach dem kriegsschauplatz län- 
gere märsche als jene zurückzulegen hatte. Diese I. armee 
darf man übrigens nicht hinsichtlich ihrer strategischen bedeu- 
tung mit der dritten auf gleiche stufe stellen; denn die letztere 
war, wie ihre grosse schon verräth , auf selbständiges operiren 
angewiesen, die erste dagegen auf Unterordnung ihrer bewegun- 
gen unter die zweite, von welcher sie, die erste, nur wegen 
vermeidens schwerfälliger bewegung und um der erleichterung 
der Verpflegung willen losgetrennt war; bei der action selbst 
aber sollte sie die massenkraft der II. armee erhöhen, sich also 
an sie eng anschliessen, schon von wegen des strategischen grund- 
satzes , die grösstmöglichen massen so schnell als möglieb auf 
den entscheidenden punkt zu werfen. Demgemäss hatte könig 
Wilhelm angeordnet, dass die erste armee an der Saar der art 
mit dem rechten flügel der IL armee zusammenzutreffen habe, 
dass ein gegenseitiges taktisches zusammenwirken eintreten könne. 
Der sieg bei Weissenburg änderte zwar an dieser disposition 
nichts: aber da man annehmen durfte, dass in folge unseres 
siegs der feind bei dem heranrücken der I. und IL armee seine 
Stellung bei Saarbrücken und Forbach als eine zu weit vorge- 
schobene erkennen, sie also aufgeben und sich seinen reserven 
in Metz nähern würde, sollte am 7. augnst, trotzdem dass noch 
einzelne Corps zurück waren, ein vorstoss von Saargemünd aus 
erfolgen , der in verein mit der I. armee möglicher weise zu 
einer vollen Umfassung Frossard's führen konnte: am 6. augnst 
beabsichtigte man also nicht die Saar zu überschreiten. Aber 
dieser so wohl durchdachte, den Verhältnissen völlig entsprechende 



222 Kleine philologische zeituug. Nr. 4. 

plan ward durch den glänzenden sieg bei Spicheren verei- 
telt. Wie war das möglich ? Es ist schon eine aus der alten 
geschichte bekannte erfahrung, dass, stehen kampfbereit feind- 
liche heere sich nahe, nur zu leicht auch gegen den willen der 
Oberleitung ein zusammenstoss erfolgt : das bestätigt sich auch 
jetzt. Denn die generale, aufgeregt durch Weissenburg und be- 
sorgend der feind könne ohne Verlust von der Saar, ohne re- 
vanche für Saarbrücken abziehen — eben so die truppen, ohne- 
dem schon tag für tag in der hoffnung an den feind zu kom- 
men getäuscht , gingen , da sie die Franzosen in Saarbrücken 
nicht fanden, ohne sich zu bedenken über die Saar und griffen 
mit ungestüm an: die corps - commandanten, ohne zweifei wie 
der Oberbefehlshaber der I. armee selbst , mit einer gewissen 
freiheit im handeln betraut, wahrscheinlich auch in folge der für 
den fall eines Zusammentreffens mit dem feinde erhaltenen In- 
structionen , hielten den angriff nicht auf, konnten ihn bei 
ihrer ankunft auf dem Schlachtfeld auch nicht mehr aufhalten 
— so ward ein gewaltiger sieg errungen, der einzige, welcher 
in diesem kriege auf deutschem boden errungen worden. 
Der erfolg war auch hier wie bei Wörth von der grössten 
tragweite: das corps Frossard's zertrümmert und so gut wie 
aufgelös't — auf nebenwegen floh es nach Metz — , sein verlust 
bei weitem grösser als der Mac Mahon's und somit gewaltig, 
der nimbus des französischen heeres den Deutschen gegenüber 
durch einen tag für immer zerstört, die grenzen unsers deutschen 
Vaterlands gesichert und wie man jetzt ohne anmassung sich 
sagen durfte für die zukunft durch vorrücken bis zu ihrer von 
der natur gewiesenen stelle von langjährigem drucke befreit — 
solche erfolge, wenn gleich durch schmerzlichste Verluste er- 
kauft, konnten nicht anders als die oben geschilderte begeiste- 
rung in Deutschland in hellsten flammen wohlthuend auflodern 
lassen! Aber ruhe gönnte sich niemand: wie die bewohuer 
Saarbrückens und der umgend, ihrer pflicht als deutsche män- 
ner, als deutsche frauen eingedenk, schon während der schlacht 
die ernsteste gefahr nicht scheuten um den erschöpften und 
verwundeten und sterbenden erfrischungen und hülfe und trost 
so viel sie nur konnten zu spenden , wie dieselben auch nach 
der schlacht in wahrhaft liebesthätiger hingebung kommenden 
geschlechtern zum erhabensten muster barmherzigkeit übten und 
die schrecken des kriegs zu mildern bedacht waren: wie hier 
und im Elsass die Johanniter und die anderweitige freiwillige 
krankenpflege , wie die vom Staat errichteten lazarethe nebst 
ihrem personale in unausgesetzter thätigkeit das mögliche lei- 
steten — so auch das heer : denn wenn auch die cavallerie die 
nachhaltigste Verfolgung übernahm , zunächst die einzelnen re- 
gimenter der divisions - cavallerie in verein mit einzelnen rei- 
tenden batterien, um die taktischen vortheile auszubeuten, dann 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 223 

aber besouclers die jetzt erst vorgezogeneu cavallerie - di Visionen 
zur strategischen verwerthung der siege, so blieb die infanterie 
doch Dicht zurück , hatte aber den vortheil , ohne Überstürzung 
und eilende hast ihre märsche machen zu können. So geschah 
es denn, dass auch die in der nähe — freilich in viel zu geringer 
stärke — stehende intact gebliebene französische infanterie die 
bei Spichern und Wörth gebrochene nicht zum stehen brachte, 
dass daher Mac Mahon eben so wenig im stände war , die zur 
vertheidigung so vortrefflichen Vogesenpässe zu halten, als Fros- 
sard oder Bazaine das eben erst befestigte St. Avold oder die 
so günstige Stellung an der Nied. Bei uns dagegen ging es 
überall fröhlich vorwärts: am 7. august nahm wie im fluge die 
badensche reiterei die ehemalige deutsche reichsstadt Hagenau 
in besitz , Werder's corps rückte gegen Strassburg, der kron- 
prinz auf Nanzig ' zu : die I. armee machte bei Forbach , die 
II. bei Saargemünd reiche, kostbare beute, besonders in dem für 
das vorrücken so wichtigen eisenbahnrnaterial, und gingen beide 
rasch, wie die orte der hauptquartiere erkennen lassen, auf 
Metz los , vor dessen mauern sie schon am 1 2. august stehen ; 
am selben tage erscheint die cavallerie der III. armee vor Nan- 
zig. Welcher fortschritt in sechs tagen! Die massen der drei 
deutschen armeen hatte sich am westfusse der Vogesen verei- 
nigt und konnten mit ihrer ganzen macht über die kaiserliche 
armee herfallen : am 6. august 1806 hatte kaiser Franz von 
Franzosen bezwungen die kröne des heiligen römischen reichs 
deutscher nation niedergelegt: vom 6. august 1870 dürfen wir 
jetzt hoffen dass dereinst die Wiedergeburt des selbständigen 
deutschen reichs in folge deutscher siege über die Franzosen 
datirt werde. Aber wird so rasch vorgegangen und muss da- 
bei immer und in harten kämpfen gesiegt werden , so darf die 
Verpflegung der armee nichts versäumen : da aber während des 
aufmarsches proviant-colonnen die eisenbahnen wegen beförde- 
rung der armee überall nicht beförderten, da ferner die armee 
schon vor Vollendung des aufmarsches ihre Operationen mit ei- 
nem rapiden und siegreichen Vormarsch im feindesland begann, 
so wurden die proviantzüge , die anfang augusts noch in den 
heimathlichen provinzen entweder auf eisenbahnbeförderung war- 
teten , oder mit wagen und pferden sich gemüthlich vorwärts 
bewegten, von der armee gänzlich getrennt: wie war diese also 
mit reichlichem verpflegungsvorrath zu versehen, da die bayerische 
Pfalz, durch welche die hauptmassen sich bewegten , eben so 
wenig wie die Rheinprovinz die nöthigen hülfsquellen für die 
verflegung zu bieten vermochte , obendrein Belgien und die 
Niederlande als neutrale schon ausfuhrverbote erlassen hatten? 
Doch es musste rath geschafft werden und er ward geschafft. 
Denn es wurden sofort provisorische fuhrparks theils im 
wege der ermiethung, theils im wege der requisition organisirt, 



224 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

diese in wenigen tagen disponibeln fuhrwerke , vermehrt durch 
einzelnen truppentheilen entnommene vorspannwagen, den corps- 
commando's überwiesen und diese autorisirt zur füllung der 
wagen im eigenen dislocationsbezirke zu jedem preise aufkau- 
fen zu lassen : dies bat genügenden erfolg gehabt, zumal als die 
in Forbach und Saargemünd erbeuteten reichen vorräthe an ver- 
pflegungsmitteln aller art auszuhelfen anfingen. War so für das 
materielle bedürfniss gesorgt, blieb auch das höhere nicht unbe- 
achtet •, denn aus dem bauptquartier zu Homburg erliess am 8. 
august der könig folgenden armeebefehl : 

Soldaten! Die Verfolgung des nach blutigen kämpfen zurückge- 
drängten feindes hat bereits einen grossen theil unserer armee über die 
gränze geführt. Mehrere corps werden heute und morgen den fran- 
zösischen boden betreten. Ich erwarte, dass die mannszucht, durch 
welche ihr euch bisher ausgezeichnet habt, sich auch besonders 
auf feindlichem gebiete bewähren werde. 

Wir führen keinen krieg gegen die friedlichen bewohner des 
landes ; es- ist vielmehr die pflicht jedes ehrliebenden Soldaten, das 
privateigenthum zu schützen und nicht zu dulden, dass der gute 
ruf unseres heeres auch nur durch einzelne beispiele von zuchtlo- 
sigkeit angetastet werde. Ich baue auf den guten geist, der die 
armee beseelt, zugleich aber auch auf die strenge und umsieht al- 
ler führer. 

gez. Wilhelm. 

Der befehl fand schon wegen der Verehrung und liebe zum 
könig , dann auch wegen der gehobenen Stimmung der truppen 
überall eingang: die grenze ward mit dem gesang „heil unserm 
könig heil" überschritten, unter patriotischen gesängen in Saar- 
gemünd und andern französischen Städten und Ortschaften ein- 
gezogen, und dies obwohl jeder wusste, wie die schwerste ar- 
beit und mühsal noch zu überwinden sei, nämlich die haupt- 
macht der mit gewaltiger tapferkeit kämpfenden Franzosen zu 
brechen. Aber das so feste vertrauen auf unsere gerechte Sa- 
che war durch die glänzenden erfolge am 6. august ein uner- 
schütterliches geworden: wie sie in allen kreisen dasselbe ge- 
leistet haben, beweist ein theil der im folgenden mitgetheilten 
telegramme : vor die chronik selbst stellen wir aber ein paar 
Zeugnisse, welche hier passend dazu dienen dürften, den anfang 
des kriegs sich nochmals zu vergegenwärtigen. 

30. Juli. Das Journal de Bruxelles veröffentlicht folgen- 
den brief des pabstes an den könig von Proussen zugleich mit 
dessen antwort: da dieselben, freilich aus dieser quelle, der 
preussische Staatsanzeiger veröffentlicht, darf mau ihre authenti- 
cität wohl nicht bezweifeln. Das schreiben des pabstes lautet: 

„Majestät! Unter den ernsten umständen, worin wir uns befin- 
den, wird es Ihnen vielleicht ungewöhnlich erscheinen, von mir einen 
brief zu empfangen, aber als Stellvertreter des Gottes des friedens auf 
erden glaube ich nicht weniger thun zu können , als Ihnen meine 
Vermittlung anzubieten. Mein wünsch ist, die kriegsvorbereitungeu 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 225 

verschwinden zu sehen und die übel, welche die unvermeidliche folge 
davon sind, zu verhindern. Meine Vermittelung ist die eines souve- 
rains, der in seiner eigenschaft als regent wegen der kleinheit seines 
gebietes keine eifersucht einflössen kann, der aber gleicbwohl durch 
den moralischen und religiösen einfluss, den er personifizirt, vertrauen 
einflössen wird. Möge Gott meine wünsche erhören und auch die, 
welche ich für Ew. Majestät hege , mit welcher ich wünsche, durch 
die bände derselben christenliebe vereinigt zu sein. 

Pius R. P. IX. 

Aus dem Vatikan, am 22. Juli 1870. 

Nachschrift. Ich habe gleichfalls an Se. Majestät den kaiser 
der Franzosen geschrieben". 

Darauf antworte Se. Majestät der könig: 

Berlin, 30. juli 1870. Sehr erhabener Pabst! Ich war 
nicht erstaunt, sondern tief bewegt , als ich die von Ihrer hand auf- 
gezeichneten rührenden worte las, um mich die stimme des Gottes des 
Friedens hören zu lassen. Wie könnte mein herz einen so mächtigen 
ruf nicht hören! Gott ist mein zeuge, dass weder ich noch mein 
volk den krieg gewünscht oder hervorgerufen haben. Indem wir den 
geheiligten pflichten, welche Gott den souverainen und den nationen 
auflegt, gehorchen, ergreifen wir das schwert, um die Unabhängigkeit 
und die ehre des Vaterlandes zu vertheidigen, und wir werden immer 
bereit sein, es niederzulegen, sobald diese guter bewahrt sein kön- 
nen. Wenn Ew. Heiligkeit mir von seiten dessen, welcher den krieg 
so unvermuthet erklärt hat, die Versicherung aufrichtig friedlicher 
gesinnungen und bürgschaften gegen die rückkehr eines ähnlichen 
angriffes auf den frieden und die ruhe Europas geben könnten , so 
würde ich sicher mich nicht weigern, sie aus den verehrungswürdigen 
händen Ew. Heiligkeit zu empfangen , mit der ich durch die bände 
der christlichen liebe und einer aufrichtigen freundschaft verbunden 
bin. Wilhelm. 

7. August. Dem Oberbürgermeister Burscher ist folgendes 
telegramm des königs von Bayern zugegangen: 

Schloss Berg, 7. aug. 1870. Herr bürgermeister von Stettin. Ich 
sage den bürgern von Stettin, welche heute ein huldigungs- tele- 
gramm an mich gerichtet, für die bekundete aufmerksamkeit freund- 
lichen dank. Es gereicht mir zum gerechten stolze , dass meine bra- 
ven truppen an der seite ihrer kameraden aus süd und nord den sieg 
mit erringen helfen. Hoch lebe das glorreiche haus der Hohenzollern. 

Ludwig. 

8. August. Die kavallerie der badischen division geht bis 
unter die thore Strassburgs vor und zerstört die eisenbahn und 
die telegrapbenlinien nach Lyon. 

— — Der könig von Bayern erlässt an den GL. von 
Hartmann folgendes telegramm : 

Mit freudigstem stolze erfüllen mich die glänzenden waffenthaten, 
an denen auch mein wackeres zweites armeekorps so ruhmreichen 
antheil hat. Sagen sie all den tapferD meinen königlichen gruss und 
herzlichen dank. Stündlich bin ich im geiste bei meinen braven 
truppen. Ludwig. 

— — Auf folgenden telegraphischen gruss der Concordia- 
gesellschaft in Barmen an den könig von Bayern: 

Ew. Majestät , dem entschlossenen treuen mitkämpfer gegen 
Philol. Anz. IH. 15 



226 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

französischen frevelmuth, entsenden die bürger der stadt Barmen bei 
anlass der gemeinsamen siege dank, ehrerbietung und gruss! 
erfolgte an den Oberbürgermeister von Barmen folgendes tele- 
gramm : 

Ich entsende den bürgern Barmens für die begrüssende kundgäbe 
ihres patriotischen sinnes wärmsten dank. Mein herz wird stets für 
deutsches recht und deutsche ehre glühen. 

Ludwig. 

— — An den vorstand des hülfsvereins für verwundete 
zu Bremen. Berlin. 8. august. 

In gegenwart Ihrer Majestät der königin, welche diese zeilen 
mit unterzeichnet, in unserer heutigen sitzuug von den grossen bre- 
mer Sendungen an unsere hauptdepots unterrichtet, sprechen wir, in 
Übereinstimmung mit Allerhöchstderselben, den innigsten und wärm- 
sten dank für die opferwilligkeit und hingebung aus, von welchen 
Bremen aufs neue so reiche beweise giebt. Gott segne unser deut- 
sches Vaterland und gebe ihm dauernden frieden! 

(gez.) Augusta. 

Das central - comite der deutschen vereine zur pflege im felde 
verwundeter und erkrankter krieger. 

(gez.) R. v. Sydow. 

9. August. Depesche an general von Hanenfeld: Saar- 
brücken, 9. aug. , 11. uhr 45 min. nachts. Das gefecht vom 
6. august bei Spicheren unweit Saarbrücken hat grössere dimen- 
sionen und resultate gehabt, als bisher bekannt gewesen. Das 
französische korps Frossard ist in demselben fast 
gänzlich aufgelöst worden. Die Verluste desselben an 
todten und verwundeten sind ausserordentlich bedeutend. Das 
lager einer division und verschiedene bedeutende magazine sind 
genommen; ausserdem eine sehr grosse anzahl gefangene einge- 
bracht, deren zahl sich noch täglich vermehrt. Bis jetzt bereits über 
2000. Aber auch der diesseitige verlust bedeutend. Bei der 
5. division allein circa 1800 mann. Die französische ar- 
mee weicht auf allen punkten zurück. — St. Avold 
von diesseitigen truppen besetzt. — Patrouillen streifen bis 
2 meilen von Metz. Sonst am 9. bis jetzt nichts von belang 
gemeldet. v. Podbielsky. 

10. August. Depesche an general von Hanenfeld: Saar- 
brücken, 10. aug. abends 10 uhr 14 min.: die französische ar- 
mee setzt ihren rückzug gegen die Mosel auf allen punkten 
fort. Von sämmtlichen preussischen armeen folgt die kavalle- 
rie ihr auf dem fusse. Die Saarunion, Gross-Tenquin, Faulque- 
mont, Fouling, Les Etangs ist von der kavallerie bereits über- 
schritten. — Grosse vorrathe von lebensmitteln, zwei ponton-ko- 
lonnen, mehrere eisenbahn -trains sind in unsere häude gefallen. 
— Die kleine festung Lützelstein (La petite Pierre) in den 
Vogesen ist vom feinde geräumt, unter zuiücklassung von ge- 
schützen und vorräthen. 

v. Verdy. 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 227 

10. August. Telegramm des königs von Preussen auf den 
glückwunsch des königs von Wiirtemberg: 

Ich danke Dir herzlich für Deine th eilnahm e an unsern siegen 
und freue mich des ehrenvollen tüeils, den Deine braven truppen 
nehmen. Möge Gott uns ferner beistehen! 

— — Telegramm des königs von Preussen auf den glück- 
wunsch des königs von Bayern : 

Aus tiefstem herzen meinen innigsten und aufrichstigsten dank 
für Ew. Majestät glückwunsch -telegramm. Unser gutes recht wird 
immer siegen; denn für eine heilige sache zogen unsre truppen ins 
feld. 

— — Telegramm des königs von Würtemberg an GL. 
von Obernitz : 

Nachrichten von der division gestern abend erhalten. Danke 
Gott für den siegreichen erfolg, danke Ihnen und den truppen, die 
sich so tapfer geschlagen. Ehre dem andenken der für das vaterland 
gefallenen ! 

11. August. Königliches hauptquartier in St. Avold. 

— — Proclamation des königs von Preussen an das fran- 
zösische volk. Sie lautet: 

Nous Guillaume, roi de Prusse, faisons savoir ce qui suit aux 
habitants des territoires francais occupes par les armees allemandes. 
L'empereur Napoleon ayant attaque par terre et par mer la nation 
allemande, qui desirait et desire encore vivre en paix avec le peu- 
ple francais, j'ai pris le commandement des armees allemandes 
pour repousser l'agression et j'ai ete amene par les evenements 
militaires a passer les frontieres de la France. Je fais la guerre aux 
soldats et non aux citoyens francais. Ceux-ci continueront par con- 
sequent , a jouir d'une se'curite pour leurs personnes et leurs biens, 
aussi longtemps, qu'ils ne me priveront pas eux-memes par des entre- 
prises hostiles contre les troupes allemandes du droit de leur accor- 
der ma protection. Les generaux commandants des differents corps 
determineront par des dispositions speciales qui seront portees ä la 
connaissance du public les mesures ä prendre envers les communes 
ou les personnes qui se mettraient en contradiction avec les usages 
de la guerre, ils regleront de la meme maniere, tout ce qui se rap- 
porte aux requisitions , qui seront jugees necessaires pour les besoins 
des troupes et ils fixeront la difference du cours entre les valeurs 
allemande et francaises, afin de iaciliter les transactions individuelles 
entre les troupes et les habitants. Guillaume. 

— — Der kronprinz von Preussen dankt im namen des 
königs von Preussen und der verbündeten fürsten in einem 
armeebefehl der III. armee für deren bei Weissen bürg und Wörth 
bewiesene tapferkeit. Er lautet : 

Soldaten der dritten armee! Nachdem wir mit dem siegreichen 
gefecht von Weissenburg die französische gränze überschritten und 
darauf durch den herrlichen sieg von Wörth den feind gezwungen 
haben , den Elsass zu räumen , sind wir heute bereits über das ge- 
birge der Vogesen hinaus weit nach Frankreich eingedrungen und 
haben die Verbindung mit der 1. und 2. armee erreicht, vor deren 
erfolg der feind ebenfalls weichen musste. Eurer bewunderungswür- 
digen tapferkeit und hingebung, Eurer ausdauer im ertragen aller 
Schwierigkeiten und anstrengungen verdanken wir die bedeutungsvol- 

15* 



228 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

len ereignisse. Ich danke euch im Namen des königs von Preussen, 
unsers oberfeldherrn, so wie in dem der verbündeten deutschen für- 
sten, und ich bin stolz, mich an der spitze eines beeres zu befinden, 
welchem der feind bisher nicht stand zu halten vermochte und auf 
dessen thaten unser deutsches vaterlandmit bewunderung blickt. — 
Hauptquartier Petersbach am fusse der Vogesen, am 11. august 1870. 
Der Oberbefehlshaber der dritten arniee. 
(gez.) Friedrich Wilhelm, kronprinz von Preussen. 

11. aug. Bekanntmachung des finanzministers Camphausen 
über zollfreie einfuhr von waaren in die von den deutschen 
heeren besetzten theile Frankreichs. 

— — In Frankreich wird das am 10. august angenom- 
mene gesetz, betreffend die Vermehrung der Streitkräfte, pub'icirt. 

— — Lord Granville erlässt zur wiederlegung der von 
deutscher seite vorgebrachten beschwerden wegen angeblich ein- 
seitig beobachteter neutralität eine circulardepesche an die Ver- 
treter Grossbritanniens im auslände. 

— — Aus Hagen wird in einem gesellschaftlichen kreise 
folgendes glückwunschtelegramm an den könig von Würtem- 
berg gerichtet: 

Dem deutschen fürsten und dessen tapfern truppen entbieten viele 
söhne der rothen erde deutschen gruss und glückwunsch. Heil dem 
theuren einigen vaterlande! 

Im auftrage : E. M ü n c h. 

Auf dieses telegramm erfolgte folgende telegraphische ant- 
wort : 

Stuttgart, den 10. aug. um 1 uhr 25 min. 

Eduard Münch, Hagen, Westfalen. 
Danke für herzliche glückwünsche ; möchte Gott auch ferner den 
deutschen waffen seinen gnädigen schätz verleihen. 

Carl, könig von Würtemberg. 

12. August. Proklamation des königs von Preussen , die 
abschaffung der konscription in dem durch deutsche truppen 
besetzten gebiet betreffend. Sie lautet: 

Art. 1er. La conscription est abolie dans toute Fetendue du ter- 
ritoire fran9ais occupe par les troupes allemandes. 

Art. 2eme. Les agents des autorites civiles qui contreviendraient 
a la disposition conteuue dans l'article pre'ce'deut , soit en ope'rant 
ou en facilitant le tirage des conscrits, soit en les engageant a s'y 
soumettre ou en leur delivrant des ordres de de'part ou par tout autre 
moyen quel qu'il soit, seront destitues de leurs fonctions et detenus 
en Allemagne jusqu'ä ce qu'il soit statue ulterieurement sur leur mise 
en libeite'. 

Art. Seme. Les generaux commandant les differents corps des ar- 
mees allemandes sont charges de veiller ä l'execution du present 
decret qui acquerra force de loi pour chaque departeinent occupe par 
les troupes allemandes aussitöt qu'il sera affiche dans une des locali- 
te"s qui en fönt partie. 

Donne ä notre quartier geue'ral de St. Avold, 

le 13. aoüt 1870. 

Guillaume. 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 229 

12. aug. Die Proklamation der Oberbefehlshaber der ar- 
meen lautet : 

Nous, Guillaurue Roi de Prusse, 
avons arrete et arretons ce qui suit: 

Proclamation. 

Nous, General commandant la armee allemande 

vu la proclamation de Sa Majeste le Roi de Prusse , qui autorise les 
Generaux commandant en chef les difterents corps de l'armee al- 
lemande ä etablir des dispositions speciales 

relativement aux mesures a prendre contre les communes et les 
personnes qui se mettraient en contradiction avec les usages de la 
guerre, 

relativement aux requisitions qui seront juge'es necessaires pour 
les besoins des troupes, et 

de fixer la difference du cours entre les valeurs allemande et 
francaise, 

avons arrete et arretons les dispositions suivantes que nous por- 
tons ä la connaissance du public. 

1) La juridiction militaire est etablie par la presente. Elle sera 
appliquee dans toute l'e'tendue du territoire francais occupe par les 
troupes allemandes a toute action tendante a compromettre la secu- 
rite de ces troupes, ä leur causser des dommages ou ä preter assi- 
stance a l'ennemi. La juridiction militaire sera reputee en vigueur 
et proclamee pour toute Fetendue d'un canton , aussitöt qu'elle sera 
affichee dans une des localite's qui en fönt partie. 

2) Toutes les personnes, qui ne fönt pas partie de l'armee fran- 
caise et n'etabliront pas leur qualite de soldat par des signes exte- 
rieurs et qui 

a. serviront l'ennemi en qualite d'espions, 

b. egareront les troupes allemandes quand elles seront chargdes 
de leur servir de guides. 

c.tueront, blesseront ou pilleront des personnes appartenant aux 
troupes allemandes ou faisant partie de leur suite, 

d. detruiront des ponts ou des canaux, endommageront les lignes 
telegrapbiques ou les chemins de fer, rendront les routes impratica- 
bles, incendieront des munitions, des provisions de guerre, ou les 
quartiers de troupes, 

e. prendront les armes contre les troupes allemandes, 
seront punis de la peine de mort. 

Dans chaque cas l'officier ordonnant la procedure instituera un 
conseil de guerre charge d'instruire l'affaire et de prononcer le juge- 
ment. Les conseils de guerre ne pourront condamner ä une autre 
peine qu'a la peine de mort. Leurs jugements seront executes im- 
mediatement. 

3) Les communes auxquelles les coupables appartiendront , ainsi 
que Celles dont le territoire aura servi a l'action incriminee, seront 
passibles dans chaque cas d'une amende egale au montant annuel 
de leur impot foncier. 

4) Les habitants auront a fournir ce qui est necessaire pour l'en- 
tretien des troupes. Chaque soldat recevra par jour 

750 grammes de pain. 
500 » de viande, 
250 » de lard, 

30 > de cafe, * 

60 » de tabac 

ou 5 cigarea, 



230 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

V 2 Htre de vin 

ou 1 litre de biere, 
ou Vio l^re d'eau de vie. 
La ration ä livrer par jour pour chaque cheval sera de 
6 kilos d'avoine, 
2 » de foiu, 
l'/a * de paille. 
Pour les cas oü les habitants prefereront une indemnite en ar- 
gent ä l'entretien en nature , l'indeninite est fixee ä deux francs 
par jour pour chaque soldat. 

5) Tous les commandants de corps detaches aurout le droit d'ordon- 
ner la requisiton de fournitures necessaires ä l'entretien de leurs trou- 
pes. La requisition d'autres fournitures jugees indispensables dans 
l'interet de l'armee ne pourra etre ordonnee que par les generaux et 
les officiers faisant fonctions de generaux. 

Sous tous les rapports, il ne sera exige des habitants que ce qui 
est necessaire pour l'entretien des troupes et il sera delivre des re- 
cus of'fieiels pour toutes les fournitures. 

Nous esperons en consequence que les habitants ne feront aucune 
difficulte de satisfaire aux requisitions qui seront jugees indispensables. 

6) A l'egard des transactions individuelles entre les troupes et 
les habitants , nous arretons que 8 silbergros ou 28 kreuzer äquiva- 
lent a 1 franc. 

Le General commandant en chef de la armee allemande. 

12. aug. Antwort des königs auf die vom provinzialstän- 
dischen verwaltungsausschnss und dem landesdirectorium der 
provinz Hannover übersandte adresse : 

Aus der adresse, welche die mitglieder des provinzialständischen 
Verwaltungsausschusses und die mitglieder des landes - directoriums 
unter dem 30. v. m. an Mich gerichtet, habe Ich mit genugthuung er- 
sehen, welche gefühle alle herzen der provinz Hannover in dieser ern- 
sten, drangvollen zeit beseelen und sage ihnen für den warmen aus- 
druck, den sie denselben gegeben haben, Meinen dank. Die gewiss- 
heit, dass der geist, der in den befreiungskriegen ihre väter zu gro- 
ssen thaten getrieben , jetzt auch deren söhne , wie die gesammte 
deutsche nation durchdringt, hebt Meinen muth und stärkt Mein ver- 
trauen, dass Gott der herr, der uns in dem kaum begonnenen kämpfe 
bereits einige glänzende siege verliehen hat, unserer gerechten sache 
auch ferner gnädig beistehen und den im aufblick auf Ihn unfreiwil- 
lig unternommenen krieg herrlich hinausführen werde. 

H. Q. St. Avold, 12, aug. 1870. (gez.) Wilhelm. 

— — Cirkular-erlass des staats-secretärs v. Thile an die 
gesandten bei den süddeutschen höfen, die von dem herzöge 
von Gramont in einer depesche vom 3. d. m. ausgesprochene 
unwahre behauptung betreffend, graf von Bismarck hätte be- 
fürchtungen vor einer eventuellen allianz der süddeutschen Staa- 
ten mit Oesterreich geäussert. 

— — Der am 11. august vom gesetzgebenden körper 
Frankreichs angenommene antrag auf reoiganisirung der natio- 
nalgarde , so wie die von demselben gleichzeitig genehmigten 
gesetzentwürfe betreffend die erhöhung des kriegskredits auf 
1000 roillionen fr. und einführung des zwangkurses für bank- 
billets weiden publicirt. 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 231 

12. aug. Marschall Bazaine wird zum Oberbefehlshaber der 
Rheinarmee, general Trocbu zum general en cbef eines bei Cba- 
lons zu bildenden 12. französischen corps, general Viooy zum 
general en chef eines bei Paris zu formirenden 13. corps er- 
nannt. General Leboeuf wird als generalstabschef entlassen. 

— — Eine französische panzerflotte erscheint bei Helgoland. 

— — Der minister Chevreau theilt dem französischen gesetz- 
gebenden körper mit , dass die regierung anstalten treffe , alle 
deutschen unterthanen von dem französischen boden zu ver- 
treiben. 

— — Aus Marienburg in Ostpreussen ist folgendes tele- 
gramm nach München gesandt : 

Die treuen deutschen brüder an der Ostsee in Marienburg brin- 
gen ein donnerndes hoch den tapferen bayerischen waffengefährten. 

— — General - gouverneur Vogel von Falckenstein inspi- 
cirt die in Kiel und weiter nördlich angelegten befestigungsan- 
Stalten. 

— — Ueberall in Deutschland sind vereine thatig, um 
die leiden der im felde stehenden armeen zu lindern. Als be- 
leg diene einer der in Göttingen erlassenen aufrufe. Er lautet: 

Um der grossen noth an lebensmitteln und erfriscbungen in den 
lazarethen zu Saarbrücken und Saarlouis abzuhelfen, werden ausser- 
ordentliche beitrage an gelde entgegengenommen 

auf dem ratbhause, stadtsyndicus Merkel, 
sowie bei den mitgliedern des 

Vereins zur pflege verwundeter iind erkrankter krieger: 
Ober-medicinalrath Baum, hofrath Bertheau, kammerherr von Boden- 
hausen, Dr. Ellissen, geb. hofrath Hasse, conrector Dr. Hummel, buch- 
druckereibesitzer Huth, general- Superintendent Hildebrand, sanitäts- 
rath Langenbeck , professor Lohmeyer, Dr. Mithoff, kreishauptmann 
Graf von Pfeil, kaufmann Georg Quentin , geh. justizratb Ribbentrop, 
hofrath Th'öl prorector, prof. Sartorius von Waltershausen, getreide- 

händler Wolters, universitäts - curator Dr. von Warnstedt: 
und den mitgliedern des 

Frauen-vereins zur pflege im felde verwundeter und erkrankter 

krieger : 
Baum. A. Deuerlich. Sophie Hasse. J. Hildebrand. E. Huth. Le 
Bauld de Nans. L. Laporte. S. Merkel. B. Meyerstein. M. Rei- 
temeyer. E. Sauppe. J. Schmidt. A. Schweigger. M. Seckel. E. 
Thiil. E. S. v. Waltershausen. A. v. Warnstedt. M. Wolters. M. 
Wüstefeld. C. Wunderlich. 
Göttingen, 11. aug. 1870. 

13. August. Königliches hauptquartier in Foulquemont, 
(5 meilen von Metz). Der könig mit der engeren militäri- 
schen begleitung weilt im schloss Herny (4 ml. von Metz). 

13. august. Die deutsche kavallerie zerstört nördlich von 
Nancy die eisenbahn bei Frouard (auf dem linken Moselufer). 

— — Drei kleine siegreiche gefechte der badischen divi- 
sion vor Strassburg. — Nancy vom feinde geräumt. 

— Der kommandant der vor Helgoland kreuzenden fran- 



232 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

zösischen escadre , vize - admiral Fourichon, benachrichtigt den 
gouverneur der insel sowie den britischen konsul in Cuxha- 
ven, dass die deutsche Nordseeküste von Baltrum (westlich von 
Norderney) südwärts vom 15. august ab in blockadezustand er- 
klärt wird. 

13. August. General - lieutenant von Werder wird zum 
ober-befehlshaber eines bei Hagenau zu konzentrirenden trup- 
pencorps ernannt. 

14. August. Siegreiches gefecht bei Pange gegen die corps 
Decaen (3.), Frossard (2.) und l'Admirault (4.), später die 
Schlacht bei Vionville genanut. Die Franzosen räumen das 
rechte Moselufer und werden bis hinter die festungs werke von 
Metz zurückgetrieben. 

— — Depesche des königs an die königin : 

Henry, sonntag 14 august. Siegreiches gefecht bei Metz durch 
truppen des VII. und I. armee-korps. Details fehlen noch. — Ich 
begebe mich auf das Schlachtfeld. 

Wilhelm. 

— — Preussische recognoszirung gegen Toul; die festung 
wird zur übergäbe aufgefordert. 

— — Renkontre badischer Vorposten mit der Strassburger 
besatzung bei Stassburg. 

— — Der senat der Stadt Hamburg macht folgende blo- 
kade-notification der Franzosen bekannt: 

Notification de Blocus. 
Nous soussigne Vice-Amiral Commandant en chef des forces na- 
vales de S. M. l'Empereur des Francais dans la Mer du Nord vu 
l'etat de guerre existant entre la France et la Prusse , ainsi que les 
e"tats de la confederation de l'Allemagne du Nord, agissant en vertu 
des pouvoirs qui nous appartiennent, 

Declarons 
qu'ä partir du 15. aoüt 1870 le litteral de la Prusse et de la confe- 
deration de l'Allemagne du Nord s'etendant de File Baltrum au nord 
de l'Eider, avec ses ports, fleuves, havres, rades et criques, est tenu 
en etat de blocus effectif par les forces navales placees sous notre 
commandement, et que les batiments amis ou neutres auront un de- 
lai de dix jours pour achever lenr chargement et quitter les Heus 
bloques. Les limites geographiques de ce blocus sont: 

— le meridien de 5° (cinq degres) de longitude Orientale de Pa- 
ris, jusqu'au parallele de 54° 05' (cinquante quatre degres cinq minu- 
tes) de latitude Nord, 

— ce parallele jusqu'ä la longitude de 5° 45' (cinq degres qua- 
rante cinq minutes) de Paris. 

— Puis le meridien 5° 45' (cinq degres quarante cinq minu- 
tes) jusqu'au parallele de 54° 20' (cinquante quatre degre's vingt mi- 
nutes) de latitude. 

— Et enfin ce dernier parallele jusqu'ä a la cöte. 

II fiera proce"de, contre tout batiment qui tenterait de violer le 
dit blocus, conformement aux lois internationales et aux traites en 
vigueur avec les puissances neutres. 

A bord de la Magnanime fregate cuirassee de S. M. l'Empereur 






Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 233 

des Francais, stationnee entre l'ile anglaise d'Heligoland et la c6te 
prussienne. 

Le 12 Aoüt 1870. 

Le Vice-Amiral Commandant en Chef 
(Signe) L. Fourichon. 

15. August. Ernennung des generals der infanterie und gene- 
raladjutanten von Bonin zum general-gouverneur in Lothringen 
und des general - lieutenants grafen von Bismarck zum general- 
gouverneur im Elsass. 

— — Der kaiser und der kaiserliche prinz verlassen Metz 
um sich nach Verdun zu begeben. 

— — Depesche des königs an die königin : 

Herny, den 15. august, 7 uhr 30 min. abends. Um 3 uhr vom 
schlachtfelde bei Metz zurückgekehrt. — Die avantgarde des VII. 
korps griff gestern abend um 5 uhr den feind an; dieser stellte und 
verstärkte sich zusehends aus der festung. — Die 13. division und 
theile der 14. unterstützten die avantgarde , desgleichen theile des 
I. armee-korps. — Ein sehr blutiges gefecht entspann sich auf der 
ganzen linie, der feind ward auf allen punkten geworfen und die 
Verfolgung ging bis vor das glacis der aussenwerke. — Die nähe der 
festung gestattete dem feinde vielfach, seine blessirten zu sichern. — 
Nachdem unsere blessirten geborgen waren, zogen die truppen in 
ihre alten bivouaks mit tagesanbruch. — Die truppen sollen sich 
alle mit unglaublicher und bewunderungswürdiger energie und mit 
lust geschlagen haben. Ich habe viele gesehen und ihnen von her- 
zen gedankt. Der jubel ergreifend. Ich sprach mit general Stein- 
metz, Zastrow, Manteuffel, Goeben. 

15. August. Die französische festung Marsal (an der Seille 
im departement der Meurthe) kapitulirt. 

— — Preussische kavallerie in Commercy (Maasdeparte- 
ment, östlich von Bar-le-Duc). 

— — In Paris (Villette) aufstand, der unterdrückt wird. 

16. August. Königliches hauptquartier in Pont ä Mousson. 

— — Nachdem general-lieutenant von Alvensleben mit dem 
III. armee - corps westlich von Metz auf die rückzugsstrasse des 
feindes nach Verdun vorgerückt, findet bei Metz (Mars la Tour) 
eine blutige schlacht gegen divisionen der corps von Decaen 
(3.), l'Admirault (4.), Frossard (2.) , Canrobert (6.) und die kai- 
serliche garde statt. Das 3. und 10. corps durch abtheilungen 
des 8. und 9. corps unter Oberbefehl des prinzen Friedrich Karl 
successive unterstützt, wirft den feind trotz bedeutender Überle- 
genheit nach zwölfstündigem heissen ringen auf Metz zurück. 
Verluste aller waffen auf beiden seiten sehr bedeutend, diesseits 
die generale von Doering und von Wedeil gefallen, von Rauch, 
von Grüter verwundet. 

— — Die telegraphischen depeschen lauten: 
Berlin, 18. august, 12 uhr mittags: 

Pont ä Mousson. Im vorgestrigen gefecht griff die fünfte bran- 
denburgische division an und erhielt nach 6 stündigem gefecht Unter- 
stützung. Die Franzosen unter Bazaine wurden nach Metz zurückge- 
worfen und verloren 2000 gefangene, 2 adler und 7 geschütze. 



234 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

Berlin, 18. august 12 uhr 30 min. mittags. 

Pont a Mousson, 17. august. Bazaine, im begriffe von Metz nach 
Verdun zurückzugehen, wurde am 16. august früh neun uhr von der 
fünften brandenburgischen division, die schon die schlacht bei Saar- 
brücken geschlagen , angegriffen und festgehalten. Unsere truppen 
entwickelten in diesem kämpfe, in dem sie vier französische annee- 
corps darunter gärden gegenüber hatten, die sich tapfer schlugen und 
auch gut geführt waren , beldenmüthige bravour , erhielten erst nach 
sechsstündigem gefechte Unterstützung durch inzwischen herangekom- 
menes zweites armeekorps. 

Verlust beiderseits beträchtlich, unser erfolg aber vollständig. 

Die Franzosen, an ihrer rückzugsbewegung verhindert und nach 
Metz zurückgeworfen, verloren im ganzen 2U00 gefangene, 2 adler 
und 7 geschütze. Sie verletzten die genfer Convention, indem sie auf 
Verbandplätze und ärzte schössen. 

— — In Paris wird der wahre Sachverhalt nicht bekannt, 
wie die offiziellen depeschen vom 16. sowohl als auch die 
Bazaine's zeigen. 

Paris, mardi, 16 aoüt. 

Le sous - prefet de Verdun mande en date de mardi, 6 h. 10 du 
matin : 

Je n'ai aucune nouvelle de Metz. Hier, toute la journee, le ca- 
non a ete etendu entre Metz et Verdun. Des voyageurs arrives, rap- 
portent qu'une grande bataille est engagee depuis le matin. Les 
Prussiens auraient perdu plus de 40 mille hommes dans le combat 
du 14. 

Officiel. — Des uhlans ont ete apercus hier ä Commercy. Ils 
se dirigeaient pour Bar-le-Duc. 

Aucune autre nouvelle de la guerre n'est signalee. 

Paris, mercredi, 17 aoüt. 

Un avis du ministre de la guerre affiche dans la matinee et date 
d'hier onze heures du soir, dit: 

Le ministre de la guerre a recu des nouvelles de l'armee , qui 
continue ä operer son mouvement combine , apres le brillant combat 
de dimanche soir. — Deux divisions ennemies qui cherchaient hier 
ä l'inquieter dans sa marche ont ete repoussees. — L'Empereur ar- 
rive ce soir au camp de Chälons ou s'organisent de gx*andes forces. 

Paris mercredi, 17 aoüt. 

Le Journal officiel ne contient rien de nouveau. — Le Gaulots 
dit que des depeches importantes sont arrivees hier au ministere de 
la guerre, mais que le marechal Bazaine a recommande le secret. — 
Ces depeches sont de nature ä donner des grandes esperances. — On 
dit que le prince Frederic - Charles ä demande un armistice pour en- 
terrer ses morts, mais le marechal Bazaine aurait refuse. 

Paris, jeudi, 18 aoüt. 

Officiel: Metz, 17 aoüt. 

Affaire se'rieuse hier pres Gravelotte. Nous avons ete vainqueurs, 
mais nos pertes sont grandes. 

Paris jeudi, 18 aoüt. 

Une depeche du marechal Bazaine , datee du quartier genöral, 
16 aoüt, dit : 

Ce matin l'armee du prince Frederic-Charles a dirige une attaque 
tres vive sur la droite de notre position. La division de cavalerie Forton 
et les corps sous le ge"neral Frossard firent bonne contenance. — Les 
corps echelonnes a droite et ä gauche de Rezonville sont venus suc- 
cessivement participer ä l'action, qui dura jusqu'ä la nuit tombante. — 



Nr. 4. Kleine philologische Zeitung. 23 5 

L'ennemi avait deploye des forces considerables. II essaya plusieurs 
fois des retours offensifs , qui ont ete rigourensement repousses. — A 
la fin de la journe'e un nouveau corps d'armee chercha a deborder 
notre gauche. Nous avons partout maintenu nos positions et innige 
a i'ennerni des pertes considerables. — Les nötres sont serieuses. — 
Le general Bataille a ete blesse. Au plus fort de l'action, un regi- 
ment de ublans a charcbe l'etat-major du marecbal. Vingt hommes 
de l'escorte ont ete mis hors de combat. — Le capitaine cornman- 
dant a ete tue. — A huit heures du soir l'ennemi etait refoule 
sur toule la ligne. — On estime ä 123 mille bommes le chiffre des 
troupes engagees. 

Paris jeudi, 18 aoüt. 

Officiel. — Une de'pecbe du marecbal Bazaine , date de mercredi 
4 beures du soir mande ce qui suit : 

Hier pendant touto la journe, j'ai livre bataille entre Doncourt 
et Vionville. L'ennemi a ete repousse. Nous avons passe la nuit' 
sur les positions conquises. — J'arrete quelques beures le mouve- 
rnent pour remettre nous munitions au grand complet. — Nous avons 
en devant nous le prince Frederic Cbarles et le general Steinmetz. 

Paris, jeudi, 18 aoüt. 
Quartier general. — Le 18 soir. 

Officiel. — De'tails sur l'affaire du 16. — Le corps Ladmirault 
formait l'aile droite. Un bataillon du 73e de ligne a detruit un re- 
giment de lanciers et lui a pris un etendard. — Plusieurs cbarges 
brillantes ont eu lieu. Dans l'une d'elles le general Legrand a ete 
tue. — On assure que le prince Albert de Prusse , commandant de 
cavalerie , a ete tue. — A la cbute du jour nous etions maitres des 
positions precedemment occupees par l'ennemi. — Le lendemain, 17, 
ont eu lieu pres de Gravelotte qualques combats d'arriere-garde. — 
Le cbiffre approximatif des forces ennemies engagees contre nous le 
16 etait de 151 mille bommes. 

— Die strassburger garnison unternimmt einen ausfall 
gegen Ostwald , wird aber mit Verlust von mannschaften und 
von 3 geschützen zurückgeschlagen. 

— Der gesetzgebende körper Frankreichs genehmigt die 
einstellung der Jahrgänge 1865 und 1866 in die mobilgarde. 

17. August. Der könig von Preussen begrüsst die trup- 
pen auf dem siegreich behaupteten schlachtfelde bei Mars la Tour. 

— Gefecht der „Grille" und der kanoneubote „Drache", 
„Blitz" und „Salamander" gegen eine französische escadre bei 
Rügen. 

— Der würtembergische kriegs -minister v. Succow wird 
zum general-gouverneur von Würtemberg ernannt. 

— Der kaiser von Frankreich trifft in Chälons ein. 

18. August. Grosser sieg unter führung des königs von 
Preussen bei Gravelotte. Die französische armee wird vollständig 
geschlagen, von ihren Verbindungen mit Paris abgeschnitten und 
gegen Metz zurückgeworfen. 

— Blokadeerklärung rücksichtlich der Ostseehäfen wird 
von französischen schiffen in Swinemünde und Lübeck übergeben. 

— General Trochu wird zum gouverneur von Paris und 
Oberbefehlshaber aller Streitkräfte daselbst ernannt. 



236 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

— Französisches gesetz, welches die jungen leute der al- 
terklassen 1865 und 1866, die unverheirathet oder kinder- 
los verwittwet sind , sowie die ehemaligen Soldaten zu den 
fahnen ruft. 



AUSZUEGE aus Zeitschriften : Archäologische zeitung von E. Hüb- 
ner , neuer folge bd. III heft 4 : E. Hübner , Aphrodite mit der Ste- 
phane drohend, p. 91 : dazu taf. 38. — G. Hirschfeld, die ausgrabun- 
gen von Marzabotto bei Bologna, p. 93 ; schliesst an Schriften des gra- 
fen Gozzadini in der noch wenig untersuchten Etruria circumpadana an. 
— E. Curlius, gruppirung öffentlicher Standbilder und weihe von 
Schriften, p. 104: schliesst an ein von Waddington in Le Bas Voy. 
arch. inscr. II, n. 1618 publicirtes decret aus Aphrodisias, in welchem 
beschlossen wird dem dichter C. Julius Longianus erzbilder iv tw tiSv 
Movßvju Ttfxivtt, xal iv tio yvjuvceaiw riu* irfrjßojv nagä tov naXaiov 
'HqöJotov aufzustellen; ferner heisst es in ihm: itpy'f iaO-m di xal 
tolg ßißkioig ccvtov (des Longianus) drifxoaiav dv d&toiv tv re ßv- 
ßktod-qy.oig Talg nao ijfxtiv, IV« xcci iv Tovroig ol vioi natdeviaiamt xhv 
ainov TQÖnov, oV y.ctl iv rolg tüjv mtXaiwv ffvyodfifuunv: beides wird 
gelehrt erörtert. — A. Michaelis, trihkgelage, p. 106 : dazu taf. 39 : 
berührt die abhandlung 0. Jahn's im Philol. XXVI, p. 201 in mancher 
beziehung. — H. Heydemann , nacheuripideische Antigone, p. 108: 
dazu taf. 40. — Miscellen und berichte: Sitzungsberichte der archäo- 
gischen gesellschaft zu Berlin, p. 111. — F. Matz, zur erklärung 
des Phaetonsarkophages auf Tav. d'agg. F der Ann. d. Inst. v. 1869, 
p. 113. — Chronik der Winkelmannfeste v. j. 1870, p. 115. — Er- 
werbungen des königl. museums an antiken 1869. 1870, p. 119. — 
Allgemeiner Jahresbericht von G. Hirschfeld, p. 1*. 

Bullettino deW Institulo di corrispondenza archeologica per lanno 
1870: nr. I und II: Heibig, rechtfertigung der voi* ihm angegebenen 
restaurationen der berliner amazonen. — Matz, basreliefs der pro- 
skeniumwand des Bacchustheaters zu Athen : geburt des Dionysos und 
sein besuch in Attika; auf den letzten platten: Theseus umgeben 
von Hestia und Eirene vor dem thronenden gotte, vgl. Annali 1870. — 
Förster , abdruck einer runden terracottaform der Sammlung Komnos 
in Athen: Dionysos auf satyr und bacchantin gestützt. — Chabouil- 
let, münzfund bei Auriol in Südfrankreich , das geld kleinasiatischen 
prägungsortes. — Klügmann , Zeichnung einer lekythos der Samm- 
lung Campana: verwundete amazone, analogieen zwischen dieser ma- 
ierei und der berliner statue nachgewiesen; relief, Ganymed den 
adler tränkend. — Förster, mosaik aus Palermo in 33 abtheilungen mit 
den darstellungen der Jahreszeiten, ferner Nereiden, Danae, Leda, Pasi- 
phae, Bellerophon, leierspielender Orpheus. — Bruzza, über die bishe- 
rigen resultate der ausgrabungen an der Marmorata : gefunden ca 600 
marmorblöcke, davon 150 mit Inschriften; die auf ihnen genannten con- 
sulate fallen zwischen 67 — 206 n. Chr. — Matz, terracottaplatten aus 
Aegina: Skylla, Peleus und Thetis, Bellerophon, kämpf eines barbaren 
und Hellenen. — Förster, über eine chromolithographische Publika- 
tion der archäologischen gesellschaft in Athen: Achills rüstung im 
beisein von Peleus, Thetis und Neoptolemos (!) inschriftlich bezeugt. 
Jetzt in den einzelheiten noch genauer bei Heydemann gr. vasenbil- 
der taf. VI, 4. — He/big, köpf eines athleten jetzt in Basel, seine 
enge Verwandtschaft mit dem massimischen diskobol: sehr alter, wie 
es scheint, wirklich archaischer köpf in der Galleria geographica. 



Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. 237 

Die schätze Roms sind überhaupt in dieser beziehung noch lange 
nicht erschöpft: vgl. den überaus glücklichen fund einer archaischen 
Aphroditestatue, den Aldenhoven selbst noch in Villa Albani machen 
konnte: s. Annali 1869, p. 104 — 129. — Lanciani, ausgrabungen in 
Porto d'Anzo: inschriften von geringer bedeutung. In Porto gefun- 
den eine weihinschrift der Minerva als patronin des: splendidissimum 
corpus stuppatorum. Stiftung einer schola der Isis und Magna Mater 
von seiten der cultores der Serapis. An scnlpturen ein köpf des Se- 
rapis, ein relief mit ausladung eines weinschiffes. — Ausgrabungen 
zu Nazzano am Soracte: ruine eines rundtempels, wahrscheinlich des 
der Feronia. Nr. III: auf dem Palatin der bleitnbus einer Was- 
serleitung gefunden mit inschrift 1VLIAE. AVG. die Rosa zu gunsten 
seiner vermuthung, dass das neu dort ausgegrabene haus mit den 
bildern das Vaterhaus des Tiber gewesen, ausbeutet. — Forlnum: 
christliche lampen aus Aegypten. — Matz, relief Perseus und An- 
dromeda aus der Sammlung Photiades in Athen. — Förster , felsre- 
liefs zu Argos (reifer) und Sparta (Dionysos und Ariadne). — Hei- 
big, Spiegel mit darstellungen der Athene und des Perseus. — Hei- 
big, die alterthümliche Pallas in Villa Albani aus Orte ist die nach- 
ahmung eines tuscischen bronzewerks. — Preuner, bemerkungen über 
verschiedene in den römischen museen enthaltene statuen; beachtens- 
werther nachweis von der grundlosigkeit der behauptung, dass grade 
die hadrianische zeit eine so besondere Vorliebe für die archaische 
kunst gehabt. Dagegen spricht nicht weniger als alles, was bis jetzt 
in der villa zu Tivoli zum Vorschein gekommen ist. — Matz, seltene 
gruppe des Asklepios und der Hygieia aus den magazinen des pala- 
stes Barberini. — Fürster: über spiegelkapseln. — Bruzza , rundes 
marmorgrab am Emporium einem freigelassenen Postumius gehörig. 

— Matz, torso eines skythischen bogenschützen bekleidet mit ei- 
nem eng anschliessenden gemusterten iederpanzer. — Förster , die 
in den griechischen museen enthaltenen spiegel und ihre muthmass- 
liche heimath Korinth. — Förster will an der ostseite des frieses des 
tempels der Nike Apteros in der ganz verstümmelten bislang für Ga- 
nymedes erkannten figur einen Pan und somit eine directe beziehung 
auf die hülfe des Pan in den Perserkriegen sehen; doch wird dieser 
fund jetzt wieder von Scholl nach autopsie in frage gestellt. — Matz, 
fragment eines reliefs mit der figur eines Kairos, das genau mit dem 
verdächtigten turiner relief übereinstimmt. - Lanciani, architecto- 
nische fragmente gefunden bei S. Maria di Falleri von einem dem der 
Caecilia Metella verwandten grabe herrührend. — Felsinschrift zwischen 
Veroli und Sora mit den consulnamen Caivisius und Passienus (4. v 
Chr.). Aufmerksamkeit verdienen die reste eines wahrscheinlich te- 
trastylen tempels im territorium von Monticelli. — Bei dem schnitt- 
puncte der Via Margana und Araceli sind ziegelstempel gefunden, 
die für die bestimmung der läge des circus Flaminius wichtig sind. 

— Heibig, wichtige genaue aufnähme des inhaltes mehrerer kürzlich 
zu Corneto aulgedeckten gräber. Spiegel mit darstellung der fesse- 
lung der Hera durch Hephästos. — Henzen , stein aus Etschmiazin 
dem Commodus von einer vexillatio der löten apollinarischen legion 
errichtet.- — Nr. IV: Klügmann, vase des Euthymides aus der Samm- 
lung Bazzichelli in Viterbo mit palästrischen darstellungen. — Matz, über 
die Zusammengehörigkeit eines reliefs in Villa Albani — Dädalus und 
Ikarus — mit einem andern auf dem Palatin gefundenen, das die bezwin- 
gung des Minotaurus darstellt. — Heibig, knochenreliefs aus den Abruz- 
zen, Pluton und Persephone, des Uraios und Harpokrates. — Förster, 
über die vielbesprochene inschrift mehrerer broncetafeln aus Tegea : 
Förster hält die inschrift an sich für acht; keine der beiden jetzt 



238 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

zum Vorschein gekommenen identischen tafeln jedoch für die origi- 
nale. — Matz, deutung der Vorstellung auf einem marmornen trape- 
zophor des Belvedere vermittelst eines reliefs der Akropolis — Nym- 
phenrelief auf dem der flussgott als stier mit menschenhaupt gebil- 
det. — Helbig , gemme mit darstellung der Nemesis. — Förster, 
Vorlegung und bespreehung einer vase aus Lentini: schmückung einer 
braut in gegenwart des Apollo und des Hermes. Vase in Palermo : 
Herakles aufnähme in den Olymp , jetzt abgebildet Arch. Ztg. 1870 
taf. 33: Zeus und Semele ib. taf. 31. — Matz, relief des Vatican 
(Visc. M. P. Cl. IV tav. 37) nicht auf die geburt des Herakles, son- 
dern auf die des Bacchus zu beziehen. — Helbig, riesige bronzestri- 
gilis, die als handhabe eine nackte frau mit einem gleichen instru- 
mente in der hand zeigt, woraus hervorgeht, dass auch die trauen 
sich der Operation des ano^vtiv wahrscheinlich aus hygienischen rück- 
sichten unterzogen. — Förster, relief der villa Albani, gekrönter Sie- 
ger. — Matz , räthselhaftes relief, aui dem unter andern das aus- 
schütten der stimmsteine dargestellt ist aus der seit Zoega fast ver- 
schollenen villa Carpegna vor porta Fabbrica. — Helbig, vorläge von 
grossen photographieen herrlicher bronzeköpfe aus Benevent und Her- 
culanum aus der Sammlung Tyskiewicz. — Lanciuni, über ausgra- 
bungen und zu tage liegende ruinen am Tiberufer südlich vom Aven- 
tin in der villa Maccarani- Torlonia; wiedergefundene inschrift vom 

Aventin, die sich auf den kult des Jupiter Dolichenus bezieht. Nr. 

V und VI : Matz, ausgrabungen zu Palästrina. Es sind wieder eine fülle 
von eisten und bronzespiegeln mit interessanten graffiti gefunden. Auf 
einer der eisten persönlichkeiten des troischen kreises freilich in un- 
klarer und verschwommener Zusammenstellung; ecilueus (Hegilochus) 
creisita (Chryse'is) o(chi)/es simos. Ein Spiegel mit dem palladium- 
raub. Ausserdem büsten aus kalkstein mit altlateinischen Inschriften. 
— Pellegrini, über die via Mamertina und über die erste strecke der 
via lata vom triumphbogen des Domitian bis zu dem des Claudius, 
von dem bei fundamentirung eines hauses an piazza Sciarra kürzlich 
einige fragmente gefunden sind. — Lobende anzeige der Nuove publica- 
zioni dei monumenti di Perugia des unermüdlichen Giancarlo C orte- 
st abile, ebenso von Gozzadini ulteriori scoperti nett' antica necropoli 
a Marzabotlo, von denen ein auszug zu finden in der Ai - ch. Ztg. von 
1870, p. 93 ff. Besässen wir doch ähnliche aufzeichnungen auch über 

die etruskischen nekropolen! Nr. VII: Henzen, neue fragmente 

von den fasten der feriae latinae gefunden auf monte Cavi. Aus den 
jahren 304 und 305, 537—542, 552-554 U. C. und 40-43. 275 und 
276 n. Chr. — Helbig, anzeige von Kekule's schrift über die gruppe 
des künstlers Menelaus. Er stimmt Kekule bei in der beobachtung 
des gegensatzes zwischen der gebundenen Stellung der statue und der 
studirt raffinirten behandlung der Oberfläche, doch ist er der ansieht, 
dass dieser gegensatz kein künstlicher in einer schule mit archaisti- 
scher richtung aufgekommener zu sein braucht , sondern sehr wohl 
sich in einem stadium der entwickelung selbst zeigen kann, wie ana- 
logieen aus der renaissance zeigen. In den sculpturen Douatello's und 
den maiereien Lorenzo da Credi herrscht noch ein leiser archaisinus 
der form bei bis zum extrem sorgfältig ja krankhaft zärtlich durchge- 
bildeter carnation. Sehr beachtenswerth scheint der wink der in be- 
zug auf den Katatexitechnos Kallimachos gegeben wird, dessen kunst- 
richtung ausserordentlich gut statuen von der art des pompejani- 
schen Apoll entsprechen. — — Nr. VIII: ausgrabungen an der Hagia 
Trias. Inschriften unter denen folgendes epigramm: Ilüryta Zwqqo- 
avytj, 9vyaitQ utyctkö'f(Joyog AiJolg \ nXtloid at n/jtjcag tvnökf/uüy f 
'A(itti,y Kktidti/uos Mthitvs KktHfij/jiJov hdiid's xthat , xt 4 dos (?) nargi 



Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. 239 

.... [MiTyi (?). Ausserordentlich gerühmtes relief der Hegeso. (Die 
ausgrabungen werden weiter fortgesetzt und ist ref. in diesen tagen 
die Photographie eines grabreliefs mit den im schönsten stil des vier- 
ten Jahrhunderts gebildeten gestalten der üafj'filrj und der J^fÄtjigia 
zugeschickt worden). — Gamurrini: Jason flehend vor Dionysos und 
Ariadne, höchst merkwürdige doch durch inschriften in dieser erklä- 
rung gesicherte darstellung. — Janssen , erklärung der gruppe des 
Menelaos auf Aethra und Demophon mit hinzuziehung einer scene 
des polygnotischen gemäldes zu Delphi (Paus. X, 25, 7). — Pelle- 
grini, ausgrabungen in Rom bei S. Pudenziana auf die thermen des 
Novatus bezogen. Bei Trinita dei Pellegrini Monte di Pieta mosaik 
gefunden mit Jahreszeiten, Mercur und Abundantia. Säulen bei der 
Anima. Im hof des pallast Simonetti auf dem Trajansforum togasta- 
tue aus porphyr. — Allmer, fouüles de Lyon: mit grossem aufwand 
errichtetes grabnionument, in dem eiu Sarkophag mit bacchischen dar- 
stellungen gefunden ist. — Heydemann, beschreibung der bemerkens- 
werthesten vasen des florentiner museums. Jüngst gefunden eine 
vase mit darstellung des Zweikampfs des Achilles und Memnon über 
dem leichnam des Äntilochos. — Grotefend , neue augenarztstempel, 
s. Philol. XIV, p. 627. — Selbig, macht auf ein werk des kunst- 
händlers A. Castellani über gemmen aufmerksam. — Jul. Friedlän- 
der, zwei makedonische bronzemedaillen mit dem köpf des M. Brutus, 
wahrscheinlich zu Dium geschlagen. — A. Fabretti, rhodische hen- 
kelinschriften aus Cypern und lampeninschriften des tujjjtier museums. 
— Kiiigmunn, anzeige des neuen vasenkatalogs des britischen museums. 
Guttingische gelehrte anzeigen, 1871, st. 3: Annali dell' Instituto di 
eorrispondenza archeologica volume quadragesimo prime. Annales de V In- 
stitut de correspondenze archeologique tome XLL 8. JRome. 1869: ferner: 
Monumenti inediti dell instituto IX, tav. I — XII fol., und: Bulletino 
dell instituto di corrispondenza archeologica per lannn 1869. Bullettin de 
l'institut de correspondance archeologique pour l'an 1869. 8. Moni. 1869: 
beachtenswerthe anzeige von O. Benndorf; er bespricht zuerst die 
Sarkophage im allgemeinen, dann abhandlungen von Matz, über Me- 
leager, wo beinerkungen über darstellungen aus dem mythos dieses 
heros gegeben werden, von Wieseier über Phaeton, gegen den abwei- 
chende ansieht aufgestellt wird, über ein relief, was Benndorf auf die 
Salier bezieht, von Förster über eine vase mit der inschrift 'doiarövo- 
(fog fnoiijaiy, wo wie nöthig es sei die worte „archaisch" „archaistisch" 
schärfer zu bestimmen, bemerkt wird, bespricht dann drei von Vis- 
conti jetzt zuerst veröffentlichte monumente aus dem neuentdeckten 
metroon zu Ostia (vrgl. Phil. Anz. II, nr. 6, p. 313), deren erstes auf 
Aphrodite bezogen wird, das zweite Attis darstellt, das dritte eine 
eiste mit der inschrift: M. Modius Maximus archigallus coloniae 
Ostiensis. Es folgen tab. IX — XI der Mon. inediti, die archaische 
Zeichnungen einer ungewöhnlich grossen schale enthalten und die 
ausfahrt eines vielleicht trojanischen helden , Herakles kämpf mit 
Amazonen und Geryoneus, Dionysos darstellen : sie sind begleitet mit 
anmerkungen von B. Schöne, aus denen eine conjeetur zu Myth. Va- 
tic. 1, 68 angeführt wird: et sie Victor armenta eius [et Erythiam filiam 
eius] in Grueciam adduxit; dann tab. IK ein in Athen gefundener 
pfeiler , dessen reliefs von C. v. Lützow auf Kaiamis zurückgeführt 
werden, dem Benndorf beizustimmen geneigt ist; ferner tab. L. 
eine von Gamurrini veröffentlichte wage; „es ist eine hängewage, von 
ziemlich schwerfälliger construetion, nicht von der noch heute übli- 
chen art mit einem beweglichen am wagebalken versetzbaren ge- 
wicht. Der punkt des gleichgewichts ist durch ein eingravirtes 
//\, die uncia durch */ das as durch / bezeichnet; das Zeichensystem 



240 Auszöge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

ist bis auf fünfzehn M pfund geführt. Die wage ist so unbedeutend be- 
schädigt und der einfluss dieser beschädigungen auf den dienst des in- 
struments Hess sich so genau ermitteln, dass Gamurrini mittelst dessel- 
ben eine praktische (freilich nur approximative) nachprüfung der bishe- 
rigen bestimmungen der römischen libra vornehmen konnte. Darnach 
ergiebt sich die uncia = 27 gr. , die libra = 326 gr., der dupondius 
= 653 gr." Tab. XI die in Berlin befindliche amazone: es folgen be- 
merkungen von Schlie über die aufstellung dreiseitiger candelaber, 
spiegel mit dem tod des Paris, Bachofen über die römische wölfin ;. aus- 
führlicher wird noch besprochen ein aufsatz von H. Heydemann über die 
besonders von Wieseler besprochene leiter (scala), welche Heydemann 
richtig für ein musikalisches instrument erklärt. — Bastian, die 
Völker des östlichen Asiens. Bd. VI. 8. Jena. 1871: anzeige von 
Th. Benfey. — St. 4: Ad. Mussußa, über eine altfranzösische hand- 
schrift der k. universitäts-bibliothek zu Pavia. 8. Wien. 1870, an- 
zeige von R. Kühler: zu beachten besonders wegen des p. 53 flg. 
stehenden fubliau , auch wegen einer predigt von Ratherius. — Jo- 
seph Perles, etymologische Studien zur künde der rabbiuischen spräche 
und alterthümer. 8. Breslau. 1871: ausführliche, auch auf griechi- 
sche Wörter eingehende anzeige von Th. Nüldeke. — War songs 
of the Ger man. With hislorical illustrations of the Liberalion war 
and the Rhine Boundney question. By John Stuart Blackie, pro- 
fessor of Greek. 8. Edinburgh. 1870: anzeige von H. S., eine stimme 
für Deutschland: der vrf. durch ein werk über die Ilias, Übersetzung 
des Aeschylos u. s. w. bekannt. — St. 5 : 31. Tullii Ciceronis de Fi- 
nibus Bonorum et Malorum libri quinque. D. J. Madvigius recen- 
suit et enarravit. Ed. altera emendata. 8. Havniae. 1869: ausführ- 
liche anzeige von O. Heine, die nach darlegung des Unterschiedes zwi- 
schen der ersten und dieser zweiten bearbeitung eine reihe einzelner 
stellen bespricht; vrgl. Philol. Anz. bd. I, nr. 9, p. 239. — St. 7: 
Studj sulla lingua umana , sopra alcune antiche inscrizioni e sulla orto- 
graßa italiana dell dottore Alessandro Ghirar dini. 4. Milano. 
1869 : wird als ganz verfehlt geschildert. — Archäologische topogra- 
phie der halbinsel Taman. Von Carl Görtz. 4. Moskau. 1870: an- 
zeige von F. Wieseler, der bedauert, dass das werk nur in russischer 
spräche erschienen ist. — St. 9: Index Aristotelicus. Ed. Herman- 
nus Bonitz. 4. Berol. 1870: lobende anzeige von R. Eusner, vgl. 
ob. nr. 2, p. 74. — St. 9: die könige der Germanen. Nach den quellen 
dargestellt von Dr Felix Dahn. 5te abtheilung. 8. Würzburg. 1870: 
enthält die politische geschichte der Westgothen: ausführliche recen- 
sion von G. Kaufmann. — St. 11 : / rilievi deile urne etrusche publicati 
a nome dell' instituto di corrispondenza archeologica da Enrico Brunn. 
Volume primo. Ciclo troico. 8. Roma 1870: ausführliche anzeige 
von Th. Matz, der erst das unternehmen selbst eingehend schildert, 
dann einzelne der aschenkisten, eigne ansichten aufstellend, bespricht 
und sich unter anderm namentlich gegen die versuche ausspricht, 
nähere beziehungen zwichen der römischen tragödie und diesen etrus- 
kischen reliefs nachzuweisen. Es scheint auf die archäologen Welcker 
nachtheilig einzuwirken , der hier vielfach zu weit gegangen ist. — 
St. 12: kritische versuche im gebiete des römischen rechts von Paul 
Krüger. 8. Berlin. 1870: sehr ausführliche anzeige von M. 



Kr. 5. Mai 1871. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



109. Ad. Funk auf Homer bezügliches. Programm des 
gymnasiums zu Friedland. 4. 1871. 14 s. 

Vorliegende schritt enthält in ihrem ersten theil eine ab- 
wehr der aus Stellungen , welehe der unterzeichnete gegen des 
Verfassers abhandlung über den gebrauch der pronomina ovrog 
und ode bei Homer (progr. des gymn. zu Friedland 1860) im 
Philolog. XXVII, p, 507 ff. erhoben hatte; ein zweiter theil 
beschäftigt sich mit dem homerischen gebrauch von uvrojg. 

Um auf die erste frage, so weit es der räum gestattet, ein- 
zugehen , so hatte der verf. dort bei bestimmung des Unterschie- 
des von ods und ovrog für eine reihe von stellen angenommen, 
dass, wie ödt durch einen gestus des redenden auf sich selbst 
nahe an die bedeutung von ipög komme, so oviog durch einen 
gestus auf den angeredeten nahe an die bedeutung von Gog. 
Dem gegenüber hatte der unterzeichnete eine besondere bezie- 
hung von ovrog zur zweiten person , wie sie der annähme des 
Verfassers zu gründe zu liegen schien, verworfen und nament- 
lich die art der Interpretation, das pronomen da, wo es nicht 
auf sinnliche dinge hinweist, sondern auf dem gebiete der Vor- 
stellung sich bewegt, unter annähme eines begleitenden gestus 
deiktisch zu fassen „ bedenklich gefunden und gezeigt, dass sie 
leicht zu falscher auffassung im einzelnen führe. Er selbst 
hatte sodann durch eine ausführliche darlegung des gebrauchs 
nachzuweisen gesucht, dass , während o de wesentlich der unmit- 
telbare ausdruck der anschauung sei, ovrog mehr dem aus- 
druck der Vorstellung diene. Durch diese ausführungen nun 
nicht überzeugt, sucht der verf. seine ansieht durch neue argu- 
mente zu stützen und die meinige zu widerlegen. 
Piniol. Anz. III. * 6 



242 109. Homeros. Nr. 5. 

Ich inuss mich darauf beschränken hier zwei stellen naher 
zu beleuchten, denen der verf. eine besondere beweiskraft bei- 
legt, an denen, wie er sagt, jeder leser gezwungen wird ovxog 
in dem von ihm verlangten sinne zu nehmen. Zunächst II. 
9,607: Ov it fis xavxrjg Xqicu xi(urjg' (fQoviu) de xexifjbrjad-ai, Jiog 
aXörj. Hier muss xavxrjg nach dem verf. unter jeder bedingung 
so gefasst werden : der ehre von dir da (= die du ver- 
heissest), denn wenn man annehme, dass Achilles mit xavxrjg xi- 
(irjg auf die in seiner Vorstellung befindlichen worte vs. 603 
laov yaQ oe #cw xtaovßw ^A^u^ol hinweise und sage „ich 
bedarf dieser ehre nicht", so würde das einen ganz fal- 
schen sinn geben, denn „allerdings will er die ehre von den 
Achaeern haben und will als erster held anerkannt sein, wie 
er ja selbst hinzusetzt tpQoveio de Tsnfiqtfd'ui Jiog aXörj [durch 
die von Zeus mir verliehene bestimmung, als erster held 
der Achaeer anerkannt zu sein]. Nur freilich will er diese 
ehre nicht unter der bedingung, wie sie ihm Nestor (?) verheisst, 
haben (er will eben nicht seinen zorn fahren lassen)". Wie aber, 
wenn xeiifJbTjCi) ai Jibg atcrj sich ganz anders fassen lässt, ja viel- 
leicht gefasst werden muss, nämlich von dem durch Thetis bitte A 
505 — 10 herbeigeführten beschluss des Zeus, Achill durch die 
niederlage der Achaeer zu ehren zu bringen, so dass mit xavxrjg 
einfach die von menschen zu erweisende ehre der durch gött- 
lichen rathschluss erwiesenen entgegengestellt würde ? Aber ab- 
gesehen von der auffassung dieser worte, deren Schwierigkeiten 
übrigens erst im Zusammenhang mit den folgenden worten er 
kannt und gelöst werden können : so ist doch die auerkennung 
des Achilles als ersten helden in dieser allgerneinheit etwas an- 
deres, als die unter diesen besondern Verhältnissen ihm in aus- 
sieht gestellte ehre, so dass auch so kein grund vorliegt ii 
xavxrjg noch eine besondere beziehung zu suchen. Endlich selbst 
wenn bei xavxrjg xijxrjg Achill zugleich die» bedingung, seinen 
zorn fahren zu lassen, mit vor der seele stehen müsste, wie 
der verf. will , so würde gleichwohl die einfache Übersetzung 
des pronomens mit dieser ebenso genügen, wie die ehre 
von dir da, denn letztere enthält materiell ja auch nicht mehr 
und bedarf der Interpretation ebenso, wie jene. An der zwei- 
ten stelle II. 14, 262 setzt der verf. die worte vvv av xoviö /*' 



Nr. 5. 109. Homeros. 243 

äv(oya? äfi^x aPOV ü)lo xtkiGGiu richtig in beziehung zu v. 249 
rjörj ydo fit xul uXXo rsrj iivtvvGrtev i(psT[A,rj, findet nun aber, dass 
tovto dem jsq v. 249 entspreche und verlangt die Übersetzung: 
„nun befiehlst du mir wieder einen andern unmöglichen befehl 
für dich da auszuführen". Nun wird aber doch jeder unbefan- 
gene leser tovto im gegensatz zu xul aXko v. 249 verstehen und, 
wenn der sinn von v. 249 , wie es auch mit der lesart stehen 
mag, jedenfalls sein muss : dein gebot hat mich schon sonst 
in schaden gebracht, tovto auf den inhalt der eben gehörten 
aufforderung beziehen. Der gegensatz der gedanken, wie die 
Stellung von tovto fordern dies, während, wenn etwas dem pro- 
nomen Ttr\ entsprechen soll, es die zweite person in arwyag ist. 
Hiernach muss ich gestehen, dass auch diese stellen von der 
richtigkeit der von dem verf. vertretenen ansieht mich nicht 
haben überzeugen können ; auf die andern ausf ührungen kann 
ich, wie gesagt, hier leider nicht eingehen. 

Die abhandlung über uvtum; giebt eine erwünschte Zusam- 
menstellung aller homerischen stellen , in denen dies wort vor- 
kommt, geordnet nach den kategorien , die Härtung für die be- 
deutungen von umoq aufgestellt hat. Diese anordnung erscheint 
zweckmässig und lassen sich so die gebrauchsweisen des adver- 
bium im ganzen wohl ohne besondere Schwierigkeit aus den ver- 
schiedenen bedeutungen von amog ableiten. Im einzelnen wird 
man über die auffassung streiten können. So fällt auf die für 
avTog Od. 17, 9 und 21, 207 angenommene bedeutung ganz 
e r , was für jene stelle erklärt wird durch = mich wohlbehal- 
ten, mich ganz, wie ich eben ich selbst bin — eine bedeutung, 
die sich schwerlich aus dem herodoteischen gebrauch von 8, 7 
und 8, 183 (muss heissen 7, 183) ableiten lässt. Näher liegt für 
jene stellen die bedeutung persönlich, leibhaftig im gegen- 
satz zu vermittelter künde. Damit wird denn auch die aus der 
angenommenen bedeutung von aviog abgeleitete adverbiale ganz 
so, die der verf. für II. 2, 138. 6, 400. 17, 633 etc. annimmt, 
zweifelhaft; jedenfalls wäre eine nähere darlegung, wie dies 
ganz so eigentlich zu verstehen, nöthig gewesen. C. Hentze. 



110. Analyse der rede des Oedipus in der tragödie des 
Sophokles „könig Oedipus" vs. 216—275, von Dr L. Krah- 
ner, gymnasialdirector. 4. Stendal. 1869. 

16* 



244 110. 111. Sophokles. Nr. 5. 

111. Epikritiscbe Bemerkungen zur königsrede im Oedipus 
Tyrannos, von 0. Ribbeck. 8. Kiel. 1870. 

1. Die aufgäbe der rede, sagt Krabner mit recht, p. 5, 
ergiebt sich aus der allgemeinen aufgäbe, die Apollo der Stadt 
gestellt hat; also aus den Worten vs. 96 ff.: 

avioysv rjfiäg Oolßog ifMpavüig ava% 

fiCadjjia xwgag, wg Te&QujLifisvov %&ovi 

iv t^<T, ilavvew (irjd' ävrjxsGwv Toecpuv. 
Wenn aber Krahner dies gebot des gottes , statt wörtlich zu 
bleiben, p. 5 darauf beschränkt: den verschulder der pest aufzu- 
suchen, so zeigt sich sogleich, dass er eine vorgefasste mei- 
nung mitbringt und für alles folgende nicht mehr den unbefan- 
genen sinn hat. Die ganze deduktion reiht sich bei ihm an 
diesen gedanken, dass der ävoGtog fxiuGzwQ vs. 353 „nicht der 
mörder des Lai'os als solcher ist, sondern insofern er das ge- 
heimniss der mordthat so lange genährt und dadurch die rächen- 
den götter endlich gezwungen hat, die pest zu senden". Diese 
Unterscheidung, die in der einen person des /muCtwq ein dop- 
peltes sieht , mag zwar sehr fein sein , aber sie verlangte 
vor allem eine vollständige rechtfertigung , wenn auf sie , wie 
geschieht, alles gewicht gelegt wird. Der vf. hat für die be- 
gründung dieser Unterscheidung, und dafür, warum sie für das 
richtige verständniss des Stückes nothwendig ist, nichts gethan, 
auch wäre es eine vergebliche mühe gewesen. Wenn der gott 
vs. 98 befiehlt, das ^CuGfiu iXavvuv, und wenn dafür sogleich vs. 
100 als entsprechender ausdruck gesetzt wird: tpovqt (povov ndXiv 
Iveiv, vgl. vs. 1071, oder wenn auch sonstwie vs. 307 ff. der aus- 
spruch des gottes dahin umschrieben wird, er verheisse erlö- 
sung von der pest , wenn der mörder des Lai'os entweder ge- 
tödtet oder gebannt werde, ja wenn jener fitdGiwg vs. 353 
gleich darauf vs. 362 auch <povsvg gedeutet wird, so muss jeder 
schlichte verstand das [iCaGfxa geradezu von dem mörder als 
solchem verstehen und nicht mit dem vf. p. 6 : ,,von dem um- 
stände, dass der mord des Lai'os so lange verschwiegen werde". 
Das (jt,CuG[i,a ist eben der mörder selbst und nicht der träger 
des geheimnisses, wer etwa der mörder sei. Der unerwiesenen 
prämisse zulieb muss der vf. nunmehr auf seinem ganzen wege 
deuteln und biegen, und hat auch für die deutlichsten aussprä- 
che kein ohr. So behauptet er p. 6: der gott hat nicht ge- 



Nr. 5. 110. 111. Sophokles. 245 

sagt, dass der mörder in Theben sei, nnd doch heisst es vs. 97 
im Orakel: /niaßfiu xu>Qug, (hg Tt&gafifxivov %&ovl iv ttjS'j iXav- 
vttv. Auch der hinzugestellte parallele ausdruck: jurjö' ävrjxsßiov 
iqirpHv musste ihm sagen, dass das fitaCfxa nicht vom hehler 
als solchem gilt , der so wie er den mord anzeigt , nicht mehr 
uvrjxtGiog ist und so wenig die vs. 100 verlangte sühne, Ver- 
bannung oder tod, zu befürchten hat, dass ihm vs. 231 f. vom 
könige sogar belohnung und dank in aussieht gestellt wird. 
Natürlich versteht nun auch der vf. den uvdgu tovtov vs. 236, 
worin er freilich viele andere zu genossen hat, nicht vom mör- 
der, sondern vom hehler ; aber es bleibt auch von ihm die dann 
nothwendige frage unbeantwortet, woran denn die andern bür- 
ger solchen hehler erkennen sollen, um ihn meiden zu können. 
Es ist doch da, wo Oedipus von dem in früherer zeit von ihm 
verübten mord spricht und dabei auf den inhalt jenes unuvöu) 
vs. 236 bezug nimmt, nämlich vs. 815 ff. hinreichend klar, dass 
er sich von seinem eignen gebot als mörder und nicht als hehler 
getroffen sieht, weil nur jenem und nicht diesem das cpvyeTv in vs. 
823 «Wiegt. Es will auch für den vf. nichts verschlagen, wenn 
er p. 11, um diesen versen gerecht zu werden, von einer dop- 
pelten auffassung der schuld des Oedipus spricht und die erste 
hälfte der verse bis 820 auf den ans licht gezogenen träger 
des [iCaGfia, auf den hehler, das folgende 824 : ei (jlb %Qrj <pvye7v 
xtX. auf die von Apollo über den mörder des Lai'os verhängte 
strafe bezieht, vs. 100; muss er doch damit jetzt selbst zuge- 
ben, dass das Orakel dort mit dem fituGpa den mörder und nicht 
den hehler gemeint hat. Und wozu denn überall die spitzfin- 
dige ängstliche Unterscheidung? was wird damit gewonnen? 
Es mag gern zugegeben werden, dass sich gewissermassen in 
dem worte iftov ^vvsiSorog vs. 250, wie der vf. will, p. 8, die 
idee des Stückes, seine handlung zuspitzt, insofern diese in der 
enthüllung des königs selbst als des gesuchten mörders enthal- 
ten ist, aber da der könig nicht der bewusste hehler des mor- 
des ist, also überhaupt nicht der hehler, so ist er jenes fiCaafia, 
von dem das orakel gesprochen, immer nur als der mörder und 
allein als dieser , und von einer „doppelschuld", die der vf. im 
Oedipus als dem „mörder" und dem „verheimlicher der blut- 
schuld" findet, p. 11, kann keine rede sein. 

In dieser distinktion innerhalb des pidaiWQ und innerhalb 



246 110. 111. Sophokles. Nr. 5. 

der person des Oedipus glaubt der vf. auch den hauptgrund 
gegen die von Ribbeck in der rede vorgenommene Umstellung zu 
besitzen. Er sagt p. 9, anm. 3: „in der wiederaufnähme der 
Vorstellung, dass es gilt den zu entdecken, welcher den mord 
bisher verheimlicht hat, also in der zurückbeziehung des l^iov £w 
tidöioq auf oßrtg xuroidev, scheint mir ein hauptgrund zu lie- 
gen, warum die verse 246 — 251 nicht hinter die zweite Ver- 
fluchung gerückt werden können. Oedipus identificirt sich im 
gedanken mit denen, die das geheimniss bis jetzt genährt ha- 
ben, — nicht mit denen, welche seiner aufforderung zum nach- 
forschen nicht nachkommen". Wenn auch Ribbeck (Epikr. bem. 
p. 13) sagt, mit diesem geltend gemachten hauptgrund gar 
nichts anfangen zu können , so ist die bemerkung doch durch- 
aus zutreffend und zeugt von feinem erwägen, nur musste 
Krahner auch hier wieder statt derer, die das geheimniss bis 
jetzt genährt haben , den mörder selbst gesetzt und zwischen 
dem fluche gegen den mörder und dem gegen die lässigen 
unterschieden haben. Das denke ich soll sich bei der folgen- 
den besprechung erweisen. 

2. Eibbeck hatte nämlich wegen mancherlei bedenken sich 
veranlasst gesehen (Ehein. Mus. XIII, 129 ff.), in der rede 
eine Umstellung vorzunehmen und die verse 246 — 251 nach 
272 zu versetzen. Auf ein Sendschreiben an Eibbeck (Ehein. 
Mus. XVI, 489 ff.), in welchem Classen sich der Überlieferung 
annahm , erwiderte Eibbeck ebend. 501 ff. Aber die sache war 
mit dieser entgegnung nicht abgethan; von allen Seiten standen 
neue kämpfer für und gegen auf. Gegen alles nun, was in- 
zwischen gegen Eibbeck vorgebracht worden, sind diese epikri- 
tischen bemerkungen gewendet. Sie führen eine deutliche, 
gewandte, belebte spräche, aber ihr ton ist wenig wohl- 
thuend. Wenn unsre kumaniora nicht sanftere Stimmungen ins 
herz geben und einen unmuth , der einmal aufkommen will, 
nicht besser zu bannen vermögen , so haben sie also die 
kraft nicht, die man ihnen wohl nachrühmte, und wissen nicht 
jene heitere freiheit des gemüthes zu schaffen, die sich gleich 
bleibt, in seliger ruhe über dem duste schwebt und allenfalls 
ein platonisches lächeln zur antwort hat. Wie ein kleiner Zeus, 
als hätte er wie jener alte gegen unholde der tiefe einen thron 
zu schützen, zürnt Eibbeck seine Widersacher an, und doch sind 



Nr. 5. 110. 111. Sophokles. 247 

alle, so wie sie da sind, harmlose menschen , die in ihrem wis- 
senschaftlichen gewissen nichts anderes verbrochen haben , als 
dass sie aussprechen, was sie auf dem herzen haben und nicht 
beistimmen, wo sie nicht überzeugt werden konnten. Ribbecks 
erhitzung war überhaupt nicht an der stelle, und hier nun gar 
nicht, wo er mit seinem Vorschlag ersichtlich im unrecht ist, das 
denn auch durch diese epikritischen bemerkungen nicht recht 
werden konnte. 

Denn was hatte Ribbeck im Rhein. Museum vorgetragen, seine 
Umsetzung zu rechtfertigen ? So wie er damit beginnt sie vor- 
zubereiten und zu begründen , hebt er mit einem missverständ- 
niss an und baut auf missverständnissen weiter. 1) Nachdem 
er den inhalt des ersten theils der rede bis 245 gegeben und 
die beiden letzten verse eyio fiev ovv — itCküi hergesetzt hat, 
fährt er fort : „damit schliesst er ab : aber nur , um seine Ver- 
wünschung gegen den mörder, die 236 — 243 auf die feierlichste 
weise vorgetragen war, noch einmal in allgemeinen ausdrücken 
zu wiederholen (246 — 248): xarsv^ofiai — ßtov u . Aber von 
236 — 243 haben wir ein verbot (uttuvSw) an die Thebaner, 
wie sie sich gegen den mörder benehmen sollen, keine Ver- 
wünschung gegen den mörder, es ist also von einer Wie- 
derholung nicht die rede. Und dabei, was das wunderbarste 
ist, weiss Ribbeck ujiuvSu und äguod-ai (oder xuzsvxofiou) 
sehr wohl zu unterscheiden. Denn bald darauf sagt er selbst 
ganz richtig: „auch ist ja ein königlich gebot oder verbot 
utiuvSüj (236) — kein uqaG&ai, dessen erfüllung doch wohl 
von den göttern, nicht von menschen abhängt". 2) Sodann 
fährt er fort: „ein Zusammenhang zwischen dem fiev von v. 
244 und dem oV von v. 246 findet offenbar nicht statt". 
Gewiss nichtj aber zwischen /xev und de 252, wie sich es jedem 
sogleich zeigt. Denn darf etwa zwischen solche etwas entfern- 
tere gegensätze nichts anderes zwischentreten? Ribbeck sagt 
in den Epikr. bem. p. 20 , dass er dafür beispiele und den 
künstlerischen zweck vermisse. Wirklich auch beispiele, die 
aller orten zur hand sind? Eigentlich ists unnöthig, für solche 
bekannte sache zu citiren, doch vgl. Soph. El. 39 und 51; 
Phil. 451 und 459; Xen. Anab. 1, 9, 2 und 6; 1, 17, 17 und 
20; 2, 4, 2 und 5; 2, 6, 1 und 16; 5, 5, 14 und 19; 7, 3, 16 
und 18. Der künstlerische zweck ist freilich, wie jedermann 

• 



248 110. 111. Sophokles. Nr. 5. 

weiss, ein disputabeleres ding. Eibbeck fragt: „oder sind die 
schweren Verwünschungen , welche jenes xartv^ofiat 246 und 
imv^ofiat 249 einführt, so beiläufig hingeworfen, so nebensa- 
che in unsrer rede , dass sie am passendsten in einer so wun- 
derlichen schachtelparenthese platz finden?" Der gott hatte 
befohlen , den mörder aus dem lande zu schaffen ; desweger 
hatte Oedipus, wenn der mörder nicht angezeigt würde, den 
Thebanern geboten, jede gemeinschaft mit demselben zu meiden. 
In der weise (durch dieses gebot), hatte er eben gesagt, thue 
ich nun meinerseits, was der gott befiehlt. Ist es nun ein« 
wunderliche schachtelparenthese, wenn er fortfährt: und will 
selbst von dem fluche des mörders betroffen werden, wenn icl 
mich in einer gemeinschaft mit ihm befinden lasse. Und dag 
ist gerade, was Oedipus an der stelle sagt, wenn man die worte 
zu lesen versteht. Um die bürger anzuspornen , seinem geböte 
nachzuleben , will er ihnen mit seinem eignen beispiele voran- 
gehen, selber das schlimmste gar , den fluch des mörders erlei- 
den, wenn er anders thut. Vorher war für die Verwünschung 
des mörders noch keine stelle gewesen; wollte Oedipus es aber 
aussprechen, dass er selbst im falle des eignen Ungehorsams 
gegen sein gebot die strafe des mörders auf sich nehme , so 
musste die Verfluchung des mörders dem voraufgehen , aber 
nicht in einer schachtelparenthese, was auch gerade gar nicht 
geschieht, sondern nach griechischer und auch nach römischer 
rhetorik in einem selbständig auftretenden satze, der nur mil 
einem de sich anzuschliessen hat , also : xatsv^ofiat 6i. So 
folgt der könig in seiner rede der einfachsten disposition: 1 
wird der mörder nicht angezeigt, so verbiete ich euch die 
gemeinschaft mit ihm ; 2) ich selbst will meinem eignen ge- 
böte nachkommen , oder es treffe mich die strafe des mör- 
ders ; 3) und ihr sollt es auch , oder verderben über euch. 

Als ferneres bedenken äussert Ribbeck 3) „und wenn der 
mörder von haus zu haus Verstössen wird, so kann, sollte man 
meinen, von keinem Xuvd-uvuv (247) weiter die rede sein". Das 
kann man eben nicht meinen, und auch ein denkender Ribbeck 
nur im glücksgefühl und eifer seines vermeinten fundes. ,,Von 
haus zu haus", das würde eben voraussetzen , dass alle bürger 
Thebens um den mörder wissen, während der könig etwa nur 

den einen oder andern in der mitwissenschaft vermuthet. Es 

• 



Nr. 5. HO. 111. Sophokles. 249 

ist davon nicht weiter zu reden, sonst möchte man Ribbeck fra- 
gen, was er denn schliesslich für dieses sein bedenken durch 
seine Umsetzung gewinnt. 

Und zuletzt 4) stösst er sich an rolgds vs. 251. Wer 
diese olds sind , fragt er : „die mehreren mörder , unter der 
Voraussetzung, dass er d e n mörder an seinem herde birgt, dass 
dieser %vvioiiog yivono? Das ist doch einleuchtend toll". Ich 
sollte meinen, doch nicht so ganz. Ist es denn so etwas un- 
geheuerliches, nicht bloss bei dichtem, ja auch nur ungewöhn- 
liches, ein plural statt eines Singulars , auch da , wo von einer 
ganz bestimmten person gesprochen wird? Und nun gar in 
unserm stück, wo der könig nicht weiss, ob er es mit einem 
mörder oder mehreren zu thun hat. Vorher und nachher wird 
davon wie im singular so auch im plural gesprochen: 107, 
122, 308. Und nun vollends an dieser stelle, wo die worte 
i%T8 rtg tlg cüv leXqfrev eYts jiXsiovcüv fiira, unmittelbar vorherge- 
hen. In den epikritischen bemerkungen, als Ribbeck inzwischen 
auf derartiges hingewiesen war, ist es ihm auch nicht mehr um 
den plural an sich zu thun : „nicht gegen die annähme einer mehr- 
zahl an sich, sagt er p. 19, richtet sich unser bedenken, sondern 
gegen die ohne alle noth verworrene ausdrucksweise". Worin 
steckt denn das verworrene? Jedermann versteht ihn, was er 
mit dem ToTßde will, wenn er selbst eben eXrs 7tXsiovu)v [lixa 
gesagt hatte, wenn er überall bis dahin bei dem morde des 
La'ios von der Vorstellung eines räuberischen Überfalles mehre- 
rer ausgeht, und so lange unter den räubern nicht der eine 
wirkliche thäter erkannt ist, sein fluch sich in natürlicher weise 
auf alle in genere zu beziehen hat. Ja man könnte nun rolgde, 
den plural, sogar noch schön finden, da sich darin die gänz- 
liche arglosigkeit des königs kund giebt, als habe er selbst in 
seiner person mit jenem überfalle nimmer zu thun. Aber Rib- 
beck bringt nachträglich, ebend. p. 19, wo er gegen den plural 
schon kein sprachliches, sondern nur noch ein ästhetisches be- 
denken hat, jetzt noch gegen das pronomen ods selbst an die- 
ser stelle einen protest vor; stände selbst der singular rwds, so 
wäre ihm auch der nicht recht; denn, sagt er: „es würde da- 
mit immer die unmittelbare gegenwart des thäters vorausgesetzt, 
denn das liegt in dem pronomen odt". Da haben wir wieder 
die hitze des kampfes, denn sonst muss Ribbeck ja wissen, dass 



250 110. 111. Sophokles. Nr. 5. 

o6s auch von abwesendem gesagt wird , was gerade in rede 
steht: Soph. Antig. 623; El. 274, 411, 1192; Oed. T. 892; 
Phil. 1243, 1365; Trach. 20, 433 und sonst. Ist also xolgSs 
an dieser stelle in diesem zusammenhange sowohl in seinem 
plural wie in seiner bedeutung ganz unverfänglich, so ist dage- 
gen xoTgöe nach Eibbecks Umstellung, in der bedeutung, die es 
dann bekömmt, ganz unmöglich, und konnte auch von Ribbeck 
nur aus einem missverständniss dorthin versetzt werden. Denn 
was wird jetzt aus diesem xoigds nach Ribbecks Stellung? Er 
explicirt in seinem neuen zusammenhange : ,,und wenn ich selbst 
den mörder wissentlich bergen sollte , so will ich dasselbe lei- 
den, was ich eben diesen (den ungehorsamen) gewünscht habe". 
Also darnach sollen es jetzt die ungehorsamen sein, die lässi- 
gen unter den Thebanern, die seinem befehl nicht nachkommen, 
nach vs 269: xul xttvxa xoXg fir t dgwatv ev/o/xat xrk. Wenn 
also der inhalt des fluches untq xoTgd' äqxlw* ijQaüd/jfijv der- 
selbe ist mit seinem tv/o^cu 269 : &eovg fjLrjx' agoxov — i%&iovi } 
so hat sich Oedipus also in diesem fluche den lässigen bürgern 
gleichgestellt, und was sie treffen soll, auch auf sich herabge- 
wünscht. Weil das bei Ribbecks Versetzung herauskömmt, hatte 
er selbst schon vorausgeschickt : , jeder verständige erwartet, 
dass Oedipus sich den bürgern nur gleichstellen und auf sein 
haupt dieselben strafen für wissentliches hehlen herbeirufen 
werde, die er allen übrigen Thebanern für gleiche schuld an- 
wünschen würde oder angewünscht haben mag". Warum denn, 
frage ich, soll jeder verständige nur das erwarten? Warum 
kann der könig für seine person nicht selbst zu schlimmerem 
bereit sein, um durch dieses eigne strengere vorgehen die bür- 
ger um so sichrer für sein gebot zu bestimmen ? Wenn an- 
dere , wie Hasselbach , meinen : der könig müsse sich eine 
schlimmere strafe wünschen als den übrigen bürgern, oder viel- 
mehr, wie ich sage, gerade dasselbe , was den mörder treffen 
soll, so muss man das nicht bloss verständig finden, sondern 
allein richtig, weil das allein sich mit dem folgenden im stücke 
verträgt. Denn es ist offenbar , dass vs. 744 : Zoix' ifiuvxov dg 
ägug dewag ngoßäXXwr uQxfiog ovx ilSsiat, und 817 — 821 und 
1291 auf einen fluch zurückgehen, den der könig auf den 
mörder ausgesprochen hat und der jetzt ihn selbst gerade als 
den mörder und nicht als den hehler trifft. Die worte 236 — 



Nr. 5. 110. 111. Sophokles. 251 

243 sind zunächst nur ein verbot (unavduii); durch das, was dann 
folgt, nach überlieferter Stellung bis 251 , stempeln sie sich erst 
zu den ägulj auf welche an jenen späteren stellen ganz mit 
demselben im detail angegebenen inhalt (öofioig dixza&ui, noog- 
(piove Tv , to&sTr an' oXxwv) zurückgekommen wird , und so ist 
klar, dass 246 — 251 just dahin gehören, wo sie stehen, und 
nicht nach 272, wo sie nach Eibbecks eignem ursprünglichen 
ausdruck nur den werth des fluches haben , der die ungehorsa- 
men treffen soll. Aber Ribbeck ist selbst schon seit seiner er- 
sten besprechung im Rhein. Museum inzwischen eines besseren be- 
lehrt worden. Während er vorher bloss von den ungehorsamen 
spricht, deren fluch Oedipus auf sich lade, und während er vor- 
her das allein verständig findet, lässt er sich in den Epikr. bem. 
p. 19 Teuffels bemerkung: ,,dass seine neue anordnung die be- 
ziehung auf alle vorher verfluchten, also mörder sowohl als un- 
gehorsame (nicht allein bewusste hehler) gestatte" nicht um- 
sonst gesagt sein, und erklärt nun p. 20 sein roTgde: „was 
ich diesen angewünscht habe, dem mörder nämlich und den in 
der aufspürung desselben lässigen". Nun ja, weil dem selbst- 
fluche imvyonai 249 auch der fluch auf den mörder xunvyo- 
(.k.u in dem verse 248 : xaxov — ßtov vorausgeht , so könnte 
nun nach Ribbecks weise roigds allerlei, mörder und hehler 
zugleich in sich bergen. Aber abgesehen davon, dass man kei- 
nem zumuthen kann , durch eine gewaltsame Umstellung für 
xoTgdi statt eines klaren begriffs einen nebligen einzutauschen, 
gewinnt Ribbeck durch diese concession überhaupt nichts , denn 
jenes detail, das, wie eben bemerkt ist, die späteren stellen des 
Stückes in jenem selbstfluche des königs voraussetzen, wird ihm 
auch durch diese concession nicht wieder zurückgebracht. 

Aber genug der entgegnung. Auch ist was Ribbeck sonst 
noch im Rhein. Museum vorgebracht hatte, nicht beweis mehr, 
sondern eitel rhetorischer schmuck der empfehlenden captatio. 
Jetzt sollen nach seiner anordnung , wo die sätze mit tv/oficuj 
xaTfvxofMU, ijrtvxofjbat an einander rücken, drei gewaltige, ein- 
ander steigernde donnerschläge erfolgen , ein zerschmetterndes 
dröhnen der fluche. Ja , wenn sie nur denselben träfen , und 
der satz mit xcnv^ofiav so dazwischen fahrend nur nicht alles 
kurz und klein schlüge. Doch da Ribbeck es verschworen hat, 
in der sache noch etwas zu lesen und über belehrung erhaben 



252 112. Lysias. Nr. 5. 

ist, so bemühe ich mich hier weiter nicht, ihm deutlich zu ma- 
chen, wie er mit seiner anordnung aus der schönsten Ordnung 
die heilloseste Unordnung schafft; für jeden andern, der in der 
sache nicht engagirt ist, kann es genug sein. — [S. Philol. 
XXX, p. 687]. 

112. Ueber das genas dicendi tenue des redners Lysias, von 
Dr Friedrich Berbig. Programm des gymnasiums zu Cü- 
strin. 1871. 4. 18 s. 

Der gegenständ dieser gründlich gearbeiteten abhandlung 
ist die frage , mit welchem rechte alte und neuere den Lysias 
als den hauptsächlichsten Vertreter des genus dicendi tenue hin- 
gestellt haben. Nachdem der Verfasser die merkmale des genus 
tenue nach Cicero's Schilderung aufgezählt, untersucht er erst- 
lich, in wie weit die alten in ihren kunsturtheilen diese merk- 
male gerade auch dem Lysias zuschreiben, und zweitens, in 
wie weit wir, nach den uns erhaltenen reden, der bezeichnung 
des Lysias als orator tenuis beipflichten können. Der verf. stützt 
sich im wesentlichen auf das bekannte werk von Blass, die 
attische beredsamkeit von Gorgias bis zu Lysias, bei welchem 
er indessen ebenso wie bei den früheren ähnlichen arbeiten eine 
genügende berücksichtigung gerade dieser frage vermisst. — 
Offenbar nun ist von den beiden theilen der abhandlung der 
zweite weitaus der verdienstlichere, indem bei dem ersten schon 
die fassung der frage ihr bedenkliches hat. Die ganze lehre 
von den drei genera dicendi, wie sie von Theophrast ab, wie es 
scheint, und bis zu Dionysios und Quintilian von den rhetoren 
aufgestellt wurden, hat nicht sowohl theoretische als historische 
gültigkeit, mit bezug auf die erste entwicklung der redekunst 
in Athen; für die späteren Attiker und im allgemeinen ist sie 
ungenügend, und wurde darum nachher bei Demetrios durch die 
lehre von den vier characteren, bei Hermogenes durch die 
ideenlehre ersetzt (vgl. Volkmann Hermagoras §§. 53. 54). 
Nun ist Lysias der begründer des historischen genus tenue, muss 
also die eigenthümlichkeiten desselben an sich tragen, oder viel- 
mehr seine eigenthümlichkeiten müssen das historische genus 
tenue bestimmen. Der vf. aber untersucht eigentlich nur, ob 
Cicero's beschreibung des orator tenuis, die übrigens entschieden 
mit rücksicht gerade auf Lysias geschrieben ist, auf denselben 



Nr. 5. 112. Lysias. 253 

passt, und dieser frage kann man doch kaum eine fundamen- 
tale Wichtigkeit beilegen. — Im zweiten theile aber, wo die 
berechtigung der antiken kunsturtheile über Lysias, soweit sie 
die eigentbümlicbkeiten des genus tenue betreffen, nach den vor- 
handenen reden untersucht wird, sind die darlegungen und re- 
sultate der arbeit sehr beachtenswerth. Während bei Blass 
die beurtheilung des redners im ganzen wie der einzelnen reden 
eich vielfach nur auf das unbestimmte gefühl beim lesen zu 
gründen scheint, ist hier alles einzelne, was in dieser oder in 
jener beziehung in betracht kommt, genau aufgezählt und zu- 
sammengestellt und dadurch für das urtheil eine sichrere grund- 
lage gewonnen. Bebandelt ist erstlich die periodik des Lysias, 
dann die reinheit des spracblichen ausdrucks , endlich der ge- 
brauch von tropen und figuren, und überall haben wir vollstän- 
dige Sammlungen der beispiele für die wesentlichen punkte. Na- 
türlich lässt sich bei mancbem dieser beispiele einspruch erhe- 
ben, zumal wo es sich um die periodik handelt, einen theil der 
rhetorischen technik der noch sehr im dunkeln liegt. Es ist 
augenscheinlich, dass eine erschöpfende lehre von der periodik 
und dem satzbau überhaupt weder zur zeit der attischen redner 
noch auch bei den späteren rhetoren vorhanden gewesen ist, 
und wiewohl in neuerer zeit Bernhardt (begriff und grundform 
der griechischen periode, Wiesbaden 1854) und Blass manches 
in dieser beziehung geleistet , so ist man doch vom ziele noch 
weit entfernt. Ein ausbau der von den alten gelegten funda- 
mente der theorie des satzbaues , mit hülfe der vorhandenen 
kunstdenkmäler, wäre eine aufgäbe zu deren lösung man den 
strebsamen Verfasser wohl ermuntern möchte. Ob es freilich 
überhaupt möglich ist , diese unendliche mannichfaltigkeit der 
Satzgefüge in regeln zu zwängen und der zahl und der masse 
zu unterwerfen, das möchte starkem zweifei unterliegen. — Das 
resultat dieses zweiten theils ist , dass in Übereinstimmung mit 
Blass das urtheil der alten, insbesondre das des Dionysios , im 
allgemeinen bestätigt , betreffs der periodik aber sowie des ge- 
brauchs der gorgianischen figuren erheblich modifizirt wird. Die 
hauptfrage aber, ob Lysias mit recht als Vertreter des genus 
tenue gelte, wird zum schluss auf grund der vorangehenden dar- 
legungen mit entschiedenheit bejaht, und diesem urtheile wird 
ein jeder ohne weiteres beipflichten müssen. B. 



254 113. Ovidii Metamorphoseon. Nr. 5. 

113. P. Ovidii Nasonis Metamorphoseon. Auswahl für schu- 
len ... von Dr Johannes Siebeiis — . Erstes heft, buch 
I — IX. 6. aufläge, besorgt von Dr Friedrich Polle. Leip- 
zig, B. G. Teubner. 1869. XXIV und 184 s. — 15 gr. 

Der neue herausgeber dieses, mit vielem fleisse gearbeite- 
ten, aber auch in der letzten (5.) von Siebeiis selbst besorgten 
aufläge noch mit vielen mangeln behafteten Schulbuchs bezeich- 
net am anfange seines Vorwortes richtig den Standpunkt, auf 
den er sich seinem Vorgänger so wie dem „publicum" gegen- 
über zu stellen gehabt hat. Wer wollte es ihm demnach ver- 
argen, dass er im ganzen und grossen den ursprünglichen plan 
beibehalten hat, obgleich z. b. schon gegen die auswahl und abgren- 
zung der stücke manche gewichtige bedenken geltend gemacht 
werden könnten? man vergleiche nur die weniger reichhaltige 
auswahl von W. Gross, Bamberg 1871, welche jedoch in anderer 
beziehung gar nicht als muster hingestellt werden soll. Dass 
Polle dem unabweislichen bedürfnisse grösserer kürze in den 
anmerkungen möglichst rechnung getragen, zeigt schon ein blick 
auf die Seitenzahl, welche, wiewohl „nicht wenige anmerkungen 
neu hinzugekommen sind", von 208 resp. 200 auf 183 zusam- 
mengeschmolzen ist. Noch deutlicher tritt das verdienst, das 
er sich durch zusammendrängen des reichen Siebelisschen an- 
merkungsstoffes erworben, hervor, wenn man sich überzeugt, dass 
nicht bloss was er neu hinzugefügt hat , sondern auch die vie- 
len änderungen , von denen „kaum eine seite verschont geblie- 
ben ist", als dem wirklichen bedürfnisse des schülers entspre- 
chend, augenscheinliche „Verbesserungen'' sind. Trotzdem hätte 
er, der pietät unbeschadet , das , was er für künftige auflagen 
in aussieht stellt, auch jetzt schon in noch höherem masse üben 
können, eine rücksichtslose ausmerzung des überflüssigen. Um 
nur einiges anzuführen, so hätte es nach der wörtlich beibehal- 
tenen , weil ganz angemessenen Siebelisschen einleitung p. 1, 
v. 1 statt des Schlusses der anm. zu formas etc. nur einer Ver- 
weisung auf jene, p. xx, absatz 3 , bedurft. Uebrigens beruht 
die angäbe an letzterer stelle : „Verwandlungen, was Ovid mehr- 
mals" — dafür zu I, 1 „hier und anderwärts" — durch muta- 
tae formae wiedergiebt", abgesehen von dem schiefen ausdrucke, 
auf einer ungenauigkeit, denn Trist. I, 1, 117. III, 14, 16 steht 
der singular, in jener elegie v. 119 sq. mutata corpora, II, 



Nr. 5. 113. Ovidii Metamorphoseon. 255 

64. 556 corpora versa — letztere drei stellen aus pentame- 
tern — ; es bleibt also nur übrig I, 7, 13 mutatas hominum 
— formas. Ebenso war 117, 5, anm. 2 lediglich auf 16, 341 
(Siebeiis 343) oder, was auch wirklich an beiden stellen geschehen, 
auf 11, 241 zu verweisen-, ib. 35 auf den index s. v. Aeacus; 
ferner musste die anm. zu 19 , 59 unbedingt wegfallen , da 
ein zweifei über das subject nicht denkbar ist. Ferner war 
es nach der allgemeinen anmerkung zu 20 , 64 überflüs- 
sig, die bedeutung des pariter ib. 181 (vgl. 6, 92) noch- 
mals anzugeben, denn ob letzteres wiederholt wird oder im 
zweiten gliede que steht ; macht doch keinen wesentlichen unter- 
schied. Dasselbe gilt in prosodischer hinsieht von 23, 89. (5, 
3). Hingegen war es nothwendig, zu 7, 93. 13, 6 auf den 
poetischen (und später prosaischen) infinitiv bei admonere nach 
der analogie von iubere aufmerksam zu machen, zu 16, 162 
auf die weglassung des reflexiven me (nach griechischer weise 
wie Met. VI, 41 te) , und zu 20, 152 anzumerken, dass quod 
an zweiter stelle als subject zu fassen ist, während es an erster 
objeet ist, — fälle, denen bis jetzt auch im 2. register nicht 
rechnung getragen ist. — Dass aber dieselbe Verkürzung durch 
verweisen auf frühere anmerkungen, von deren Unterlassung wir 
einige beispiele angeführt haben , öfters wirklich eingetreten ist, 
erkennen wir um so dankbarer an, je öfter wir beim gebrauche 
des buches in der schule mit der Übersichtlichkeit des gebote- 
nen selbst eine gewisse concentration des einschlägigen sachli- 
chen und grammatischen wissens der schüler — denn wie viele 
werden wohl das grammatische register nachschlagen ? — 
vermisst haben. Durch Verkürzungen wie 2, 22 (wo die anmerkung 
zu nee bei Siebeiis nur eine nicht wörtliche Wiederholung der zu 
neu 1, 72 ist), ib. 15, 61 durch Verweisung auf 3, 42, durch 
bestimmtere fassung wie 2, 26. 17, 112, wird der Zerfahrenheit 
der schüler nur gesteuert, die aufgäbe, sie zum nachdenken 
bei der präparation anzuleiten, nur gefördert, das ziel, den 
Schriftsteller aus sich selbst verstehen zu lernen , nur um so 
leichter erreicht. In demselben sinne haben theils durch er- 
weiterung der anmerkungen, theils durch ganz neue anmerkun- 
gen auch folgende stellen entschieden gewonnen : 1,56 (allitera- 
tion), 76. 83. 2, 6. 12. 20. 25. 38. 40. 60. 63. 17, 38. 84. 
87. 122. 162, (hingegen anm. zu 164 höchst überflüssig) 19, 



256 112. Ovidü Metamorphoseon. Nr. 5. 

99. 20, 65, 177. 241. 261, durch bestimmtere oder ge- 
nauere fassung z. b. 2, 26. 71 (wegen des plur. nulla) 17, 
112. 20, 228 (nur zu polemisch ausgedrückt). Weniger zu 
billigen dürfte die erweiterung der anmerkung zu 2, 59 sein, 
da es doch wohl dem zwecke des buches nicht entspricht, auf 
abgeschmackte erklärungen älterer herausgeber einzugehen. Da- 
gegen sind anderweit ungenauigkeiten stehen geblieben; so 2, 51, 
wo nicht terra, sondern humus als subject zu ergänzen ist (im- 
mer noch besser als Freund: deus), 7, 135, wo die erste an- 
merkung nicht mehr zum texte passt, 17, 54, wo in betracht 
der übrigen dichterstellen (s. Klotz , handwörterbuch) die ge- 
wöhnliche, der etymologie entsprechende erklärung von degene- 
rare gewiss die richtigere ist; ib. 157 glaube ich nicht, dass 
somni von somnium kommt, und wenn überhaupt esse zu ergän- 
zen ist, so ist es wenigstens nicht z u somni zu ergänzen ; bei 
Diana 20, 39 passt „ungewöhnlicher weise" nicht, insofern l die 
ursprüngliche (wenn auch seltner gewordene) quantität ist; ib. 
207 (8) ist nicht tali, sondern is zu quom zu ergänzen; auch 
sollte man dem schüler nicht das seltene talis qui statt is qui mit 
dem conjunctiv für „so beschaffen dass" einüben. Auch die neu 
vonPolle aufgenommene erklärung von iam-iam 2, 23 (= modo — 
modo) halte ich nicht für richtig; ich bleibe bei der anaphora. — 
Was endlich die gestaltung des textes betrifft, so ist auch hierin 
Polle mehr als sein Vorgänger dem pädagogischen bedürfnisse ge- 
recht geworden und demnach noch öfter als dieser von Merkel 
abgewichen; dass er jedoch mit diesem 16, 163 sibi, nicht ubi, 
und 25, 106 taurus, nicht tigris schreibt, ist offenbar zu billi- 
gen. Sonst schliesst er sich mehr an Haupt an. Zu dem, was 
in dieser hinsieht p. vn gesagt ist , kann man unbedenklich 
seine Zustimmung geben, Polle's eigne conjeeturen nicht ausge- 
schlossen ; nur kann ich mich mit den p. vm vorgeschlagenen 
änderungen und aufgestellten bedenken zu 6 , 93. 7, 136. 11, 
278 f. 25, 18 nicht einverstanden erklären; auch das Vergili- 
sche er u dum ferrum ist mir sehr bedenklich, und ich nehme 
13, 91 an nudum gar keinen anstoss , am allerwenigsten des- 
halb, weil es an einer anderen stelle in anderem sinne gebraucht 
ist. Konnte Ovid z. b. fast in einem athem impune ferre in 
zwei verschiedenen bedeutungen gebrauchen, VIII, 279. 494 — 
was auch Polle zu einer neuen anmerkung zu 20, 20 veran- 



Nr. 5. 112. Ovidius. — 113. Seneca. 257 

lasst hat — , konnte er das vielfach bei ihm vorkommende for- 
melhafte terga dare VIII, 428 (Sieb. 29, 169) auch in seiner 
ursprünglichen bedeutung vom wildschw einsrücken gebrauchen, 
ist ihm auch jenes zuzutrauen. Uebeihaupt nur nicht zu pein- 
lich in der kritik bei Ovid! — Von druckfehlern ist das sonst 
gut ausgestattete buch natürlich nicht frei, sinnentstellende habe 
ich aber nicht bemerkt; nur folgende sind mir in den anmer- 
kungen aufgefallen: p. 5 zu 1, 59 fehlt als vor apposition, 
p. 8 zu 2, 24 steht stülabat statt des plurals, p. 149 zu 20, 24 
a. e. muss es Sicula statt Sicilia heissen. Auch sind Schreibwei- 
sen wie aller orts u. ä. (statt in einem worte) auf keinen 
fall zu billigen. Dass von p. 33-48 die beiden bogenhälften 
verheftet sind, ist ein übelstand, der sich hoffentlich nur in mei- 
nem exemplare findet. — Trotz mannichfacher ausstellungen, 
die noch im einzelnen zu machen sind , bleibt das endergeb- 
niss doch unumstösslich, dass durch die neue bearbeitung ein 
wesentlicher fortschritt erzielt ist; ein abschliessendes urtheil 
wird freilich erst nach dem , dem vernehmen nach sehr bald 
zu erwartenden, erscheinen der zweiten hälfte möglich sein. 

B. D. 

113. De ordine librorum L. Annaei Senecae philosophi. 
Dissertatio inauguralis q. scr. Fr id. Ionas. 8. Berolini. 1870. 
— 72 s. 

Der Verfasser der vorliegenden vortrefflichen abhaudlung 
hat sich die dankbare aufgäbe gestellt, die frage nach der Chro- 
nologie der Schriften des philosophen Seneca, die nach Lipsius 
nur noch von Lehmann (Philol. VIII, p. 309 — 328 und in sei- 
nem buche: Claudius und Nero bd. I, p. 7 ff.) einer eingehen- 
den Untersuchung gewürdigt war, noch einmal selbständig zu 
prüfen und ist dabei zu wesentlich anderen resultaten, als seine 
Vorgänger, gelangt. Man kann der besonnenen art und weise, 
mit der diese Untersuchung geführt ist , die vollste anerken- 
nung nicht versagen; von willkürlichen hypothesen, an denen 
Lehmann's abhandlung reich ist, hat sich der verf. ganz frei 
gehalten. 

Es ist eigenthümlich , dass in den Schriften eines mannes, 
wie Seneca, der so lange in den engsten beziehungen zum kai- 
serhause gestanden, eich verhältnissmässig so spärliche angaben 

Philol. Auz. III. 17 



258 113. Seneca. Nr. 5. 

finden, die einen festen chronologischen anhält bieten ; wenn es 
auch Ionas gelungen ist, mehrere solche stellen deren bedeu- 
tung bis dahin nicht gewürdigt worden war, heranzuziehen, so 
bleibt doch die abfassungszeit nicht weniger Schriften noch 
immer zweifelhaft und es ist kaum zu hoffen, dass man jemals 
darüber zur vollen gewissheit gelangen werde. 

Vorausgeschickt ist der eigentlichen Untersuchung eine kri- 
tische Zusammenstellung der nachrichten über das leben des Se- 
neca (p. 7 — 21); die verschiedenen schriftstellerischen perioden 
sind begränzt durch die regierungszeiten der kaiser von Tiberius 
bis Nero; seine hauptsächlichste productivität fällt in die jähre 
nach der rückkehr aus Corsica (49) bis zu seinem tode (65). 
Es würde zu weit führen, auf einzelnheiten hier einzugehen ; be- 
merkt sei nur, dass ref. mit der annähme des verf. (p. 53 f.), 
dass bei der bekannten erwähnung des erdbebens in Pompeji 
(Nat. Quaest. VI , 1 , 2 : nonis Februariis hie fuit motus Re- 
gulo et Verginio consulibus) die consulnamen interpolirt seien, 
nicht übereinstimmen kann , wenigstens die dafür angeführ- 
ten gründe keineswegs für zwingend erachtet; auch in be- 
treff des sogenannten Ludus de morte Claudii, den Ionas (p 
39 f.) dem Seneca abzusprechen geneigt zu sein scheint, 
muss ref. vielmehr wenigstens in der frage nach der ächtheit 
der ansieht Buecheler's (ßymbola philologica Bonnens. p. 33 ff.) 
beitreten. Ob es möglich sein dürfte , für die anordnung der 
sieben bücher Naturales quaestiones noch bestimmtere anhalts- 
punkte zu gewinnen, muss vorläufig dahingestellt bleiben; dage- 
gen ist die annähme von Ionas, dass die drei ersten bücher der 
briefe vor abfassung der übrigen herausgegeben sind, mindestens 
sehr wahrscheinlich. Die ganze abhandlung, in einfachem und 
klarem latein geschrieben , zeugt von Scharfsinn und strenger 
methode und darf als ein werthvoller beitrag zur geschichte 
der römischen literatur bezeichnet werden. 

114. Zur geschichte der griechischen poesie. Ein grundriss 
von Dr Alfred Bienengräber. 8. Bernburg. 1870. ßob. 
Schilling. 25 s. — 4 sgr. 

Das schriftchen scheint seinem titel nach eineu beitrag zur auf- 
hellung irgend eines bisher noch dunkeln speciellen punetes der 
griechischen poesie zu versprechen, enthält aber nur einen höchst 



Nr. 5. 114. Griechische poesie. 259 

summarischen überblick über die hauptwerke der griechischen 
poesie. Auf acht Seiten wird das epos abgethan, auf sechs die 
lyrik, und am besten kommt noch das drama weg, dessen be- 
sprechung zehn Seiten umfasst; wovon freilich wieder fast zwei 
seiten auf beschreibung der theatereinrichtungen kommen. Als 
besondere dichtungsart wird auf den beiden letzten seiten noch 
die idyllische behandelt. Von philologischer und literarhistori- 
scher bedeutung des schriftchens kann nicht die rede sein. Die 
bekanntesten facta sind in prägnanter form , die nur bisweilen, 
und nicht immer zu ihrem vortheile, durch kleinere räsonnements 
unterbrochen wird , zusammen gestellt. Die darstellung ist ge- 
schickt und zuweilen mit modern poetischem anfluge, auch un- 
termischt mit citaten aus neueren deutschen dichtem. Dies al- 
les zusammen gehalten legt die vermuthung nahe, dass es ein 
kreis von damen ist , auf den der Verfasser hat wirken wollen. 
Und da mögen denn die blätter noch am platze sein. Unbe- 
greiflich ist es, wie der verf. bei den so überaus engen grenzen, 
die er sich gesteckt, und bei der ganzen art seiner darstellung 
doch eine entscheidung der homerischen frage versucht. Auf 
3 /i seiten wird F. A. Wolf mit seiner unglücklichen anhänger- 
schaft ad absurdum geführt — wozu man doch bisher immer 
noch geglaubt hat ganze bücher nöthig zu haben. 

Bemerkenswerth für den Standpunkt des Verfassers in Sa- 
chen der kunst ist der von ihm an die spitze seiner schritt ge- 
stellte satz: „das griechische geistesleben in literatur und kunst 
bezeichnet den höhepunkt der heidnischen bildung und lässt uns 
wahrnehmen, wie weit der menschengeist sich empor- 
schwingen kann, ohne getragen zu werden von den 
geoffenbart en gedanhen göttlicher Weisheit". A. K. 

115. Ludovici Schwabii observationum archaeologica- 
rum particula II. Dorpater Universitätsprogramm 1870. 

Das programm bildet die fortsetzung des im philologischen 
Anzeiger von 1870, p. 105 besprochenen und enthält wie dieses eine 
reihe von bemerkungen über marmorwerke die der Verfasser auf 
einer reise durch Italien und bei einem besuche des brittischen 
museums auf gewisse gesichtspunkte hin zu untersuchen gele- 
genheit hatte. Nach einer kurzen einleitung, in welcher er seine 
im vorigen programm ausgesprochene und im Anzeiger be- 

17* 



260 115. Archäologie. Nr. 5. 

kämpfte ansieht über die statuen der tyrannenmörder zurück- 
nimmt, werden unter III. einige an den figuren der Niobegruppe 
gemachte beobachtungen mitgetheilt. Gewiss richtig ist die be- 
merkung, dass der ins linke knie gesunkene Niobide nicht wie 
Stark will die rechte hand in die seite stemmt, sondern im be- 
griff ist den in die hüfte gedrungenen pfeil herauszuziehen. Die 
ansieht, dass die statuen an einer wand aufgestellt waren und 
keineswegs von allen seiten betrachtet werden sollten, wird da- 
durch gestützt, dass sowohl an der eben erwähnten figur als 
auch an der knieenden tochter der Niobe in der statuengallerie 
des Vatican das nach hinten gestreckte unterbein einfach weg- 
gelassen ist. Das tiefe einsinken des knies in den felsboden 
erscheint bei einer hohen aufstellung, wie sie nach Schwabe an- 
genommen werden muss, vollkommen gerechtfertigt. Wegen der 
für die Niobidenstatuen characteristischen als felsboden bearbei- 
teten basen wird endlich eine in drei exemplaren in Berlin, 
Rom und Neapel vorhandene statue als zu der gruppe gehörig 
in ansprach genommen und zwar als amme, dem pädagogen ent- 
sprechend. 

IV. handelt über die bekannte archaische statue des 
Apollo im Theseion zu Athen. Die Zugehörigkeit des ompha- 
los wird zwar für dies exemplar nicht in zweifei gezogen, 
jedoch aus ästhetischen gründen die ursprünglichkeit des mo- 
tivs in abrede gestellt : der künstler habe die basis hinzufügt : 
ut operi omnibus noto commendationem quandam ex basis novitate 
captaret. 

V. führt die schon von Benndorf gemachte bemerkung weiter 
aus, dass die von Conze mit solchem nachdruck hervorgehobene 
Lukianstelle (de saltat. §. 74) keineswegs etwas enthalte, was 
mit den von Friederichs auf den Doryphoros des Polyklet zu- 
rückgeführten statuen unvereinbar sei. Die ganze tendenz der 
schrift gebe dahin einen Verächter der tanzkunst zu bekehren 
und zu zeigen, dass dieselbe nicht nur geschmeidig, sondern auch 
kräftig, namentlich zum kriegsdienst tauglich mache. Dafür, 
dass die figur den speer nicht geschultert, sondern neben sich 
stehend gehalten habe, werden mehrere äussere indicien bei- 
gebracht. 

VI. Werden die beiden als gegenstücke gearbeiteten von 
Eroten gerittenen Kentauren des capitoliuischen museums be- 



Nr. 5. 116. Komische geschichte. 261 

sprochen. Das urtheil , es sei in ihnen „studio infinito opus prz- 
stinum quodam modo corruptum ", ist durchaus ungerechtfertigt. 
Von einer Übertragung in die marmortechnik, die bei dem Chia- 
ramontiscben köpfe und der statue des Louvre so rühmend her- 
vorgehoben wird, konnte hier ja gar nicht die rede sein, da die 
beiden bildhauer absichtlich einen stein gewählt haben, dessen färbe 
derjenigen des einige zeit der Witterung exponirten erzes gleich 
kommt. Damit hatten sie sich vollkommen die hände gebun- 
den und mussten durchaus die bei bildwerken aus erz übliche 
technik anwenden. 

VII beschäftigt sich mit zwei die Parthenon-sculpturen an- 
gehenden fragen und zwar zunächst mit der Nike des ostgie- 
bels, die nicht, wie namentlich Overbeck will, vom mittelpuncte 
fort, sondern diesem zueilt. Gradezu entscheidend für diese 
annähme ist ein kürzlich gefundenes, dem rechten schenke! der 
Nike angepasstes fragment : ex quo discimus Victoriae femur dex- 
trum tarn elatum fuisse quam nemo nisi qui quo ascendat elatum 
habet. — In der mitte des östlichen cellafrieses will Schwabe 
in den geräthen die die beiden mädchen auf dem köpfe tragen 
keine sessel , sondern tischchen erkenen , was auf ihnen liege 
wagt er nicht zu entscheiden; er vergleicht passend zwei ähn- 
liche figuren auf der Archemoros -vase. 

116. Histoire des Romains depuis les temps les plus recu- 
les jiisqu'ä, la fin du regne des Antonins. Par Victor Duruy, 
Tome I. Nouv. <5d. 8. Par. 1870. 556 s. 

Der verf., französischer unterrichtsminister von 1863 — 1869, 
behandelt in diesem ersten theile nach einer einleitung über die 
physische geographie und die älteste bevölkerung Italiens und 
deren culturzustände die römische geschichte bis zum jähr 133, 
die er bis dahin in vier perioden theilt: Rom unter königen. 
Rom unter patricischen consuln (bis 367 v. Chr.), Rom unter 
consuln aus beiden ständen und die eroberung von Italien (bis 
264), die eroberung der weit (bis 133); die innere geschichte 
hat er jedoch ■ — es ist nicht recht ersichtlich aus welchem 
gründe — nicht bis zu diesem punkte herabgeführt , er erklärt 
vielmehr (p. 516), dies anderwärts, also wahrscheinlich in einem 
späteren bände, nachholen zu wollen. 

Das werk zeugt gleich den übrigen arbeiten des verf. über 



262 116. Komische geschichte. Nr. 5. 

römische geschichte und geographie von einer umfassenden bele- 
senheit desselben nicht nur in den quellenschriftstellern, sondern 
auch in den neueren gelehrten Schriften über den gegenständ, 
auch der Deutschen, welche vielfach angeführt und benutzt sind, 
Es zeichnet sich ferner durch eine glänzende rhetorische darstel- 
lung aus, wie wir sie in französischen werken häufig finden, die 
freilich dem deutschen geschmack nicht immer zusagt ; womit 
es auch zusammenhängt, dass geistreiche, nicht selten durch al- 
lerlei historische analogien und durch Seitenblicke auf die gegen- 
wart gewürzte betrachtungen einen nicht geringen räum einneh- 
men und dass die hauptvorgänge der geschichte wenigstens hin- 
sichtlich der aus führ lichkeit der darstellung häufig sehr hinter 
einzelnen pikanten , meist späteren autoren entlehnten zügen 
zurückstehen müssen. Dies sind die hauptsächlichsten lichtsei- 
ten des werkes. Es fehlt aber auch nicht an Schattenseiten. 
Die quellenschriftsteller sind nicht selten in auffallender weise 
missverstanden oder wenigstens ungenau und ungründlich ver- 
wendet. So wird z. b. p. 104 die stelle Tac. Dial. 3, wo 
von der tragödie des Maternus, die den namen Cato führte, die 
rede ist, durch ein sonderbares missverständniss der worte: 
nostras quoque historias et Romana nomina Graecorum fabulis 
aggregare, dazu benutzt, um zu beweisen, dass auch der ältere 
Cato in den Origines sich die Griechen zum muster genommen 
habe. Von noch bedenklicherer art ist es , wenn p. 499 der 
Achäer Aristaenus auf gleiche linie mit dem verräther Kallikrates 
gestellt und auf grund von Polyb. XXV, 9 behauptet wird, dass 
Polybius die politik des Aristaenus, und folglich implicite die 
des Kallikrates eine weise nenne , woraus dann wieder die fol- 
gerung gezogen wird, dass Polybius mit seiner gesinnung auf 
der seite der Römerfreunde von der art des Kallikrates gestan- 
den habe, während jeder, der jene stelle des Polybius genauer 
ansieht , leicht finden wird, dass dort Aristaenus lediglich als Po- 
litiker dem militair Philopömen gegenüber gestellt wird, und 
während jedermann sich sogleich der warmen lobreden des Po- 
lybius auf Philopömen und seiner Verwünschungen des Kallikra- 
tes und seiner genossen erinnern wird. Ein ferneres beispiel 
bietet die benutzung der censuszahlen , wie wenn p. 337 auf 
grund von Livius Epit. XIX gegen alle bandschriftliche aucto- 
rität behauptet wird, dass die zahl der römischen bürger durch 



Nr. 5. 116. 117. Kömische geschichte. 263 

den ersten punischen krieg von 293224 auf 151222 herabge- 
bracht worden sei. Doch wir versagen es uns, weitere beispiele 
derartiger ungenauigkeiten anzuführen , um noch ein wort über 
den allgemeinen kritischen Standpunkt des verf, hinzuzufügen. 
Ueber Mommsens römische geschichte spricht er sich p. 252 so 
aus: Pour lui les ricits de Tite- Live , de Denys d ' Halicamasse et 
d'Appien sur la premiere guerre samnite et la guerre latine fournis- 
sent d'impossibilitis de toutes sortes , gui sautent aux yeux du lec~ 
teur , pour peu qyüil ait de la clairvoyance et de V attention. En 
rejetant avec cette aisance les timoignages anciens, on peut faire un 
livre tres - erudit, on ne fait pas un livre d'histoire. Er ist aber 
nicht allein gegen die Mommsensche , sondern gegen jede hö- 
here kritik, indem er — freilich nicht ohne manche, von sei- 
nem Standpunkt aus aber völlig unberechtigte ausnahmen - — Li- 
vius, Dionysius, Appian, Valerius Maximus u. s. w. ohne weite- 
res als völlig glaubwürdige auctoritäten ansieht und die späte- 
ren sogar, wie schon oben bemerkt, mit besonderer Vorliebe be- 
nutzt; es scheint eben, als ob die Überlieferung nur als mate- 
rial zu politischen und anderweiten reflexionen zu dienen habe. 
Es lasst sich denken , dass das buch demnach manches enthal- 
ten muss, was ein Deutscher nicht ohne kopfschütteln zu lesen 
vermag, wie wenn z. b. p. 222 behauptet wird, dass im j. 342 
in folge des räthselhaften aufstandes der legionen die wähl 
zweier plebejischer consuln gestattet, p. 225, dass im j. 286 
durch die lex Hortensia dem Senate dieselbe gesetzgebende ge- 
walt wie den Volksversammlungen zugestanden worden sei, wenn 
p. 359 zu beweisen gesucht wird, dass die bekannte, viel ver- 
handelte Umwandlung der centuriatcomitien eine doppelte gewe- 
sen sei, indem einmal zwischen dem ersten und zweiten puni- 
schen kriege mit beseitigung der Massen 70, und erst später un- 
ter Wiederherstellung der klassen 362 centurien gebildet worden 
seien, und dgl. m. — Das ganze buch wird daher dem deutschen 
leser wenig genügen, wenn es ihm auch durch die nicht selte- 
nen geistreichen betrachtungen manche nützliche anregung zu 
geben vermag. 

117. L. Freytag, Tiberius und Tacitus. 8. Berlin. 1870. 
VI. 371 s. — 1 thlr. 

Der gegenständ , welchen Freytag behandelt , ist einer von 



264 117. Komische geschichte. Nr. 5. 

denen, die wohl kaum je zum abschluss zu bringen sein wer- 
den. Es handelt sich um das sittliche urtheil über Tiberius, 
und dabei wird immer sehr viel davon abhängen, in wie weit 
einer durch die beschäftigung mit Tacitus vertrauen zu dessen 
Wahrheitsliebe und selbständigem urtheil (bei allen nicht zu 
leugnenden vorurtheilen) gewinnt, ferner wie weit er sinn und 
verständniss für die innere psychologische Wahrheit des Charak- 
ters des Tiberius , wie er von Tacitus geschildert ist , besitzt, 
endlich auch darauf, was einer für anspräche an einen vortreff- 
lichen menschen und regenten macht. Dies alles sind aber 
sehr subjective dinge. 

Freytag, der den Tiberius von allen gegen ihn erhobenen 
vorwürfen zu reinigen sucht, verfährt dabei wie ein gewöhnli- 
cher advokat. Da Tacitus der hauptzeuge ist, so wird vor- 
ausgesetzt , nicht bewiesen , dass derselbe parteiisch , boshaft, 
nergelig ist. Daher die immer wiederkehrenden Wendun- 
gen (p. 5. 10 u. sw.): „selbst Tacitus gesteht ein". „Sogar 
Tacitus kann nicht leugnen", die, wie leicht einzusehen, nichts 
anderes als einen cirkelschluss involvieren. Und nun werden 
die löblichen handlungen, die der vrf. aus keiner andern quelle 
als aus Tacitus schöpfen kann, möglichst herausstaffiert und 
als dem Tacitus durch die hohe vortrefflichkeit des Tiberius wi- 
der willen abgepresst dargestellt , das ungünstige aber hinweg- 
disputiert. Oder der verf. begnügt sich auch, wenn es nicht an- 
ders angeht, mit einer blossen Umdrehung, wie z. b. bei der 
verurtheilung des Titius Sabinus (Ann. IV, 68 ff.). 'Wenn da 
Tacitus dem sinne nach so berichtet: „obgleich Titius nicht 
schuldlos war, so ist doch die art seiner anklage und verur- 
theilung nicht zu rechtfertigen", so wendet dies der verf. so 
(p. 225): „die art und weise, wie u. s. w. ist zwar würdelos 
genug , allein Titius hatte doch nichts besseres verdiont". 
Im äussersten nothfall wird die schuld auf den senat und spä- 
ter auf Sejan geschoben oder wenn bei irgend einer handlung 
des Tiberius keine anderen als verwerfliche motive zu finden sind, 
so heisst es, die motive seien nicht klar zu erkennen. Alle ge- 
genteiligen ansichten aber sind dem verf. unerklärlich oder be- 
dauerlich oder sie werden mit einem frage - oder ausrufungs- 
zeichen widerlegt , wenn sie nicht, wie namentlich die von 
Pasch, auf eine andere, über alles erlaubte mass hinausgehende 



Nr. 5. 117. Römische geschichte. 265 

art abgefertigt werden. Für die art seiner beweisführungen 
mag folgendes als beispiel dienen. Bei einem Charakter, 
wie der des Tiberius ist, sind naturlich die motive in noch 
höherem grade als dies überhaupt der fall ist, sehr zusam- 
mengesetzter art ; es kommen also auch fälle vor , wo an- 
dere motive wirken, als z. b. heuchelei oder Verstellung; diese 
fälle werden dann sofort vom verf. benutzt, um über diejenigen 
das verdammungsurtheil auszusprechen , welche dem Tiberius 
heuchelei oder Verstellung vorwerfen: also weil auch y in dem 
charakter des Tiberius vorhanden ist, so folgt, dass x nicht 
vorhanden sein kann; ähnlich ist es, wenn aus einzelnen löbli- 
chen handlungen des Tiberius — die niemand leugnet, — der 
schluss gezogen wird, dass er überhaupt ein vortrefflicher mensch 
und regent gewesen sei. Auch dies mag noch als ein beispiel von 
der logik des verf. angeführt werden , dass er den Tacitus als 
einen Verfechter der verderbten aristokratie seiner zeit charak- 
terisirt und den umstand, dass derselbe gerade die aristokratie 
seiner zeit vorzugsweise geisselt, nur erwähnt, um dies als eine 
inconsequenz von ihm zu tadeln. Dies sind also die hauptmit- 
tel, welche der verf. für seinen zweck verwendet. Gleichwohl 
erreicht er weiter nichts , als dass Tiberius anfangs und ei- 
gentlich ein vortrefflicher mensch gewesen, aber im verlauf sei- 
ner regierung durch die Übeln erfahrungen, die er gemacht, um- 
gewandelt worden sei. Er sagt p. 107 : „werden die besten und 
edelsten absichten — verdreht, verleumdet, besudelt — nun da 
reisst endlich die geduld und es heisst : mags die canaille haben ! 
So ist es mit Tiberius". Und: „es ist nicht zu leugnen, Tibe- 
rius versank im laufe seiner segensvollen regierung allmählich 
immer mehr in menschenverachtenden pessimismus und selbst- 
quälerischen trübsinn". Dies ist ein ergebniss, womit selbst 
die gegner des verf. beinahe zufrieden sein können. 

Uebrigens ist das buch Freytags, wie wir noch bemerken 
müssen, eigentlich weniger eine apologie des Tiberius als eine 
anklage des Tacitus. Tacitus der republikaner, der parteischrift- 
steller, der Schönredner, ist nach ihm nur von den „liberalen 
Schulmännern" auf den thron gehoben worden; in neuester 
zeit hat sich Nipperdey besonders „ angestrengt , ihn über dem 
wasser zu halten" ; da hat er es sich denn zur aufgäbe gemacht, 
ihn von diesem throne herunterzustossen und statt seiner den — 



266 118. Orthographie. Nr. 5. 

Vellejus Paterculus auf denselben zu erheben. Und in der that 
war dies der geeignetste weg für den verf. zu seinem zweck zu 
gelangen. Wer sich von ihm dahin bringen lässt, statt die vor- 
urtheile und schwächen des Tacitus anzuerkennen und damit 
zu rechnen, ihn vielmehr als falschen zeugen zu beseitigen und an 
seine stelle den höfling Vellejus Paterculus zu setzen, der wird al- 
lenfalls auch seinen resultaten über Tiberius beistimmen können. 

118. Kurzgefasste lateinische Orthographie für schulen von 
Dr Carl Wagner. 8. Berlin, H. Ebeling und L. Plahn. 
1871. 41 s. — 77a gr. 

Hätte der Verfasser dieses schriftchens beherzigt, was Bergk 
im Philologus bd. 28, p. 439 f. auf ergötzliche weise gegen 
die einführung der neuerungen in bezug auf die lateinische Or- 
thographie in die schule erzählt, so würde er sein büchlein un- 
geschrieben gelassen oder wenigstens nur diejenigen artikel 
aufgenommen haben, welche in verschiedener Schreibung in den 
neuern ausgaben der lateinischen schriftsteiler vorkommen, über 
welche übrigens die sechste aufläge meines handwörterbuches 
meist genügendere auskunft giebt, als es in der obigen schrift 
geschehen ist. Dagegen hat der verf. eine menge artikel her- 
beigezogen, die in ein werkchen für schüler gar nicht gehören. 
Denn wer schreibt oder wo steht jetzt gedruckt erumna (für ae- 
rumna), halica (für alica), alumentum (für alimentum), anchora (für 
ancora), anelare anelus (für anhelare, anhelus), amplustre (für aplu- 
stre) , aquiductus (für aquaeductus) , aquonsus (für aquosus) , harista 
(für aristo] u. s. f. auf fast jeder spalte ? Ausserdem giebt der 
verf. seine angaben fast überall ohne eigene kritik mit blindem 
glauben an seine gewährsmänner , obgleich ihn Bergk a. a. o., 
den er ja selbst mehrmals citirt, hätte vorsichtig machen sollen. 
So sagt Fleckeisen p. 8 mit Mommsen unterital. dial. p. 253: 
„die inschriften haben meitens Brittii, die Schriftsteller in den 
besten handschriften Bruttii". Aber gerade die inschriften ha- 
ben oft Bruttii (s. Hübner's Ind. zum Corp. inscr. Lat. 1. p. 
614), die ausgaben der schriftsteiler Brittii, z. b. Cic. Caecin. 
19, 54 ed. Bait., Flor. 1, 13 (18), 27 ed. Jahn. u. ed. Halm., 
Treb. Poll. trig. tyr. 24, 5 ed. Peter., Gromat. vet. p. 44, 19 
u. 209, 11 ed. Lachm. — So ist cepa und cepe die lesart der 
meisten guten handschriften, steht daher jetzt in fast sämmtli- 



Nr. 5. 119. Orthographie. 267 

chen von Neue Formen!. 1 , p. 557 f. angeführten stellen (nur 
Petron. 58, 2 hat Bücheier caepa , Pers. 4, 31 Jahn und Her- 
mann caepe); ausserdem haben Eiese Varr. 541. Men. p. 130, 6 
cepam und p. 110, 6 u. 159,8 cepe, Dressel Prud. c. Symm. 2, 
867 und negl Gn<p. 10, 260 cepe. — Cespes, nicht caespes, haben 
jetzt nach den besten handschriften die ausgaben des Caesar, 
Cicero u. a., vgl. Schneider not. crit. zu Caes. BG. 5, 42, 3. In 
Plin. nat. hist. (z. b. 17. §. 26) schreibt Detlefsen allerdings 
caespes. — Gegen Clytemestra und Clytaemestra, welche Fleck- 
eisen p. 13 für die einzig richtigen hält, trägt Bergk mit recht 
sein bedenken im Philolog. XXVIII, p. 450 vor. Die neuen 
herausgeber (Baiter, Halm, Klotz u. a.) haben (bis auf Heine 
Cic. Off. 1, 31, 114 Clytemestram) alle Cytemnestra an den von 
Fleckeisen angeführten stellen beibehalten. Ebenso auch Keil 
Sergii explan, in Donat. p. 490, 21, obgleich unter den Varian- 
ten Clytemestris steht. Dazu kommt , dass Cic. de fato 15, 34 
keine Variante Clytemestra oder Clytaemestra verzeichnet ist. — 
Danuvius soll nach Glück Keltische namen bei Caesar p. 91 f. 
und Fleckeisen p. 16 die einzig richtige Schreibung sein. Aber 
Nipperdey schreibt Caes. b. G. 6, 25, 1 mit allen handschriften 
Danubius (Kraner corrigirt Danuvius) ; ebenso Parthey im Pomp. 
Mela 2, 1, 8; 2, 3, 13 (cod. A Danuvius, cod. P Danubius) 
und 3, 3, 3; Keil. Plin. Pan. 12, 3. Auch Tac. Germ. 41, 1 hat 
cod. A Danubium , cod. B Danuvium; Veget. mil. 4, 46 haben 
nach Zangenmeister's kritischem apparat alle handschriften Danu- 
lio, und Lang hat so drucken lassen. — Literae ist durch in- 
schriften und handschriften so gut bezeugt, wie litterae ; s. Fleck- 
eisen im Rhein. Mus. bd. 8, p. 229. G. F. Grotefend Gr. 2, 
p. 200 f. (beiläufig ist in Wagners schrift p. 26 unter lit- 
tera z. 3 „einzig durch inschriften" zu schreiben). — Marco- 
manni ist handschriftlich so gut bezeugt, wie Marcomani. Bei 
Caes. b. G. 1, 51, 2 schwanken die handschriften zwischen bei- 
den formen (Nipperdey und Kraner schreiben Marcomani); 
Vell. 2, 108, 1 hat cod. Amorb. Marcomanni, die ed, pr. Mar- 
comani, aber dieselbe 2, 109, 3 (5) Marcomanni, Kritz und Haase 
sehreiben daher Marcomanni. So hat auch Peter in den Scriptt. 
hist. Aug. überall Marcomanni und Marcomannicus und auch Eutrop. 
8, 12 steht Marcomannicus; Gruter. Inscr. 103, 8 findet sich 
allerdings Marcomanis. Dio Cass. 67, 7 u. a. hat Muqxofidvvoti 



268 118. Orthographie. Nr. 5. 

Ptol. 2, 11, 25 Mugxofidvoi, Strabo 7, p. 290 MagxofifAuvoi. — 
Parhedrus steht schon bei Ernesti in Cic. Ep. ad. fam. 16, 18, 
2; ebenso auch Gruter. Inscr. 969, 7. — Penuria hat Jan und 
Detlefsen auch in Plin. nat. bist. (z. b. 18, §. 130). — Phra- 
hates schreibt Kitter auch im Tacitus , s. dens. zu Ann. 2,1; 
auch Jeep hat Justin. 41 , 5, 9 dieselbe form. — Ueber po- 
meridianus , postrneridianus und posmeridianus , alle an verschie- 
denen stellen neuerer ausgaben des Cicero, s. mein Handwörter- 
buch aufl. 6. bd. 2, p. 934. — Promuntorium, welches Fleckei- 
sen p. 25 für ein blosses abschreiberversehen erklärte, hat Kra- 
ner Caes. b. c. 2, 23, 2 (dagegen promunturium bei Caes. b. Gr. 
3, 12, 1), Nipperdey Auct. b. Afr. 62, 3. 63, 5, Roth Suet. Aug. 
17, Jeep Justin. 4, 1, 16: promontoria schreibt noch Baiter Cic. 
Flacc. 13, 30, p. 817, 50 ed. Turic. — Die Schreibung sepes 
und praesepio haben Nipperdey und Kraner im Caesar, sepire 
Haase bei Sen. de Clem. 1,59,6; Detlefsen sehreibt Plin. Nat. 
bist. 8, §. 29 praesepium , Peter Vopisc. Aurel. 22, 1 septiones, 
Bernays Lucr. 6 , 228 per septa domorum. — Saguntus, von 
Madvig in den Bemerkungen u.s.w. p. 21 anm. verworfen, steht 
sicher Liv. 21, 19, 1 (Sagunto excisa, was auch Madvig selbst 
in seiner ausgäbe hat), Mela 2, 6, 6 ed. Parth. (Saguntum illam); 
Saguntos hat Flor. 2,6,3 (Saguntos electa es) , Stat. Silv. 4, 
683 (Grata Saguntos). Ebenso steht Tarentus in prosa sicher, 
Mela 2, 4, 8 (= 2, §. 68) ed. Parth., Flor. 1, 18, 2 ed. 
Halm. 

Statt der oben erwähnten für den schüler ganz unbrauch- 
baren artikel hätte der verf. andere wichtigere aufnehmen sol- 
len, auf welche ihn mein Handwörterbuch sechste aufl. hätte 
aufmerksam machen können, z. b. Boeoti und Boeotii. Letztere 
form verwirft Fleckeisen im Piniol. 4, p. 333, anm. 24. Aber 
Nipperdey hat im Com. Nepos überall Boeotii beibehalten ; ebenso 
Hertz bei Liv. 33 , 1 , 1 , Detlefsen bei Plin. NH. 10, §. 
49. — Dalmatae und Delmatae : letzteres schreiben die besten 
handschriften bei Cicero (z. b. Ep. ad fam. 5, 11, 3 Bait.), bei 
Velleius, Florus, Sueton und Tacitus, s. Rubriken, Kritz zu Voll. 
2, 39, 3. Ritter zu Tac. Hist. 2, 32. Oudend. zu Suet. Aug. 
20 ; ebenso in Inschriften, z. b. Act. triumph. im Corp. inscr. 
Lat. 1, p. 460, no. 637. — Duumviri und triumviri verwirft für 
die inschriften Zumpt in Jahn's Jahrbb. bd. 49. p. 143 und zu 



Nr. 5. 118. Orthographie. 269 

Cic. 1. agr. 2, 7, 16, p. 44; aber duomvires steht wenigstens sicher 
Corp. inscr. 1. no. 1149. Der sing, duumvir oder duomvir steht 
ausser bei den Schriftstellern auch sicher ausgeschrieben in in- 
Schriften, z. b. Corp. inscr. Lat. I. no. 1107 (= Murat. Inscr. 
2015, 5), no. 1235 (= Inscr. Neap. 2514) und no. 1341 
(= Orelli Inscr. 2600) , und Gloss. Labb. : duumvir ÜTQarrjyog. 
Eine duumvira s. Renier Inscr. Afr. 3914, einen exduumvir le- 
sen wir Impp. Constant. et Licin. bei Augustin. 88. no. 4. ed. 
Maur. Der nom. sing, triumvir steht ausgeschrieben Corp. Inscr. 
Lat, no. 198, 16 und. no. 538 (TRIU.VIR) und Labb. Gloss., 
Genit. triurnviri, Orelli Inscr. 3852, dat. triumviro, ibid. 3833, 
acc. triumvirum Monum. Ancyr. col. 1. lin. 10, abl. pro trium- 
viro, Renier inscr. Afric. no. 2169). — Euadne, nicht Evadne, 
Euander, nicht Evander, haben jetzt alle guten ausgaben; ebenso 
wohl auch mit Klotz's Handwörterbuch euangelicus , euangelista, 
euangelium , nicht evangelium , obgleich alle ausgaben der Eccl. so 
schreiben. — Hercula?ieum, nicht Herculanum, s. Freund's Wör- 
terbuch. — Lanterna , nicht laterna, lanternarius nicht laternarius 
s. Bücheier im Rhein. Mus. 18, p. 393 und Schmitz das. 19, 
p. 301. Dazu noch Juven. 5, 88 ed. Jahn ; Veget. mil. 4, 18. ed. 
Lang., Itala euang. Joann. 18, 3 und 20, 8. Vgl. ital. lanterna, 
franz. lanterne, engl, lantern. — Portunus , nicht Portumnus , s. 
Foggin. fast. Rom. p. 128, Fleckeisen Jahn's Jahrbb. bd. 60, 
p. 255. — Sardis , nicht Sardes, s. mein Handwörterbuch bd. 
2, p. 1483, und Trallis nicht Trolles, s. ebendas. p. 1999. — 
Die formen sulfur und sulpur oft in den besten handschriften, 
daher auch in neuern ausgaben. So sulfur z. b. bei Pers. 2, 25 
ed. Jahn, und Apul. Met. 10, 24 ed. Hildebr., sulpur bei Lucr. 
6, 221 und 806 ed. Lachm. und ed. Bern., Cato RR. 39, 1 
cod. Vict. (Schneider sulfur) ; Ovid. Am. 2 , 330 und 441 ed. 
Merkel, (mit cod. reg.), Juven. 13, 145 u. a. ed. Jahn., Plin. 
nat. hist. (z. b. 20, §.55 u. 95) ed. Jan. u. ed. Detl., hingegen 
Sillig überall sulphur. — Ueber die jetzt in vielen ausgaben nach 
den besten handschriften aufgenommene Schreibung Trogodytae 
s. mein Handwörterbuch bd. 2, p. 2046. 

119. Joannis Aurispae espistola edita ab Henrico Keilio. 

Ind. schob der Universität Halle für das sommersemester 1870. 

H. Keil giebt in der obigen gelegenheitsschrift einen 



270 119. Geschichte der philologie. Nr. 5. 

kurzen, aber in mehrfacher beziehung interessanten brief Auri- 
spa's heraus, den A. Wilmanns auf dem florentiner archiv ent- 
deckt hat. Er enthält einen vom 6. aug. 1433 (so bestimmt 
Keil das jähr) aus Basel datirten bericht über eine reise, die 
Aurispa während des baseler concils längs des Rheines gemacht 
hat, und deren zweck zum theil in der forschung nach alten 
handschriften bestand. Es ist dies eine jener entdeckungsrei- 
sen italienischer gelehrten nach dem norden, die bereits fast 
ein Jahrhundert zuvor Petrarca begann, darauf zur zeit des con- 
stanzer concils besonders Poggius mit so bedeutendem erfolge 
fortsetzte, und die dann öfter von Florenz und Rom aus in's 
werk gesetzt wurden. Bekannt sind besonders die reisen des 
Henoch von Ascoli, weniger die, wie es scheint, resultatlose des 
Joh. Jac. Spinula (s. Mitarelli, Catal. codd. mscr. S. Michaelis, 
Venet. 1779 col. 375 einen brief des Barth. Eacius an Spinula : 
L. cardinalis Morinensis diligentia bibliothecae omnes Galliae , üb 
alias scripsisti , ab inquisitoribus evolutae ac resupinatae fuerunt). 
Auch von der fahrt des Aurispa nach Deutschland war bisher 
nichts bekannt. 

Keil commentirt mit grosser gelehrsamkeit die literarisch 
wichtigen angaben seines briefes. Aurispa war von Basel aus 
in Mainz, Cöln und Aachen. In Mainz fand er den panegyri- 
cus des Plinius mit der Sammlung der späteren panegyriker, 
ausserdem den Donat zu Terenz, in Cöln den Fortunatian de 
arte dicendi, in Basel den Plinius Valerianus. Endlich spricht 
er noch von einem vollständigen Tertullian. Bis auf letzteren 
gehören die genannten Schriftsteller zu denjenigen, welche schon 
im mittelalter selten waren, und deren Überlieferung ausschliess- 
lich oder vorzugsweise auf jene von Aurispa gefundenen arche- 
typi zurückgeht. Die bedeutung jenes briefes für die geschichte 
dieser texte ist also eine recht bedeutende. 

Ihr entsprechen die gelehrten ausführungen Keils. Er 
gibt zuerst eine chronologische Übersicht der lebensgeschichte 
Aurispa's, die mit grossem fleiss meist aus den briefsammlun- 
gen der gleichzeitigen gelehrten zusammengestellt ist. Je mehr 
sich das quellenmaterial über die gelehrtengeschichte dieser zeit 
vergrössert, desto Wünschenswerther wird es , eine gleich ein- 
gehende, chronologisch genaue geschichte aller an der Wieder- 
erweckung der Wissenschaften theil nehmenden männer zu ha- 



Nr. 5. 119. Geschichte der philologie. 271 

ben. Die entdeckungen von handschriften häufen sich in der 
ersten hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts so sehr, dass es 
schwierig ist den Zeitpunkt jeder einzelnen genau zu bestimmen. 
Nur auf diesem wege jedoch und unter sorgfältiger vergleichung 
der abschriften jener zeit wird es möglich sein über manche 
dunklen punkte der geschichte der texte aufschlüsse zu er- 
halten, welche auch für die texteskritik selbst von werth sein 
werden. Insbesondere die Überlieferung mancher ciceronischen 
reden wird nur auf diesem wege aufgeklärt werden können. 

Es mögen hier einige notizen folgen, welche die fäden der 
Keuschen Untersuchungen über einige der von Aurispa genannten 
bibliotheken und handschriften weiter spinnen. 

In Cöln hatte bereits Poggius im j. 1417 oder 1418 nach 
handschriften geforscht; ob er die dortige metropolitanbibliothek 
sah, der Keil die von Aurispa gefundenen zuschreibt, ist freilich 
ungewiss. Auch scheint Poggius nicht die erlaubniss erhalten 
zu haben handschriften von dort auszuführen; indess fand er 
dort ein stück des Petronius , das er abschreiben liess, wie er 
selbst in einem briefe aus Eom an Nicolaus Nicoli vom 28. 
mai 1423 (bei Tonelli p. 91) mittheilt: Ällatus est mihi ex Co- 
lonia XV Liber Petronii Arbitri, quem curavi transcribendum modo 
cum Mac iter feci. Im selben briefe spricht er von einem an- 
dern fragment dieses Schriftstellers , das er dem Nicolaus aus 
England zuschickte. 

Das verdienst des Aurispa um die Verbreitung des Donatus 
zum Terenz wird auch durch einen brief des Antonius Panor- 
mita an jenen aus Neapel ohne datum (in Gruters Lampas crit. 
Lucca, 1747, b. 3, p. 353) bestätigt, wo es heisst : Item procurabis, 
si me amas, si a me amari vis, commentarios Donati ad Terentium 
extorquere ab Aretino tuo, olim meo, unter welchem letzteren ver- 
mutlich derselbe Carolus Aretinus gemeint ist, dessen Aurispa am 
schluss des von Keil edirten briefes erwähnung thut. Ueber die 
weiteren Schicksale des Donat giebt vielleicht aufklärung ein brief 
des Jac. Kurulus aus Genua an den könig Ferdinand von Nea- 
pel, der bei Mitarelli a. a. o. p. 295 ff. abgedruckt ist. Ein 
zeugniss über Donat aus dem neunten Jahrhundert findet sich 
in einem briefe des abtes Servatus Lupus von Ferneres an 
pabst Benedict XIII (bei Muratori Antiq. 3, 835): Pari inten- 
tione Donati commentarium in Terentium ßagitamus. 



272 119. 120. Geschichte der philologie. Nr. 5. 

Wenn Aurispa gegen schluss des briefes sagt, er werde 
über alle gefundenen handschriften bericht an Nicolaus Nicoli 
schicken, so haben wir dafür, dass dies geschehen ist, wohl 
eine bestätigung in einem briefe von Nicolaus freunde Ambro- 
sius Traversarius an den cardinal Jordanus Ursinus aus Flo 
renz X Kai. Nov. 1433 (Epp. Ambros. Trav. 2, 9), in wel- 
chem er schreibt : Tertulliani quoque Volumina antiqua deferenda in 
Italiam brevi significavi dulcissimo in nie amori tuo, ad quae tuum 
posset, quod mendosissimum est, volumen emendari, quod in potestate 
nostra et arbitrio est. Die zeit des briefes stimmt so genau, dass 
man kaum daran zweifeln kann, der von Ambrosius erwartete Ter- 
tullian sei der von Aurispa bezeichnete. D. Detlefsen. 

120. Deutscher universitäts - und schulkalender XX. Jahrg. 
I. theil von Dr Eduard Mushacke. Berlin. 1870. 

Die einrichtung des Mushacke'schen schul - kalenders ist zu 
bekannt, als dass dieselbe einer besondern empfehlung bedürfte. 
Die realschullehrer und gymnasiallehrer werden dem verf. aber, 
glaube ich, wenig dank wissen für die zugäbe des Universitäts- 
kalenders, wodurch der schul - kalender — namentlich wenn man 
ihn, wie doch wohl nöthig ist, mit papier durchschiessen lassen 
will — zu stark wird und an umfang dem 12. Jahrgang fast 
gleich kommt. Da Mushacke seit einer langen reihe von jäh- 
ren stets auf Verbesserungen bedacht gewesen ist, auch öfter 
den wünsch ausgesprochen hat, dass andere vorschlage machen 
möchten, so wird er mir auch die folgenden nicht übel deuten. 
Es scheint mir nämlich wünscbenswerth , dass ausser dem uni- 
versitäts - kalender die bücher- anzeigen hinter p. 124 fortblei- 
ben, und dass die Ordinariats - listen , die für circa 200 schüler 
berechnet sind, (vor welcher zahl gott jeden Ordinarius bewah- 
ren möge!) weniger seiten füllen mögen; denn ein schul-kalen- 
der muss nicht zu dickleibig sein. Treten nicht, wie in diesem 
jähre, wichtige hindernisse ein , so wird es zweckmässig sein, 
beide theile zu gleicher zeit, und zwar kurz vor ostern erschei- 
nen zu lassen. Denn diejenigen schulen, welche, wie die hie- 
sige, um ostern den Jahres -cursus nicht schliessen, weichen in 
betreff der ferien - Ordnung gar zu sehr von einander ab, als 
dass allen wünschen rechuung getragen werden könnte. Den 
kalender aber zu erhalten, wenn das neue semester begonnen 



Nr. 5. Theses. — 121. Neue auflagen. 273 

und man bereits alles im alten kalender eingerichtet hat, wird 
niemand recht sein. E. Kräh. 

THESES quas . . . ampl. philos. ordinis consensu et auc- 
toritate in un. Gryphiswaldensi . . die XIII m. Aprilis . . pu- 
blice defendet Paulus Weyland: I. nego „cubi" pro „ubi", 
„cubicunque" pro „ubicunque" similes formas in Plautiuis fabulis 
restituendas esse contra Kitschelium in Mus. Ehenano nov. 
XXV, p. 306 sq. — II. In Ar. Acharnensibus v. 1226 loco 
movendum esse iudico. — III. In Horatii carm. II, 17, 25 
pro „cum" Lachmannus melius „cid" quam H. Duentzer „ac" 
(Philol. XXVII, p. 112) proposuisse videtur. — IV. In Te- 
rentiana Eunucho prologi vv. 14 sq. ad sententiarum nexum 
quadrare nego. — V. Summum artis criticae principium conti- 
netur Epicharmia illa sapientia: vücpe xal fiifivad 1 umcieTv. 

NEUE AUFLAGEN: 121. J. G. Droysen, der staat des 
grossen kurfürsten. 2ter bd. 2. aufl. 8. Leipzig. Violet; 
2 thlr. 12 gr. — 122. Homer's Iliade. Erklärt von J. 
U. Fäsi. 1. bd. 5. aufl. Besorgt von J. Fr. Franke. 8. 
Berlin. Weidmann; 18 ngr. — 123. Homer's Odyssee. Für 
den schulgebrauch erklärt von K. F. Am eis. 2. bd. l.hft. 4. aufl. 
8. Leipzig, Teubner; 12 ngr. — 124. Homer's Uias. Seriös 
und comisch in 21 blättern von J. H. Bamberg. Mit erklä- 
rungen von Kits che 1. 2. aufl. Qu. fol. Gera. Griesbach; 
2 thlr. 15 ngr. — 125. Xenophon's Cyropädie, erklärt von 
F. K. Hertlein. 1. bd. 3. aufl. 8. Berlin, Weidmann; 
18 ngr. — 126. Demosthenes ausgewählte reden, erklärt von 
A. Westermann. 1. bd. 6. aufl. Berl. Weidmann; 15 ngr. 
— 127. Aeschinis oratoris opera. Nova editio stereot. Nova 
impressio. 16. Leipzig. Holtze; 7*/2 ngr. — 128. Vergil's 
gedicbte. Erklärt von T h. Lad ewig. 3. bd. 5. aufl. 8. 
Berlin. Weidmann; 18 ngr. — 129. Horatii Flacci opera a 
M. Haupt tertium recognita. 16. Leipzig. Hirzel; 1 thlr. 
7*/2 ngr. — ■ 130. C. G. Bruns, fontes iuris romani antiqui. 
Ed. 2a. 8. Tübingen. Laupp ; 1 thlr. 10 gr. — 131. T. 
Livi ab urbe condita libri , erklärt von W. Weissenborn. 
1. bd. 5. aufl. 8. Berl. Weidmann; 22 1 /» ngr. — 132. 
Pomponii Melae de situ orbis 1. HI. Ed. ster. 16. Nova impr. 
Leipzig. Holtze; 4 ngr. — 133. Plinii Secundi Epistolae et 
Panegyricus. Eec. C. H. Weise. Ed. ster. Nova impressio. 
16. Leipzig. Holtze; 9 ngr. — 134. G. Aurelii Victoris hi- 
storia romana. Ed. ster. Nova impressio. 16. Leipzig. Holtze; 
4 ngr. — 135. Osiander und Schwab griechiscbe und rö- 
mische dichter und prosaiker in neuen Übersetzungen : es er- 
scheinen einzelne hefte in neuen auflagen immerfort , so von 
Philol. Anz. III. 18 



274 140 — 55. Neue Schulbücher. — 156. Bibliographie. Nr. 5. 

Homer, Cicero u. s. w. — 136. Griechische prosaiker in neuen 
Übersetzungen. Hrsg. von E. Osiandcr und G. Schwab. 
16. Stuttgart. Metzler: jetzt Xenophon : bd. a 5 gr. — 1.37. 
E. Berger, lateinische stylistik. 4. aufl. gr. 8. Celle. Ca- 
paun ; 21 ngr. — 138. U eher weg, grundriss der gcscliiclite 
der pbilosophie. 1. thl. Das alterthum. 4. aufl. 8. Berlin. 
Mikle; 1 thlr. 16 gr. — 139. K. Schmidt, gcscliiclite der 
erziehung und des Unterrichts. 2. aufl. v. W. Lange. 8. 
Cöthen. Schettler; 1 thlr. 10 ngr. 

NEUE SCHULBUECHER: 140. K. A. J. Hoff mann, 
rhetorik für gymnasien. 2. abth. 3. aufl. besorgt von A. Schu- 
ster. 8. Clausthal. Grosse; ll 1 /** ngr. — 141. C h r. G. J. 
Deter, lateinisches regelbuch für den schnlgebrauch. 8. Ber- 
lin. Hempel ; 20 gr. — 142. 3.4. Freund's schülcrbihliothek. 
1. abth. Präparationen cett. Präparation zu Tacitus wer- 
ken. 4. 5. lieft. 16. Leipzig. Kicolai ; a, 5 ngr.: — zu 
Livius röm. geschichte. 4. hell. 2. aufl. ; ebenda«.; 5 ngr. — 
145. Griechisches elementarbuch enthaltend I. Formenlehre und 
vocabularium. II. Lesebuch und Übungsstücke nebst Wörterbuch. 
Im anschluss an G. Curtius schulgraminatik zusammengestellt 
von G. Stier und H. Stier. 2. aufl. 8. Wittenb. Rohling; 18 
ngr. — 146. Homer's Ilias. Für den schulgebrauch ei klärt von J. 
laRoche. 6. hef't. 8. Berlin. Eb. u. Plan ; 15 ngr. — 147. 
Cornelii Nepotis vitae excellentium imperatorum , ed. A. Ei- 
ch ort. 6. aufl. 8. Breslau. Rom; 4 ngr. — 148. Cor- 
nelius Nepos. Mit anmerkungen und Schulwörterbuch von E. 
Ebeling. 8. Berlin. Ebeling u. Plan; 18 ngr. — Schulwör- 
terbuch apart 8 ngr. — 149. C. Franke, griechische foimen- 
lehre. 6. aufl. 8. Berlin. Springer; löngr. — 150. M. Sey f fert, 
Hauptrogeln der griechischen syntax. 6. aufl. Berlin. Springer; 
5 gr. — 151. C. Wagen er kurzgefasste lateinische Orthogra- 
phie für schulen. 8. Beilin. Ebel. u. Plan; 7*/2 ngr. — 152. 
H. Referst ein, repetitionstabellen zur lateinischen gramma- 
tik. 1. Curs. 8. Jena, Costenoble ; 10 ngr. — 153. A. Gö- 
del, kleine formcnlehro der lateinischen spräche. 8. Sehwie- 
bus. Wagner; 7*/a ngr. — 154. A. S. Schönborn, latei- 
nisches lesebuch. 1. cursus. 17. aufl. 8. Berlin. Mittler; 7'/2 
ngr. — 155. G. Weiler, lateinisches lesebuch aus Livius. 
7. aufl. 8. Ilildburghausen. Resselring; 15 gr. 

BIBLIOGRAPHIE. 156. Bibliothcca philologica, herausge- 
geben von W. Mulden er. 23. jahrg. 2. lieft juli — decemb. 
1870. gr. 8. Göttingen. Vand. u. Ruprecht; 24 ngr. 

Mittheilungen der Verlagshandlung B. G. Teubn er in Leip- 
zig. 1871 : nr. 2 : theilen mit, dass nächstens erscheinen wer- 



Nr. 5. Bibliographie. 275 

den: A. Eöckhs kleine Schriften 5. bd. : academische abhand- 
lungen aus den jähren 1814 — 1322, herausgegeben von Dr 
Brat us check und Dr Eichholz: dass bd. 4. erst nach die- 
sem bd. 5 besorgt von Dr A scherso n gedruckt werden könne. 
[Diese foitsetzungen bringen die Opuscula von G. Hermann, die 
kleinen deutschen Schriften von K.O. Müller in erinnerung, von 
deren endlicher Vollendung auf den philologen - Versammlungen 
wiederholt die rede gewesen: warum werden die fehlenden bände 
nicht edirt? Eine autwort auf diese frage wäre allen philolo- 
gen gewiss sehr erwünscht !] — Ferner wird von Teubner an- 
gekündigt: Acschinis adversus Ctesiphontem oratio, Rec. et explic. 
Andreas Weidner. — Es folgen dann ankündigungen neuer 
ausgaben der Bibliotheca script. Graecorum et Rom. Teubneriana, 
Dinarch von Blass, Prodi in I Euclidis elem. libr. comm. II. 
IV von Friedlein , endlich ankündigung einer Bibliotheca scri- 
ptorum latinorum recentioris aetatis, welche mit Ant. Mureti scripta 
selecta von J. Frey besorgt beginnen soll. 

J. Perthes in Gotha kündigt die dritte aufläge von K. 
v. Spruner's handatlas für die geschichte des mittelalters und 
der neueren zeit an, besorgt von Dr. T h. M e n k e: die Lüde- 
ritz'sche verlagshandlung (A. Charisius) die Sammlung gemein- 
verständlicher wissenschaftlicher vortrage von A. Virchow und 
F. v. Holtzendorf herausgegeben: es sind darunter auch philo- 
logisch interessante Sachen, wie Stark leben Winckelmann's, 
Nissen Pompeji, 0. Ribbeck Sophokles u. s. w. 

XXVIII. Catalogus librorum Artem antiquam ülustrantium ex 
bibliotheca O. Iahnii, pretiis quae adscripta sunt prostant apud 
Max Cohen et filium librarios Bonnenses. Bonn. 1871. 

Cataloge von antiquarcn: Jos. Baer's in Frankfurt a. M. 
antiquarische anzeigen, nr. 196; Fr. A. Brockhaus antiqua- 
rischer catalog, deutsche spräche und literatur vorzugsweise be- 
treffend; catalog 134 des antiquarischen bücherlagers vou Franz 
Conrad in Gotha (wenig philologisches); V. verzeichniss des 
antiquarischen bücherlagers von Georg Friedrich in Bres- 
lau; nr. XXXVI. Antiquarischer catalog von Isaa c St. Go ar in 
Frankfurt am M. ; catalog der antiquar-buchhandlung von Ferd. 
Klemm in Wien, einzelne alte drucke von classikern enthal- 
tend; nr. 222. K. F. Köhler s in Leipzig antiquarische an- 
zeigehefte, wichtig für gelehrten - geschichte, die der academien, 
Universitäten, buchdruckerkunst und ausländische literatur; III. 
Ant'quariats - catalog von Simmel u. co. in Leipzig, geschichte 
und ihre hiilfswissenschaften ; (74). Verzeichniss von werthvollen 
zum grössten theile seltenen büchern und kupferwerken . . . 
von Ferd. Steinkopf in Stuttgart; catalog 92 des anti- 
quarischen bücherlagers von Fr i edri ch W agner .. in Braun- 
schweig (auctorcs graeci et latini , grammatik) ; dess. catalog 93- 
(alk'ememe Sprachwissenschaft cett.); dess. catalog 94 (zeitschrif- 

18* 



276 Bibliographie. Nr. 5. 

ten , gelehrtengeschichte u. s. w) ; W. Weber in Berlin, ver- 
zeicbniss 88 altclassische plrilologie enthaltend, verzeichniss 89 
deutsche geschichte, verzeichniss 90 allgemeine geschichte und 
geographie, verzeiclmiss 91 kunst und kunstgeschichte, verzeich- 
niss 92 Sprachwissenschaft, ausser der griechischen und lateini- 
schen spräche; E. Weingart in Erfurt, catalog n. 490;,dess. 
Offerte billiger bücher: die verzeichneten bücher werden zu 3 
sgr. pro bd. erlassen, wenn man 5 bde nimmt. 

Libraria C. Schiepatti in liquidazione Torino ; XIV Ca- 
talogue de la librairie ancienne de H. F. Münster — Ve- 
rone. 

Auctionen: Verzeichnis der von dem hrn probst prof. dr 
Schöne, hrn dr Tänzer und rath Balthasar nachgelassenen bi- 
bliotheken, welche am 27. juni zu Halle a. S. durch J. F. Lip- 
pert versteigert werden: zu auftragen empfiehlt sich E.H.Her- 
mann; verzeichniss der von den herren dr Fr. Franke, dr 
Fukel, dr Heymann, dr Spitzner nachgelassenen bibliothekcn, 
welche nebst anderen büchersammlungen am 26. juni durch H. 
Härtung in Leipzig versteigert werden. 

KLEINE PHILOLOGISCHE ZEITUNG. Im Börsenblatt 
erscheinen jetzt auch kurze nachweisungen der recensionen in 
holländischen Zeitschriften, so in nr. 68. 

Die ca 65000 bände zählende und eine grosse anzahl in- 
cunabeln enthaltende bibliothek des giafen F. F. Fugger- 
Glött zu Dillingen soll im laufe des j. 1871 durch die Koll- 
mann'sche buchhandiung daselbst verkauft werden. 

Auszeichnungen, todesfälle, Stiftungen durch den krieg ver- 
anlasst und deutschen buchhändlern zu theil geworden verzeich- 
net Börsenbl. nr. 71. 77. 81. 85. 87. 96. 97. 99. 100. 103. 

Petzholdt's neuer anzeiger f. bibliogr. 1871 heft 4 be- 
spricht die oben nr. 1. p. 56 angezeigte Bibliotheca philologica. 

Der pariser buchhandel während der belagerung wird von 
O. Mü hl brecht im Börsenbl. 1871 nr. 85 skizzirt. 

Bei Dümmler in Berlin ist erschienen : „Verzeichniss der 
abhandlungen der königl. preussischen academie der wisseuschaf- 
ten von 1700 — 1870 in alphabetischer folge der Verfasser 1 ': 
1 thlr. 10 gr. 

In betreff der Stellung der Deutschen in Paris während 
des krieges ist nicht ohne interesse die erklärung vou H. J. 
Baer aus Paris im Börsenbl. nr. 91. 

Die im Piniol. Anz. nr. 3, p. 158 kurz angezeigten briefe 
deutscher gelehrten an Napoleon III liefern den Zeitungen und 
tagesblättern noch immer Stoff zu allerlei unliebsamen bemer- 
kungen: s. Köllner Ztg. 1871, nr. 65, Börsenbl. nr. 85. 

Nach Börsenbl. nr. 91 ist die St. Gallener zeitung (nach 
Börsenbl. nr. 97 ein actien - unternehmen, was mit keiner buch- 



Nr. 5. Kleine philologische Zeitung. 277 

handlung in beziehung steht) die unter den schweizer Zeitun- 
gen, welche die gehässigsten hetzereien und Verleumdungen 
gegen die Deutschen bringt. 

An deutchen Universitäten giebt für die academischen re- 
den der jetzt beendete krieg vielfach, wie es scheint, den stoff: 
aus öffentlichen blättern sind uns bekannt geworden: E. Curtius 
der geburtstag des deutschen kaisers, 8. Berl. 1871, E. Herr- 
mann, das neue deutsche reich. Festrede. 8. Marburg, El- 
wert: 3 ngr; 0. Ribbeck, die gesundheit des Staats. Rede. 
8. Universitätsbuchh. Kiel; 4 ngr. Vgl. ob. n. 4, p. 188. 

Die für die Strassburger bibliothek eingelaufenen beitrage 
finden sich in Börsenbl. nr. 114 verzeichnet. 

Leopold Schmidts ob. nr. 1, p. 8 angezeigtes pro- 
gramm : de tractandae syntaxis Graeeae ratione ist bei Elwert in 
Marburg besonders erschienen ; 5 ngr. 

Coburger Zeichnungen und antiken. Diebedeutung 
älterer handzeichnungen nach antiken für die classische archäolo- 
gie tritt wohl nirgend so klar zu tage wie in den Carreyschen Skiz- 
zen der parthenonsculpturen , die uns in diesen tagen durch die 
musterhafte publication von Michaelis wieder nahe gebracht sind. 
Unter den Zeichnungen nach römischen monumenten galten bis 
jetzt diejenigen, welche der codex Pighianus in Berlin enthält, 
für die wichtigsten. Vor kurzem ist jedoch eine noch reichhal- 
tigere Sammlung in Coburg aufgetaucht, die auf 212 blättern 
ca 260 antike monumente wiedergiebt. Die zahl der statuen 
ist gering, um so bedeutender die der reliefs namentlich solcher, 
die die Vorderseite römischer Sarkophage schmücken. Viele von 
diesen sind nicht mehr nachweisbar, aber auch für die erhalte- 
nen sind jene Zeichnungen zum grossen theil deshalb von Wich- 
tigkeit , weil sie dieselben oft noch vollständiger und in einem 
bessern zustand, stets aber, was ungemein wichtig ist, ohne alle 
restaurationen geben. Die Zeichnungen sind mit der feder um- 
rissen und mit dem pinsel in einem violetten unserer neutral- 
tinte verwandten ton ausgeführt; wie es scheint, nicht von ei- 
ner, sondern von mehreren sehr nah verwandten und vortreff- 
lich geschulten bänden mit der grössten Sorgfalt und mit einem 
verständniss für das detail, das in erstaunen setzt und nur in 
Rom durch das eingehendste vergleichende Studium der alten 
marmorwerke gewonnen werden konnte. Der Stil wie die 
schriftzüge der band, die mitunter spärliche bemerkungen hin- 
zugefügt hat, weisen auf die mitte des 16ten Jahrhunderts, was 
ausserdem auch daraus hervorgeht , dass, wo die Sammlung mo- 
numente enthält, die auch der Pighianus bietet, eine sehr nahe 
Verwandtschaft der Zeichnungen in die äugen fällt. Da bald 
die berliner bald die coburger Sammlung reichhaltiger ist, so 
scheint es dass beide von einem jetzt verschollenen exemplar 
abgezeichnet sind. Ueber dies verhältniss wird ref. an einem 



278 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

andern orte sprechen und zugleich eine kurze bescbreibung des 
inhalts der coburger Sammlung mittheilen , die sich eng an die- 
jenige anschliessen soll , die 0. Jahn in den berichten der säch- 
sischen gesellschaft der Wissenschaften 1868, p. 161 ff. von 
den monumenten des Pighianus gegeben bat. Die Sammlung 
ist dem herzog von Coburg-Gotha ungefähr vor einem jähr ge- 
schenkt und ist bis dahin auf der veste Coburg aufbewahrt worden. 
[Vrgl. Philol. XXXI, p 331 flg.] 

Nach diesen mannigfaltigen, zum Iheil aber auch noch die 
Wirkungen des eben beendeten kriegs aufweisenden notizen wen- 
den wir uns zu den philoiogen, die zu ihm herangezogen wor- 
den sind. 

I. Es sind gefallen : 

248. H. A. Dembowsky aus Königsberg, ward immatriculirt 
oct. 1869, ordl. mitgl. des seminar's, trat in das lste ostpreussische 
grenadier-regmt nr. 1. kronprinz, ward verwundet bei St. Quen- 
tin und starb im lazareth zu Keims. 

249. C. Rossak aus Barten, (Königsberg), immatriculirt im 
oct. 1869 zu Königsberg, trat in das ostpreussische feld-artill.- 
rgmt. nr. 1. corps I: starb bei Clermont im juli 1871. 

II. Im felde stehen : 

Auf der Universität studierende philoiogen: 

Königsberg : 

1. Mitglieder des philologischen seminars: 

250. B. B. Brill, aus Conitz (Marienwerder), ward immatri- 
culirt ost. 1866, ordentliches mitglied, war bei der kranken- 
pfiege thätig. 

251. J. R. Blichholz, aus Braunsberg (Königsberg) ward im- 
matriculirt mich. 1867, steht im 6. ostpieussischen inf.-rgmt nr. 
43. Corps I. 

252. Dr. phil. II. F. A. Gronau, aus Gr. Waldeck (Königs- 
berg), ward immatriculirt mich. 1865, ordentliches mitglied, steht 
im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 43. Corps I. 

253. W. ß. M. Heinacher aus Marienwerder, ward immatri- 
culirt mich. 1867, ordentliches mitglied, steht im 6. ostpreussi- 
schen inf.-rgmt. nr. 43. Corps I. 

254. II. A. Krupp, aus Liebemühl (Königsberg), ward imma- 
triculirt ost. 1870, ausserordentliches mitglied, steht im 6. ost 
preussischen inf.-rgmt. nr. 43. Corps I. 

255. E. W. 0. Rauschning aus Taukitten, (Königsberg), im- 
matriculirt ost. 1866, ordentliches mitglied, steht im 6. inf.- 
rgmt. nr. 43. I. corps. 

256. G. Rohrer, aus Loetzen, (Gumbinnen), stud. in Königs- 
berg von mich. 1866 — ost. 68; in Berlin seit oct. 68 — 69; in 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 279 

Königsberg seit 1869, ordentliches mitglied, ist eingetreten beim 
ostpreussischen feld- art.-rgmt. nr. 1. Corps I. 

2. Studirende der philologie die nicht im seminar sind: 

257. C. ül. F. ßodendorff aus Johannisburg , (Gumbinnen), 
ward immatriculirt mich. 1867, steht im 5. ostpreussischen inf.- 
rgmt. nr. 41. Corps I. 

258. C. A. II. ßöltchcr aus Stallupönen, (Gumbinnen), ward 
immatriculirt mich. 1867, trat in das ostpreussische feld - artille- 
rie-rgmt. nr. 1. Corps I. Ritter des eisernen Ircuzes. 

259. E. L. Ä. Brennekam aus Memel (Königsberg), ward im- 
matriculirt mich. 1867, steht im 1. westpreussischen grenadier- 
rgmt. nr. 6. Corps V. 

260. G. A. Biirgsrhat, aus Königsberg (Königsberg), ward im- 
matriculirt mich. 1867, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 
43. Corps I. 

261. 0. Daumlehner aus Königsberg (Königsberg), ward im- 
matriculirt ost. 1867, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 
43. Corps I. 

262. E. G. B. von Dngalsky aus Danzig (Danzig), ward im- 
matriculirt ost. 1869, steht im 1. ostpreussischen grenadier - rgmt. 
nr. 1 , kronpriuz. Corps I. 

263. F. Fischer aus Insterburg (Gumbinnen), ward imma- 
triculirt ost. 1866, steht im fiiselier-rgmt. nr. 33, im VIII. corps. 
Räter des eisernen kreuzcs. 

264. F. Vf. 0. Frick aus Tilsit (Gumbinnen), ward immatri- 
culirt ost. 1868, steht im 6. ostpreussischen inf. - regmt. nr. 43. 
Corps I. 

265. J. Goerigk aus Gr. Mensdorf (Königsberg) , ward im- 
matriculirt mich. 1869, steht im 5. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 
41. Corps I. 

266. B. C. A. Graeser aus Marieuwerder (Marienwerder), ward 
immatriculirt mich. 1866, steht im inf.-rgmt. nr. 86. Corps IV. 

267. C. L. F. lialling aus Sensburg (Gumbinnen), ward im- 
matriculirt ost. 1867, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 
43. Corps I. Ritter des eisernen Tcreuzes. 

268. II. Hassensleiu aus Gründen (Gumbinnen), ward imma- 
triculirt mich. 186U, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 
43. Corps I. 

269. C. Mensel aus Langen 'Köslin), ward immatriculirt ost. 
1870, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 43. Corps I. 

270. F. W. Hilger aus Drengfurt (Königsberg), ward imma- 
triculirt ost. 1866, steht im 6. ostpreussischen inf -regmt nr. 43. 
Corps I. 



280 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

271. L. A. Jacobi aus Lyck (Gambinnen), ward immatricu- 
lirt ost. 1866, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 43. Corps I. 

272. F. A. Käswurm aus Gr. Bartelsdorf (Königsberg), ward 
immatriculirt mich. 1868, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. 
nr, 43. Corps I. 

273. «J. C. Klöpper aus Achtum (Hannover), ward imma- 
triculirt mich. 1869, steht im 1. ostpreussischen grenadier-rgmt. 
nr. 1, kronprinz. Corps I. 

274. J. Koch aus Ohra (Danzig) , ward immatriculirt ost. 
1869, steht im ostpreussischen feld-artillerie-rgmt. nr. 1. Corps I. 

275. G. A. R. Kownalzki aus Tilsit (Gumbinnen), ward im- 
matriculirt mich. 1865, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 
43. Corps I. 

276. F. Krien aus Notzendorf (Danzig), ward inmatriculirt 
ost. 1870, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 43. Corps I. 

277. P. S. Lossau aus Mensguth (Königsberg), ward imma- 
triculirt ost. 1868, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 43. 
Corps I. 

278. J. C. T. Pitsch aus Alt-Latzig (Marienwerder), ward 
immatriculirt mich. 1868, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. 
nr. 43. Corps I. 

279. II. E. Schauusland aus Königsberg (Königsberg), ward 
immatriculirt ost. 1866, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. 
nr. 43. Corps I. 

280. yf. Sehcffler aus Dalheim (Königsberg), ward immatri- 
culirt ost. 1870, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 43. 
Corps. I. 

281. P. F. Ph. II. Schulz aus Treysa (Cassel), Königsberg, 
ward immatriculirt ost. 1870, steht im 3. ostpreussischen grena- 
dier-rgmt. nr. 4. Corps I. 

282. II. C. L. Skrzezka aus Kalinowen (Gumbinnen) , ward 
immatriculirt ost. 1867, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. 
nr. 43. Corps I. 

283. C. Thiem aus Inowraclaw (Bromberg), ward immatri- 
culirt ost. 1869, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 34. 
Corps I. 

284. C. L. Weszkalnys aus Tannenwalde (Gumbinnen), ward 
immatriculirt ost. 1867, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 
43. Corps I. 

285. E. Zimmermann aus Elbing (Danzig), ward immatricu- 
lirt ost. 1870, steht im 6. ostpreussischen inf.-rgmt. nr. 43. Corps I. 

Chronik des deutsch - französischen kriegs. Im monat august 
als dem thatenreichsten des ganzen grossartigen kriegs häuft 
sich das aufzeichnungswerthe aus allen kreisen des deutschen Va- 
terlandes dergestalt, dass um nicht zu verwirren, man an pas- 
senden stellen gar gern die gelegenheit benutzt zurückzugehen 
und aus der schon durchmessenen zeit das eine oder andre — 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 281 

auch um des Zusammenhanges willen — nachzuholen. Das ge- 
statten wir uns auch hier und beginnen mit dem 

12. August. Der preussische staatssecretair hat an die 
gesandten des norddeutschen bundes bei den süddeutschen regie- 
rungen folgenden erlass gerichtet : 

Ew kennen aus den öffentlichen blättern das circular, wel- 
ches von dem herzöge zon Gramont unter dem 3. d. m. an die fran- 
zösischen gesandtschaften erlassen und im »Journal officiel« veröffent- 
licht ist. Ungeachtet der geringen glaubwürdigkeit, welche die neuer- 
lichen kundgebungen der kaiserlichen regierung verdienen und fin- 
den, glaube ich es nicht unterlassen zu dürfen , eine der in diesem 
circular enthaltenen Unwahrheiten ausdrücklich als solche zu bezeich- 
nen. Ich meine die dem herrn grafen Bismarck zugeschriebene äusse- 
rung, dass er eine eventuelle allianz Oesterreichs mit den süddeut- 
schen Staaten befürchte. Ich gebe mich zwar keinem zweifei darüber 
hin, dass die süddeutschen regierungen, ganz abgesehen von dem 
bestehenden vertragsverhältniss, aus unserem verhalten gegen sie und 
aus ihrem eigenen bewusstsein die Überzeugung geschöpft haben wer- 
den, dass eine solche furcht uns nicht beschleichen kann. Da aber 
jene behauptung vorgebracht wird in Verbindung mit einem gegen- 
stände, der nie aus dem gebiete eines ganz vertraulichen gedanken- 
austausches herausgetreten war , den an letzterem nicht betheiligten 
regierungen also ein pragmatisches material, an welchem sie die be- 
hauptung des herrn herzogs prüfen könnten , nicht vorliegt , so bin 
ich es wenigstens der historischen Vollständigkeit schuldig, jene äusse- 
rung, die der herzog aus einem schreiben des französischen gesand- 
ten in London, marquis de Lavalette, entnommen haben will, für ab- 
solut erfunden zu erklären. 

Zu anfange dieses Jahres machte der graf Clarendon dem herrn 
bundeskanzler vertraulich den Vorschlag, dass der norddeutsche bund 
die initiative zu einer allgemeinen Verminderung der Wehrkräfte er- 
greifen möchte, liess den Vorschlag aber auf die diesseits erhobenen 
bedenken fallen. Diese bedenken, über deren berechtigung ich heute 
kein wort zu verlieren brauche, beruhten im wesentlichen darauf, 
dass bei der Verschiedenheit der wehrsysteme der einzelnen länder, 
namentlich Norddeutschlands und Frankreichs , die herstellung und 
kontrolirung einer verhältnissmässigen abrüstung die grössten 
Schwierigkeiten haben werde. Der süddeutschen Staaten ist in dem 
schreiben des grafen Bismarck über diese angelegenheit mit keiner 
silbe erwähnt und ebensowenig , nach der amtlichen erklärung des 
grafen, Bernstoff in den Unterredungen, welche dieser über den Vor- 
schlag gehabt hat. 

Ew ersuche ich ergebenst, dem herrn minister der aus- 
wärtigen augelegenheiten diesen erlass vorzulesen und ihm eine ab- 
schritt desselben zu übergeben. 

13. August. Die ausweisungen der Deutschen in Paris 
nehmen immer grössere dimensionen an. 

— — Vom auswärtigen amte des norddeutschen bundes 
sind dem amerikanischen gesandten in Paris zunächst 50000 
thlr. zur Unterstützung der aus Paris ausgewiesenen deutschen 
Staatsangehörigen zur Verfügung gestellt worden. 

— — Die würtembergische regierung trifft maassregeln, 
um durch vermittelung der schweizerischen regierung, des wür- 



282 Kleine philologische zekung. Nr. 5. 

tembergischen gesandten in Bern und des würtembergischen con- 
suls in Genf den in Frankreich ausgewiesenen Deutschen Un- 
terstützung angedeilien zu lassen. 

14. August treffen in Giessen deutsche aus Paris ausge- 
wiesene gassenkehrer ein. 

15. August. Die in Metz domicilirten Frankfurter sind 
ausgewiesen und in Frankfurt eingetroffen. 

— — Der commandirende general, freiherr von Manteuf- 
fel, erlässt folgenden corpsbefebl : 

H. Q. Courcelles-Chaussy, den 15. August, mittags. 

Se. Majestät der könig haben geruht, mir Allerhöchstihren glück- 
wunsch zu der gestrigen siegreichen schlacht auszusprechen und ha- 
ben mir befohlen dem armeekops zu sagen, dass dasselbe durch seine 
bravour und führung im kämpfe Seinen erwartungen völlig entspro- 
chen und sich Seine ganze Zufriedenheit erworben habe. 

Die sache ist aber noch nicht beendet und erwarten Se. Majestät, 
dass das corps auch in zukunft auf diesem wege beharren werde. 

— — Telegramm von Courcelles, 20. aug. 

General von Borke, Königsberg in Pr. 
Se. Majestät der könig haben allergnädigst geruht, unterm 
15. angust nachstehende allerhöchste kabinetsordre an das ge- 
neral -commando zu erlassen: 

Um meinen braven Offizieren des ersten armeecorps einen vorläu- 
figen beweis Meiner anerkennung zu theil werden zu lasseD, bestimme 
ich hierdui'ch, dass die bei einzelnen trnppentheilen des ersten ar- 
mee-corps zu Meiner disposition offenen stellen sämmtlich zugehen 
sollen. (gez.) Wilhelm. 

Der kommandirende general 
(gez.) Manteuffel. 

— — Der schweizerische bundesrath fasst auf mitthei- 
lungen des schweizerischen gesandten in Paris den bescbluss, 
alle schweizerischen directionen von eisenbalmcn zu ermächti- 
gen , ausgewiesene Deutsche aus Frankreich, welche sich bei 
ihnen als hülfsbedürftig melden, mit geld, freier fahrt auf den 
eisenbahnen durch die ganze Schweiz und allem nöthigen zu 
versehen. 

— — Die französische flotte liegt in der nähe von Hel- 
goland und feiert den Napoleonstag. 

16. August. Der bundesrath in Bern entlässt zwei zum 
schütz der neutralität der Schweiz auf kriegsfuss gesetzte divisio- 
nen, weil der kriegsschauplatz sich von der schweizer grenze 
entfernt hat. 

— — Gefecht bei Toul (IV. armeecorps). 

— — Die intendantur der dritten armee entdeckt durch 
ihre umsieht und energie in Nancy den ganzen proviantvor- 
rath der Mac Mahonschen armee, auch eine hülle und fülle von 
armeebeständen, die nur nach millionen thalern geschätzt wer- 
den kann und deutlich zeigt, dass seit lauge der krieg vor- 
bereitet ward. 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 283 

17. August. Ausgewiesene Bayern, TViirtemberger , Nord- 
deutsche kommen durch Köln , wo sie bewirthet, beherbergt 
und mit mittein zur Weiterreise versehen werden. 

■ — — Der könig Wilhelm besucht von 6 uhr früh bis 
gegen 2 uhr nachmittags das Schlachtfeld von Mars-la-Tour und 
besichtigt viele truppeutheile. 

— — Der könig von Bayern erlässt folgende allerhöchste 

entschliessung : 
* . 

Ludwig IL u.s.w. Wir finden Uns mit rücksicht auf die in jüng- 
ster zeit Uns zugekommenen erhebenden beweise treuester anhäng- 
lichkeit an thron und vaterland allergnädigst bewogen, allen denje- 
nigen personen, welche bis zum heutigen tage wegen beleidigung der 
majestät oder eines mitgliedes Unseres königlichen hauses, ferner we- 
gen einer durch die presse verübten strafbaren handlung oder wegen 
einer Verfehlung in bezug auf das versammlungs- oder vereinsrecht 
rechtskräftig verurtheilt wurden, die ihnen zuerkannten strafen, so 
weit solche noch nicht vollstreckt sind, samrnt den ihnen überbürde- 
ten, noch rückständigen ärarialischen kosten zu erlassen, sofern Ver- 
fehlungen dieser art nicht mit anderen strafbaren handlungen kon- 
kurriren. In den fällen einer solchen konkurrenz sind ungesäumt die 
akten Unserem staats-ministerium der Justiz vorzulegen, um Uns wei- 
tere sachgemässe antrage zu unterbreiten. Hiernach haben Unsere 
einschlägigen stellen und behörden sofort das geeignete zu verfü- 
gen. Schloss Berg, 17. august 1870. 

Ludwig. 

18. August. Telegramm Sr. Majestät des königs an Ihre 
Majestät die königin. 

Bivouak bei Rezonville, den 18. august, 9 uhr abends. 
Die französische armee in sehr starker Stellung westlich von Metz 
heute unter Meiner führung angegriffen, in neunstündiger schlacht 
vollständig geschlagen, von ihren Verbindungen mit Paris abgeschnit- 
ten und. gegen Metz zurückgeworfen. 

AUSZÜGE aus Zeitschriften: Göttingische gelehrte anzeigen 1871 st. 
13: Aristophanis Equites. Rec. Ad. von V eisen. 8. Lips. Teubn. 
1869: ausführliche,, aber unseres erachtens die arbeit nicht genug an- 
erkennende anzeige von R. Scholl , der nachdem er die art wie vom 
vf. der kritische apparat behandelt worden, beschrieben und missbil- 
ligt, auch über den werth der handschriften beachtenswerthes rnitge- 
theilt und p. 491 an einigen stellen seine eigne anordnungsart vor- 
geführt hat , eigne ansichten über einzelne stellen kurz mittheilt. 
— St. 14: S. Thasci Caecilii Cypriani opera omnia recensnit et com- 
mentario critico instruxit Gull. Hartel. 2 voll. 8. Wien. 1868. 
1871: ausführliche anzeige von P. de Lagarde, welche zwar den fleiss 
des vfs im collationiren anerkennt, aber ihm nachweist, wie mangeln- 
der theologischer und überhaupt sachlicher Vorstudien wegen die 
ausgäbe bei aller sonstigen philologischen geschicklichkeit eine durch- 
aus ungenügende geworden. So wird vom ref. bei den Epistolae nach- 
gewiesen, dass die verschiedenen recensionen oder besser gestalten 
derselben nicht von grammatikern , sondern von beamten der kirchli- 
chen Verwaltung herrühren , was Hartel von wegen unkenntniss des 
kirchenrechts verkannt hat; überhaupt hat er sich seine aufgäbe ganz 
falsch gestellt: die grundfrage bei der kritik musste hier lauten: 
welcher kirchenprovinz gehören die einzelnen, durch anordnung 



284 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 5. 

und text verschiedenen gestalten der briefe an? wo sind sie rechts- 
quellen oder rechtshülfsmittel gewesen ? " Daher ist der apparat 
viel zu ungenügend und daher auch kommt die gar nicht zu recht- 
fertigende Vernachlässigung von Vorgängern wie Pamelius, Bigalt, 
Feil, Baluze, Pearson. Wir heben dies hier um so mehr hervor, weil 
dieselben hier so grell hervortretenden mängel auch bei den philolo- 
gen um sich greifen: man meint, verfährt durch die äusserlich 
scheinbar leicht erreichbare von I. Bekker u. a. eingeführte methode, 
wenn man so glücklich gewesen, nur ein paar der ältesten jetzt be- 
kannten handschriften verglichen zu haben, sofort im stände zu sein, 
einen Schriftsteller herauszugeben : das bringt denn solche ausgaben 
wie die neuesten des Ammianus Marcellinus, Apuleius (s. Phil. Anz. 
nr. 4, p. 179) u. a. hervor. Wir empfehlen daher unsern lesern nachdrück- 
lichst sorgfältige beachtung dieser anzeige Lagarde's, auf die wir hier 
begreiflicher weise genauer nicht eingehen können, sondern nur noch 
den schluss hinzufügen : „je lebhafter aber unser interesse an den 
Deutschen in Oesterreieh ist, welche am sichersten durch gemeinschaft- 
liche arbeit mit uns verbunden bleiben , je kräftiger wir dem unter- 
nehmen der wiener akademie die lateinischen väter zu edieren den 
besten fortgang wünschen, je erfreulicher es sein müsste, wenn die in 
vieler beziehung so vortrefflich ausgerüstete und sichtlich so wil- 
lige kraft des herrn professor Hartel sich weiter an der lösung die- 
ser aufgaben der akademie betheiligte , desto nöthiger schien darauf 
hinzuweisen, dass patristische texte nicht ohne rücksicht auf den bo- 
den, aus dem sie erwachsen sind, und auf die Umgebung, in der sie 
sich finden, behandelt werden können. Wenn freilich zur wähl stünde 
diese väter den leuten anzuvertrauen, welche sich jetzt theologen nen- 
nen und mit seltenen ausnahmen keine ahnung von philologischer 
methode haben, oder aber philologen wie herrn professor Hartel, de- 
nen theologische fragen und anschauungen fremd sind, so würde 
man sich ohne bedenken für diese philologen entscheiden. Fr. Düb- 
ner hat erzählt, wie ihm beim Chrysostomus und Augustin die hände 
gebunden gewesen sind: nur die stellen der klassiker im Augustin 
zu behandeln, wie er nach bestem wissen es verstand, war ihm er- 
laubt: für alles übrige durfte er die handschriften vergleichen, aber 
nie benutzen, und herr Abbe Mionnet kontrollierte das ganze (Jahn's 
Jahrbücher XXXII, 48: Revue de l 'Instruction publique en Belgique 1866, 
339). A. Jahn berichtet über das Schicksal , das seine anmerkungen 
zum Basilius in Paris gehabt, mit dem vollen höhne, der sich diesem 
treiben gegenüber gebührt : Animadversiones in Basilii opera (1842) 
p. V. VI. Je sicherer solche bestrebungen gerade jetzt zunehmen wer- 
den, je mehr vielfach die sünde wider den heiligen geist als die ein- 
zige erlaubte form der frömmigkeit gilt, je feiger der Unglaube an 
die siegreiche macht der Wahrheit und dieser allein gerade bei den 
sogenannten gläubigen ist , desto dankbarer muss ein so nüchterner, 
zuverlässiger, nichts aus dogmatischen Schrullen verschweigender, so 
viele wichtigen zeugen in so genauer weise verhörender apparat auf- 
genommen werden wie dieser wiener , der durch sein blosses dasein 
wenigstens hie und da einen mann zum sehn und zum arbeiten zwin- 
gen wird." — St. 16: Tituli staiuariorum sculptorinnquc graecorutn 
cum prolec/omenis edidit Gust. Hirschfeld. 8. Bert. 1871: aus- 
führliche anzeige von O. Benndorf, der bei mancherlei mangeln, wie 
dass das schriftstellerische material nicht umfänglicher und gründ- 
licher benutzt worden, doch anerkennt, dass der vi*, das mögliche nach 
kräften erstrebt hat, dann selbst im einzelnen eine reihe wichtiger be- 
merkungen hinzufügt, z. b. dass nr. 35c als hexameter habe betrachtet 
ßein wollen: KrjCfioodoiog Ti^aQ^og Aftqvaioi, inoiqoav ; es dürfte dabei 



Nr. 5. Auszüge aus Zeitschriften. 285 

an die freikeit der bekandlung der nomina propria im vers erinnert 
■werden, s. Leutsch Grundr. d. Met. p. 119: es werden ferner ergän- 
zungen besprochen, von einer nr. 209, eine neue copie mitgetheilt: 
tr/.ant,gnQoiSQov vu° . . v. 111 iQfiiHQi^iv 
.tQci ytaivi7.ii) loiadttfoQcc notnii, 
.iv nautJ'Qov . . . fxioi/Xtv. oigivayüjam^viTcov 

. . a^lTtlfjgiSlGO. igtiOC(!)-vriOTOl7TOGlV 

und darnach der erste vers geschrieben: et xctl ng tiqoteqwv Ivnyw- 
vico ''Eo/jfi tQt'£tv, und dann über ihren inhalt und daher über Praxi- 
teles ausführlich gehandelt, eben so auch über Kephisodotos und dar- 
nach ein stenima der farnilie p. 616 zusammengestellt : dann bespricht 
ref. die proleg omena nach ihren capiteln. — St. 17: Canti popolari sici- 
liani raccolti ed illustrati da Giuseppe Pitre, jireccduti da una stu- 
dio critico dello stesso autore. Vol. II. Palermo. 1871 : ausführliche 
und interessante anzeige von Felix Liebrecht, aus der man das wesen 
dieser lieder kennen lernt. 

Hermes, Zeitschrift für classische philologie bd. V keft 3: M. 
Haupt Co?iiectanea, p. 313, bezieken sick wie die früheren Varia 
auf schriftsteiler aus allen zeiten , auf Commodianus wie auf Catull : 
wir heben hier kervor das über die sententiae des Cleobulos u. a. 
p. 322 gesagte und dass p. 326 von Joh. Sehr ader Emendationes 
Carminum Claudiani und Columellae mitgetkeilt werden. — U. Köh- 
ler studien zu den attiseken psepkismen, p. 328. — J. Byioater über 
den ungedruckten commentar zu Aristoteles Etk. V, p. 354 : besekrei- 
bung und proben, auf deren wicktigste momente sekon V. Rose p. 359 
aufmerksam mackt. [Hier sei bemerkt, dass auf Hesiod's fjtyäla tgya — 
die neue bestätigung dieses titeis ist wokl zu beackten — ein vers 
zurückgefükrt wird, der, wie Rose überseken , längst bekannt war : 
ei xu/.ü ng aneigat, xccxä xiofcä (%') ä/ur-cas, s. Greg. Cypr. Leid. II, 
57, wo die ricktigere fassung tl dt xu/.ü ontloceig, xccxu xtgötü x' tlfAtj- 
aaio, angedeutet ist: man darf nun auck wokl den zweiten vers da- 
selbst dem Hesiod zusekreiben. Eben so wird vervollständigt durck 
diese sekolien unsre kenntniss über Tkeogn. 145 und unter anderm 
Bergk's Verbindung von 145 — 148 sekön bestätigt. Ausserdem ersekei- 
nen nock stellen aus Tkeopkrast, Androtion, Aristonymos, Attikos, 
über die im Pkilologus XXXI bericktet werden soll: die stelle aber: 
'Avdporiiüv iv-/.Tr)uitiv xuQ>]vc(log hat Rose gewiss zu kükn in 'Avdgoriaiv 
% Jfjiiwv Kvyrjvalog geändert und unkaltbare vermutkungen sofort 
darauf über die Attkis des Demon gebaut : Evxt^/uuiv ist ja ein be- 
kanntes nomen proprium. E.v. X.] — J. Py water, Ceriani und V.Rose, 
Porpkyrius, p. 360 : nackrickten über die ältesten erkaltenen kand- 
sekriften von des Porpkyrios Vita Pjtkagorae, die lücken und an- 
dere Verderbnisse der ausgaben nackweisen. — E. Hübner, ein neuer 
gastfreundsekaftsvertrag aus Spanien, p. 371, nebst einem zusatz von 
Tk. Mommsen p. 378: eine bronzetafel aus Valencia in Neucastilien 
wird gelekrt erörtert: sie lautet mit Hübner's erklärungen so: 

IUI (quartum) non(as) Mart(ias), i imp(eratore) Caesare XIII co(n)- 
s(ule), Acces Liciojni Intercatiensis tesseram j kospitalem fecit cum 
ci|vitate Palantina sib(e)i | et filiis suis posterisque | , Aneni Am- 
medi per mag(istratum) | Flaisicum kospitio Ammi | Caene- 
caeni . . . 
Th. Mommsen , die neuen fragmente der jakrestafel des latiniseken 
festes, p. 379: nack Bull, delk Instit. 1870, p. 129: sie sind insofern 
von grossem wertk, als sie bis in die frükesten zeiten der republik 
kinaufreicken ; nur eins beziekt sick auf die jakre von 40—43 p. Ckr. 
und auck das bericktigt unsre fasten mekrfack: sie werden kier ge- 
lekrt erörtert. — Gomperz, ein brief Epikurs an ein kind, p. 386 



286 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 5. 

(nebst einer tafel): ein brief Epikurs, wahrscheinlich an die tochter 
des Metrodoros, aus noch nicht edirten herculanischen rollen entnom- 
men; er lautet: 

1 c<\rfiiyuiOc. slg A&fxtpaxov v- 
yiaivoprtg, lyw xal Ilvfto- 
xl',g xal a Eojbt«Qyog xal Krt}— 
amnog, xal {/.ti xaTiiXtjrfa- 

5 fJtu vytaipovrag Si^ia- 

rav xal ?oig koinocg rjikovg. 

tv tTf noiüg ti xal ob vyi- 

aivug xal ij /.iü^/ji], xavrrj (?) 

xal nanu xal MäiQ(üvi> nüv- 
10 r« nti&r] } dianto xal t t u- 

nQootltv. tu yuQ iaO-i, vunia, 

on xal iyu) y.al ol lomol 

nüfTtg et fxtya <f iXou/.iu' 

ort rovrotg 7itid-t][i~\ navra — 
Dazu wird noch eine andre columne gefügt , die schon L. Spengel im 
Piniol. Suppl.-bd. 11, p. 530 edirte, für die Gomperz aber neue quel- 
len gefunden: durchschossen sind die von Spengel nicht gegebenen 
worte : 

2 — nQog iavr{ov tn)entiGT(o) 
xcti nva TQÜnov f<(J)r<V clntö's- 
%tT' avTuf. oj g yuQ uvufatprjGiV 

5 i/.nptiujp' v t ß d ü p n (i ) y ü o r t jli i- 

qu", ifqoip, ,,i>Tt tccvt' tygatfov, 

ov%(i an o)/.tx(iöori)y.(i)p (()')>} (y.)ai{d Typ] 

ov{irjGip [tyjuol ovtiip xal dkyrjji'ü- 

Ptg tvrfii'v iÜjp tnl jtjp it- 
10 Xtviuiup tjfiigav äyovGilp. 

gv oup, up n yivtyttti, tu nai- 

dia tu MqTQoduiffov dioixijGov, 

rsiTaoa q nipi iitj /uijO-tP 

nktlop danupwp lj n t q pvp 
15 i{lg i) t ui danapä(t)g xar' h'iav- 

Ti)y, xal ngoßiis bnio T(Zp viwp 

olö'u xal Alyia xal Jtöö'uioop 

y.al Tr t g otjg (fQtvbg uprag (ov- 

x) cigsaxtDua ju(o)p o p''. . 
Daran knüpfen sich interessante bemerkungen über die briefliteratur 
und die schule Epikurs u. s. w., auch über das heirathsalter der grie- 
chischen mädchen. — II. Jordan, de Vaticunis Sallusti historiarum 
l. III reli'iuiis, p. 396: auf neuer höchst genauer vergleichung beru- 
hende sehr glückliche herstellung dieser fragmente. — H. Bonitz, 
zur erklärung platonischer dialoge, p. 413: enthält I. die im Phädon 
enthaltenen beweise für die Unsterblichkeit der menschlichen seele; 
IL '/.vi Platon's Laches : es wird für die echtlieit gesprochen. — Th. 
Nöldecke, AcavQiog, 2ÖQiog, Zügog, p. 413: diese namen werden mit 
rücksieht auf die geschiente des volkes erörtert. — Mise eilen: E. 
Hirsrhfeld , die äginetische inschrift C. I. Gr. 2138, p. 409. — M. 
Hertz , das cognomen des Spurius Cassius p. 474. — Nachträge und 
berichtigungen. 

Rheinisches museum für phüologie, heraugeg. von Fr. Ritschi und 
A. Klette bd. XXVI, lieft 2: 31. Schmidt, verbesserungsvorschliige zu 
schwierigen stellen griechischer Schriftsteller, p. 1(51. 344. — Fr. 
Bacheler, zur höfischen poesie unter Nero, p. 235. — H. Nissen, die 
Ökonomie der goschichte des Polybios, p. 241. — K. Dilthey, archäolo- 



Nr. 5. Auszüge aus Zeitschriften. 287 

gische streifzüge. Itl, p.283. — J. H. Binsfeld. beitrage zur erklärung 
lateinischer prosaiker, p. 30*2. — J. Steup, zu den lateinischen gram- 
niatikern, p. 314. — Miscellen: J. Sommerbrodt, die luciamschen 
handschriften auf der St. Marcus-bibliothek zu Venedig, p. 324. — 
A. Riese, ein prosodische.s florilegium , p. 332. — Fr. Susetniekl, zu 
Diogenes Laertius, p. 336. — \V . Teujfel, Vespae iudicium coci et pi- 
stons iudice Vulcano, p. 341 : ein hexametrisches gedieht bei Riese 
Anth. Lat. 1, n. 199 wird besprochen. — W. Schmitz, Iodocus 
Lips, p. 372: ist Justus Lipsius , über dessen promotion in Cöln aus 
einem cölner dekanbuche einiges wenige mitgetheilt wird. — J. M. 
Stahl, zu Thukydides, p. 344. — L. M., zu Ennius, p. 346. — W. 
Teuffei, zu Horaz , p. 34 7. — E. Bührms, zu Phädrus, p. 350. — 
H. Müller, zu Florus , p. 350. — Die Nenniger Inschriften, p. 352: 
dass durch die schritt von Aus vi' Weerth, die fälschung der Nenni- 
ger inschriften , Bonn. 1870 (auch in den Jahrb. des Vereins v. alter- 
thumsfr. im Rlicinl. XLIX , p. 1 abgedruckt) die unechtheit auf das 
klarste bewiesen sei. 

Za rucke, literarisches centralhlatt, 1871, nr. 13: Jac. J. Müller, 
der gcschichtschreiber L. Marius Maximus. Eine kritische Untersu- 
chung. 8. Leipzig. 187U: aus Büdingens Untersuchungen cett. be- 
sonders abgedruckt: wird von W. sehr gelobt. — A. Forbiger , po- 
pulaire darstellung des öffentlichen und häuslichen lebens der Grie- 
chen und Römer. 1. abth. Rom im Zeitalter der Antonine. 8. Bd. 
I. Leipzig. 1871: anzeige von Bu, die offen ausspricht, dass der vf. 
in betreff der darstellung weit hinter Fried län der und Becker zurück- 
geblieben, dagegen errathen lässt, dass sachlich das buch als ein 
äusserst bedenkliches zu betrachten sei. Es kehrt also die so traurige 
erscheinung wieder, dass grade werke, welche das grössere publicum 
der philologie gewinnen könnten und sollten, grade von deni'ortschritten 
der neueren philologie nichts wissen und durch ihre ganze art nur 
abschrecken. — Härtung, römische auxiliartruppen am Rhein. 1. thl. 
4. Würzburg. 1870 : wird empfohlen. — Fiavii Phäostrati opera 
aucliora ediüit C. L. Kays er. Acc. Apollonü epistolae, Eusehius adv. 
Hier ödem, l'hi/ostrati iurt. imagines, L'aUistruti descriptiones. Vol. I. 
S nun. Bibl. Teuhner. Lips. 1870: wird als treffliche leistung bezeich- 
net und p. 14, 6 naifQ« lür Tianci zu lesen vorgeschlagen. — Jacob 
Grimm, deutsche grammatik. Bd. I. aufl. 2. 8. Berl. 1770: die 
neue aufläge sei geschickt gemacht. — Nr. 14: G. Curtius , bemer- 
kungen über die trngweite der lautgesetze insbesondere im griechi- 
schen und lateinischen. Aus den berichten der philos. -historisch, cl. 
der kgl. sächs. ge^ellsch. d. wiss. : anzeige von C. — Nr. 15: Joannis 
Zonarae epitome historiarum. Cum Cur. Ducangii suisque annotationi- 
bus edidit Lud. L> in dorfius. 8 min. vol. llLum. Lips. 1870: neue 
verdienstvolle recension. — J. Kuiczala, Untersuchungen auf dem ge- 
biete der pronomina, besonders der lateinischen. 8. Wien. 1870: die 
anzeige von C. erklärt sich im ganzen mit des vrfs ansichten einver- 
standen und giebt einzelnes worin C. abweicht an. — Nr. 16: G. 
R. Sievers, studien zur geschichte der römischen kaiser. Aus dem 
nachlasse des vaters herausgegeben von G. Sievers. 8. Berlin. 1870: 
genaue und das verdienstliche des buchs schön hervorhebende anzeige 
von O-i ; vrgl. Phil. Anz. II, p. 345. — F. Blass, über die ausspräche 
des griechischen. (Erweiterter und verbesserter Wiederabdruck aus 
dem programm des naumburger domgymnasiums v. ostern 1869.) 8. 
Berlin. 1870: der anzeiger C empfiehlt das instruetive schriftchen al- 
len denen, die sich über diese Streitfrage orientiren wollen. — B. 
Suhle, griechische schulgrammatik für alle classen auch zum Selbst- 
unterricht. 1. thl. Formenlehre. 8. bpzg. 1870: anzeige von C, 



288 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 5. 

die mit recht die auch hier wieder hervortretende jetzt so herr- 
schende sucht grammatiken zu schreiben beklagt: sie weist nach, 
wie dem vf. dieser grammatik die nöthigen kenntnisse der spräche 
fehlen. Also man hüte sich vor dem buche! — L. Braune, profes- 
sor und prorector, attische syntax für den schulgebrauch. 8. Berlin. 
1870: anzeige von C: „es sollen daher vornehmlich diejenigen syntak- 
tischen erscheinungen mitgetheilt werden, die der schüler wissen muss, 
um beim abiturientenexamen sein griechisches scriptum mit ehren 
absolviren zu können". Dazu sagt der referent: „wir wollen beschei- 
dentlich unevörtert lassen, ob vielleicht die abfassung eines solchen 
buches durch das practische bedürfniss gerechtfertigt war und ob 
viele gymnasien sich bemüssigt sehen werden, Braune's syntax neben 
einem andern lehrbuch einzuführen; nach unserm dafürhalten dürfte 
aber eine grammatik, die den schüler bei der leetüre der Schriftstel- 
ler nicht im stiche lässt, auch geeignet sein, ihm über die klippe 
des griechischen scriptum hinwegzuhelfen": der ref. ist zu loben, dass 
er im verlauf seiner kurzen anzeige darthut, dass der vrf., herr pro- 
fessor und prorector Braune, nach diesem buche schwerlich im 
stände ist, griechische grammatik wissenschaftlich zu behandeln — aber 
zu tadeln, dass er es nicht als seiue pflicht erkannt hat, das buch als auf 
einer grundlage beruhend zu bezeichnen, die man versucht ist unverschämt 
zu nennen. Nach solchen büchern rnuss man ja denken, dass es sehr 
schlecht mit dem Schulwesen jetzt bestellt sei : wenn ein schüler alle 
classen des gymnasium mit Buttmafcn und Curtius und Krüger u. s. w. 
u. s. w. durchgemacht hat , ist er nach dem offenen geständniss von 
Professoren und prorectoren doch noch nicht im stände , ein von 
groben grammaticalen freies scriptum zu liefern! — Nr. 17: Q. 
Horatü Flacci opera recenswrunt O. Keller et A. Holder. Voll. IL 
fasc. 2. Lips. 8. 1870: anerkennende anzeige von At, die jedoch man- 
che zu kühne neuerung in dem texte zu finden glaubt. — Aug. 
Fick, vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen sprachen. Ein 
sprachgeschichtlicher versuch. 1. abthl. 2. aufl. 8. Götting. 1870: 
lobende anzeige von J, der besonders das erscheinen der indices 
wünscht. — Neotkhjvizic ' Avdki/.ra ntgio&ixw^ Hy.dtJ'o/jii'n vnii rov </*Ao- 
koytxov avkköyov „ilaovüoßov" tniCTcccicc nivTa/uskovg innQÖnrjg. Töuog 
A. yvkkdöiov a xal ß' . 8. Athen. 1870 : 2n. n. Adnnyog, tu Rava- 
Qrjvcay.ov oidüiov v.ttl cci Iv avw ävaaxaq>al. 'Ey.döotig dvttyvwad-tloai 
Iv tw (fikokoyixip (fvkküyw 6 ndovaGcog. 8. Athen. 1870: anzeige von 
Bu: die neugriechischen analekten beziehen sich nur auf neugriechi- 
sche literatur, Volksmärchen , Volkslieder u. dgl. : ref. macht für die 
märchen besonders auf die Verwandtschaft mit den von O. Hartwig 
herausgegebenen und v. R. Köhler erläuterten sicilischen mährchen auf- 
merksam. Das in der zweiten schrift enthaltene giebt C. Curtius 
besser im Philol. XXIX, p. 701: vrgl. Archäol. Zzt. 1870, p. 16. — 



Druckfehlei 



P. 157, z. 28 v. ob. lies: Nr. 53. P. 195 z. 25 v. u. schreibe: 
stand 1866 an P. 198 z. 22 v. o. streiche das comma nach Alcens- 
leben. P. 198 z. 13 v. u. statt: mit schreibe zu P. 200 z. 2 v. o. 
schreibe: ward dafür decorirt und erhielt 1866 als commandeur der 
sechsten inf. division für.. P. 204 z. 16 v. o. : sehr, führte dann 1866 
P. 211 z. 19 v. o. und an zu: streiche: an P. 212 z. 28 v. o. statt 
nach schreibe: ab P. 213 z. 5 v. u. statt das schreibe: des P. 219 
z. 22 v. o. sehr. Ordnung in dieser P. 232 z. 15 v. o. sehr. Herny. 



Nr. 6. Juni 1871 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erganzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



157. Prolegomena zu Aeschylus Tragödien. Von Eudolph 
Westphal. 8. Leipzig, Teubner. 1869. 224 s. — l 2 / 3 tblr. 
Die Schriften Eudolph Westphal's haben in den letzten jäh- 
ren von verschiedenen standpuncten aus die verschiedensten beur- 
theilungen erfahren. Eins jedoch blieb in Westphal's büchern für 
alle kritiker unangefochten bestehen, das war die überall anre- 
gende gedankenfülle des Verfassers , die geistreiche combination, 
das scharfe eindringen und die glückliche belebung oft der un- 
scheinbarsten und abgerissensten notiz. Diesen Vorzügen be- 
gegnen wir in hohem grade auch in den hier zu besprechenden 
„Prolegomena zu Aeschylus", einer frucht der Studien , die der 
Verfasser schon seit einem decennium der composition des anti- 
ken drama's zuwandte. Die schrift zerfällt in vier abschnitte: 
I. Die gliederung der aeschyleischen tragödie im zusammen- 
hange mit den dramen der späteren zeit ; II. die nach terpan- 
drischer compositionsform gegliederten chorlieder ; III. die amö- 
bäisch gegliederten chorika, wobei eine frühere von dem verf. 
im jähre 1859 veröffentlichte abhandlung über das erste chori- 
kon der Septem 78-181 wiederholt wird; IV. epeisodien, pro- 
logos, epodos. Melodramatischer Vortrag. — Diese vier ab- 
schnitte sind es, in die sich der hauptinhalt des buches scheidet ; 
daran schliesst sich als anhang eine abhandlung über die Pro- 
metheustrilogie. 

Im ersten abschnitte werden auf grund der bisher vielfach 
missachteten notizen in Aristot. Poet. c. 12 so wie des damit 
parallel laufenden excerptes bei Cramer Anecdd. Paris. I, p. 404 
die fxioi} TQuycodiug und xwfxmdiug in sehr klarer weise uns 
vorgeführt. Der verf. hat recht mit seiner behauptung , dass 
Piniol. Anz. III. 19 



290 157. Aeschylos. Nr. 6. 

wir einmal in diesen tractaten den sichersten kanon besitzen, 
um uns über die einzelnen theile des griechischen drama's und 
dessen nomenklatur zu orientiren , auf der andern seite ist bei 
Aristoteles — gegen die bisherige ansieht — zunächst die neuere 
tragödie des Sophokles und Euripides berücksichtigt, aber auch 
für Aescbylus , sagt Westphal, hatte man von dieser wichtigen 
stelle auszugehen. Der gewinn, der auf diesem wege erwächst, 
ist ein doppelter. Zunächst erhalten wir eine scharfe sonderung 
der fiigri der tragödie , wobei bestimmte merkmale für das #o- 
gixov ans licht treten, deren fixirung um so wichtiger war, als 
gerade Aeschylus seine dramen auf der breiten grundlage von 
vier chorika aufbaute — genau entsprechend der anzahl der 
dramen in dem ganzen der tetralogischen composition. Von 
den melischen bestandtheilen der tragödie bleiben nach abzug 
des %ogix6v, das in ndgodog und cruGifiov zerfällt, zwei fitgr] zu 
erörtern: xofj/jog und ano Gxrjvijg. Das letztere fiegog kommt 
für Aeschylus nicht in betracht , der erstere d. h. „eine todten- 
klage an welcher sich chor - und bühnengesang gemeinsam be- 
theiligt", findet sorgfältige erörterung. Zweitens aber kommt nun 
Westphal auf dem wege seiner Untersuchung endlich zu einer 
zwingenden fassung der so wichtigen aristotelischen worte und 
des excerptes bei Cramer — gegenüber der früheren Verwirrung, 
die noch in L. Schmidts abhaudlung de parodi in tragoedia graeca 
notione sichtbar ist, ein sehr erfreulicher gewinn. 

Nicht ohne guten grund hat der verf. bei seiner Untersu- 
chung über die fxigrj der aesehyleischen tragödie und speciell 
die chorika derselben auch die fiigr] der aristophanischen ko- 
mödie und ihre erwähnte analyse bei Cramer a. a. o. in paral- 
lele gezogen. Die analogieen zwischen dem aufbau der chorika 
bei beiden sind augenscheinlich , und steht hierin Aristophanes 
dem Aescbylus näher als die tragödie des Sophokles und Eu- 
ripides. Nicht zu umgehen war hier eine genaue erörterung 
der parabase, die in der komödie eine dritte Unterart der cho- 
rika neben der parodos und dem stasimon bildet. Auch hier 
schliesst sich das gegebene eng an die Überlieferung der al- 
ten an (vgl. p. 38) ; aus der letzteren hätten die schoben zu 
Aristophanes eine grössere beaebtung verdient , in so fern ein 
tbeil derselben die terminologie des Heliodor repräseutirt. So 
hätte erwähnt werden können , dass dieser metriker für den 



Nr. 6. 157. Aeschylos. 291 

zweiten theil des ersten haupttheils der parabase den passenden 
ausdruck avir\ r\ naQußuGvg bietet, sowie die irzigorj/xanx)) Gv^vylu 
in die [asXlxuI und Gzi%ixai nsqiodoi, gliedert. Wir haben in 
einer kürzlich erschienenen schrift über Heliodor auch die Stel- 
lung der kolometrie und ihrer semeiotik gegenüber den aristo- 
telischen fieorj bezeichnet : vgl. Heliod. untersuch, p. 46 flg. 

In abschnitt II. wird durch vergleich mit dem auletischen 
nomos des Sakadas und des von Aristoxenos bei Plut. de mus. 
33 beschriebenen fünftheiligen tonstückes, das von Pollux 4, 
66 über die eintheilung des kitharodischen nomos des Terpan- 
der gesagte erläutert und berichtigt. Das resultat ist vor al- 
lem dies, dass die ursprünglichste form des nomos die trichoto- 
mie ist , wobei das hauptgewicht in die mitte gelegt wurde. 
Diese dreitheiligkeit wuchs durch hinzufügung von Übergän- 
gen, die den eingang und den schluss mit dem in der mitte 
befindlichen haupttheile (öfKfah'g) vermittelten, zur fünfthei- 
ligkeit. In dem terpandrischen nomos wurde dabei der eigent- 
liche nomos noch durch ein besonderes nooof/Mov und i'goöiov, 
das der dichter von seinem subjectiven standpuncte aus hinzu- 
fügte, umschlossen. Erwägt man nun den frühen und bedeu- 
tenden einfluss, den die nomendichtung auf die chorische lyrik 
und das drama übte, so kann nicht zweifelhaft sein, dass die 
mesodische composition der aeschyleischen chöre auf die ur- 
sprüngliche dreitheiligkeit des nomos zurückzuführen ist. Sehr ge- 
schickt wird dabei an die worte des Schol. zu Eumen. 47 er- 
innert, der es für eine poetische Schönheit erklärt, dass Aeschy- 
lus die Verfolgung des Orestes durch die Erinyen nicht an 
den anfang, sondern in die mitte des Stückes verlegte: seine 
worte rufiifvufxevog lä ux^iaiöruiu iv fiiGco haben nach West- 
phal eine über diesen einzelnen fall weit hinausgehende, auch 
auf die composition der einzelnen chorlieder auszudehnende be- 
deutung. 

Die nachweise Westphal's betreffen zunächst die Epinikien 
Pindars. Es ist ein schönes ergebniss, dass von den 44 erhal- 
tenen gedichten nur acht die meist schon durch ihren äusseren 
geringeren umfang den übrigen entgegenstehen, von streng 
trichotomischer gliederung abweichen, in allen übrigen sondern 
sich die drei haupttheile oq^ü, onyuXog und Gcfouyig, in unge- 
zwungener weise von einander ab. In 28 öden bildet aber 

19* 



292 157. Aeschylos. Nr. 6. 

nach der Westphal'schen darlegung der 6fj<puXbg den festen epi- 
schen kern , um den sich die mehr individuellen momente in 
der o.Qxa und ötpgaytg gruppiren. Treffend werden hinsicht- 
lich des mythus zwei behandlungsweisen geschieden: er be- 
rührt entweder die geschichte der stadt und der vorfahren 
des siegers , oder es wird an den agon , an die art des sieges 
und endlich auch an die persönlichkeit des siegers angeknüpft. 
In letzterem falle lag, wie man leicht sieht, die gefahr nahe, 
dem ojifpaloq ein zu persönliches, seinem character im grossen 
und ganzen widerstrebendes element beizumischen. Aber die 
kundige band des dichters weiss auch dieses in die gewandung 
des mythus zu hüllen, er greift in die Vergangenheit zurück, und 
wenn z. b. Pyth. 6, wo der wagensieg des Akragantiners Xe- 
nokrates verherrlicht wird, zu erwähnen war, dass der söhn für 
den vater den sieg errungen hatte , so erzählt uns der ompha- 
los den mythos von Archilochos , der für seinen vater Nestor 
den kämpf mit Memnon bestanden. In acht andern öden wird 
nach Westphal zwar die dreitheiligkeit streng bewahrt, ohne 
dass der omphalos durch einen mythus eingenommen würde. 
Diese öden (Pyth. 1, Ol. 2, Pyth. 9, Nem, 10, Isth. 6, Isth. 2, 
Nem. 1, Pyth. 8) hätten in ihrer gliederung wohl eine einge- 
hendere behandlung verdient, als sie bei Westphal p. 87 und 
p. 88 gefunden haben. So konnte die abweichende gruppi- 
rung von Isth; 2 aus dem besonderen Verhältnis klar werden, 
in welchem der dichter zu dem söhne des siegers Thrasybulos 
stand, an den sich die ode nach dem tode des vaters wendet. 
Die berührung ihres freundschaftlichen Verhältnisses sowie der 
preis seiner bürgerlichen fugenden , beides konnte seiner indi- 
viduellen natur nach offenbar nur in der uQ%ä oder der GcpQa- 
ylg behandelt werden, so blieb nur der upcpulbg für die Verherr- 
lichung des agouistischen sieges übrig , und letzterer muss hier 
nun gegenüber den persönlichen beziehungen des dichters zu 
Thrasybulos zugleich das epische element abgeben. Wie auch 
Pyth. 1 (auf Hieron) zu manchen anmerkuugen aulass geben 
konnte, so wäre hier wie gesagt überhaupt ein näheres einge- 
hen am platze gewesen. Sehr einleuchtend ist aber wieder die 
motivirung für das nichtvorhandensein auch jeglicher trichoto- 
mischer gliederung in den übrigen acht öden p. 89. Der grund 
liegt abgesehen von Ol. 5 und Isth. 11 , wo besondere eigen- 



Nr. 6. 157. Aeschylos. 293 

thümlichkeiten obwalten, in der geringeren ausdehnung dieser 
gediente. "Was uns schliesslich auffallend erscheinen könnte, 
ist der umstand, der freilich gleich bei Aeschylus seine analo- 
gie findet, dass der beginn und das ende der für die grosse 
mehrzahl der Epinikien nachgewiesenen drei haupttheile durch- 
aus unabhängig sind von dem anfang und ende der Strophen. 
„Der neue theil kann an jeder beliebigen stelle anfangen, am 
häufigsten mitten im verse, häufig genug auch mitten in der 
metrischen reihe". Um so wichtiger war es aber in diesem 
falle, dass der dichter jene drei haupttheile durch deutlich her- 
vortretende, gedankliche Übergänge von einander sonderte. Diese 
Überleitungen von der aQ%ä zum o/icpalbg einerseits und vom 
ofMpalog zur GcpgayCg andererseits entsprechen wie Westphal 
überzeugend nachweist, der xazuTqonu und fj^TuxujuxQOTtu des 
kitharodischen nomos. Nur durch diese annähme glaubt West- 
phal den dichter vor dem Vorwurf des schematischen und scha- 
blonenhaften bewahren zu können — so stereotyp und wieder- 
kehrend sind die bilder und wortgefüge, in denen sich der dich- 
ter hier bewegt. Nur viermal, bemerkt Westphal, hat sich Pin- 
dar in den in rede stehenden öden einen freieren, und wir kön- 
nen sagen mehr versteckten Übergang vom ofi(puX6g zur öcpqa- 
ylg gestattet (durch ein pronomen wird ein in dem dfjuyiuXog 
vorhergehendes Substantiv wieder aufgenommen) , in den übri- 
gen hält er sich in den überkommenen geleisen des hieratischen 
nomos. 

Was nun Aeschylus angeht, so giebt uns Westphal die ge- 
wiss weittragende Observation , dass in allen nicht threnodisch 
oder kommatisch gehaltenen oder sich dem threnos annähern- 
den chorliedern die an den nomos sich anschliessende compo- 
sitionsform gewahrt ist. Characteristisch für die grundstimmung 
des dichters ist dabei, dass den dficpuXog bei ihm die entwick- 
lung eines ethischen oder dogmatischen satzes einnimmt, wäh- 
rend Pindar mit getreuerem anschluss an den ursprünglichen 
nomos den mythus hierher verlegte. Doch ist dies verfahren 
nicht ausnahmslos gewahrt: in dem zweiten chorikon der Suppli- 
ces 529 — 549 hat der omphalos wie bei Pindar einen epischen 
inhalt. W^ei und GcpaQjlg, die auch bei Aeschylus in gedank- 
lichem zusammenhange stehen, werden consequenter weise durch 
die epische erzählung eingenommen und erhalten hier eine Jbe- 



294 157. Aeschylos. Nr. 6. 

stimmtere beziehung auf die in die mitte gestellte idee. 
Wie bei Pindar anfang und ende eines dieser tlieile unab- 
hängig war von anfang und ende der Strophe, so gilt dasselbe, 
wie bereits bemerkt, auch für Aeschylus , nur fällt der anfang 
eines neuen theiles nach Westpbal stets mit dem anfang eines 
neuen verses zusammen. Besonders deutlich tritt die aufgefun- 
dene gruppirung in dem ersten chorikon des Agamemnon zu 
tage, vs. 104 — 25. Die archa enthält die erzählung des wun- 
derzeichens (das adlerpaar erwürgt die jungen des wildes) und 
die unheilverkündende deutung durch Kalchas. Das nahende 
Unglück lässt den chor den blick zu Zeus erheben; bei seinem 
rathschluss , der die sterblichen durch leiden zur Weisheit führe, 
sei allein rettung zu suchen. Dieser acht aeschyleische gedanke 
füllt den omphalos aus. Die sphragis knüpft an das ende wie- 
der an, um den mythus (zorn der Artemis und seine folgen) 
weiter zu führen. Mit recht macht Westphal darauf aufmerk- 
sam, dass ein anderer dichter die epische erzählung kaum un- 
terbrochen, und den sittlichen gedanken , der jetzt den ompha- 
los einnimmt, vielmehr an das ende des ganzen gestellt haben 
würde — Aeschylus folgt der traditionellen Ökonomie des 
kitharodischen nomos und schaltet inmitten des epischen Vor- 
trags episodisch einen grossen ethischen gesichtspunkt ein, der 
gleichsam für beide seiten des ganzen das richtige verständniss 
eröffnet. Nicht minder einleuchtend war für uns die analyse 
der parodos der Choephoren, vs. 22 — 63, Westph. p. 102 ff. 
Die composition des chorliedes ist eine ganz ähnliche und es 
gelingt dem verf. auch die xamTQona und fitiuxuTaTqona nach- 
zuweisen, deren spuren auch sonst bald schwächer bald deut- 
licher hervortreten. Den bedürfnissen des Stückes angemessen 
bewegt sich hier der inhalt der «£>/« und ayxxQyig mehr im all- 
gemein epischen als rein mythischen tone. — Ein übelstand 
macht sich freilich dem leser in diesen erörterungen fühlbar ; 
wir meinen die über gebühr hinausgehende Vernachlässigung der 
einschlägigen literatur. Das Vorwort zeigt uns, dass das buch 
zum grössten theil schon in den jähren 1858 und 59 niederge- 
schrieben und vieles davon in jener fassung beibehalten wurde. 
Damit findet freilich manches seine erklärung, wenn auch nicht 
seine entschuldigung : denn man darf leider behaupten , dass 
kaum ein andres buch auf diesem felde in neuerer zeit erschie- 



Hr. 6. 157. Aeschylos. 295 

neu, das so rücksichtslos die achtenswerthesten vor- oder mit- 
arbeiter bei Seite schiebt. Hat dies verfahren schon bei der 
behandlung der allgemeineren fragen des ersten abschnittes seine 
übehtände (man denke nur etwa an die besprechung der pa- 
rabase u. s. w.) , so muss es noch empfindlicher berühren im 
zweiten capitel, bei dessen Inhalt wir eben stehen blieben, und 
im dri:ten, wo die besprechung der amöbäisch gegliederten cho- 
rika den Verfasser in alle einzelprobleme der Aeschyleischen 
textkritik einführt. Wir greifen hier einen beliebigen punct 
aus dem zweiten capitel heraus, der die obige behauptung recht- 
fertigen mag. Wer sich die parodos der Perser in's gedächtniss 
ruft, muss sofort vermuthen, dass sich Westphal dieses chorlied 
für den nachweis terpandrischer compositionsform nicht hat 
entgehen lassen. Nimmt man nämlich die zuerst von Otfried 
Müller (kl. Schrift. I, p. 515 f.) vorgetragene vermuthung auf, 
dass die im Mediceus mesodisch eingefügten verse 93 — 100 do- 
Xofirjuv ö' dnuTav ... cpvyei'v vielmehr als ixcwdog nach v. 113 
zu stellen seien, so ist die trichotomische gliederung handgreif- 
lich : die drei ersten Strophenpaare, welche die aq^a bilden, und 
die beiden letzten , die als ccpQuylq anzusehen sind , geben die 
epische grundlage und beschäftigen sich mit dem gleichen thema, 
dem grossartigen heereszuge der Perser. In die mitte gestellt 
als omphalos ist dann die betrachtung über do?.6(j,rjrt,g uttutu 
der gottheit und das vergebliche ringen der sterblichen sich 
Ate's netzen zu entziehen, eine betrachtung, die dann auch die 
in der Gcpgayig obwaltende Stimmung beeinflussen muss. „Die 
nothwendigkeit „dieser Umstellung" sagt Westphal auf p. 108, 
hat 0. Müller vor fast dreissig jähren erkannt, und man muss 
sich in der that wundern, dass niemand seinem worte gehör gege- 
ben hat". Die Verwunderung Westphal's wäre gewiss minder 
stark gewesen, wenn er, um von den früheren besprechungen 
der schwierigen stelle durch Klausen , Bamberger , Halm u. a. 
hier abzusehen, etwa L. Schiller's programm (Erlangen 1850) 
in erwägung gezogen hätte. Ausserdem enthält aber die be- 
merkung einen factischen irrthum : die von 0. Müller empfoh- 
lene Umstellung hatte im jähre 1861 ihren vertheidiger gefun- 
den in Heimsöth, die Wiederherstellung der dramen des Ae- 
8chylus p. 365 f. : im folgenden jähre fügte Heimsöth neue 
gründe hinzu, die indirecte überl. des äschyl. textes p. 137, und 



296 157. Aeschylos. Nr. 6. 

im Jahre 1866 hat endlich Teuffei die verse nach Müller's ver- 
muthung in den text gesetzt. Solche beispiele, deren sich otne 
mühe noch viele nachweisen Hessen, schliessen nicht aus, dass West- 
phal in seinen darlegungen dennoch meist das richtige gefuaden 
hat, wie wir denn auch in dem vorgeführten falle uns ihm ohne 
bedenken anschliessen, aber sie beweisen doch auch deutlich 
genug, wie die aeschyleischen Studien des Verfassers seit den jäh- 
ren 1858 und 59, wo das gebotene „zum grössten theile" nieder- 
geschrieben wurde , in stillstand gerathen sind , und das nonam 
post denique messem quam coepta est nonamque edita post hiernem, 
das zum motto des buches erhoben worden, nur eine äusserli- 
che anwendung finden kann. 

Der dritte abschnitt des fesselnden buches gelangt , nach 
einer eintheilung der u^otßotla im allgemeinen zu einer reihe 
wichtiger gesetze der amöbäischen composition. Auch hier 
stützt sich der vf. zunächst auf die Überlieferung , indem er 
den ■naqayqa^ul äjrlal ( — ) nachgeht, die im Mediceus nicht 
selten den Personenwechsel andeuten. Das erste gesetz lautet : 
an derselben stelle, wo in der Strophe ein Wechsel der halb- 
chöre (oder überhaupt der personen) statt findet , an derselben 
stelle muss er auch in der antistrophe eintreten (vgl. p. 139). 
Dieser Wechsel ist nicht an die grenzscheide zweier verse , ja 
nicht einmal an die zweier rhythmischer reihen gebunden, was 
durch Sept. 890. 901, Pers. 1059. 1065 erhärtet wird. 

Zweitens die strophisch oder autistrophisch respondirende 
partie braucht keineswegs von ein und demselben halbchor ge- 
sungen zu werden (vgl. p. 148 f.), ein gesetz, für das auch 
aus Sophokles und Euripides beweise herbeigezogen werden. 
In dem Choephoren - threnos sind es endlich zwei stellen, wel- 
che als resultat ergeben (vgl. p. 150), „dass in einer amöbäisch 
vorgetragenen partie zwischen zwei unmittelbar auf einander 
folgenden Strophen kein Wechsel der singenden einzutreten 
braucht". 

Der vierte abschnitt knüpft an den inhalt des ersten in- 
sofern wieder an, als hier die gliederung der aeschyleischen 
tragödie recapitulirt wird. Während bisher die parodoi und 
stasima zur besprechung kamen , werden jetzt die dem epeis- 
odion und der epodos beigegebenen mele vorgeführt mit aus- 
nähme des threnos und des processionsgesanges (äyodixov fiilog 



Nr. 6. 157. Aeschylos. 297 

die schon im früheren behandelt waren. Die vergleichung der 
einzelnen stücke ergiebt das zurücktreten des melischen de- 
mentes in den jüngeren stücken. Im Agamemnon , den Choe- 
phoren und den Eumeniden kommen je zwei epeisodiscbe und 
epodische cantica vor, in den früheren je drei oder vier. Da- 
mit im zusammenhange steht die Observation, dass für die Ore- 
stie die gewohnheit, die cantica durch eine für das ganze be- 
treffende chorlied gleiche zahl von trimetern des agonisten zu 
unterbrechen, aufgegeben ist. Wenigstens zollt "Westphal den 
versuchen, auch Eum. 745 f. eine versgleichheit für die zwi- 
schen den Strophen eingeschobenen trimeter zu erzielen, keinen 
beifall. Die nähere musterung dieser in den älteren stücken 
überall hervortretenden zahlenresponsion der zwischen die can- 
tica eingeschobenen trimeter führt den vf. ganz von selbst auf 
den melodramatischen Vortrag. Zunächst wird übrigens der 
letztere (nuouxbi,Ta\oyri) für die tragischen anapäste nachgewiesen 
aus zwei gründen besonders, die uns überzeugten (vgl. p. 199). 
Bei der frage nach der parakataloge der trimeter geht West- 
phal von der bekannten stelle des Plutarch aus (Music. 31) und 
unterzieht die entdeckung Ritschl's von der antistrophischen 
responsion der sieben redepaare einer nochmaligen musterung. 
Selbst wenn man mit der Westphal'schen disponirung, die sich 
übrigens vielfach an die Ritschl'sche anschliesst , im einzelnen 
nicht immer einverstanden sein sollte, so wird die statuirung der 
parakataloge gerade für diese partie kaum einen Widerspruch 
erfahren. „Die Schauspieler singen nicht, sondern sie sprechen 
ihre symmetrisch angelegten versgruppen, gleichzeitig aber ver- 
nimmt der zuhörer eine mit dem rhythmus der gesprochenen verse 
genau im einklang stehende Instrumentalmusik u. s. w.". Wir 
haben neuerdings von einem anderen standpuncte aus die frage 
nach der symmetrischen gruppirung dialogischer partien erörtert 
und können uns darauf zurückbeziehen : Heliod. Untersuch, p. 
72 f. Die semeiotik des Heliodor zu Ar. Pac. 556 entrückt die 
frage dem boden der hypothese und zeigt uns an einem be- 
stimmten falle, wie einmal die antiken metriker diese frage 
nicht unbeachtet gelassen und wie wenig gewicht andererseits 
dabei auf kleine differenzen unserer handschriften zu legen ist. 
Schliesslich darf nicht verschwiegen werden, dass das so anre- 
gende buch, so klar und übersichtlich es auch angelegt ist, an ver- 



298 158. Sophokles. Nr. 6. 

schiedenen stellen jene spuren auffallender flüchtigkeit an sieb trägt, 
von denen sich auch andere erzeugnisse des geistreichen Verfas- 
sers nicht freihalten. So wird auf p. 68 eine weitere besprechung 
der definition der k'^oöog t% xcopcpöCag für den vierten abschnitt 
in aussieht gestellt ; auf p. 94 lässt der vf. die pindarischen ka- 
tatropai, ebenso die von ihm als prooemien \ind epilogoi ange- 
sehenen theile unberücksichtigt und verweist dabei auf eine 
zu gebende analyse der einzelnen pindarischen Epinikien — aber 
beide male sieht sich der leser in seinen erwartungen getäuscht, 
denn vf. kommt auf die angeregten punkte nicht wieder zurück. 
Sollen wir zum schluss einen gedanken hervorheben, der 
sich durch alle einzeluntersuchungen gleichmässig hindurchzieht 
und uns als das schliessliche endresultat gelten muss , so ist es 
der nachweis der energischen plastik, welche die antike tragö- 
die und speciell die des Aeschylus wie auch die komödie des 
Aristophanes durchdringt, mag man nun dabei mehr die gliede- 
rung der tragödie und komödie im allgemeinen, oder die fast 
schablonenhafte gruppirung der parabase und das schema ter- 
pandrischer composition oder endlich die antistrophische respon- 
sion der trimeter in's äuge fassen. Auffallen muss es dabei, 
dass ein mann, der einen so lebendigen sinn für diese strenge 
plasticität antiker dichtung zeigt und uns dieselbe in vielen 
punkten erst erschlossen hat , uns dennoch aesehyleische chor- 
lieder in der musik modern gereimter Strophen übersetzt, wel- 
che in der verflachung des ausdrucks, die schon der zwang des 
reimes mit sich führt, hie und da weit eher an moderne opern- 
librettos erinnern, als an die poesie des dichters, auf den die be- 
kannten worte des geistesverwandten Aristophanes gehen: dXX' 
(o TiQÜJrog Tijbv *EWr[vtov TtvgyujGag qrj/utaTU Geftvd. Otto Hense. 



158.. Die thebanischen tragödien des Sophokles als einzel- 
dramen ästhetisch gewürdigt von Dr J oh. Müller. Innsbruck, 
Wagnersche buchhandlung, 1871. VI. s. 154 s. 8. — 24gr. 

Der von dem unterzeichneten in den Symbola philologorum 
Bonnensium p. 217 — 259 versuchte nachweis, dass die drei the- 
banischen tragödien des Sophokles nicht durch das band eines 
trilogischen Zusammenhanges unter einander verknüpft sind, 
scheint im ganzen die Zustimmung der philologen gefunden zu 
haben ; mehr als diesen nachweis zu liefern lag ausserhalb der 



Nr. 6. 158. Sophokles. 299 

aufgäbe jener abhandlung. Der Verfasser der oben genannten 
sckrift hat den glücklichen gedanken gehabt ihn dadurch zu 
vervollständigen , dass er jedes einzelne der drei dramen vom 
ästhetischen gesichtspunkte aus allseitig beleuchtete und daran 
zeigte, wie es durchaus als ein in sich gerundetes ganzes dasteht; 
ein ziel , dessen erreichung ihm vorzugsweise hinsichtlich der 
Charaktere gelungen ist, die er treffend entwickelt und von de- 
nen er überzeugend darthut, wie dem hauptcharacter jedes- 
mal die nebencharactere für das verständniss ergänzend gegen- 
übertreten. Auffallend ist allerdings, dass bei der besprechung 
des charakters des Oedipus im Oedipus Tyrannos die vielbe- 
sprochene königsrede (v. 216 — 275), welche doch für die beur- 
theilung desselben wahrlich nicht gleichgültig ist , so gut wie 
ganz unberührt bleibt (p. 23 — 53) und darum die ausführung 
hier etwas unvollständiges behält. — Ausserdem mag als auf 
eine der lesenswerthesten partieen des buches auf die sehr klar 
gefasste besprechung einer klasse von tragödien aufmerksam ge- 
macht werden, zu der der Oedipus Tyrannos mit fug gerech- 
net werden kann und deren eigenthümlichkeit darin besteht, 
dass der held bei völlig reiner absieht nur darum fehlt, weil 
seiner natur das organ für eine wichtige seite des lebens ab- 
geht und er in folge dessen rücksichten der wesentlichsten art 
verletzt (p. 3 — 23). Von besonderem interesse ist auch die er- 
örterung über die frage , wie das von Kreon erlassene verbot 
der bestattung des Polyneikes in der Antigone ethisch zu be- 
urtheilen sei (p. 127 — 132). Gegen eine frühere aeusserung 
von mir über diesen punkt hat W. Vischer (im Rhein. Mus. 20, 
p. 444 — 452: vgl. auch Kuicala, Ztschft. f. d. österr. gymn. 21, 
p. 614 flgg.) zwar mit grossem recht geltend gemacht, dass auf 
Polyneikes in Kreon's äugen nicht der begriff des kriegsfeindes, 
sondern nur der des landesverräthers anwendung findet, hat je- 
doch selbst zugeben müssen, dass die attische sitte auch für 
den landesverräther wohl die versagung der bestattung im hei- 
mathlichen boden, nicht aber die versagung der bestattung über- 
haupt kannte. Daran anknüpfend zeigt Müller vollkommen richtig, 
dass hier ein conflict zwischen einer gröberen empfindungsweise, 
welche man als die des heroenzeitalters zu betrachten liebte, und 
der feineren speeifisch attischen zu gründe hegt; er hätte hin- 
zufügen können, dass die Antigone durchaus nicht die einzige 



300 158. Sophokles. Nr. 6 

tragödie ist, in welcher derselbe ausdruck findet, denn die be- 
handlung der leiche des Aias durch die Atriden, die der leiche 
des Aigisthos durch Orestes und Elektra und die ohne zweifei 
gleichfalls durch die tragödie ausgestaltete sage von dem an- 
geblichen verräther Palamedes , den auf ^gamemnon's geheiss 
niemand beerdigen darf (Philostr. Her. 10, 7), beruhen auf den 
gleichen Voraussetzungen ; vielleicht enthalten selbst die schluss- 
verse des siebten fragments des Moschion (Tragg. gr. frr. 
p. 633 Nauck.) eine anspielung auf diesen gegensatz. Ueber- 
haupt verdient es mehrfach noch bestimmter festgestellt zu 
werden, in wieweit die tragischen dichter die auftretenden per- 
sonen in den anschauungen ihrer zeit und in wieweit in denen 
einer früheren culturperiode sich bewegen lassen. 

Leopold Schmidt. 

159. Aristoteles über kunst, besonders über tragödie. 
Exegetische und kritische Untersuchungen von Dr Joseph 
Hubert Beinkens, ord. ö. professor an der königl. univers. 
Breslau. Wien, 1870. 8. W. Braumüller. VH u. 339 s. 2 2 / 3 thlr. 

Dies geistvolle, klar und gut geschriebene buch zerfällt in 
zwei theile , eine systematische darstellung und eine kritische 
beurtheilung der kunstlehre des Aristoteles. Der eigentliche 
Schwerpunkt desselben liegt in der letzteren, und dass die er- 
stere im grossen und ganzen abgesehen von dem abschnitt über 
die katharsis wenig neues mehr darbieten konnte, ist nicht des 
Verfassers schuld , im einzelnen finden sich auch hier einige 
höchst werthvolle detailuntersuchungen, und nur selten begegnet 
man irrthümern von besonderer erheblicbkeit, wie z. b. dem, dass 
Aristoteles unter Ttd&oc, jede art von leiden verstanden habe, wäh- 
rend er doch am Schlüsse des 11. capitels der poetik unzweideutig 
hervorhebt , dass er im strengeren sinne nur leiden von ganz 
besonders drastischer art, zumal wenn sie unmittelbar den äugen 
der zuscbauer vorgeführt werden, mit diesem ausdrucke bezeich- 
nen will. Beinkens wiederholt hiemit einen längst widerlegten 
irrthum Lessings , nach welchem allerdings eine tragödie ohne 
TiuOog unmöglich sein würde, und schneidet damit sich jedes 
verständniss dessen ab, was Aristoteles unter der rgayoidfa tcu- 
&r\Ttxr[ und der ihr relativ entgegengesetzten rgayoidfa rj&ixrj 
sich gedacht hat, und dass „wir" dies nicht wissen können (p. 



Nr. 6. 159 Aristoteles. 301 

319), ist allerdings richtig, sobald unter diesem „wir'' lediglich 
seine eigne person verstanden wird. Die neueren forschungen 
sind zum grössten theile sorgfältig und gründlich verwerthet, 
doch hat der vf. weder meine ,, Studien" im Rhein, museum, noch 
das dritte bis fünfte stück meines litteraturberichts in Jahns 
Jahrbüchern, noch mein Sendschreiben an Vahlen in derselben 
Zeitschrift, noch die abhandlung von Bonitz über nu&OQxmUnä&riiAU 
benutzt und auch der zweite theil von Dörings Jahresbericht 
über die katharsis im Philologus ist ihm nicht mehr zu gesicht 
gekommen. Seine kritik der aristotelischen kunstlehre wird man- 
chem zu streng erscheinen, und ich selbst gehöre zu ihrer zahl, 
aber leugnen wird man nicht können, dass er manches verjährte 
vorurtheil glücklich bestritten und eine fülle neuer anregungen 
zu fruchtbarem nachdenken über die wichtigsten fragen der ästhe- 
tik ausgestreut hat. Ein so absprechendes verfahren freilich, wie 
er es meinem bemühen, durch streng philologische exegese den 
wahren sinn des bekannten von Aristoteles über Euripides ge- 
fällten urtheils zu ermitteln, gegenüber eingeschlagen hat (p. 321), 
kann zu denselben schwerlich gerechnet werden. 

Ich beschränke mich hier hinsichtlich einer etwas* eingehen- 
deren besprechung auf die katharsis. Eeinkens hat die Unter- 
suchung in diesem punkte wesentlich gefördert und auch mir 
zur klärung und berichtigung meiner ansichten geholfen. Er 
weist mit haarscharfer und unwiderleglicher logik gegen Ber- 
nays, Döring u. a. nach, dass jede andere Übersetzung von 
xud-ugfog als „reinigung" vom sinne der griechischen spräche 
und des Aristoteles abführt, und dass diese gelehrten ihre eigne 
forderung, die medicinische Specialbedeutung dieses wortes in 
jeder nüance auch auf dem kunstgebiete zu erhalten, durchaus 
nicht erfüllt haben, indem dazu vielmehr gehöre, dass der wirk- 
lich bereits erregte unlustaflfeot , wie ekstase, furcht, mit- 
leid, durch musik, tragödie u. s.w. geradeso ausgestossen werde 
wie die schädlichen safte im körper durch die (homöopathisch 
wirkenden) arzneimittel. Damit ist denn die ganze Untersuchung 
äusserst glücklich vereinfacht: gelingt es mir, wie ich es her- 
nach unternehmen werde, schlagend nachzuweisen, dass diese 
ansieht nicht die aristotelische gewesen sein kann, so folgt dar- 
aus , was ich schon immer darzuthun gesucht habe , nunmehr 
mit vollster Sicherheit, dass auch jene forderung, an der auch 



302 159. Aristoteles. Nr. 6. 

Eeinkens noch festhält, eine übertriebene ist. So viel jedoch ist 
ohne zweifei an ihr richtig und inzwischen nach meinem Vor- 
gang auch von Döring (Philologus XXVII, p. 722) erkannt 
worden, was jetzt Reinkens treffend gegen Bernays geltend macht, 
dass mitleid und furcht in den worten oV ileov xal cpoßov (Poet. 
1449b, 27) als „künstlerische erregungen aufregung und Spannung 
der gesunden thätigkeit sind, wodurch die in tojv toioviwv 7rad-rj- 
(xdxojv angezeigten affecte, welche unabhängig von der tragödie in 
den na&rjTixoC vorhanden sind, hinausgedrängt werden, dass eben 
deshalb 7wv toiovtwv und nicht tovtojv geschrieben ist, weil letzteres 
die völlige identität des lleog und tpoßog in oV iliov xai yoßov 
mit den nd&r] in na&t]{j,dru)v bezeichnen würde und wir so die 
wunderbare zumuthung erhielten uns vorzustellen, wie furcht und 
mitleid in der art sich selbst aus dem wege räumten, wie wenn 
wir einen sich beim eignen schöpfe fassen, vom boden aufheben 
und in einen abgrund werfen sähen'*. Was man mir also nicht 
hat glauben wollen und was noch Döring (a. a. o. p. 727) jetzt 
im vollsten Widerspruche mit sich selbst von neuem bestritten 
hat, zeigt sich hierin klar, dass nämlich der grundsatz der mo- 
dernen homöopathie similia similibus und nicht paria paribus, weil 
naturgemäss, ob bewusst oder unbewusst, im wesen aller homöo- 
pathie liegend, sich auch hier bewährt. Nur darin möchte Rein- 
kens schwerlich recht haben, dass Bernays' Übersetzung „erleich- 
ternde entladung" zu dessen auffassung von nddri^iu als „dispo- 
sition zu affecten" besonders passend wäre, denn, wie ich schon 
früher bemerkt habe, wohl können sich solche dispositionen ent- 
laden, aber nicht der disponirte von ihnen entladen werden , so 
müssten also wenigstens, was Bernays bestreitet, die nu&^fxura 
und nicht die Tia&rjTcxoC das object der katharsis sein. 

Nun aber, ist es wohl denkbai*, dass nur die von einem 
wirklichen furcht- oder mitfcidsanfall bereits ergriffenen leute 
die einzige Wirkung, welche die tragödie ausüben soll, erfahren? 
Oder müsste wohl nicht Aristoteles, wenn er so etwas behaup- 
tet hätte, alles gesunden Menschenverstandes baar und ledig 
gewesen sein? Reinkens selbst muss einräumen, dass die 
worte, mit denen in der Politik VIII, 7, p. 1342 a, 4 ff. diese 
ganze auseinandersetzung beginnt: o yug Ttegl ivtatg ovf/ßud'tb 
nd&og tj.wxu',' löyvQwg, iovto eV ndaat^ {judg^u xiX. diese aus- 
legung schlechterdings ausschliessen , und er flüchtet sich daher 



Nr. 6. 159. Aristoteles. 303 

zu der völlig unbegründeten behauptung, dass sie nicbt in den 
zusammenbang passen und wohl lückenbaft überliefert seien. 
Gerade umgekebrt ist also zu folgern , da die auslegung von 
Bernays, nacb welcher mebr oder weniger alle menseben die 
Wirkung der ästbetiseben katharsis erfahren, sonach vielmehr 
vollkommen richtig ist, dass dieselbe bei den in normalem zu- 
stande befindlichen nicht wirkliche bestimmte anfalle der schon 
mitgebrachten erregung von furcht und mitleid, sondern nur 
den unbestimmten vermöge der disposition aller menschen zu 
denselben in ihren gemüthern aufgehäuften und gleichsam bereit 
liegenden furcht- und mitleidsstoff momentan hinwegschafft, dass 
die kunst also dem bedürfniss des menschen die affecte zu äu- 
ssern allein jene höchste und edelste, vollgesunde und vollberech- 
tigte befriedigung gewährt, welche das leben ihm versagt. Frei- 
lich die ganze einseitig verurtheilende kritik, welche die ka- 
tharsislehre des Aristoteles bei Reinkens erfährt, verliert mit die- 
ser allein haltbaren auffassung den boden unter den füssen, und 
es fragt sich sehr, ob nicht diese aristotelische lehre vom zweck 
des Trauerspiels eine ungleich grössere berechtigung bat, als er 
sie ihr zugestehen will. Soll auch bei der grossen mehrzahl der 
Zuschauer und zuhörer noch von einer wirklichen ärztlichen cur 
die rede sein, so könnte sie wenigstens nur noch als eine prophy- 
laktische bezeichnet werden ; die rein medicinische anwendung der 
kathartischen musik bei den ekstatischen gemüthskranken , von 
denen die betraebtung ausgeht, verflüchtigt sich, je mehr es sich 
um die Wirkung von musik, tragödie u. s. w. auf die geistig ge- 
sunden bandelt , desto mehr zu einer verschwindenden analogie, 
und all der „prickelnde apotkekergeruch", den Döring, wie er (a. 
a. o. p. 728) sagt, ,,aus Hippokrates apotheke bat ausströmen 
lassen'', kann hieran auch nicht das mindeste ändern. Wohl 
aber steht das wGtiiq iuiotiui jv^öviag xai y.u&dgGeütg (z. 10 f.) 
biemit in widerstreit, und da dieser durch den von anderer seite 
vorgeschlagenen ersatz von- xul durch rrjg gehoben werden kann, 
so folgt aus dem vorstehenden, dass er auch so oder ähnlich 
gehoben werden muss , so dass also gerade was Döring gegen 
diese conjeetur geltend macht, sie sei von der tendeuz dictirt 
die katharsis in der kunst von der medicinischen möglichst zu 
trennen, zum sichersten erweise ihrer richtigkeit dient. Dass 
übrigens gerade anfänglich ganz andere gründe zu ihr geführt 



304 159. Aristoteles. Nr. 6. 

haben, musste Döring selber wissen und hätte er daher billig vor 
der thatsächlichen Unwahrheit, dass sie „nur" von jener tendenz 
eingegeben sei, sich hüten sollen. 

Wenn nun aber die durch die tragödie erregten affecte mit 
den gleichnamigen, welche durch sie ausgestossen werden, wenn, 
um es kurz auszudrücken, die tragische furcht mit der gemei- 
nen und das tragische mitleid mit dem gemeinen auch nach 
Reinkens und Döring wohl gleichartig-, aber nicht einerlei sind, 
so muss man sich wundern, dass trotzdem beide gelehrte durch 
die definitionen der gemeinen furcht und des gemeinen mitleids in 
der rhetorik aucb über die beiden entsprechenden tragischen affecte 
das endurtheil gewinnen wollen, was sie sein oder nicht sein 
können. Weil das mitleid nach diesen definitionen die furcht 
um den tragischen beiden schon mit einschliessen würde, darum 
soll die tragische furcht nicht eben diese sein können! Conse- 
quenter als Döring aber sieht Reinkens ein, dass mit diesem 
maasse gemessen auch die erklärung der tragischen furcht, wel- 
che ersterer giebt, nicht bestehen kann, weil sie eine ganz an- 
dere ist als die der furcht in der rhetorik , und da nun auch 
er erkennt, dass wiederum die letztere schlechterdings nicht auf 
die tragiscbe furcht passt, so versucht er sich auch hier wieder 
in das asylum ignorantiae zurückzuziehen , indem er wiederum 
meint, dass wir nicht wissen können, was sich Aristoteles unter 
letzterer gedacht hat. Die wahre consequenz würde aber viel- 
mehr die sein : wenn Aristoteles unter der tragischen furcht 
weder die für einen anderen , nämlich den tragischen beiden, 
noch die bestimmte oder (die von Döring mit anderen herange- 
zogene) unbestimmte furcht für uns selbst verstanden hat , so 
kann er sich überhaupt gar nichts unter ihr gedacht haben, 
denn ein viertes ist überall nicht mehr denkbar. Aber es sind 
eben nur offenbare fehlschlüsse und iuconsequenzen, welche viel- 
mehr unsere erklärer zu derartigen verkehrten ergebnissen ge- 
führt haben. Sie hätten bedenken sollen, dass Aristoteles auch 
sonst in der rhetorik seine bestimmungen vielfach nicht streng 
wissenschaftlich, sondern möglichst vom Standpunkte des gewöhn- 
lichen bewusstseins trifft. Dass er trotz der rhetorik recht wohl 
auch eine sympathische furcht für andere anerkennt , hat inzwi- 
schen Ueberweg (übers, der Poetik p. 59) aus de Anim. III, 3, 
p. 427 b, 22 f. nachgewiesen, und die worte der Poetik c. 13. 



Nr. 6. 159. Aristoteles. 305 

1453 a, 5 f. eXsog (nev Ttsgl rbv uvu^iov, yoßoq 61 tssqi rov T>[jbOiov = 
„das mitleid dreht sich um den unverdient leidenden, die furcht 
um einen unseres gleichen" können nur von dem, welcher sich 
von einmal vorgefassten ansichten nicht losmachen kann, anders 
als so gedeutet werden : gegenständ unseres mitleids ist der un- 
verdient leidende und mithin eben so gegenständ unserer furcht 
einer unseres gleichen, nur für jenen können wir mitleid und 
eben so nur für diesen furcht empfinden. Jede andere ausle- 
gung schlägt den regeln der hermeneutik, ja der grammatik ge- 
radezu ins gesiebt. Muss nun aber so aus der defiuition des 
mitleids in der Rhetorik, um sie für die des tragischen mitleids 
gerecht zu machen , vor allen dingen die beziehung auf noch 
erst bevorstehendes leid des zu bemitleidenden entfernt werden, 
so bleibt jedenfalls immer noch gemeinsames genug zurück, 
dass in jener schrift auch an die miileiderregung der biihue er- 
innert weiden durfte (II, 8, 1386 a, 28 — b, 2); die für seine 
eignen vorher entwickelten satze selbstmörderische fo'gerung, 
dass es ganz dieselbe wie im wirklichen leben sei, war Reinkens 
daraus noch lange nicht zu ziehen berechtigt. 

Dass übrigens das mitleid mit seinem stark eigensüchtigen 
eharakter, wie Aristoteles es beschreibt, nicht mit christlich- 
barmherziger gesinnung zusammenfällt, ist eine richtige, aber 
fast überflüssige bemerkung von Döring und Reinkens. Denn 
was Aristoteles beschreiben will, ist überhaupt nicht das mitleid 
als gesinnung, sondern als naturbestimmung des affects, 
und in diesem sinne ist seine beschreibung völiig richtig und 
passt auf den Christen so gut wie auf den beiden. 

Der von Reinkens gegebene nachweis, da^s die katharsis 
trotz alles entgegengesetzten Scheins von Aristoteles als eine 
zwar nicht direct versittlichende, aber doch sittlich wohlthätige 
einwirkung aufgefasst sein muss, scheint mir unwiderleglich: in 
der that folgt das gegentheil aus dem gegensatze gf j gen die 
naiöeCa im 8. buche der Politik nicht, denn letztere bezeichnet 
die direct sittliche erziehnng und zwar bloss der Jugend. Wie 
aber verträgt es sich hiemit , wenn er (p. 125) von mir sagt: 
„Susemihl stellt sich kühn auf den ästhetischen Standpunkt, 
zieht aber schnell den einen fuss auf den sittlichen zurück, 
wodurch seine Stellung unnatürlich wird"? Macht er selbst es 
hiernach irgendwie anders ? Fr. Susemihl. 

Philol. Auz. II. 20 



306 160. Heliodoros. Nr. 6. 

160. Heliodorische Studien von Otto Hense. 8. Leip- 
zig, Teubner. 1870. 170 s. — 1 thlr. 

Eine genügende geschiente der philologischen Studien im 
alterthum besitzen wir leider noch nicht, aber immer zahlreicher 
werden die bausteine , die zu dem grossen werk von einzelnen 
gelehrten beigetragen werden. Weitschweifige geschwätzigkeit 
war nie eine eigenschaft tüchtiger gelehrten , und haben auch 
die griechischen grammatiker die klippe änigmatiscker kürze, 
welche das Studium des indischen grammatikers Panini so über- 
aus schwierig macht, mit glücklichem takte vermieden, so ha- 
ben doch auch sie reichen gebrauch von der Zeichensprache ge- 
macht, um in kürze durch einige dem texte der autoren beige- 
setzte arjfiHa den leser auf verschiedene dinge aufmerksam zu 
machen. Zuerst gebrauchten sie dieselben bei dem schriftsteiler, 
an dem sich die ganze philologie gleichsam gross gezogen hat, 
bei Homer, und auch die neuere philologie hat zuerst den kri- 
tischen ^eichen der homerischen gesänge ihre aufmerksamkeit 
zugewandt. Weniger beachtet blieben dagegen die metrischen 
zeichen zu den komödien des Aristophanes, bis vor zwei jähren 
C. Tliiemaun in seinem buche : Heliodori colometria Aristophanea, 
auch diesen punkt in klares licht stellte. Thiemann hat seine 
aufgäbe mit fleiss und geschick durchgeführt nud als der erste 
den rahm mit glück weggeschöpft. Aber desshalb ist das vor- 
stehende buch doch keine Ilias jpost Homerum , indem Otto 
Hense mit umsichtiger methode, welche die reife frucht einer 
vortrefflichen Schulung verrath, erhebliche nachtrage zur aristo- 
phaneischen kolometrie zu liefern und durch erweiterung der ge- 
steckten aufgäbe viele erwünschte aufschlüsse über das metri- 
sche system des Heliodor zu liefern verstand. 

In erster beziehung hat der verf. das verfahren des Helio- 
dor und die bedeutung der von ihm gebrauchten zeichen noch- 
mals einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Ansprechend 
ist darin namentlich der schöne nachweis, dass Heliodor in dem 
Frieden v. 922 — 9.38 und 956 — 973 auch die responsion gleich 
grosser gruppen in dem iainbischen dialog mit den zeichen der 
dmlq und der ovo dinXui entweder selbst bezeichnete oder be- 
reits bezeichnet vorfand. Es konnte freilich von diesem verfahren 
nur dieser eine beleg erbracht werden, aber selbst dieser ist bei 
der lebhaftigkeit, mit der jetzt die frage über den symmetri- 



Nr. 6. 160. Heliodoros. 307 

triscben bau der dialogpartien erörtert wird , von weittragender 
Wichtigkeit. Weniger überzeugend ist mir der versuch (p. 58) 
die schoben zu den Eittern 97o — 996 naoayQc/yov de unluX 
fiav nivra, r\ de q xrti [aszu xoowvldog 3mXf n on etafuGiv ol 
vJioxoiTuf, in folgender weise zu reconstruiren: naoü; oucpov 6a 
arrha /jav Trivia, dm'/J, de (xia, r, de q xul /ueiu xoooui'Cdog. 
Hense schliefst aus seiner rcstitution, dass Heliodor zwei arten 
von nuouyquyoi, eine «-/./), und eine din'Arj, unterschieden habe; 
aber die alten sprechen, so weit ich mich erinnere , nie von ei- 
ner nuquyqc.crog unlrj, sondern stets nur von einer nuqdyqacpog 
schlechthin, und scheinen zu din/.q eher yqup/nrj als nuqüyqu- 
q>og ergänzt zu haben. Daher trete ich lieber Thiemann bei, 
der in unserem scholion dmXrj als eine ungehörige interpolation 
einschloss und demnach den zusatz din!<u /jev nevxe einfach aus 
dem gegensatz r t de q xul fiezu xoquiffdog erklärt fand. Zwar 
hat Heliodor, wie Henso p. 56 nachgewiesen hat, an zwei stel- 
len, zu den Acharnern 242 — 262 und zu den Wolken 889 — 
984, wo mit dem eintreten eines anderen metium auch ein ab- 
treten oder eintreten der Schauspieler verbunden war, die dtn'/.T] 
und xoqwrlg gesetzt, so dass man auch nach dem verse 996 in 
den Rittern die zeichen dml7] yeru xoqiovldog oder naquyqu- 
(pog /ueru din'/J]g xul xoqwridog erwarten sollte; will man aber 
nicht eine übermässige Zerrüttung unserer scholien annehmen, 
so wird man nach der überwiegenden mehrzahl der entgegenge- 
setzten beispiele seh Hessen müssen , dass Heliodor oder seine 
Vorgänger nicht durchweg consequent verfuhr, sondern öfters, 
weil doch in der regel mit dem eintreten neuer Schauspieler auch 
eine änderung des metrum verbunden war, statt der dtnArj 
ixexu xoqwridog auch die einfache xoquirig setzte. 

Mehr scharfsinnig als überzeugend ist auch der p. 12 ff. 
versuchte nachweis, dass derjenige, welcher unsere scholien zu 
dem teste des Aristopbanes beisetzte, nicht die kolometrie des 
Heliodor selbst, sondern die aus derselben von Phaeiuos ge- 
machten excerpte benutzte. Dieses schliesst Hense aus der 
vergleichung der Unterschriften im Venetus zu drei stücken 
des Aristophanes. Denn während wir in den subscriptionen zu 
den Wolken und zum Frieden lesen : xexujliGiut, nqbg zu Hlto- 
dcuoov, nuquyiyquniui ex 0ueiiov xu.l 2!vfjfjuxov xal u'/.lwv 
Gyo'/.tujv , steht am Schlüsse der Vögel uur: nuquyeyqumui, ix 

20* 



308 160. Heliodoros. Nr. 6. 









rwv 22vß{ia%ov aal aXXcov c^oXCwv. Da nun der Venetus zu 

den Vögeln keine metrischen scholien enthält, so schliesst Hense 
daraus, dass der zusammensteller der Aristophanesscholien die 
metrischen bemerkungen zu den anderen stücken aus den ex- 
cerpten des in den Vögeln nicht benutzten Phaeinos genommen 
habe. Da aber die Unterschrift zu den Vögeln auch des Helio- 
dor nicht erwähnt, und die scholien des Phaeinos und Symma- 
chos möglicher, ja wahrscheinlicher weise nur sachlichen inhal- 
tes waren, so steht jene Schlussfolgerung durchaus nicht sicher; 
im übrigen ist es ja auch gleichgültig, ob der compilator unserer 
scholien die Schrift des Heliodor selbst oder die von Phaeinos 
daraus gemachten excerpte benutzt hat. 

Der Verfasser unserer heliodorischen untei'suchung ging je- 
doch, wie gesagt, über die aristophanische kolometrie hinaus, und 
suchte auch aus anderen Schriften noch reste der lehre des He- 
liodor zu gewinnen, um daraus ein gesammtbild seines metri- 
schen Systems zu entwerfen. Er ging dabei von der speciel- 
len terminologie des Heliodor aus, die er aus den sicheren 
fragmenten feststellte, und wies mit diesem mittel einen bedeu- 
tenden theil der scholien zu Hephästion als heliodorisches ei- 
genthnm nach. Ja er ging noch weiter und suchte zu bewei- 
sen , dass von den beiden in unserem Hephästion enthaltenen 
abschnitten mgl noirj^atog der erstere zum grösseren theile nicht 
von Hephästion, sondern von Heliodor herrühre. Ist dieses 
auch befremdend, so wird man doch jedenfalls nach den scharf- 
sinnigen erörterungen Hense's zugeben müssen, dass derjenige 
welcher der fjSTQixrj dßuycüyrj jenen ersten abschnitt n(Qi noirj- 
fjuiog zufügte, aus Heliodor geschöpft oder doch in heliodori- 
scher terminologie sich zu bewegen gewöhut war. 

Nach der Zusammenstellung der lehre des Heliodor kommt 
schliesslich Hense noch einmal auf die viel bestrittene fräse 
über das zeitaller unseres metrikers zurück und fasst das end- . 
ergebniss seiner Untersuchung dahin zusammen, dass wir wenig 
fehlgreifen, wenn wir die blüthe des Heliodor in der mitte des 
ersten christlichen Jahrhunderts suchen. Bestimmte neue belege 
für diesen ansatz hat der verf. nicht beigebracht, auch ich ver- 
mag zur aufhellung dieses punktcs nichts weiter beizutragen, 
und will nur auf eine kleinigkeit gelegentlich aufmerksam ma- 
cheu, die vielleicht andere weiter führen wird. Marius Victori- 



Nr. 6. 160. Heliodoros. 309 

nus erwähnt nämlich in dem capitel de pedibus (I, 11) als 
beispiel für den vierten epitrit das wort Irenaeus; nach der ge- 
wohnheit der grammatiker und scholiasten (s. Piniol. XVIII, 
p. 127) möchte man daraus schliessen, dass hier Victorinus aus 
dem werke des Pacatus , des schülers des Heliodor, geschöpft 
habe. 

Hat nun Hense mit seinen Untersuchungen den gegenständ 
völlig erschöpft? Das nicht, denn leider hat er eine hauptfrage, 
die nach dem positiven werth der kolometrie des Heliodor fast 
gar nicht ins äuge gefasst. Die philologen unserer tage ■ — und 
ich kann mich hier frei äussern, weil ich mich selbst nicht am 
wenigsten getroffen fühle — beschäftigen sich jetzt mehr wie 
ehedem und gerade nicht zum frommen der geistbildenden seite 
unserer Wissenschaft mit dem kehricht der alten literatur , mit 
den Schriften der grammatiker und scholiasten. Soll diese ar- 
beit wenigstens einigermassen die aufgewendete mühe lohnen, 
so müssen wir hauptsächlich auch darauf unser augenmerk rich- 
ten, ob die sätze jener alten philologen unsere billigung verdie- 
nen, ob sie nicht blos historischen, sondern auch positiven werth 
haben. Diese Untersuchung hat nun gerade bei Heliodor ein 
ganz besonderes interesse, da wir bei keinem dichter die kolo- 
metrie in ein höheres alter zurückverfjlgen können als bei Ari- 
stophanes. Der enge rahmen der anzeige verbietet mir die re- 
sultate meiner eigenen forschungen hier darzulegen. Indem ich 
mir daher die besprechung der kolometrie der päonischen rhyth- 
men, welche ein ganz besonderes interesse hat, für einen an- 
deren ort vorbehalte, will ich hier nur in kürze bemerken, dass 
Heliodors kolen - theilung wesentlich im einklang steht mit der 
lehre der alten rhythmiker über das fj,iyi&og der nööeg Gvv&e- 
toi, dass sie aber keinen bestimmten anspruch auf unbedingte 
glaubwürdigkeit erheben darf, weil sie nicht blos inconsequen- 
zen, sondern auch offenbare Unrichtigkeiten enthält. Eine in- 
consequenz nenne ich es , wenn Heliodor in der regel die pe- 
rioden in ihre kola auseinandergenommen hat, und doch einige 
mal, wie zum Frieden 775 — 817 und zu den Vögeln 451 — 
522 die CTi'xot uovvv.Qiqiob als ganze verse stehen Hess, ohne 
sie in ihre theile zu zerlegen. Geradezu falsch hat Heliodor 
oder sein alexandrinischer Vorgänger an zwei stellen abgetheilt, 
nämlich in den Wolken 804 ff. : 



310 160. Heliodoros. Nr. 6. 

Aq aiddavet nXiTffja di? rj t u,ug dyufr' uvrift e%ü)P 
f/;6vag dtuir; wg 

hoifxog ö'(T i6tiv unavttTU dqüv, 
off' uv xelivrjg. \\ 
wo er statt der richtigen schon durch die Symmetrie an die 
hand gegebenen verstheilung die verkehrte, von mir durch zwei 
vertikalstriche bezeichnete wählte , und in demselben stück v. 
466, wo er statt einen dreigliedrigen vers : 

ÖipO(j,at. Xo. üjGts ys Gov j noVhovg enl rulci, övqoug \ usl 

xa&'rjG&at, 
anzunehmen, das erste glied mit oiiio/j,ai schliessen lässt, und den 
rest des verses zu einer ganz neuen periode in allerverkehrtester 
weise zieht. An anderen stellen, wie in den Fröschen 228 — 35 
und den Vögeln 1720 — 30 ist es nicht ausgemacht, ob die falsche 
theilung auf rechnung des Heliodor oder des byzantinischen 
Überarbeiters zu setzen ist. Bestimmter möchte ich die Byzan- 
tiner als quelle angeben, wenn in den Vögeln 1470 — 93 statt 
lauter trochäischer dimeter untermischt iambische und trochäi- 
sche kola aufgestellt worden ; denn wenn demnach 

l'an yuQ dtvdQor mcpvxog 

h'xioTrov xv xugdiuq 

uinjüTiQtOj KXtüJvvfiog. 
statt exTOJTov ti xaodCug «- 

nioiiou), Kkiüivvptög. 
getheilt ist, so steht diese theilung in vollem einklacg mit der 
praxis des byzantinischen kirchengesangs. Denn hier wird bei 
sich entsprechenden perioden die kleine Ungleichheit der kola, wo- 
nach um wortbrecbung zu vermeiden dem einen kolon am schluss 
so viel zugelegt wird als dem folgenden im anfang abgenom- 
men wird, nicht ängstlich vermieden. Ob freilich nicht auch bei 
den alten Griechen etwas ähnliches stattfand, betrachte ich noch 
als eine offene frage, so allgemein man dieselbe auch für be- 
reits entschieden hält. W. Christ. 



161. T. Macci Plauti Comoediae. recensuit instrumeuto 
critico et prolegomenis auxit F rid er icus Ritschelius. Tomi 
I fasciculus 1 Trinummum continens. Lipsiae in aedibus B. G. 
Teubneri. MDCCCLXXI. (LXXI, 168). — 1 thlr. 14 gr. 

Ritschl's neue ausgäbe des Trinuramus bietet des erwäh- 






Nr. 6. 161. Plautus. 311 

nenswerthen so vieles , dass es seine Schwierigkeit bat, auf be- 
schränktem räume der arbeit auch nur einiger massen gerecht 
zu werden. In allen stücken zeigen sich wesentliche unter- 
schiede von der ersten ausgäbe. Von den früheren prolegomena 
sind diesem hefte nur beigegeben die notwendigsten notizen 
über die benutzten handschriften und die auf den Trinummus 
bezüglichen abschnitte, in einzelnen punkten berichtigt und durch 
manchen zusatz bereichert , unter dem titel praefatio Trinummi. 
Eine verkürzte Umarbeitung des restes der prolegomena wird für 
das letzte heft des ersten bandes verheissen. Besondere beach- 
tung verdient unter den neuen Zusätzen die scharfsinnige ver- 
mutbung p. lv, deren versprochene ausführung hoffentlich nicht 
lange auf sich warten lässt, dass die personenbezeichnung durch 
griechische buchstaben im Vetus und speciell die des Megaroni- 
des und Philto durch denselben buchstaben auf eine rollenver- 
theilung zum zwecke der aufführung zurückgeht ; diese vermu- 
thung ist um so einleuchtender , als ja noch andere unverkenn- 
bare spuren darauf hinweisen, dass den erhaltenen stücken des 
Plautus theaterexemplare zu gründe liegen. Ebendaher rührt 
wohl auch die sich mehrfach in scenenüberschriften findende 
Tnxqiniyqa(f7\ c, die Ritschi im anschluss hieran, aber auch nur 
in bezug auf den Trinummus bespricht ; merkwürdig ist es, dass 
er nicht, wie doch Geppert, die auch in diesem stücke in B 
und C vorkommende nuoemyoayr] DV bemerkt hat. 

Was den critischen apparat betrifft, so hat derselbe einer- 
seits durch die beseitigung der lesarten interesseloser handschrif- 
ten eine erwünschte Vereinfachung erfahren , andrerseits durch 
die neue kollation der entscheidenden handschriften eine werth- 
volle Vervollständigung erhalten. Die nachtrage aus dem Ambro- 
sianus sind die von Studemund im Rhein. Mus. XXI veröffent- 
lichten ; danach ist die lesart des codex v. 365 nicht ganz ge- 
nau und v. 519 und 522 falsch angegeben, da a. a„ o. p. 610 
und 611 quidlubet nicht quidiubet steht. Die von Hinck ange- 
fertigte collation des Vetus berichtigt die angaben der ausgäbe 1. 
an weit über hundert stellen. Freilich ist das ergebniss kein sol- 
ches, wie man es gern wünschen möchte, da sich der codex noch 
erheblich fehlerhafter zeigt, als es vordem erschien: vielfach 
haben sich, wo B früher das richtige zu haben schien, mehr oder 
minder schwere fehler ergeben, die der handschrift theils eigen- 



312 161. Plautus. Nr. 6. 

thümlich, theils mit CD gemeinsam sind. Verhältnissmässig ge- 
ring an zahl sind dagegen die stellen, wo sich bessere lesarten 
ergeben haben; der wirkliche gewinn für die textesverbesserung 
ist aber ein verschwindend kleiner. Von der nicht minder ge- 
nauen collation des Decurtatus, die Ritschl's eigenes verdienst 
ist, gilt dasselbe : auch sie berichtigt vielfach die früheren an- 
gaben und bietet neben zahlreichen neuen fehlem einzelne bes- 
sere lesarten aber ohne selbständigen werth. Auch die les- 
arten des Vaticanus , der nur theilweise eingesehen worden ist, 
sind hin und da berichtigt. Sodann sind die Zeugnisse aus 
alten Schriftstellern vervollständigt und zu besserer Übersicht 
unmittelbar unter den text gesetzt. Neben einzelnen nachtra- 
gen ferner aus der früheren literatur (v. 367 hat Ritschi wieder 
übersehen, dass schon Muret. V. L. XV, 13 apiscitur emen- 
dirt hat) ist die seit der ausgäbe 1 erschienene plautinische lite- 
ratur in einer weise ausgebeutet, die wenig vermissen lässt: zu 
erwähnen war noch z. b. zu v. 569 Spengel T. M. PL p. 40, 
derselbe über die partikel nonne im altlateinischen p. 4 zu 1046, 
zu 890 Müller Pros. p. 336 neben Reiz uud Bothe, 998 die vermu- 
thaug Kiessling's Rh. Mus. XXIV, p. 113 postquam illic hinc abiit. 
Bei der sorgfältigen verwerthung der ergebnisse eigener 
wie fremder Studien auf dem gebiete des altlateinischen und 
speciell des Plautus aus einem Zeiträume von fast 23 jähren 
ist es begreiflich, dass der text eine erheblich andere gestalt als 
in der ersten ausgäbe erhalten hat. Hinsichtlich der Orthogra- 
phie ist jetzt consequent tuos, tuom u. ä., sed, apud, illud, quid, 
haud geschrieben ; wo nom. und acc. pluralis wie hominis be- 
zeugt sind, sind dieselben beibehalten (ob mit recht , muss bei 
der Vorliebe der handschriften i für e zu setzen, zweifelhaft er- 
scheinen), desgl. formen wie agidum, anteperta, conciliabolum. mis 
für meis, pos, odiossae, otiosse, ussura, peiiuriis , eüus, maiiores. 
Warum nur v. 95 das von A gebotene sceis verschmäht ist, wäh- 
rend v. 490 mit BCD dei für di des A geschrieben wird? v. 663 
ist das von allen handschriften bezeugte honor wieder einge- 
führt, und in der that lässt es sich bei dem stände der Über- 
lieferung nicht ausmachen , ob Plautus bei Wörtern dieser art 
der ungleich häufigeren endung os unbedingt den vorzug gege- 
ben hat : odor z. b. ist neben viermaligen odos gut bezeugt Cure. 
1, 2, 5 und Poen. V, 4, 6. Ueberhaupt ist durch zurückge- 



Nr. 6. 161. Plautus. 313 

hen auf die Überlieferung (manchmal nicht ohne widersprechen, 
wie 316, wo die in der anmerkung vorgeschlagene fassung die 
ecktplautinische allitteration pater parerem parsi zerstört) eine 
ziemliche zahl von abweichungen von der proecdosis veranlasst, 
von denen ein grosser theil deutliches zeugniss ablegt , wel- 
che wesentlichen , der Überlieferung erheblich günstigeren Ver- 
änderungen RitschVs anschauungen , namentlich über prosodie, 
mittlerweile erfahren haben. Ein eigenthümliches g-ef tibi muss 
es dabei doch für diejenigen sein, die z. b. auf Ritschl's frü- 
heres vorurtheil gegen mi für mihi hin mit ihm und auf eigene 
faust bei Plautus und Terentius unnöthig geändert haben, wenn 
sie dieses vorurtheil jetzt so kurzer kand aufgegeben sehen, 
wie es zu v. 927 geschieht. Ob Ritschl's meinungsänderung über 
den gebrauch von eguidem bei Plautus ebenso gerechtfertigt ist, 
lässt sich hier in der kürze nicht erörtern. In manchem punkte 
wird seine augenblickliche ansieht noch manche modification er- 
leiden müssen , z. b. wird er sich auf die dauer der einsieht 
nicht verschliessen können, dass pyrrhichische messung von 
ubi (257b) und amor (260) bei betonung der ultima und von 
ecquis (830) und esse (1125) bei betonung der paenultima nicht 
statthaft , dass eine messung wie Quöd eebibit (250) im an- 
laute eines cretischen tetrameter unbedenklich ist, unbedenklicher 
noch als die v. 284 im 2. fusse eines solchen verses angenom- 
mene mälum esse volt, wogegen eine messung wie Atque ibi ülö 
cueulus (2 45), von anderen bedenken abzusehen, sich selbst im 
1. fusse eines cretischen tetrameter nicht sicher belegen lässt. 
Auch sind differenzen dadurch verursacht , dass sich Ritschi 
jetzt für eine andere von verschiedenen fassungen der Überlie- 
ferung entschieden hat. Vielleicht war wie v. 448 dem advenio 
des Ambrosianus vor dem veni der Palatinen, so auch v. 67 dem 
ad te advenio dieser band Schriften vor dem ad te venio jener der 
Vorzug zu geben, vgl. 97 ad te adveni, Epid. III, 4, 20 ad 
te advenio (A. venio B) u. a. , andrerseits muss es mindestens 
fraglich erscheinen , ob 1060 die lesart des Ambrosianus Quid 
si ego me te velle nolo nicht dem egomet te der anderen hand- 
schriften vorzuziehen ist. Die von Ritschi in letzter zeit (in 
den opusceln, den neuen plautinischen excursen, im Rhein, mu- 
seum) für Plautus in anspruch genommenen alten formen, über 
deren theilweise zweifelhaftigkeit zu reden hier auch nicht der 



314 161. Plautus. Nr. 6. 

ort ist, haben jetzt an den betreffenden stellen aufnähme in 
den text gefunden; es sind noch hinzugekommen quoii für quoi, 
demus für demum, facit für facitis , staec für istaec. Letzteres 
beruht allerdings v. 1080 auf dem zeugniss des Vetus (ste)\ doch 
ist die beschaffenheit der stelle eine solche , dass die annähme 
eines blossen Schreibfehlers (wie 333) gar zu nahe liegt. Gross 
ist die zahl der stellen, wo Ritschl sonst noch theils nach eige- 
nem ermessen, theils nach dem vorgange anderer, unter denen 
G. Hermann und Bergk in erster reihe stehen, änderungen vorge- 
nommen hat. Zu den früheren athetesen ist eine ziemliche an- 
zahl hinzugekommen, auch einige neue lücken sind statuirt 
worden. Entgangen ist Ritschl , dass auch einer von den bei- 
den versen 763. 764 unächt sein muss: nicht nur ist der eine 
neben dem anderen durchaus müssig, es kommt auch noch der 
umstand hinzu, dass sie in verschiedener folge überliefert sind. 
Auch v. 831 sind doch wohl die worte: semper mendicis modesti 
sint, mit Müller als blosses glossem anzusehen: v. 828, woher 
Ritschl die zweite vershälfte entnommen hat , ergiebt sich pas- 
sender sinn, wenn auch nicht trochäisches, hier überhaupt höchst 
unsicheres metrum , wenn man mit leichter änderung schreibt : 
Atque Taanc tuam gloriam iam ante auribus aeeeperam: e[s]t nohilia 
apud homines. Eine lücke ist vielleicht noch vor v. 772 anzuneh- 
men, in welchem falle in der mitte (ob im versanfange at oder 
aut das richtige ist, muss dahingestellt bleiben) einfach sagi- 
nam erus sese zu schreiben wäre. Der grossen mehrzahl der 
vorgenommenen änderungen ist wohl die beistimmung nicht zu 
versagen; doch fehlt es auch nicht an solchen, wo man nicht 
beipflichteu kann. Z. b. v. 42 wird quam primum possim (Ritschl 
possit) durch eine stelle wie Capt. II , 3, 88 ut quam primum 
possis redeas hinlänglich geschützt; ist v. 504 eine änderung 
des überlieferten hie wirklich so nöthig, so würde doch wohl 
id statt hoc zu schreiben sein ; v. 889 schreibt Ritschl : quid istuc 
est nomen für das allerdings unbequeme quid est tibi nomen: aber 
wenn auch in formein wie quid est tibi nomen (in denen übrigens 
in gerader rede mit ausnähme des versschlusses est stets auf 
quid folgt, wonach Ritschl's änderung Pseud. 977 zu beurtheilen 
ist) quid in der regel steht, so ist es doch sehr fraglich, ob es 
auch in solchem zusammenhange , wo es sich nicht wie sonst 
immer substantivisch fassen lässt , noch statthaft ist. ; ein ent- 



Nr. 6. 162. Archäologie. 315 

sprechendes beispiel fehlt gänzlich, unanstössig würde sein quid 
istuc nominist. Die fassung von v. 922 genügt auch nach der er- 
setzung des früheren numne durch numnam nicht: vielleicht ist mit 
ganz geringer äntlerung unter beibehaltung des von den handschrif- 
ten angedeuteten Personenwechsels zu schreiben: anChärmides? — 
Syc. Ain (min CD, mim B, vgl. Aul. I, 2, 40 postidem für postidea). 
Cliarmidesf Am wenigsten befriedigt Ritschl's behaudlung der 
cantica. Dieselbe lässt vielfach das feiue gefühl vermissen , das 
er in den versmassen des dialogs zu zeigen pflegt; hier wird er 
sogar zu ungerechtfertigten urtheilen verleitet, z. b. wenn er zu 
v. 309 behauptet: bina anapaestica vocabula in principio troch. sept. 
abhorrent ab arte Plautina : aber man vgl. Trin. 965. Ba. 70. Men. 
616. Most. 956. 1110. 1118. Pers. 209 u. a.. Es gilt dies 
vornehmlich von den cretischen und bacchischen versen , die 
zum nicht geringen theile bei ihm von solcher ineleganz sind, 
wie man sie dem dichter zuzumuthen nicht berechtigt ist. Schon 
bei flüchtiger übersieht der sicheren verse dieser gattung ergiebt 
sich das deutliche bestreben des dichters, diese metra möglichst 
rein zu bilden ; man hat sich daher sehr zu hüten , ihm auf 
die blosse annähme hin , dass man es mit derartigen versen zu 
thun habe , oder durch anderweitige conjeeturen härten aufzu- 
bürden, die er selbst ganz oder doch thunlichst vermieden hat; 
eher ist man zu leichten änderungen berechtigt, wo sich durch 
solche , namentlich in gewissen versstellen und ganz besonders 
in cretischen versen, härten beseitigen und reinere formen her- 
stellen lassen. 

Zum Schlüsse noch ausser dem hinweise auf den practischen 
index die nachweisung einiger druckfehler ; p. lxiii, z. 9 v. u. 
sehr. 149, p. 70 z. 11 v. u. 519, p. 123 z. 4 v. u. 931, p. 
162 v. 1184 Et für E, p. 168 z. 6 v. u. ad v. 492 für ad 
v. 4, p. 100 z. 6 v. u. ist 754 vor Quin ausgefallen, p. 154 
z. 17 v. u. 1129 vor arbitror. 

162. Kunstgeschichte des alterthums von Dr Franz Re- 
ber. Leipzig 1871. — 3 thlr. 

Das buch, dessen anzeige wir hier bringen , hat vor den 
betreffenden abschnitten der bekannten grösseren werke Kug- 
lers , Lübke's und Schnaase's den bedeutenden vortheil voraus, 
dass die grossartigen ebenso neuen wie fruchtbaren ideen, die 



316 162. Archäologie. Nr. 6. 

die durch Sempers epochemachenden ,,sti!" in umlauf gesetzt sind, 
nicht erst nachträglich hineingearbeitet zu werden brauchten, son- 
dern das eigentliche ferment der betrachtungsweise des Verfassers 
sind. Es umfasst sämmtliche Völker des alterthums mit den 
drei in der vorrede p. vin angeführten und durchaus gerecht- 
fertigten ausnahmen der Kelten, Inder und der Völker Central- 
amerika's. Es kann nicht Verwunderung erregen, dass der Ver- 
fasser der ,, baukunst im alterthum " die architektur vor ihren 
Schwesterkünsten stark bevorzugt hat. Er hat , wie er selbst 
sagt, kein bedenken getragen das dort mitgetheilte auch hier 
zu verwerthen, doch hat er natürlich eine gründliche revi- 
sion vornehmen und vieles zusammendrängen müssen. Manches 
neue ist hinzugekommen, so vor allem der abschnitt über Phö- 
nikien, dessen monumente erst durch die neue französische ex- 
pedition zugänglich gemacht worden sind. Der durchaus rea- 
len betrachtungsweise des Verfassers, der sich von allgemeinhei- 
ten möglichst fern hält und auch in den theoretischen abschnit- 
ten den boden des thatsächlichen nie unter den füssen verliert, 
müssen wir unsere anerkennung zollen. Die über die orienta- 
lischen völker handelnden capitel dürfen im allgemeinen als 
wohlgelungen bezeichnet werden : überall ist hier das wesentli- 
che klar und bestimmt hervorgehoben worden, so namentlich 
passlich und einleuchtend p. 96 der unterschied zwischen per- 
sischer und assyrischer bauweise gegeben. Selbstverständlich 
ist besonders ausführlich die hellenische architectur, namentlich 
der tempel und seine theile behandelt worden. Der Verfasser 
ist der auch für uns durchaus wahrscheinlichen, das verdienst der 
Hellenen in keiner weise schmälernden ansieht, dass die dori- 
sche säule ihrer äusseren form nach aus Aegypten importirt 
sei. Sie tritt nachträglich an das in seinem kern schon fertige 
tempelgebäude heran. Entschieden spricht er sich gegen die 
Semper'sche ansieht aus, dass der peripteros eine plötzlich und 
unvermittelt auftretende erscheiuung sei, indem er bei der an- 
nähme der vorausgängigen eutwicklung des anten- und prosty- 
len tempels verharret. Gern hätten wir seine meinung über 
die von seinem schüler Krell neuerdings vorgetragene theo- 
rie über den dorischen echinus gehört, über die er p. 194 
nur referirt hat. 

Weit weniger selbständig sind die abschnitte über plastik 



Nr. 6. 162. Archäologie. 317 

und maierei, doch ist hervorzuheben, dass der vf. durchweg gute 
quellen benutzt hat, und sich auch in der archäologischen spe- 
ciallitteratur bewandert zeigt. So sind Detleffsens abhandlun- 
gen de arte Romanorum antiqulssima und für die pompejauischen 
Wandmalereien Helbigs neuerdings im Rheinischen Museum ge- 
druckte aufsätze verwerthet worden. Eigene Verdienste hat die 
verständige und geschickt gemachte compilation kaum. Irrthü- 
mer und falsche erklärungen lassen sich daher meist auf jene 
quellen zurückführen: so die annähme brottragender arrhepho- 
ren im ostfries des Parthenon oder die wunderliche ansieht, dass 
wegen der einfachheit des festapparates an die panathenäenfeier 
zu Theseus zeit gedacht werden müsse. — P. 298 wird die 
meinung ausgesprochen, dass die copie des myroniseheu discus- 
werfers im palazzo Massimi dem bronceoriginal weit nachstehe. 
Wie weit sie dasselbe erreicht muss allerdings dahingestellt 
bleiben, doch hätte wohl hervorgehoben werden müssen, dass 
wir kaum eine copie eines alten werkes besitzen, in der so sicht- 
lich das bestreben hervorträte,, die eigenthümlichkeiten des in ei- 
nem andern stoff geschaffenen Originals mit solcher unerbittli- 
chen schärfe hervorzuheben wie gerade dies ausgezeichnete mar- 
morwerk. Hier liegt nicht wie sonst so häufig eine Übertra- 
gung in ein andres idiom, sondern eine wortgetreue Übersetzung 
vor, bei welcher der bildhauer völlig darauf verzichtete eige- 
nes hinzuzuthun. Aus diesem umstände erklärt sich das lob 
der archäologen einer- und der tadel der kunstkenner anderer- 
seits. Ich erinnere daran, dass E. Wolff kürzlich den mehr für 
marmor berechneten und daher eine mildere und weichere Ober- 
fläche darbietenden discuswerfer des Vatican dem des palazzo 
Massimi vorzieht. — Zu p. 335 verdient daran erinnert zu 
werden , dass Brunn jetzt Curtius' „Gauymedes" selbst wieder 
aus dem weihgesehenk des Attalus ausgesondert hat s. Annali 
1870 p. 312. — P. 341 wird die figur der Antiope in der 
gruppe des farnesiechen Stiers besonders gut erhalten genannt, 
während nach den durchaus zuverlässigen angaben des bild- 
hauers Solari im Mus. Borb. XIV. zu taf. V und VI an ihr 
ebenso wie an allen andern figuren des kunstwerks köpfe und 
arme ergänzt sind. — Dass Polygnot p. 352 bilder ohne licht 
und schatten gemalt habe, ist ein alter irrthum der im Wider- 
spruch mit der Wahrscheinlichkeit wie mit der Überlieferung 



318 163. Scenische alterthümer. Nr. 6. 

steht. Wie hätte auch Philostratos, der eine Zeitlang zu Athen 
im anschauen seiner werke lebte, grade ihn unter den malern 
anführen können oY to svgxiov tiGtiuöuvto xul to ifinvovv xul ro 
laiftov Tt xul i%i%or, V. Ap. II, 20! 

Die bewusste Verzichtleistung auf eigentümliche resultate 
im einzelnen wird übrigens voraussichtlich dem buche nicht zum 
nachtheil gereichen und der gebildete laie, für den dasselbe be- 
stimmt ist, wird dem Verfasser für diesen ersten versuch in al- 
ler kürze die summe der auf diesem gebiet in den letzten Jahr- 
zehnten so eifrig betriebenen forschungen zu ziehen . immerhin 
recht dankbar sein müssen. 

163. Die scenische darstellung des äschyleischen Prome- 
theus. Von Dr C. Fr. Müller. Gymnasialprogramm. Stade, 
Ostern. 1871. 22 s. 4. 

Der verf. liefert in vorliegender abhandlung einen dankens- 
werten beitrag zur lösung der schwierigen aufgäbe, die vie- 
les besondere bietende scenische einrichtung in Aeschylus Pro- 
metheus zu reconstruiren. Referent erkennt gern an , dass der 
vf. sich von der aufstellung grundloser hypothesen freigehalten 
hat , ist jedoch nicht in der läge sich in allen puncten mit 
dem gegebenen einverstanden erklären zu können. Zunächst 
ist die deutung des wortes (puguy'g , durch ein jäh „abschüssi- 
ger, steilvorspringender, hochragender fels" (p. 15) zweifelhaft-, 
es ist vielmehr durch „felsschlucht" zu übersetzen, an deren ei- 
ner seite allerdings ein solcher fels, wie ihn der vf. will, zu 
sehen war; eine felsschlucht lässt sich ja nicht anders denken. 
— Der ansieht (p. 5), dass sich rechts vom Zuschauer eine fern- 
sieht auf das meer geöffnet habe, können wir nicht zustimmen, 
da bei so grosser nähe des meeres die Okeaniden und Okeanos 
wohl nicht durch die luft gekommen wären. Freilich sind die 
Okeaniden durch den schall der hammerschläge des Hephä- 
stos aufgeschreckt; aber es genügt die annähme der nähe des 
meeres im allgemeinen, ohne gradezu eine darstellung desselben 
auf der bühne zu statuieren. — Die oft erörterte frage, ob man 
sich den Schauplatz des Stücks im Kaukasus oder in Skythien 
zu denken habe, wird p. 4, anm. 4 nur obenhin berührt, wenn- 
gleich man sich mit der lösung „freilich wird im text des Pro- 
metheus nirgends bestimmt auf den Kaukasus als das lokal der 



Nr. 6. 163. Scenische alterthümer. 319 

fesselung hingewiesen, doch deutet die. ausdrucksweise v. 719 
darauf hin, dass die mrgou liprikoxQ^fivoi, an welche Prometheus 
geschmiedet ist, die des Kaukasus sind" wohl einverstanden er- 
klären kann. Die weitere besprechung dieser sache würde hier 
zu weit führen. — Dagegen darf die frage, ob Prometheus 
durch eine holzfigur oder einen Schauspieler dargestellt wird, 
nicht übergangen werden. Vgl. Philol. XXIII, p. 5l9 ff. Der 
vf. erklärt sich (p. 7 ff.) entschieden für einen anhänger der 
letzteren ansieht. Wenn nun auch die vier Schauspieler der 
ersten scene ein unüberwindliches hinderniss nicht bieten, son- 
dern mit einem parachoregema und einem Statisten, auch in der 
weise, wie der vf. (p. 20) will — dass nämlich die rolle des 
Kratos oder des Hephästos von der späteren chorführerin gege- 
ben wurde — wohl zu helfen ist, ferner ein wirklicher Schau- 
spieler der würde der äsehyleischen tragödie besser entsprechen 
dürfte : so muss referent doch bei der annähme einer holzfigur 
verharren , da es ihm unmöglich ist anzunehmen , dass einem 
Schauspieler die Strapaze zugemuthet wurde, während zweier 
auf einander folgender stücke mit ausgebreiteten, nach oben an- 
gefesselten armen zu stehen, zumal die beiden dramen bei der 
langsamen recitation der griechischen tragödie und der vielen chor- 
partieen wohl nicht unter sechs stunden gespielt haben werden. Man 
könnte einwenden, dass sich für den Schauspieler eine bequeme läge 
habe finden lassen, aber je qualvoller die Situation, desto ange- 
messener der idee des stücks. Der vf. weist auf die oberammer- 
gauer passionsspiele als parallele gewiss mit recht hin ; jedoch be- 
zeugt mir ein freund aus autopsie, dass im jähre 1870 der 
darsteller des Heilands doch nur neunzehn minuten am kreuze 
aushielt. # Auf „die höheren ansprüche der alten" an die tech- 
nik ihrer Schauspieler scheint es mir hier wenig anzukommen ; 
die für den Schauspieler in angriff genommene aufgäbe würde 
eher einen übermenschlich kräftigen körper erfordert haben. 
Bei der annähme einer holzfigur ist es leichter, dem Titanen 
die riesige grosse zu geben , auf welche der ausdruck ^woft 
xutu) (v. 74) hindeutet, aus dem erhellt, dass keiner der übri- 
gen Schauspieler an dieselbe heranragt; auch dürfte so wohl am 
besten die fast gänzliche nacktheit des Prometheus zur darstellung 
gebracht sein, denn auf dieser muss man trotz der bemerkun- 
gen des vf. (p. 11) bestehen, da nicht nur v. 22 unseres Stückes, 



320 163. Scenische alterthümer. Nr. 6. 

sondern auch v. 10 — 17 und 26 f. des fragments aus dem 
Xvc^iivog bei Cic. Tusc. II, 10 mit bestimmtheit darauf hindeu- 
ten. Man kann sich nicht gut vorstellen, dass der adler des 
Titanen leber durch die kleidung hindurch zerfleischt; und dass 
Prometheus im dsG^wrrjg eben so dargestellt sein muss, wie im 
Xvofitvog, versteht sich doch von selbst. Natürlich stehen der 
annähme einer holzfigur Schwierigkeiten entgegen: einmal das 
auftreten; hier sucht Wieseler im Gott. Pror.-Progr. 1866 p. 5 
durch die annähme eines Vorhangs zu helfen , hat indessen, wie 
der vf. mit recht hervorhebt, das Vorhandensein eines solchen 
auf der griechischen bühne guter zeit noch nicht recht wahr- 
scheinlich gemacht. Ein Vorhang ist auch gar nicht nothwendig, 
denn wie schon Philol. XXIII, p.519 angedeutet ist (vgl. auch 
Wiesel. 11! p. 6), war die massiv ausgeführte felsendecora- 
tion des hintergrundes — aus holz mussten die felsenmassen der 
schliesslichen katastrophe wegen dargestellt sein — so einge- 
richtet, dass sie durch eine auf die mittelthür zulaufende fels- 
schlucht (die (puyuy'S) in zwei theile getheilt war. Hatte die 
cpaguy^ nur eine schräge richtung auf die mittelthür, so konnte 
die holzfigur vor beginn des Stücks den blicken der Zuschauer 
verborgen gehalten, aber doch so postiert werden, dass nur 
eine kleine bewegung nöthig war, um sie an die richtige stelle 
der anschmiedung, welche der schrägen linie der schlucht we- 
gen doch die mitte des hintergrundes einnehmen konnte, zu 
bringen. Diese bewegung konnte von verborgenen theaterar- 
beitern vorgenommen werden, wobei Kratos und Bia passend 
hand anlegten, und war ebenso wie die darstellung des beiden 
durch eine holzfigur um so unanstössiger , als die eutfernuug 
des prosceniums an dem ehrenplatze des dionysischen priesters, 
wenn ich richtig gemessen habe, über 80 fnss betrug, wonach 
zu berechnen ist, welche eutfernuug das äuge der auf den hö- 
heren sitzreiheu befindlichen Zuschauer zu durchmessen hatte. 
Die Schwierigkeit, wie Prometheus beim beginn des )>vö/jfiog 
vor den äugen der Zuschauer wieder an seineu platz gelangt, 
hängt mit der weiteren frage zusammen, wie maxi sich die vor- 
nähme der bühnenveränderungen zwischen den einzelnen stücken 
der trilogieen zu denken hat und ist gewiss unerheblich ; end- 
lich müssen wir uus eines urtheils über die ort des herabtre- 



Nr. 6. 163. Scenische alterthümer. 321 

tens des Prometheus nach seiner lösung bei der beschaffenbeit 
der fragmente des Xvo/jevog enthalten. 

Die Okeaniden lässt der vf. (p. 13) auf mehreren geflügel- 
ten wagen auf der bühne auftreten, sie darin verweilen bis v. 
279. Das ist wohl richtig, nur muss man annehmen, dass die 
wagen dann wegfahren und der chor sich dann auf seinen platz 
auf der thymele in der orchestra begibt, nicht auf der bühne 
bleibt, wie der vf. nach den bemerkungen p. 18 und 22 zu 
glauben scheint. — Für ein flügelross des Okeanos entschei- 
det sich der vf. (p. 15) nur zweifelnd ; an einen wagen ist 
wohl schon deshalb nicht zu denken, weil die alten götter nicht 
einspännig zu fahren pflegten. — Io soll (p. 15) in der nähe 
des Prometheus auf einer berghohe auftreten, nach v. 747 utä 
ovx iv id/ii i'ooixp' ifjuvT^i' i~;gd utto Gnylov niroug (vgl. v. 
142); aber lässt sich nicht annehmen, dass das logeion als fels- 
absatz oder vorsprung zu denken ist, auf dem sich der felsen 
des Prometheus als eine besondere klippe erhebt, so dass die 
worte der Io ihien rechten sinn haben, ohne dass der fragliche 
abbang grade sichtbar dargestellt zu sein braucht? Der ge- 
danke, dass die handlung in der höhe vorgeht, stammt, so viel 
ich weiss, von Schünborn , der dazu durch seine idee von den 
pluteis , die er am theater von Aspendos gefunden zu haben 
vermeinte, veranlasst ist (s. Philo!. XXIII, p. 296 ff.). — P. 
16 soll Hermes „mit dem petasus und den flügelschuhen, den 
caduceus in der band, wie er aus unzähligen abbildungen der 
alten kunst bekannt ist", aufgetreten sein; wir denken lieber 
an regelrechtes bühnencostüm und verweisen auf Wiesel. Denkm. 
d. B. W. tfl. VII, 5 u. XIII, 2 (zweiter streifen, rechts). — 
P. 17 heisst es: „Prometheus versinkt zwischen den felsen in 
die tiefe", etwas weiter unten richtig „mit den felsen". — P. 18 
schliesst sich der vf. in betreff der frage , wo der chor nach 
v. 1079 verbleibe, an Schönborn an. Dieser meint, weil der 
chor nicht das Schlusswort spreche , sei er auf die drohung des 
Hermes weggegangen. Die art des abtretens anlangend , folgt 
der vf. zwar Schönborn nicht, sondern sucht wahrscheinlich zu 
machen, dass der chor beim hereinbrechen der katastrophe die 
früher verlassenen gespanne besteigt und desselben wegs , den 
er gekommen , seinen rückzug antritt. Dieser gedanke kann 
das richtige treffen, wenn überall zu statuieren ist, dass der 
Philol. Anz. III. 21 



322 164. Epigraphik. Nr. 6. 

chor dea Schauplatz verlässt. Das stück selbst giebt keine an- 
deutung, im gegentheil haben Welcher (Trilogie p. 27) und L. 
Schmidt (Einleitung p. 16) aus v. 1063 — 1070 geschlossen, 
dass der chor dableibt. 

In den Schlussbemerkungen (p. 22) können wir uns mit 
den Worten : ,,die orchestra bleibt während des ganzen Stücks 
leer; auf dem pfoscehiüra wird keine der drei gewöhnlichen 
thüren benutzt; vielleicht geht die ganze handlung in der höhe 
vor sich'*, nach obigem nicht einverstanden erklären. 

164. II sepolcro del fanciullo Quinto Sulpicio Massimo . . . 
delineato dalF . . . Visginio Vespignani con dichiarazione del mo- 
numento ... pel convaliere Carlo Lodovico Visconti. 
Roma. Marietti. fol. 1871. — 2 thlr. 15 gr. 

Das im anfang dieses jahres bei den restaurationsarbeiten 
an Porta Salaria in Rom entdeckte monument des Q. Sulpicius 
Maximus scheint in hervorragender weise die eigenschaften zu 
besitzen, die ein antikes denkmal haben muss , um die ita- 
lienischen antiquare für mehr als einen augenblick zu fesseln. 
Nach den bisherigen erfährungen gehört dazu vor allem eine 
inschrift die leicht zu lesen und nicht allzuschwer zu commen- 
tiren ist. Das erwähnte monument hat ausserdem den seltenen 
Vorzug vor andern , dass es lateinische prosa mit griechischeu 
versen vereinigt, und so ist es kein -wunder: wenn abgesehen 
von dem berichte Henzeus im maiheft des Bulletino dell' In- 
stituto drei von Italienern herrührende publikationen und com- 
mentare allein auf den deutschen büchermarkt gekommen sind! 
Weitaus die stattlichste dieser publicationen ist die oben ange- 
führte. Sie giebt ausser text und commentar noch vortreff- 
liche chromolithographische abbildungen. 

Der cippus ist einem zwölfjährigen knaben von seinen be- 
kümmerten eitern gesetzt. Und zwar war dieser knabe ein 
Wunderkind, das kurz vorher im capitolinischen agon unter 52 
bewerbern aufgetreten und mit ehren aus demselben hervorge- 
gangen war (cum honore d'iscessit). Zum beweise dass nicht kurz- 
sichtige clternliebe die talente des in zwei epigratnmen gefeier- 
ten sohncs überschätzt, sind die extemporirten verse beigesetzt, 
mit denen er in jenem agon debiitirte und zwar über das 
theina : i(aiv av Xvyoig x°'l auiX0 Zw$ imTipwv Hk(u> uit to 



Nr. 6. 165. 1GG. Mittelalter. 323 

uoixa eSuixs (Paed-ovn: eine durchaus schülerhafte leistung, die 
an Langweiligkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Am bemer- 
kenswerthesten ist der umstand dass sich das monument dati- 
ren lässt und zwar ist durch die angäbe: tertio certaminis lustro, 
das jähr 86 n. Chr. bestimmt. Dass der knabe keineswegs 
gekrönt worden ist wird yon Henzen im Bullettino p. 104 mit 
recht gegen Visconti behauptet. 

Zu wünschen bleibt, dass die Italiener auch bei andern ge- 
legenheiten, wo es sich um die Veröffentlichung neugefundener 
monumente handelt, eben so schnell und eifrig bei der band 
sein möchten! Dass es ihnen an tüchtigen kräften keineswegs 
fehlt, hat kürzlich wieder der in den Aunalen dieses Jahres ge- 
druckte aufsatz des Padre ßruzza über die entdeckuugen an der 
Marmorata gezeigt. 

165. Index lectionum in academia Albertina Friderico Gui- 
lielmo berede monarchiae academiae rectore magnificentissimo 
per hiemem anni MDCCCLXXI a. d. XVI Octobris p. p. o. 
instituendarum 4 Regim. 1871. — Praefatus est L. Fried- 
länder de Senecae controversiis in Gestis Rornanorum adhibi- 
tis. 2 S. 

Aus vergleichung der Gest. Rom. cc. 2. 3. 4 ed. Keller, 
mit Senec. Controv. 1, 1. 3. 5 und aus andeutung der Ver- 
wandtschaft zwischen Sen. II, 2. 4. VII, 4. III, 1. VI, 3. 1, 
4. IV, 4 und Gest. Rom. 6. 7. 14. 73. 'JO. 100. 134 wird der 
rhetor Seneca als quelle dieser Genta nachgewiesen, da den 
behandlern derselben dies entgangen war. Der vrf. der Gesta 
hat aber nach diesen stellen nur die argumente der Controver- 
sen benutzt: ob auch benutzung der divisiones , colores der rhe- 
toren stattgefunden, überlässt Friedländer andern zu untersuchen. 
Immer aber giebt die abhandlung einen wcrthvollen beitrag zu 
der gesebichte der Verbreitung des rhetor Seneca im mittelalter. 

166. Index scholarum in universitate literarum Vratisla- 
viensi per hiemem a. MDCCCLXXI — LXXII a d. XV m. Oc- 
tobr. habendarum. 4. — Insuut Augusti Reift erscheidii 
aneedota Casinensia. 8 S. 

Aus dem schon von A. Mai (Scriptt. vett. nov. coli. III, 
2, p. 163) benutzten, s. XI geschriebenen und efne Sammlung 

21* 



324 Theses. — 167—172. Neue aufl. u. Schulbücher. Nr. 6. 

der briefe des S. Augustinus und andren Africanern enthaltenden 
cod. Casin. nr. 16 — früher n. 193 und 208 — giebt Reif- 
ferscheid hier acht bisher unedirte briefe von Africanern heraus, 
welche abgesehen von ihrem kirchengeschichtlichen werth wegen 
der latinität auch für den philologen beachtenswerth sind. Der 
erste brief, der älteste der hier edirten, stammt von einem uns 
unbekannten Verfasser und muss um 400 p. Chr. geschrieben 
6ein. Während dieser eine gewisse gewandtheit im lateinischen 
ausdruck zeigt, sind II. und III gradezu barbarisch, wie auch 
die verse in Ep. III wegen ihrer fehler gegen das metrum sich 
auszeichnen: ihre Verfasser, Parthenius und Sigesteus 
sind unbekannt , müssen aber nach diesen briefen in die zeit 
der Vandalen in Africa fallen. Darauf folgen fünf kurze briefe 
des uns sonsther schon bekannten Fulgentius Ferrandus, 
vrgl. Neand. Kirchengesch. II, 1, p. 1153 flgg., an personen, die 
wir mit ausnähme des Lampadius mehr oder weniger kennen, 
Eugippius (s. Fabric. Bibl. Lat. med. et inf. aet. II, p. 122), 
Iunilius, Felicianus, Felix, von denen am Schlüsse des program- 
mes der vf. ein paar worte sagt. 

THESES quas . . in acad. Fridericiana Halensi cum Vi- 
tebergeusi consociata . . . d. XX m. Iunii publice defendet 
Paulus Schultz« Berolinensis : I. Libiorum scripturam in 
Soph. EI. 162 . , Jiqc, tvipoovi, Bf\[jian, /joXvvtu rürds yuv 
'OyiGiav, intolerabili vitio laborare et cum Hauptio ttoSoq iv- 
(pooit xiX. scribendum esse aibitror. — II. Meinekius in Hör. 
Epist. I, 1, 60. 61 hie murus .... culpa iniuria delevit. 

NEUE AUFLAGEN: 167. 0. Jahn, kurze beschreibung 
der vasensammlung könig Ludwigs I in der Pinakothek zu 
München. 2. aufl. 16. Lindauer. München; 10 gr. — 168. 
M. Busch, die Urgeschichte des onents bis zu den medischen 
kriegen. 2. aufl. 2. lief. 8. Abel. Leipzig; 10 gr. — 169. 
A. v. Reumont, geschichte der stadt Rom Neue ausgäbe 
in 20 lief. 1. lief. 8maj. Decker. Berlin; 1 thlr. 

NEUE SCHULBUECHER: 170. Wörterverzeichniss zu 
Weiler' s lateinischem lesebuch aus Herodot. 8. aufl. 8. 
Kesselring. Hildburghausen; l x /2 gr. — 171. Ellen dt 1 s, Fr., 
lateinische grammatik. Bearb. v M. Seyffert. 11. aufl. 8. 
Weidmann. Berlin; 20 gr. — 172. C h. G. J. Deter, ge- 
schichtsabriss für die oberen classen höherer lehranstalten. 1. thl. 
8. Alte geschichte. Berlin. Weber; 6 ngr. 



Nr. 6. Bibliographie. 325 

BIBLIOGRAPHIE. Verlagsbericht für 1871 von F. A. 
Brockhaus in Leipzig; als anfang ist p. 31 auch der com- 
missions - verlag mifgetlieilt ; Prospectus über die neue aufläge 
der von Dr K. R. Hagenbach bei S. Hirzel in Leipzig 
erscheinenden Vorlesungen über die kirchengeschichte: die 
lief. 1 — 3 wird die ersten sechs Jahrhunderte enthalten , kostet 
2 thr. ; Prospect über die in der C. G. L üd eritz' sehen Ver- 
lagsbuchhandlung in Berlin erscheinende Sammlung* gemeinver- 
ständlicher wissenschaftlicher vortrage , herausgegeben von R. 
Virchow nnd Fr. v. Ho ltz e ndor f f , VI. serie, heft 121 — 
144, jahrg. 1871, a heft 5 ngr. 

Cataloge von antiquaren: beriebt nr. 18 über die neuen er- 
werbungeu des lagers von H. Calvary und cie ; V. verzeich- 
niss antiquarischer bücher, welche zu beigesetzten preisen in 
Matthias Lempertz buchhandlung in Aachen zu haben 
sind ; Catalogus librorum et manuscriptorum et impressorura, 
quos venales proposuit Emanuel Mai. IV. abtheilung. Berlin: 
darin enthalten: Bibliotheca Schubertiana , verzeichniss der histo- 
rischen bibliothek des weiland professor Dr F. W. Schubert 
in Königsberg in Pr. ; Antiquarischer anzeiger von Ernst 
Wagner in Augsburg, nr. 4 ; Catalog 95 und 97 des antiqua- 
rischen bücherlagers von Fr. Wagner in Braunschweig: er- 
steres enthält geschichte und deren hülfswissenschaften, das an- 
dre theorie und geschichte der kunst, kupferweike, architektur 
und baukunst. 

Steiger' s literarischer monatsbericht , 2. bd. , mai 1870 
bis april 1871, Neu -York: enthält eine masse anzeigen, wovon 
manchem vielleicht nicht uninteressant sind die freilich sehr 
unvollständigen angaben über : ,,die deutsche spräche in den 
öffentlichen schulen der Stadt New York", p. 33, den „verein 
der deutschen presse in Pensylvanien", p. 38, den „zweiten 
deutsch - amerikanischen lehrertag in Cincinnati, Ohio", p. 39. 

Stralsunder b ü c her- auetion am 16. november 1871 
und den folgenden tagen. 

KLEINE PHILOLOGISCHE ZEITUNG. Prof. Rein- 
kens in Breslau erhielt honoris causa die philosophische doctor- 
würde von Leipzig : er wird wohl in die philosophische facultät 
übertreten. (Augsb. Allg. Ztg. nr. 68). 

Die unten p. 336 in den auszügeu aus der Allgemeinen Zei- 
tung — vgl. ob. p. 189 — öfter berührten excesse in Zürich wer- 
den von den am 14. und 15. märz in Prag von t seh ec hi seh en 
Studenten, also von gebildeten, ausgeübten bübereien gegen prof. 
Dr. Linker noch übertroffen. Linker, der gelehrte kenner des 
Horaz , hatte eine lateinische ode unter dem titel : Germaniae 
de Gallis triumphanti pacem et concordiam gratulatur Horatius JRe- 



326 



Kleine philologische zeitunj 



Nr. 6. 



natus verfasst und in befreundetem kreise verbreitet : wir thei- 
len sie hier mit: 



Nunc est bibendum , nunc pede 

libero 
Pulsanda tellus, nunc saliaribus 
Omare pulvinar deorum 
Tempus avet dapibus, sodales. 

5 Antehac nefas dis promere con- 
ditos 
Rheni sapores, dum patriae levis 
Vicina dementes ruinas 
Funus et imperio parabat 

Contaminato cum grege turpium, 
10 Morbo furentum quidlibet im- 
potens 
Spcrare fortunaque duici 
Ebria: sed minuit furorem 

Mox docta clades et celeres fugas, 
Gentemque lymphata a rabie cito 
15 Redegit in veros timores 
Caesar, ut Idaliae volatu 



Terrere adurguens accipiter solet 
Molles columbas aut leporem 

citus 
Venator in campo nivali, 
20 Teutonicis daret ut catenis 

Napoleonem cum legionibus 
Mox et tumentis tecta Lutetiae 
Arcesque Uallorum superbas 
F ulmine concuteret corusco. 

25 Salve imperator, victor ut ho- 
stium 
Pacisque custos: te duce lux diu 
Concurdiae desideraiae 
Civibus et patriae refulsit; 

Salve imperator, nomen amabile 
30 Germaniae te principe sospiti: 
Te debita cum laude laeto 
Prosequitur populus triumpho. 

Dafür drang der tschechische studentenpöbel mit anderm pöbel 
untermischt in den hörsaal Liuker's, störte die Vorlesung und 
zwang den professor unter den gröblichsten besidnmpl'ungen den 
saal zu verlassen: dieselben Tschechen setzten auch auf der 
Strasse ihr wüstes treiben fort, Hessen ,,pcrcat Linker", „Slava der 
französischen republik u erschallen, bis die sicherheitsbehördo die 
Strassen räumte: s. Augsburg. Allg. Ztg. 1871, nr. 76. Auss. 
beil. zu nr. 77. Man spricht immer von anuäkerung zwischen 
Deutschland und Oesterreich: aber man sieht an solchen gar 
nicht einzeln stehenden Vorgängen, welche tiefe kluft beide län- 
der trennt. Denn man muss wohl beachten, was dieselbe Allg. 
Ztg. nr. 81 berichtet, dass die regierung — unterriehtsminister 
Iiretschelc — zwar auf das verlangen der Tschechen, Dr Linker 
abzusetzen, nicht eingegangen, aber die Vorlesungen desselben 
— mit welchem rechte? — geschlossen und ihn selbst in dis- 
ciplinar- Untersuchung (!!) gezogen hat. während die tschechischen 
tumultuanten bis zur stunde straflos ausgegangen sind. 

Am 13. mai starb in München Dr Joseph Stanger, k. 
k. Studienlehrer am Max -gymnasium und privatdocent au der 
Universität, sehr betrauert von seinen angehörigen und freunden. 
Es ist seine letzte Schrift, die er zu seiner habilitation geschrie- 
ben, im Phil. Anz. II, nr. 11, p. 561 scharf beurtheilt, was 
nicht geschehen wäre, hätte mau einer tüchtigen kraft nicht 
den eingeschlagenen falschen weg zeigen und sie dadurch zu 
einer die philologie wahrhaft fördernden thätigkeit leiten wollen. 

Prof. Th. Mommseu beiludet sich in Mailand, um die 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 327 

inschriften in Ober -Italien einer eingehenden Untersuchung zu 
unterstellen (Augsb. All». Ztg. nr. 147). 

Am 24. mai starb in Passy Edelestand du Meril, 70 jähr 
alt: seine bücher sind in Deutschland immer verdienter massen 
geschätzt worden; sie stehen, betreffen sie auch vorzugsweise 
das mittelalter , mit dem classischen alterthum in vielfacher be- 
rührung. 

Am 18. juni starb in Xew-York der englische geschichts- 
schreiber Georg Grote, geboren am 17. nov. 1794 zu Clayhill 
in der grafschaft Kent : er war der söhn eines bankiers , uud 
hat stets den Wissenschaften gelebt: seit 1868 war er, der nach- 
folger Lord Brougham's, präsident des senats der londoner Uni- 
versität. Seine werke sind rühmlichst bekannt. 

Anakreon in America. Ein Student in St. Louis in Nord- 
America hat nach dem muster wie es scheint der Anacreontea 
(vrgl. nr. 22 B.) kleine mit ungemeinem beifall in St. Louis 
aufgenommene gedickte edirt, die also einen für ältere griechi- 
sche poesie empfänglichen boden in jenem neuen erdtheil ma- 
nifestiren. Deshalb lassen wir in deutscher Übersetzung eine 
probe folgen. 

Ich wollt', ich könnt als pflästerlein 

Auf ihrer lippe kleben, 

Da ward' ich, — 's'müsst' entzückend sein — 

Ihr ewig küsse geben. 

War' ich doch eine brille! das 

Würd' mir besonders taugen: 

Ich sässe stolz auf ihrer nas', 

Und guckt ihr in die äugen. 

Die herren Treuttel & Würtz in Strassburg schämen 
sich nicht, auf einen Baarpacketanzeigezettel folgendes zu schrei- 
ben: ,,da die Deutschen mit roher hand unsre beiden schönsten 
und werthvollsten bibliotheken verbrannt haben, so bedürfen wir 
leider keiner fortsetzung mehr". (Börsenblatt.) 

Es ist in der Chronik des deutsch- französischen kriegs 
öfter der französischen volkspoesie gedacht und haben wir zu un- 
serm bedauern eben nichts gutes von ihr mittheilen können. 
Deshalb theilen wir hier aus der in Spandau erschienenen und von 
französischen gefangenen geschriebenen und illustrirten zeitung 
le Promethee, über welche die leipziger Allgemeine Modenzeitung, 
1871, nr. 13, p. 199 nähere auskunft giebt, ein in seiner kunst- 
losen einfachheit wirklich ergreifendes gedieht mit: 

Le prisonnier mourant. 

Calme, la front servi au travers la mitraille, 
Dedaigneux du danger, soldat brave et loyal, 
J'ai nieprise cent fois la rnort dans la bataille, 
Et je meurs prisonnier sur un lit de l'höpital. 

Je ne reverrai plus la France, mon village, 
Ma place sera vide au foyer paternel, 



328 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

Je n'irai plus danser aupres du vert feuillage, 
Un autre conduira ma Louise a l'autel. 

Si jeune et puis mourir quand on sait qu'ou vous aime 
Quand une mere en pleurs attend votre retour 
Et q'une fiancee a votre seul nom nieme 
Sent son coeur s'agiter d'esperance et d'amour. 

Pitie — Pitie — Seigneur exauce ma priere ! 

Je commence la vie et ne sais pas soutfrir — 

Laisse moi vivre encore, pour erubrasser raa mere! 

Pitie — Pitie — Seigneur — car j'ai peur de mourir. — 

Die geschichte des nationaltanzes wird jetzt viel zu wenig 
beachtet, was namentlich an den philologen zu tadeln, da der 
tanz in der geschichte der kunst des alterthums eine so grosse 
rolle spielt. Daher bemerken wir hier den gegen ende juni er- 
folgten tod des berühmten cancan- tanzer des Jardin Mabille, 
Chicard, der, eigentlich Ldveque mit namen und früher 
ein reicher lederhändler in Paris, noch als 70jähriger greis öf- 
fentlich auftrat und sich als meister des französischen national- 
tanzes bewundern liess. 

Es kommt uns jetzt erst folgendes blatt zu gesicht: ,,Sko- 
lion des Kallistratos. Für vierstimmigen männerchor componirt 
und herrn gymnasial- director prof. dr A. Haacke ehrerbietigst 
zugeeignet von DrOtto Taub er t, ord. lehrer am gymnasium 
und cantor an der stadtkirche zu Torgau. Op. 11. Torgau. 
8. Schneider. 18G5, 6 ss. : die musicalische composition kön- 
nen wir hier nicht mittheilen, wohl aber die von Em. G ei bei 
und E. Curtius verfasste deutsche Übersetzung: 

Tragen will ich das schwert in myrthenzweigen 

wie Havmodios und Aristogiton, 

da von ihrer hand fiel der tyrann 

und sie der stadt Athen freiheit und recht erkämpft. 

Nicht gestorben bist Du Harmodios, theurer, 
auf der seligen flur, so singt man, weilst du, 
wo Achill der schnellfüssige held, 
und Diomed mit ihm wandelt des Tydeus söhn. 

Tragen will ich das schwert in myrthenzweigen 

wie Harmodios und Aristogiton, 

da an Pallas' hochheiligem fest 

in des Hipparchos brüst kühn sie das schwerdt gebort. 

Stets wird euer gerückt auf erden wohnen, 

o Harmodios und Aristogiton, 

dass von eurer hand fiel der tyrann, 

dass ihr der stadt Athen freiheit und recht erkämpft. 

Unter dem titel „die schlackt bei Salamis" hat Dr Hamma- 
ch er Aeschylos' „ Perser*' deutsch bearbeitet und in einem 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 329 

poetischen „epilog an die Deutschen" einen vergleich zwischen 
jener persischen invasion, welche die Griechen so glänzend zu- 
rückschlugen, und dem eben vollendeten kämpf zwischen Deutsch- 
land und Frankreich gezogen. 

Dies führt uns denn passend zur forsetzung des Verzeich- 
nisses der in diesem kriege kämpfenden philologen: 

Es stehen im felde : 
I. Philolologen in amt und würde: 

286. Wilhelm Fritzsch, Oberlehrer am gymnasium zu Arn- 
stadt, Unteroffizier im Infanterie -rgmt nr. 71, vom 22. august 
bis mitte november etappen • commandant in Commercy , von 
da ab beim regiment vor Paris. 

287. II. Becker, collaborator am gymnasium zu Arnstadt, 
Unteroffizier im inf -regm. nr. 67, welches nach den kämpfen 
vor Metz erst nach Mainz, dann nach Strassburg kam, und von 
da nach Beifort marschirte. 

288. Dr phil. Karl Gockcr aus Arnsberg, gymnasiallehrer in 
Ratzeburg, stand längere zeit beim ersatz - bataillon des inf.- 
rgmts nr. 76 in Hamburg. 

II. Auf der Universität studierende philologen: 

Cötthigeii. 

, 289. Karl Diihne aus Wildungen, studirt seit ostern 1868 
in Göttingen, trat bei der rnobilmachung in das inf.-rgmt nr. 
56 und kam mit dem ersatz anfang September nach Frankreich. 

290. Hermanu flilhlhoff aus Medem in der Rheinprovinz, 
studirt seit ostern 1867, steht im inf.-rgmt nr. 78, ward im 
april 1871 lieutenant. 

39. Vf. Vollbrecht — s. II, p. 537. 613. — ward lieute- 
nant am 18. october. 

51. A. Matthias, studirt seit ostern 1869 in Marburg, seit 
ostern 1870 in Göttingen, trat in das inf.-rgmt nr. 57: durch 
zufall in den besitz seines „attestes" gekommen, theilen wir, 
um auch von dieser thätigkeit in der armee einen begriff zu 
geben und um an einem einzelnen beispiele recht deutlich die 
unsrer Jugend auferlegten strapatzen und zugleich die opfer- 
willigkeit und tüchtigkeit dieser Jünglinge zu zeigen , selbigen 
mit, nachdem wir noch bemerkt haben, dass Matthias wegen 
schwäche in den fingern vom militairdienst frei ist, da er ,,die 
griffe" nicht machen, sonst aber, wie das folgende zeigt, ganz 
wacker dreinschlagen kann. 



330 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 



Attest. 

»Der stud. hist. et phil. A. Matthias aus Göttingen trat beim 
beginne des krieges gegen Frankreich im juli 1870, ohne überhaupt 
zum militairdienst verpflichtet zu sein, als freiwilliger in das diessei- 
tige regiment. — Derselbe wurde beim ersatzbataillon in Hannover 
ausgebildet und traf am 28. august 1870 beim mobilen regimente in 
Secuecourt vor Metz ein, worauf er der 9. corapagnie zugetheilt wurde 
und bei dieser den ganzen feldzug bis zu ende mitmachte, ohne einen 
tag im dienste gefehlt zu haben. Unterm 15. october 1870 wurde er 
zum gefreiten ernannt und am 5ten mai 1871 auf seinen wünsch — 
zur fortsetzung seiner studien — wieder entlassen. 

Demselben wird ausserdem hiedurch bescheinigt, dass er sich 
stets durch rege pflichttreue und unermüdlichen diensteifer unter al- 
len, selbst den schwierigsten Verhältnissen ausgezeichnet, sich über- 
haupt während seiner ganzen dienstzeit „sehr gut" geführt hat und 
niemals bestraft worden ist. — In den mitgemachten, angebogen ver- 
zeichneten schlachten, gefechten und kriegshandlungen hat derselbe 
sich stets durch persönliche bravour, unerschrockenheit und besonders 
gute einwirkung auf seine kameraden ausgezeichnet. — Er wurde 
deshalb zuerst nach der schlacht von Beaune la Rolande, später wie- 
derholt nach den gefechten anfangs januar zur decorirung mit dem ei- 
sernen kreuze IL classe vorgeschlagen und bis jetzt lediglich nur des- 
halb anwärter auf dasselbe, als ihm bei der vertheilung der dem re- 
gimente überwiesenen kreuze bislang noch ansprüche älterer kame- 
raden vorgingen. 

Nancy den 5. juni 1871. 

L. S. von Cranach. 

Oberst und Regimentscommandeur. 

Das verzeichniss der schlachten u.s.w. lautet: 

»Der freiwillige gefreite Matthias, seit dem 29. august 1870 der 
9. compagnie diesseitigen regiments angehörig, hat bei derselben im 
feldzuge 1870— 71 folgende schlachten, gefechte und kriegshandlun- 
gen mitgemacht: 

1) 29. aug. — 29. october 1870 belagerung von Metz. 

a) 31. august und 1. September schlacht von Noisseville. 

b) 23. september. Vorpostengefecht bei St. Agathe und Bel- 
levue. 

c) 27. septbr. Vorpostengefecht bei Semecourt und Woippy. 

d) 7. october. Ausfallgefecht bei les grandes et petites Tapes. 

2) 18. november 1870. Gefecht gegen Franctireurs bei Soigny. 

3) 28. novbr. 1870. Schlacht bei Beaune la Rolande. 

4) 10. decbr. 1870. Gefecht bei Beaugency. 

5) 11. decbr. 1870. Gefecht bei Chateau Cerceu. 

6) 15. decbr. 1870. Gefecht bei Vendöme. 

7) 16. decbr. 1870. Einnahme von Vendöme. 

8) 20. decbr. 1870. Gefecht bei Monnaie vor Tours. 

9) 5. januar 1871. Vorpostengefecht zwischen Villeporcher und 

Frenay. 

10) 6. januar 1871. Gefecht bei Villethion und St. Amand. 

11) 7. januar 1871. Gefecht bei la Guerroniere und Villechauve. 

12) 9. januar 1871. Einnahme von Chateau Renault. 

13) 11-13. januar 1871. Expedition und recoguoscirung auf Beau- 

mont. 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 331 

14) 19. januar 1871. Einnahme von Tours. 
Zur beglaubigung 
Nancy den 5. juni 1871. 

Seilken. 
Lieutenant und regiments-adjutant". 

Es mag allerdings gar schwer sein, bei der grosse der 
armee jedem einzelneu gerecht zu werden; aber es ist doch 
schon gar oft während wie nach dem kriege die klage laut ge- 
worden, dass einjährigen freiwilligen und auch den aus diesen 
hervorgegangenen Offizieren leitende kreise der armee nicht gün- 
ßtig gestimmt seien. Woher dies? Leisteten denn die einjährigen 
weniger als die andern? Es sind gewiss auch unter ihnen, die 
nicht befriedigt haben: aber haben die decorirten alle sich mehr 
ausgezeichnet, als hier z. b. amtlich bestätigt vorliegt? Auch 
fällt uns auf, dass wiederholte empfehlung nicht beachtet worden, 
bei einem regiment, das im ganzen sich rühmlichst hervorgethan. 
Ereilich ist in diesem krieg sparsamer das kreuz vertheilt als 
1813, selbst vielen verdienten Offizieren es nicht gegeben: uns 
fällt auch das auf: weil wenn aus der mannschaft viele das kreuz 
erhalten, alle Offiziere es erhalten müssten. Und überhaupt warum 
grade solchen, bei denen die begeisteiung für könig und Vater- 
land die edelste , das opfer das grösste, die begeisterung schwä- 
chen und statt des erhebenden gefühls , das verdienst überall 
gerecht anerkannt zu sehen, mit bitterkeit das herz über über- 
all sich eindrängende kleinliche vorurtheile erfüllen ? 

60. J. Kruspe stand im inf. -rgmt nr. 79, ward im anfang 
mai 1871 zum lieutenant befördert. 

111. Karl Braun, wird vizefeldwebel, erkrankt am typhus 
12. febr., wird ins 10. feldlazaretk nach Chateau du Loire ge- 
bracht, was am 12. märz wegen des friedensschlusses hastig 
und ohne gehörige rücksicht evacuirt ward, da die kranken auf 
Viehwagen und noch dazu ohne alle Verpflegung nach Deutsch- 
land transportirt wurden: Braun fand im hospital zu Nordheim 
sorgfältige behandlung und heilung. 

120. L. Wytzes ist im frühjahr 1871 zum lieutenant avancirt. 

Chronik des deutsch- französischen kriegs. Die schon an gross- 
thaten so reiche erste hälfte des august wird durch die zweite 
noch übertroffen. 

17. August. In der nacht vom 17 /is fanden in Chalons 
bei ankunft Napoleon's antikaiserliche manifestationen statt, wes- 
halb der kaiser nach schloss Mourmelon sich begiebt. 

18. August. Bericht des 4. garde-greuadier-regiments Kö- 
nigin an Ihre Majestät die Königin über die thätigkeit des- 
selben in der schlacht am 18. august. 

M. - Q. Labeuville, den 20. august 1870. 

Am 18. august rückte das regiment aus dem bivouak bei Hanon- 
ville in nördlicher richtung im verbände der division bis über St. 



332 



Kleine philologische zeitung. 



Nr. 6. 



Marcel vor, da der feind dort erwartet wurde. Schon war der be- 
fehl zum abrücken in ein neues bivouak gegeben, da die nachricht 
eintraf, der feind babe die Stellung geräumt, als recbts von dem re- 
gimente kauonendonner gehört wurde. Die trappen dirigirten ihren 
marsch sofort nach dem schall. Der feind wurde in einer von süden 
nach norden laufenden Stellung gefunden, deren mittelpunkt das dorf 
St. Privat-la-Montagne war. Das 4. garde-grenadier-regiment (Köni- 
gin) und das regiment Franz erhielten den befehl, nachdem der ge- 
schützkampf von 2 bis gegen 4 uhr gedauert hatte , gegen das ge- 
nannte dorf vorzugehen. Deckende Schluchten benutzend, drang es 
in 2 kolonnen vor , nahm die höhe südlich des dorfes und nachdem 
es länger als zwei stunden im mörderischen artillerie- und gewehr- 
feuer sich gehalten hatte , um in seiner flanke Unterstützung zu er- 
warten, trat es gegen 77a uür den Vormarsch und angriff gegen das 
dorf mit der eingetroffenen Unterstützung an. Das dorf wurde ge- 
nommen und, trotz heldenmüthiger vertheidigung , der feind auch 
hier zurückgeworfen. Der sieg war unser , aber viele theure freunde 
und brave leute des regiments waren geblieben. Unter den äugen 
Sr. Majestät würden wir kämpfen, war uns gesagt, und erinnert, dass 
die mannschaft sich der hohen ehre, Ihre Majestät als chef an der 
spitze zu haben, würdig zeige. Das regiment hat sich durch sein 
heldenmüthiges vorgehen der hohen ehre würdig gezeigt. 

Der pfarrer Heinen , sowie die krankenbrüder haben sich vor- 
züglich benommen, ebenso verdient alles lob der träger der fahne 
des 1. bataillons sergeant Heip. 

Der general von Berger hat mir befohlen, zu bestellen: er er- 
laube sich, Ihre Majestät allerunterthänigst zu beglückwünschen, dass 
Hochdieselbe chef eines solchen regiments seien. 

Verluste an Offizieren und aspiranten: 



I. bataillon: 
verwundet und todt: 
Oberst greif Waldersee leicht. 
Major v. Rosenberg leicht. 
Hauptm. v. Trotha leicht. 
Hauptm. v. Falkenstein leicht. 
See. lt. v. Nostitz schwer. 
See. lt. v. Stoltzenberg leicht. 
See. lt. v. Usedom schwer. 
See. lt. v. Muhl leicht. 
See. lt. Napromski schwer. 
See. lt. Schmidt leicht. 

Füsilier-bataillon. 
Todt: 
Maj. prinz zu Salm-Salm. 
See. lt. v. Kropff. 
See. lt. prinz zu Salm-Salm. 
Prem. lt. v. Luttitz. 



Vize-feldw. Wegler schwer. 
Port, fähnr. v. Hilgers leicht. 
Junker - Unteroffizier v. Beckedorf 

todt. 

IL bataillon: 
verwundet und todt: 

See. lt. gr. zu Ysenburg T. 

Pr. lt. v. Weltzien schwer. 

Pr. lt. v. Pommer-Esche schwer. 

See. lt. Helff schwer. 

See. lt. v. Motz schwer. 

See. lt. v. Müller. 

Verwundet: 

Hauptm. v. Haugwitz schwer. 

Hauptm. gr. v. Keller leicht. 

See. lt. v. Arnim leicht. 

See. lt. Biess schwer. 

Junker Sixt v. Arnim leicht. 



Mannschaften sind todt, verwundet und vermisst: 
61 Unteroffiziere, 838 mann. 

Unter den todten befinden sich die feldwebel Gebauer, Woljf, 
Apel, alle drei verheirathet und hat erstcrer eine zahlreiche familie. 
— Bei den verwundeten ist der Unteroffizier Wliffler, der schwer ver- 
wundet sein soll. 

Für den verwundeten regiments -commandeur. 

v. Behr, 

Major und bataillons -commandeur. 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 333 

18. August. Während der schlacht ward fortgesetzt auf 
das sanitäts- personal des 1. pommerschen greuadier- regiraents 
nr. 2 von den Franzosen geschossen. 

— — Erlass an die deutschen vereine zur pflege im 
felde verwundeter und erkrankter k rieger. 

Berlin, den 18. august 1870. 

In verfolg unseres circulara vom. 9. d. m. sprechen wir allen 
deutschen vereinen zur pflege im felde verwundeter und erkrankter 
krieger unsern wärmsten dank für ihr von dem besten erfolge be- 
gleitetes bereitwilliges zusammenwirken mit uns aus. 

Wir danken zugleich ihnen und allen, welche durch sie oder di- 
rekt aus dem inlande und aus dem auslande uns ihre gaben an geld 
oder andern gegenständen zugesandt haben, auf das innigste für jede 
Sendung. 

Unsre Vereinsarbeit hat inzwischen von tage zu tage an umfang 
gewonnen. Unsere drei haupt - depots zu Mannheim, Mainz und Cob- 
lenz haben grosse aufgaben zu lösen vermocht. Ihre speisung von 
uns und aus den reserve - depots findet täglich durch grosse eisen- 
bahnsendungen von Pflegemitteln, chirurgischen instrumenten, medi- 
kamenten und erfrischungen aller art statt. Von ihnen aus werden 
alle orte , wo das bedüriniss ein dringendes ist , schnell und sicher 
erreicht. 

Unsre baarausgaben belaufen sich am hiesigen orte bis jetzt 
auf 215,000 thlr. Etwa eben so viel ist auf unser ansuchen durch 
einzelne vereine für ankaufe verausgabt worden. Nothwendige be- 
stellungen in grossem umfange , welche wir für die depots gemacht 
haben und die noch in der ausführung begriffen sind , werden den 
derzeitigen kassenbestand fast ganz absorbiren. 

Jeder neue blutige kämpf steigert jedoch in nur zu grossem 
maasse das bedürfniss neuer auiwendungen. 

Deshalb die erneute dringende bitte um weitere, reiche und recht 
baldige beweise der opferwilligkeit für unsere recht zahlreichen ver- 
wundeten und erkrankten brüder. 

Geldmittel sind, wie bisher, unsrer centralkasse (hier: unter den 
Linden nr. 12), lazarethgegenstände und erfrischungen aber, so weit 
wir dieselben nicht unsern reserve- depots zur speisung der haupt- 
depots zugewiesen haben, an unser hiesiges depot (Markthalle in der 
Karlsstrasse) zu senden. 

Für letztere Sendungen ist, wie wir nochmals erwähnen, da wir 
postfreiheit entbehren, die beförderung mittelst der eisenbahnen 
unter bezeichnung: »für ausgerückte deutsche trappen« zu wählen. 

Schliesslich bemerken wir, dass die bestandnachweise in bezug 
auf geld und depotgegenstände uns seitens sämmtlicher vereine fortan 
am 1. und 15. jedes monats einzureichen sind. 

Das central - comite der deutschen vereine zur pflege im felde 

verwundeter und erkrankter krieger. 

M. v. Sydow. 

— — Proclamation des general Trochu in Paris: 
Habitans de Paris. 

Dans le pe'ril oü est le pays, je suis nomme gouverneur de Pa- 
ris et commandant en chef des forces chargees de defendre la capi- 
tale en etat de siege. Paris se saisit du röle qui lui appartient et 
il veut etre le centre des grands efforts, des grands sacrifices et des 
grands exemples. Je viens ni'y associer avec tout nion coeur; ce sera 



334 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

l'honneur de ma vie et l'eclatant couronnement d'une carriere restee 
jusqu'ä cet jour inconnue de la plupart d'entre vous. 

J'ai la foi la plus entiere dans le succes de notre glorieuse en- 
treprise, inais c'est ä une condition doat le caractere est iraperieux 
absolu et sans laquelle nos communs efforts seraient frappes d'im- 
puissance. Je veux parier du bon ordre et j'entends par la non seu- 
lement le calme de la nie., mais le calme de vos foyers, le calme 
de vos esprits, la det'erence pour les ordres de l'autorite responsable, 
la resignation devant les epreuves ime'parables de la Situation; et en- 
fin la serenite grave et receuillie d'une grande nation niilitaire, qui 
prend en main avee une ferme resolution , dans les circonstances 
solonelles, la conduite de ses de'stinees. 

Et je ne m'en refererai pas pour assurer ä la Situation cet equilibre 
si desirable au pouvoir que je tiens de l'etat de siege et de la loi. 
Je le demanderai a votre patriotisme, je l'obtiendrai de votre confiance 
en niontrant moi meine ä la population de Paris une confiance 
sans limites. Je fais appel ä tous les horames de tous les partis, 
n'appartenent moi-ineme, on le sa.it dans l'arraee, a aucun autre parti 
qu'a celui du- pays. Je fais appel a leur devouement. Je leur de- 
mande de contenir par l'autorite morale les ardents qui ne sauraient 
pas se contonir eux-memes, et de faire justice par leurs propres mains 
de ces hommes qui ne sont d'aucun parti et qui n'aper9oivent dans 
les malheurs publics que l'occasion de satisfaire les appetits de'testables. 

Et pour accomplir mon oeuvre, apres laquelle, je l'affiruie, je 
rentrerai dans l'obscurite d'oü je sors, j'adopte Fune de vieilles de- 
vises de la province de Bretagne, oü je suis ne: 

»Avec l'aide de Dieu, pour la patrie!« 
A Paris, le 18 aoüt 1870. General Trochu. 

22. August. Officiel. — Le gouvernement n'ayant pas re9u de 
depecke de rarnaee du Rbin par suite de l'interruption des Commu- 
nications telegraphiques , a lieu de penser que le plan du marechal 
Bazaine n'a pas encore abouti. 

La conduite heroique de nos soldats a difFerentes reprises devant 
un ennemi tres-superieur en nombre permet d'espe'rer la reussite des 
Operations ulterieures. 

Des eclaireurs ennemis ont pai - u a Saint-Dizier. 
• — — Le Journal officiel publie un decret du 21, interdisant l'ex- 
portation des bestiaux, de la viande et des farineux de toutes sortes 
par toute la frontiere de terre depuis Dunquerque jusqu'ä Lanze- 
lebourg et sur la frontiere maritime depuis Saint- Valery jusqu'a 
Dunquerque. 

23. August. Le Journal officiel publie des deerets de'clarant en 
etat de siege les departements de la Nievre et du Cher. 

— — Le ministere vient de commuuiquer la piee suivante aux 
journaux fran9ais: 

Plusieurs journaux recommencent a douner sur les mouvements 
des troupes fran9aises de reseignements de nature a compremettre les 
succes de nos Operations. 

Le ministre de l'inte'rieur faxt un nouvel appel au patriotisme de 
la presse. 

11 est convaincu qu'il suffira pour obtenir qu'elle garde sur le 
moindre mouvement uu silence absolu, de porter a sa connaissance 
le fait suivant, attcste par vingt prtSfets et souspi'e'fets : 

Quand les Prussieus traversent uu centre de population, leur pre- 
mier soin est de rechercher les journaux fxcincaJ&i qu'ils lisent avec 
la plus scrupuleuse attention. 
Paris cett. 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 335 

AUSZUEGE aus Zeitschriften: Archäologische Zeitung von E. Hüb- 
ner , neue folge IV, lieft 1: F. Adler, stiriiziegel aus Caere, p. 1. — 
E. Curtius, zur topographie von Attica: erörtert das topographische 
in der von Eustratiades in 'Ao/. hl, u - 1870, nr. 415 vollständig, von 
Th. Mommsen im Herrn. V, p. 129 zum theil publicirten inschrift: 
nach bemerkungen über das alter und die Schreibart der iuschrift 
wird in I über die bezeichnung liegender gründe nach benach- 
barten heiligthümern und über Oropos , Achradus, gehandelt; in 
II. werden localbezeichnungen nach den verschiedenen arten des bo- 
dens und seiner producte, speciell iä ntoaixd (wallnüsse), erörtert; in 

III ortsbezeichnungen nach Aussen, bergen, ausführlich [Atoayuin ; in 

IV zur bezeichnung der grundstücke dienende baulichkeiten und bild- 
werke ; in V die gezählten reviere und noch dunkle bezeichnungen. — 
G. Hirschfeld, die ausgrabungen in der Certosa bei Bologna, p. 7. — 
C. Curtius, der attische friedhof von dem dipylon (dazu tab. 42. 43. 
44), p. 12 : ein über die läge des friedhofes und dessen Umgebung 
namentlich durch den auf taf. 42 beigegebenen plan neues licht ver- 
breitender so wie durch die reichhaltigkeit an inschriften ausgezeich- 
neter aufsatz. — H. Hgdemann, Kadmos p.35. — K. Wittich, das Sta- 
dion in den griechischen rennbahnen, p. 37. - A. Klügmann, eine dar- 
stellung des skaperdaspiels, p. 40: für Poll. IX, 116 wichtig. — Mis- 
c eilen: Sitzungsberichte aus Berlin, p. 42. — Berichtigung, von K. 
Bölticher : gegen Arch. Ztg. bd. III, p. 21. — J. Friedländer, antike 
bernsteinschnitzwerke, p. 49. — G. Hirschfeld, reisenotizen, p. 50; 
erklärt unter anderm die inschrift auf dem Salpionrelief (Arch. Ztg. 
1870, taf. 24) für modern. — E. Curtius, neuestes aus Athen, p. 50. — 
E. Hühner, zur Aphrodite mit der Stephane , p. 51 : bezieht auf sie 
eine stelle des Reposianus in Anthol. Lat. 1, p. 173 Ries. — R. Ke- 
kule, über eine angebliche darstellung der Tyche mit Plutos, p. 51. 

Augsburger allgemeine zeitung : nr. 55: der krieg. — Der theater- 
bau in Dresden gesichert. — Dr Palm, director in Bautzen, f- — 
Beil. zu nr. 55: Fr. Loher, die Übergangszeit für Elsass und Lothrin- 
gen. — Auss. beil. zu nr. 55: bibelgesellschai't in Rom. — Bourba-< 
ki's vater kämpfte in Griechenland unter Fabvier. — Nr. 56 : lei- 
densgeschichte einer in St. Denis ansässigen deutschen familie aus 
Köln wähend des kriegs. — Deutsche invalidenstiftung. — Nr. 58: 
Zeitbetrachtungen. — Nr. 59: der krieg. — Beil. zu nr. 59: rück- 
blick auf die englische literatur. — Auss. beil. zu nr. 59: beraubung 
deutscher archive durch die Franzosen. — Nr. 60: der krieg. — 
Beil. zu nr. 60. 61. 62: Maltzan , briefe aus Arabien. — Auss. beil. 
zu nr. 60: deutsche siegesieier in Graz. — Poesie und krieg, Vortrag 
von Dr Arnold. — Beil. zu nr. 61 : minister von Mühler und die 
congregationen an höhern lehranstalten. — Auss. beil. zu nr. 61: 
bericht des oberst Stoffel über die preussische arrnee. — Nr. 62: 
Universitätsbau in Graz. — Zwei tage in Paris. — Beil. zu nr. 63: 
A. L e gr eile , ä travers la Saxe: rei^eberichte, ausführliche anzeige: 
Schilderungen aus dem leben der Deutschen, namentlich in Königsberg: 
köstlich seien die Schilderungen aus der sphäre, welche der Deutsche 
,,la kneipe" nennet: in den hörsälen der Universitäten sei er begeistert, 
der deutsche professor sei sein ideal, l'aclivite dum l'independance sei 
die lebensweisheit dieser männer; dagegen ist Legrelle weniger er- 
baut vom deutschen Studenten : er findet ihren ton zu burschikos und 
diese gesichter uui sont a moitie hinetfes et ä moitie cicatrices allzu- 
sehr herausfordernd u. s. w. — Nr. 64: Pasleur , physiolog in Paris 
schickt das 1868 von Bonn erhaltene ehrendiplom zurück. — Beil. 
zu nr. 64: römische Schulbildung: zeigt, wie verkehrt und unzeitge- 



336 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

mäss das ganze System sei, wie jede solide basis eines elementarun- 
terriclits fehle. — Nr. 65 : todtenfeier für die opfer des kriegs in 
München. — Beil. zu nr. 66: rechte der bibliotheken an die archive. 
— Beil. zu nr. 68: die Universität Prag. — Beil. zu nr. 68: die 
Universität Prag: führt aus, wie die gefahr nicht so fern liege, dass 
eine tschechisirung dieser der ältesten hoch schule Deutschlands ver- 
sucht werde, d. h. die überantwortung einer der ehrwürdigsten und 
bedeutendsten pflanzstätten deutscher Wissenschaft an ein wüstes par- 
teigetriebe. — Geschichten aus Livius : lobt das oben nr. 1 p. 55 be- 
sprochene buch von Goldschmidt: wir geben zu, dass man diese frage 
von verschiedenem Standpunkt aus betrachten kann. — Auss. beil. 
zu nr. 68: Moltke und Joseph Bartl im bayrischen gebirge. — Nr. 
70: die confessionell gemischten schulen. — Auss. beil. zu nr. 70. 
Das Völkerrecht und der krieg. III. — Eine broschüre von Sybel; 
les droits de I! Allemagne sur la Lorraine et l'Alsace. A j)ropos d'itn 
pampMet publle recemment: sie sei gegen ein pamphlet von Mlchlels 
gerichtet.— Nr. 71 Sir John Coleridge über den deutschen krieg: für 
die Deutschen. — Brief des deutschen kaisers an den legationsrath 
v. Reumont : „Ferneres. 8. märz. Erst jetzt, nachdem der friede ge- 
sichert ist, vermag ich ihnen meinen aufrichtigen dank für ihr glück- 
wunschschreiben auszusprechen. Grosses, kaum geträumtes ist errun- 
gen: was dem bruder nicnt beschieden war zu erreichen, was er als 
eine lebensaufgabe betrachtete und was Ich in demuth hinnehme, 
war Gottes wille". — Beil. zu nr. 71: die excesse in der tonhalle 
zu Zürich: vrgl. ob. nr. 4, p. 189. — Die Diurnali des Malteo di 
Giövenamzö : lässt einen blick thun in die wie es scheint angeborue 
sucht der Italäner zu fälschen. — Nr. 73: Sir J. Coleridge über 
Deutschland. — Nr. 73: die dinge in Zürich. — Nr. 74: die frie- 
densfeier in Oesterreich. — Die Universität Prag. Dr. Linker: s. 
ob. p. 326. — Die excesse in Zürich. — Beil. zu nr. 74 : die dinge 
in Zürich. — Auss. beil. zu nr. 74 : die Universität Bonn und der 
erzbischof. — Zu dem berichte des obersten Stoffel. — Nr. 76: das 
verbot der deutschen siegesfeste in Wien und seine folgen: vrgl. nr. 
74. 75 nebst beilage. — Der Deutschenhass in Frankreich und die 
repressalie — Auss. beil zu nr. 76: die stimmuug in England und 
den Niederlanden gegen Pressen. 

Petzhold, neuer anzeiger für bibliographie und bibliothekswissen- 
chaft. Jahrg. 1871 hft. 1: die Literatur des deutsch - französischen 
kriegs (fortsetzung). 

Zamcke , literarisches centralhlatt, 1871: Nr. 18: N.Riegel, Ala- 
rich der Baltha, könig der Westgothen. Ein beitrug zur geschichte 
der Völkerwanderung eingeleitet durch einen überblick der römischen 
und eine gedrängte darstellung der gothischen geschichte bis zum 
jähr 395, nach den quellen bearbeitet. 8. Offenburg. 1870: ohne 
werth nach der anzeige von H. K. — Anecdota helvetica quae ad gram" 
matlcam lutlnam spectant ex blbliotheca Txricensi Einsidlensi Bernensi 
coliccta edidlt Herrn. Hagen. Lips. 1870: auch unter dem titel: 
Grammatici Latlni ex rec. H. Keilii. Supplementtim; anerkennende 
anzeige von W., der meint, der vf. hätte herzhafter fehler tilgen sol- 
len, wie p. 54, 1 streqäur, nur dittographie von stirpitus sei, p. 108, 
20 torecma und teriuma in toreuma , p. 113, 32 infar in iubar zu 
ändern, auch p. 134, 1 wie p. 167, 5 de nomine pendens geschrie- 
ben werden müsse: der p. 161, 17 erwähnte erste redner der Grie- 
chen werde wohl Sohn sein. — Nr. 19: A. Ludwig, der infinitiv im 
Veda mit einer Systematik des litauischen und slavischen verbums. 8. 
Prag. 1871: bedenkliche anzeige von J. 



Nr. 7. Juli 1871. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erganzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutseh. 



173. Ausführliche grammatik der griechischen spräche. 
Von DrKaphael Kühner. Zweite aufläge in durchaus neuer 
bearbeituug. Erster theil. Erste und zweite abtheilung. Han- 
nover, Hahn. 1869. XXH und 976 s. gr. 8.-3 thlr. 15 ngr. 

Der durch seine langjährige thätigkeit auf grammatischem 
gebiete so bekannte Verfasser bietet uns in dem vorliegenden 
werke, dessen anzeige in diesen blättern allerdings etwas ver- 
spätet erscheint , die zweite aufläge seiner im jähre 1834 her- 
ausgegebenen griechischen grammatik. Diese, unter dem ein- 
flusse der Grimm'schen grammatik entstanden, beabsichtigte den 
Organismus der griechischen spräche in seinem ganzen umfange 
und in lebendiger anschauung aufzufassen und die allmähliche 
entwicklung desselben von seinem ersten Ursprünge bis zu sei- 
ner höchsten ausbilduug darzulegen , und sollte in erster linie 
für den lehrer, sodann aber auch zur orientirung und freiem 
Studium für reifere schüler bestimmt sein. Die neue aufläge, 
in welcher der Verfasser die Vereinigung dieser beiden Stand- 
punkte aufgegeben und nur den ersteren festgehalten hat, kün- 
digt sich als eine gänzliche um arbeitung der ersten aufläge an. 
So musste es auch sein , da nach fünfunddreissig jähren und 
nach alle dem, was während derselben für unsere kenntniss der 
griechischen spräche geleistet ist, ein werk, das doch wesentlich 
auf dem boden der älteren grammatik stand und bei dessen er- 
scheinen erst ein heft vou Bopp's vergleichender grammatik 
herausgegeben war, nicht lediglich überarbeitet werden konnte. 
Mit dem vorliegenden buche hat nun der Verfasser einem ge- 
wiss von vielen empfundenen mangel abzuhelfen gesucht. Wäh- 
rend nämlich die ergebnisse der neuern forschung vielfach in 
Philol. Anz. III. 22 



338 173. Griechische grammatik. Nr. 7. 

Zeitschriften und monographieen zerstreut sind, fehlte es bisher 
an einem werke, welches alles dies zahlreiche, aber für den 
einzelnen schwer zu beschaffende material zusammenstellte und 
mit den gehörigen nachweisungen versehen im auszuge darlegte. 
Andrerseits sind zwar rein wissenschaftliche werke vorhanden, 
in denen die griechische formenlehre dem durch die neuere 
Sprachforschung errungenen Standpunkte der Wissenschaft ent- 
sprechend dargestellt ist — ich erinnere an L. Meyer's verglei- 
chende grammatik — , aber diese werke genügen dem prakti- 
schen bedürfnisse des Schulmannes nicht vollständig. Es liegt 
auf der hand, dass die Sprachvergleichung, für welche das grie- 
chische nur ein idiom neben andern ist, und deren methode 
mehr in die breite geht, der einzelnen spräche nicht die beach- 
tung schenken kann , als der gelehrte , welcher den grössten 
theil seines lebens an das Studium der griechischen schriftsteiler 
gesetzt hat. Die reiche Sammlung von einzelnen stellen, an de- 
nen besondere formen vorkommen, die genaue notierung der 
abweichenden lesarten an solchen stellen , kurz die mehr in der 
weise der älteren grammatik gehaltene Statistik ist nicht sache 
der vergleichenden Sprachforschung, aber doch für den pbilolo- 
gen und praktischen schulmann unentbehrlich. Beiden richtun- 
gen hat der Verfasser mit seinem buche gerecht werden wollen; 
fragen wir nun, was er geleistet hat, so ist es zunächst im höch- 
sten grade anzuerkennen , dass derselbe, obwohl er nicht von 
haus aus auf dem boden der neuern Sprachforschung stand, sich 
doch durch eingehendes Studium der literatur die resultate der- 
selben in soweit angeeignet hat, dass, wenn auch über manches 
einzelne anders geurtheilt werden mag, — was den räum dieser 
blätter überschreiten würde — das werk im ganzen als auf 
neuem gründe stehend zu bezeichnen ist. Es enthält eine , so 
weit man überhaupt davon sprechen kann, vollständige darstel- 
lung der geschichte der griechischen sprachformen von Homer 
an bis auf die alexandrinischen, ja neutestamentlichen zeiten herab 
unter berücksichtigung sämmtlicher dialekte, charakterisirt sich 
demnach als die frucht eines in der that staunenswerthen flei- 
6ses. In gleicher weise hat der Verfasser treffliches auf dem 
gebiete der Statistik geleistet, wovon schon der gewaltige um- 
fang der einzelnen lehren zeugniss gibt; so umfasst die lehre 
von der declination einschliesslich der pronomina fast 200 sei- 






Nr. 7. 173. Griechische grammatik. 339 

ten. Betreffend die lehre vom verbum, so ist das in der zwei- 
ten abtheilung enthaltene alphabetische verzeichniss der einzel- 
nen verben besonders hervorzuheben, welches mit weit grösserer 
ausführlichkeit als das von Krüger gegebene, die Statistik der 
einzelnen vorkommenden verbalformen gibt — eine vortreffli- 
che einrichtung, die sich bald auch in den für den schulge- 
brauch bestimmten grammatiken einbürgern wird. Denn mögen 
auch die regeln über die formation der einzelnen verbalstämme 
noch so ausführlich gegeben sein, niemals wird bei der unendlichen 
mannigfaltigkeit der griechischen spräche aus jenen regeln klar- 
heit über das wirkliche vorkommen der verbalformen und das 
Vorhandensein abweichender bildungen gewonnen werden kön- 
nen, ebensowenig wie aus den wenigen grundsätzen, die sich 
über die möglichkeit der bildung der tempora secunda aufstel- 
len lassen, im einzelnen auf das Vorhandensein eines aor. 
I. oder II. geschlossen werden kann. Da der Verfasser nicht 
unterlassen hat, jedesmal die autorität hinzuzufügen, so wird es 
eine nicht schwere arbeit sein, für den gebrauch der schule ein 
verzeichniss der nothwendigen sogenannten A verbo, wie es in 
der lateinischen grammatik von jeher üblich gewesen ist, zu- 
sammenzustellen. Von den allgemeinen paragraphen sind die 
ersten, welche von der griechischen spräche und ihren mundar- 
ten, vom verhältniss der dialekte zur literatur, von der ge- 
schichte des alphabets und der ausspräche der buchstaben han- 
deln, förmliche abhandlungen. Ein besonderer Vorzug des bu- 
ches besteht ferner darin, dass der Verfasser stets die einschla- 
gende literatur angeführt und dadurch für jeden, der den einen 
oder andern punkt weiter verfolgen will 3 die beste anregung gege- 
ben hat. Es begegnen uns dort nicht nur die hauptwerke der 
neuern Sprachforscher, eines Bopp, Pott, M. Müller, Gr. Curtius u. 
a., sondern auch ältere grammatische autoren sowie die interpreten 
der classiker, so weit sie in ihren anmerkungen einen gegen- 
ständ genauer behandeln. Letztere sind auch bei den im texte 
angeführten wortformen stets citirt. Ausführliche indices er- 
leichtern den gebrauch. Der druck ist correct. Aus dem ge- 
sagten erhellt , dass der vf. sein werk zu einer wahren fund- 
grübe grammatischer gelehrsamkeit und zu einem unentbehrli- 
chen buche zu machen verstanden hat, ein urtheil, dem trotz 
einzelner mängel selbst die beistimmen werden, welche im ein- 

22* 



340 174. Homeros. Nr. 7. 

zelnen oder auch im ganzen auf andern Standpunkt stehen als 
Kühner. 

174. W. Büchner, homerische Studien. I. Die ebene 
von Troja und ihre bedeutung für den trojanischen krieg. Pro- 
gramm. 4. Schwerin. 1871. 

Durch Lachmanns kühnheit wie es scheint eingeschüchtert 
hat vfr. seine ansieht geändert und nimmt jetzt die einheit an. 
Die leetüre einer einzigen rhapsodie sagt er, genüge um alle 
mängel und zweifei zu vergessen. Freilich hat die vergleichung 
einer zweiten gewöhnlich die entgegengesetzte Wirkung. Man be- 
dauert , nicht zu sehen ob vfr. chorizont ist, denn seine gründe 
für die einheit gehen nur auf die Ilias. Dieselbe ist nach ihm 
entstanden aus sagen über die localitäten der ebene von Troas. 
Dieselbe, von alters her ein süsswassersumpf, ist künstlich ent- 
wässert. Kalifatli Osmak, durch menschenhände gegraben, ver- 
einigt sich auf kurze zeit mit dem Dumbrek und verlässt ihn wie- 
der als kanal, um in den Karanlit Liman, den Seehafen der ebene 
zu gehen, während der Dumbrek selbst sich in sumpf verliert. 
An der mündung des Kimar Su haben zwei noch erhaltene 
kanalbetten von Kimar Su und Mendere ausgehend gedient, um 
in kriegsfällen das rechte ufer des Mendere unter wasser zu 
setzen und dadurch die stadt zu decken. Den Mendere hält 
vf. schon um des namens willen für den Skamander, welcher 
bei anschwellungen Xanthus wird, die feuerflammen Hephästs 
werden als feuergluthen der sonne gefasst. Auch das Bunar- 
baschi - wasser nenne Homer Skamander , wie sich aus der be- 
kannten stelle von den zwei quellen ergebe. Drittens heisse 
auch der Kalifatli Osmak Skamander, bei Plinius Palaeskamander, 
daher JE 774 die Vereinigung von Simoeis und Skamander er- 
klärt wird, und 308 der grosse Mendere den Simoeis her- 
beirufe als einen ferner stehenden und nicht mit ihm zusam- 
menfliessenden, obgleich im fortgang dieser rede Homer selbst 
wieder den Kalifatli Osmak mit dem grossen Skamander ver- 
wechsele [rsw&t lt[xrriQ) und von der Limnothalatta spreche. 
Denn Skamandros sei ein appellativ (Gxdfiftu (IiSqoc) für kanal. 
Uns scheint es unmöglich anzunehmen, dass Homer dem worte 
solche allgemeine bedeutung oder gar drei benachbarten gewäs- 
sern ohne nähere Unterscheidung denselben nameu gegebeu habe. 



Nr. 7. 174 Homeros. 341 

Forchhammers erklärung der namen ist natürlicher. Auch ist 
zu bezweifeln ob sich Skamandros vom skäiscken thore und 
den thrakischen Skäern am fl. Iskar trennen lässt, welche letz- 
tere sich ihres Zusammenhangs mit Troja rühmten. In diese 
ausführlich behandelte localität überträgt der vf. die sagen, 
indem er in einer weise die zuweilen an Paläphatos erin- 
nert das unglaubliche ausscheidet und den rest als geschichte 
behandelt. Auf der hochebene von Dardania herrschten Darda- 
nos und Tros (Y 215 — 30) , von des letzteren söhnen erbte 
der jüngere Assarakos, und wurde der ältere Ilos als landes- 
flüchtiger verbannter gründer der stadt im unterlande. Sein 
söhn Laodamas erweiterte und Priamos vollendete die macht 
der Unterstadt und ihre herrschaft über das mutterland , das 
alte Dardanien, dessen einwohner nach Ilios verpflanzt wurden. 
Hieraus wird erklärt dass Aeneas als nachkomme des Assara- 
kos und Vertreter der gestürzten dynastie sich in fast feindli- 
chen Verhältnissen zu Priamos befindet. Die dienstbarkeit Posei- 
dons und Apollos geht auf Laomedons herrschaft über die umgegend, 
auf die befestigung der stadt und die trockenlegung des Sumpfes ; 
bei den dazu nöthigen arbeiten ist Laomedon in einem aufstand 
der massen getödtet worden. Priamos erneuete und vervoll- 
ständigte sein werk, zog sich aber durch frauenraub den unter- 
gang zu. Den beweis dafür dass Neu-Ilion die statte der al- 
ten Ilios ist, sucht vf. einmal in dem pragmatischen Zusammen- 
hang dass die ebene von Dardania, von der die gründung aus- 
ging, den höhenzug ausschickt , auf dem Neu-Ilion lag, andrer- 
seits in der tradition die er mit aller entschiedenheit vertheidigt, 
obwohl in ihr nur die bemühung guter localpatrioten zu sehen 
ist. Trümmer uralter bauten, welche allein die frage werden 
entscheiden können und welche auf den höhen hinter Bu- 
narbaschi vorhanden scheinen , sagt er seien in Neu-Ilion nicht 
vorhanden, ein punkt worin er von Schliemann abweicht, und 
können nach ihm auch nicht vorhanden sein, weil die mauern 
Poseidons nur sumpf und morast waren, die stadt aber aus 
elenden hütten bestand, welche niedergebrannt spurlos verschwan- 
den. Einen beweis hiefür, welchen wir nicht zugeben können, 
sucht er in H 452, wo Poseidons Iml^aovzav ein zeichen sei, 
dass die mauer schon zur zeit des dichters vergessen sei, aber 
gerade dass Zeus und Poseidon sich da bemühen, dies verges- 



342 174. Homeros. Nr. 7. 

sen zu hindern , widerspricht dieser annähme und die verglei- 
chung der schiffsmauer zeigt, dass Homer trümmer einer mauer um 
Ilios kannte. Denn von der schiffsmauer die er selbst erfunden 
hatte , konnten keine trümmer vorhanden sein, daher er sich 
zweimal (H 462. M 20) bemüht seinen hörern die nichtexi- 
stenz dieser trümmer zu erklären. Dagegen erwähnt er die 
wirklich vorhandenen denkmäler des Hektor, Aias , Achill, lässt 
Pandaros, welcher sein grab in der ebene hatte (Steph. Ztlia), 
vor Troja fallen, sorgt aber andrerseits dass die gebeine der 
Griechen weggeführt werden {H 356), weil er erklären muss 
was aus ihnen geworden ist, sorgt auch in der bekannten unpas- 
senden weise dafür, dass Sarpedon, der nie in Troja gewesen ist 
und sein grab in Lykien hatte (App. b. c. 4, 79 cf. seh. V. H 
673), weggebracht wird. Man sieht dass er sich überall bemüht 
den zustand der ebene mit seiner erzählung zu vereinigen und 
wenn er von den mauern von Troja spricht, hat er gewiss noch 
trümmer derselben nachweisen können. Aber diese lagen ge- 
wiss nicht bei Neu-Ilion, denn dann hätte der localpatriotismus 
sich auf sie berufen können. Vf. erkennt (p. 14) an dass auf 
den höhen von Baalih hinter Bunarbaschi mauertrümmer vor- 
handen sind. Selbst von Anchises gab es nach einer sage ein 
grab im Ida (Eust. 894, 35: vgl. jedoch Paus. 8, 12, 5) und 
auf eine herrschaft der Anchisiaden im gebirge möchten wir T 
307 lieber beziehen, nicht auf eine colonie in Italien, welche 
wenn vorhanden dem dichter unbekannt und wenn bekannt für 
ihn und seine hörer ohne jegliches interesse gewesen wäre. 
Vf. aber nimmt eine Seefahrt nach Italien an und erklärt das 
griechische element im lateinischen aus dem aeolischen dialecte 
dieser colonie. Das ist eine länge bis zu welcher wenige mit 
ihm gehen werden. Mochte noch Klausen in den Penaten sol- 
ches für möglich halten, was sollte für uns aus den oskischen 
und andern dialecten werden, wenn man den römischen so er- 
klären wollte. 
^ __ _ — . , 7 — ~ 1 

175. Platonische Studien von Moritz Vermehren. 8. 
Leipzig. Breitkopf und Härtel. 1870. 163 s. — 1 thlr. 

Diese schritt bietet eine exegetisch - kritische besprechung 
von 118 stellen aus den platonischen dialogen. Die mei- 
sten derselben sind dem Symposion, der Republik und den 



Nr. 7. 175. Piaton. 343 

Gesetzen entnommen, mehrere dem Phaedo, wenige Charmides, 
Lachss, Hippias II, Alcib. I, Meno, Gorgias und Euthydemus. Wir 
heben zunächst die stellen hervor, an denen uns der vf. mit evidenz 
die richtige lesart oder auslegung gefunden zu haben scheint : 
Laches 186e zlvi drj dtivozüzcp avyytyövuzov hat Vermehren ver- 
bessert, indem er schreibt Zivi 8t] daivozuzco ysyorazov (wodurch 
u.s.w.). Kachher folgt erst zig 6 Öiöüaxalog. Auch wird so der rich- 
tige gegensatz gewonnen von 6 fi.lv ^oyy.oärtjg ou qitjaiv inatmv und 
ah ö' üj Aä-/j]g y.ui Nixia zivi 6eivotut<o ysyövazov. Sehr ansprechend 
ist auch Hipp. II, p. 367 d statt ü ullcog ye ah ßov/.si ge- 
schrieben u),X Sg ys ah xzl. (p. 9). Eichtig wird (p. 15) Gorg. 
503 c die construction durch die so häufige anakoluthie nach 
Zwischensätzen erklärt. Nur möchten wir nicht zi/vr\ zig si- 
vai mit vf. in iazi verändern, sondern in \v mit rückbezie- 
hung auf p. 501 b. Statt ahzbg ah Alcib. I p. 114e schlägt vf. 
vor uizov aov. Im Symp. p. 174a sei etioUi präsentisch zu 
fassen (es bedeutet noiovvza ijdstfiev). In der rede des Pausa- 
nias p. 184 c hat vf. aus dem sinnlosen fiäv des Bod. und 
Vat. J nuiSixcöv hergestellt, welches durch den vorherge- 
henden ankündigenden satz fiia — igaaz^ Tzaidtxd hier durch- 
aus gefordert wird. Im übrigen scheint mir jedoch nichts zu 
ändern, wenn man nur nach vöfiog ein kolon setzt, so dass mit 
maneo der Wortlaut des gesetzes in direkter rede beginnt , wo- 
bei in egaazalg rjv bedeutet : wie wir bei den iouazai sahen 
(182e: s. Legg. 913b, Phaedr. 274 e insidij snl zoig yguufiaaiv tjv, 
Yiger. 624). In Aristophanes' rede p. 191c schreibt Vermeh- 
ren ytvrtjaig statt ytveaig und mit recht. Aber ob sein Vor- 
schlag gleich darauf statt yiyvoizo zb ysiog zu schreiben yi- 
yvoizo zoy.og beifall verdient, ist mir zweifelhaft; zo yivog 
könnte Aristophanes mit absieht sagen um etymologisirend zu 
bezeichnen, dass eigentlich erst jetzt von einem yt'vog , ei- 
ner gattung, der menschen die rede sein könne. Zu p.l97a 
zeigt vf. dass fiovaiyjjg xzX. von fia&tiz^g s'i'i] abhängt und 
bringt für diese wendung beispiele (p. 76). Uebrigens hat, 
scheint es, auch ein theil der Übersetzer so konstruirt (Schleier- 
macher, Zeller, Lehrs). Vortrefflich erweist Vermehren, dass 
avjnfrjg p. 204d, von Usener und Jahn aus ah cpijg geändert, 
dem Zusammenhang widerspricht; nur scheint uns sein letz- 
tes argument, das3 p. 201 e ety 8s zw xaläv bedeute: und 



344 175. Piaton. Nr. 7. 

Eros gehe auf die xaX«, nicht haltbar. Denn der inhalt der 
Widerlegung wie er dort sogleich angegeben wird, lautet ja 
tag ovts xaXog s'itj nxX. Auch hat Sokrates gegen Agathon 
nicht den satz widerlegt, dass der sgcog auf das schöne gehe; 
er hätte sich sonst selbst widerlegt, da er diesen selbigen satz 
später noch gegenüber von Diotima, wie Vermehren selbst 
zeigt, festhält und vertritt. Die richtige Interpretation gibt Ver- 
mehren von dem in t-i'Sei xaXov Symp. 210 a, welches die Über- 
setzer (z. b. Schleiermacher, Zeller, Lehrs) für das schöne im all- 
gemeinen genommen haben. Er zeigt, dass es nach dem Zu- 
sammenhang das schöne der gestalten bedeutet und dass hier- 
für auch in eiöei kein ungebräuchlicher ausdruck ist. 

In der Republik und in den Gesetzen emendirt Vermehren 
mehrere stellen vortrefflich: p. 401 e der Eepublik ist durch 
Umstellung der worte xuigcov xal vor Svaxsgatvav nunmehr je- 
der anstoss gehoben und die vom Zusammenhang geforderte 
maxime des x a ^Q eiv c ^ ^" zum ausdruck gebracht (p. 93). 
Sehr einleuchtend ist ferner die emendation d^iöXoyov statt dX- 
"kolov p. 492 e, welche nicht nur der sinn der ganzen stelle 
empfiehlt, sondern auch die häufigkeit der Verbindung ngog n 
bei ähnlichen ausdrücken (vgl. noch Legg. 850b und rsXeog). Da 
sich jedoch auch die wendung yiyvea&ai ngog %l zu einem 
ziel gelangen findet, z. b. Reip. 604d (s. Ast. Lex. I, 394), so 
bliebe die möglichkeit, dass das bald folgende äv&gmnsiov an 
stelle des aXXoiov gestanden hätte und dass letzteres nichts wäre 
als eine Variante für dv&gwneiov, welche palaographisch wohl er- 
klärlich ist. Auch tov aXXa Xeyavtos statt zov p. 564d ist zu billi- 
gen. Zu der stelle der Gesetze 856e, wo gemeinsame strafgesetzliche 
bestimmungen für die drei kategorien der ngodorai, oraatwrut, is- 
göavloi gefordert werden, zeigt vf., dass rgirog, welches in unsern 
texten steht, sinnlos ist, und schlägt vor zu lesen xotrog in 
tgitoig elg sarm vöpog nsgi xtX. , was dem gedankendes au- 
tors entsprechen würde. Mir scheint alsdann aber tlg neben 
xoivog ganz bedeutungslos zu sein. Im folgenden weist vf. so- 
dann sehr gut nach, wie wenig die worte Isgiäv 5) oo/W (857b) 
dem gedankengange Plato's entsprechen, der die IsgoavXoi von 
den xXenrai scharf unterscheidet. Wenn sie nicht aus einer 
dem Kleinias in den mund gelegten rhetorischen Übertreibung zu 
erklären sind, so empfiehlt sich allerdings Vermehren's Vorschlag 

I 



Nr. 7. 175. Piaton. 345 

sehr, 18103p t) dqfxoaiaiv zu schreiben. Die stelle 881a hat vf. ih- 
rer heilung wenigstens zugeführt, indem er durch vergleichung 
mit 905a auf die glückliche vermuthung kam statt siai zu schrei- 
ben s'i 7i (p. 143). Das TQvyijg p. 901 e in zovrp^ zu ändern, 
schien auch mir längst durch den sinn geboten; die tilgung 
des wortes aber, glaube ich, würde der dortigen argumentation 
zuwiderlaufen. Gewiss richtig ist auch die einschiebung von g 
zwischen luv öpLonäzcog und /} axXtjQog 924e, ebenso wie die Schrei- 
bung von /; 8s statt u 8s (wenn nicht rrjg %c6oag) p. 958d. Auch 
das noXXui, das Vermehren zu p. 925b vorschlägt , indem er 
statt sii 8s noXXd noXXwv liest suv 8s noXXal noXXäiv seil, woi, 
passt gut in den gedankengang ■, aber die stelle scheint schwe- 
rer beschädigt. Eine einfache und den gedanken völlig tref- 
fende emeudation ist es endlich olxsiag uosir t g p. 950b statt 
des wunderlichen olaiug äoszrjg zu schreiben. Zwei, wie mir 
scheint, durchaus gelungene Verbesserungen hat Vermehren noch 
in den Gesetzen durch nachweis von Zusätzen gemacht: 872a fol- 
gen bald auf einander die worte ßovXsvotj 8s düvaiov und ßov- 
Xt'jaet rs xa\ imßovXsvasi anoxxslvag mit ganz zweckloser häu- 
fung synonymer ausdrücke. Vermehren tilgt (p. 140) xal rtj ßov- 
Xfjasi ts xal smßnvlsvasi anoxisivag und schreibt ßovXsvasi 8s 
&avuTOv und hat hiemit in der hauptsache gewiss das rechte 
gesehen. Wir möchten ihm nur vorschlagen die worte ßovXfj- 
asi ts xul smßovXsvasi allein auszustossen , als wohl erklärliche 
Varianten zu dem seltneren ßovXsvasi, und anoxtsnag nach iäv 
8s uvrö%siQ fisv (irj einzusetzen. Ebenso wird vf. recht haben, 
wenn er p. 914c die worte iäv und änoysyQafintvov cfairt]zai 
für unächt hält (p. 147). Dieselben könnten ebenfalls ihren 
Ursprung einer kritischen bemerkung, sei es zu dem vorherge- 
henden oder folgenden suv änoysyoannsvov rj , verdanken. Das 
dazwischen stehende iv zolg ygü/Afia^iv würde in diesem fall zu 
halten und mit i^rpavovg ysvonsvov zu verbinden sein. Auch 
das öseöv p. 905a tilgt vf. mit recht; denn so künstliche er- 
klärungen wie die Vögelins, es trete anakoluthisch an die stelle 
von Stxtjg, sind gewaltsamer , als dieses heilmittel. Es wird als 
Variante zu yosäv anzusehen sein. Als versehen hat (p. 8) Ver- 
mehren das schon von Badham getilgte £g# ijQnoafjisvog ov Lach. 
188d als aus [xaXXi)azTj rjQfioafts'vog ov entstanden bezeichnet. 
Wir haben die letztgenannten stellen um so lieber hervor- 



346 175. Piaton. Nr. 7. 

gehoben, als wir an einer anzabl anderer bei Vermehren den ver- 
dacht, dass glosseme vorliegen, nicht genügend erhärtet fin- 
den. So scheint es wenig wahrscheinlich , dass Menon. 78c 
ein glossator das bedürfuiss empfand nXoviog zu interpretiren, 
aber wohl konnte Sokrates es durch erklärendes Xt-yco vor miss- 
verständniss schützen wollen (s. Eeip. 521a). Auch im Phaedo 
81b ist vno zs zcäv im&vfiitav aal rjdoväv als erklärender zusatz 
des Sokrates wohl begreiflich (s. Verm. p. 24), ebenso dort p. 84b 
das zavza srziTrjdeüaaaa (Verm. p. 28), welches eng mit ix zijg 
ToiavTqg 7Qoqitjg zu verbinden, von dem es durch ein gar nicht 
ungewöhnliches hyperbaton getrennt ist. Statt ye nach zavza 
hat schon Wyttenbach richtig zs hergestellt. Auch das Xoveiv 
vexqov das. 115 a wird wohl beizubehalten sein. Eher möchte 
noch im Symp. p. 182e das vielbesprochene rpiXoaoqsiug, wofür 
vf. cpdsgaazCag mit bezug auf 213 d vorschlägt (p. 55 sqq.), aus 
der bemerkung qtiXoaoqtCa zu erklären sein, welche ein leser zu 
zovzo machte, der überall andeutungen über die philosophie suchte. 
Im übrigen geht, glaube ich, hier grade, im Symposium, vf. zu 
weit mit der annähme von glossemen. Die vielen Sonderbar- 
keiten, die ihm zumal in der rede des Pausanias hiezu (p. 48 
sqq.) anlass gaben, sind gewiss aus der absichtlichen stilnach- 
bildung zu verstehen, die Plato hier durchführt. So passt das 
dvKx.jAiv ay|«j p. 183 a ganz zu den sonstigen gezierten Wen- 
dungen und ag^ai wird man um so weniger anfechten können, 
als dieses Schema [aQXJjv ag%eu>) hier offenbar mit absieht Plato 
öfter anwendet (s. p. 183a, 183 b, 184 b) und das scherzhafte 
üavaaviov navaa^hov nachher eben dahin zielt. Auch die 
Weitläufigkeit in tj zii aXXijv bvvayav stimmt zu den ähnlichen 
Wendungen p. 184 de (s. 185 a a>g aXovoi'cp nXovzov trexa). 
Der hier charakterisirten unbeholfenheit wird ferner auch das 
abgerissen dastehende noi[// t aeig im Ovgaig p. 183a zuzuschrei- 
ben sein. — Ebenso wird die Wendung zovzov . . ftagzvQiuv 
naQtisiai .. zov loyov p. 179b (vf. will öoy.ti — nag^sGOai) indem 
munde des rhetorenschülers Phädrus natürlich geklungen haben; 
das vneg zoiöe dagegen hat Stephanus als eine blosse Variante mit 
recht aus dem text entfernt. Ferner könnte p. 178e das /} 
GTQUTonEÖov wohl Phädrus selbst zur präcisirung des ausdrucks 
nöXiv igaazav xai nuiSixäv zugefügt haben. Vermehren will es, 
mit Jahn, streichen. Wenn er dann selbst mit recht das /} vor 



Nr. 7. 175. Piaton. 347 

unexofisvoi. in schütz nimmt und den gegensatz von domi mili- 
tiaeque in dem olxrjasiav und rixasv av nachweist, so bleibt für 
uns doch noch das bedenken, dass damit in dem ersten gliede 
die tgaarai xal Ttaidtxoi immer nur mit sich selbst verglichen 
werden würden, woraus sich doch für die vortrefflichkeit ihres 
Staatswesens noch kein beweis ergiebt. Vielleicht ist alloi. zwi- 
schen uv und afx&ivov ausgefallen. „Nicht leicht möchten andere 
ein besseres staatsieben führen als sich enthaltende und wettei- 
fernde". Zweifelhaft ist uns auch, ob dem Aristophanes in sei- 
ner rede p. 191c nicht die kleine ungenauigkeit hingehen darf, 
zuerst nur mit den Worten diu, zov aQQsvog iv tw &tjhEi (wel- 
che vf. mit Jahn verwirft) den hauptzweck der einrichtung her- 
vorzuheben, indem er dabei noch an das eben erwähnte yevvüv 
Kai zCxreiv der fortpflanzung denkt. An za ngöadsv zirog für 
die Vorderseite einer sache ist aber durchaus nichts auffallen- 
des (s. Madvig Bemerk, p. 74: Arist. Probl. p.896b 29). In den 
Worten 190 d rj Öjottsq zu äa zaig &qi£ii> hat man, glaube ich, 
auch nur einen zug zu sehen , wie er in der leichten, sich ge- 
hen lassenden Schilderung des launigen komikers wohl begreif- 
lich ist, wenn er in einer pathetischen rede auch störend sein 
würde. Der ungezwungenen Schilderung entspricht aber im 
folgenden auch das bei Priscian und Stobäus erhaltene tvrjfu, 
hinter welchem ein colon zu setzen ist. So wird in richtiger 
folge zuerst von den einzelnen hälften geredet und dann erst 
mit dem plural zu den aus je zwei hälften vereinigten ganzen 
fortgeschritten. Vf. ändert aber dem %vvshai unserer codd. 
zu lieb ino&uvp vacigtov to5 ijuigei zcp avzov gvveivai xa\ xzl. t 
was doch gewiss gewaltsamer ist als die änderung von gvveivai 
in ^vvrfii aaL — Warum soll 194 a nicht sv x«< fidla von 
Plato geschrieben sein und sv zusatz sein, da doch ev pciXa so 
gebräuchlich und xca sehr wohl am platze ist? Die zwischen- 
stellung eines solchen nai ist doch nicht unerhört (vgl. Eeip. 
395 e noXXov y.al 8s^ao[isv } Theaet. 143 a nävzag eycoye aal 
avanavaao&ai öfOfiat). Auch des zij ystlasi oder ysvrrjaei p. 
207d endlich müssen wir uns annehmen und es als exegese des 
Sokrates selbst zu zavzrj nehmen, auf welche er sich in dem 
folgenden im l — yiymjzai zurückbezieht. Durch den lebendigen 
Vortrag wurde den worten diese geltung ohne zweifei gewahrt. 
Denn der Vortrag sollte sicherlich auch vielfach bei Plato dem 



348 175. Piaton. Nr. 7. 

verständniss einer construction nachhelfen. So wurde z. b. die 
eigentümliche beziehung des satzes olad' 1 ozi nävza h zcp zoiovzep 
xzl. Kep. 571c auf den nebensatz der vorangehenden periode, 
worauf Vermehren hinweist (p. 111), durch die Sprechweise 
bemerkbar. Im Phädo 70 a verwirft er zwar den unglücklichen 
einfall Hirschigs diaqi&sCgrjzai zs xal djcoXlvijzai zu streichen, aber 
sein Vorschlag die worte ev&vg bis ovdafxov y als paraphrase des 
vorhergehenden zu tilgen, ist, glaube ich, auch nicht das rechte 
heilmittel. Mir scheint wahrscheinlicher, dass hier eine kleine 
durch homöoteleuton entstandene lücke vorliegt, und dass nach 
den andeutungen der codd. 2(. JI im archetypus etwa stand : 
aTVoXXvijzal fj 6 av&Qmnog a.7T0&vtjaxet. q>oßovvzai ydg pi} tj 
ipv%tj iav 6 avOQ(OTiog anoüarrj svQvg xrA. 

Je mehr wir an den genannten stellen uns des überliefer- 
ten textes in conservirender tendenz annehmen mussten, um so 
bereitwilliger stimmen wir dem verf. zu, wo er die gut be- 
glaubigte LA schützt (Symp. 185e. 192d. 197a) oder sich gegen 
die athetesen anderer kritiker ausspricht, wie Phädo 72 d ge- 
gen Stallbaum, mehrfach gegen Hirschig und Badham (zu Euthyd. 
276c. Symp. 174a, 188c und 186a), gegen Sauppe (Symp. 186e), 
wo [freilich sehr lose angeknüpft] ?} yecogyla erwähnt sein könne, 
weil es auch in dieser entgegengesetzte verfahrungsweisen gebe, 
zwischen denen die mitte einzuhalten sei, und 188b, wo er yiyve- 
zai vertheidigt mit hinweis auf Kesp. 363 a, wo indess das yiyvt- 
tat voransteht, und Legg. 915e. Vielleicht übrigens ist in die- 
sem singular bei aufzählungen wieder eine stilistische eigen- 
thümlichkeit des redenden nachgebildet. Mit recht endlich, 
scheint mir, nimmt Vermehren (p. 69) auch die worte des Aristo- 
phanes xal zb zov ai>i£vog ijfxiav p. 190 e in schütz. Seine än- 
derung xazä zb zov ist aber entbehrlich, da mit diesen Wor- 
ten die hälfte des ehemaligen cylindrisch geformten halses, also 
der ganze hals jedes der beiden neuen individuen gemeint ist. 
Zuweilen geht das conservirende bestreben Vermehren's zu weit, 
so wenn er Symp. 209 c naCdwp halten will. Nicht als ob dort 
ein solcher bedeutungswechsel, wie er ihn statuirt , undenkbar 
wäre; aber es standen Plato für das etwa beabsichtigte bild an 
der zweiten stelle andere, sogar passendere Wörter, wie zsxva. ex- 
yovct, zu gebot, die er dann höchst wahrscheinlich gewählt ha- 
ben würde. Dass ferner im Symp. 178 c die auslassuug von 



Nr. 7. 175. Piaton. 349 

Tj (als) nach f^aerrij bei der dortigen elliptischen redeweise mög- 
lich ist, geben wir zu ; aber nicht, dass sie für den richtig nach- 
gewiesenen allgemeinen gedanken nothwendig ist. Denn wie 
svüvg rscp ovti ?} so könnte auch igaßty ovzi tj allgemein und 
temporal verstanden werden, und dann würde die gleichmässig- 
keit des ausdrucks für 3j sprechen. Nicht wohl entbehrlich aber 
ist im Phädo 94 a das uv nach nüaiuv. Denn Sokrates schliesst, 
nachdem er gefragt hat r\ -/.al xulmg doxei /Jyso&ui , sogleich 
aus der offenbaren widersinnigkeit einer richtig gefolgerten con- 
eequenz auf die Unrichtigkeit der Voraussetzung und führt da- 
mit einen indirecten beweis. Dazu ist aber die hypothetische 
Batzform nothwendig. Uebrigens hat auch Stobäus Eclog. I, 41, 
13 (bei Canter, Gaisford und Meineke) das uv. Dass im Eu- 
thyd. 278 c das Heindorfsche avra statt avrco verworfen wird, 
ist gewiss zu billigen. Vermehren erklärt aitcö gerade sie, 
niemand sonst. Vergleicht man jedoch stellen wie Legg. 856 a. 
Eeip. 371c. Prot. 329 c, so wird Schleiermacher's uv sich sehr 
empfehlen, grade weil rovzoo auf tovtcov zurückweist. 

Wie die seither berührten emendationen und Interpretatio- 
nen Vermehrens , auch wo sie nicht evident waren, doch viel- 
fach auf ungelöste Schwierigkeiten hinwiesen, so bieten auch die 
noch übrigen vorschlage seiner „Studien" viel anregendes. Aber 
auch zu bedenken und widerspiuch geben sie manchen anlass. 
So glauben wir nicht, dass Hipp. min. 364 b die einschiebung 
von olfxui nöthig ist. Wir übersetzen : „schön ist nach deiner 
meinung dein rühm und ein weisheitsdenkmal für deine Vater- 
stadt. Aber was ist deine meinung über Achill" u. s. f. Meno 
p. 94 b will vf. statt Iva fiij oliyovg oirj xal zovg cpavXozdrovg 
lesen oliyovg 007 rj rovg qiavXozuzovg, in dem sinne: abgesehen 
von diesen wenigen berühmten männern nur die schlechtesten 
(p. 15). Das würde positiv ausgedrückt bedeuten: mit jenen 
wenigen ausnahmen sind alle halbwegs tüchtigen bürger bildungs- 
fähig. Da aber fragen wir vor allem , wie könnte die gefahr 
dieser einrede durch das folgende vermieden scheinen? Ein 
solcher satz Hess sich doch nicht wohl durch ein einziges bei- 
spiel bestreiten , da man dieses ja immer noch den wenigen 
ausnahmen zuweisen konnte. Mir scheint der fehler in oliyovg 
zu liegen, das im archetypus unleserlich war (s. codd. F und V) : 
vielleicht ist zu lesen rovg acpiXovg, worauf das folgende p. 94 d 



350 175. Platon. Nr. 7. 

hinweist. Auf Themistokles und Perikles in ihren letzten jäh- 
ren würde dies wohl passen, wahrend qiavXöiaioq in der bedeu- 
tung schlicht (s. Bekk. Anecdot. I, 315. Euhnk. ad Tim. 269) 
auf Aristides ginge. Gorg. 504 e will vf. statt aal sXatrov le- 
sen xou ßläntov. Aber würde sich die Schwierigkeit nicht da- 
durch heben lassen, dass man 5/ tovvaviiov xal sXazzov als ge- 
gensatz zu aizia noXla xul ijSiaza im sinne von aizia nixQO- 
raza aal sXd%taza nähme? Auch 514c ist wohl nicht nöthig 
aoXXd in qiavXa zu ändern (Verm. p. 19), wenn man nur noXXd 
Kai nrjdtvbg «£ta so versteht, als ob -/.al nicht stünde. Auch 
im Phädo p. 73 a lässt sich wohl ohne das von Vermrhren (p. 
24) vorgeschlagene aviCxa (statt Fnsiza) durch interpretation 
helfen. Mir scheint nämlich in dem ivl [xsv Xoycp — sneiza 
absichtlich ein logischer Verstoss begangen zu sein. Plato schil- 
dert dadurch den ungeschickten eifer des Kebes , welcher gern 
eine gründliche erörterung geben möchte, dabei aber sogleich mit 
dem allgemeinen satze schon alles sagt und nun doch mit „zwei- 
tens" noch den ihm erinnerlichen einzelnen fall anführt. Das 
opwg Phädo 80d, wofür oXcog vermuthet wird, ist ganz an seinem 
platze. Denn svia 8s bringt keinen schroffen gegensatz, sondern 
nur eine einschränkung des vorhergehenden. Wo nicht künst- 
lich der ganze körper sehr lange erhalten wird, sind doch, wenn 
er auch sonst zerfällt, gleichwohl einige theile , die nahezu un- 
zerstörbar sind. Dann folgt der gegensatz : und die ganz anders 
geartete seele sollte u. s. w. Dass p. 84 a die lesarten der 
codd. nicht genügen, behauptet vf. mit recht. Er selbst will 
fXETa^EiQt^ofiivaig , sc. ySovaig xui sm&Vfiiaig, und ngazztiv mit 
eynazaSstv koordiniren. Aber dadurch tritt die seele zu sehr in 
den hintergrund. Sie selbst überlässt sich bald der philosophie, 
bald lässt sie sich wieder fesseln von tjöovaC und Xvnai. Mir 
scheint daher mit leichtem anakoluth /.isza^eioi^ofitit] zu lesen 
(sc. o'iszui XQtjvcti nqäzzsiv'). Sehr gründlich und richtig erklärt 
übrigens die stelle Herrn. Schmidt Krit. Comm. zu PI. Phädo I, 
p. 96, welcher auch (das. II, 50) die stelle p. 103c gut erklärt, 
obgleich al für „jetzt" immerhin auffallend bleibt. Vermehren 
vermuthet ov /xu d'C ecpt], was eine starke negation sein würde. 
Für das viel angefochtene to 8s thai zavzbv Phaedo 109d 
scheint mir Ast die einzig mögliche erklärung zu geben, nach 
welcher es eben das heisscn würde, was Vermehren durch die con- 






Nr. 7. 175. Piaton. 351 

jektur rb 8s ai'ziov shai zavzov ausdrücken will : es habe aber da- 
mit dieselbe bewandtniss. Hiermit würde wieder auf das gleichniss 
zurückgewiesen sein. Man erwartet aber einen gegensatz zu oiea&ai 
— yagovvzu. Vielleicht schrieb Plato zo 8s shai rovvavziop, s. 
Apol. 39c. Theaet. 166a. — Euthyd. 296d ist das abzog dsl sniazri- 
asi, wofür vf. n avzbg will (p. 33) doch nicht ohne sinn. Es be- 
zieht sich auf noh' ystsß&ai abzog zurück. Sokrates hatte bei 
der frage des Euthydem p. 296a sehr gegen dessen willen den 
dativ abzw d'et interpretirt rj; ipv'XV- Wenn das paradoxon 
zu stände kommen sollte, musste das „alles und allezeit wis- 
send" auf die ganze persöulicbkeit, leib und seele, bezogen wer- 
den. Dafür war aber nach gewöhnlichem , wenn auch nicht 
nach sokratischem, Sprachgebrauch abzog grade das rechte wort, 
das desshalb am Schlüsse erscheint. — Zu Symp. 180e ver- 
muthet vf. , Plato habe geschrieben E7iaive.lv /xsv ovv ob 8sl 
nävza y* ofiOimg, nicht nävzag üsovg, denn es folge alsbald xal 
o Eqcoq ob nag a^iog iyncouiü^na&ai. Aber diese unlogische 
salvatio animae scheint mir ganz charakteristisch für Pausanias, 
und auch die lockere form ist der übrigen rede entsprechend 
(s. Steinhart Einl. bd. IV, 227: [asp ovv — 8s ovv ist häu- 
fig bei Herodot). Aus der eigenthümlichkeit des redenden und 
seines stils sind aber auch die Wunderlichkeiten im folgenden 
zu erklären. Selbst wo die gedanken einmal auf eine gewisse 
Ordnung und Symmetrie hin angelegt sind, wie das Vermehren 
scharfsinnig und sorgfältig nachweist , stört der redner diese 
selbst in seiner hast, und sobald er von der obgavla als aggs- 
vog fiovov lAsts'xovGa geredet, bringt er gleich dasjenige vor, 
worauf diese genealogie zielt : na] 'iaziv ovzog 6 zäv nat8cav sgwg. 
Vermehren will diese worte mit der änderung nctiSegaczwv statt 
nalScov hinter das spätere ayanwvzsg stellen , so dass sich iv 
altrj trj nai8sgaazia an sie anscbliesse. Ansprechend ist der ge- 
danke Symp. 188c zu lesen tzsqi « (wv?) 8rj itztaxoneiv zovg 
igmzävzag (codd. "Egcozag , Stob. sgavzag). Nur scheint mir 
igmzävzag zu allgemein , weil das zweite glied xal saziv av 
qillag &säv xal dv&gconojv zeigt, dass hier die frage von den 
Verhältnissen der menschen unter sich sein muss. Könnte nicht 
eine mantische Vorschrift des inhalts existirt haben : iniaxonslv 
tovg "Egmzag (s. Aeschyl. Prom. 493 und Hesych. s. v. azs'g- 
ytj&na und Bulenger in Grävii Thes. Ant. rom. V, 422. — Zu 



352 175. Piaton. Nr. 7. 

ä 8y im adverbialen sinne vgl. Legg. 778a. Matthiae gr. Gr. §. 486. 4. 
aufl. 3.). — Das vygüg ide'ag p. 196a, wofür p. 75 znvq>sgäg iSs'ag 
vermuthet wird, lässt sich auch ohne xat halten. Denn die vygo- 
rtjg soll nicht noch einmal begründet werden, sondern der schüler des 
Prodicus stellt ganz schulgerecht erst die beiden sätze auf vsoö- 
tazog xat änaloozazog und iygbg zb slSog saztv und begründet dann 
einen nach dem andern. P. 202 e vermisst Vermehren den Zu- 
sammenhang und nimmt anstoss an avfxnlijgovv ohne objekt. 
Ich glaube, dem ersten bedenken lässt sich durch Verwandlung 
von de in zusammenfassendes 8tj begegnen ; ov(inlrjgovv aber 
wird, als ursprünglich mathematischer kunstausdruck, zum gan- 
zen ausfüllen, ergänzen (s. van Cappelle ad Arist. Quaest. mech. 
p. 156) sehr wohl aktiv von den dingen selbst gesagt werden 
können, wie r\ yga\t[ir\ ygayst, snt^styvvaiv xzl. — Des vf s. con- 
struktion p. 205d zb [aev y.scpu\ai6v [zuv sgoozng] iazt Ttäaa tj zmv 
aya&mv snt&VfiCa xui [ö] zov sv8ai[j.ovsif [sgoog] b (xsytarög zs 
xa\ 8oXsgbg sgoog [effr?] navzi passt weder zum Wortlaut Doch 
zum gang der argumentation. Dem erstem liegt nichts naher 
als o egcog — navzi für das prädikat des ganzen satzes zu neh- 
men, wobei sozi soviel ist wie Xt'yszat (es wird verstanden die 
int&vfila unter sgoog) und zb xsqiälatov im ganzen bedeutet (s. Gra- 
ser Spec. advers. p. 81). Der gedankengang aber verlangt, dass 
wie vorher von noirjßtg, so hier von sgoog im allgemeinsten sinne, 
eine worterklärung gegeben werde. Bei Vermehren's construc- 
tion wird aber sgoog durch sgoog erklärt. Für das oft bezweifelte 
8o).sg6g schlägt derselbe vor a&goog (universus, allgemein). 
Sollte nicht 8oXsgbg nävzi einer dichterstelle entlehnt sein und 
bedeuten navzi imßovXsvoov als ausdruck der macht des gottes 
(s. z. b. Soph. Ant. 780 flg.) ? Dann würde aber um so mehr 
cn' avtbv gleich darauf beizubehalten sein (Vermehren : fV 
avzö). — Dass Eeip. p. 378c ngsgßvzigotg yiyvofxsvotg mit Xoyo- 
noitjzs'ov zu verbinden sei , ist desshalb unwahrscheinlich, weil 
es dem gang der argumentation entspricht, den rechten stoff 
der dichtungen zuerst zu charakterisiren und dann den dichtem 
die behandlung desselben (s. 381 e, 387b) zu empfehlen. Es 
scheint zu lesen ngsaßvzfgovg und dann ein verbum im sinne von 
fxv&okoyrjTtov einzusetzen; ob Xsxrsov , ist fraglich. P. 382c 
will Vermehren accentuirt haben xpsi'Sög nozs xaC za> igt'jatfiov 
(p. 93), weil die erste frage sei : ob täuschung überhaupt zuläs- 



Nr. 7. 175. Piaton. 353 

sig. Allein diese frage scheint mir bereits bejaht (s. p. 331c; vrgl. 
377a. 359b). Man wird vielmehr verbinden müssen ii 8s 8ij zb 
h zoXg Xöyoig \fjev8og als gegensatz zu zb [asp-8!/ zoj bvzi tycvSog, 
worauf dann passend eine frage folgt (s. Heind. ad Gorg. 502ac). 
Mit recht sieht vf. p. 499d sqq. mit Schleieimacher und Ast das 
zweite uXXotav als gleichbedeutend mit dem ersten an und will 
statt /} xal iur schreiben // jvio, idv. Aus dem // ovx des Mon. 
Hesse sich eher auf ein /} y.ul av schliessen (aii mit rücksicht auf 
die meinung des Sokrates). Die vermuthung Vermehren's, dass 
Plato in der beschreibung der höhle p. 515d ovx avzu (nicht ob 
zavra) geschrieben habe, ist auf den ersten blick sehr bestechend. 
Aber sie ist dennoch schwerlich haltbar. Der Zusammen- 
hang verlangt nicht den vollständigen gegensatz: die dinge selbst 
und die schatten, sondern den gedanken : die gefangenen werden 
glauben, das vorbeiziehende so benennen zu müssen, wie sie es 
sehen, als schattenhaft, stets bewegt u. s. w. Entweder also ist 
mit cod. v zu schreiben vo/xi^eif xal btouuCsiv oder voixiQsiv Ssiv bvo- 
fxü'Qiiv : letzteres scheint wahrscheinlicher. Dass vf. p. 568d die 
lesart des Monac. unolo^svcüv zur grundlage nimmt, ist gewiss 
zu billigen. Aber seine weitere abhülfe zd rs zä>v anoXo^ivmv zu 
schreiben, genügt nicht. Das sätzchen bnoi nors av äsl e^ctoxri 
ist jetzt an sich höchst unnöthig; und was soll hier asl , in je- 
dem einzelnen fall? was tvozs ohne vorhergehendes 8>j, welches 
zudem noch dem av den ihm gebührenden platz weg nimmt ? 
Mir scheint durch verschiedene lesarten hier im texte einst eine 
Verwirrung entstanden zu sein , deren spuren noch in unsern 
codd. sich erhalten haben. Ich vermuthe es stand ursprünglich 
aal (so Monac.) bnoxav fiij e^agy.ri tu zäv unolo^srcov. Mit 
recht ist vf. unbefriedigt von den erklärungen des vnb zäv av- 
Tcöf iqoticov xat suvzoi (p. 575a) bei Schneider und Stallbaum. 
Er selbst übersetzt (p. 113): „durch dieselben eigenschaften 
auch seiner selbst". Aber würde das das nicht ausgedrückt 
worden sein vnb . . . zoig savzov (oder za>v nai avzcjj stöv- 
zcov)? Und sollten hier wirklich an dem sgag wieder zgönot 
unterschieden und persönlich gedacht werden? Vergleicht man 
vorher 572e und 574d, so wird man etwa vnb .. smzgönav ver- 
muthen, durch die dem heranwachsenden vio§ und ihm (dem egcog) 
gemeinsame Umgebung. Aber ich glaube nicht, dass zu ändern 
ist, sondern zqÖttoi bedeutet die sitten dieser Umgebung, wel- 
Philol. Anz. IIL 23 



354 176. Demosthenes. Nr. 7. 

che den character des tyrannen so werden Hess und einen 
grossen theil der schuld trägt (s. p. 569b). Die änderung 
596b aXV oga ÖV) Kai zovds tiva. xaXsi$ zmv bqpLiovqywv ist un- 
nöthig, da die von Ast angegebene construktion keine gewalt- 
same zu nennen ist (s. Eeip. 399e, Krüger Gr. §. 61, 6, 1). Das 
ynoXapißävaiv zw zoiovrcp = occurrere isti 598d, wofür vf. sv zw 
toiovrcp vorschlägt, ist nicht ohne beispiel (s. Ast. Lex. s. v.) und 
nicht befremdlich, da vnoXapßaveiv sc. loyov (s. Herod. III, 
146) synonym ist mit ano'AQiv?6&at. Auch der Vorschlag (p. 1 
sqq.) Charm. 165b säv 8ij ßovXofxsrov statt iav 6/j ßovXojftai zu 
schreiben, ist schwerlich richtig. Denn der von Sokrates zu- 
rückgewiesene gedanke ist, dass er sich rühme die sache zu 
wissen und die meinung des gegners theile , aber trotzdem als 
qnlövsixoQ und iXeyxriHos willkürlich mit seiner Zustimmung 
zurückhalte. Statt ofioloy/jOairog oov ist daher vielleicht 6fio- 
Xoy-ijoai dvvttfxdvov zu lesen (s. Bast. comm. palaeogr. p. 805). 

Auf einige wenige hier noch nicht berührte stellen aus Sym- 
posium und Eepublik, so wie auf die mehrzahl der den Gesetzen 
entnommenen stellen muss ich mir vorbehalten bei einer an- 
dern gelegenheit zurückzukommen (s. Philologus bd. 32). Nur 
eine stelle aus dem letztern werk sei hier noch berührt. Zu p. 
647c schlägt Vermehren vor nach noXXwv zu interpungiren und 
zirmv eig cpoßov ayopreg zu verbinden. Aber man hat, scheint 
mir, doch nur die wähl mit Zeller äqioßor — qroßaiv noXXär rnäv 
zu konstruiren , wogegen jedoch spricht, dass im folgenden das 
qioßtQof ohne eine nähere derartige bestimmung steht, oder man hat 
den genitiv mit elg tpößov zu verbinden. Dann aber glaube ich, 
ist qöimv zu schreiben (vgl. dieselbe verschreibung p. 870 c) 
und dies in dem sinne der Eeip. 537a gegebenen Vorschrift zu 
verstehen. D. Pcipera. 

176. De interpolationis apud Demosthenem obviae vesti- 
giis quibusdam scripsit Dr Car. Fr id. Gott hold Meutz- 
n er , professor Plaviensis. Plaviae in Nariscis. 1871. 24 pagg. 4°. 

Der Verfasser führt in seiner in gutem latein verfassten 
Schrift zuerst an, dass man früher au einer menge Interpolatio- 
nen in der III. Philippica des Demosthenes keinen anstoss ge- 
nommen habe, bis dieselben durch I. Bekkers vergleichung des 
trefflichen cod. Paris. 2 an den tag gekommen seien. Er be- 
merkt dann, dass auch noch in dieser und dann in andern re- 



Nr. 7. 176. Demosthenes. 355 

den des Demosthenes sich hie und da stellen finden , an deren 
echtheit in folge der handschriftlichen Überlieferung man bisher 
nicht zweifelte und die dennoch theils durch den Zusammen- 
hang, theils durch historische Verstösse, theils durch abweichung 
von des Demosthenes redeweise sich als sehr zweifelhaft oder 
als unecht verrathen. Er führt dies mit solcher sachkenntniss 
und mit so durchdringendem Scharfsinn aus, dass, wenn man 
auch über manches ihm beizustimmen bedenken tragen wird, 
man doch in vielem ihm recht geben muss. 

Ol. I, §. 24 slz ovx aiayviEade , et i^t]8' a näßoii u.v } st 
Svvaiz' ExelvoQj ruvra notijaai y.aigov sj^ovt&S ov zoXfitjGETE. 
Hier wirft vf. olx alayvieads sl ptjtf hinaus, womit der verzwei- 
felten construction abgeholfen wird. Ebenso streicht er Phil. 
I, §. 13 wohl mit recht die worte iüilotrug onagyeiv, da ja 
gleich darauf izoiuwg folgt. §. 47 werden zum theil mit Do- 
bree und Cobet die anstössigen worte zov ngoa^xortog — roig 
haXefiioig ausgeschieden, ferner §. 49 uvoijzözazoi. yag ol Xoyo- 
noiovvTsg. In de pace §. 21 kommt erst wenn man vvvi — idoxsi 
shui streicht, das folgende, zavza 6' olv ißovXovTO xze. in gehöri- 
gen Zusammenhang mit dem vorausgegangenen vazazov fXüövza 
it\v So'!«»' s'ysir. Chers. §. 21 heisst es: ßovXofiai tolvvv vfxag 
TtaootjGtug i^szäaai. Unter den vorgeschlagenen conjecturen ist 
jedenfalls ngog vpäg die geeignetste. Tilgt man aber mit Meutz- 
ner bfiäg^ so vermisst man nichts. Ebendort tilgt Meutzner die 
Worte ovz avzo) azQazevsö&ai zoluaiisv, die offenbar mitten in die 
finanzfragen nicht hineingehören. rcXftojuEv findet sich im 2 
nicht und verdankt seine existenz offenbar einem , der die cor- 
respondenz mit den parallelen Satzgliedern, die ßovloiJE&a, dv- 
mßf*£&a, 8i8n^Ep u. s. w. endigen, herstellen wollte, so dass wir 
hier zwei interpolationen hätten. Aus dem gleichen grund ist 
dann auch §. 23 ftrjT > uvtoI aznazEiGEOüs auszuschliessen , da9 
dem einschiebsei in §.21 entsprechen sollte. Auch an iazl zovto 
8fjXot> nach oaqäg nimmt Meutzner mit grund anstoss. Ib. §. 63 
ist nach vorausgegangenem wp alv dnEözinricOE cticotoj in der 
that noacov urzEGze'QyodE kaum zu halten, und übereinstimmend 
mit "Westermann streicht Meutzner xatrjyoget als randbemerkung 
zu xQi'isi. Phil. III, §. 31: da diese rede schon 341 gehal- 
ten wurde (s. A. Schäfer Demosth. II, p. 438), Philipp aber 
erst 340 zur belagerung von Byzantion schritt, so folgt dass xal 

23* 



356 176. Demostbenes. Nr. 7. 

vvv im Bv"Qavzlovg nogsvszai Gv^fxd^ovg ovzag ein späteres ein- 
schiebsel ist; dazu fügt Meutzner noch den rhetorischen grund, 
dass dieser satztheil mit y.al vvv beginnt, wäbrend in Überein- 
stimmung mit den umgebenden satztbeilen ovy\ vvv als frage 
verlangt wird. Und Chers. §.66, welche rede noch vor der III. 
philippischen gebalten wurde, erscheint in den worten xal vvv 
im Bv^citziov naQiövTog der gleiche cbronologiscbe Verstoss. Den 
angezweifelten ausdruck äzi^og Pbil. III, 42 rechtfertigt Meutz- 
ner; dass aber aal uzC^iovg am ende des §. 43 und der ganze 
§. 44 sehr verdächtig ist, muss man zugeben, obwobl Harpokra- 
tion denselben unter dzt[xog fast wörtlich anführt , so dass das 
einscbiebsel schon im vierten Jahrhundert im text gewesen wäre. 
Ib. §. 52 streicht Meutzner q>vasi } das schwerlich haltbar ist. Ich 
vermutbete dafür 8/jnov. Sehr gegründet muss man auch den 
verdacht finden, den Meutzner §. 66 dovXevovaC ye [xaazii'ovfis- 
voi xal acpuTTo/Asvoi (andere lesart azQsßlovuevoi) erhebt. 

Dagegen wird man bedenken tragen mit Meutzner Ol. I, 
§. 12 "OXvv&ov ixsivog y.azaozQ8\pszai zu streichen, weil dieses 
nur den inhalt ei nQotjcö/xE&a xal zovzovg zovg uv&gcanovg wie- 
derhole, so dass die apodosis mit sha anfangend laute: £tr' 
"0)vr&ov txeivog xazaazQsxpszat. Aber er irrt, wenn er meint 
nach conditionalem Vordersatz führe üza stets die apodosis ein. 
Gerade in dem von ihm angezogenen beispiel or. 45, §. 86 d 
cxi-'ipaizo TlQog saviov sxaozog vfiäv zCv' o'ixoi y-azilimv oixeztji'j 
fi?9' vno rovzov nsnovßö&' 1 savzov &st'i] zaid' änsg tjfiscg vno 
TovtoV) führt üza nur das zweite glied der protasis ein. Denn 
die apodosis ging voraus: das übermass unserer beeinträchtigung 
könnte einer so erkennen, wenn er 1. betrachtete, 2. alsdann 
annähme. Gerade so beginnt auch Ol. I, §. 12 mit tha das 
zweite glied der hypothesis: wenn wir auch diese leute zurück- 
geben, folglich er Olynth unterjochen wird. Ol. I, §. 15 av inl 
nollep yuvööuev streicht Meutzner. Es ist aber nur mit Dobree 
av zu tilgen und zu erklären wie Sauppe uud Westermann. — 
§. 19 vi ovv av tig e't'noi av ygaysigi zavz' el-rai ozQazicozixa ; 
so will Meutzner interpungiren. Aber die gewöhnliche inter- 
punction, womit erstaunen ausgedrückt wird über die derbkeit, 
ist passender. — Ol. II, §. 14 näliv av nqog Ilor(8uiav '0\v%- 
üioig icpdrt] ti zovzo avvaficfözsQor. Allerdings will Meutzner 
mit recht 'OlvvOloig nicht von itpdnj abhängen lassen, aber 



Nr. 7. 176. Demosthenes. 357 

darum ist Icpüvi] — - avvu/xqiozsQov nicht auszustossen und eben- 
falls nicht das folgende sßoijüt]asv. Als dativ zu iqxxvq ist im 
allgemeinen zu denken „den betrachtenden" und 'OXvv&ioig hängt 
ab von dem aus vnrjQ^sv zu denkenden vnäg^aaa. — Phil. I, 
§. 2 st ii nd&oi nai rä i^g iv^qg rjfiiv [ifidg^aij, tjnso dsl ße'%- 
riop ?] 7](j,8ig rjftäv avzäv sni^sXovfis&a 3 aai "iovt 1 s^sgydcsairo. 
Schon längst ist von Sauppe vndg\ai ausgeschieden worden, 
aber mit unrecht will Meutzner auch tj/xh ausstossen. An der 
Stellung ist nicht anstoss zu nehmen, da der begriff „zu unsern 
gunsten" hervortreten soll. — Phil. III, §. 63 f. stösst sich 
Meutzner daran, dass , nachdem in drei gliedern zuerst die ge- 
danken und rathscbläge der patrioten und dann ebenfalls drei- 
mal mit ol 8 s die anhänger Philipps und Volksschmeichler mit 
ihren entgegengesetzten rathschlägen gezeichnet worden , dann 
§. 64 nach einem kurzen Zwischensatz auf einmal mit ol fisp 
§Cp' oig %agiovt'7ui ravt 11 slsyov , ol 8' e| mv sfisllov aco&tj' 
6E6&ai, diese Stellung umgekehrt wird. Er will daher diese 
worte ausschliessen mit der bemerkung : debebant profecto rursus 
ol f*sv dici qui sdlutaria suadebant, ol 8s autem, qui Philippi 
causa cuperent. Allein eben nach dem Zwischensatz dient die 
umgekehrte Stellung der gegensätze dazu, das unselige verfall- 
ren der philippisch gesinnten, die darum jetzt an die spitze ge- 
stellt werden, hervorzuheben. Und warum das geschwätzig und 
minus dilueide, minus eleganter, minus graviter gesagt sein soll, 
ist nicht einzusehen. 

Gegelegentlich wendet sich Meutzner auch zu andern Schrift- 
stellern. Cic. ad Att. IX, 18, §. 2 wo cod. Med. das verzwei- 
felte: quae , ut tu soles dicere, ve'y.via! In qua erat ero sceleri ! 
giebt, emendirt er treffend quae ut tu soles dicere, vsxvial quae 
vero sceleral nämlich scelera wie bei Terenz für Tiominea soelerati. 
Die worte hoc fuerat extremum } wo erat oder fuit zu erwarten 
wäre, erklärt er für eine glosse zu xa.Tay.'kzig. §. 3 interpun- 
girt er : Vidisti igitur virum, ut scripseras ; ingemuisti certe. Cedo 
reliqua. Auch nimmt er mit Baiter des Bosius XaXuysvaav an. 
Liv. III , c. 52 scituros quam sua non anstatt sciturosque si ne. 
sehr ansprechend. — Wenn man Lycurg. Leoer. §.17 äepo- 
QÖiv erklärt „mit bewegtem gemüthe darauf hinblickend", so 
wird man wohl mit Meutzner das folgende xai ngo8i8ovg sepo- 
ßrj&i] ausschliessen. Ebenso wenn er §. 73 sarijüav und §. 142 



358 176. 177. Demosthenes. Nr. 7. 

Irinas mit Dobree und Baiter streicht. Dagegen ist nicht bei- 
zustimmen, wenn er §. 148 in 'intira tovtov zig anoxptjqisizai 
das indefinite ti^ in das interrogative verwandelt, dann statt zo- 
aovzov schreibt tlg outcog und endlich nQoaiQv t G£zai streicht. — 
Soph. El. 21 ist zwar eine heilung für ifisv noch nicht ge- 
funden, aber darum sind doch vv. 20 und 21 noch nicht aus- 
zustossen. Vielleicht genügt oag ivrav&a reo. Ingeniös ist v. 
1191 sein znig zov noO' \ ev tovz' 1 statt to'ig zov\ noOsv tovz* 
wo noOev unklar ist; ev mit beziehung auf navqa v. 1188 und 
wieder auf aha v. 1192. Die vv. 1222 f. theilt Meutzner con- 
form mit den vorhergehenden so unter die personen HA. r\ 
yuQ av xeivog; OP. r?'jv8e ngoößXsipaoä (iov HA. acpQujida net- 
iQÖg] OP. exfta&' ) et aaeptj "kiyco. Gewiss ansprechend, nur 
dürfte statt fiov vielleicht poi geschrieben werden. V. 1127 
oo v a an 1 zXnl8co%\ | ov% cbrnsQ i<-ene[*nov, £iae8E^dfi7]r, Da die 
annähme einer attraction statt des zu erwartenden atansg in 
b)i>7i£Q bedenklich ist, so vermuthete ich oior, Meutzner aber 
ovneoj was wie Hermann sagt, sich auch im cod. Harl. und in den 
römischen scholien findet. — Auch aus Tacitus behandelt Meutz- 
ner einige stellen. Hist. I, 31 schreibt er wie Orelli und He- 
raus , ausgenommen dass er das von Freinsheim eingesetzte 
quam, vor quod postea creditum est wie Walther als nnnütz zu- 
rückweist, denn das vorausgegangene magis bedarf hier kein 
quam. C. 58 interpungirt er ohicitur centurio: Crispinus sanguine 
Capitonis cruentaverat, mit auslassung des vor cruentaverat einge- 
setzten se, wie jpolluere ohne se Hist. H, c. 56. Eben so stösst 
er c. 74 alios nach rursus aus und behauptet, dass c. 77 nach 
distractis nichts ausgefallen sei. C. 79 verwandelt er das lä- 
stige aut nach dispersi annehmlich in ante. — Endlich verthei- 
digt er überzeugend Verg. Georg. II v. 290 ff. die herkömm- 
liche Ordnung gegen Ladewigs Umstellungen. So reich an 
beachtenswertem und nützlichem ist diese kleine schrift. 

R. Rauchenstein. 

177. ArnoldiHug commentatio de pseudodemosthenica 
oratione adversus Zenothemin. Turici. 1871. — 24 pagg. 4. 

Der Verfasser dr. A. Hug unterzieht in dieser akademischen 
abhandlung die rede gegen Zenothemis (unter den Demostheni- 
6chen die 32ste) einer gründlichen Untersuchung. Sie ist in neuerer 



Nr. 7. 177. Demostbenes. 359 

zeit von J. Herrman „die paragraphischen reden des Denio- 
sthenes", von Arnold Schäfer Deinosth. bd. III, 2, p. 292 ff., 
von Pbilippi Jabrbb. für pbilol. 95, p. 577 ff. mit vollem recht 
dem Demostbenes abgesprochen werden. Die beiden letztgenann- 
ten gelehrten schreiben sie dem Demon zu, einem nahen ver- 
wandten des Demostbenes. Dieser Demon aber , der als Spre- 
cher der rede fingirt wird, kann keine unbedeutende person 
gewesen sein , da auf seinen antrag Demostbenes aus der Ver- 
bannung zurückberufen wurde (Plutarcb. V. Dem. 27). Nun 
aber würde sich Demon nach seiner eigenen rede als einen mann 
von wenigstens sehr zweideutigem charakter zeigen (s. Schäfer 
III, 2, p. 295) , und Hug sagt p. 22 mit recht : meras autem 
calumnias esse quae ZenothemicU obiciuntur, comprobatur et multa- 
rum verum quae narrantur incredibilitate et omnium testimoniorum 
et documentorum absentia. Die Verwickelung von betrügereien ; 
die behauptung von thatsachen ohne beweise, von prellereien 
in schuldsachen , wofür doch keine Urkunden beigebracht wer- 
den, die Unklarheit in manchen punkten des thatbestandes, end- 
lich auch die hie und da vorkommenden Seltsamkeiten des aus- 
drucks, die Hug p, 21 f. aufzählt, alles dieses, was im einzel- 
nen nachzuweisen zu weitläufig wäre, spricht für Hugs gesammt« 
urtbeil , es sei eine rede , „quam finxerit homo rerum iudicialium 
et mercatoriarum non satis peritus , qui quum in initio non ülepide 
quaedam aut ex aliis veris litibus deprompsisset aut invenisset ipse, 
quo longius progrederetur eo maioribus impediretur difficultatibus, 
Ipse autem falsarius üle ignorantiam suam atque rerum iudicialium 
imperitiam metuens ne proderet obvolvebat incredibili turba syngra~ 
pharum litium personarum : hoc enim fuco facto speciem quandam 
doctrinae et veritatis se opusculo suo daturum sperabat. Bekannt- 
lich wurden viele solcher Schriftstücke unter dem namen bedeu- 
tender autoren gefälscht , um sie an die pergamenischen oder 
alexandrinischen bibliotheken zu verkaufen, und Hugs aus §. 31 
und 32 geschöpfte vermuthung ist wahrscheinlich , der falscher 
wollte, dass es als eine von Demostbenes für seinen vetter De- 
mon verfasste rede erscheine. Dafür spricht die art, wie §. 31 
Demostbenes erwähnt wird, und der umstand, dass er vom vet- 
ter um beistandschaft im process angesprochen sehr bedauert, 
es wegen seiner beschäftigung mit Staatsangelegenheiten nicht 
zu können, mit welcher ablehnung der falscher vielleicht ge- 



360 178. Griechische grammatik. Nr. 7. 

rade auf Demosthenes als Verfasser hinweisen wollte. — Den 
verstümmelten schluss §. 32 möchte ich etwa so ergänzen: 
ä\la xal 77Jg nolttsi'ag avrijg [t'rsxa] Totavra ^gärieiv] i&GTTjxa, 
wo Toiavra privatprocesse wären. In der verdorbenen stelle 
§. 11 ix rovTcov ha — — nQsaßsvzijv ix ßovlijg ziva XafAßd- 
vofisv yvwQtfiov ovzwai ändert, Hug mit recht ovtmai in Tovrmt 
Statt des unerklärlichen ix ßovlrjg schreibe ich evßovlov, wo- 
bei der anstoss, den Hug nach vorausgegangenem Iva. an ziva 
nimmt, wegfällt, nach dem bekannten gebrauche des ng bei 
adjectiven wie &aoaaleog rig-. Statt la[xßdvofi£v dann, woran 
auch Hug dachte, ni[xnn[xev. Also : wir schicken (den Aristo- 
phon nach Kephalenien) als einen einigermassen umsichtigen 
abgeordneten, der mit diesem da (unserm gegner) bekannt ist. 

R. Rauchenstein. 

178. Index lectionum quae auspiciis regis augustissimi 
Guilelmi imperatoris Germanici in universitate literaria Fri- 
derica Guilelma per semestre hibernum a d. XVI m. octob. a. 
MDCCCLXXI usque ad d. XXIII martii a. MDCCCLXXII ha- 
bebuntur. 4. Berol. 

Die von M. Haupt gescbriebene zehn Seiten umfassende 
vorrede berührt zuerst im allgemeinen die alte sitte der gram- 
matiker für den Sprachunterricht gespräche in den zu erlernen- 
den sprachen für die schulen zu schreiben, erläutert selbige dann 
aus ein paar fällen der altdeutschen literatur und gelangt da- 
durch zur erwähnung der xa&ijfieQir^ GvvavaaTQoqti] des Dosi- 
theus, alles schritten, auf die in der zeit, wo sie entstanden, eben 
nicht viel gegeben ward, die aber einer spätem zeit vielfachen 
nutzen bringen können. Daher wird dann etwas näher die 
'Ofiilia GioXitGTixr] besprochen, welche zuerst Bonaventura Vul- 
canius, dann Beatus Ehenanus ohne quellenangabe haben dru- 
cken lassen: sie finde sich in dem cod. Bibl. Paris. Gr. n. 3049 
des saec. XVI unter dem titel: JIoXvÖEvxovg mnl xa&ijfAeQirijg 
ofiiXiag. Polucis de quotidiana loquutione: an Julius Pollux aber 
als Verfasser sei nicht zu denken, dagegen zu erinnern an eine 
notiz über einen cod. Bobiensis bei Eaph. Volaterranus Comment. 
urban. IV, p. 56 ed. lae: Über pcrsimüis Julio Polluci de vocabu- 
lis verum, sed hoc amplius: Latina Graecis vocabidis respondent : 
also lateinisch - griecbische gespräche. Aus der zahl solcher 



Nr. 7. 



178. Griechische grammatik. 



361 



— es giebt in den bibliotheken noch viel drgl. unedirtes — 
legt nun der vf. im folgenden eine probe vor: nunc, sagt er, ... 
colloquia proferimus ex codice CCCVI Mbliothecae scholae medicae 
quae in monte Pessidano est. is codex, qui olim Buliierii fuit, scri- 
ptus est saeculo nono in membranis quadratis , continet autem inde 
a p. 139a ea quae nunc edimus, tum a p. 1^6b vocabula per ge- 
nera verum disposita, denique a p. 213 a usque ad 222b vocabula 
literarum ordine digesta. Ea omnia alio tempore cum reliquis si~ 
milibus glossariis Graecis et latinis , quorum ingens est et partim 
incognita copia, emendata quantum fieri poterit et explieata eden- 
tur : nunc quendam tantum earum verum quasi gustum dare volui- 
mus. Wir können hier den wünsch nicht unterdrücken, dass 
die hier in aussieht gestellte ausgäbe der glossare recht bald er- 
scheinen möge, indem dadurch einem schon lange schmerzlich 
gefühlten mangel in unserer literatur abgeholfen würde : schon 
das bier mitgetheilte fragment kann, vergleicht man die noten 
dazu, darthun, dass bessern bänden die herausgäbe nicht anver- 
traut werden könnte. Wir lassen nun als probe den anfang folgen: 



'E0U)]VEVfXU7(t. 

I. Ensidij OQ(ä nollovg Ini- 

&vjxovi'7ag 
'EkXfjviatl diaXt'ysG&ui neu 

'PcofAa't'ari f/ijrs 
ev%SQ(ßg dvraa&ai 8iä rijvdvg- 

ytosiav xal 



Tnterpretamenta. 
Quoniam video multos cupientes 

Graece disputare et Latine ne- 

que 
facile posse propter difficulta- 

tem et 



5 TtoXvnlri&iav räv ^^«zcoj'j'multitudinem verborum, non pe- 



ov/. Eqisiauutjv 



perci 



jovro noir t aai Iva. lv zqig)v hoc facere ut in tribus libris 

ßißXiotg iofii]- I inter- 

vwfxaTixoTg nävra tu qf^aia pretatoriis omnia verba conscri- 



avyyouipojfiai. 
aoyofiat ygäcfEiv ano uXcpa 

mg cö. uyu&fj 
ivyn, ösoi ilsoi. '■ 
10 II. Ka&rjytjzd, %ctl<Qs. Intimi] 

&sXco xa\ 
Xtav taiövn$) xul 'Pcaptaiatl, 

igeorcö oe, 
mi'azaza, d(da%6v fis. 



bam. 
ineipio scribere ab alfa usque o. 

bona 
fortuna. dii propitii. 

Praeceptor, have. quoniam 

volo et 
valde cupio et Latine, rogo te, 

magister, doce me. 



362 



180. Griechische grammatik. 



Nr. 7. 



'Eyoj ttoujuco, iccp poi ngoa-l'Ego faciam si me adtendas. 

OXVS 
Und so vereinbaren sie sich denn und es beginnt nun ein ge. 
sprach, was die geschäfte des tags, die gewöhnlichen erlebnisse 
desselben durchgeht: als probe diene noch der fünfte abschnitt. 



V. 'EnidvjJiä (ut&efo duiXex- 

10V <&1Tl- 

ni)v E7Ti0v[iä> Xiav. 
"Ort &sXsig Qi'irojQ ehai (8i- 
xoXoyog, 

87]jA.t]}OQOg j GVvfiJOQog , VOfi.1- 

xog, voj.it- 
5 nög, vorwog, vorwog, naoa- 
v.Xr { ~ 
zog. 

VI. 'Eyvuofiiov eygaxpa. 
TCvog; 

Zqvhg KamrccXirov. 
'Ai'ayräOt. — [isydlcog si- 
nag. olqov tov 
10 GTscpavov. ov8n}g öoi avziXt'ysi 



Cupio discere sermonem Atti- 

cum, cupio valde. 

Quoniam vis orator esse (cau- 
sidicus, 
dicentarius, actor, iuris studiosus, 

iuris pe- 
ritus, iuris consultus, iuris pru- 

dens, advo- 
catus). 

Laudem scripsi. 

Cuius? 

Jovis Capitolini. 

Lege. — raagne dixisti. tolle 

coronam. nemo tibi contradicit. 



Und so geht es fort, jedoch oft namentlich im griechischen 
sehr verdorben; so ist z. 11 ein wort wie 8tuXiysa&ai nach 
Qcofial'arl ausgefallen, z. 13 hat der codex nQoay.rjg u. s. w. : 
das giebt dann dem vf. zu maucher gelehrten bemerkung an- 
lass, die von neuem seine umfassende belesenheit auch in dieser 
späten literatur glänzend bestätigt. 



179. Index scholarum in universitate litteraria Gryphis- 
waldensi per semestre hibernum anni MDCCCLXXI — LXXIE 
a die XV mensis octobris habendarum. Praemissae suntGuil- 
elmi Studemundi emendationes Plautinae. Gryphiswaldiae, 
typis J. G. Kunike. 1871. — 15 p. 4. 

Wie im vorigen jähre um diese zeit bietet uns Studemund 
wieder eine werthvolle gäbe aus seinen ambrosiauischen schä- 
tzen. Auch diese mittheilungen, eine art fortsetzung des be- 
kannten aufsatzes ,,plautinische und unplautinische wortformen" 
im Herrn. I, p, 281 ss., legen ein glänzendes zeugniss ab von 
der unermüdlichen Sorgfalt, mit der er den cod. Ambrosiauus 






Nr. 7. 179. Plautus. 363 

immer und immer wieder untersucht hat (von einem schon frü- 
her behandelten verse der Casina giebt er selbst p. 15 an, dass 
er sich bei einem neuen auf enthalte in Mailand um die vorher 
nicht geglückte entzifferung des anfanges per sex vel septem ho- 
ras integras bemüht habe) , von der ausserordentlichen combina- 
tionsgabe, dem ungewöhnlichen Scharfsinne und der seltenen 
kenntniss der art des Plautus, die ihn in überraschender weise 
aus wort- und buchstabentrümmern das ursprüngliche ermitteln 
lassen. Die diesmaligen mittheilungen kommen im wesentlichen 
der Casina und Cistellaria zu gute. Für das erste stück wird 
p. 3 ss. Lysidamus als name des verliebten alten im Ambro- 
sianus gegen Geppert's Archidamus klar erwiesen. Irre ich 
nicht, so hat nach einer gelegentlichen notiz auch Kitschi diesen 
namen erkannt. Hinsichtlich der behennung des alten im Ve- 
tus, so wird er nach Studemund's nachweise gewöhnlich ein- 
fach als Senex bezeichnet : das bisher übliche Stalino findet sich 
nur in der Überschrift von sc. II, 3, in der von III, 3 steht 
von zweiter band Stalicio, von derselben band ist an acht stel- 
len als personenbezeichnung Stal beigeschrieben, von erster band 
rührt St als personenbezeichnung nur an drei stellen her. Wenn 
ausserdem II, 5, 89 tibi stalitio für titivilitio und V, 3, 16 stali- 
cio für sta ilico geschrieben steht , so ist es kaum anders mög- 
lich, als dass zwischen diesen corruptelen und jenen Überschrif- 
ten ein Zusammenhang besteht. Nach Studemund's ansieht sind 
die Überschriften erst aus diesen corruptelen hervorgegangen, in 
denen man den im texte nicht vorkommenden namen des alten 
zu erkennen glaubte. Bei dieser auffassung muss man die Über- 
einstimmung der verderbniss an beiden stellen für einen blossen 
zufall halten; doch wäre dieser zufall zu sonderbar, als dass 
nicht noch für die auch mögliche ansieht räum bliebe, dass um- 
gekehrt jene corruptelen durch Schlimmbesserung unter dem 
einflusse von scenenüberschriften entstanden sind und dass, wie 
auch Ritschi nach der andeutung Opusc. II, p. 464 anm. ur- 
theilt, auch in der Casina eine verschiedene namenbezeichnung 
in den beiden recensionen vorliegt wie im Stichus. In diesem 
wie in jenem falle ist mit Studemund Stalino als die jüngere, 
erst aus Stalicio weiter verderbte form anzusehen, und aus die- 
ser namensform gälte es, wenn die letztere ansieht die richti- 
gere wäre , den ursprünglichen namen zu ermitteln. P. 14 



364 179. Plautus. Nr. 7. 

■weist ferner verf. im anschlusse an die rectifizirung eines plau» 
tuscitates in den berner Lucanscholien (p. 124, 22 quid enim 
absorbui = MGI. 834 quia enim obsorbui) den bei Non. 305, 27 
unter dem namen der Asinaria atigeführten vers aus dem Am- 
brosianus als der schlussscene der Casina angehörig (vor V, 14 
einzuschalten) nach und giebt dann von dem schon Herrn. I, p. 
289 behandelten verse aus dem anfange dieser scene mit hülfe 
einiger inzwischen im Ambrosianus ermittelter buchstaben die 
sichere ergänzung: Perii, fusti defloccabit cett. Für die Cistella- 
ria wird zunächst p. 7 statt des üblichen , aber ganz schlecht 
bezeugten Silenium als richtiger name aus dem Ambrosianus 
und Vetus Selenium erwiesen, sodann p. 8 flg. von einem gleich- 
falls schon früher (a. a. o. p. 299) behandelten senare eine 
glänzende, durch die später ermittelten schriftzüge des Ambro- 
sianus bestätigte emendation (blande per precem für das früher 
vermuthete blanditer preces) mitgetheilt. Die folgenden mitthei- 
lungen haben neben ihrem speciellen interesse den grossen 
werth, dass sie über, die ursprüngliche gestalt des im Vetus be- 
kanntlich verstümmelten Stückes einiges licht verbreiten. So er- 
fahren wir p. 10, dass die scene, aus welcher der eben er- 
wähnte vers entnommen ist, das Zwiegespräch des Alcesimarchus 
mit einem freunde, der ihm schliesslich den rath giebt, die 
mutter seiner geliebten durch bitten zu besänftigen , einer vor 
dem mit II, 16 beginnenden scenenbruchstücke ausgefallenen 
partie angehört, und dass in dieser scene, wie aus weiteren 
bruchstücken des Ambrosianus hervorgehe, Alcesimarchus diesen 
rath befolgt. Der ungefähre Zusammenhang , in dem die verse 
II, 1, 16 ss. standen, wird p. 11 ss. mit hülfe einiger neuen 
bruchstücke des Ambrosianus klar gemacht. Von ganz beson- 
derem interesse ist ein aus verschiedenen worttrümmern auf's 
überzeugendste hergestellter vers fSi?nil[est] iusiurandum am[an~ 
tum] qua\si i]us \c~\on\f\usicium) mit dem neuen worte confusicius; 
der ausdruck ius confusicium wird p. 12 einleuchtend erklärt. 
Bemerkt hätte wohl zu v. 25 werden dürfen, dass das aus dem 
Ambrosianus ermittelte Alibi quaere (V: Abi querere) bereits 
Bentley z. Ter. Andr. IV, 3, 13 gefunden hat, mit dessen wei- 
terer constituirung des verses auch die von Studemund überein- 
stimmt. Ebenfalls voraus ging dieser scene, und zwar ein gutes 
stück (aliquanto praecessit sagt verf.), ein gespräch des vaters des 



Nr. 7. 180. Curtius. 365 

Alcesimarchus mit Gymnasium, der freundin der Selenium, aus 
dem p. 13 eine reibe von versen mitgetheilt werden. Auch 
bei dieser gelegenbeit stellt Stuclemund neben anderen glänzen- 
den proben seines Scharfsinnes mit grosser Wahrscheinlichkeit 
ein neues wort exconcinnare her. Wer eine ausckauung von den 
leistungen Studemund's gewinnen will, der vergleiche diese vers- 
reihen mit den dagegen wahrhaft kläglichen bruchstücken, wie 
sie Mai vor ungefähr 55 jähren, also zu einer zeit, wo sich die 
handschrift in unvergleichlich besserem zustande befand, ermittelt 
hat. Ehe wir mit dem besten danke für die gewonnene berei- 
cherung von der werthvollen arbeit scheiden, sei noch eine 
kurze bemerkung über einen dieser verse verstattet. In den 
Worten : suspiciost eam esse , TJt pöstquam numquam viderim , de 
opinione credo, fällt sowohl pöstquam selbst wie die construction 
mit dem coniunctiv auf; sollte nicht zu schreiben sein: TJt pöte 
quam numquam viderimf 

180. Curtius als schullectüre. Eine skizze von Dr Eduard 
Kräh. 4. Progr. x ) Insterburg. 1870. — 30 pp. 

Der Verfasser hat sich in anbetracht dessen, dass es noch 
keine schrift giebt , welche das verhältniss der ausdrucksweise 
des Curtius zur übrigen latinität erörtert , in der vorliegenden 
abhandlung die anerkennenswerthe aufgäbe gestellt, zunächst 
die frage zu lösen, wie sich die ausdrucksweise des Curtius zu 
der des Livius verhält, und dadurch etwas zur rettung dieses 
so oft geschmähten Schriftstellers beizutragen. Wie weit ihm 
dies gelungen ist, ausführlich zu zeigen, dürfte hier nicht mög- 
lich sein; es möge genügen zur empfehlung der schrift darauf 
hinzuweisen, dass man aus ihr das resultat gewinnt, es stehe 
Curtius in grammatischer hinsieht den classikern näher , als Li- 
vius, und es habe die ihm zugeschriebene nachahmung des Li- 
vius nur im beschränkten masse stattgefunden: ein resultat, 
welches etwa die mitte hält zwischen der unbedingten anerken- 
nung, deren sich Curtius bei Bernhardy (4. aufl. der literatur- 
gesch.) und Zumpt zu erfreuen hat , welche seine spräche für 
vollkommen der classischen zeit würdig halten , und zwischen 
der mehr die stilistische, als grammatische seite berücksichtigen- 
den von Foss (Curtii oratio) aeque remota illa a laeta ubertate Cice- 

1) S. ob. n. 4, p. 172: wir geben noch diese zweite von einem 
praktischen schulmanne geschriebene anzeige. [Die redaction]. 



366 180. Curtius. Nr. 7. 

ronis atgue ab austera Taciti hrevitate) und der von Eussner (Gur- 
tii sermo elegans et iucundus). So, meint denn auch der Verfas- 
ser, stehe von seiten der spräche nichts entgegen, Curtius als 
schullectüre zu empfehlen , und noch weniger von seiten des 
inhalts, da indecente Sachen mit der schamhaftigkeit eines Vergil 
erzählt würden und er an geographischen und historischen irr- 
thümern nicht reicher sei , als Nepos , Livius , Xenophon (die 
Anabasis ausgenommen) und Plutarch. Besonders eigne er sich 
zur privatlectüre für secunda. Mit dieser kurzen erörterung 
berührt der verf. das pädagogische gebiet und weist den Cur- 
tius der privatlectüre zu. Gewiss ist dies der beste ausweg, 
da Curtius für tertia zur classenlectüre zu schwer ist und in 
secunda neben Cicero , Livius , Sallust , kaum noch ein vierter 
schriftsteiler sich in den schulplan einreihen lässt. Nägelsbach 
war der ansieht, dass es am besten sei , wenn der schüler den 
ganzen zweiten punischen krieg bei Livius lesen könnte (lib. 
21—30), und legte damit den schwerpunet der leetüre auf Li- 
vius. Und damit hat er doch wohl recht, da der stoff, den Li- 
vius behandelt, bei weitem wichtiger in seinen einzelnheiten ist, 
als der zug des Alexander, dessen resultat wir anstaunen, über 
dessen einzelne partieen wir aber unbeschadet der Sache leich- 
ter hinweggehen können, gerade wie es wichtiger ist, den Cha- 
rakter des römischen Volkes in seinen einzelnen äusserungen 
kennen zu lernen , als den des persischen oder persönlich des 
Alexander. Kann man nun auch Naegelsbach's wünsch nicht 
ganz erfüllen, so empfiehlt es sich doch, den schüler bei seinem 
eintritt in die secunda in Livius einzuführen ein halb oder ein 
Vierteljahr lang, je nachdem es üblich ist, und dann während 
der übrigen zeit des Jahres ihn mindestens in wöchentlich ei- 
ner stunde den schillern fortwährend vor äugen zu führen , so 
dass die übrige zeit mit Sallust und Cicero vollständig ausge- 
füllt ist. Zur privatlectüre ist Curtius aber gewiss fähigen Schü- 
lern zu empfehlen , die andern werden bei einem geordneten 
Unterricht kaum zeit haben. Denn so anregend auch immer 
Seyffert's „Privatstudium" gewirkt hat: es wird doch vor über- 
bürdung des Schülers und dadurch bedingter flüchtigkeit ge- 
warnt werden müssen. — Doch um auch etwas von der 
grammatischen seite zu berichten, so geht der Verfasser in sei- 
ner darstellung (p. 5 — 30) nach den paragraphen der Zumpt'- 






Nr. 7. 180. Curtlus. 367 

sclicn gramrnatik, und giebt jedesmal an, in wie weit der Sprach- 
gebrauch des Curtius damit übereinstimmt oder abweicht, und 
zwar bis §. 292; „die lehre von den präpositionen, conjunetio- 
nen nebst der ganzen Syntax" will er später folgen lassen: ein 
vorsatz, den wir ihn nur bitten können , recht bald auszufüh- 
ren. So bespricht er denn bei der declination die Orthographie 
vieler Wörter und deren endungen, wie über or, os; am, an, em, 
en; um, orum; is, iis ; vocativ e in der dritten declination; on, um, 
a; nomiuativ o, on; nom. es is; genetiv i, is; im, in; i, e; um, 
ium ; aecusativ ig, es; u nur einmal für ui; geht dann über zu 
infitias eo, sponte ; milia, sexdecim, primum primo; alius reliqiius; 
veroa frequentativa und intensiva u. s. f. ; und hebt ausserdem 
hervor, dass bei Curtius nur venire das passiv zu vendo ist, 
während andere spätlateiner vendi bilden, Livius auch venum eo 
hat; dass coniunx niemals masc. = der gemahl ist, dass die livia- 
nischen formen airf (auch Cic. Ep. ad Att. VI, 1, 17), satirf viden 1 ; 
der genetiv e wie die, die nebenformen seneeta zu senectus , ple- 
bes zu plebs und die andern zu vespera contagium laeulus clipeus 
elephantus delphin sich bei Curtius nicht finden, dass formen wie 
senati passum bei ihm unerhört sind, dass er nur cratera (acht lateini- 
sche form, Cic. Verr. IV, 52, 131) hat, xmdßnisnuv als masculinum, 
während Livius es öfter femininisch anwendet. Weiter wird aus- 
geführt, dass livianisch nimium nimis nimio plus sich nicht bei ihm 
finden, dass plures (p. 14) im sinne von complures ohne compa- 
rativische bedeutung, wie es Livius sehr häufig habe , bei ihm 
nicht angewendet wird; ebenso nicht quanta maxime celeritate für 
quanta maxima; nicht qui als ablativ ; nicht die alterthümlichen 
formen hisce homi7ies, liaec voces, is statt iis, idem als nom. plur. 5 
isdem als abl. pluralis ; wohl aber quis als ablativ, doch nicht 
quTsque und aliaiijs als ablativ ; und dgl. mehr ; dass Curtius in 
manchen fällen vorsichtiger ist als Livius , wie er nur einmal 
9, 4, 20 vulgus als masculinum braucht, das Livius öfter so 
construirt; cervix, das Livius im eigentlichen sinne fast nur im 
singular hat, im singular und im plural , und ceterus im Singu- 
lar nur in den formen cetero ceterum. So werden eine menge 
einzelnheiten sorgfältig erörtert und mit vergleichung der texte 
zon Zumpt, Mützell, Foss, Hedicke endgültig festgestellt. Nur 
einige wenige bemerkungen möchten wir anknüpfen. Auf p. 
14 sagt der vf., dass longc) wie schon Allgayer erwähne, ein- 



368 180. Curtius. Nr. 7. 

mal auch beim comparativ, und zwar bei praestantior, sieb, finde. 
Abgesehen davon, dass es mit den positiven behauptungen des 
einmal und zweimal u.s.w. eine eigne sache ist, da man sich gar 
zu leicht verzählt , ist es hier wichtig , dass Allgayer im Anti- 
barb. 4. aufl. eine stelle aus Curtius für diesen gebrauch citirt: 
10, 3, 10, aber da sind diese worte nicht zu finden; und das lexi- 
con von Klotz - Hudemann giebt weder unter longe, noch unter 
praestans aufschluss darüber. Hingegen findet sich longe prae- 
stantior bei Vell. Paterc. H, 6 in. (eine stelle die auch Allgayer 
hat) und aus Curtius habe ich mir notirt : 3, 4, (9) 4 sed longe 
utilius fuit, ohne damit behaupten zu wollen, dass longe sonst 
nicht bei Curtius mit dem comparativ verbunden würde. In 
der anm. 72 sagt der vf. : „bei Livius zweimal", aber schon 
Allgayer fügt eine dritte stelle hinzu: 40, 6, 7 dars ea guae 
sub Demetrio erat longe superior fuit. Kübnast (Liv. syntax 
1871) hat diese sache nicht berührt. — Ferner meint der vf., 
dass der gebrauch von milia im distributivem sinne bei Curtius 
durch die von Zumpt angeführte stelle: singulis vostrum milia 
denarium dari iussit, gesichert sei. Wir möchten diese stelle 
nicht für beweisend halten , da milia hier durch singidi hinläng- 
lich erläutert wird, uns es ja überhaupt erlaubt ist, dass wenn 
eins der worte singuli, uterque oder unusquisque zu den betreffen- 
den Substantiven hinzugesetzt ist, man die ihnen beigelegten 
dinge ausser durch die distributivzahl auch durch die grund- 
zahl ausdrücken kann, wie bei Cic. Verr. II, 55, 187 palam 
(licebat enim videlicet legibus) singulis censoribus denarii trecenti ad 
statuam praetoris imperati sunt. So schon Ferd. Schultz Gr. 
579. — Auf p. 16 wird bei besprechung von Curt. V, 5, 
10 ii qui modo . . erubwimus auf die griechische construetion 
hingewiesen, wie sie Kühnast (Prgr. Marienwerder. 1868, p. 1) 
aus Eur. Hec. 1196 ngog tövSs 8' tlpi og $%<,> citirt: wir möch- 
ten fragen, ob sie sich nicht leichter als weitere entwicklung 
des classischen gebrauchs , der nos hinzusetzt, ansehen lässt. 
Denn wenn Cic. Tusc. 1, 41, 98 sagt: ne vos qaidem, iudices 
ii qui me absolvistis, mortem timueritis, so ist davon zu ne ii qui- 
dem qui me absolvistis kein allzuweiter schritt. — P. 21 wird 
die Verbindung von coepit mit dem infiu. passivi besprochen und 
beispiele ans Curtius und Livius, aber ohne buch und capitel 
zu nennen, beigebracht. Die stellen bei Livius führt Wölfflin 



Nr. 7. 181. Curtius. 369 

Livian. kritik. 1864, p. 21 an und bestimmt ihre zahl auf fünf. 
Es scheint aber als müsste man einen unterschied unter den 
citirten stellen machen, indem bei Livius 2, 29, 6 ordine con- 
suli coepit der passive infinitiv mit unbestimmtem subject steht; 
22, 4, 4 pandi agmen coepit auch medial gedacht werden kann, 
tind nur in den drei andern, denen sich 2, 21, 6 iniuriae a 
prirnorilus fieri coepere hinzugesellt (auch bei Wölflin), bestimmte 
subjecte angegeben sind, 24, 19, 6 Casilinum oppugnari coepit; 
35, 35, 10 educi . . coepere; 37, 12, 12 iactari coeperunt. Die 
stellen, die Wölffliu aus Sallust anführt, haben aber alle persön- 
liche construction : wie Cat. 51, 40 alia fieri coepere; Jug. 92, 
1. Marius . . haberi coepit , denen sich Cat. 12, 1. innocentia 
pro malevolentia duci coepit hinzufügen lässt, und ebenso die von 
Kräh aus Curtius beigebrachten. Es scheint danach Livius hier 
den freieren Sprachgebrauch sich angeeignet zu haben. — P. 
24 wird zwar richtig hervorgehoben, dass omnino ,, alles in al- 
lem gerechnet, alles zusammengenommen, im ganzen" bedeute, 
daraus aber der schluss gezogen: „daher zuweilen 'nur', vor- 
zugsweise bei kleineren zahlen" : und unter den beispielen an- 
geführt : semel omnino eam viderat. Es scheint aber kein grund da, 
warum hier omnino seine bedeutung aufgeben soll , und man 
nicht vielmehr übersetzen kann : im ganzen nur „einmal", so 
dass omnino seine bedeutung behält und „nur" zu der zahl, wie 
es ja so oft vorkommt, ergänzt wird. Omnino bei zahlen anzu- 
wenden, ist übrigens classischer brauch , wie bei Caes. b. g. 5, 
18, 1 uno omnino loco, b. c. 1, 23, 5 septem omnino dies = über- 
haupt sieben tage. — Endlich wird p. 28 gesagt: „ut fit, ut fere 
fit hat Curtius, wie Livius, einmal auch ut fere (vetera quogue 
omina, ut fere, sollicitudo revocaverat) 1 '. Hier ist richtig dass Li- 
vius diese formein gebraucht, wie ut fit 1, 1, 7; 3, 26, 4; 6, 
3, 5; 6, 21, 7; 9, 22, 7 c. Weissenborn; 22, 57, 4. c. n. 
Fabri, und zwar meist, wie Weissenborn zu 6, 3, 5 bemerkt, 
in der Stellung zwischen zwei zusammengehörenden begriffen; 
aber bei Curtius scheint es nicht so häufig zu sein. Vogel 
(ed. Teubn. 1870) will an obiger stelle 3, 3, 6 fit nach ut 
fere einschieben , und sagt in der anm. : Curtius habe noch 
zweimal ut fere fit, und einmal quod fere fit; im kritischen an~ 
hang: ,, Curtius setze zu blossen adjectiven , wenn nicht wie 
5, 9, 14 das verbum des hauptsatzes zu ergänzen sei, durch- 
Philol. Anz. in. 24 



370 181. Komische antiquitäten. Nr. 7. 

weg das vollere sicut". Er führt freilich ein sicut fere nicht an. 
Ob er recht gezählt hat, weiss ich nicht; nach meinen aufzeich - 
nungen steht ut fere fit allerdings 8, 2 (10), 34 ; und 8, 10 
(36), 16; und quod fere fit 8, 14 (49), 20; aber dieselben stel- 
len bieten auch schon Klotz - Hudemann im lexicon. Uebrigens 
wird über ut fere in den Jahrb. für philol. und paedagog. 1852. 
p. 27 gehandelt. Nur so viel scheint festzustehen, dass sehr 
häufig diese formein bei Curtius nicht sind. Bei Caesar findet 
sich quod fere fit, ut, in b. c. 1, 44; bei Cicero ut fit pro Mil. 
9, 24; 10, 28; pro Eosc. Am. 8, 23; 32, 91; ut fit plerumque 
Lael. 14, 53; bei Livius aber noch quod ferme fit ut 21, 61, 
2; ut evenit fere 9, 13, 7; ut plerumquefit 21, 4, 1, und dgl. mehr. 
Zum schluss wollen wir nun noch die bitte aussprechen, 
dass es dem verf. gefallen möchte, im zweiten theile seiner ab- 
handlung den mannigfachen citaten doch buch und capitel bei- 
zusetzen, in dem sie zu finden sind, und doch nicht verlangen 
zu wollen , dass alle seine leser eben so bewandert im Curtius 
sein sollen, als er selber ist. (A.) 

181. Les antiquit^s romaines envisagees au point de vue 
des institutions politiques. Par P. Willems. Louvain, 1870. 

Der Verfasser, professor an der Universität Löwen, veröffent- 
licht hier einen grundriss für seine Vorlesungen über das, was man in 
Deutschland als äussere rechtsgeschichte zu bezeichnen pflegt. Er 
beabsichtigt damit, das an französischen Universitäten wenig ge- 
pflegte Studium der römischen alterthümer zu erleichtern, indem 
er auf grundlage der deutschen forschungen über dieses gebiet 
eine möglichst leicht zu übersehende darstellung des Systems 
der römischen Staatsverfassung gibt. Da die Schrift vorzugs- 
weise für angehende Juristen bestimmt ist, so werden diejenigen 
partieen des öffentlichen rechts, die mit dem privatrecht zusam- 
menhängen , insbesondere das personenrecht , ausführlicher be- 
handelt, so weit bei der sehr summarischen darstellung von aus- 
fühilichkeit die rede sein kann. Der verf. zeigt sich wohl ver- 
traut mit dem stände der deutschen bebandlung seines gegen- 
stände, stellt sich ganz auf ihren Standpunkt und begnügt sich, 
zwischen den verschiedenen in ihr vertretenen richtungen mit ei- 
niger Selbständigkeit zu wählen. Vorzugsweise folgt er Becker- 
Marquardt und Lange» So hat dieses buch für deutsche leser 



Nr. 7. 181. 182. Komische antiquitäten. 371 

höchstens den werth, die eintheilung des Stoffs und das geschick 
zu beachten, mit dem die wesentlichsten punkte kurz und über- 
sichtlich dargestellt sind. Passend ist es , dass namentlich auf 
die behältlichkeit und das verständniss der technischen aus- 
drücke werth gelegt ist. 

182. H. Th. Plüss, die entwicklung der centurienver- 
fassung in den beiden letzten Jahrhunderten der römischen re- 
publik. 8. Leipzig. Teubner. 1870. — 20 gr. 

Die geschiente der centuriatcomitien theilt sich nach der ge- 
wöhnlichen ansieht in zwei perioden, die der servianischen einrich- 
tung und die der sogenannten reformirten, für welch letztere als all- 
gemeinstes motiv das bedürfniss bezeichnet werden kann, die tribus- 
und centurienversammlung in eine innere einheit zu bringen, indem 
man die centurien ebenfalls auf die grundlage der localen tribusein- 
theilung zu stellen, d. h. die tribus in centurien als kleinste Stimm- 
körper theilte. Die so reformirte Verfassung soll denn bis zum 
aufhören der centuriatcomitien bestanden haben , nur dass die 
sullanische restauration auf kurze zeit die servianische einrich- 
tung wieder zur geltung brachte. Im übrigen sind zeit, modus 
und politisches prineip dieser reform sehr controvers, theils we- 
gen der spärlichen und unbestimmten notizen , aus denen die 
reform construirt werden muss, theils wegen des wenig tiefgehenden 
einflusses, den dieselbe in der politischen geschichte Eoms geübt 
hat. Sie war offenbar mehr ein Symptom gewisser politischer 
zustände als ein hebel für eine neue entwicklung. Eben darum 
ist es auch für die erkenntniss der inneren zustände in der 
republikanischen periode von besonderem interesse, diese reform 
aufzuklären und aus ihr die Stellung der politischen parteien 
und den charakter der damals herrschenden politik zu entneh- 
men. Der Verfasser der vorliegenden monographie setzt mit 
der mehrzahl der forscher (Mommsen, Becker-Marquard , Lange 
und a.) die reform ins j. 241 v. Ch., steht aber andrerseits auf 
der entgegengesetzten Niebuhr - Puchta'schen seite mit seiner 
auffassung des modus (70 centurien, je eine ältere und jüngere 
in einer tribus mit wegfall der classen sowie der ritter - und 
handwerkercenturien statt 350 classencenturien, je fünf älteren 
und je fünf jüngeren in der tribus nebst rittern und handwer- 
kern) und des prineips, sofern er die herkömmliche ansieht von, 

24* 



372 182. Komische antiquitäten. Nr. 7. 

dem demokratischen Charakter der reform nicht theilt (p. 55). 
Ausserdem aber will er — und dies ist das wesentlichere da- 
bei — die zeit nach dem jähr 241 als eine wiederum durch 
mehrfache reformversuche bewegte nachweisen, so dass für die- 
selbe drei neue perioden sich ergeben, 1) von 241 bis 179, die 
der 70 tribuscenturien ohne ritter und handwerker ; 2) von 
179 bis 86, centuriatcomitien mit 70 alterscenturien als theilen 
von besondern 35 stimmtribus, die von den localen tribus ver- 
schieden sind , nur namen und rangfolge derselben haben und 
im übrigen constituirt sind aus der wohlhabenderen biirgerschaft 
(mit minimalcensus von 100000 assen) in 1 adelsclasse ohne cen- 
sus, 3 plebejische censusclassen von ansässigen, 1 plebejische classe 
von nichtansässigen und bürgern unfreier abkunft; 3) von 86 
bis zur kaiserzeit; in folge des eintritts sämmtlicker Italiker in 
das römische bürgerrecht werden die 70 alterscenturien als theile 
der 35 localtribus wieder eingerichtet auf grund eines minimal- 
census und mit gruppirung der stände und Vermögensstufen in- 
nerhalb der einzelnen tribus nach decurien, mit fünf bedeutungs- 
losen classen , sechs ritterstimmen und einer prärogativa. 

Schon aus dieser Übersicht ist zu entnehmen , dass der vf. 
den hebel seiner Untersuchung ansetzt bei der bedeutung der 
classen. Von 241 bis 169 werden classen und rittercentu- 
rien nicht erwähnt, in dem letztern jähr treten sie bei Liv. 43, 
16 mit einem male auf, folglich muss man den zeitpunct ihres 
auftauchens in der Zwischenzeit suchen (vgl. p. 32 und 36), 
und da bietet sich denn die schon von Nitzsch in ähnlicher 
weise verwendete stelle bei Liv. 40, 51 , wonach die censoren 
von 179 mutarunt suffragia rcgionatimque generibus hominum cau- 
sisque et qiiaestibus tribus descripserunt, eine stelle, die man sonst 
auf die regulirung des Stimmrechts der freigelassenen bezieht. 
Aus dem hier angeführten modus des describere tribus verbun- 
den mit der Unmöglichkeit, die jetzt gänzlich werthlos gewor- 
dene servianische classenordnung für diese zeit anzunehmen 
kommt Plüss auf die classen seiner zweiten periode, aus der 
combiuation der verschiedenen notizen, welche später über die 
classifizierung der bürger nach ccusussätzen vorkommen , auf 
die classen der dritten. Es war nun in der that einer Unter- 
suchung werth, ob nicht eine Weiterbildung der servianischen 
Verfassung darin zu suchen sei, dass die unterschiede des ver- 



Nr. 7. 182. Römische antiquitäten. 373 

mögens, wie sie bei den bürgerlichen leistungen und beim rich- 
teramt ins gewicht fielen , neben den standesunterschieden auf 
das Stimmrecht einfluss erhielten; aber dass dies wirklich der 
fall war, davon habe ich mich aus den ausftihrungen des verf, 
nicht überzeugen können. Es ist nicht zu erweisen, dass tribus 
und classen in der hier in frage kommenden zeit je anders ver- 
standen würden als von localen tribus und den servianischen 
censusclassen. Ferner, dass die classen von 241 bis 169 nicht 
ausdrücklich vorkommen , ist zufällig, indirect aber sind sie in 
den centurien erwähnt, welche, indem sie theile der tribus wer- 
den, ihre erste bedeutung, theile der classen zu sein, nicht auf- 
gegeben haben. Mit diesen hauptpuncten fallen aber die übri« 
gen aufstellungen und gewagten deutungen des vf. von selbst. 
Die beibehaltung der alten vermögensclassen erklärt sich — ab- 
gesehen von dem bedürfniss der aushebung, das nicht so ein- 
fach abgewiesen werden kann, wie es p. 58, anm. 2 geschieht, 
— hinlänglich aus dem umstand, dass man das einmal vornan» 
dene Schema der grundverfassung nicht aufgeben wollte: usur- 
patur idem ms vi ademta. Sonst hätte man wohl keinen an- 
stand genommen, die zweifache bürgerversammlung in einfacherer 
weise zur einheit zu bringen. 

Lässt sich so der Untersuchung des verf's mehr ein nega- 
tives interesse abgewinnen, so gesteht ref., der denselben gegen- 
ständ im Philologus bd. XXIV, 2, p. 312 ff. behandelt und 
deshalb mit besonderer theilnahme diese frage verfolgt hat, dass 
es ihm auch hinsichtlich der allgemeinen entwicklung der in- 
nern römischen politik nicht gelungen ist, aus dieser monogra- 
phie positive aufklärung zu gewinnen. Die reform von 241 
steht in bestimmter beziehung zur Veränderung des münzwer- 
thes, zum schluss der tribuszahl und zu dem bedürfniss, in ei- 
ner epoche, wie sie durch das ende des kriegs um Sicilien ge- 
geben war,, die Verfassung zu revidiren. Für 179 dagegen fehlt 
die bestimmtere geschichtliche motivirung für eine wesentliche 
änderung; im jähr 86 wäre eine solche in dem eintritt der Ita- 
liker ins bürgerrecht vorhanden gewesen , aber hier ist mir 
nicht recht klar geworden, was eigentlich nach der ansieht des 
vfs. die damaligen censoren mit der ihnen zugeschriebenen re- 
form wollten. Man wird überhaupt wohl darauf verzichten 
müssen, bei den leitenden Staatsmännern aus der zweiten hälfte 



374 183. Biographie. Nr. 7. 

der republik den willen und die fähigkeit zu finden, die Ver- 
fassung mit aufmerksamer beachtung der socialen Veränderun- 
gen weiterzubilden; man begnügte sich mit der leichteren poli- 
tik, solche gruppen von Wählern, die, wie die freigelassnen, 
durch ibre zabl und ihre rührigkeit von einfluss waren, je nach 
dem bedürfniss des augenblicks zum Stimmrecht zuzulassen oder 
abzuweisen. — Von einzelnbeiten, die eine besprechung ver- 
dienen, erwähnen wir nur folgendes. Der verf., davon ausge- 
hend, dass Cicero in der schrift de Legibus diejenige periode der 
römischen Verfassung ausführe , die er in den büchern de Repu- 
blica als die goldne zeit dargestellt, nämlich die zeit des Jün- 
gern Scipio, will die gesetzbestimmungen jener schrift, insbeson- 
dre die bestimmung über die censnr de Legg. 3, 3, 7 so ausle- 
gen, dass specielle verfassuugsbestimmungen der scipionischen 
zeit darin ausgesprochen wären. Allein dies ist nicht der Cha- 
rakter der ciceronischen Gesetze. Sie sollen nur die allgemein- 
sten grundlagen der römischen Staatsverfassung geben; wo spe- 
ciellere züge auftreten , sind sie mit beziehung auf persönliche 
erlebnisse Cicero's beigemischt und aus diesen zu erklären. Ins- 
besondere der ausdruck der angegebenen stelle : censores — po- 
puli partes in tribus discribunto, ist möglichst allgemein gewählt 
und ist ohne zweifei der von jeher übliche technische aus- 
druck für dieses geschäft. 

183. Carl Ritter. Ein lebensbild nach seinem handschrift- 
lichen nachlass dargestellt von G. Kr am er, director der Fran- 
ke'schen Stiftungen in Halle. Zweiter theil. 8. Halle. Waisen 
haus. 1870. — 2 thlr. 

Dieser band schliesst die biographie eines gelehrten ab, 
der wenn auch nicht philolog von fach, doch theils durch seine 
Schriften theils durch Vorlesungen, z. b. über Latium, für einzelne 
zweige der philologie von anregendstem und bedeutendstem 
einflusse gewesen, der auch, trotzdem dass seine grossartigen 
Studien ihn in ganz andre und entlegenere gebiete führten, 
doch immer während seines langen lebens, kam die gelegeuheit, 
sich gern und mit liebe dem classischen alterthum und seiner 
geschichte zuwaudte. Gleich das erste grössei'e werk C. Rit- 
ters, die Vorhalle, in diesem bände p. 151 besprochen — vrgl. 
bd. I, 1864 erschienen, p. 441 — hat wenn jetzt auch „anti- 



Nr. 7. 183. Eiographie. — Theses. 375 

quirt", auf die behandlung der alten gescbiehte eingewirkt, 
wie denn noch in den dreissiger jähren auf Universitäten kaum 
eine Vorlesung über alte geschickte und geographie gehalten ist, in 
der es nicht erwähnt worden wäre. Und eben so zeigen die rei- 
sebriefe aus Griechenland — bd. 11, p. 216 — , endlich die 1861 
von Daniel edirte „gescbiehte der erdkunde und der entdeckungen" 
wie auch in seinem hohen alter Kitter das alterthum stets beach- 
tete. Dies sein gelehrtes leben, wie es in Berlin sich gestaltet, ent- 
wickelt band II; er lässt aber neben dem gelehrten auch den men- 
schen nicht ausser acht und grade um dieses letztern punktes 
willen möchten wir unsrer gegenwart diese biographie empfehlen. 
Zur begründung wird genügen, die eignen worte Eitters hierher 
zu setzen, welche von ihm am tage vor seiner abreise nach Paris 
und den Pyrenäen, 10. april 1845, als vermächtniss für die 
seinigen niedergeschrieben und bd. II, p. 88 abgedruckt sind: 
„obwohl gegenwärtig bei den Vorbereitungen zu meiner abreise 
nach dem westlichen Frankreich und den Pirenäen gesund und 
wohl, so steht das leben doch in gottes hand, dessen gnade und 
barmherzigkeit so lange jähre hindurch mein Schicksal so wun- 
derbar und herrlich gelenkt , dass ich in meinem herzen ihm 
dem allgütigen, so lauge ich es vermag, lob und preis singen 
und sagen muss in all meinem denken und thun. Sollte es 
ihm gefallen, mich nicht wieder zu meinen geliebten und zu 
meinem bisherigen berufe zurückkehren zu lassen, sondern mir in 
seinem himmlischen reiche eine andre stelle zur erlangung der 
Seligkeit anzuweisen, die mich hier auf erden schon zu freuden- 
thränen entzückt hat, so bitte ich die meiuigen, sich nicht über 
meinen heimgang zu grämen: denn alles, was gott thut, ist 
wohlgethan. Ueber mein ewiges wird mein heiland, mein erlö- 
ser in seiner barmherzigkeit entscheiden. Im tiefen bewusstsein 
meiner schwächen und sünden bin ich doch voll Zuversicht und 
vertrauen, da ich weiss, dass gott die ewige liebe und gnade 
ist, und dass mein erlöser lebt, der seine gläubigen der gnade 
des ewigen und gerechten theilhaftig macht". 

E. v. L. 



THESES quas .... ampl. ordinis philosophorum Marbur- 
gensium .... d. I. m. Iulii publice defendet Augustus Me- 
tzung: I. Athenienses bello Chremonideo implicitos Ptolemaeus 



376 184 — 201. Neue auflagen u. Schulbücher. Nr. 7. 

Philadelphus deseruit. — IV. Legati Eomani a. 155 a Prusia 
Pergami non inviti obsessi sunt (Polyb. 33, 6). — VII. Quod 
in Aletrinatium titulo exstat SENATU — quod ad forraam per- 
tinet — ad locativum referendum est. — VIII. In Polybii 1. 
33, 10, 3 pro iniazdaecog restituerim avaazäcsag, quod Appia- 
nus praebet. 

NEUE AUFLAGEN: 184. Homers Odyssee. Erklärt von 
J. U. Fäsi. 3. bd. 5. aufl. Besorgt von W. C. Kays er. 
8. Berlin. Weidmann; 15 ngr. — 185. Sophokles. Erklärt 
von F. W. Schneidewin. 1. bd. 6. aufl. Besorgt von A. Nauck. 
8. Berlin. Weidmann; 12 ngr. — 186. Euripidis tragoediae. 
Ex rec. A. Nauckii. 2 voll.. 3. ed. 8 min. Lips. Teubner; 
ä 13 x /2 ngr. — 187. Xenophon's griechische geschichte. Er- 
klärt von N. Büchsenschütz. 1. heft. 3. aufl. 8. Leipzig. 
Teubner; 12 ngr. — 188. Ovidii Nasonis Metamorphoses. Aus- 
wahl f. schulen von J. Siebeiis. 2. Heft. 6. aufl. Besorgt 
von E. Polle. 8. Leipzig. Teubner; 15 ngr. 

NEUE SCHULBUECHER: 189. H. Ebeling, Schulwör- 
terbuch zu Homers Odyssee und Ilias. 2. aufl. 8. Leipzig. 
Hahn; 18 ngr. — 190. F. C. Theiss, vollständiges Wörterbuch 
zu Xenophons Anabasis. 7. aufl. umgearbeitet von H. L. Strack. 
8. Leipzig. Hahn; 12 ngr. — 191. A. Baumeister histo- 
risches quellenbuch zur alten geschichte. Für obere gymnasial- 
classen. 1. abth. Griechische geschichte. 2tes heft. 2. aufl. 
8. Leipzig. Teubner; 18 ngr. — 192. C. I. Caesaris de hello 
civili libri III. Für den schulgebrauch erklärt von A. Dobe- 
renz. 3. aufl. 8. Leipzig. Teubner; 15 ngr. — 193 — 96. 
Freund's Schülerbibliothek. 1. abth. Präparationen zu den 
griechischen und römischen schul - classikern. Heft 47. Cice- 
ro's Cato major; 3. aufl., über die pflichten, 1. heft; Tacitus 
Annalen 7. 8. 9. heft; ä 5 ngr. — 197. Eutropii breviarium . 
historiae Romanae. Zum schulgebrauch herausgegeben von 0. 
Eichert. Hannover. Hahn. 8; 3 ngr. — 198. 0. Eicher t, 
vollständiges Wörterbuch zu dem abrisse der römischen geschichte 
des Eutropius. 2. aufl. 8. Hannover. Hahn ; 4*/2 ngr! — 
199- W. Will er ding, lateinisches elemeutarbuch. 2. Tbl. 
für Quinta. 8. Hildesheim. Gerstenberg. 10 ngr. — . 200. 
G. Eichert, Chrestomathia latina. 7. heft. Auswahl aus Taci- 
tus. 8. Leipzig. Hahn; 12 ngr. — 201. A. Haacke, auf- 
gaben zum übersetzen ins lateinische für Sexta und Quinta. 5. 
aufl. 8. Berlin. Woidmann; 15 ngr. 

BIBLIOGRAPHIE: Cataloge der huchhändler : Verlags- cata- 
log von J. Ambr. Barth, abth. I.Philosophie, literatur- und 



Nr. 7. Bibliographie. 377 

Sprachwissenschaft, schöne künste enthaltend; geht bis in das 
vorige Jahrhundert zurück; A. Deichert kündigt Dr Franz 
Hoffmann Philosophische schritten bd. I. II an: bd. 1 ent- 
hält unter anderm auch eine abhandlung über gottesidee des 
Anaxagoras , des Sokrates und des Piaton-, H. Ebeling und 
C. Plahn kündigen an: Lexicon komericum coniposuerunt C. 
Capelle, A. Eberhard, E. Eberhard, B. Gisecke, V. H. Koch, 
G. Lange, J. la Roche, A. Bohde, Fr. Schnorr de Carolsfeld, 
edidit H. Ebeling: es soll in 12 — 15 lieferungen ä 20 sgr. 
erscheinen : es ist eine eigentümliche erscheinung eine solche 
menge mitarbeite!*; der prospect, auch noch andre philologische 
Unternehmungen dieser Verleger enthaltend , giebt über die art 
der thätigkeit der einzelnen mitarbeitet nichts an ; mittheilun- 
gen der verlagshandlung B. G. Teubner in Leipzig, nr. 3, 
abth. I, notizen über künftig erscheinende bücher: I. Philolo- 
gie und alterthumswissenschaft. Zur literatur des Unterrichts 
[es sind das doch sonderbare Überschriften!] : sie enthalten: grie- 
chische religionsgeschichte von A. Eossbach, 3 thle a 30 — 
40 bogen : die fast volle sechs seiten ausfüllende inhaltsanzeige 
verspricht ein -werk, wie es schwerlich jetzt geschrieben werden 
kann , enthält auch bedenkliches, wie wenn sie Welcker und 
Preller gleich stellt, die sg. vergleichende mythologie preisst: 
kennt der vf. D. Müller's Schriften nicht? s. Phil. Anz. II, p. 223. 
Ferner : Studien und characteristiken zur griechischen und römi- 
schen literaturgeschichte , von S. Teuf fei: grösstentheils frü- 
her schon gedruckt : wir hoffen, dass in ihnen das nach der 
ersten ausgäbe erschienene benutzt und verarbeitet ist : es ist 
gerade zu eine unart zu nennen, wenn vor jähren erschienene 
aufsätze in ihrer ersten form dem publicum wieder aufgetischt 
werden. Darauf folgen von Dr Anton Baumstark, ur- 
deutsche staatsalterthümer. Zur schützenden erläuterung der 
Germania des Tacitus : ein umfangreiches werk in sechs büchern, 
das eben das will, was eine reihe gelehrter schon gewollt ha- 
ben. Was das „schützende'' soll, begreifen wir nicht. Fer- 
ner: handbuch der lateinischen Stilistik, von Bein hold Klotz: 
von dessen söhn herausgegeben; W. Brambach, hülfsbüch- 
lein für lateinische rechtschreibung : zwei bücher, denen je- 
der philolog mit Spannung entgegensieht. Für die Bibliotheca 
scr. Graec. und Eoman. sind angekündigt : Plin. Secundi N. Hi- 
storia von Jan, bd. 2, von C. May ho f besorgt, und Seneca 
Ehetor von Ad. Kiessling. Endlich schulausgabeu. Dieselbe 
verlagshandlung hat auch einen „schulcatalog" auf rosapapier 
und „Bibliotheca philologica Teubneriana I" im juli auf gelb- 
lichem papier versandt, endlich auch ein verzeichniss von „lehr- 
und hülfsmitteln für den Unterricht in neuern sprachen". 

Cataloge der antiguare: Antiquarischer anzeiger von Theo- 
dor Ackermann in München, nr. XL VIII: enthält viel phi- 



378 Bibliographie. Nr. 7. 

lologisches; F. A. Brockhaus ä Leipzig. Catalogue de li- 
vres de linguistique et de langues et litteratures orientales, ent- 
hält p. 3 auch auf vergleichende grammatik bezügliche werke 
so wie p. 29 neugriechische;